Lk 15, 1-7 Gleichnis vom verlorenen Schaf

Vers 1 Zöllner hören Jesus zu

Lk 15,1: Es pflegten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören.‭

Zöllner und Sünder bei Jesus

Dies zeigt Jesu Offenheit für alle Menschen, besonders für diejenigen, die gesellschaftlich verachtet wurden.

Die religiösen Führer kritisierten ihn dafür, mit Sündern Gemeinschaft zu haben. Dies bildet den Kontext für die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, der verlorenen Münze und dem verlorenen Sohn, die Gottes Liebe und Freude über die Umkehr eines Sünders verdeutlichen.

Jesus zeigt, dass Gottes Reich nicht auf moralische Perfektion, sondern auf Gnade und Barmherzigkeit gegründet ist.

Die Szene ermutigt uns, andere nicht zu verurteilen, sondern sie in Liebe und mit offenen Armen anzunehmen, so wie Gott es tut.

Frage: Wo lade ich selbst Menschen in Liebe ein, die am Rand stehen – und wie erfahre ich dabei Gottes Barmherzigkeit in meinem Leben?

Vers 2-3 Pharisäer nörgeln

Lk 15,2: ‭Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen!‭

Ungewollte wunderbare Ankündigung

In Wirklichkeit erweist sich dieser Satz als wunderbare Ankündigung. Jesus nimmt die Sünder auf und isst mit ihnen.

Dies wird in jeder heiligen Messe, in jeder Kirche für uns Wirklichkeit: Jesus freut sich, uns an seinem Tisch begrüßen zu dürfen, an dem er sich selbst für uns darbringt.

Es ist der Satz, den wir an die Türen unserer Kirchen schreiben könnten: „Hier heißt Jesus die Sünder willkommen und lädt sie an seinen Tisch.“

Papst Franziskus

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Einladung Jesu, trotz meiner Schwächen an seinem Tisch Platz zu nehmen?

Dieser nimmt die Sünder an

„Dieser nimmt die Sünder an“, aber nicht so, dass sie nun Sünder bleiben sollen, sondern Er nimmt sie an, damit Er ihnen ihre Sünden vergeben kann.

Er rechtfertigt ihren ganzen Menschen, säubert ihre Herzen durch Sein reinigendes Wort, bewahrt ihre Seelen durch das Innewohnen des Heiligen Geistes und macht sie fähig Ihm zu dienen, Sein Lob zu verkünden und seine Gemeinschaft zu genießen.

Er nimmt die Sünder in die Liebe Seines Herzens auf, erhebt sie aus der Asche und trägt sie als Edelsteine in seiner Krone.

Spurgeon

Frage: Wo erlebe ich in meinem eigenen Leben, dass Gott mich aus der „Asche“ erhebt und mir eine neue Würde schenkt?

Jesus und die Sünder

Jesus kam für die Sünder, er kam, um zu retten, was verloren war, er kam, um ein Wort des Trostes für alle zu bringen, die Gottes Liebe und Gnade brauchen.

Die religiösen Führer und Autoritäten der damaligen Zeit sahen das nicht so: Sünder wurden gemieden, damit sie andere Menschen nicht ansteckten.

Jesus kam als Arzt, um die Kranken zu heilen, die verlorenen Schafe zu suchen und die Bedürftigen zu unterstützen. Auf diese Weise ist Gott immer bei uns: Er lässt uns trotz unserer Sünden nicht im Stich, sondern wartet immer mit offenen Armen auf uns, um uns zu umarmen und in seinen Schoß zurückzurufen.

João Paulo Jäger

Frage: Wo erlebe ich in meinem eigenen Leben, dass Gott mich trotz meiner Schwächen mit offenen Armen empfängt?

Lk 15,3: ‭Er sagte aber zu ihnen dieses Gleichnis und sprach:‭

Vers 4 Ein verlorenes Schaf gesucht

Lk 15,4: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wildnis und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

Ich bin das verlorene Schaf

Das verlorene Schaf von hundert Schafen, das bin ich, das bist du. Christus geht dem Schaf nach, bis er es findet. Ohne Zeiteinschränkung sucht er uns, bis er uns gefunden hat!

Auf der Suche ist er unterwegs in Wildnis und Wüste, dies aber ist ein Hinweis auf seine Passion, sein Leiden für uns am Kreuz. Ist die Suche erfolgreich, ist da tiefe Freude bei ihm.

Er legt das Schaf auf seine Schultern. Dies bedeutet, dass er durch die eigene Annahme der menschlichen Natur unsere Sünden getragen hat bis hin auf Golgotha.

Als er das Schaf gefunden hat, geht er zum Haus zurück. Das bedeutet, dass Jesus nach seinem Erlösungswerk wieder ins himmlische Reich zurückkehrte und von dort aus auf ganz neue Art und Weise nun auch gleichzeitig unter uns weilt als unser ewiger Hirte.

Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben, dass Christus mir nachgeht und mich auf seinen Schultern trägt?

Vers 5 Gefunden und heimgetragen

Lk 15,5: Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es auf seine Schulter mit Freuden.

Das Schaf auf den Schultern

Das Schaf legte er auf seine Schultern, weil er die menschliche Natur annahm und unsere Sünden trug (1. Petr. 2, 24 / Jes. 53). Wenn er das Schaf gefunden, kehrt er nach Haus zurück, weil unser Hirt nach der Erlösung des Menschen zum himmlischen Reich zurückkehrte. Goldene Perle

Vers 6-7 Freunde feiern die Rettung

Lk 15,6: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!

Freut euch mit mir

Und es ist zu bemerken, daß er nicht sagt: Habt Freude mit dem gefundenen Schaf, sondern mit mir, weil nämlich seine Freude unser Leben ist, und wir, wenn wir zum Himmel zurückgebracht werden, seine festliche Freude voll machen.

Mehrfache Freude

Mehrmals ist in diesen Gleichnissen von der Freude die Rede.

Erstens die Aufforderung Christus an uns: "Freut euch mit mir" (Lk 15,9). Er sagt nicht: Freut euch mit dem gefundenen Schaf, sondern: Freut euch mit mir! Jesus macht es froh, wenn wir leben.

Zweitens freuen sich die Freunde und Nachbarn, im Bild gesprochen unsere Geschwister im Glauben. Es ist stets eine gemeinsame Freude, wenn wir verbunden ein Leib sind in Jesus Christus.

Drittens freuen sich die Engel Gottes im Himmel über die Umkehr. Freude pur in diesen beiden Gleichnissen. Man bedenke, dass Jesus dieses Gleichnis den murrenden Pharisäern und Schriftgelehrten erzählt, die sich über seine Gemeinschaft mit Sündern aufregten.

Freude ist ein Zeichen, dass man dem Licht nahe ist. Edith Stein

Frage: Wann habe ich zuletzt die Freude Gottes gespürt und wie lasse ich sie in meinem Leben weiterfließen?

Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war

Für Christus ist jede Seele wertvoll. Jede Seele wurde von ihm erschaffen, nach Gottes Bild und Gleichnis. Sein Erbarmen ist in dieser Zeit überreich, und so gibt es keine Sünde, die von der unendlichen Liebe des Erlösers nicht erreicht werden kann.

Christus hat sein Blut vergossen, er hat sein Leben hingegeben, ging durch den Tod hindurch, um jene Seelen zu retten, die in ihren Sünden gestorben sind, und ihnen das Leben neu zu schenken.

Wir müssen nur auf die Stimme des Hirten hören, die nach uns ruft und uns dort findet, wo wir sind. Ich muss mich nur finden lassen, mich in seine Arme nehmen lassen, die Dunkelheit und Angst in mir durch die Wärme seines Lichts vertreiben lassen, wenn er mich zur Herde zurückbringen will.

„Die Rechtfertigung besteht im Sieg über den durch die Sünde verursachten Tod und in der neuen Teilhabe an der Gnade” (KKK 654).

Jede Sünde, die gebeichtet wird und jede Tugend, die erlangt wird, ist ein Sieg der Gnade Gottes in meiner Seele.

Shane Lambert

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben den Ruf des guten Hirten, der mich ins Licht seiner Liebe zurückführen möchte?

Lk 15,7: ‭Ich sage euch, so wird auch Freude sein im Himmel über ‭einen‭ Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die keine Buße brauchen!‭