Barmherzigkeit Gottes

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Barmherzigkeit Gottes

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1. Gottes Barmherzigkeit

Der Herr, euer Gott, ist barmherzig. Dtn 4,31

Gottes Barmherzigkeit und Liebe ist unendlich groß, und genau das gibt mir die größte Hoffnung.

Er wird mich nicht verurteilen, wenn ich zu ihm komme und ihn um Vergebung bitte, weil ich schon wieder vom Weg abgekommen bin, weil ich schon wieder gesündigt habe.

Gott weiß, dass wir nicht ohne Fehler sind, selbst wenn wir uns das sehnlichst wünschen. Er weiß, dass es den perfekten Menschen nicht gibt und das will er auch nicht.

Gott will, dass wir ihn lieben, dass wir immer zu ihm kommen, dass wir ihn aufsuchen, ihn um Hilfe bitten. Wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter es sich von ihren Kindern wünscht.

Die eigenen Kinder verurteilt man nicht, wenn sie „scheitern“, man hört ihnen zu, man macht ihnen Mut, tröstet sie und hilft ihnen, wieder aufzustehen.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute Gottes Barmherzigkeit besonders erfahren und annehmen?

2. Tiefste menschliche Not

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und voll großer Gnade. Ps 103,8

Die Erfahrung der eigenen Not, des eigenen Elends, der Notwendigkeit, die Barmherzigkeit Gottes auf persönliche Weise zu erfahren, ist für den Christen dringend erforderlich.

Wenn wir nicht davon überzeugt sind, einen Erlöser zu brauchen, ohne den wir sterben würden, ist unsere Erlösung keine Notwendigkeit, sondern zweitrangig.

Ein Retter wird nur dort gebraucht, wo man lediglich mit einer Hand an der Klippe seines Lebens hängt und dem sicheren Tod entgegensieht.

Wenn wir diese Erfahrung nicht machen, jeden Moment fallen zu können, weil wir keine Kraft mehr haben, ist unser Leben noch nicht von einem persönlichen Gott angerührt und durchdrungen worden.

Dabei ergibt sich aus dieser Begegnung alles andere.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich mich schon so verletzlich gefühlt, dass ich die Nähe eines persönlichen Gottes bewusst gespürt habe?

3. Gottes Barmherzigkeit aufsuchen

Barmherzig ist unser Gott! Ps 116,5

Unsere Sünde und Unzulänglichkeit sind kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um Christus beständig zu suchen.

Leicht verspüren wir durch unsere Sünde so viel Scham, dass wir uns als unwürdig wahrnehmen, um Gott zu begegnen und ihn zu suchen. Doch genau das Gegenteil sollte der Fall sein.

Wenn wir um Gottes Barmherzigkeit und nie nachlassende Liebe wissen, dann suchen wir aufgrund unserer Sünde nur umso mehr nach seiner Gegenwart. Denn bei ihm gibt es in dieser Welt keine Verurteilung, sondern nur erneute Annahme und Gnade.

Weil wir wissen, dass wir Gott in unserer Zerbrochenheit und Dunkelheit noch mehr brauchen, als wenn alles klargeht, sind sie der Antrieb, um ihn noch eifriger und beständiger zu suchen.

Frage: In welchen Momenten deiner Schwächen hast du am stärksten Gottes Nähe gespürt und wie könntest du dieses Bewusstsein im Alltag vertiefen?

4. Die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes

Er ist gnädig und barmherzig. Joel 2,13

Uns selbst mit allem, was dazu gehört, anzunehmen und das in unser Gebet mit hineinzunehmen, ist die Grundlage, um Gottes Barmherzigkeit zu erfahren.

Er kennt mich durch und durch und versteht vollkommen, wie ich bin und warum ich so bin. Wenn wir ihm unser Elend eingestehen, dürfen wir hören, wie er zu uns sagt: Ich kenne und liebe auch diesen Teil von dir. Ich werde dich niemals ablehnen!

Dann erfahren wir, dass er wirklich der barmherzige Gott ist, den Jesus bezeugt. So wird unsere Schwäche, ja unsere Sünde und Schild in unserem Leben, zum konkreten Ort der Begegnung mit Gottes Barmherzigkeit.

Lassen wir zu, dass Gott mit diesem Blick der Liebe und des Verständnisses auf uns schaut, und versuchen wir immer mehr, uns selbst auch mit diesem Blick zu sehen. Erinnert euch daran, dass Christus euch immer mit seiner barmherzigen Liebe umgibt.

Diese Gewissheit möge euch mit Frieden erfüllen und leiten euch auf den schwierigen Wegen des Alltags.

Frage: Welche Teile von dir fällt es dir schwer anzunehmen, und wie könnte Gottes Blick der Barmherzigkeit diese Akzeptanz verändern?

5. Gerechtigkeit und Liebe

Gott ist so barmherzig und liebte uns so sehr! Eph 2,4

Gottes Barmherzigkeit ist Gerechtigkeit und Liebe zugleich. Unser Gott ist kein Gott der bloßen Nettigkeit. Zur echten Liebe gehört nämlich mehr als nur Nettsein.

Gott ist auch ein Gott der Gerechtigkeit, weil er unsere Handlungen ernst nimmt. Gerechtigkeit und Liebe sind die Eigenschaften Gottes, die zusammen seine größte Eigenschaft bilden, seine alles vergebende Barmherzigkeit.

Seine Gerechtigkeit bewirkt, dass er unsere Sünden, die sein Herz kränken, wirklich sieht. Sie verursachen ihm Schmerz, nicht weil er selbst leidet, sondern weil er mit uns leidet. Aber Gottes Liebe hält diese Schmerzen aus und will uns unsere Sünden vergeben.

Deshalb nimmt Jesus das Kreuz auf sich, damit wir, versöhnt mit unseren Schwestern und Brüdern, dem Vater unsere Opfergabe darbringen können.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Balance zwischen Gerechtigkeit und Liebe erleben und darin Gottes Barmherzigkeit tiefer verstehen?

6. Helfende Barmherzigkeit

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lk 6,36

In der Barmherzigkeit haben wir den Nachweis, wie Gott liebt. Er gibt sich selbst ganz hin, für immer, als Geschenk, ohne etwas als Gegenleistung zu erbitten.

Er kommt uns zu Hilfe, wenn wir ihn darum bitten. Die Hilfe, die wir erbitten, ist bereits der erste Schritt der Barmherzigkeit Gottes mit uns. Er kommt, um uns aus unserer Schwachheit zu retten.

Und seine Hilfe besteht darin, dass er uns bewegt, seine Gegenwart und Nähe anzunehmen. Angerührt von seiner Barmherzigkeit können auch wir Tag für Tag barmherzig mit den anderen sein.

Lassen wir zu, dass Gottes Barmherzigkeit unser Leben erneuert, sodass wir auch mit barmherzigen Augen auf unsere Mitmenschen blicken können.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich die Barmherzigkeit Gottes spüren und wie möchte ich sie heute an andere weitergeben?

7. Worte von Franz von Sales

Bei dir, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung. Daniel 9,9

Je mehr wir unsere Armut und Schwäche erkennen, desto mehr werden wir uns der göttlichen Güte und Erbarmungen überlassen. Zwischen der Barmherzigkeit und der Armseligkeit besteht ja eine so starke Bindung, dass sich die eine ohne die andere nicht auswirken kann.

Je mehr wir unsere Armseligkeit anerkennen, desto mehr Grund haben wir, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, da wir in uns selbst nichts haben, worauf wir bauen könnten. Das Mißtrauen gegen uns selbst entspringt der Erkenntnis unserer Fehlerhaftigkeit.

Es ist sehr gut, sich selber nicht zu trauen, aber was würde das nützen, wenn man nicht zugleich sein ganzes Vertrauen Gott schenkte und sich seinen Erbarmungen überließe?

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute meine eigene Schwäche anerkennen und zugleich mein Vertrauen in das Göttliche stärken?

Das war eine christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Barmherzigkeit Gottes