Joh 21, 20-25:
Auslegung und Andacht
Zeugnis des Lieblingsjüngers

Joh 21, 20-21 Frage nach Johannes

Joh 21,20: ‭Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist"s, der dich verrät?‭

Joh 21,21: ‭Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was ist aber mit diesem?‭

Spannungen

Sehr oft in unserem Leben wollen wir unser Handeln abhängig machen von anderen Menschen. Wir meinen, Vergleiche anstellen zu müssen. Wir verstricken uns in Eifersüchteleien und sind taub und blind für das, was Gott uns sagen und zeigen möchte.

Wir leben in Spannungen zu unseren Mitmenschen und beschäftigen uns mit Dingen, die wir lieber Gott überlassen sollten. Das macht unser Herz unruhig.

Auch Petrus trägt angesichts der Frage der Nachfolge eine Verunsicherung im Herzen. Vielleicht denkt er an sein ehemaliges Versagen, ist voller Selbstzweifel und befürchtet, dass Jesus jemand anderen bevorzugen könnte?

Habe ich auch manchmal diese Ängste? Hält mich das Bewusstsein meiner Schwachheit davon ab, ganz auf Gott zu vertrauen?

Frage: In welchen Momenten lasse ich mich von Zweifeln oder Vergleichen leiten, statt auf Gottes Führung zu vertrauen?

Die typische Neigung

Wer hat sich noch nie mit den anderen verglichen, um sich an ihnen zu messen? Eine ganz menschliche Neigung.

Petrus ist mitten im Gespräch mit Jesus, und hat sich erneut entschieden, Jesus aus Liebe zu folgen, und plötzlich sieht er Johannes und hat das Bedürfnis, genau zu wissen, wie es um ihn steht und wo er selber sich im Vergleich zu ihm befindet; es scheint fast, als fühle er sich verunsichert und brauche diesen Vergleich, um seinen eigenen Standort klarer bestimmen zu können.

Vielleicht steht dahinter ein verborgener Instinkt nach Gerechtigkeit; vielleicht geht es ihm darum, dass seine Hingabe nicht mehr von ihm abverlangt als Johannes seine eigene.

Es ist tröstlich zu wissen, dass die Apostel normale Menschen waren – wie wir – und dass sie Jesus so gefolgt sind, wie sie waren.

Lorli Pregel

Frage: Worauf richte ich meinen Blick – auf den Weg der anderen oder auf den Ruf, den Jesus an mich persönlich richtet?

Gespräch mit Christus

Jesus, die Versuchung ist manchmal groß, mich mit anderen zu vergleichen. Obwohl ich verstehe, dass das keinen Sinn macht, lasse ich mich oft dadurch verunsichern oder irritieren.

Schenk mir die Gnade, Herr, nur auf dich zu hören und nur darin meinen inneren Frieden und meine Freude zu finden, dass ich auf deine Stimme und deinen Ruf höre.

Lass mich ein guter Samariter für andere sein, sie in ihrer Hingabe unterstützen, ohne jedoch Vergleiche anzustellen. Ich möchte in Freundschaft mit dir wachsen und jeden Schritt meines Lebenswegs mit dir gehen und meinen Beitrag leisten, so wie ich kann.

Frage: Wo spüre ich in meinem Herzen den Wunsch, mich mit anderen zu messen – und wie kann ich diesen Impuls in ein liebevolles Vertrauen auf Gottes Blick verwandeln?

Joh 21, 22 Antwort Jesu

Joh 21,22: ‭Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!‭

Was geht dich das an?

Fokussiert bleiben. Petrus macht sich unnötige Gedanken über Johannes. Was wird aus ihm werden? Aber die Antwort Jesu ist ein wichtiger Hinweis für uns: Was geht dich das an? Du aber folge mir nach.

Bleib fokussiert darauf, Jesus nachzufolgen. Lass dich nicht ablenken. Euch aber muss es zuerst um das Reich Gottes gehen. Sehr oft ist uns Gott und sein Reich leider nicht das Erste und Wichtigste. Deshalb müssen wir täglich danach streben, unsere Beschäftigungen und Ziele in die richtige Rangordnung zu bringen: zuerst Gott und was zu Gott gehört.

Bekehr mich, Herr, damit ich dir und deinem Reich in meinem Leben tatsächlich den ersten Platz einräume und mich nicht von meinen Launen und Wünschen ablenken lasse.

Joachim Richter

Frage: Wo lasse ich mich von Gedanken, Menschen oder Wünschen ablenken, anstatt auf Jesus zu schauen und ihm zu folgen?

Andacht von Daniel Pajerski

Jesus sieht, wie Petrus sich abwendet, aber, was noch wichtiger ist, er bemerkt die Unruhe in seinem Herzen. Deshalb fragt er ihn: „Was geht dich das an?” Er möchte, dass Petrus ihm seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, aber vor allem möchte er, dass im Herzen von Petrus Ruhe und Frieden einkehrt.

Wie häufig finden wir in der Bibel Stellen, wo unser Herr zu seinen Jüngern sagt: „Fürchtet euch nicht!” Gott hat einen liebevollen Plan für jeden von uns. Sich mit anderen zu vergleichen bringt oft Angst und Ruhelosigkeit mit sich. Wenn wir den Tag hindurch das Beispiel Christi vor Augen und in unseren Herzen haben, werden wir die wirklich wichtigen Dinge im Blickfeld bewahren.

Daniel Pajerski

Frage: Wo lade ich Gott heute ein, Unruhe in meinem Herzen in Frieden zu verwandeln?

Du aber folge mir nach! 

Ohne weitere Diskussion ruft Jesus Petrus ganz klar in seine unmittelbare Nachfolge.

Es geht nicht um Schwachheiten oder vermeintliche Bevorzugungen. Gott handelt nicht nach menschlichen Maßstäben. Deine Maßstäbe sind ganz andere.

Das Vertrauen, das Jesus in Petrus als seinen Stellvertreter setzt, das setzt er in einen jeden von uns als Jünger. In Dich und mich.

Ausgestattet mit diesem Vertrauen sollen wir ihm nachfolgen in der Gewissheit, dass er uns auch immer die nötige Kraft und Hilfe zukommen lässt, die wir brauchen.

Es geht nicht um Andere, es geht einzig und allein um meine ganz persönliche Beziehung zu IHM.

Ellen Petermann

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben den Ruf Jesu, ihm im Vertrauen und ohne Vergleich zu folgen?

Joh 21, 23 Klärung eines Gerüchts

Joh 21,23: ‭Daher kam nun dieses Wort auf unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht! Und doch hat Jesus nicht zu ihm gesagt, er sterbe nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?‭

Missverständnisse

Johannes 21,23 beschreibt, wie unter den Jüngern das Gerücht entstand, dass der Jünger, den Jesus liebte, nicht sterben würde. Doch Jesus hatte nicht gesagt, dass dieser Jünger nicht sterben werde, sondern nur: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“

Diese Stelle zeigt, wie leicht Missverständnisse entstehen können, wenn Worte Jesu fehlinterpretiert werden. Es erinnert die Gläubigen daran, sich auf das direkte Wort Gottes zu stützen und nicht auf Spekulationen.

Zudem unterstreicht die Passage, dass jeder Jünger seine eigene Berufung hat, die nicht mit der eines anderen verglichen werden sollte. Die zentrale Botschaft ist, Jesus zu folgen, unabhängig von Gottes Plan für andere.

Frage: Wie gelingt es mir, meinen eigenen Weg mit Christus zu gehen, ohne mich am Weg anderer zu orientieren?

Joh 21, 24 Zeugnis des Jüngers

Joh 21,24: ‭Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.‭

Standhaft in der Wahrheit

Johannes ist Zeuge für alles, was sich in seinem Evangelium vollzogen hat. Sein Zeugnis war einer Gemeinde von Gläubigen anvertraut und ist, von der Kirche verbürgt, zu uns gekommen.

Das Evangelium teilt uns mit, was Jesus tatsächlich sagte und tat. Wir müssen an unserem Glauben an das Evangelium festhalten und dürfen uns nicht von modernen Interpretationen, die Zweifel an allem ausstreuen, ablenken lassen.

Wenn wir die Heilige Schrift lesen, hören wir Gottes Stimme. Lese ich sie mit einem solchen Glauben? Teile ich diese Wahrheit über Gottes Liebe jenen mit, denen ich begegne? Können andere erkennen, dass ich Christus nachfolge?

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Zeuge der Liebe Gottes sein, sodass andere in meinem Leben Spuren des Evangeliums entdecken?

Joh 21, 25 Fülle der Taten Jesu

Joh 21,25: ‭Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eines nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären. Amen.‭

Die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen

Es gibt noch vieles andere, was Jesus getan hat. All das konnte Johannes nicht aufschreiben, sonst hätte er unzählige Bücher vollschreiben müssen.

Jesus predigte, lehrte, wanderte und heilte. Über alles liebte er jeden einzelnen Menschen, dem er begegnete – auf einzigartige Weise. Alle Bücher der Welt könnten das nicht fassen, denn jede Beziehung zu einer Seele ist einzigartig – wie umfangreich dann erst die Beschreibung aller!

Bücher werden weiter geschrieben – von Heiligen und Seligen, von verlorenen Söhnen und Töchtern und solchen, die ihren Weg zurück zu Gott gefunden haben. Ein Buch fehlt noch: DEINES! Was hat Jesus für dich getan? Was hat Jesus an dir getan?
Ilona Kies

Frage: Wo schreibst du gerade an deinem eigenen Kapitel mit Jesus – und wie zeigt sich seine Liebe in deinem Leben?

Die Zukunft gestalten

Der heilige Johannes sagt, dass Jesus vieles andere getan hat, was nicht im Evangelium festgehalten wurde.

Es gibt vieles, was Jesus noch in der Welt tun möchte. Alles, was er dazu braucht, ist unsere aktive Mithilfe. Mit der Hilfe der Gnade Gottes können wir die Zukunft gestalten.

Wir sind es, die seine Gegenwart spürbar werden lassen können, weil er durch seine Gnade in uns lebt. Gott ist der Autor meines Lebens, und das Buch wird nur richtig geschrieben werden, wenn ich erkenne, dass ich alles ihm verdanke.

Daniel Pajerski

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben, dass Gott durch mich weiterwirken möchte?

Abschluss

Mit dieser entzückenden Übertreibung lässt er uns sehen, dass es viel mehr über Jesus gibt, als wir wissen

Häufige Fragen zu Joh 21, 20-25

Was bedeutet Joh 21, 20-25?

Dieser Leseabschnitt bildet den feierlichen Epilog des Johannesevangeliums und widmet sich dem Schicksal des Lieblingsjüngers im Vergleich zu Petrus sowie dem abschließenden Beglaubigungsschreiben des Verfassers. Das Geschehen clarified Missverständnisse in der Urgemeinde über das Wiederkommen Christi, betont die Einzigartigkeit jeder individuellen Berufung und schließt mit einem imposanten Hyperbel-Zeugnis über die unermessliche Fülle der Taten Jesu.

Welche Frage stellt Petrus bezüglich des Lieblingsjüngers und wie weist Jesus diese Neugier zurück?

Als Petrus sich umwendet und den Jünger sieht, den Jesus liebte, fragt er Jesus direkt nach dessen künftigem Schicksal. Jesus weist dieses vergleichende Interesse zurück und macht deutlich, dass es Petrus nicht zu kümmern hat, wenn der Lieblingsjünger bis zu seiner Wiederkunft bleiben sollte, da Petrus einzig seiner eigenen Nachfolgepflicht nachkommen muss.

Welches Missverständnis entstand unter den Brüdern bezüglich des Lieblingsjüngers und wie wird es korrigiert?

Aufgrund von Jesu Worten verbreitete sich in der Gemeinde das Gerücht, dieser Jünger würde nicht sterben. Der Text stellt jedoch klärend fest, dass Jesus nicht gesagt hatte, er werde nicht sterben, sondern lediglich die bedingte Aussage formulierte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“

Wie bezeugt der Verfasser die Autorschaft und Verlässlichkeit der aufgezeichneten Berichte?

Der Epilog weist den Lieblingsjünger als denjenigen aus, der diese Dinge bezeugt und aufgeschrieben hat. Eine bestätigende Stimme aus der Gemeinschaft fügt hinzu, dass sein Zeugnis wahrhaftig und vollkommen vertrauenswürdig ist.

Mit welcher Schlussbemerkung über das Ausmaß des Wirkens Jesu endet das gesamte Evangelium?

Das Evangelium schließt mit dem Hinweis, dass Jesus noch viele andere Dinge getan hat. Wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so könnte – wie der Verfasser hyperbolisch erklärt – die ganze Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.

Joh 21, 15-19 Sendung des Petrus