Lk 6, 12-16 Jesus wählt 12 Apostel aus
Inhaltsverzeichnis
Vers 12 Nachtgebet auf dem Berg
Lk 6,12: Es geschah aber in jenen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott.
Berg
Nun steigt der Herr auf einen Berg. Der Berg ist in der Heiligen Schrift das Bild eines erhabenen Standpunktes in Gemeinschaft mit Gott und in Abgeschiedenheit von der Welt. Arend Remmers
Gebet in der Stille
Lernen wir also aus dem, was Christus tat, wie wir dem Gebet obliegen sollen, nämlich von den Augen der Menschen entfernt und abgesondert, auch mit der Entschlagung der weltlichen Sorge, damit der Wille sich aufwärts zur Anschauung des göttlichen Angesichtes erhebe. Dieses erkennen wir daraus, daß Jesus auf den Berg hinausging und allein betete.
Wo und wie lange bete ich?
Jesus geht auf einen Berg, um zu beten, um sich mit dem Vater auszutauschen. Er bleibt dort die ganze Nacht. Warum wählt er einen solchen Ort? Er könnte es bequemer haben. Warum betet er so lange? Ist er nicht müde?
Sicherlich möchte er allein sein mit dem Vater, ganz ungestört, denn zu der Zeit folgten ihm viele Leute. Er wollte ungestört sein, denn scheinbar hatte er viel mit seinem Vater zu besprechen, wenn sein Gebet die ganze Nacht dauerte.
Auch für mich ist es manchmal nötig, mich herauszunehmen aus der Alltagswelt, einen besonderen, ruhigen Ort aufzusuchen, um zu beten. Und ein wichtiges Gespräch mit Gott sollte ich auf keinen Fall von einem Zeitlimit bestimmen lassen.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Welche besonderen Orte oder Momente in meinem Leben laden mich ein, in Stille und ohne Zeitdruck mit Gott in Verbindung zu treten?
Seinen Willen suchen
Wie beeindruckend ist es doch, Jesus zu betrachten, der immer über allem den Willen des Vaters sucht und ihn somit auch tut.
Die Sehnsucht Jesu, den Willen seines Vaters zu tun und bei seinem himmlischen Papa zu sein, ist so groß, dass er die ganze Nacht im innigen Gebet verbringt.
Können wir uns nicht ein Beispiel an diesem Jesus nehmen, der vor wichtigen Entscheidungen mit seinem Vater redet und seinen Willen sucht?
Auch ich als Sohn und Tochter Gottes darf meine wichtigen Entscheidungen voll Vertrauen zum Vater bringen. Denn unser himmlischer Vater weiß, was seine geliebten Kinder brauchen.
Raphaela Kloiber
Frage: Wie könnte mein Leben anders aussehen, wenn ich jede Entscheidung zuerst im Gebet mit meinem himmlischen Vater bespreche?
Vers 13 Erwählung der zwölf Apostel
Lk 6,13: Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte.
Auswahl der Apostel
Jesus war im Begriff, seine Jünger auszuwählen. In gewisser Hinsicht gab es nichts Wichtigeres in den drei Jahren des Dienstes Jesu vor dem Kreuz.
Dies waren die Männer, die das weiterführen würden, was er getan hatte, und ohne sie würde sich das Werk Jesu niemals auf die ganze Welt erstrecken.
Kein Wunder, dass Jesus dieser kritischen Entscheidung eine ganze Nacht lang gebetet hat.
Frage: Welche Entscheidungen in meinem Leben verdienen es, dass ich ihnen genauso viel Zeit im Gebet und in der inneren Einkehr widme?
Das Wort Apostel
Die Idee hinter dem altgriechischen Wort für Apostel ist Botschafter. Das griechische Wort ist apostolos, was Gesandter bedeutet. Es beschreibt jemanden, der einen anderen repräsentiert und eine Nachricht von seinem Absender überbringt.
In diesem weiteren Sinne war Jesus nach Hebr 3,1 auch ein Apostel: Denken Sie an den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Botschaft, die dir gegeben wurde, auf eine Weise weitergeben, die andere inspiriert und unterstützt?
Ich habe dich erwählt, damit du mir allein dienst
Voller Staunen und Dankbarkeit schaue ich heute auf diese kleine Gruppe von Männern, die Apostel. Mit all ihren Unzulänglichkeiten und Fehlern ist es ihnen zu verdanken, dass sich das Evangelium in der ganzen Welt verbreitet hat, auch in meinem eigenen Herzen.
Sie waren nicht nur mutige und ziemlich spontane Männer, sie haben uns gezeigt, dass das Vertrauen auf Jesus und seinen Geist ein Wagnis ist, ein Schreiten über das Wasser.
Und das Erstaunliche ist, dass wir in dieser Tradition stehen und dass wir auch zu Aposteln Christi berufen sind, da, wo wir sind, in unserer Familie, in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft.
"Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen" (Jer 1,5).
Andrea Heck
Frage: In welchem Bereich deines Lebens spürst du den Ruf, wie ein Apostel Christi zu wirken, und wie könntest du diesem Ruf heute folgen?
Andacht von der Erzabtei Beuron
Die Berufung der Zwölf berichtet Lukas (6,12-16) mit ungewöhnlicher Feierlichkeit. Jesus geht auf den Berg, um zu beten. Der Berg ist der Ort der Gottesoffenbarungen, der bevorzugte Ort des Gebets. Nur an dieser Stelle wird berichtet, dass Jesus die ganze Nacht gebetet habe. Es ist ein entscheidender Augenblick.
Aus dem Kreis der Jünger werden zwölf herausgerufen, „ausgewählt“. Kein Wort darüber, warum gerade diese zwölf es sind, die der Vater ihm „gegeben“ hat. Wozu er sie auswählt, wird hier nicht gesagt (vgl. Mk 3,14). Vorerst sind sie die beständigen Begleiter Jesu, Zeugen all dessen, was er sagt und tut, später die Zeugen seiner Auferstehung (vgl. Apg 1,21-22).
Durch ihre Zwölfzahl sind sie Zeichen des neu geschaffenen Gottesvolkes, das aus allen Völkern der Erde zusammenkommt.
Frage: Welche Menschen in meinem Leben könnten für mich Wegbegleiter auf meinem eigenen spirituellen Weg sein?
Vers 14 Die ersten sechs Apostel
Lk 6,14: Simon, den er auch Petrus nannte, und dessen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,
Mein Name, ein Programm!
In diesem Evangelium lesen wir viele Namen. Wir „tragen“ alle einen Namen und sind nicht irgendeine Nummer.
Wenn wir einen Namen hören, denken wir oft an eine bestimmte Person. Wir werden mit unserem Namen gerufen.
Mein Name begleitet mich durch mein ganzes Leben. Kenne ich meinen Namenspatron? Sie oder er ist ein guter Freund und Fürsprecher beim Herrn.
Kann mein Namenspatron ein Vorbild für mich sein?
Frage: Welche Eigenschaften meines Namenspatrons könnten mich auf meinem eigenen Lebensweg inspirieren und stärken?
Apostel Andreas
Andreas stammte aus Betsaida und war Fischer. Zunächst war er Jünger Johannes‘ des Täufers. Als er das Zeugnis des Täufers über Jesus, „das Lamm Gottes“, hörte, trat er in dessen Gefolgschaft über (Joh 1,35-40) und wurde Teil der Gruppe der Zwölf. Er gewann auch seinen Bruder Petrus für Jesus (Joh 1,40-42).
Bei der Speisung der Fünftausend trat er besonders hervor (Joh 6,8-9). Außerdem wandten sich die Griechen an ihn, die nach dem Einzug in Jerusalem mit Jesus sprechen wollten (Joh 12,23). Der Überlieferung zufolge predigte Andreas später am Schwarzen Meer und in Griechenland das Evangelium und starb in Patras in Achaia den Martertod am Kreuz. Sein Gedenktag ist der 30.11.
Frage: Welche Menschen in meinem Leben könnte ich auf ihrem Weg inspirieren, ähnlich wie Andreas seinen Bruder Petrus begleitet hat?
Apostel Jakobus
Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Beide gehörten zu den erstberufenen Jüngern.
Jakobus zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Getsemani dabei waren.
Während die Apostelgeschichte vom Wirken Petrus und Johannes ausführlich berichtet, wird von Jakobus nur die Hinrichtung durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 erwähnt, verbunden mit einer Verfolgung anderer Christen. Jakobus war somit der erste Märtyrer unter den Aposteln.
Attribute: als Pilger
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Mut und Standhaftigkeit entwickeln, wenn du vor Prüfungen oder Ängsten stehst?
Apostel Johannes
Der Apostel Johannes, nach der Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein Bruder Jakobus’ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus die Fischerei betrieb.
Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges Temperament, Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“. Johannes war zuerst Jünger des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus.
Das besondere Vertrauen, das Jesus zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute (Joh 19, 26–27). Nach dem Zeugnis des Johannes-Evangeliums war er der einzige Jünger unter dem Kreuz, wo Jesus ihn als seinen Lieblingsjünger bezeichnete. Mit Petrus war er auch der erste, der nach der Nachricht der Frauen zum leeren Grab Jesu eilte.
In der Frühphase der Urgemeinde in Jerusalem war Johannes zusammen mit Petrus die prägende Gestalt. Paulus zählte Johannes, seinen Bruder Jakobus und Petrus zu den Säulen der Urgemeinde (Gal 2, 9).
Frage: Welche Menschen in deinem Leben würdest du als Säulen bezeichnen, die dich geistlich oder persönlich tragen?
Apostel Philippus
Philippus, der zunächst dem Jüngerkreis um Johannes den Täufer angehörte, wurde von Jesus zum Jünger berufen. Er führte dann Nathanael als weiteren Jünger in den Kreis um Jesus ein.
Vor der Speisung der Fünftausend stellte Jesus ihn auf die Probe (Joh 6, 5 - 7). Griechen, die Jesus sehen wollten, wandten sich an Philippus (Joh 12, 21 - 22).
Er nahm am Abendmahl in Jerusalem teil und wurde dabei von Jesus gerügt, weil er dessen Sendung offenbar noch immer nicht verstanden hatte (Joh 14, 8 - 9).
Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Nach lokaler Tradition wirkte Philippus – nachdem Paulus dort offenbar keine Gemeindegründung gelungen war – seine letzten beiden Lebensjahre in Athen und starb dort als Märtyrer.
Frage: Welche Situationen in meinem Leben fordern mich heraus, meinen eigenen Glauben und meine Berufung tiefer zu verstehen?
Apostel Bartholomäus
Von vielen Bibelinterpreten wird er mit Nathanael identifiziert. Er wurde demnach aus dem Kreise der Jünger Johannes des Täufers am Jordan von Philippus unter seinem israelitischen Namen Nathanael von Kana zu Jesus geführt.
Dieser erkannte ihn als Mann, in dem kein Trug ist, denn er hatte gesehen, wie du unter dem Feigenbaum warst – das heißt als einen, der bereits einen hohen Grad geistlicher Weisheit erreicht hat (Joh 1, 45–48).
Als Nathanael wird er noch bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Gennesaret erwähnt (Joh 21, 2), in der Berufung der Apostel jedoch als Bartholomäus. Bartholomäus soll später in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien gepredigt haben, wo er auch das Martyrium erlitt.
Seine Reliquien wurden nach der Insel Lipara und nach Benevent überführt; Kaiser Otto III. ließ sie nach Rom bringen und auf der Tiberinsel beisetzen.
Frage: Welche inneren Eigenschaften oder Weisheiten erkenne ich in mir selbst, die mich auf meinem spirituellen Weg leiten könnten?
Vers 15 Weitere vier Apostel
Lk 6,15: Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot,
Apostel Matthäus
Er war Zöllner in Kafarnaum, wahrscheinlich im Dienst des Herodes Antipas. In der Berufungsgeschichte bei Markus heißt er „Levi, Sohn des Alphäus“ (Mk 2,14; vgl. Lk 5,27), bei Matthäus 9,9 und in den Apostellisten erscheint er einfach als Matthäus.
Nach seiner Berufung gab Matthäus für Jesus und seine Begleitung ein Festessen, bei dem Jesus zu den Pharisäern sagte: „... Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“
Später soll Matthäus in Äthiopien, Parthien und Persien das Evangelium gepredigt haben. Seine Reliquien werden in Salerno verehrt.
Frage: Wie offen bin ich dafür, Menschen jenseits meiner gewohnten Kreise anzunehmen und zu begleiten?
Apostel Thomas
Thomas war bis zu seiner Berufung als Jünger Fischer. Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesu und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen. Erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: Mein Herr und mein Gott!
Damit erkannte er als erster der Jünger die göttliche Natur Christi (Joh 20, 24 - 29). Attribute daher: dem Auferstanden an die Wundmale fassend.
Nach der Legende soll er später in Indien missioniert haben und dort als Märtyrer gestorben sein. Im 3. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach Edessa überführt. Ephräm der Syrer (vgl. 9. Juni) hat ihn durch Hymnen verherrlicht.
Frage: Welche Zweifel in deinem eigenen Leben könnten dich tiefer zu deinem Glauben führen, wenn du den Mut hättest, ihnen offen zu begegnen?
Apostel Jakobus, der Sohn des Alphäus
Ob er derselbe ist wie der „Bruder des Herrn“ (Gal 1,19) und der Verfasser des Jakobusbriefs, wird von der heutigen Forschung mit guten Gründen bezweifelt. Die römische Liturgie scheint jedoch bei dieser Gleichsetzung zu bleiben.
Jakobus, „der Bruder des Herrn“, d. h. ein Verwandter Jesu, hat in der Kirche von Jerusalem eine führende Rolle gespielt und beim sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem ein wichtiges Wort zur Frage der Aufnahme der Heiden gesprochen (Apg 15,13-21).
Nach der Überlieferung starb er im Jahr 62 als Märtyrer.
Frage: Wie kann die Vorstellung eines Menschen, der in tiefer Nähe zu Jesus lebte, deine eigene Beziehung zu Spiritualität und Glauben berühren?
Apostel Simon
Simon mit dem Beinamen „der Eiferer“ gehörte vermutlich zu der kämpferisch-nationalistischen Gruppe der Zeloten (Mt 10,4; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,14).
Im Übrigen wissen wir von ihm nicht mehr, als dass er zum Kreis der Zwölf berufen wurde. Später soll er in Ägypten und Persien gepredigt und in Persien zusammen mit Judas Thaddäus das Martyrium erlitten haben.
Dieser Judas Thaddäus wird in Lk 6,16 und Apg 1,13 „Judas des Jakobus“ genannt, was wahrscheinlich als „Sohn (nicht Bruder) des Jakobus“ zu verstehen ist. Welcher Jakobus hier gemeint ist, wissen wir nicht. Auch Judas scheint aus nationalistischen Kreisen zu stammen und in Jesus zunächst einen politischen Messias, einen nationalen Befreier, erwartet zu haben.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du vielleicht Erwartungen an das Göttliche oder das Universum gehabt, die sich anders erfüllt haben, als du es dir vorgestellt hast?
Vers 16 Judas Jakobus und Judas Iskariot
Lk 6,16: Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Ischariot, der auch zum Verräter wurde.
Unmögliche Fälle
Der heilige Judas Thaddäus ist bekannt als der Patron der unmöglichen Fälle. Er war ein Verwandter unseres Herrn und schrieb einen der Briefe des Neuen Testaments.
Sein Patronat der unmöglichen Fälle meint natürlich, dass bei Gott nichts unmöglich ist.
Welchen unmöglichen Fall habe ich gerade? Welcher geistige Berg steht vor mir, der mir zu steil zum Hochklettern ist? Ist es tatsächlich so unmöglich, oder muss ich nur mehr vertrauen und härter arbeiten?
Frage: Welches kleine oder große Wunder könnte ich in meinem Leben zulassen, wenn ich ganz auf Gottes Führung vertraue?