Lk 5, 1-11 Jesus schenkt einen Fischfang
Inhaltsverzeichnis
Vers 1-2 Volksmenge am See
Lk 5,1: Es begab sich aber, als die Menge sich zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, dass er am See Genezareth stand.
Jesus ist dort, wo die Menschen sind
In dieser Szene des Evangeliums können wir Jesus betrachten, wie er am Seeufer auf die Menschen zugeht. Von den ersten Schritten seines öffentlichen Lebens an sucht Jesus die Nähe der Menschen; er macht es ihnen einfach, ihn zu finden, ihm zu begegnen.
Jesus hat kein Büro, keine Sprechstunden; er ist dort, wo die Menschen ihren Alltag leben; er möchte diesen Alltag mitleben, ihn mit uns teilen, gerade dort vom Vater und vom Reich Gottes erzählen und die unendliche Liebe Gottes offenbaren.
Er freut sich (auch heute) über jedes aufgeschlossene Herz, das seine Botschaft und seine Liebe aufnimmt und sich in seine Freundschaft hineinnehmen lässt. Es ist gut und es erneuert unsere Liebe, hin und wieder zurückzudenken und uns daran zu erinnern, wie Jesus am Horizont unseres Lebens erschienen ist und uns mit seiner Liebe berührt hat. Kann ich mich daran erinnern?
Frage: Wo spüre ich heute die leise Gegenwart Jesu in meinem Alltag – dort, wo er mich sucht und mit mir gehen möchte?
Sie bedrängten Jesus
Das Verb „bedrängen“, das Lukas hier verwendet, vermittelt eindrucksvoll das Bild einer großen Menschenmenge, die sich um Jesus scharte. Man musste sich regelrecht durchdrängen, um ihm nahe zu kommen.
Doch wenn wir die gesamte Zeit des Herrn auf Erden betrachten, stellt sich die Frage: Wie viele Menschen ließen zu, dass seine Botschaft ihr Leben wirklich veränderte?
Vielleicht geschah oft genau das, was der heilige Josefmaria später treffend beschrieb: dass man die Worte Jesu zwar hört, sie aber spurlos an einem vorübergehen – wie Wasser, das über Granit fließt.
Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für das Wort Jesu – lasse ich es in mich eindringen, oder fließt es wie Wasser über Stein hinweg?
Lk 5,2: Er sah zwei Schiffe am Ufer liegen; die Fischer aber waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen die Netze.
Vers 3 Predigt aus Simons Boot
Lk 5,3: Da stieg er in eines der Schiffe, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren; und er setzte sich und lehrte die Volksmenge vom Schiff aus.
Andacht von Papst Franziskus
Was tut da der Herr? Er beschließt, gerade in unser Boot zu steigen. Von da aus will er das Evangelium verkünden.
Genau dieses leere Boot, das Symbol unserer mangelnden Fähigkeiten, wird zur Kathedra Jesu, zur Kanzel, von der aus er das Wort verkündet.
Und das ist es, was der Herr gerne tut – der Herr ist der Herr der Überraschungen, der Wunder in den Überraschungen: in das Boot unseres Lebens einzusteigen, wenn wir ihm nichts zu bieten haben; in unsere Leeren einzutreten und sie mit seiner Gegenwart zu füllen; unsere Armut zu nutzen, um seinen Reichtum zu verkünden, unser Elend, um seine Barmherzigkeit zu verkünden.
Erinnern wir uns daran: Gott will kein Kreuzfahrtschiff, ihm reicht ein armes heruntergekommenes Boot, solange wir ihn nur willkommen heißen. Das ja, ihn aufnehmen; egal auf welchem Boot, ihn aufnehmen.
Aber lassen wir ihn – so frage ich mich – in das Boot unseres Lebens steigen? Stellen wir ihm das Wenige zur Verfügung, das wir haben?
Frage: Wo in meinem Leben darf Jesus heute in mein „leeres Boot“ steigen und es mit seiner Gegenwart füllen?
Er lehrte das Volk vom Boot aus
Viele Leute waren um Jesus versammelt und wollten ihn hören.
Da begann Jesus, zur Menge zu sprechen, um so seine Liebe, die Güte des Vaters und vieles mehr zu verkünden: Er wollte Großes an den Menschen tun und deshalb sprach er zu ihnen von der befreienden Wahrheit, die allein er bringen konnte.
Aber bei all dem brauchte Jesus ein Boot, damit ihn alle gut hören konnten. Was kann ein Boot allein schon? Aber wenn Jesus es nutzt, hilft es ihm bei seinem Werk.
Auch ich habe nur Boote (oder sonstige Werkzeuge und Geräte) und kann alleine nicht viel damit ausrichten. – Glaube ich, dass Jesus in mir und durch mich Wunder vollbringen kann?
Frage: Bin ich bereit, Jesus mein „Boot“ zur Verfügung zu stellen, damit er durch mich wirken kann?
Vers 4 Befehl zum Fischfang
Lk 5,4: Als er aber zu reden aufgehört hatte, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinunter!
Jesus ruft uns, hinauszufahren
D.h. hinaus in die Welt zu unserem Mitmenschen, um in Wort und Tat Zeugnis zu geben von der Macht seiner Liebe.
Wir leben nicht einfach dahin, sondern folgen täglich diesem Ruf, wissend, dass uns Gottes Vorsehung genau dort ins Leben stellt, wo es eben nach seinem Willen sein soll.
Wir fahren also auch heute hinaus und machen uns bereit, jeden Tag wie einen einzigartigen Tag zu beginnen, an dem wir bestmöglich Gott, den Nächsten wie uns selbst lieben mögen.
Von Neubeginn zu Neubeginn hinaus fahren, sich Gott geben, ohne Versicherung und mit ganzem Herzen.
Theresa von Avila schreibt: Mögest du Gott vertrauen, dass du genau dort bist, wo du vorgesehen bist, zu sein.
Frage: Wo spüre ich heute den Ruf, Gott in meinem Alltag neu zu vertrauen und mich seinem Willen ganz hinzugeben?
Christus ist mit uns im Boot
Soweit wir das beurteilen können, war Jesus mit ihnen im Boot, als Er dies anordnete. Seine Anwesenheit gab Zuversicht. Es ist ein Segen, Christus im Boot sitzen zu sehen, während man das Netz auswirft. Wenn Sie einen Blick auf sein zustimmendes Lächeln erhaschen, während er Sie beobachtet, werden Sie mit ganzem Herzen arbeiten. Spurgeon
Vertrauen auf das Wort Jesus
Petrus und die ersten Gefährten vertrauten dem Wort Christi und warfen ihre Netze aus. Wer sein Herz für Christus öffnet, wird nicht nur das Geheimnis seines eigenen Daseins verstehen, sondern auch das seiner eigenen Berufung, und er wird wunderbare Früchte der Gnade heranreifen lassen. Wenn der Christ das Evangelium ohne Abstriche lebt, wird er immer mehr dazu fähig, wie Christus selbst zu lieben.
Oberfläche oder Tiefe
Wenn wir nur an der Oberfläche leben, mag das zwar bequem sein, aber unser Leben wird dann seicht und belanglos, eben oberflächlich.
Wenn wir unsere Oberflächlichkeit durchbrechen und in die Tiefe unseres Selbst und Gottes eindringen, wird uns alle Furcht genommen sein und unser Leben wird neu.
Denn in der Tiefe ist Wahrheit, in der Tiefe ist Freude, in der Tiefe ist Hoffnung. Aus der Tiefe kommt die Vernunft, die göttlich ist.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wo spürst du in deinem Leben die Sehnsucht nach mehr Tiefe – und was könnte dich heute einen Schritt näher dorthin führen?
Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir für dieses Beispiel des Simon. Oftmals werden wir in der Hektik unseres Lebens von unserer Oberflächlichkeit eingeholt. Hilf mir, immer wieder zurück in die Tiefe meines Glaubens zu finden. Vorsatz: Heute werde ich mir Gottes Gegenwart schenken lassen und mich nicht der Oberflächlichkeit hingeben, die ihn nicht wahrnehmen kann.
Gott lässt die Menschen am Heil mitwirken
Wir lernen aus dieser Erzählung die Notwendigkeit des menschlichen Mitwirkens. Der Fischzug war wunderbar. Aber weder der Fischer, noch sein Schiff, noch sein Fischernetz wurden dabei unberücksichtigt gelassen. Alles wurde mit einbezogen, um die Fische zu holen.
So ist es auch mit der Errettung der Seelen. Gott wirkt durch allerlei Mittel. Und solange der neue Bund der Gnade in Kraft bleibt, wird es Gott wohlgefällig sein, durch schlichte und einfache Predigt des Evangeliums selig zu machen, die daran glauben.
Wenn Gott unabhängig von der Mithilfe der Kreatur wirkt, so wird Er ohne allen Zweifel dadurch verherrlicht. Er hat aber die menschliche Mitarbeit als das Mittel in den Plan Seiner Heilsabsichten aufgenommen.
Spurgeon
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben bewusster mitwirken an dem, was Gott in dieser Welt tun möchte?
Vers 5 Auf dein Wort
Lk 5,5: Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht hindurch gearbeitet und nichts gefangen.
Lk 5,5: Aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen!
Die leeren Netze sind Teil unseres Lebens
Sie stehen für alles, wo wir gescheitert sind. Leere Netze erleben wir als Enttäuschung oder als persönliches Versagen. Es war für mich eine wichtige Erfahrung, dass diese leeren Netze angenommen werden müssen.
Bevor das Halleluja, Jesus lebt mit Herzen gesungen werden kann, muss der im irdischen Sinne schlichtweg Gescheiterte am Kreuz betrachtet werden, der in der Nachfolge möchte, dass wir uns ihm ganz bringen – also eben auch unser Scheitern, unsere Probleme, unsere leeren Netze.
Das gilt es zu verinnerlichen und zu leben: Jesus ist der Hüter meiner Seele, sowohl auf der grünen Weide wie auch im dunklen Tal.
Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben leere Netze – und kann ich sie Jesus anvertrauen, damit daraus neues Leben wächst?
Für dein Leben
- Vertrau auch in schwierigen Zeiten: Du kannst oft nicht alles verstehen, aber wie Petrus solltest du trotzdem auf Gottes Wort hören und handeln, auch wenn es dir unlogisch erscheint.
- Lass dich von Gottes Fülle überraschen: Auch wenn du denkst, dass du schon alles gegeben hast, wird Gott dir mehr schenken, als du erwartest, wenn du ihm vertraust.
Das erste ist, die leeren Netze anzunehmen.
Das zweite ist das Leben im Vertrauen auf das Wort Jesus.
Auf sein Wort hin fahre ich wieder hinaus, trotz meiner negativen Erfahrungen und dem persönlichen Scheitern.
Ich verlasse mich auf sein Wort und trotze allen Einwänden und Bedenken.
Trotzkraft des Glaubens!
Bitten wir um Vertrauen dort, wo alles verloren erscheint, um Hoffnung dort, wo unsere Kräfte versagen.
Es ist ja nicht irgendein Wort, auf das wir vertrauend leben. Es ist das Wort schlechthin.
Auf sein Wort hin wurde es Licht und wurden Sonne und Mond erschaffen.
Auf sein Wort kam das Leben auf diese Erde.
Auf sein Wort hin wurden Menschen geheilt.
Auf sein Wort hin legte sich der Sturm.
Auf sein Wort hin lebe ich, vertraue ich, glaube ich, hoffe ich, liebe ich!
Frage: Wo in meinem Leben bin ich eingeladen, trotz Zweifel und Erschöpfung, auf sein Wort hin neu aufzubrechen?
Vers 6 Große Menge Fische
Lk 5,6: Und als sie das getan hatten, fingen sie eine große Menge Fische; und ihr Netz begann zu reißen.
Gott füllt die Netze
Diese Stelle vom wunderbaren Fischfang hat auch symbolische Bedeutung: Sie deutet auf die spätere Aufgabe der Jünger hin, Menschen zu fischen. Der See ist ein Sinnbild für die ganze Welt.
Genauso, wie sie nachts auf den See fahren müssen und nicht wissen, ob oder wie viel sie fangen werden, müssen sie später hinaus in die Dunkelheit und ins Ungewisse der Welt, und sie wissen auch dort nicht, ob ihre Predigt und ihre Mühen etwas bewirken werden oder nicht.
Ein Fischer wirft Nacht für Nacht aufs Neue seine Netze aus. Ein Jünger versucht immer wieder, das Reich Gottes zu verkünden. Der Fang liegt in Gottes Hand. Dabei wird man sicher auch mal mit leeren Händen zurückkehren. Aber es wird auch einen Moment geben, wo der Fang trotz unmöglicher Umstände riesig wird.
Damit wir nicht vergessen, dass es allein Gott ist, der die Herzen der Menschen berührt. Wir müssen nur nach unseren Möglichkeiten die Netze auswerfen.
Bertalan Egervári
Frage: Wo wirfst du heute deine Netze aus – und vertraust darauf, dass Gott sie füllt?
Vers 7 Netze reißen, Boote sinken
Lk 5,7: Da winkten sie den Gefährten, die im anderen Schiff waren, dass sie kommen und ihnen helfen sollten; und sie kamen und füllten beide Schiffe, sodass sie zu sinken begannen.
Die Fische fangen
Die Fische sprangen nicht ins Boot. Sie fingen Fische, aktiv! Das zeigt ein wichtiges Prinzip: Wenn auch alles von Christus und seinem Wirken abhängt, so nimmt das nichts von unserer Verantwortung weg.
Der Herr möchte gerne seinen Segen auf unsere Bemühungen legen. Aber das Tun, die Anstrengungen jeglicher Art, muss von uns kommen. Christen sind immer tätige Menschen.
In beide Schiffe wurde nun so viel Fisch verfrachtet, dass sie zu sinken drohten. Auch darin steckt ein erbauliches Ziel: Gottes Segen ist so gewaltig, dass er von uns nicht erfasst werden kann. Sein Segen wird nur durch die Anzahl und Größe unserer Gefäße beschränkt.
Norbert Blüm hat einmal gesagt: Bitte um Gottes Segen für Deine Arbeit. Erwarte aber nicht auch noch, dass er sie für Dich tut.
Frage: Wie kann ich heute aktiv mein Tun einsetzen, um Gottes Segen erfahrbar werden zu lassen?
Die Berufung trifft immer auch das Umfeld
Als Petrus auf seinem Boot diese vielen Fische einholt, da ruft er seine Mitarbeiter und Kollegen zu Hilfe. Er schafft es nicht allein, er braucht andere dazu. Und indem andere helfen, werden auch sie vom Herrn gerufen, an seiner Sendung teilzunehmen.
Plötzlich sehen sich auch Andreas, der Bruder von Simon, und das Brüderpaar Johannes und Jakobus in dieses Geschehen hineingezogen. Petrus wird, ohne es zu ahnen, zum Berufungssucher der drei anderen.
So geht es auch uns oft, wenn wir den Weg mit Gott gehen: er macht unser Leben sofort fruchtbar, indem er durch uns andere mit hinein nimmt. Nicht so, wenn wir unseren Weg mit Gott verbergen und im Geheimen leben wollen. Dann zieht es keine Kreise.
Aber wenn wir offen mit unseren Gotteserfahrungen, unserem Glauben umgehen, dann schon. Wie der Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht. Gottes Ruf ist sehr fruchtbar. Verbirg ihn nicht in deinem Alltag.
Klaus Einsle
Frage: Welche kleinen oder großen Erfahrungen mit Gott könntest du heute offen teilen, um Kreise des Glaubens um dich herum zu erzeugen?
Vers 8 Simon: Geh weg von mir!
Lk 5,8: Als aber Simon Petrus das sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch!
Für dein Leben
- Demut erkennen: Wenn du wie Simon im Boot bist, erkennst du, wie klein du vor Gott bist. Deine Fehler und Schwächen sind nicht von ihm verborgen – er kennt sie und liebt dich trotzdem.
- Glaube an seine Führung: So wie Simon Jesus vertraute, kannst du ihm dein Leben anvertrauen. Auch wenn du nicht alles verstehst, wird er dich führen und dir den Weg zeigen.
Petrus sah das Wirken Jesus. Wo sehe ich das Wirken Jesus in meinem Leben?
Petrus fiel vor Jesus auf die Knie. Tun wir dies ebenso, vor allem in der inneren Haltung.
Petrus sprach. Immer wieder: reden, reden, reden mit Jesus. Das allein schafft Beziehung.
Petrus erkennt sein sündhaftes Wesen. Nur wenn wir unser Angewiesen sein auf Erlösung erkennen und auch fühlen, können wir im aufrichtigen Glauben zu Jesus kommen.
Petrus bittet den Herrn von ihm wegzugehen, weil der Reine nicht dem Unreinen begegnen soll.
Da sich der Herr Jesus uns nun als Bruder und Freund offenbart hat, müssen wir – Gott sei's gedankt – nicht wie Petrus darum bitten, dass er weggehe, sondern können vielmehr beten: Komm näher zu mir, Jesus, denn ich bin ein sündiger Mensch. Mache mich rein im Herzen.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich Jesus heute näherkommen und mein Herz von ihm reinigen lassen?
Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder
Petrus fühlt sich plötzlich klein und schwach, als er die Größe und Güte Jesu erfährt. Vor Jesus und im Glanz seines Lichts wird Petrus sich dessen bewusst, wie klein und sündhaft er doch selber ist.
Jesus will Petrus aber keinesfalls demütigen, denn genau in diesem Moment fordert er ihn auf, ihm zu folgen, sein Apostel zu sein und vertraut ihm damit eine große Mission an.
Das Wunderbare an Jesu Liebe und Freundschaft ist, dass er uns, ohne uns zu demütigen, die Wahrheit offenbart – die Wahrheit über unsere Größe und unsere Grenzen. Das befreit uns von falschen Vorstellungen; und gleichzeitig lässt er uns erfahren, wie sehr er uns vertraut und was er aus unserem Leben machen kann, wenn wir uns ihm ganz hingeben und zulassen, dass unsere Kleinheit und seine Größe sich begegnen und zusammenarbeiten.
Lorli Pregel
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich meine eigene Kleinheit – und wie könnte ich diese im Vertrauen auf etwas Größeres als Stärke erleben?
Andacht von Anselm Grün
Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder. Es ist eine paradoxe Erfahrung, die wir aber alle manchmal machen können.
Wenn wir wirklich Gott erfahren, wenn wir das Wunder seiner Schöpfung wahrnehmen, wenn Gott uns im Schweigen berührt, dann haben wir zugleich das Gefühl: Wir erleben uns in unserer Kleinheit vor Gott.
Und wir spüren, dass wir in unserer Seele weit weg sind von Gott. Jede tiefe Erfahrung erschüttert uns.
Diese Erschütterung drückt Petrus in dem Satz aus: Geh weg von mir, ich bin ein Sünder.
Frage: Wann habe ich zuletzt die Nähe Gottes so stark gespürt, dass ich zugleich meine eigene Begrenztheit tief wahrgenommen habe?
Vers 9 Schrecken über den Fang
Lk 5,9: Denn ein Schrecken überkam ihn und alle, die bei ihm waren, wegen des Fischzuges, den sie gemacht hatten.
Gott ist gleichzeitig groß und gütig
Das typische Empfinden bei einer Begegnung mit Gott ist doppelt. Auch bei Petrus. Er spürt einerseits diese unsagbar gütige und milde Ausstrahlung der Liebe Jesu. Und gleichzeitig zieht es ihn vor der Macht und Größe, die er erahnt, auf die Knie.
Diese beiden Bewegungen, in einem harmonischen Gleichgewicht, sollten auch unser geistliches Leben kennzeichnen. Wer in Gott nur den Großen, Mächtigen, Anbetungswürdigen sieht, wird schwerlich eine herzliche Beziehung zu ihm haben können. Wer hingegen Jesus nur zu seinem „Kumpel” macht und seine Gottheit ganz aus den Augen verliert, der wird dem Großen im Herrn nicht gerecht.
Wie ist es bei dir: Bist du zu weit weg von Gott, weil er nur machtvoll in deinem Leben zu sein scheint? Oder verliert er seine Bedeutung, weil er nur Freund ist? Oder wächst die Harmonie beider Wahrheiten in deiner Seele, wenn du betest?
Klaus Einsle
Frage: Welche Bewegungen in dir – Ehrfurcht und Nähe – laden dich ein, Gott heute bewusster zu begegnen?
Vers 10 Von nun an Menschenfischer
Lk 5,10: Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; von nun an sollst du Menschen fangen!
Für dein Leben
- Vertraue darauf, dass Gott dich trotz deiner Zweifel und Schwächen beruft, Großes zu tun, auch wenn du dich unwürdig fühlst.
- Wage mutige Schritte, indem du deinen Alltag mit Gottes Perspektive betrachtest und dich darauf einlässt, Menschen mit seiner Liebe zu erreichen.
Petrus musste sich nicht fürchten
Der Herr kannte ihn durch und durch. In seiner Liebe wollte Er ihn für eine große Aufgabe gebrauchen: Menschen fischen. Petrus sollte diese Arbeit in Abhängigkeit tun, in Demut und im Vertrauen auf die Macht seines Meisters. Der Segen würde nicht ausbleiben, wie es der wunderbare Fischzug gelehrt hatte.
Jesus sprach. Unsere Worte gehen nicht ins Leere. Jesus hört sie und antwortet.
Er spricht mit uns auf vielerlei Art und Weise. Und sein Wort ist immer aufbauend, führend, liebend.
Hier nun spricht er: Fürchte dich nicht! Gott möchte gegenseitig liebend mit uns in Beziehung treten, nicht nach dem Prinzip einer kauernden Angst. Wir müssen uns nicht fürchten! Der Herr kennt uns und er ist da!
Er nimmt uns an die Hand und führt uns nach seiner vollkommenen Vorsehung, mal hier, mal dort hin, immer aber mit einer Sendung. Dieser Sendung zu folgen, in Demut und im Vertrauen auf ihn, ist unser Weg der Nachfolge.
Der Segen wird nicht ausbleiben, wie es der wunderbare Fischfang uns lehrt.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich Gottes liebevolle Führung am stärksten, und wie kann ich ihr noch mehr vertrauensvoll folgen?
Andacht von Anselm Grün
Jesus antwortet dem Petrus: Fürchte dich nicht. Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Er traut ihm also etwas zu. Dieser einfache Fischer ist dazu fähig, Menschen für Gott zu gewinnen.
Es ist gut, wenn wir diese Szene auf uns beziehen. Wir ärgern uns manchmal, dass wir nicht so ideal sind, wie wir gerne sein möchten. Wir entwerten uns selbst, halten uns für nicht gut genug. Doch Jesus traut uns etwas zu. Er schaut nicht auf unsere Fehler und Schwächen, sondern auf das, was uns zum Segen macht für andere Menschen.
Er traut uns zu, dass wir Menschen fangen, dass wir Menschen gewinnen, dass wir in den Menschen Leben wecken. Jesus will uns einladen, damit aufzuhören, uns selbst schlecht zu machen oder nur auf unsere Fehler zu schauen. Wir sollen unsere Schwächen nicht verdrängen. Aber wir sollen dem vertrauen, was Jesus uns zumutet: wir sind fähig, Menschen für das Leben zu gewinnen, Menschen, die sich selbst ablehnen, Hoffnung zu vermitteln, dass sie wertvolle Menschen sind, dass ihr Leben gelingen wird.
Auf diese Weise werden wir zum Segen für andere Menschen.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich darauf vertrauen, dass ich fähig bin, anderen Hoffnung und Leben zu schenken?
Andacht von Johannes Chrysostomus
Heute habe ich meinen Zuhörer nicht überzeugt, aber vielleicht wird es mir morgen gelingen, vielleicht in drei oder vier Tagen oder eine Weile später.
Der Fischer, der einen ganzen Tag lang seine Netze umsonst ausgeworfen hat, fängt manchmal den Fisch, den er den ganzen Tag lang nicht fangen konnte, am Abend, wenn er gerade zurückfahren will.
Der Bauer hört nicht auf, seine Felder zu bebauen, auch wenn er einige Jahre hindurch keine gute Ernte hatte; und am Ende macht häufig ein einziges Jahr alle vorhergehenden Verluste wieder reichlich gut.
Gott verlangt von uns nicht, erfolgreich zu sein, sondern zu arbeiten; nun wird unsere Arbeit aber nicht weniger belohnt werden, weil man uns nicht zugehört hat.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens darf ich geduldig bleiben und dem Prozess vertrauen, ohne sofortige Anerkennung zu erwarten?
Vers 11 Alles verlassen und Nachfolge
Lk 5,11: Und sie brachten die Schiffe ans Land, verließen alles und folgten ihm nach.
Für dein Leben
- Lass alles los, was dich von deiner Berufung ablenkt, sei bereit, alte Sicherheiten aufzugeben, um Gottes Ruf zu folgen.
- Vertraue auf Gott, auch wenn der Weg ungewiss ist, denn er führt dich zu einem Leben, das mehr ist als du dir vorstellen kannst.
Aufgrund des Glaubens verließen sie alles, um dem Jesus nachzufolgen
Glauben bedeutet, alles hinter sich zu lassen, um in ihm die Frieden stiftende Zuversicht zu finden, dass er uns niemals verlassen wird. In seiner unendlichen Güte wird Gott niemals jene verlassen, die ihn nicht verlassen wollen.
Glaube heißt, sich darauf zu verlassen, dass Gott Liebe ist und dass er einen Plan für mein Leben hat. Das tägliche „Alles-verlassen“ zeigt sich darin, gelassen zu bleiben in schwierigen Umständen, ruhend an seinem Herzen, im tiefen Wissen darum, dass er mich führt.
Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute lernen, loszulassen und mich ganz auf Gottes Führung zu vertrauen?
Alles hinter sich lassen
Hier ist dein Text in einer schöneren, flüssigeren Form, ohne den Inhalt zu verändern, mit Absätzen und kursiver Schriftart an einigen Stellen für mehr Lesefluss:
Was muss ich noch hinter mir lassen, um Jesus nachzufolgen? Was hindert mich daran, mich ganz Gottes Sendung zu weihen?
Und nicht in dem Sinn, dass ich meine Familie verlassen müsste, sondern dass ich mein Leben mit dieser Familie, diesen Leuten neben mir, heute und morgen, Gott übergebe, meine Arbeit, Hobbies und Freizeit Gott schenke.
Bitten wir den Heiligen Geist um Licht, um zu sehen, was noch in meinem Herzen ist, in diesen verschiedenen Momenten meines Lebens, wenn Jesus mich ruft, ich aber für seine Stimme noch verschlossen bin.
Was hindert mich daran, Jesus heute ganz nachzufolgen – so wie die Apostel?
Sebastian Jasiorkowski
Frage: Welche kleinen oder großen Dinge in meinem Alltag halten mich davon ab, mein Leben ganz in Gottes Hände zu legen?