Joh 6, 16-21:
Auslegung und Andacht
Jesus geht auf dem Wasser
Inhaltsverzeichnis
Joh 6, 16-17 Überfahrt nach Kapernaum
Joh 6,16: Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See.
Joh 6:17: und sie stiegen in das Schiff und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.
Jesus war nicht zu ihnen gekommen.
Diese Szene symbolisiert oft das Gefühl der Verlassenheit und Unsicherheit im Glauben. Das Dunkel kann für Prüfungen oder Zweifel stehen, denen Gläubige begegnen. Dass Jesus zunächst nicht bei ihnen ist, verweist darauf, dass Gottes Nähe nicht immer sofort spürbar ist.
Später im Kapitel geht Jesus jedoch über das Wasser auf sie zu, was seine göttliche Macht und Fürsorge zeigt. Die Stelle ermutigt dazu, auch in schwierigen Zeiten auf Gottes Eingreifen zu vertrauen. Sie lehrt, dass Christus, auch wenn er scheinbar fern ist, dennoch gegenwärtig bleibt und in der Not Hilfe bringt.
Frage: Wann habe ich in meinem eigenen Leben Gottes Gegenwart trotz Unsicherheit oder Prüfungen besonders gespürt?
Joh 6, 18 Starker Wind
Joh 6:18: Und der See ging hoch, da ein starker Wind wehte.
Stillung des Sturms
Die Stillung des Sturms ist ein gewaltiges Wunder des Herrn. Über das Wunder hinaus beinhaltet es viel Hilfe für unser Seelenheil.
Der Abend steht für unsere Bedrängnis in dieser Welt, in der es um uns herum und in uns dunkel wird und Hoffnungslosigkeit unser Herz überfällt. Jeder von uns kennt solche Situationen.
Der Sturm symbolisiert die inneren und äußeren Turbulenzen unseres Lebens. Das Boot selbst dient als Sinnbild für die Kirche. So geht es um eine existentielle Grundsituation unseres Lebens.
Frage: Wie kannst du inmitten deiner eigenen Lebensstürme die Ruhe des Glaubens oder der inneren Mitte erfahren?
Aufbruch ins Ungewisse
Jesus mutet seinen Jüngern unsichere Situationen zu: nachts über den riesigen See zu fahren war gefährlich. Viele Momente in unserem Leben gleichen diesem Augenblick: Dunkelheit, kaum ein Vorankommen, unruhiges Fahrwasser. Zuweilen lässt Gott zu, dass wir wie im Dunkeln tappen und das Boot unseres Lebens in einen Sturm gerät – in der Ehe, im Beruf, durch Krankheit, Verlust oder Enttäuschung.
Doch die Geschichte bleibt nicht im Sturm stehen: Jesus kommt zu den Jüngern, mitten in ihre Angst hinein. So ist er auch uns nahe, selbst wenn wir ihn nicht sofort erkennen. Unsere Hilfe liegt nicht in unserer Kraft, sondern in seiner Gegenwart. Vertrauen wir darauf: Er sieht uns, er kommt, und er führt uns sicher ans Ziel.
Harte Zeiten
Viele Momente in unserem Leben gleichen den Augenblicken, die oben beschrieben sind: Dunkelheit, kaum ein Vorankommen, unruhiges Fahrwasser.
Wenn unsere Seele von unkontrollierten Gefühlen umspült wird, wie Stolz und Eitelkeit, dann verlieren wir die Richtung und es erscheint uns alles sinnlos.
Wie könnte es auch anders sein, wenn Christus nicht an Bord ist?
Wenn wir kämpfen, sollten wir unser Gebetsleben betrachten. Vielleicht liegt ja genau darin die Antwort auf unsere Schwierigkeiten.
Steven Reilly
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass Gebet oder innere Ruhe mir den Weg zurück zu Klarheit und Ausgeglichenheit weisen könnte?
Joh 6, 19 Jesus geht auf dem Meer
Joh 6,19: Als sie nun ungefähr 25 oder 30 Stadien gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und sich dem Schiff nähern; und sie fürchteten sich
Gott kommt uns entgegen
Der Glaube an die bergende Nähe Gottes muss sich immer tiefer verwurzeln. Nur wenn diese Wurzeln tief reichen, bleiben wir in stürmischen Schicksalsschlägen unseres Lebens im Glauben standhaft.
Schwere Zeiten haben so auch ihre guten Seiten. Denn sie zeigen einem deutlich, dass man sich bedingungslos auf Jesus verlassen kann.
So sollte man während dieses wechselvollen Lebens einen unerschütterlichen Gleichmut bewahren. Auch wenn sich alles um uns ändert, die Stürme um uns herum toben, sollte man immerfort den ruhigen Blick der Seele hingewendet zu Gott bewahren.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die stille Gegenwart Gottes am stärksten, und wie kannst du diese Verbundenheit noch tiefer kultivieren?
Das Boot, die Kirche
In der Bibel ist das Boot häufig ein Bild für die Kirche. So auch besonders in dieser Evangelienstelle. Angewendet auf die heutige Zeit erkennen wir: Die Kirche wird auch heute von vielen Problemen heimgesucht. Es ist dunkel, es ist gefährlich. Glaubensabfall, Verweltlichung, Hoffnungslosigkeit und Ängste nähren in unserem christlichen Leben die Unsicherheit.
Doch je schwerer die Zeiten, umso lauter ist auch der Ruf Christi zu vernehmen: „Fürchtet euch nicht, ich bin es!“ Wie schwer fällt es uns, Jesus tatsächlich in der heutigen Zeit zu erkennen! Wie wenig Glauben habe ich wirklich! Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!
Daniel Egervari
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich den Ruf Christi klarer hören und meinem Glauben mehr Raum geben?
Joh 6, 20 Ich bin’s, fürchtet euch nicht
Joh 6,20: Doch Jesus rief ihnen zu: Habt keine Angst! Ich bin es!
Für dein Leben
- Glaube an Gottes Nähe: Auch in schwierigen Momenten, wenn du ihn nicht sofort siehst, ist Gott bei dir. Du bist nie allein, auch wenn es so scheint.
- Vertraue auf seine Hilfe: Wie Jesus den Jüngern geholfen hat, wird er auch dir beistehen. Setze dein Vertrauen in seine Unterstützung, besonders in Zeiten der Unsicherheit.
Ich bin es
Vor dem Sturmerlebnis steht in den Evangelien das Wunder der Brotvermehrung. Gerade noch waren die Jünger voller Freude und Verwunderung, nun im Sturm voller Angst. Wenn dies zusammen gedacht wird, entsteht ein Bild für unser Glaubensleben.
Eben haben wir zum Beispiel eine überwältigende Glaubenserfahrung gemacht, sind voller Freude und Begeisterung, spüren Gott ganz nah. Und doch vergeht nur kurze Zeit, und wir stehen mitten im Sturm, geraten in die Dunkelheit schwieriger Situationen, während Gottes Nähe uns fern erscheint.
Und doch klingen in den Worten Jesu "Ich bin es" die gewaltigen Worte Gottes aus dem brennenden Dornbusch im Buch Exodus nach. Beten wir daher, dass wir inmitten so vieler Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten, die das Meer unseres Lebens aufwühlen, im Herzen das beruhigende Wort Jesu hören, der auch uns zuruft: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!, damit unser Glaube an ihn wachse.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf Jesu mitten im Sturm, und wie kann ich ihm vertrauen, auch wenn die Dunkelheit mich umgibt?
Auf dem Wasser gehen
Jesus tut, was niemand anders tun kann. Er geht auf dem stürmischen Meer, und weder versinkt er im Wasser, noch wird er von den Winden umgeweht.
Diejenigen Elemente, die in uns Unsicherheit hervorrufen, werden von ihm vollkommen beherrscht. Wir sollten uns von der Tatsache beruhigen lassen, dass der, der die Macht hat, dies alles zu tun, unser Freund ist.
Dann sagt er: „Ich bin es”; unser Herz frohlockt, denn wir erkennen seine Stimme.
Patrick Butler
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du, dass Jesus die Stürme in dir beruhigen kann?
Andacht von Papst Franziskus
Diese Episode ist ein wunderbares Bild für die Wirklichkeit der Kirche aller Zeiten: ein Boot, das auf seiner Überfahrt auch mit Gegenwinden und Stürmen konfrontiert ist, die es kentern zu lassen drohen.
Gerettet wird es nicht durch den Mut oder die guten Eigenschaften seiner Mannschaft. Die Garantie gegen den Schiffbruch ist der Glaube an Christus und sein Wort.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens vertraust du noch zu sehr auf deine eigenen Kräfte, und wo könntest du mehr Raum für den Glauben an das Wirken Gottes lassen?
Joh 6, 21 Sofort am Land
Joh 6,21: Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen, und sogleich war das Schiff am Land, wohin sie fahren wollten.
Das Schiff wird gelenkt
Aus diesem von Johannes gegebenen Detail wird gefolgert, dass sich das Schiff automatisch zu bewegen schien, ohne Segel oder Ruder, in Gehorsam gegenüber Seinem Willen: so dass es ohne Anstrengung der Jünger oder der Besatzung die verbleibende Entfernung (etwa zwei Meilen) schnell überwand.
Abschließende Worte zur Sturmstillung
Für den Menschen der Bibel ist das Meer das Symbol für alles, was schiefgehen kann – der Abgrund, der einen nach unten ziehen kann.
Heute könnte es ein Bild für unsere Ängste sein, für unsere Sorgen und die Schuldgefühle, die wir in uns tragen. Und doch geht Jesus über diesen Abgrund hinweg. Für ihn ist es kein Abgrund; es ist ein Boden, auf dem man gehen kann.
Sobald die Apostel ihn in das Boot holen wollen, erreicht das Boot das Ufer. Lassen wir dem Herrn Platz in unserem heutigen Tag. Laden wir ihn in das Boot unseres Alltags ein, und alles wird gut werden.
Das Gebet an unserem heutigen Tag kann das Boot über Wasser halten. Das Gebet ist das Einladen Jesu in unser Boot.
Häufige Fragen zu Joh 6, 16-21
Was bedeutet Joh 6, 16-21?
Dieser Abschnitt schildert die nächtliche Seefahrt der Jünger auf dem See Gennesaret und die Erscheinung Jesu auf dem Wasser mitten im Sturm. Das Geschehen offenbart Jesu göttliche Vollmacht über die Naturgewalten, schenkt den verängstigten Jüngern durch sein rettendes „Ich bin es“ Trost und führt das Schiff augenblicklich an das ersehnte Ziel.
In welche bedrohliche Lage geraten die Jünger während der Überfahrt nach Kapernaum?
Als es schon dunkel geworden ist und Jesus noch nicht zu ihnen gekommen war, fahren die Jünger in einem Boot über den See. Es kommt ein starker Wind auf, und der See fängt an sich aufzuwühlen, während sie etwa 25 oder 30 Stadien rudern.
Wie reagieren die Jünger, als sie Jesus auf dem See gehen sehen?
Sie sehen Jesus auf dem See gehen und sich dem Boot nähern und geraten in Furcht. Die unerwartete und übernatürliche Gestalt auf den Wellen versetzt sie mitten im Sturm in Schrecken.
Mit welchen Worten ermutigt Jesus seine Jünger in der Sturmnacht?
Jesus spricht ihnen Mut zu und offenbart sich mit den aufrichtenden Worten: „Ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Damit nimmt er ihnen die Angst und offenbart zugleich seine göttliche Gegenwart.
Wie endet die gefährliche Überfahrt nach dem Zuspruch Jesu?
Die Jünger wollen ihn zu sich ins Boot nehmen, und sogleich ist das Boot am Land, zu dem sie fahren wollten. Die Anwesenheit Jesu löst die Notlage augenblicklich auf und bringt sie sicher ans Ziel.
Joh 6, 1-15 Die Brotvermehrung
Joh 6, 22-35 Jesus, das Brot des Lebens