Joh 1, 35-51
Die ersten Jünger Jesu
Auslegung und Andacht
Inhaltsverzeichnis
Joh 1, 35-36 Siehe das Lamm Gottes
Joh 1,35: Am folgenden Tag stand Johannes wiederum da und zwei seiner Jünger.
Joh 1,36: Und indem er auf Jesus blickte, der vorüberging, sprach er:Siehe, das Lamm Gottes!
Seht das Lamm Gottes
Wie schon Maria, so behält auch Johannes den Messias nicht für sich. Er hat den Weg für ihn vorbereitet, und nun gibt er ihn den Menschen. Denn für sie ist Jesus gekommen. Für dich, für mich, für die anderen.
Die Aufgabe von Johannes ist nicht schwer: Er zeigt auf Jesus. Unsere Aufgabe – vor allem wenn wir in der Kirche und im Glauben engagiert sind – ist auch nicht schwer: Wir sollen den Menschen Jesus zeigen.
"Wir wollen Jesus sehen", so drücken einige Menschen eines Tages im Tempel ihren Wunsch aus. Je mehr wir anderen Jesus zeigen – durch unsere Liebe zu ihnen, durch unseren eigenen Glauben, unser Gebet, eine Glaubensgemeinschaft, ein Gebet für die Menschen – desto leichter und fruchtbarer wird unser Handeln.
Klaus Einsle
Frage: Wie kann ich heute jemanden in meinem Umfeld bewusst Jesus näherbringen und welche kleine Handlung könnte den größten Unterschied machen?
Bilder aus dem Alten Testament
Das erste ist das Pascha-Lamm in Exodus 12. Durch die Opferung des Pascha-Lammes wurde das Volk Israel vor dem Tod bewahrt und aus der Sklaverei des Pharaos von Ägypten befreit. Damit begann die Reise des Volkes Israel in seine Heimat, in das Gelobte Land.
Das zweite Bild bezieht sich auf den leidenden Gottesknecht aus Jesaja 53. Der leidende Gottesknecht nimmt alle Sünden des Volkes auf sich und wird deshalb zum Schlachten geführt, tut aber seinen Mund nicht auf – wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt.
Johannes will uns mit seinem Evangelium deutlich machen, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um uns zu zeigen, wie wir leben sollen. Er ist gekommen, um für uns zu sterben und uns dadurch in die Freiheit zu führen.
Anton Vogelsang
Frage: Welche Lasten trage ich bereitwillig für andere, und wo könnte ich Vertrauen in eine höhere Führung entwickeln?
Joh 1, 37 Die erste Nachfolge
Joh 1,37: Und die beiden Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.
Andacht für dein Leben
- Hören auf Jesu Ruf: Du bist eingeladen, Jesus zu folgen. Höre auf die Stimme, die dich ruft, und gib deinem Leben eine neue Richtung.
- Die Entscheidung treffen: Du hast die Wahl, mit ihm zu gehen. Die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, verändert dein Leben und führt dich zu wahrem Frieden.
Was sucht ihr?
Es war kein Zufall, dass die ersten Worte, die der Meister in Seinem messianischen Amt sprach, diese zutiefst bedeutsame Frage waren: Was sucht ihr?
Wo wohnst du?
Mit der Zeit werden die Jünger gelernt haben, dass Jesus eigentlich nur ein Zuhause hatte: Gott, seinen Vater. Ihn nannte er liebevoll Abba – Papa.
Ihn entdeckte Jesus jedoch überall: in allen Menschen, in der Natur, im einsamen Gebet auf einem Berg in der Nacht. Er wusste, dass Gott in ihm ist und er in ihm.
Jesus war also sozusagen bei sich zu Hause – er ruhte in sich selbst, in der liebevollen Beziehung zu Gott. Und eigentlich ist es genau das, was wir uns auch für uns selbst wünschen: in uns zu ruhen, ein Zuhause in uns selbst zu finden, egal, wie stürmisch die Zeiten um uns herum sind.
Doch so vieles bringt uns oft aus dem Gleichgewicht, zeigt uns jeden Tag, wie fragil unser Leben, unser Zuhause ist.
Zacharias Heyes
Frage: Wo in mir selbst spüre ich ein Zuhause, das unabhängig von äußeren Stürmen ist?
Jünger Jesu
Bist du einfach nur Christ – oder wirklich ein Jünger von Jesus?
Im Neuen Testament wird das Wort Christ nur dreimal erwähnt, aber Jünger ganze 269 Mal. Das ist kein Zufall. Denn die Bibel wurde von Jüngern für Jünger geschrieben – für Menschen, die Jesus nicht nur bewundern, sondern ihm nachfolgen, ihm vertrauen und von ihm lernen wollen.
Jünger sein bedeutet mehr, als an Jesus zu glauben. Es heißt, ihm im Alltag ähnlicher zu werden – in Liebe, Geduld, Vergebung und Mut.
Vielleicht ist das die eigentliche Frage an uns: Bin ich nur Träger eines Namens? Oder bin ich jemand, der wirklich hinter Jesus hergeht – Schritt für Schritt, Tag für Tag?
Frage: Wo in meinem Alltag spüre ich, dass ich Jesus wirklich nachfolge – und wo eher nur seinen Namen trage?
Joh 1, 38 Was sucht ihr?
Joh 1:38: Jesus drehte sich zu ihnen um, sah sie kommen und fragte: Was sucht ihr? Sie antworteten: Rabbi, wo wohnst du?
Die Frage der Jünger
Herr, wo wohnst du? Diese einfache Frage ist der erste Satz, den die beiden Jünger zu Jesus sagten. Sie offenbart die Verfassung ihres Herzens.
Sie mögen noch nicht bereit sein, alles aufzugeben, um ihm zu folgen, aber sie sehnen sich sicherlich danach, bei ihm zu bleiben und von ihm zu lernen, ihn persönlicher kennenzulernen und ihn nachzuahmen.
Ihre Frage offenbart eine tiefe Sehnsucht, eine Bindung mit dem Herrn einzugehen.
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich danach, dem Herrn näher zu sein und ihm persönlicher zu begegnen?
Joh 1, 39 Kommt und seht
Joh 1,39: Er spricht zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.
Andacht für dein Leben
- Folge dem Ruf Jesu: Wenn du die Einladung von Jesus hörst, ihn näher kennenzulernen, ergreife sie. Verpasse nicht die Gelegenheit, mit ihm Zeit zu verbringen und seine Nähe zu suchen.
- Bleibe bei ihm: Wenn du in seine Gegenwart trittst, bleibe bei ihm. Lass dich nicht von Ablenkungen fortreißen, sondern finde in ihm deine wahre Erfüllung und Orientierung.
Kommt und seht!
Wie faszinierend muss Jesus gewesen sein, dass diese zwei Männer ihm einfach nachfolgen! Was müssen sie für Fragen gehabt haben, vielleicht auch Neugierde? Ein fragendes und suchendes Herz ist immer ein erster Schritt auf Jesus hin.
Doch Jesus fragt sie nach ihrer wahren Absicht: Wollen sie nur ein Spektakel sehen? Ihre Antwort ist entscheidend.
Als „Meister“ sprechen sie ihn an. Sie erkennen ihn also als den an, der er ist, und sie wollen ihn kennenlernen und verstehen. Jesu Einladung steht im Raum: Kommt, und seht!
Jetzt liegt es an ihnen, ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Wer Jesus kennenlernen möchte, muss sich auf den Weg machen.
Was ist der nächste Schritt auf meinem Weg zu Jesus und meiner Suche nach ihm?
Frage: Welche inneren Fragen oder Sehnsüchte treiben mich dazu, Jesus näher kennenlernen zu wollen?
Kommt und seht
Uns allen gilt die Einladung Jesu
Seine Nähe zu suchen und
immer vertrauter zu werden mit ihm
immer tiefer zu erkennen
worauf es ankommt
wie Er durch Sein Handeln
Gottes Wesen offenbart
Uns allen gilt die Einladung
Ihm nahe zu bleiben und
zu lernen von ihm
uns auszurichten an Seiner Haltung und
Seinem Lebensbeispiel zu folgen um so
Gottes heilbringende Gegenwart
füreinander erfahrbar zu machen und
unser Christ-Sein glaubwürdig zu leben
Herr, wo wohnst Du?
Komm und sieh: In einem ärmlichen Stall,
gebettet auf Stroh, gewärmt vom Atem der Tiere.
Weil in den Gemächern der Menschen
kein Platz für mich war.
Herr, wo wohnst Du?
Komm und sieh: Bei jedem Menschen in Not,
teilend seine Armut, heilend seinen Schmerz.
Auch in Dein Dunkel kann ich Licht bringen.
Herr, wo wohnst Du?
Komm und sieh: In den Herzen derer, die mich einlassen,
geborgen und ausgeliefert, gefangen und frei.
Ich gebe mich in die Hände der Menschen
als Trost – als Licht – als Heil.
Herr, wo wohnst Du?
Komm und sieh: In Deinem Herzen,
als Fremder oder Gast, als Freund oder Hausvater.
Je nachdem, welchen Status Du mir gewährst.
Kommt und seht: ER nimmt Herberge in uns,
damit wir anderen Herberge geben können
für eine Zeit.
Kommt und seht: ER nimmt Herberge in uns,
damit die Menschen in unserem Zeugnis
IHN erkennen.
Kommt und seht: ER nimmt Herberge in uns,
damit ER durch uns zur Welt kommen kann.
Sonja Knapp
Was wollt ihr?
Voller Neugierde beschlossen sie, ihm aus der Entfernung zu folgen, fast schüchtern und ohne zu wissen, wie sie es anstellen sollten, bis Jesus selbst sich umwandte und fragte: Was wollt ihr? So stieß er den Dialog an, mit dem das Abenteuer begann.
Joh 1,40-41 Wir haben den Messias gefunden
Joh 1,40: Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren.
Joh 1,41: Dieser findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden (das heißt übersetzt: den »Gesalbten«
Andacht für dein Leben
- Du kannst Jesus entdecken: Wie Andreas seinem Bruder Petrus von Jesus erzählt, kannst auch du anderen von dem begegnen, der dir geholfen hat. Deine Begegnung mit Christus kann für andere ein Weg zu ihm sein.
- Du wirst verändert: Andreas und Petrus wurden durch ihre Begegnung mit Jesus tief verändert. Auch du kannst durch den Kontakt mit Christus neue Perspektiven und Kraft für dein Leben gewinnen.
Joh 1,42 Simon Petrus
Joh 1,42: Dann nahm Andreas seinen Bruder mit zu Jesus. Der sah ihn an und sagte: »Du bist Simon, der Sohn von Johannes. Von jetzt an sollst du Petrus heißen!
Er weiß genau, wer Simon ist
Jesus trifft Simon das erste Mal und weiß genau, wer er ist. Der Sohn des Johannes. Aber nicht nur die Tatsache, dass er weiß, wer Simon ist, ist spannend, sondern auch, wer er sein wird, denn er gibt ihm den Namen Kephas – Fels / Petrus.
Wir alle sind unserem Gott so vertraut. Er kennt uns in- und auswendig. Wie schön zu wissen, dass wir einfach zu ihm kommen können und er in uns liest, wie in einem Buch. Wir müssen nicht viele Worte machen, uns erklären oder lange Reden schwingen.
Svenja Nonnenmacher
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass Gott mich wirklich kennt und mich so annimmt, wie ich bin?
Simon Petrus, der Fels
Er blickte ihn aber nicht nur mit den äußeren Augen an, sondern er sah auch mit dem ewigen Blick der Gottheit die Einfalt seines Herzens, die Erhabenheit des Geistes, weswegen er der Vorsteher der ganzen Kirche zu werden verdiente.
Petrus und Kephas heißen aber beide dasselbe und leiten sich beide vom Felsen ab. Petrus aber heißt er wegen der Festigkeit des Glaubens, wonach er an jenem Felsen hing, wovon der Apostel sagt (1. Kor. 10): Der Felsen aber war Christus.
Goldene Perle
Frage: Welche festen inneren Grundlagen trage ich in mir, die mich im Glauben und im Geistigen tragen und leiten könnten?
Joh 1,43-44 Philippus folge mir nach
Joh 1,43: Am folgenden Tag wollte Jesus nach Galiläa reisen; da findet er Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach!
Jesus trifft Philippus
Er traf Philippus, schreibt Johannes der Evangelist. Jesus machte sich auf die Suche nach Philippus.
Johannes beschreibt nur dies von der ersten Begegnung. Aber wir können daraus schließen, dass sie so ergreifend war für Philippus, dass sie eine Saite so tief in ihm anrührte, dass er begann, es den anderen zu erzählen: „Ich habe den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben.”
Mit anderen Worten, in der Person Jesu sah Philippus die Antwort auf das messianische Sehnen des ganzen Volkes Israel – ohne die Antwort auf das Sehnen seines eigenen Herzens zu erwähnen.
Frage: Welche Sehnsucht in deinem eigenen Herzen wartet darauf, von Jesus berührt zu werden?
Joh 1,44: Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.
Joh 1, 45 Philippus findet Natanael
Joh 1,45: Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, den Sohn Josephs, von Nazareth.
Zeugnis des Philippus
Dies war das Zeugnis von Philippus als ein Zeuge von Jesus Christus. Er erklärte, dass er der im Alten Testament vorhergesagte Messias und Erlöser sei.
Wir haben den Messias gefunden
Es ist faszinierend zu sehen, wie Menschen sofort in Bewegung geraten, wenn sie Jesus wirklich treffen. Sie erzählen es gleich weiter. Ganz natürlich – ohne Anstrengung.
Warum? Weil sie etwas Tiefes, Begeisterndes, Wichtiges erlebt haben.
Was haben Sie erlebt: Jesus, dessen Augen eine so tiefe und persönliche Liebe ausstrahlen, dass sie davon bereits gebannt sind. Und später werden sie zigtausend Wunder und Machttaten erleben. Das begeistert und fasziniert sie.
Durch das Weitererzählen ihrer tiefen Erfahrungen werden andere neugierig und treffen Jesus… Das nennt man Evangelisierung.
Machst du lebensverändernde Erfahrungen mit Jesus? Erzähle sie weiter. Und wenn nicht: Bitte ihn darum und suche sie. Jesus verändert jedes Leben in der Tiefe, wenn wir ihn lassen.
Klaus Einsle
Frage: Welche Begegnung mit Jesus hat dich bisher am meisten berührt, und wie könntest du diese Erfahrung heute mit anderen teilen?
Jesus traf Philippus und Philippus traf Natanaël
Warum hat Jesus nicht selber Natanaël aufgesucht, wenn er ihn doch schon beobachtet hatte? Er wusste doch, dass er ihn berufen wollte. Situationen wie diese sind im Evangelium kein Einzelfall. War Jesus nicht einmal imstande, seine zwölf Jünger selber aufzusuchen? Die meisten von ihnen werden von jemand anderem zu Jesus geführt.
Offenbart uns das nicht gerade ein großartiges Geheimnis der Heilsgeschichte? Jesus möchte seine Mission in der Evangelisierung mit uns teilen und das nicht nur auf symbolische Art und Weise. Jeder von uns ist ein unersetzliches Glied in dieser Kette.
Jesus traf Philippus. Philippus traf auf Natanaël. Jesus traf auf mich. Auf wen treffe ich heute?
Sarah Briemle
Frage: Welche Menschen oder Begegnungen könnten heute eine Botschaft oder Einladung Gottes für mich bereithalten?
Joh 1, 46 Gutes aus Nazaret?
Joh 1,46: Und Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh!
Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?
Den zukünftigen Aposteln waren die typisch menschlichen Verhaltensweisen nicht fremd. Nazaret war offensichtlich ein winziges Dorf, wir würden es ein Kaff nennen (dieses Wort kommt übrigens aus dem hebräischen „kefar“ und bedeutet Dorf).
Jesus braucht keine große Bühne. Er ist in einem Stall zur Welt gekommen, hat in einem Kaff gelebt, und die Weltstadt Rom hat er nicht betreten.
Die große Bühne täuscht. Das Große Gottes geschieht oft im Einfachen, Stillen. Aber es geht sehr tief.
Suche Gott in der Einfachheit der Eucharistie, der Stille und Schönheit der Natur, dem Schweigen in deinem Zimmer. Lass dich von ihm überraschen und finden.
Klaus Einsle
Frage: Wo in deinem Alltag könntest du die stille Gegenwart Gottes bewusst wahrnehmen und zulassen?
Komm und sieh
Philippus ist vom ersten Moment an Missionar. Wie Andreas seinen Bruder Simon, so führt hier Philippus den Natanaël zu Jesus. Auch hier heißt es: "Komm und sieh."
Anscheinend ist die Begegnung mit Jesus so eindrucksvoll, dass es keiner weiteren Worte bedarf und dass sie Menschen dazu bringt, andere zur gleichen Erfahrung führen zu wollen. Das Christentum ist vom Wesen her missionarisch. Fehlt diese Eigenschaft, dann ist das Christsein unvollständig.
Aber Mission bedeutet nie, einem anderen den eigenen Glauben aufzuschwatzen. Sie ist der Versuch, seinen Nächsten in aller Freiheit zu einer Begegnung mit Jesus Christus und zu einer Erfahrung seiner Liebe zu führen.
Bertalan Egervári
Frage: Welche Begegnung mit Jesus hat dein Herz so tief berührt, dass du das Bedürfnis hattest, sie mit anderen zu teilen?
Joh 1, 47 Ein wahrer Israelit
Joh 1,47: Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist!
Ein Mann ohne Falschheit
Jesus spricht dem Bartholomäus ein großes Lob aus. Er war „ein echter Israelit und ein Mann ohne Falschheit“, lebte also ganz nach den Geboten. Alles, was er tat, war authentisch, es gab nichts Zweideutiges oder Zwiespältiges in seinem Leben.
Diese Ehrlichkeit im Leben ist eine wichtige Voraussetzung, um auf das Kommen des Herrn, auf sein Wirken im eigenen Herzen, vorbereitet zu sein. Und Aufrichtigkeit beginnt bei einem selbst. Wenn ich mir selbst gegenüber ehrlich bin, erkenne ich die Dinge an, wie sie sind, und bin bereit, die eigenen Fehler einzugestehen.
All dies ist nötig, um in der Wahrheit zu bleiben. Und Liebe ohne Wahrheit gibt es nicht.
Bertalan Egervári
Frage: Wie ehrlich bin ich wirklich mit mir selbst, und wie wirkt sich diese Ehrlichkeit auf die Liebe aus, die ich anderen schenke?
Natanaël, ein Mann ohne Falschheit
Weil Jesus jedem Menschen ins Herz sehen kann, und damit sein ganzes Wesen mit allen Gedanken, Tugenden und Untugenden erkennt, kann nur Jesus von Bartholomäus (Natanaël) sagen, er sei ein Mann ohne Falschheit.
Jesu Mahnung an seine Jünger, sie mögen sich vor dem Sauerteig (=Heuchelei) der Pharisäer und Schriftgelehrten hüten, gilt allen Gläubigen gleichermaßen.
Die Versuchung ist auch für uns groß, aus Geltungsdrang in gläubigen Kreisen oder aus Feigheit in nichtgläubigen Kreisen die jeweils uns vorteilhafteste Maske aufzusetzen.
Frage: Wo trage ich in meinem eigenen Leben Masken, und wie könnte ich mutiger der Wahrheit meines Herzens begegnen?
Joh 1, 48 Unter dem Feigenbaum
Joh 1,48: Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich!
Unter dem Feigenbaum sah ich dich
Es ist möglich, dass Nathanael es mochte, im Schatten eines echten Feigenbaums zu beten und über Gott und sein Wort nachzudenken. Doch unter dem Feigenbaum war ein Ausdruck, den Rabbiner benutzten, um die Meditation über die Schrift zu beschreiben.
Wir können annehmen, dass Nathanael Zeit im Gebet verbrachte und über die Schrift nachdachte, und Jesus sagte ihm dort: Ich habe dich gesehen.
Frage: In welchen Momenten fühle ich mich wirklich gesehen, wenn ich Zeit in Stille und Reflexion verbringe?
Woher kennst du mich?
Er fragte als Mensch, aber Jesus antwortete als Gott. Denn es folgt: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe dich Philippus rief, sah ich dich. Nicht als Mensch ihn sehend, sondern als Gott von Oben erkennend, sprach er.
Ein jeder von uns kann sagen: Jesus kennt mich!
Jeder von uns. Es ist wahr, so ist es: er kennt uns wie kein anderer.
Nur er weiß, was in unseren Herzen ist, die Absichten, die allerverborgensten Gefühle.
Jesus kennt unsere Vorzüge und unsere Schwächen, und er ist immer bereit, sich um uns zu kümmern, die Wunden unserer Fehltritte mit der Fülle seiner Barmherzigkeit zu heilen.
Papst Franziskus
Frage: Welche verborgenen Gefühle in meinem Herzen könnte ich heute Jesus anvertrauen, um Heilung und Frieden zu erfahren?
Jesu Gegenwart
Jesus sieht und kennt mich. Er weiß von mir. Er weiß, ob ich sitze oder stehe. Psalm 139 spricht davon.
Gott kennt mich mehr, als ich mich selbst jemals kennen könnte. Denn es stimmt, was Natanaël sagt: Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist der König von Israel. Ja, er ist der König aller Völker.
Also ist er auch der König meines Herzens. Er will jeden Augenblick meines Lebens mit seiner Gegenwart verwandeln. Er will den Himmel in mein Umfeld bringen, indem er immer tiefer in mir zu meinem Gott und zu meinem König wird.
Maria Hemm
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst Raum schaffen, damit die Gegenwart Jesu mein Herz und meine Umgebung berührt?
Joh 1, 49 Natanaels Bekenntnis
Joh 1,49: Nathanael antwortete und sprach zu ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
Andacht für dein Leben
- Erkenne, wer Jesus ist: Du bist eingeladen, wie Nathanael zu erkennen, dass Jesus der Sohn Gottes und der König ist. Dein Leben wird verändert, wenn du ihn wirklich siehst und ihm vertraust.
- Vertraue auf seine Verheißungen: Jesus verspricht, dich zu begleiten und dir Antworten zu geben. Auch in deinen Fragen und Unsicherheiten darfst du sicher sein, dass er dich nicht im Stich lässt.
Du bist der Sohn Gottes
Nach wenigen Sätzen spürt Natanael: Der ist ganz anders. Der ist so besonders. Sein Blick, seine Worte. Irgendetwas lässt ihn sofort erfahren: Jesus kennt mich durch und durch – und er liebt mich.
Was Natanael durch die wenigen Worte Jesu begriffen hat, die ihn diesen Satz aussprechen lassen „Du bist der Sohn Gottes“, wissen wir nicht. Aber er hat erfahren, dass Jesus aus der Ewigkeit kommt und dahin führt. Er hat irgendwie das Licht der Wahrheit, den Frieden vom Himmel gespürt.
Bitte Jesus, dass er dir diese Gaben auch schenkt und du seine Wahrheit und Größe erfahren darfst.
Klaus Einsle
Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass ich wirklich erkannt und geliebt werde – und wie öffnet sich dadurch mein Herz für das Göttliche?
Joh 1, 50 Verheißung größerer Dinge
Joh 1,50: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum? Du wirst Größeres sehen als das!
Es gibt mehr
Manchmal kann es uns so vorkommen, als ob unser Horizont verdeckt ist. Wir scheinen wie im Nebel oder wie im Traum unterwegs zu sein.
Manchmal ist es aber auch so, dass die Sonne ständig über uns zu sein scheint und jeder neue Tag uns zulacht.
Doch ganz egal, was wir erfahren, Jesus verspricht uns mehr. Sein Wunsch ist es, uns Größeres sehen zu lassen. Unser Herz sucht auch immer mehr und ist irgendwie unersättlich.
Gott verspricht uns genau die Sättigung dieses Durstes. Bei Gott gibt es immer mehr. Das heißt nicht, dass es immer Neues oder Extravagantes ist, sondern oft ist es dieselbe Wirklichkeit wie immer – aber neu durch seine Gegenwart.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die stille Einladung, Gottes Gegenwart neu zu entdecken, auch in vertrauten Dingen?
Grösseres sehen
Ihr werdet Größeres als dieses sehen, weil es mehr ist, daß der Herr uns rief und rechtfertigte, als daß er uns in dem Todesschatten liegen sah. Denn was nützte es uns, wenn wir dortgeblieben wären, wo er uns sah?
Joh 1, 51 Offener Himmel
Joh 1,51: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Künftig werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen!
Die Leiter zum Himmel
Es geht darum, die Spuren des Unsichtbaren in unserem Leben und in unserer Welt zu entdecken, die Engel Gottes, die auf- und niedersteigen und so Himmel und Erde verbinden.
Wir singen in einem Lied im Gottesdienst: Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns. Diese Begegnung geschieht jeden Tag so oft um uns herum.
Es sind oft kleine Gesten oder Worte, kleine Zeichen der Liebe in unserem Alltag, Engel, die uns auf alle mögliche Weisen begegnen.
Es gilt, sie zu sehen und Raum für sie zu schaffen, dass Gott, der uns mit unseren Sehnsüchten kennt, sein Wort neu schenken und uns begegnen kann.
Maria Hemm
Frage: Welche kleinen Zeichen des Unsichtbaren nehmen Sie heute in Ihrem Leben wahr, und wie können Sie ihnen bewusst Raum geben?
Himmlische Boten
Heute gedenken wir der Erzengel. Gott liebt uns Menschen so sehr, dass er die Engel nicht bei sich behält, sondern immer wieder zu uns Menschen schickt, um uns seine Liebe und Nähe kundzutun.
In wichtigen Momenten und Zeiten der Trostlosigkeit zeigt die Bibel immer wieder, wie Gott durch seine Engel eingreift. Dies sehen wir beispielsweise bei der Verkündigung des Herrn, bei der letzten Plage in Ägypten oder bei Elija, der sich völlig erschöpft in der Wüste den Tod wünscht.
Gott schickt seine Engel, um in das Geschick dieser Welt einzugreifen! Er möchte uns seine Liebe auf allen erdenklichen Wegen offenbaren.
Peter Hemm
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Gegenwart von Engelwesen oder göttlicher Liebe am deutlichsten?
Meine Beziehung zu den Engeln
Auch wir sind umgeben von Engeln, nicht nur im Augenblick der Eucharistiefeier, wenn wir mit der Himmelsliturgie verbunden sind, sondern auch im Alltag und dürfen sie um Schutz und Hilfe bitten. – Bin ich mir dessen bewusst? Johanna von Siemens
Die Engel auch ein Vorbild für uns?
Zumal sie Beistand und Schutz sind, können uns die Engel auch einiges lehren. „In diesem Sinn sollten auch wir Menschen immer wieder füreinander Engel werden ‐ Engel, die uns von den falschen Wegen abbringen und uns immer von neuem auf Gott ausrichten.” (Papst Benedikt, 29. September 2007)
Vielleicht möchte Gott mich in seinen Dienst nehmen. Vielleicht gibt es Menschen, für die ich eine Art Engel sein kann, der sie auf irgendeine Weise zu Gott hinführt oder sie mit der heilenden Kraft Gottes in Berührung bringt.
Lorli Pregel
Frage: Auf welche Weise könnte ich heute ein Engel für jemanden sein und ihn oder sie ein Stück näher zu Gott führen?
Verschiedene Zeugnisse
Dieser Abschnitt zeigt uns vier verschiedene Zeugen, die die Identität Jesu bezeugen. Wie viel mehr Zeugnis braucht jemand?
Johannes der Täufer bezeugte, dass Jesus ewig ist, dass er der Mann ist, der einzigartig mit dem Heiligen Geist gesalbt ist, dass er das Lamm Gottes ist und dass Jesus der einzigartige Sohn Gottes ist.
Andreas bezeugte, dass Jesus der Messias, der Christus, ist.
Philipp bezeugte, dass Jesus derjenige ist, der im Alten Testament prophezeit wurde.
Nathaniel bezeugte, dass Jesus der Sohn Gottes und der König von Israel ist.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Gegenwart von etwas Größerem, das dich führt und stärkt?