Joh 1,29-34
Lamm Gottes, Sohn Gottes
Auslegung und Andacht
Inhaltsverzeichnis
Joh 1, 29 Das Lamm Gottes
Joh 1,29: Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!
Andacht für dein Leben
- Erkenne Jesus als das Lamm Gottes: Wenn du Jesus als deinen Erlöser annimmst, siehst du ihn als denjenigen, der deine Sünden wegnimmt und dir Frieden mit Gott bringt.
- Folge ihm im Vertrauen: Wie Johannes, der auf Jesus hinwies, kannst du ihm dein Leben anvertrauen und in jeder Entscheidung auf seine Führung vertrauen, weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
Johannes sah Jesus auf sich zukommen
Jesus kommt auch uns immer entgegen. Warum? Weil er uns liebt.
Er drängt sich uns niemals auf. Er stürmt nicht durch unsere Tür herein und zwingt uns, ihn anzunehmen oder sogar anzuerkennen.
Er bleibt uns aber nahe und hofft, dass wir seine Liebe wenigstens ein bisschen sehen und dadurch erkennen, dass er derjenige ist, nach dem sich unsere Herzen so sehr sehnen.
Was wird geschehen, wenn wir die Tür unseres Lebens, unseres Herzens für Christus öffnen?
Er wird uns rufen, die engen Grenzen unseres Egoismus, unserer Habgier und Genusssucht, unseres Neides und unserer Ichsucht zu verlassen.
Er wird uns unvorstellbare Horizonte eröffnen und unseren armseligen, vor sich hinfließenden Tagen eine reiche und neue Dimension schenken.
Er wird uns eine alles übersteigende Sendung anvertrauen: Ihn nicht nur mit unseren Worten zu bezeugen, sondern mit allem, was wir sind und haben.
Walter Schu
Frage: Welche engen Grenzen in meinem Leben könnte ich Christus anvertrauen, um neue Dimensionen von Liebe und Freiheit zu erfahren?
Hinweis auf seine Tod am Kreuz
Zu Beginn seines Wirkens wurde Jesus mit Worten begrüßt, die sein Schicksal verkündeten – seine Opferqual und seinen Tod am Kreuz für die Sünde der Menschheit. Der Schatten des Kreuzes lag über dem gesamten Wirken Jesu.
Das Lamm
Bereits seit dem 4. Jahrhundert gilt das Lamm als Symbol für Christus und zählt damit zu den ältesten Symbolen überhaupt. Im Alten Testament wird von einem Brauch berichtet, ein Lamm zur Vergebung der Sünden zu opfern. Die Christen erkannten in Jesus Christus das Lamm Gottes, wodurch das Bild des Lammes zu einem Zeichen der Erlösung wurde, ähnlich wie das Kreuz.
Das Kreuz ist das wichtigste Symbol des Christentums, weil es an den Kreuzestod Jesu erinnert und somit an das zentrale Element des christlichen Glaubens. Es ist in fast jeder Kirche an verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Ausführungen zu finden – vom Altarkreuz bis hin zum kreuzförmigen Grundriss der Kirche.
Sowohl das Lamm als auch das Kreuz stehen als Symbole für Erlösung und Hoffnung.
Frage: Welche Symbole berühren dich persönlich und erinnern dich an den tieferen Sinn deines Lebens?
Im jüdischen Paschafest stand die Schlachtung eines Lammes im Mittelpunkt
Beachtenswert: Jesus feiert das Pascha, aber ohne Lamm. Warum? Weil er selbst das neue, wahre Lamm ist, das sich zur Vergebung der Sünden schlachten lässt.
Insofern feiert Jesus das Pascha ohne Lamm und doch mit Lamm. Einmal geopfert, stirbt er nicht wieder, sondern lebt auf ewig als das Lamm, das geschlachtet ist.
So erhält das uralte jüdische Pascha seinen wahren Sinn und vollendet sich in Christus. Er verwandelt es in sein eigenes Pascha, in das Pascha Jesus Christus.
Gelobt sei Jesus Christus.
Die Sünde hat nur zwei Orte, wo sie ist. Entweder ist sie bei dir, dass sie dir auf dem Halse liegt, oder sie liegt auf Christus, dem Lamm Gottes. Martin Luther
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben erkennen, wo alte Rituale oder Traditionen durch das, was Christus vollbracht hat, eine neue, tiefere Bedeutung erhalten könnten?
Jesus den Menschen zeigen
Die Kirche ist zu allen Zeiten aufgerufen, das zu tun, was Johannes der Täufer getan hat, Jesus den Menschen zu zeigen und zu sagen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Er ist der einzige Heiland! Er ist der Herr, demütig, mitten unter den Sündern, doch er ist es, er: da ist kein anderer, mächtiger, der kommt; nein, nein: er ist es!
Wehe, wenn die Kirche sich selbst verkündigt; sie verliert den Kompass, sie weiß nicht, wohin sie geht!
Die Kirche verkündigt Christus; sie überbringt nicht sich selbst, sie überbringt Christus.
Papst Franziskus
Frage: In welchem Moment meines Lebens spüre ich Christus am deutlichsten, und wie kann ich ihn anderen Menschen sichtbar machen?
Joh 1, 30 Er war vor mir
Joh 1,30: Das ist der, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.
Auf Jesus hinweisen
Das ist keine Anekdote. Es handelt sich um eine entscheidende historische Tatsache!
Diese Szene ist entscheidend für unseren Glauben; und sie ist auch für die Sendung der Kirche entscheidend.
Die Kirche ist zu allen Zeiten aufgerufen, das zu tun, was Johannes der Täufer getan hat, Jesus den Menschen zu zeigen und zu sagen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Er ist der einzige Heiland! Er ist der Herr, demütig, mitten unter den Sündern, doch er ist es, er: da ist kein anderer, mächtiger, der kommt; nein, nein: er ist es.
Papst Franziskus
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben das Licht Christi sichtbar machen, so wie Johannes der Täufer es tat?
Jesus, der war und der ist
Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. In diesen Worten bekennt Johannes, dass Jesus bereits, obwohl nach ihm geboren, vor ihm gewesen ist. Also ist Jesus schon vor seiner Menschwerdung Gott gewesen.
Da klingt etwas von der Unendlichkeit an, die nicht nur Gott Vater, sondern genauso auch Jesus, Gott Sohn, charakterisiert. "Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit." (Hebräer 13,8)
Jesus war schon vor der Schöpfung – und wird auch nach dem Ende der Welt sein.
Ilka Haiberger
Frage: Wie spürst du die Gegenwart des Ewigen in deinem eigenen Leben?
Joh 1, 31 Offenbarung für Israel
Joh 1,31: Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar würde, darum bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen.
Auch ich kannte ihn nicht
Zweimal (Joh 1,31 und Joh 1,33) betont Johannes: „Ich kannte ihn auch nicht.“ Jesus und Johannes waren gemeinsam aufgewachsen. Sie hatten Alltag miteinander erlebt, miteinander gespielt, Abenteuer erlebt und über die Schrift gesprochen. Und doch hatte Johannes ihn nicht als Messias erkannt.
Er wusste, wie jedes jüdische Kind, dass der Messias kommen sollte, doch seine Vorstellungen waren wohl andere. Wie stellen wir uns den Sohn Gottes vor? Wie viele Menschen erkannten und erkennen ihn tatsächlich bis zu ihrem Lebensende nicht.
Johannes macht uns hier auf eine wichtige Tatsache aufmerksam: Jesus in unserem Leben zu erkennen, ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Wie oft habe ich Gott nicht erkannt und erkenne ihn jetzt? Wie blind bin ich doch sicher dann auch so oft im Jetzt. Wenn ich mich aber auf die Suche mache, werde ich ihn mehr und mehr erkennen. Wir können uns also mit Zuversicht auf den Weg machen. Gott will erkannt werden.
Sarah Briemle
Frage: Wo in meinem Leben kann ich achtsamer werden, um Gottes Gegenwart bewusster wahrzunehmen?
Joh 1, 32 Der herabschwebende Geist
Joh 1,32: Und Johannes bezeugte und sprach:Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabsteigen, und er blieb auf ihm.
Ich sah den Geist vom Himmel herabkommen
Zu oft verkennen wir das Wesen und die Rolle des Heiligen Geistes. Das Bild der Taube lässt ihn geradezu komisch oder lächerlich erscheinen.
Doch schon von Anfang an spielt der Heilige Geist die Hauptrolle: Er wirkt in Marias Schoß, dass sie schwanger wird; er legt sich auf Jesus, als er seine Mission beginnt; er ergießt sich über die christliche Gemeinde und macht alle lebendig, offen, missionarisch, voller Mut und tiefer Zusammengehörigkeit.
Wer ist der Heilige Geist für dich? Sprichst du mit ihm? Lebst du mit ihm?
Er ist Gott, der zu uns kommt mit einer bestimmten Aufgabe: um alles, was Jesus damals in Israel getan und gewirkt hat, in dir und mir und uns allen lebendig und wirksam werden zu lassen. Er befreit, er erfüllt, er schenkt Lebendigkeit, Frieden, Freude. Er ist so wichtig.
Klaus Einsle
Frage: Wie öffnest du dein Herz dem Heiligen Geist, um seine Lebendigkeit und Führung in deinem Leben zu spüren?
Joh 1, 33 Taufe mit Heiligem Geist
Joh 1,33: Und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Der, auf den du den Geist herabsteigen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit Heiligem Geist tauft.
Gott im Unscheinbaren erkennen
Wie Johannes seinen Cousin lange nicht als Messias erkannt hatte, erkennen sicherlich auch wir seine Gegenwart oft nicht. Unser Herz muss Ausschau halten, um ihn zu erkennen. Und oftmals ist er nicht dort, wo wir ihn vielleicht suchen. Oftmals entspricht er nicht unseren menschlichen Vorstellungen und Erwartungen.
Betlehem war sicher nicht eine Wunschvorstellung für Josef und Maria. Nazareth war keine Wunschvorstellung für das jüdische Volk. Golgota war keine Wunschvorstellung für die Jünger. Doch nur diejenigen, die Jesus in seiner unscheinbaren Gestalt erkannt hatten, durften dann auch Zeugen seiner Auferstehung sein.
Wie begegnet mir Jesus in unscheinbarer Gestalt? Durch welche Ereignisse, welche Menschen, welches Wort?
Sarah Briemle
Frage: Wo in meinem Alltag könnte ich die leise Gegenwart von Jesus entdecken, wenn ich meine Erwartungen loslasse?
Er tauft mit dem Heiligen Geist
„Taufen“ bedeutet ursprünglich eintauchen. Johannes sagt, dass Jesus uns in den Heiligen Geist eintauchen – oder ihn in uns legen wird. Die Aufgabe Jesu besteht also unter anderem darin, uns auf das Kommen dieses Geistes vorzubereiten.
Das sagt er auch bei seiner Abschiedsrede zu seinen Aposteln: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.“ (Joh 14,16)
Du darfst Jesus jeden Tag bitten, dass er dir den Heiligen Geist, seinen Geist, sendet. Denn darüber freut er sich. Und dieser Geist wird dann seine Aufgabe in dir erfüllen. Höre, welche Früchte er in dir hervorbringt: Freude, Friede, Liebe, Güte, Sanftmut, Stärke…
Hört sich doch gut an. Also: Wer ist der Heilige Geist für dich? Sprichst du mit ihm? Lebst du mit ihm?
Klaus Einsle
Frage: Wie spürst du die Gegenwart des Heiligen Geistes in deinem täglichen Leben, und welche Früchte seines Wirkens bemerkst du bereits in dir?
Joh 1, 34 Er ist Gottes Sohn
Joh 1,34: Und ich habe es gesehen und bezeuge, dass dieser der Sohn Gottes ist.
Andacht für dein Leben
- Erkenne Christus als den Retter: Du musst Jesus als den wahren Sohn Gottes anerkennen, der deine Sünden auf sich genommen hat und dir ewiges Leben schenkt.
- Vertraue auf seine Führung: Du bist eingeladen, dein Leben nach seinen Prinzipien auszurichten und in jeder Entscheidung auf seine Weisheit zu vertrauen, da er der wahre Weg ist.
Feierliches Zeugnis
Das feierliche Zeugnis von Johannes dem Täufer war, dass Jesus der Sohn Gottes ist . Er ist der Sohn Gottes im Sinne von Johannes 1,18 – derjenige, der das Wesen und die Persönlichkeit Gottes des Vaters vollkommen erklärt.