Joh 2, 13-25
Die Tempelreinigung
Auslegung und Andacht
Inhaltsverzeichnis
Joh 2, 13 Passahfest in Jerusalem
Joh 2,13: Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
Das Passah der Juden stand bevor
Jerusalem würde mit Tausenden von Besuchern überfüllt sein, die zum Passah kommen würden. Der Tempelberg war besonders überfüllt, und Jesus sah viele in den Vorhöfen des Tempels Geschäfte machen.
Das Paschafest ist nahe
Mit dem Hinweis auf die Nähe des Paschafestes möchte der Evangelist Johannes sicher mehr erreichen als nur eine zeitliche Einordnung des Geschehens.
Auch inhaltlich gibt es einen Bezug: Wie Jesus aus dem Tempelbezirk jede unwürdige Verhaltensweise bannen will und zu diesem Zweck die Händler vertreibt, so möchte er mit seinem Erlösungswerk dem Menschen, der ein Tempel des Heiligen Geistes ist, seine wahre Würde wiedergeben, indem er ihn von der Sünde reinigt und auf sein eigentliches Ziel ausrichtet.
Martin Baranowski
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich, dass Reinigung und Ausrichtung auf mein eigentliches Ziel notwendig sind?
Zur Tempelreinigung
Bei Matthäus, Markus und Lukas steht die Tempelreinigung am Anfang der Leidensgeschichte. Im Johannesevangelium hingegen findet sich eine gewichtige, tiefsinnige Zeitangabe: der Hinweis auf das Passahfest vor der Tempelreinigung ist weit mehr als nur eine zeitliche Markierung.
Viermal beginnt eine Begebenheit im Leben Jesu mit diesem Hinweis. Jedes Mal geht es um das Geheimnis seiner Lebenshingabe: Tempelreinigung, Brotvermehrung, Salbung in Betanien und die Fußwaschung. Wie bei einem Gongschlag schwingt bei der Erwähnung dieser Worte die Lebenshingabe Jesu mit, durch die er das jüdische Passahfest vollendet in seinem neuen Passah, in dem er sich selbst als Lamm Gottes gibt.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente erkennen, in denen Hingabe und Selbstlosigkeit eine tiefere spirituelle Bedeutung tragen?
Joh 2, 14 Händler im Tempel
Joh 2,14: Und er fand im Tempel die Verkäufer von Rindern und Schafen und Tauben und die Wechsler, die dasaßen.
Tempel des Heiligen Geistes – mein Gebet
Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes.
Ich betrachte mit Jesus zusammen den Tempel meines Gebets.
Auch in meinem Tempel ist möglicherweise viel, was mich vom Heiligen Geist ablenkt.
Was sind heute meine Geldwechsler, meine Taubenhändler?
Ich bitte Jesus, all das auszutreiben, was meine Seele jetzt von ihm ablenkt.
Ich warte, bis im Tempel meines Gebets Ruhe einkehrt, damit ich ungestört beten kann.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Welche Gedanken oder Gewohnheiten könnte ich heute loslassen, um meinem inneren Tempel mehr Ruhe zu schenken?
Joh 2, 15 Vertreibung der Händler
Joh 2,15: Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, samt den Schafen und Rindern, und den Wechslern verschüttete er das Geld und stieß die Tische um;
Andacht für dein Leben
- Verdränge die negativen Einflüsse: Achte darauf, dass du nicht von Dingen, die deinen Glauben oder deine Werte stören, umgeben bist. Entferne alles, was dich vom Wesentlichen ablenkt.
- Kämpfe für Reinheit und Klarheit: Lass dich nicht von materiellen oder oberflächlichen Zielen verführen. Strebe nach innerer Reinheit und einer klaren Ausrichtung auf das, was wirklich zählt.
Leidenschaftliche Liebe
Bei der Tempelreinigung scheint der sonst so besonnen und ausgeglichen handelnde Jesus einmal richtig „auszurasten“. Er bleibt nicht in der Rolle des kritischen Beobachters und begnügt sich nicht mit einer bloß verbalen Verurteilung des Treibens, sondern legt selbst Hand an, um die Missstände zu beseitigen.
Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen unkontrollierten Temperamentsausbruch, sondern um eine Reaktion aus leidenschaftlicher Liebe – einer Liebe, die nicht untätig und gleichgültig bleiben kann. Ebenso tätig und engagiert sorgt sich Jesus um mich und mein zeitliches und ewiges Glück.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens darf ich die leidenschaftliche Liebe, die Jesus zeigt, selbst wirksam werden lassen?
Joh 2, 16 Haus meines Vaters
Joh 2,16: Zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!
Joh 2:16: Den Taubenhändlern befahl er: Schafft das alles hinaus! Das Haus meines Vaters ist doch keine Markthalle!
Der Tempel als Kaufhaus
Im Tempel wurden Tieropfer dargebracht. Darum gab es dort Tierhändler. Von ihnen kaufte man das zu opfernde Tier. Geldwechsler gab es wegen der Tempelsteuer.
Der Opferkult zur Zeit Jesus war zum Geschäft zwischen den Gläubigen, den Geldwechslern und den Priestern geworden. Mehr noch: Er war ein Handel zwischen Gott und den Pilgern nach dem Schema: Ich gebe Gott etwas und Gott gibt mir dafür etwas zurück.
Und in der Gefahr dieser Denkweise stehen auch wir. Es ist die Versuchung der "guten" Menschen, die Gott durch gute Werke gefallen wollen und dafür mit Belohnung rechnen. Handeln wir so, gleichen wir den Kaufleuten im Tempel. Sie wollen mit Gott markten und einen Handel eingehen.
Schaust du denn Gott wie eine Kuh an? Die liebst du wegen deines eigenen Nutzens. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutzen. Meister Eckart
Frage: Welche inneren "Handelsgeschäfte" mit Gott erkenne ich in meinem eigenen Leben, und wie könnte ich sie loslassen, um echte Verbundenheit zu erfahren?
Du bist ein Tempel
Der Tempel steht für den Ort und die Gegenwart Gottes.
Jesus erklärt, dass ein neuer Tempel in seinem eigenen, auferstandenen Leib errichtet werden wird. Gottes Gegenwart wird sich so nicht auf einen einzigen geografischen Ort beschränken, denn Gott ist überall und er vermag alle Dinge und alle Zeiten zu heiligen.
Wir sind der Tempel Gottes in der Welt, schreibt der heilige Paulus. Habe ich diese unfassbare Realität wirklich begriffen? Ich bin ein lebendiger Tempel, in dem das Wort Gottes ewig gesprochen wird.
Maria Boeselager
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusster spüren, dass ich selbst ein lebendiger Tempel Gottes bin?
Der Tempel als Markthalle
Der Tempel war das Zentrum des jüdischen Lebens. Jesus wendet sich nicht gegen den Tempel, sondern gegen das, was der Tempel geworden ist: ein Marktplatz statt eines Ortes der Anbetung.
Für Jesus ist der Tempel der Ort der Anbetung des Vaters. Des Vaters, der alle Menschen gleichermaßen liebt und dessen Liebe nicht erkauft werden kann.
Manchmal können wir mit Gott in Verhandlungen treten. Wir sagen vielleicht: „Wenn du dies für mich tust, werde ich das für dich tun.“ Oder „Wenn ich nur so und so viel bete und deine Regeln befolge, dann wirst du…“
Wir können unsere Beziehung zu Gott leicht in eine Art Transaktion verwandeln. Wenn ich Zeit im Gebet verbringe, suche ich dann Gott oder suche ich das, was er mir geben kann?
Maria Boeselager
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Gott ohne Bedingungen zu begegnen, und wie würde sich mein Leben verändern, wenn ich nur auf seine Gegenwart vertraue?
Tempel des Heiligen Geistes – mein Leben
Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes.
Ich betrachte mit Jesus zusammen den Tempel meines Lebens. Wo ist mein Leben eine Markthalle? Wo ist störender Lärm, störende Betriebsamkeit, durch die der Same des Glaubens, das Verhältnis zum Herrn, ersticken könnte?
Wo sind störender Eigenwille und störender Egoismus, die mir den Weg zum Heiligtum des Tempels, zum Heiligen Geist, versperren?
Ich bitte Jesus um den verzehrenden Eifer, das nach und nach wegzuschaffen.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Welche Bereiche meines Lebens brauchen heute noch die heilende Aufmerksamkeit Jesu, damit der Heilige Geist frei wirken kann?
Joh 2, 17 Eifer für das Haus
Joh 2,17: Seine Jünger dachten aber daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.
Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt
Dieser Vers verweist auf Psalm 69,10 und zeigt, dass Jesu leidenschaftliches Handeln im Tempel prophetisch vorausgesagt wurde. Jesus treibt die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel, weil sie den heiligen Ort in eine Handelsstätte verwandelt hatten.
Sein Eifer für das Haus Gottes verdeutlicht seine Autorität und seine Mission, den wahren Gottesdienst wiederherzustellen. Die Jünger erkennen darin später die Erfüllung der Schrift.
Gleichzeitig weist der Vers auf Jesu bevorstehendes Leiden hin: Sein Einsatz für Gottes Ehre wird ihn letztlich ans Kreuz führen. Damit zeigt sich Jesu Identität als Messias, der für die Heiligkeit Gottes eintritt.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, für das Heilige einzustehen, und wie kann ich diesem Ruf authentisch folgen?
Joh 2, 18 Forderung nach Zeichen
Joh 2,18: Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du dies tun darfst?
Joh 2, 19 Tempelbau in drei Tagen
Joh 2,19: Zerstört diesen Tempel! In drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen.
Der Tempel war die Wohnung Gottes
Die Kreuzigung Jesu ist das Abbrechen dieser Wohnung Gottes. Darum riß in der Todesstunde Jesus im Tempel der Vorhang zum Heiligtum.
In Kreuz und Auferstehung wird Jesus zur neuen und vollendeten Wohnung unter den Menschen. Er selbst ist der neue Tempel. Die werdende Christenheit war lange vor der äußeren Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. davon überzeugt, dass dessen heilsgeschichtliche Stunde zu Ende sei, weil in Jesus das Heil nun vollkommen gekommen war.
Mit Jesus beginnt eine neue Weise, Gott zu verehren, nicht mehr räumlich hier oder dort, sondern allein in deinem Herzen, das glaubt.
Wenn möglich, bete unterm Tag heilsame Stoßgebete der Anbetung: Ich bete dich an, Herr Jesus Christus, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Frage: Wie spüre ich die Gegenwart Gottes in meinem eigenen Herzen und in meinem Alltag?
Joh 2, 20 Einwand der Juden
Joh 2,20: Da sprachen die Juden: In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
Wiederaufrichten des Tempels
Beim Prozess gegen Jesus wurde unter anderem angeklagt, dass er sagte, er würde den Tempel zerstören (Mt 26:60-61, Mk 14:57-59). Als er am Kreuz starb, erinnerten die Spötter Jesus an ein scheinbar unmögliches Versprechen (Mt 27:40, Mk 15:29).
Joh 2, 21 Leib als Tempel
Joh 2,21: Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.
Das gilt auch für uns
Das gilt auch für uns: Unser Leib ist ein Tempel Gottes. Aber dieser Tempel ist zu einer Markthalle verkommen. In uns sind Händler, die lärmend ihre Waren verkaufen. Die Händler stehen hier für die lärmenden Gedanken, die uns beherrschen. In unserem Kopf ist es nie still. Da schreien die verschiedensten Gedanken durcheinander. Jeder dieser Händler möchte möglichst viel Geld verdienen. Das ist ein Bild für unsere Gier und Habsucht, die uns oft beherrschen.
In uns sind Geldwechsler, die die Währung der Tempelbesucher gegen eine andere eintauschen. Sie stehen für die Gedanken, in denen wir uns ständig mit anderen vergleichen: Was ist mein Marktwert? Wie hoch werde ich gehandelt? Was halten die anderen von mir? Wir sind in Gedanken nicht bei uns selbst, sondern ständig bei anderen und vergleichen uns mit ihnen.
Stellen Sie sich Ihren Leib als Tempel vor. Welche fremden Kräfte sind in ihn eingedrungen, die die Ruhe und die Schönheit dieses Tempels trüben? Was sind die Händler und Geldwechsler in Ihnen? Was die Rinder, Schafe und Tauben?
Beten Sie nach diesen Überlegungen das Jesusgebet. Beim Einatmen sagen Sie: „Herr Jesus Christus“ und stellen sich vor, dass die Liebe Jesu mit diesen Worten in Ihr Herz einströmt und es wärmt. Beim Ausatmen sagen Sie: „Sohn Gottes, erbarme dich meiner.“ Stellen Sie sich vor, wie die Worte und die Liebe Jesu beim Ausatmen alle Händler, Geldwechsler, Rinder, Schafe und Tauben heraustreiben, wie Jesus alle negativen Emotionen, die Sie beherrschen möchten, mit seiner Liebe durchdringt und verwandelt, sodass sie zu positiven Gefühlen werden.
Dann sagen Sie sich: Ich bin der Tempel Gottes. Wie fühlen Sie sich dann? Nehmen Sie dankbar wahr, dass Sie der Tempel Gottes sind. Und genießen Sie als solcher Ihre eigene Weite, Freiheit und Schönheit.
Anselm Grün
Frage: Welche Gedanken, Emotionen oder Gewohnheiten könnten heute aus Ihrem inneren Tempel hinausgetragen werden, um Raum für Liebe, Ruhe und Klarheit zu schaffen?
Joh 2, 22-25 Erinnerung der Jünger
Joh 2,22: Als er nun aus den Toten auferstanden war, dachten seine Jünger daran, dass er ihnen dies gesagt hatte, undsie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Tempel seines Leibes
Der Tempel von Jerusalem ist ein Vorausbild Christi. Er war ein Zeichen der Gegenwart Gottes und ein Ort der Begegnung mit ihm. Doch beim Tod Jesu reißt der Vorhang, der das Allerheiligste verbarg, entzwei.
In Jesus öffnet sich ein neuer und tieferer Zugang zu Gott, der die Aufgabe des alten Tempels zugleich erfüllt und übertrifft. „Er aber meinte den Tempel seines Leibes“ – in der Eucharistie ist Christus unter uns heute leibhaftig gegenwärtig. Er vermittelt uns die Liebe Gottes und alle Gnaden. Wenn wir ihn in der Kommunion empfangen, macht er uns ebenfalls zu einem Tempel, in dem er wohnt.
Martin Baranowski
Frage: Wie offen ist mein Herz, um Christus als Tempel in meinem Leben zu empfangen und seine Gegenwart wirken zu lassen?
Gespräch mit Christus
Herr, wie die großen Kathedralen mit ihren Kunstwerken etwas von der Schönheit des Glaubens verkünden und die Menschen ‐ auch jene, die dem Glauben fernstehen ‐ neugierig machen und zu einem Besuch einladen, so soll auch mein Leben etwas von deiner Größe und Schönheit erfahrbar machen, indem es durch die christlichen Tugenden ansprechend und einladend ist.
Wie du im Zentrum jeder Kirche im Tabernakel wohnst, so sollst du, Jesus, auch stets in meinem Herzen wohnen und das Zentrum meines Lebens sein.
Frage: Wie kann ich heute bewusst Räume in meinem Leben schaffen, in denen Gottes Gegenwart spürbar wird?
Joh 2,23: Als er aber am Passahfest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat.
Weil sie seine Zeichen sahen, die er tat
Diese Verse zeigen, dass der Glaube dieser Menschen oberflächlich war, da er auf Wundern basierte und nicht auf echter Erkenntnis Jesu. Jesus selbst traute diesem Glauben nicht, da er wusste, was im Menschen war (V. 24-25).
Dies verweist auf seine göttliche Einsicht in die Herzen der Menschen. Wahre Nachfolge erfordert mehr als nur das Staunen über Wunder – sie verlangt eine persönliche Beziehung zu Christus und Vertrauen in ihn.
Diese Verse fordern dazu auf, den eigenen Glauben zu hinterfragen: Ist er nur von äußeren Zeichen abhängig oder basiert er auf einer echten Hingabe an Jesus?
Frage: Wie tief reicht mein Glaube wirklich – folge ich Jesus aus Bewunderung für Wunder oder aus echter Hingabe meines Herzens?
Joh 2:24: Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte,
Joh 2:25: und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von dem Menschen Zeugnis gab; denn er wusste selbst, was im Menschen war.