Lk 24, 13-35 Die Emmausjünger

Vers 13-14 Auf dem Weg

Lk 24,13: Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tag zu einem Dorf namens Emmaus, das von Jerusalem 60 Stadien entfernt war.‭

Ungefähr sechzig Stadien von Jerusalem entfernt

Es könnte sechzig Stadien von irgendeinem anderen Ort entfernt gewesen sein. Die Jünger waren nicht in einer Synagoge, oder im Tempel, oder in der heiligen Stadt Jerusalem. Sie waren nicht gerade beim Beten oder Predigen. Sie waren an keinem besonderen Ort; sie befanden sich ganz einfach auf dem Weg von einem Ort zum anderen.

Sie hatten das hinter sich gelassen, was für sie wie ein zerbrochener Traum war. Und doch, genau in diesem unerwarteten Augenblick ‐ als sie es am meisten brauchten ‐ geht Christus selbst plötzlich an ihrer Seite.

Christus taucht niemals auch nur einen Moment zu spät und genauso wenig einen Moment zu früh auf.

Daniel Ray

Frage: Wo in meinem eigenen Weg könnte Christus heute unerwartet an meiner Seite sein – vielleicht gerade dort, wo ich ihn am wenigsten erwarte?

Lk 24,14: ‭Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschehnissen.‭

Vers 15 Jesus gesellt sich

Lk 24,15: Da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

Christus lässt sich herab, um dir in deinem Alltag zu folgen, um dich zu suchen

Er versteht deinen Schmerz.
Durch sein Wort und seinen Leib begleitet er dich.
Auf deinem Weg deutet er dir das Leben durch sein Wort.

Auf den vielen Emmaus-Wegen unseres Lebens erschließt er sich uns immer wieder aufs Neue.
Das Leben ist immer Werden, immer Veränderung, die angepackt werden darf – immer im Blick auf Jesus, der dich an die Hand nimmt, damit du dein Leben aus dem Glauben an ihn deutest und siehst, um ihn, den Herrn, immer tiefer zu erkennen.

Häufig erkennst du erst nach einem Ereignis, einer Begegnung in deinem Leben, dass er in seiner heilsbringenden Macht da war.

Frage: Wo in deinem Leben erkennst du im Rückblick seine begleitende Gegenwart, die dich wachsen lässt?

Demut Christi

Heute möchte ich euch einladen, über einen überraschenden Aspekt der Auferstehung Christi nachzudenken: seine Demut. Wenn wir an die Evangelienberichte zurückdenken, stellen wir fest, dass der auferstandene Herr nichts Spektakuläres tut, um sich dem Glauben seiner Jünger aufzudrängen.

Er erscheint nicht umgeben von Scharen von Engeln, vollbringt keine sensationellen Taten, hält keine feierlichen Reden, um die Geheimnisse des Universums zu enthüllen. Im Gegenteil, er nähert sich diskret, wie ein gewöhnlicher Wanderer, wie ein hungriger Mann, der um ein Stück Brot bittet (vgl. Lk 24,15.41).

Wir hätten Spezialeffekte, Zeichen der Macht, überwältigende Beweise erwartet. Aber der Herr sucht das nicht: Er bevorzugt die Sprache der Nähe, der Normalität, des gemeinsamen Tisches.

Frage: Wie könnte ich im eigenen Leben mehr die stille Kraft der Demut und Nähe leben, anstatt nach spektakulären Zeichen zu suchen?

Vers 16-17 Augen gehalten

Lk 24,16: ‭Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.‭

…so dass sie ihn nicht erkannten

Die Jünger hätten doch den Herrn Jesus kennen müssen. Sie hatten Seine Stimme so oft gehört und in Sein liebreiches Antlitz geschaut. Nun ist es zum Verwundern, dass sie Ihn nicht mehr kennen sollten.

Ist das nicht auch bei uns oft der Fall? Du hast den Herrn Jesus einfach nicht gesehen. Du bist ein Gast an Seinem Tisch gewesen und bist Ihm selbst nicht begegnet. Und obwohl uns der Herr Jesus sehr nahe ist, sprechen wir: „Ach, wenn ich doch wüsste, wo ich Ihn finden könnte!“

Wir sollten Jesus kennen, denn wir haben die Heilige Schrift, aus der uns Sein Bild beim Lesen anstrahlt. Und doch geschieht es so leicht, dass wir das kostbare Buch auftun und keine Spur von unserem geliebten Freund entdecken.

Und warum sehen wir Ihn nicht? Bei uns ist es wie bei den Jüngern: der Unglaube trägt Schuld daran. Sie erwarteten offenbar nicht, dem Herrn Jesus zu begegnen, darum erkannten sie Ihn nicht. Im Geistlichen wird uns fast immer geschenkt, was wir vom Herrn erwarten und hoffen. Der Glaube allein offenbart uns den Herrn Jesus!

O, lass doch das deine Bitte sein: Herr, öffne mir die Augen, damit ich meinen Heiland bei mir erblicke.
Spurgeon

Frage: Wo in meinem Leben wünsche ich mir, mit den Augen des Glaubens neu zu erkennen, dass der Herr Jesus wirklich bei mir ist?

Lk 24,17: Warum seid ihr so traurig?

Vers 18 Kleopas' Erstaunen

Lk 24,18: Da antwortete der eine, dessen Name Kleopas war, und sprach zu ihm: Bist du der einzige Fremdling in Jerusalem, der nicht erfahren hat, was dort geschehen ist in diesen Tagen?‭

Ins Gespräch kommen

Eine Möglichkeit, Jesus zu begegnen, ist das Gebet. Eigentlich weiß Jesus schon, worüber sich die beiden Jünger unterhalten, aber er stellt trotzdem Fragen und möchte es von ihnen hören. So ist es auch mit unseren Sorgen: Obwohl Jesus sie bereits kennt, freut er sich, wenn wir mit ihm darüber sprechen. Elias Hamperl

Fremdling auf der Erde

War der Herr Jesus wirklich der Einzige, der sich als Fremder in Jerusalem aufhielt? Ja, das war Er. Er war der einzige echte Fremdling in Jerusalem. Aber nicht nur das. Er war auch der einzige echte Fremdling auf der Erde – der himmlische Fremdling, der aus dem Himmel gekommen war und zum Himmel gehörte (Mt 25,43; Joh 3,13).

Als Er auf die Erde kam, war Er von Anfang an der Verworfene: Die Welt kannte Ihn nicht, sein Volk wollte Ihn nicht und seine Jünger verstanden Ihn nicht (Lk 2,50; 9,45; 18,34; Joh 1,10.11).

So wie der Herr Jesus ein Fremdling auf der Erde war, sollen auch wir Fremdlinge sein. Petrus nennt uns in seinem ersten Brief Fremdlinge und solche, die kein Bürgerrecht haben (1. Pet 2,11). Wir sind zwar noch in der Welt, aber nicht von der Welt (Joh 17,11.14.16). Wir gehören nicht mehr zu dieser Welt. Unser Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3,20).

Im Leben des Herrn Jesus war für alle erkennbar, dass Er nicht zu dieser Welt gehörte. In deinem und meinem Leben auch?

Frage: Wie bewusst lebst du als himmlischer Fremdling in dieser Welt – und was bedeutet das heute für deine Beziehung zu Gott?

Vers 19-20 Jesus von Nazareth

Lk 24,19: ‭Und er sprach zu ihnen: Was? Sie sprachen zu ihm: Das mit Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk;‭

Er war ein Prophet – mächtig in Wort und Tat

Da war Jesus und er tat mächtige Dinge. Er heilte Kranke, trieb Dämonen aus und erweckte Tote wieder zum Leben.

Was muss das für ein Mensch, eine Erscheinung gewesen sein? Die Menschen seinerzeit waren beeindruckt. So jemanden hatte es noch nie gegeben. Sie setzten alle Hoffnung auf ihn und wähnten ihn als Retter.

Aber dann wurde er ans Kreuz geschlagen. Und sie hatten gehofft, er würde sie erlösen. Menschlich gesehen ein Versagen auf der ganzen Linie.

Svenja Nonnenmacher

Frage: Wo in meinem Leben erwarte ich noch, dass Gott auf meine Weise handelt – und übersehe dabei vielleicht, wie er bereits auf seine Weise wirkt?

Lk 24,20: ‭wie ihn unsere obersten Priester und führenden Männer ausgeliefert haben, dass er zum Tode verurteilt und gekreuzigt wurde.‭

Vers 21-22 Enttäuschte Hoffnung

Lk 24,21: ‭Wir aber hofften, er sei der, welcher Israel erlösen sollte. Ja, bei alledem ist heute schon der dritte Tag, seit dies geschehen ist!‭

Wir hofften

Wieder einmal wird der auferstandene Herr von seinen Jüngern nicht erkannt. Der Evangelist scheint anzudeuten, dass der Grund dafür der fehlende Glaube der Jünger ist: „Doch sie waren mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.”

Christus lernt seine Jünger kennen, indem er ihnen Raum gibt, zu erzählen. Er entdeckt schnell den Grund, warum sie so mutlos und niedergeschlagen sind. Ihr Problem scheint darin zu liegen, dass sie einen anderen Christus „erhofft hatten“ – einen politisch aktiveren und weltlichen Christus.

Hier können wir uns fragen, ob wir nicht auch oft auf einen anderen Christus hoffen, einen Christus, der mehr nach unserem eigenen Geschmack ist oder der uns in unseren menschlichen Anliegen – sei es Geld, Reichtum, Ruhm oder Beliebtheit – unterstützt.

Frage: Wo in meinem Leben halte ich vielleicht an Vorstellungen von Christus fest, die nur meinen eigenen Wünschen entsprechen, und was würde es bedeuten, ihm wirklich zu begegnen?

Lk 24,22: ‭Zudem haben uns auch einige Frauen aus unserer Mitte in Verwirrung gebracht; sie waren am Morgen früh beim Grab,‭

Vers 23-24 Vision der Engel

Lk 24,23: ‭fanden seinen Leib nicht, kamen und sagten, sie hätten sogar eine Erscheinung von Engeln gesehen, welche sagten, er lebe.‭

Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen

Nach der großen Enttäuschung der Passion hatten die zwei Jünger aufgegeben und gingen traurigen Herzens nach Hause. Zwar hatten sie vom leeren Grab gehört und sogar von der Botschaft der Engel und der Bestätigung, dass alle Zeichen wahr waren. Dennoch war ihr Herz und Verstand nicht bereit, an deine Auferstehung zu glauben.

Ein kleines Zeichen hatte Johannes genügt, um neue Hoffnung zu schöpfen und zu glauben. Doch ihnen reichte nicht einmal eine Engelsbotschaft. Und so konnten sie auch dich nicht erkennen, als du begannst, mit ihnen zu gehen.

Wie sieht es mit meinem Glauben aus? Habe ich geübte Augen, die fähig sind, deine Zeichen zu lesen?

Johanna von Siemens

Frage: Welche kleinen Zeichen in meinem Leben könnten mir helfen, deine Gegenwart bewusster wahrzunehmen?

Lk 24,24: ‭Und etliche der Unsrigen gingen hin zum Grab und fanden es so, wie es auch die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber haben sie nicht gesehen.‭

Vers 25 Tadel des Unglaubens

Lk 24,25: ‭Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!‭

Die Heilige Schrift lässt uns besser verstehen

Es ist schon faszinierend, wie viele Prophezeiungen es über den Messias gibt. Wenn wir in der Bibel lesen, können wir Jesus mehr und mehr kennenlernen.

Er selbst hat den beiden Jüngern ausführlich erklärt, welche Bedeutung die einzelnen Passagen haben. Was über ihn geschrieben steht, bringt uns in Kontakt mit ihm, und wo immer das Wort Gottes vorgelesen wird, tritt er in unsere Mitte.

Elias Hamperl

Frage: Welche Worte oder Passagen in deinem Leben lassen dich besonders die Nähe Jesu spüren?

Vers 26 Leiden und Herrlichkeit

Lk 24,26: ‭Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?‭

Musste nicht …?

Oft erwarten wir, dass der Weg des Glaubens eine gerade Linie nach oben ist, frei von Hindernissen oder Schmerzen. Doch Lukas 24,26 erinnert uns daran, dass selbst für Jesus der Weg zur Herrlichkeit mitten durch das Leiden führte. Es ist eine tiefe, fast unbegreifliche Logik Gottes: Das Schwere ist kein Zeichen seiner Abwesenheit, sondern oft der notwendige Durchgang zu etwas Neuem und Größerem.

Wenn wir heute vor Mauern stehen oder Enttäuschungen verarbeiten müssen, dürfen wir wissen, dass Gott diese dunklen Abschnitte nicht übersieht. Er nutzt sie, um uns zu verwandeln und auf das vorzubereiten, was kommt. Das Kreuz war nicht das Ende, sondern die Voraussetzung für den Sieg. Diese Gewissheit schenkt uns die Kraft, auch in schwierigen Zeiten darauf zu vertrauen, dass Gott noch am Wirken ist.

Frage: Welchen aktuellen Widerstand in meinem Leben könnte ich als einen notwendigen Wegabschnitt betrachten, der mich tiefer in Gottes Nähe und Herrlichkeit führen will?

Musste nicht der Messias all das erleiden? 

Mit wie viel Geduld und Liebe begleitetest du sie auf diesem Weg der Enttäuschung!

Mit einer liebevollen Rüge öffnetest du ihnen langsam die Augen, dass das Leiden, was für sie so ein Skandal gewesen war, ein notwendiger Teil des Heilsplanes Gottes ist.

Durch die einfühlsame Auslegung der Heiligen Schrift konnten sie langsam die Hindernisse überwinden, die sie zu dieser tiefen Entmutigung geführt hatten.

"Brannte uns nicht das Herz in der Brust?" – Herr, auch zu mir sprichst du durch die Heilige Schrift. Sie ist dein Liebesbrief, indem du mir den Weg zum Leben zeigst. Bin ich auch fähig, dich in der Schrift zu erkennen? Spüre ich mein Herz brennen?

Johanna von Siemens

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst auf die leise Stimme Gottes hören und mein Herz für seine Führung öffnen?

Vers 27 Auslegung der Schrift

Lk 24,27: ‭Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.‭

Jesus unser Lehrer

Die beiden Jünger auf dem Wege nach Emmaus hatten eine äußerst gesegnete Reise. Ihr Gefährte war der beste Lehrmeister. Er legte ihnen Gottes Wort aus, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.

Der Herr Jesus ließ sich herab, um ein Prediger des Evangeliums zu werden. Er schämte sich nicht, Seinen Dienst vor einer Zuhörerschaft von zwei Personen zu tun. Und so weigert er sich auch nicht, Lehrer für einen Einzigen zu sein.

Suchen wir mit allem Fleiß den Umgang eines so vortrefflichen Lehrers!

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich bereits die Gegenwart eines Lehrers oder Mentors gespürt, der mir spirituell tiefe Erkenntnisse schenkte?

Andacht von Anselm Grün

Er zeigt ihnen auf, dass im Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu die gesamte Botschaft der Bibel zusammengefasst werden kann.

Alle Worte vom erlösenden und errettenden Gott, von dem Gott, der uns aus der Grube herausführt, der das versklavte Volk befreit, der uns aus der Not errettet, erlangen ihre Erfüllung in Tod und Auferstehung Jesu: Es gibt nichts, woraus Gott uns nicht zu erretten vermag.

Gott hat Jesus von den Toten erweckt. Also wird er auch uns aus jeder Dunkelheit herausführen in das Licht, aus dem Grab in das Leben, aus der Starre in die Lebendigkeit, aus der Gefangenschaft in die Freiheit, aus der Blindheit zum Sehen, aus der Lähmung in das Gehen, aus der Gesetzlichkeit in die Liebe.

Anselm Grün

Frage: Wo in meinem Leben darf ich Gottes befreiende Gegenwart heute besonders spüren und ihm vertrauen?

Vers 28-29 Bitte um Bleiben

Lk 24,28: ‭Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie wanderten; und er gab sich den Anschein, als wollte er weitergehen.‭

Lk 24,29: ‭Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt! Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben.‭

Bleib bei uns

Christus drängt sich diesen zwei Jüngern nicht auf. Es scheint vielmehr, dass er weitergehen will, und er gibt ihnen Zeit, selbst die Einladung auszusprechen, den Abend bei ihnen zu verbringen.

Dasselbe geschieht auch in unserem Leben und in unserem Herzen. Christus tritt erst dann ein, wenn er eingeladen und willkommen geheißen wird. Er wird eintreten ‐ er sehnt sich sehr danach, zu uns zu kommen ‐ aber er tut es erst, wenn wir ihm die Türe öffnen.

Daniel Ray

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Christus bewusst einladen, um Raum für seine Gegenwart zu schaffen?

Bleibe bei uns; denn es will Abend werden

Das ist ein Bild für unser Leben. Dort, wo es in uns dunkel wird, wo die Nacht über unsere Seele hereinbricht, dort dürfen wir den Auferstandenen bitten, bei uns zu bleiben. Anselm Grün

Vers 30 Brotbrechen

Lk 24,30: ‭Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen.

Nahm er das Brot

Diese Handlung erinnert an das letzte Abendmahl und offenbart seine Identität. Die Jünger erkennen ihn in diesem Moment, was zeigt, dass Jesus durch das Teilen des Brotes Gemeinschaft stiftet.

Theologisch verweist die Szene auf die Eucharistie: In der Feier des Mahls wird Christus gegenwärtig. Zudem zeigt sie, dass Begegnung mit Jesus oft im Alltag geschieht – beim Essen, Teilen und Segnen.

Die Emmaus-Erzählung ermutigt Gläubige, Jesus in der Gemeinschaft und in den Sakramenten zu suchen. Sie offenbart auch, dass Christus oft unerkannt bei uns ist, bis er sich selbst offenbart.

Frage: In welchen Momenten deines Alltags könntest du bewusst nach der stillen Gegenwart Christi suchen?

Vers 31 Augen geöffnet

Lk 24,31: ‭Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn; und er verschwand vor ihnen.

Andacht von Augustinus

Wann, Brüder, hat sich der Herr zu erkennen gegeben? Als er das Brot brach. Wir sind uns daher sicher: Wenn wir das Brot brechen, erkennen wir den Herrn.

Wenn er in keinem anderen als in diesem Moment erkannt werden wollte, dann unseretwegen, die wir ihn nicht im Fleische sehen und dennoch sein Fleisch essen sollten.

Du also, der du an ihn glaubst, wer auch immer du bist; du, der du nicht umsonst den Namen eines Christen trägst; du, der du nicht rein zufällig in die Kirche kommst; du, der du das Wort Gottes in Furcht und Hoffnung hörst: Das gebrochene Brot wird für dich ein Trost sein!

Die Abwesenheit des Herrn ist keine wirkliche Abwesenheit. Hab Vertrauen, bewahre den Glauben, und er ist mit dir, auch wenn du ihn nicht siehst.

Als der Herr sich den Jüngern näherte, hatten sie keinen Glauben. Sie glaubten nicht an seine Auferstehung; sie hatten nicht einmal die Hoffnung, dass er auferstehen könnte. Sie hatten den Glauben verloren; sie hatten die Hoffnung verloren. Sie waren Tote, die mit einem Lebenden unterwegs waren. Tot gingen sie mit dem Leben. Das Leben ging mit ihnen, aber in ihren Herzen war das Leben noch nicht erneuert.

Und du, begehrst du das Leben? Mach es wie die Jünger, und du wirst den Herrn erkennen. Sie boten Gastfreundschaft an; der Herr schien entschlossen, seinen Weg fortzusetzen, aber sie hielten ihn zurück.

Halte auch du den Fremden zurück, wenn du deinen Retter erkennen willst. Lerne, wo du den Herrn suchen, wo du ihn besitzen, wo du ihn erkennen kannst: indem du das Brot mit ihm teilst.

Augustinus

Frage: Wo in deinem eigenen Leben könntest du heute das „gebrochene Brot“ teilen, um den Herrn zu erkennen und sein Leben in dir neu zu wecken?

Offene Augen

Die Fleischwerdung des Wortes in Christus findet auf geistlicher Ebene täglich immerfort statt, weil Christus in jeder Person zwar vollständig verborgen, aber dennoch vollständig offenbart ist.

Darum und nur darum sind wir Daseinsmenschen, bevor wir Tatmenschen sind, das heißt, dass wir uns nicht über unser Tun oder Nichttun definieren, sondern über das Dasein in Christus, den wir immer mehr zu erkennen suchen – in uns selbst und im anderen, im Wort Gottes und in den Sakramenten.

Achte auf das Wort, dass ihnen die Augen aufgetan wurden – sie es nicht selbst taten. Beten wir immer wieder darum, dass Gott unsere Augen auftut, sodass wir Christus immer tiefer erkennen und lieben lernen und stets mit den Augen der Liebe des Christus sehen.

Eure Augen sind es, durch die Christi Erbarmen auf die Welt schaut. Theresa von Avila

Frage: Wie öffnest du in deinem Alltag deine Augen, um Christus in dir und in anderen bewusst wahrzunehmen?

Gottesdienst ist Begegnung mit dem Herrn

Damals wie heute ist der christliche Gottesdienst nicht allein eine Erinnerung an vergangene Geschehnisse und ebensowenig eine besondere mystische, innere Erfahrung, sondern im wesentlichen eine Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, der in der Dimension Gottes lebt, jenseits von Zeit und Raum, und dennoch inmitten der Gemeinde gegenwärtig wird, in der Heiligen Schrift zu uns spricht und für uns das Brot des ewigen Lebens bricht. Benedikt XVI

Vers 32 Brennendes Herz

Lk 24,32: ‭Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg, und als er uns die Schriften öffnete?‭

Brannte uns nicht das Herz in der Brust? 

Wir begreifen oft erst im Nachhinein Gottes Wirken und fangen an, die Bedeutung seines Handelns in unserem Leben zu enträtseln.

Erst wenn wir zurückschauen, können wir sehen, warum er uns zu ganz bestimmten Zeiten jene besonderen Gnaden gegeben hat.

Was wäre geschehen, wenn wir die Gnaden, die er uns angeboten hat, nicht angenommen und wir sie nicht festgehalten hätten?

Nehmen wir uns Zeit, und entdecken wir Gottes Hände in den schwierigen Momenten unseres Lebens.

Daniel Ray

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich Gottes Wirken vielleicht übersehen, und wie könnte ich es heute bewusst wahrnehmen?

Fazit: Die Botschaft von Emmaus

​Der Herr erwartet nicht von uns, dass wir perfekt sind. Er erwartet nicht, dass wir bereits alles umgesetzt haben, was er uns gelehrt hat. Er erwartet nicht, dass wir (immer) treu sind, sondern er stellt sich einfach an unsere Seite.

​So wie heute bei den beiden Jüngern, die Jerusalem verlassen und nach Emmaus zurückkehren, weil sie enttäuscht sind. Sie hatten nicht erwartet, dass die Geschichte so enden würde. Und Jesus gesellt sich zu ihnen.

​Das wissen wir ja bereits, das Evangelium sagt es uns: Jesus kam und starb für uns, als wir noch in Sünden waren. Das ist unser Gott. Und heute, an der Seite dieser beiden Jünger, zeigt er uns seine „Methode“:

  • ​Er stellt sich neben sie.
  • ​Er macht ihnen keine Vorwürfe.
  • ​Er lässt ihre Ängste, ihre Furcht und ihre Enttäuschung über das, was schiefgelaufen ist, einfach heraus.

​Und dann beginnt er, ihnen durch sein Wort und die Heilige Schrift wieder Kraft und Wärme zu geben. So spüren die beiden Jünger, wie ihr Herz entflammt, aber sie haben ihn noch nicht erkannt.

​Erst als sie dann allein sind und Jesus das Brot bricht, kommen sie wieder mit der Liebe des letzten Abendmahls in Berührung. Sie erkennen Jesus beim Brechen des Brotes – und in dem Moment, in dem sie ihn erkennen, verschwindet er. Denn nun ist Jesus in ihnen. Es ist nicht mehr nötig, dass er physisch anwesend ist.

​Diese beiden Jünger kehren voller Freude nach Jerusalem zurück, um es allen zu erzählen. In Jerusalem ist die Situation noch dieselbe, nichts hat sich geändert – aber sie haben sich geändert.

​Meine Lieben, lassen wir uns also von der Gegenwart des Herrn verändern; von dieser Liebe, jedes Mal, wenn er für uns während der Heiligen Messe das Brot bricht.

​Gott segne euch alle!

Vers 33-34 Zurück nach Jerusalem

Lk 24,33: ‭Und sie standen auf in derselben Stunde und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und ihre Gefährten versammelt,‭

Begegnung mit Jesus bewegt uns

Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus lässt niemanden unverändert. Die Emmaus-Jünger bleiben nicht sitzen; noch in derselben Stunde brechen sie auf und kehren nach Jerusalem zurück. Wo Jesus uns begegnet, kommt auch unser Herz in Bewegung. Nicht nur unsere Schritte ändern sich, sondern vor allem unsere innere Haltung. Aus Angst wird Mut, aus Zweifel Vertrauen, aus Härte Sanftmut. Gerade dort, wo wir innerlich schnell urteilen, kritisieren oder uns verschließen wollen, lädt Christus uns ein, anders zu reagieren: mit Geduld, Güte und einem offenen Herzen. Seine Gegenwart verwandelt unseren Blick auf andere Menschen. Die Begegnung mit Jesus bringt uns in Bewegung!

Wer Jesus wirklich begegnet, trägt diese Bewegung weiter in den Alltag – in Worte, Entscheidungen und Beziehungen. So wird aus innerer Wandlung ein lebendiges Zeugnis seiner Liebe.

Lk 24,34: ‭die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und er ist dem Simon erschienen!‭

Andacht von Spurgeon

Sie hatten Ihn genötigt, bei ihnen zu bleiben, weil der Tag sich geneigt hatte; jetzt aber ward ihre Liebe ihnen zu einer Leuchte auf dem Wege, ja, gab ihren Füßen Flügel, obgleich es unterdes noch später geworden war. Sie vergassen die Dunkelheit, ihre Müdigkeit war vergangen, und sie kehrten die sechzig Feldweges sogleich wieder zurück, um die Freudennachricht vom auferstandenen Herrn, der ihnen auf dem Wege erschienen war, zu verkünden.

Sie kamen nach Jerusalem zu den andern Jüngern und wurden jubelnd mit ähnlichen köstlichen Nachrichten empfangen, bevor sie noch erzählen konnten, was ihnen selber begegnet war. Diese ersten Christen waren ganz begeistert in der Erzählung der Auferstehung Christi, und in der Verkündigung dessen, was sie vom Herrn wussten: sie machten ihre Erfahrungen zu einem Gemeingut.

Heute abend wollen wir uns von ihrem Beispiel recht stärken und erquicken lassen. Auch wir müssen den Herrn Jesum bezeugen.
Spurgeon

Frage: Welche Erfahrungen mit dem Göttlichen oder mit Liebe könnten auch mein Herz so erleuchten, dass Müdigkeit und Dunkelheit vergehen?