Lk 15, 11-32 Gleichnis von verlorenen Söhnen

Vers 11 Vater hatte zwei Söhne

Lk 15,11: ‭Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.‭

Zum Gleichnis

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32) zeigt Gottes unermessliche Barmherzigkeit. Der jüngere Sohn verlangt sein Erbe, verschwendet es und endet in Not. Als er bereut und heimkehrt, empfängt ihn der Vater voller Liebe – ein Bild für Gottes Vergebung.

Der ältere Sohn, der treu geblieben ist, reagiert eifersüchtig auf die Feier für den Heimkehrer. Der Vater lädt ihn ein, sich zu freuen, denn Vergebung steht über Gerechtigkeit.

Das Gleichnis betont, dass Gott auf reuige Sünder mit offenen Armen wartet. Es fordert zur Selbstprüfung auf – sind wir wie der reuige Sohn oder der neidische Bruder? Es ruft zu Barmherzigkeit, Freude an der Vergebung und Dankbarkeit für Gottes Liebe auf.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich offen für Vergebung sein oder sie anderen schenken?

Vers 12 Jüngerer fordert sein Erbe

Lk 15,12: ‭Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut.‭

Der Vater veranschaulicht deutlich Gottes Liebe

Seine Liebe erlaubte Rebellion und respektierte in gewisser Weise den menschlichen Willen. Der Vater wusste, dass der Sohn eine dumme und gierige Bitte stellte, erlaubte ihm aber trotzdem, seinen Weg zu gehen.

Vers 13 Sohn verprasst alles auswärts

Lk 15,13: Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben.

Reiste in ein fernes Land

Diese Szene verdeutlicht die menschliche Neigung zur Selbstbestimmung und die Versuchung, sich von Gott zu entfernen. Der Sohn symbolisiert Menschen, die Gottes Gaben empfangen, aber sie egoistisch und gedankenlos nutzen.

Das "ferne Land" steht für die Distanz zum Vater, also zu Gott. Die Verschwendung seines Erbes zeigt, dass weltliche Freuden vergänglich sind.

Erst durch seinen späteren Fall erkennt der Sohn seinen Fehler. Der Vers betont die Konsequenzen von Selbstsucht, bereitet aber zugleich den Boden für Reue und Umkehr, die im weiteren Verlauf des Gleichnisses thematisiert werden.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens erkenne ich, dass ich mich von meinem inneren oder göttlichen Kern entfernt habe, und wie könnte ich wieder darauf zurückfinden?

Abreise des jüngeren Sohnes

Der jüngere Sohn reiste in ein fernes Land, indem er sich nicht räumlich von Gott entfernte, der überall ist, sondern durch den Willen. Denn der Sünder flieht Gott, so daß er von ihm entfernt ist. Goldene Perle

Vers 14 Hungersnot bringt ihn in Not

Lk 15,14: ‭Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und auch er fing an, Mangel zu leiden.‭

Vers 15-16 Er hütet fremde Schweine

Lk 15,15: ‭Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Äcker, die Schweine zu hüten.‭

Die Schweine zu hüten

Lukas 15,15 beschreibt den Tiefpunkt des verlorenen Sohnes: Er verliert alles und muss als Schweinehirte arbeiten, eine für Juden besonders demütigende Tätigkeit, da Schweine als unrein galten. Diese Situation symbolisiert seine völlige Entfremdung von seinem Vater und seiner Heimat.

Die Stelle verdeutlicht, wie tief ein Mensch sinken kann, wenn er sich von Gott abwendet. Sie zeigt aber auch, dass solche Krisen zu einem Umdenken führen können. Der verlorene Sohn erkennt seine Lage und wird zur Umkehr bewegt.

Dies spiegelt die göttliche Gnade wider: Gott lässt den Menschen seine eigenen Wege gehen, aber selbst in größter Not bleibt die Möglichkeit zur Rückkehr offen. Damit bereitet Lukas 15,15 den Wendepunkt der Geschichte vor – die Rückkehr des Sohnes und die bedingungslose Liebe des Vaters.

Frage: Welche Bereiche in meinem Leben fühlen sich wie ein „Tiefpunkt“ an, und wie könnte ich in ihnen die Einladung zur Umkehr und Heilung erkennen?

Lk 15,16: ‭Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, welche die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm.‭

Vers 17 Er besinnt sich

Lk 15,17: Da kam er zur Besinnung.

Zusammenfassung

Der erste verlorene Sohn fordert sein Erbteil, eine schändliche Forderung, da sie davon ausgeht, dass der Vater (=Gott) tot ist. Er verschleudert sein Erbteil und landet ganz unten als Schweinehüter. Das ist wirklich ganz unten! Säue gehören zu den unreinen Tieren. Der Tiefpunkt ist der Wendepunkt.

Er geht in sich, hat die Einsicht, dass er gesündigt hat, und er kehrt um zum Vater. Total heruntergekommen findet er dort herzliche Aufnahme. Großzügig erhält er Vergebung. Ein Fest wird gefeiert. Jeder Mensch ist ein solcher verlorener und wieder gefundener Sohn.

Herr, lass uns durch deine Eingebungen immer neu zur Besinnung kommen, damit wir stets den Weg zu dir finden.

Er kehrte aber nicht eher zu seinem früheren Glück zurück, als bis er in sich ging, das Gewicht seines niederdrückenden Elends fühlte und über die Worte der Umkehr nachdachte. Gregor von Nyssa

Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du dich selbst verloren gefühlt, und wie hast du den Weg zurück zu innerer Ruhe und Verbundenheit gefunden?

Vers 18 Beschluss: Schuldeingeständnis

Lk 15,18: ‭Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,

Umkehr zum barmherzigen Vater

Immer wenn wir uns von der Liebe Gottes abwenden durch Sünde, durch Unachtsamkeit, durch allerlei Untugenden, verlieren wir die Orientierung. Umkehr bedeutet, dass wir uns bemühen, uns wieder neu zu orientieren, die Prioritäten richtig zu setzen. Das menschliche Leben ist eine ständige Heimkehr ins Haus unseres Vaters, eine Heimkehr durch Reue, durch die Bekehrung des Herzens. Diese Heimkehr bringt den Wunsch mit sich, uns zu ändern, den festen Entschluss, unser Leben zu bessern. Drei Wirklichkeiten sollten wir uns dabei immer wieder ins Bewußtsein holen:

1. Der Vater sehnt sich glühend nach unserer Umkehr

2. Das Glück, beim Vater zu sein, ist weit größer und tiefer als alles, was wir jemals an weltlichen Genüssen erleben können.

3. Die Liebe des Vaters übersteigt jedes Versagen.

Vers 19 Er will nur noch Tagelöhner sein

Lk 15,19: ‭und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

Ich habe gesündigt

Dies ist das Bekenntnis und das darin ausgedrückte Bewusstsein, dass ich sündige, mich verfehle sowohl gegen Gott wie auch gegen meinen Nächsten wie auch gegen mich selbst.

Nur wenn wir in Demut unseren Aussatz betrachten, wird sich unser Herz öffnen können für die Reinigung.

Obschon aber Gott alles weiß, so wartet er doch auf den Ausspruch dieses Bekenntnisses. Bekenne also, wo du gesündigt hast, damit Christus dein Mittler werde.

Und fürchte nicht, daß du nicht erhört werdest. Der Fürsprecher verheißt Vergebung, der Beschützer verspricht Gnade, der Vermittler verkündet dir die Versöhnung mit der väterlichen Güte.

Wir sind weder Ausgestossene noch Tagelöhner, sondern Töchter und Söhne des lebendigen Gottes, welch eine Gnade!

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mein Herz zu öffnen und Reinigung zuzulassen?

Gefühl der Unwürdigkeit

Der Sohn zeigte in seiner vorbereiteten Rede an seinen Vater sein volles Gefühl der Unwürdigkeit und ein ehrliches Sündenbekenntnis. Er würde nicht einmal darum bitten, wie ein Sohn behandelt zu werden, sondern wie ein angeheuerter Diener. Der gewöhnliche Sklave war in gewisser Weise ein Familienmitglied, aber der angeheuerte Diener konnte mit einer Frist von einem Tag entlassen werden. Er gehörte überhaupt nicht zur Familie.

Frage: In welchen Momenten erkenne ich meine eigene Unwürdigkeit und öffne mich dennoch für die bedingungslose Annahme?

Vers 20 Vater sieht ihn und umarmt ihn

Lk 15,20: Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Liebe Gottes in körperlichen Bildern ausgedrückt

Dieser Vers hat mich schon immer beeindruckt, weil er die Liebe Gottes zu uns so schön bildhaft ausdrückt. Der Vater sieht ihn: auch uns sieht der Vater. In diesem Sehen drückt sich seine Fürsorge für uns aus.

Der Vater ist innerlich bewegt: er hat Erbarmen und Mitleid mit uns. Der Vater läuft ihm entgegen: auch auf uns kommt Gott zu. Er nimmt jede noch so kleine Zuwendung zu ihm wahr und kommt uns nahe.

Der Vater fällt ihm um den Hals: der Vater küsst ihn sehr. Umarmung und Kuss sind Zeichen der Vergebung, die wir empfangen dürfen. Seine Barmherzigkeit ist größer als alle Schuld.

Die Intensität des Empfangs des Vaters wird durch die Tatsache angezeigt, dass er rannte – ungewöhnlich für erwachsene Männer in diesen Kulturen – und dass er ihn wiederholt küsste.

Um den Hals fallen, das heißt, in der Umarmung seinen Arm herabzustrecken. Dieser Arm ist Jesus Christus. Augustinus

Frage: In welchen Momenten habe ich Gottes Nähe besonders stark gespürt, und wie kann ich diese Erfahrung bewusster in mein tägliches Leben einladen?

Die Liebe des Vaters

Das Kind kehrt nach seinen Irrwegen zurück zum Vater. Unser Leben ist eine ständige Rückkehr zum Vater, ein immer neues Beginnen. Und bei jeder Rückkehr entdecken wir tiefer die Schönheit seiner barmherzigen Liebe.

Der Vater läuft seinem Kind entgegen. Kann man die väterliche Liebe Gottes zu den Menschen noch eindrücklicher beschreiben? Der Vater küsst und umarmt sein Kind.

Papst Franziskus sagt dazu: Die Umarmung und der Kuss des Vaters lassen den Sohn erkennen, dass er trotz allem immer als Sohn betrachtet wurde. Das ist eine zentrale Lehre Jesu: Unsere Gotteskindschaft ist Frucht der Liebe des Vaters. Sie hängt nicht von unseren Verdiensten oder unserem Tun ab. Und deshalb kann sie uns niemand nehmen. Niemand kann uns diese Würde nehmen.

Dieses Wort Jesu ermutigt uns, nie zu verzweifeln.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die unverdiente Liebe des Vaters besonders gespürt, und wie verändert dieses Bewusstsein mein Handeln und Denken?

Gottes Sorge um uns

Wer liebt, sorgt sich um den Abwesenden, sehnt sich nach dem Abwesenden, sucht den, der sich verirrt hat, wartet auf den, der sich entfernt hat.

Denn er will, dass keiner verloren gehe. Er ist betrübt, er bebt innerlich, und er macht sich auf den Weg, um uns zu suchen, bis er uns wieder in seine Arme schließt.

Der Herr kalkuliert nicht die Verluste und die Risiken, er hat das Herz eines Vaters und einer Mutter, und er leidet angesichts der Abwesenheit seiner geliebten Kinder.

"Aber warum leidet er, wenn dieser Sohn, der verschwunden ist, ein missratener Sohn ist?“ Er leidet, er leidet. Gott leidet über die Distanz, auf die wir gegangen sind, und wenn wir in die Irre gehen, wartet er auf unsere Rückkehr.

Lasst uns daran denken: Gott wartet immer mit offenen Armen auf uns, in welchen Lebenssituationen wir uns auch immer verloren haben mögen.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass ich auf die Umarmung Gottes warte, und wie könnte ich mich ihm vertrauensvoll öffnen?

Vers 21 Sohn gesteht seine Schuld

Lk 15,21: ‭Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen!‭

Andacht von Papst Franziskus

Gott vergibt immer; wir sind es, die es müde werden, um Vergebung zu bitten, aber er vergibt immer. Es sagt uns, dass Gott ein Vater ist, der seinen Sohn nicht nur wieder aufnimmt, sondern sich auch freut und feiert, als er zurückkehrt, nachdem er seinen ganzen Besitz verprasst hat.

Wir sind dieser Sohn, und es ist bewegend, daran zu denken, wie sehr der Vater uns immer liebt und auf uns wartet.

Papst Franziskus

Frage: Wie kann ich die bedingungslose Liebe und Geduld Gottes in meinem eigenen Leben wahrnehmen und erleben?

Vers 22 Vater schenkt beste Kleidung

Lk 15,22: ‭Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Festgewand her und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße;

Bringt das beste Festgewand her

Diese Verse betonen die uneingeschränkte Gnade und Liebe des Vaters, der für Gott steht.

Das beste Gewand symbolisiert Wiederherstellung und Würde, der Ring steht für Sohnschaft und Autorität, und die Schuhe deuten auf Freiheit hin – im Gegensatz zu Sklaven, die barfuß gingen.

Die Botschaft: Gott nimmt reumütige Sünder mit offenen Armen auf, ohne Vorwürfe, sondern mit Freude und Ehre.

Es ist eine Einladung zur Umkehr und zur Erfahrung göttlicher Barmherzigkeit.

Frage: Welche Bereiche meines Lebens sehne ich danach, von Gottes Liebe und Barmherzigkeit berührt und erneuert zu werden?

Vers 23 Mastkalb wird geschlachtet

Lk 15,23: ‭und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es; und lasst uns essen und fröhlich sein!

Gott gibt für uns sein Bestes

Der Vater schenkt dem verlorenen Sohn von Neuem das Sohn-Sein, wofür das Festgewand steht. Dies ist die Botschaft des Evangeliums: Gott gibt sein Bestes, sogar denen, die versagt haben.

Wir können einen Neuanfang machen, denn Gott gibt niemanden auf. Dies ist eine große Ermutigung für uns, da wir doch bei all unseren Bemühungen immer wieder auch versagen.

Was auch immer unsere Fehler oder Misserfolge gewesen sein mögen, wir können jetzt mit Gott einen Neuanfang machen. Der Vater umhüllt uns mit seiner Liebe und seinem Erbarmen, was mit dem Bild des Neu-Einkleidens ausgedrückt ist.

Die Tiefe der Reue des Sohnes wird nur von der Tiefe dieser Liebe des Vaters übertroffen.

Frage: Welche Bereiche meines Lebens brauchen heute Gottes erneuernde Liebe, um einen Neuanfang zu erfahren?

Vers 24 Totgeglaubter lebt

Lk 15,24: Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Wesen des Vaters

Dieses große Gleichnis lässt uns tief in das Wesen des Vaters schauen, das ganz Liebe ist. Er ist der barmherzige Vater, der uns in Jesus über alle Maßen liebt. Ja: Gott ist gut. Er verzeiht. Die Fehler, die wir begehen, und seien es auch schwere Fehler, greifen die Treue seiner Liebe nicht an.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn bringt auf einfache, aber tiefe Weise die Wirklichkeit der Bekehrung zum Ausdruck. Diese Bekehrung ist das konkreteste Zeugnis für das Wirken der Liebe und die Gegenwart des Erbarmens in der Welt des Menschen.

In der Haltung des Vaters im Gleichnis sagt uns Jesus: So ist Gott! So bin ich! In der Liebe, durch die Liebe, für die Liebe und aus Liebe, weil Gott die Liebe ist.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die unerschütterliche Liebe Gottes besonders erfahren, und wie kann ich diese Erfahrung in mein tägliches Handeln einfließen lassen?

Vers 25-28 Älterer Sohn wird zornig

Lk 15,25: ‭Aber sein älterer Sohn war auf dem Feld; und als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz.‭

Lk 15,26: ‭Und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was das sei.‭

Lk 15,27: ‭Der sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat!‭

Lk 15,28: Da wurde er zornig.

Der ältere Sohn

Der ältere Sohn bleibt beim Vater. Er ist der Korrekte, pflichtbewusst und tüchtig. Dennoch ist auch er verloren, weil er voll Selbstgerechtigkeit ist und voll Zorn auf seinen wieder gefundenen Bruder ist. Er missgönnt ihm das Fest. Er nennt ihn nicht mal mehr seinen Bruder, sondern spricht vom Sohn des Vaters. Ablehnung! Voll Groll und Unverständnis ist er auch gegenüber seinem Vater. Es ärgert ihn gewaltig, dass der Vater gnädig ist.

Der Mensch nun ist auch dieser ältere Bruder, wenn er vergisst, dass er wie der andere ein Geschöpf der Gnade ist. Das Gleichnis ist unter anderem auch eine Einladung, Gottes nicht draußen zu bleiben, sondern hinein zu gehen, das heißt, in allen Menschen Schwestern und Brüder zu erkennen und in uns die Freude zu nähren über Gottes Erbarmen anderen gegenüber.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Herzen Platz schaffen, um die Freude über die Gnade, die anderen widerfährt, wirklich zu spüren?

An seiner Reaktion des Neides sehen wir

Auch er träumte innerlich davon, dass es vielleicht viel besser wäre, sich alle Freiheiten zu nehmen.

Auch er muss innerlich nach Hause zurückkehren und neu begreifen, was das Leben ist, begreifen, dass man nur mit Gott, mit seinem Wort, in der Gemeinschaft der eigenen Familie und der Arbeit, in der Gemeinschaft der großen Familie Gottes wirklich lebt.

Frage: In welchen Momenten spürst du die tiefe Verbundenheit mit Gott, Familie und Gemeinschaft in deinem eigenen Leben?

Vers 29 Älterer Sohn jammert

Lk 15,29: ‭Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann.‭

Bitterer älterer Sohn

Diese Übertreibungen sind üblich für diejenigen, die an Bitterkeit festhalten. Diese Bitterkeit zeigte der ältere Sohn schließlich dem Vater, aber erst, nachdem sie über viele Jahre in seinem Herzen Schaden angerichtet hatte.

Andacht von Benedikt XVI

Wenn das Wort Gottes in erster Linie Gesetz ist, wird es schnell zu einer schlichten Ansammlung von Vorschriften und Verboten, zu einem Paket voller Normen. Wer diese Normen nur genau genug beachtet, der lebt richtig.

Aber wenn das Religion sein soll, wenn sie nur das sein soll, dann kann keine persönliche Beziehung mit Gott wachsen. Dann verbleibt der Mensch bei sich selbst, nur damit beschäftigt, sich selbst zu vervollkommnen, perfekt zu sein.

So entsteht jene Bitterkeit, wie wir sie beim zweiten Sohn aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32) erleben: Er, der immer alles befolgte, was sein Vater ihm gebot, wird ärgerlich und wohl auch ein wenig neidisch auf seinen Bruder, der, wie es scheint, das Leben in Fülle gelebt hat.

Das ist genau die Gefahr: Gesetzesgehorsam allein wird auf Dauer unpersönlich, ein reines Erledigen, und der Mensch droht dabei zu verhärten und zu verbittern. Am Ende ist es ihm gar nicht mehr möglich, für diesen Gott Liebe zu empfinden, der ihm nur in der Gestalt von Regeln samt Strafandrohungen gegenübertritt. Ja, das ist gefährlich. Benedikt XVI

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens erlebe ich, dass Regeln oder Pflichten meine Beziehung zu Gott oder zu mir selbst einschränken könnten?

Vers 30 Älterer Bruder ist neidisch

Lk 15,30: ‭Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet!‭

Neid des Bruders

Diese Worte offenbaren seine Verbitterung und Selbstgerechtigkeit. Er sieht sich als treuen Diener des Vaters, fühlt sich aber benachteiligt.

Seine Aussage zeigt, dass er den reuevollen Neuanfang seines Bruders nicht anerkennt. Stattdessen betont er dessen frühere Sünden und urteilt hart.

Das Gleichnis lehrt Gottes bedingungslose Gnade: Der Vater vergibt und feiert die Heimkehr des Verlorenen. Doch der ältere Sohn bleibt gefangen in Neid und Stolz.

Die Botschaft fordert uns auf, nicht selbstgerecht zu urteilen, sondern Gottes Liebe anzunehmen und weiterzugeben.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben halte ich an Urteilen oder Bitterkeit fest, anstatt die heilende Kraft der Liebe anzunehmen?

Vers 31 Vater: Alles Meine gehört dir

Lk 15,31: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein.

Der Vater wirbt um den älteren Sohn

Ich versuche fromm zu leben, gut zum Nächsten zu sein und Gott alle Ehre zu geben. Ohne es bewusst zu wollen, nehme ich dann andere wahr, wo dies nicht so ist. Und ganz schnell bin ich dann bei meiner Selbstgerechtigkeit, besser zu sein als der andere.

So sehe ich mich persönlich mehr in dem älteren, daheim gebliebenen Sohn. Mein Trost und meine Zuversicht: Der Vater wirbt auch um den älteren Sohn. Er versucht mich umzustimmen, mein Herz zu öffnen und meine oft allzu enge Sicht zu weiten.

Den Fehler meiner Selbstgerechtigkeit greift die Treue seiner Liebe nicht an. Gott Vater nimmt uns an und wirbt um uns, ob wir nun so oder so sind. Er stärkt uns mit der Zusage: du bist allezeit bei mir!

Frage: Wie spürst du im Alltag die Einladung Gottes, dein Herz zu weiten und deine Sicht über dich selbst hinaus zu öffnen?

Das Evangelium hilft uns zu verstehen, wer Gott wirklich ist

Er ist der barmherzige Vater, der uns in Jesus über alle Maßen liebt.

Die Fehler, die wir begehen, und seien es auch schwere Fehler, greifen die Treue seiner Liebe nicht an.

Im Bußsakrament können wir mit unserem Leben immer wieder neu anfangen: Er nimmt uns an, er gibt uns die Würde seiner Kinder zurück.

Entdecken wir also wieder dieses Sakrament der Vergebung, das die Freude aufsprudeln lässt in einem Herzen, das wiedergeboren ist zum wahren Leben.

Frage: Wie könnte ich in meinem eigenen Leben die Erfahrung von Vergebung und Neubeginn tiefer spüren und annehmen?

Die Wahrheit, die hier gelehrt wird, ist genau diese

Dass die Barmherzigkeit ihre Hand dem Elend entgegenstreckt, dass die Gnade Menschen als Sünder aufnimmt, dass sie sich mit Fehlern, Unwürdigkeit und Wertlosigkeit befasst;
dass diejenigen, die sich selbst für gerecht halten, nicht die Objekte göttlichen Mitgefühls sind, sondern die Ungerechten, die Schuldigen und die Unwürdigen die richtigen Subjekte für die unendliche Barmherzigkeit Gottes sind; mit einem Wort, dass die Errettung nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade besteht.
Spurgeon

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Erfahrung gemacht, dass Gnade stärker wirkt als Verdienst?

Vers 32 Freude Pflicht: Dein Bruder lebt

Lk 15,32: ‭Du solltest aber fröhlich sein und dich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden!‭

Die Mahnung im älteren Sohn

Der ältere Bruder war nicht dankbar für alles, was er hatte. Jeden Tag genoss er die Gesellschaft seines Vaters und die gesegnete Atmosphäre zu Hause. Die Liebe seines Vaters umgab ihn ständig, und alles, was der Vater besaß, gehörte ihm. (Morrison)

Doch die Stolzen und Selbstgerechten haben immer das Gefühl, nicht so behandelt zu werden, wie sie es verdienen. In gewisser Weise war der ältere Sohn gehorsam, doch weit entfernt vom Herzen seines Vaters. In diesem Sinne war er ein perfektes Beispiel für die religiösen Führer, die sich darüber ärgerten, dass Jesus Zöllner und Sünder empfing.

Seine Geschichte zeigt, dass es möglich ist, im Haus des Vaters zu leben und dennoch das Herz des Vaters nicht zu verstehen.

Frage: Wie bewusst öffne ich mein Herz täglich für die Liebe, die mich umgibt, und erkenne sie in meinem Alltag?

Andacht von Charles de Foucauld

Mein Gott, wie gut bist du! Das hast du für mich getan!

Ja, als ich jung war, bin ich weit weg von dir gegangen, weit weg von deinem Haus, von deinen heiligen Altären, von deiner Kirche, in ein fernes Land, das Land der profanen Dinge, der Geschöpfe, der Ungläubigkeit, der Gleichgültigkeit, der irdischen Leidenschaften. Oh! Wie schmerzlich weit entfernt von dir ist dieses Land! Ich blieb lange dort, 13 Jahre, verschwendete meine Jugend in Sünde und Torheit.

Deine erste Gnade (nicht die erste meines Lebens, denn es gibt unzählige in allen Augenblicken meiner Existenz, aber diejenige, in der ich die erste Morgenröte meiner Bekehrung erkenne) besteht darin, dass du mich den Hunger hast spüren lassen, den körperlichen und geistigen Hunger.

Du hattest die unendliche Güte, mich in materielle Schwierigkeiten zu bringen, die mich leiden und mich Dornen in diesem verrückten Leben spüren ließen. Du hast mich den geistigen Hunger spüren lassen, indem du mich das innere Begehren nach einem besseren moralischen Zustand spüren ließest, den Geschmack an der Tugend, die Sehnsucht nach dem moralisch Guten.

Und dann, als ich sehr vorsichtig, zögernd zu dir zurückkam, hast du mich das erstaunliche Gebet sprechen lassen: „Wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen“. Oh du Gott der Güte, der seit meiner Geburt nie aufgehört hatte, in mir und um mich herum zu handeln, um diesen Augenblick heraufzuführen, mit dieser Zärtlichkeit, „du liefst sogleich mir entgegen, du fielst mir um den Hals, du küsstest mich“.

Mit welcher Bewegung hast du mir das Kleid der Unschuld angezogen. Und zu welchem göttlichen Gastmahl, anders als das des Vaters des verlorenen Sohnes, hast du mich sogleich eingeladen… Wie gut ist er, dieser Vater des verlorenen Sohnes! Aber wie viel tausend Mal zärtlicher als er bist du! Wie hast du tausend Mal so viel für mich getan als er für seinen Sohn!

Wie gut bist du, mein Herr und mein Gott! Danke, Danke, Danke, Danke ohne Ende!

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich heute die zärtliche Führung und das liebevolle Entgegenkommen Gottes, und wie kann ich diese Erfahrung bewusster wahrnehmen?

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Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 15. Kapitel

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