Lk 10, 21-24 Jesus preist den Vater
Inhaltsverzeichnis
Vers 21 Jesus dankt Vater
Lk 10,21: In jener Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus
Lk 10,21: Zu derselben Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir.
Jesus Frohlocken im Geist
Jesus war wirklich aufgeregt. Wörtlich sagen die alten Griechen, dass er von Freude überwältigt war.
Dieses einzigartige, spezifische Beispiel der Freude Jesu betraf die Arbeit Seiner Diener. Gott erfreut sich daran, die schwachen und törichten Dinge dieser Welt zu benutzen, um die Weisen zu verwirren.
Die Freude Jesu ließ ihn ins Gebet ausbrechen. Er lobte Gott den Vater für seine Weisheit, für seinen Plan und für seine eigene einzigartige Beziehung zu Gott dem Vater.
Jesus dankte dem Vater, ohne sein eigenes Werk zu preisen. Er dankte dem Vater für seinen weisen, manchmal unerwarteten Plan. Jesus dankte dem Vater für die Mitknechte in seiner Mitte. Jesus dankte dem Vater für die Einfachheit seiner Diener.
Frage: Welche einfachen Dinge in deinem Leben könnten dir Freude bringen, wenn du sie bewusst im Gebet anerkennst?
Ich preise dich
Erfüllt vom Heiligen Geist ruft Jesus aus: "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde".
Wir bitten den Herrn so oft um vieles. Aber haben wir auch gelernt, wie wir ihm danken können? Jeden Tag erhalten wir so viel aus seinen Händen, die voller Barmherzigkeit für uns sind. Und dennoch: Wie wenig danken wir ihm dafür.
Wir glauben, dass wir das Recht haben, alles von Gott zu bekommen, aber wir haben nicht gelernt, wie wir ihm für so vieles danken können. Wir wissen, wie man bittet, aber wie dankt man?
Jesus sagt Dank. Er dankt dem Vater dafür, dass er den Seinen so viel wahre Einsicht gegeben hat. Danken ist charakteristisch für demütige Seelen. Deshalb wusste auch Maria, wie man dankt, als sie ihr Magnifikat betete: "Meine Seele preist die Größe des Herrn…"
P. João Paulo Jäger
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Einladung, Gott von Herzen zu danken, und wie verändert Dankbarkeit dein Herz und deine Sicht auf das Leben?
Vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude
Beim genaueren Betrachten dieser Bibelstelle erfahren wir, wie der Herr sich für den Heiligen Geist öffnet und sich von ihm leiten lässt. Er ist von ihm erfüllt.
Dieses „Erfülltsein“ vom Heiligen Geist äußert sich in einer Frucht des Heiligen Geistes: Jesus jauchzt vor Freude. Das ist nicht eine aufgesetzte Fröhlichkeit, die vielleicht stimmungsabhängig sein könnte, nein! Hier geht es um etwas Tieferes, um eine innere Salbung durch den Heiligen Geist, ein Geschenk der Gnade.
Auf diese Weise bringt Christus sein Lob und sich selber da.
Frage: In welchen Momenten spürst du die Führung des Heiligen Geistes in deinem eigenen Leben, und wie verändert dies dein inneres Erfülltsein?
Sein… und dann erst Tun.
Er preist ihn für das, was er ist: "Vater, Herr des Himmels und der Erde" und dann für sein Tun: sich den Weisen und Klugen zu verbergen, den Unmündigen jedoch zu offenbaren. Schön, wie Christus hier ganz natürlich das Sein vor dem Tun hervorhebt.
In unserer Welt schätzen wir die Mitmenschen eher für das, was sie tun, leisten, schaffen, bewirken, organisieren, etc. und vergessen oftmals ihren eigentlichen Wert. Wir schauen auf die Äußerlichkeiten, die nebensächlich sind, und übersehen dabei das Wesentliche – den Wert, den die Person um ihrer selbst willen hat, einfach weil sie da ist, existiert.
So lehrt uns Jesus, Gott zu preisen, für das, was er ist: "Vater, Herr…"
Versuche auch ich an dieser Stelle, den Vater zu preisen für das, was er in meinem Leben ist und dann in einem zweiten Schritt für sein Wirken und Tun in mir, heute?
Frage: Wie kann ich lernen, Menschen und mich selbst mehr für das Sein als für das Tun wertzuschätzen?
Andacht von Franziskus
Die Unmündigen sind diejenigen, die sich wie Kinder bedürftig und nicht selbstgenügsam fühlen, die offen für Gott sind und ob seiner Werke staunen. Sie können seine Zeichen lesen, sie staunen über die Wunder seiner Liebe! […] Unser Leben ist, wenn wir darüber nachdenken, voller Wunder: Es ist voll von Gesten der Liebe, Zeichen der Güte Gottes.
Doch auch unser Herz kann angesichts dieser Wunder gleichgültig bleiben und all dies kann zur Gewohnheit werden, zur Neugier, zur Unfähigkeit, zu staunen, sich beeindrucken zu lassen. Ein verschlossenes Herz, ein gepanzertes Herz ist nicht in der Lage, zu staunen.
Beeindruckt werden ist ein schönes Verb, das an den Film eines Fotografen erinnert. Das ist die richtige Haltung gegenüber den Werken Gottes: seine Werke im Geist zu fotografieren, damit sie sich ins Herz einprägen, und sie dann im Leben durch viele gute Gesten zu entfalten, damit das „Foto“ des Gottes, der Liebe ist, in uns und durch uns immer heller wird.
Frage: Woran in deinem Leben möchte Gott dich neu erinnern, damit dein Herz wieder staunen kann?
Vers 22 Nur Sohn offenbart den Vater
Lk 10,22: Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater und wer der Vater ist, weiß niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will. Lk 10:22
Vater und Sohn
Gott selbst ist für den menschlichen Verstand unergründlich. Der Sohn kennt ihn vollkommen und der Sohn hat ihn den schwachen, armen und verachteten Menschen offenbart, die an ihn glauben. Diejenigen, die den Sohn gesehen haben, haben auch den Vater gesehen. MacDonald
Vers 23 Selig sind eure Augen
Lk 10,23: Glückselig sind die Augen, die sehen, was ihr seht!
Geistiges Sehen
Kann ich sehen und hören?
Sehen und hören wollen ist der erste Schritt, doch nicht der endgültige. Wer Gott sehen und hören will, muss bereit sein, mit dem Herzen zu sehen und zu hören.
Das hochmütige Herz ist selbst fixiert und darauf bedacht, die Erkenntnis aus eigener Kraft zu erlangen. Doch die Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis der Wahrheit, die Erfahrung der Liebe ist ein reines Geschenk, nicht erarbeitet, sondern empfangen.
Nur die Demut kann die Augen und Ohren unseres Herzens öffnen.
Sarah Briemle
Frage: Welche Haltungen oder Gedanken in mir könnten das Sehen und Hören meines Herzens bisher blockieren?
Selig sind die, deren Augen sehen
Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie sich freuen sollen, da sie ihn sehen und seine Worte hören, denn viele der alten Propheten hatten gehofft, diese Worte des ewigen Lebens zu hören, und haben sie nicht gehört, hatten gehofft, den Herrn des Himmels und der Erde zu sehen, und haben ihn nicht gesehen.
Sie hatten den Schöpfer aller Dinge vor sich, auch unseren Schöpfer. Und manche wussten nicht einmal, wen sie sahen, wen sie hörten.
Selig sind wir, die wir nicht sehen und doch glauben, die wir nicht sehen, aber wissen, dass es noch mehr als das in diesem Leben Sichtbare gibt, dass Jesus unser König ist, dass er zum Beispiel aus Liebe dort verborgen ist, wo wir ihn anbeten: im Tabernakel, in der Eucharistie.
João Paulo Jäger
Frage: Wie spürst du die Gegenwart von etwas, das größer ist als das, was du sehen kannst, in deinem eigenen Leben?
Vers 24 Propheten wollten dies sehen
Lk 10,24: Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wünschten zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Die Einfältigen überlassen Gott die Erfüllung des Gesamtplanes
Wie viele Propheten und Könige haben die Zeit Christi und mit ihm die Vollendung des Erlösungswerkes herbeigesehnt! Mit ihrem geduldigen Warten haben sie uns ein Beispiel von Beständigkeit und Hingabe an Gottes Verheißungen gegeben, obwohl sich nur wenige davon zu ihrer Zeit erfüllt haben.
Sie haben eine aktive Rolle dabei gespielt, die Menschen ihrer Zeit zu führen und zu leiten, aber sie haben die Erfüllung von Gottes Gesamtplan nicht erlebt. Gott will, dass wir wie sie sind ‐ die Saat der Erlösung säen, auch wenn sie jahrelang nicht aufgeht. Uns wird ebenso wenig wie den Propheten die Gnade zuteil, je das Gesamtbild zu schauen.
Die Einfältigen vertrauen darauf, dass Gott weiß, was er tut. Kardinal John Henry Newman betete in seinem berühmten Gedicht „Wolkensäule”: „Behüte des Pilgers Fuß, ich will nicht das Ferne sehen‐ einen Schritt nach dem anderen zu sehen, genügt mir”.
Überlasse ich das Gesamtbild meines Lebens Gott, meinem Vater, oder versuche ich, selbst mein Leben zu bestimmen?
Frage: Wo in meinem Leben darf ich mehr vertrauen und Schritt für Schritt auf Gottes Führung gehen, anstatt alles kontrollieren zu wollen?
Was will ich sehen?
Die Könige und Propheten wollten das sehen, was die Jünger sehen. Doch was meint Jesus eigentlich damit? Was haben die Jünger gesehen und gehört?
Wonach sehnen sich die Herzen aller Zeiten und Völker? Wonach sehnt sich mein Herz? ‐ Die Wahrheit selbst zu erkennen. Unsere Sehnsüchte sind Wegweiser. Wer auf sie hört, tut den ersten Schritt hin auf dem Weg zu diesem lebendigen Wasser, das sie stillen wird.
So viele Sehnsüchte! ‐ Wir sehnen uns danach, uns selber zu erkennen, so wie wir sind, die Wahrheit zu sehen, die Liebe zu erfahren. Wir sehnen uns nach einem Gott, der sich in seiner Allmacht offenbart. Wir wollen einen Sinn im Leben erkennen.
Und dann: Jesus spricht von „vielen”, die sehen wollten, aber nicht von „allen”. Wonach sehnt sich mein Herz? Will ich sehen? Was will ich sehen, was will ich hören?
Sarah Briemle
Frage: Welche Sehnsucht in mir zeigt mir den Weg zu tieferer Wahrheit und innerem Frieden?
Kann ich sehen und hören?
Hören, und doch nicht hören. Sehen, und doch nicht sehen. Uns können diese Worte Jesu paradox erscheinen. Aber worauf will uns Jesus hinweisen?
Sehen und hören wollen ist der erste Schritt, doch nicht der endgültige. Wer Gott sehen und hören will, muss bereit sein, mit dem Herzen zu sehen und zu hören. Das hochmütige Herz ist selbstfixiert und darauf bedacht, die Erkenntnis aus eigener Kraft zu erlangen.
Doch die Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis der Wahrheit, die Erfahrung der Liebe ist ein reines Geschenk ‐ nicht erarbeitet, sondern empfangen. Nur die Demut kann die Augen und Ohren unseres Herzens ‐ des inneren Menschen ‐ öffnen. Ohne sie beschränken wir Gott auf unsere eigenen Kategorien.
Sarah Briemle
Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich, um die Liebe und Weisheit Gottes jenseits meiner eigenen Vorstellungen zu empfangen?