Joh 20, 1-10:
Auslegung und Andacht
Das leere Grab

Joh 20, 1 Das leere Grab

Joh 20,1: Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein von dem Grab hinweggenommen war.

Hintergrund

Die Frauen kamen, um das von Joseph und Nikodemus begonnene Werk zu vollenden. Wahrscheinlich war Nikodemus angesichts der späten Stunde und der Nähe des Sabbats nicht in der Lage, alle Gewürze, die er mitgebracht hatte, auf die vorgesehene Weise zu verwenden.

Dunkelheit und Aufregung

Maria von Magdala zieht es zum Grab, zu Jesus. In der Dunkelheit geht sie zu seiner Begräbnisstätte. Die Dunkelheit spiegelt den Zustand der Gemüter wider: Jesus war gekreuzigt worden und ist vor ihren Augen gestorben. So viel Leid hatte er erfahren!

Nun machte sich unter den Jüngern Traurigkeit und Unverständnis breit. Es war eine Situation, die uns auch immer wieder zustoßen kann: Inmitten von Schwierigkeiten sehen wir kein Licht. Aber die Herzen der Jünger sind immer noch bei Jesus verankert.

Deswegen eilen sie dorthin, die beiden Jünger laufen um die Wette. Jesus ist gestorben, aber nicht ihre Liebe zu ihm.

Raphael Ballestrem

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich trotz Dunkelheit eine Liebe oder Verbundenheit, die mich weiterträgt?

Begegnung mit einer Leere

Maria von Magdala kommt früh am Morgen zum Grab Jesu – und findet es leer vor. Für sie bricht in diesem Moment vieles zusammen. Was eben noch Hoffnung war, ist plötzlich von Unsicherheit und Trauer geprägt. Dieses Gefühl wirkt sehr vertraut. Auch wir erleben Zeiten, in denen plötzlich etwas fehlt, worauf wir vertraut haben. Pläne verändern sich, Hoffnungen zerbrechen und Fragen bleiben offen. Dann fühlen wir uns ähnlich wie Maria: ratlos und traurig. Sophie Unglert

Joh 20, 2 Maria Magdalenas Bericht

Joh 20,2: ‭Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben!‭

Vermeintlicher Diebstahl

Obwohl Jesus seinen Jüngern schon mehrmals angekündigt hatte, dass er erst leiden müsse, aber dann von den Toten auferstehen werde, ist angesichts des leeren Grabes Maria Magdalenas erster Gedanke, dass der Leichnam gestohlen wurde.

Auch wir hören oft die Versprechen Jesu, glauben aber nicht wirklich, dass sie etwas mit der Realität zu tun haben.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens fällt es mir schwer, an die tiefe Wahrheit von Hoffnung und Neubeginn zu glauben?

Der Jünger, den Jesus liebte

Ist es nicht ein wenig dreist von Johannes, dem Autor des Evangeliums, sich als den Jünger zu bezeichnen, den Jesus liebte? Was ist mit den anderen Aposteln – wurden sie etwa nicht von ihm geliebt?

Doch Johannes geht es dabei nur um die Beschreibung seiner Beziehung zu Jesus. Die Liebe Jesu zu ihm ist ihm sogar wichtiger als sein eigener Name. Sie zeichnet seine Identität aus und ist auch ein Platzhalter dafür, dass andere sich damit identifizieren können.

Frage: Wie spürst du die Liebe, die dich in deinem eigenen Leben trägt, und wie prägt sie dein Selbstverständnis?

Der Jünger, den Jesus lieb hatte!

Johannes fühlte sich geliebt. Obwohl sein Name im Evangelium nach Johannes nicht genannt wird, beschreibt er seine Erfahrungen mit Jesus, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Er bleibt anonym und bezeichnet sich als den Jünger, den Jesus besonders liebte.

Diese Betonung könnte als anmaßend wirken, da es suggerieren könnte, dass Jesus die anderen Jünger weniger liebte – was nicht die Absicht ist. Johannes teilt seine persönliche Erfahrung, dass er von Jesus geliebt wurde, trotz seiner Fehler und Eigenheiten.

Obwohl er zu den "Donnersöhnen" gehörte und ein starker Charakter war, sah Jesus über diese Aspekte hinweg. Diese tiefe Verbundenheit mit Gott und die Liebe, die er von Jesus erfuhr, ließ Johannes glauben, dass keine Probleme oder Schwierigkeiten von Bedeutung sein könnten.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Erfahrung von bedingungsloser Liebe und Annahme spüren, selbst in Momenten deiner Schwächen oder Unsicherheiten?

Joh 20, 3 Petrus und Johannes laufen

Joh 20,3: ‭Nun gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und begaben sich zu dem Grab.‭

Joh 20:3: Da beeilten sich Petrus und der andere Jünger, um möglichst schnell zum Grab zu kommen.

Schnell laufen als Bild

Schnell laufen, um eine Erfahrung des Glaubens zu machen. Schnell laufen hat in diesem Evangelium eine besondere Bedeutung. Maria von Magdala läuft schnell. Petrus läuft schnell und Johannes läuft noch schneller als Petrus.

Die Liebe zum Herrn bewirkt in uns, dass wir uns sehr nach ihm sehnen. Was sie am Grab sahen, hätten sie auch noch gesehen, wenn sie langsam gegangen wären. Aber Unverzüglichkeit ist ein Zeichen der Liebe zum Herrn.

Wenn ich Christus und die Kraft seiner Auferstehung erfahren will, benötige ich ein Gespür für die Dringlichkeit meiner Beziehung zum Herrn. Ich muss mich bemühen, ihm zu begegnen und mich ihm hier und heute hinzugeben. Ich kann nicht auf einen „günstigen“ Augenblick warten. Wenn ich mich jetzt unter den gegenwärtigen Umständen Christus nicht hingeben will, besteht kein Anlass zu glauben, dass ich es später jemals will.

Robert Presutti

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Dringlichkeit, mich Christus ganz hinzugeben, und welche Schritte kann ich heute unternehmen, um dieser Sehnsucht zu folgen?

Hinaus gehen

Seit Jesu Kreuzigung sind Petrus und Johannes vermutlich von Verwirrung, Entmutigung und Ratlosigkeit geplagt. Die Trauer hat sie gelähmt, und ihre Gedanken könnten sich auf sich selbst konzentrieren.

Doch plötzlich unterbricht Maria ihre Traurigkeit, und sie richten ihre Aufmerksamkeit wieder auf das, was gerade geschieht.

Herr, du bist im Hier und Jetzt präsent. Um dich zu finden, müssen wir uns aus unseren egozentrischen Sorgen lösen und nach außen treten.

Frage: Wo in meinem Leben halte ich mich noch in selbstbezogenen Gedanken gefangen, statt offen für das Göttliche im Jetzt zu sein?

Joh 20, 4 Wettlauf zum Grab

Joh 20,4: ‭Die beiden liefen aber miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab.

Symbolik hinter dem Wettrennen

Diese Szene symbolisiert mehr als nur ein Wettrennen – sie zeigt die unterschiedliche geistliche Reaktion auf die Auferstehung.

Der „geliebte Jünger“ steht für Glauben und Einsicht, da er das leere Grab zuerst sieht und glaubt.

Petrus hingegen, oft als impulsiv dargestellt, kommt später und betritt das Grab als Erster. Dies verdeutlicht, dass Autorität (Petrus) und Liebe (der andere Jünger) gemeinsam zur Erkenntnis führen.

Die Eile der beiden zeigt zudem ihre tiefe Sehnsucht nach Jesus. Der Vers lädt uns ein, uns ebenfalls auf die Suche nach dem Auferstandenen zu machen.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, Glauben und Liebe miteinander zu verbinden, um tieferes Verständnis für das Spirituelle zu gewinnen?

Joh 20, 5 Blick auf die Leinenbinden

Joh 20,5: ‭Er beugte sich hinein und sah die leinenen Tücher daliegen, ging jedoch nicht hinein.‭

Joh 20, 6 Petrus geht hinein

Joh 20:6: ‭Da kommt Simon Petrus, der ihm folgte, und geht in das Grab hinein und sieht die Tücher daliegen

Der Respekt des Jüngeren vor Simon Petrus

Der Jünger, der zuerst am Grab ankam, konnte schneller laufen, daher wird er wohl jünger gewesen sein. Er nutzt dies aber nicht aus, als er zuerst am Grab ankommt, sondern schaut nur kurz hinein und wartet dann respektvoll auf Simon Petrus, der nicht so schnell ist und hinter ihm herkommt.

Begegne ich älteren oder langsameren Menschen auch mit Respekt und gebe ihnen den Vortritt, oder nervt es mich manchmal, wenn sie langsamer sind, zum Beispiel beim Autofahren, Gehen oder Sprechen? Respektvoller Umgang ist wichtig unter uns Menschen, und hier sehen wir, wie das funktionieren kann: sich hinten anstellen und warten, den anderen nicht ignorieren.

Erst als Simon Petrus das Grab betritt, geht auch er mit ihm hinein.

Svenja Nonnenmacher

Frage: Wo in meinem Alltag kann ich bewusster warten und anderen den Vortritt lassen, um meine Haltung von Respekt und Wertschätzung zu vertiefen?

Joh 20, 7 Das ordentliche Grabtuch

Joh 20:7: ‭und das Schweißtuch, das auf seinem Haupt war, nicht bei den Tüchern liegen, sondern für sich zusammengewickelt an einem besonderen Ort.

Andacht von Beate Scheilen

Johannes bleibt im Eingang stehen und sieht die Leinenbinden im Grab liegen, mit denen der Leichnam Jesu eingewickelt war.

Damit fällt die These vom Raub in sich zusammen, denn Räuber hätten den Toten sicher so mitgenommen, wie er war, und nicht ausgewickelt. Schon gar nicht hätten sie sich Zeit genommen, das Tuch, das auf dem Gesicht Jesu lag, noch zu falten und separat hinzulegen.

Dieser Sachverhalt fällt Petrus auf, als er endlich ankommt und – in seiner Rolle als Leiter der Apostel – noch vor Johannes das Grab betritt.

Beate Scheilen

Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben Momente erkennen, in denen die scheinbare Ordnung oder Sorgfalt auf eine tiefere, spirituelle Bedeutung hinweist?

Joh 20, 8 Sehen und Glauben

Joh 20,8: Jetzt ging auch der andere Jünger, der zuerst angekommen war, in die Grabkammer. Er sah sich darin um, und nun glaubte er, dass Jesus von den Toten auferstanden war.

Verkündigung der Auferstehung

Wir müssen erneut mit Kraft und Freude das Ereignis des Todes und der Auferstehung Christi verkünden; es ist das Herz des Christentums, der tragende Mittelpunkt unseres Glaubens, der mächtige Antrieb unserer Gewissheit, der starke Wind, der alle Angst und Unsicherheit, jeden Zweifel und jede menschliche Berechnung vertreibt.

Allein von Gott kann die entscheidende Veränderung der Welt kommen.

Nur von der Auferstehung her versteht man das wahre Wesen der Kirche und ihres Zeugnisses, das nicht vom Ostergeheimnis getrennt ist, sondern vielmehr dessen Frucht, Offenbarung und Verwirklichung durch diejenigen ist, die den Heiligen Geist empfangen und von Christus ausgesandt werden, seine eigene Sendung fortzusetzen.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Kraft der Auferstehung spüren und weitergeben?

Er sah und glaubte

Doch dieser Glaubensschritt ist nicht so leichtfertig. Um aus dem Sehen einen Glauben zu entwickeln, bedarf es mehr.

Es erfordert eine innere Offenheit und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, wie zum Beispiel die Vorstellung, dass Gott in unser Leben eingreifen könnte. Es bedeutet auch anzuerkennen, dass es Phänomene gibt, die jenseits unseres menschlichen Verständnisses oder der wissenschaftlichen Erklärungen liegen.

Die Liebe, von der Johannes weiß, die Liebe, die Jesus ihm entgegenbringt, befähigt ihn, einfach nur zu sehen und dann zu glauben.

Frage: Welche Momente in deinem Leben fordern dich heraus, offen für das Unerklärliche zu sein, und wie könnte dies deinen Glauben vertiefen?

Er sah und glaubte

Auch Johannes ist sich anfangs nicht sicher. Er zögert, ins Grab hineinzugehen. Vielleicht hat er Angst davor, was ihn drinnen erwartet.

Doch im Gegensatz zu Petrus kann er sofort glauben, als er die Leinenbinden und das Schweißtuch ordentlich gefaltet sieht – also so, wie es Grabräuber niemals hinterlassen hätten.

Warum können zwei Personen das Gleiche sehen und dennoch anders darauf reagieren? Den Unterschied macht hier die Liebe aus. Sie erleichtert es Johannes, als Erster zu glauben.

Elias Hamperl

Frage: Welche Rolle spielt die Liebe in deinem eigenen Glauben oder in deinem Alltag, und wie könnte sie dich dazu bringen, mutiger zu sein?

Joh 20, 9 Unkenntnis der Schrift

Joh 20,9: ‭Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen müsse.‭

Joh 20, 10 Heimkehr der Jünger

Joh 20,10: ‭Nun gingen die Jünger wieder heim.‭

Die Jünger kehrten wieder nach Hause zurück. 

„Dann kehrten sie wieder nach Hause zurück” hört sich an, als ob alles wieder seinen gewohnten Gang weitergeht. Das Zuhause bedeutet das gewohnte Leben in bester Form. Johannes kehrt zurück, aber jetzt sieht er das Leben ganz neu, wie nie zuvor.

Wir dürfen niemals als dieselben wie zuvor nach der Sonntagsmesse „nach Hause” gehen. Die Sakramente und die liturgische Feier helfen uns, im Glauben zu wachsen, und so sollten wir nie wünschen, in unser gewohntes Leben zurückzukehren, so als ob nichts Bedeutendes geschehen wäre.

Christus ist Alles! Ihn zu kennen und ihm zu begegnen macht das Leben bedeutungsvoll und voll Freude.

Frage: Wie würde sich mein Alltag verändern, wenn ich Christus bei jeder Rückkehr nach „Hause” wirklich in mein Leben einlade?

Häufige Fragen zu Joh 20, 1-10

Was bedeutet Joh 20, 1-10?

Dieser Abschnitt eröffnet den Osterbericht im Johannesevangelium mit der Entdeckung des leeren Grabes am frühen Morgen des ersten Tages der Woche. Das Geschehen Schildert den Weg von Maria Magdalena sowie Petrus und dem geliebten Jünger zur Grabstätte, wo die sorgfältig zusammengelegten Leinentücher das Rätsel des verschwundenen Leichnams vertiefen und beim geliebten Jünger das erste Osterglaubenswunder bewirken.

Wann kommt Maria Magdalena zum Grab, was entdeckt sie und welche Schlussfolgerung zieht sie daraus?

Maria Magdalena kommt am ersten Tag der Woche früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggeholt ist. Sie läuft sogleich zu Simon Petrus und dem anderen Jünger und schlussfolgert besorgt, dass man den Herrn aus dem Grab weggenommen habe und niemand wisse, wo er hingelegt wurde.

Wie verläuft der Wettlauf der beiden Jünger zum Grab und was sieht der geliebte Jünger zuerst?

Petrus und der andere Jünger laufen beide gemeinsam los, doch der andere Jünger läuft schneller als Petrus und kommt als Erster am Grab an. Er beugt sich vor und sieht die leinenen Tücher liegen, geht jedoch noch nicht hinein.

Was beobachtet Simon Petrus, als er im Grab eintrifft, und wie unterscheidet sich die Lage der Grabtücher?

Simon Petrus trifft nach ihm ein, geht direkt in das Grab hinein und sieht die leinenen Tücher liegen sowie das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt war; dieses liegt nicht bei den Leinenbinden, sondern separat an einem besonderen Ort zusammengerollt.

Wie reagiert der geliebte Jünger, als er Petrus in das Grab folgt, und welchen Reifegrad hat ihr Glauben in diesem Moment?

Der andere Jünger geht nun ebenfalls hinein, sieht die geordneten Tücher und glaubt. Es wird jedoch hinzugefügt, dass sie die Schrift noch nicht verstanden hatten, nach der Jesus von den Toten auferstehen musste, woraufhin die Jünger wieder nach Hause zurückkehren.

Joh 19, 38-42 Grablegung Jesu
Joh 20,11-18 Jesus erscheint Maria Magdalena