Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Sprüche Kap. 20 bis 26: Auslegung

Kapitel 20

Spr 20,3: Abzulassen vom Streit ist für den Mann eine Ehre, jeder Narr aber stürzt sich hinein.

Abzulassen vom Streit: Frieden zu bringen ist wichtiger, als unbedingt und immer Recht zu bekommen. Es ist der Demütige und der Geduldige, der mit Selbsterkenntnis, Selbstbeherrschung und einem guten Gespür für die Gefahr von Unfrieden alles daran setzt, einen Streit so schnell wie möglich zu beenden. So ein Mensch verdient Ehre und Anerkennung!

Spr 20,9: Wer kann sagen: Ich habe mein Herz geläutert, ich bin rein geworden von meiner Sünde?

Herz: Niemand kann sein Herz reinigen und niemand kann rein werden von seinen Sünden. Wenn Gott uns nicht ein neues Herz schenkt und uns von unseren Sünden reinigt, dann sind wir rettungslos verloren. Alles was wir tun können und tun müssen ist Buße.

Spr 20,10: Der Herr verabscheut das Messen mit zweierlei Maß und hasst das Wiegen mit zweierlei Gewicht.

Wiegen mit zweierlei Gewicht: Den Nächsten klagen wir wegen des kleinsten Vergehens an, uns selbst aber entschuldigen wir auch bei schweren Verfehlungen. Für die anderen soll die strenge Gerechtigkeit gelten, für uns aber Barmherzigkeit und Nachsicht. Unsere Worte soll man stets gut aufnehmen, wir dagegen sind empfindlich gegen das kleinste Wort der anderen und regen uns darüber auf. Können wir jemanden nicht leiden, dann kann er uns nichts recht machen und wir finden alles schlecht, was er tut und nörgeln immer an ihm herum. Haben wir aber Gefallen an einem, dann mag er tun was immer, wir wissen es stets zu entschuldigen. Wir klagen gleich über den Nächsten, wollen aber nicht, daß man sich über uns beklage. Was wir für andere tun, scheint uns immer zu viel, was andere für uns tun, zählt in unseren Augen nicht. Wir haben ein mildes, nachsichtiges und höfliches Herz für uns, gegen die anderen aber ein hartes, strenges und unerbittliches. Sei also gleichmäßig gerecht in all deinem Tun. Versetze dich immer in die Lage deines Mitmenschen und ihn an deine Stelle, dann wirst du richtig urteilen. Prüfe darum oft dein Herz, ob es gegen den Nächsten so gesinnt ist, wie du es von ihm erwartest, wenn du an seiner Stelle wärest, dann handelst du richtig. Franz von Sales

Kapitel 21

Spr 21,2: Jeder Weg eines Menschen ist recht in seinen Augen, aber der Herr prüft die Herzen.

Willen des Herrn: Dies ermutigt zur ehrlichen Selbstprüfung. Der einzelne Lebensweg ist in den Augen dessen, der ihn geht, gerade, d.h. in Ordnung. Aber diese Einschätzung ist gefährlich, weil sie leicht nur in seinen Augen richtig sein kann. Unser Urteil über uns selbst ist nicht das entscheidende Urteil. Entscheidend ist der Einklang mit Jesus. So schreibt Paulus: Der mich aber beurteilt, ist der Herr. (1Kor4,3). Der Herr nun beurteilt nach der Liebe. Diese will er im Sinne eines guten Lebenswandels.

Spr 21,3: Recht und Gerechtigkeit üben ist dem Herrn lieber als Opfer.

Spr 21,13: Wer sein Ohr verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird auch keine Antwort erhalten, wenn er ruft.

Schreien des Armen: Annehmen des anderen, der leidet, bedeutet, dass ich mir sein Leid selbst zueigne, dass es auch mein Leiden wird. Eben dadurch aber, dass es nun geteiltes Leid geworden ist, dass ein anderer in ihm da ist, dringt das Licht der Liebe in dieses Leiden ein. Das lateinische Wort con-solatio, Tröstung, drückt dies sehr schön aus, indem es die Vorstellung eines Mitseins in der Einsamkeit weckt, die dann keine Einsamkeit mehr ist. Das ist Solidarität, die bereit ist, wirklich zu helfen, den Rücken zu stärken.

Spr 21,21: Wer Liebe und Gerechtigkeit übt, der findet das Leben.

Liebe und Gerechtigkeit üben: Die Seligpreisung spricht vom Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit. Jesus ist es wichtig, uns zu verdeutlichen, dass wir nicht nur irgendwelche Sehnsüchte in uns tragen sollen. Jesus will, dass wir solche Sehnsüchte wieder mehr in unser Bewusstsein rücken, die auch unsere Mitmenschen berücksichtigen. So wie ein guter Baum wie von alleine gute Frucht bringt, so sollen auch wir sein. In großer Selbstverständlichkeit sollen wir Gutes aus uns hervorbringen. Wahres und tiefes Glück entsteht nur bei den Menschen, die auch ihre Mitmenschen mit in den Blick nehmen, denn dadurch erfüllen sie den Willen des Vaters und das ist wahrhaftig ein großes Glück. Wenn Jesus sagt, dass es seine Speise ist, den Willen des Vaters zu tun, dann machen wir uns dies in der Nachfolge Jesus auch zu eigen, so werden wir gesättigt werden.

Spr 21,23: Überlege deine Worte, und dir bleibt viel Ärger erspart!

Überlege deine Worte: Sprache ist nicht nur Ausdruck der Gedanken. Wenn wir bewusst auf eine positive Sprache achten, so hat dies die Macht, auch unsere Gedanken zu ändern. So lerne an einer Situation oder einer anderen Person das Positive zu entdecken und dies auch zu äußern. Mich hat das langfristig in meinem Sein verändert. Dies gilt nicht nur im Sprechen mit dem Gegenüber, sondern vielmehr noch für unsere inneren Monologe. Eine positive Sprache unterstützt eine opptimistische Grundhaltung. Viel Streit und Spaltungen rühren daher, dass wir zu schnell etwas sagen, unüberlegt. Also gerade bei emotional aufgeheizten Situationen inne halten, innerlich einen Schritt zurück treten und darüber nachdenken, welche Worte zu wählen sind. Selbstkontrolle ist gefragt.

Jesus, schenke uns Besonnenheit, um in aufgeheizten Situationen die richtigen Worte zu finden.

Spr 21,26: Der Gerechte gibt und hält nicht zurück.

Geben: Es geht beim Geben nicht nur um unser Geld, sondern genauso um unsere Zeit, unsere Kraft und im tiefsten Kern um das Geben unser selbst. Die Großzügigkeit in diesem Geben beschreibt ein nicht kalkuliertes Verhalten, das auf keine adäquate Gegenleistung spekuliert. Es bedeutet ein echtes Interesse am Anderen. Die Art, wie man gibt, bedeutet mehr, als was man gibt. Durch zähneknirschendes Geben können wir Gott weder beeindrucken noch erfreuen. Es geht um die richtige Herzenseinstellung. “Wer mit Freuden gibt, gibt am meisten.” (Mutter Theresa) Geben ist eine Sache des Herzens. Ich achte darauf nicht aus Pflichtgefühl zu geben, um ja ein guter Christ zu sein, sondern zu geben mit einem geöffneten Herzen. Dafür wird er von Gott gesegnet werden.

Spr 22,9: Wer freigebig ist, der wird gesegnet, denn er gibt dem Armen von seinem Brot.

Kapitel 23

Spr 23,2: Setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist!

Gegen die Gier: Schaust du manchmal gierig auf andere? Wenn nicht, dann freue ich mich mit dir. Ich gehöre nicht dazu. Bei mir sind es gar nicht materielle Dinge, bei denen ich in diese Versuchung tappe, sondern meist betrifft es die Charaktereigenschaften des andern: wau kann der reden, mann ist der witzig … so wäre ich gerne auch. Ertappe ich mich dabei, kann ich das mit Gottes Kraft schnell wieder gerade rücken. Denn diese neidischen Vergleiche sind nicht gut. Ich will mehr und werde im Anhaften an dieses Begehren unfrei. Gott möchte keine Kopien, er möchte das Original: dich!

Der Vers macht als Bild auf dramatische Weise deutlich, wie wichtig es ist, sich selbst zu beherrschen.

Spr 23,26: Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen!

Gib mir dein Herz: Wie kann das geschehen, daß ich Gott mein Herz schenke, das voll von Sünden und Unvollkommenheiten ist? Wie könnte es ihm so wohlgefällig sein? Armer Mensch, worüber regst du dich auf? Warum weigerst du dich, es ihm so zu schenken, wie es ist? Begreifst du nicht, daß er nicht sagt: Gib mir ein Herz wie das der Engel, sondern: schenk mir dein Herz? Es ist dein eigenes Herz, das er verlangt. Schenk es ihm so, wie es ist. Denn ach, wissen wir denn nicht, daß alles zum Guten gewendet wird, was in seine heiligen Hände gelegt wird? Ist dein Herz auch aus Erde, Schlamm oder Schmutz, fürchte dennoch nicht, es in die Hände Gottes zu legen. Schenk es ihm so, wie es ist, denn das ist es, was die göttliche Güte verlangt. Er will nichts als was wir sind und was wir haben.

Kapitel 24

Spr 24,16: Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf.

Fallen und aufstehen: Wie du manchmal niederfällst, so erhebst du dich auch wieder. Beunruhige dich also deswegen nicht, sondern sage demütig und aufrichtig, was dir aufgefallen ist. Was deiner Aufmerksamkeit entgangen ist, das stelle der milden Barmherzigkeit anheim. Du wirst so schnell und sachte erhebt, daß du es gar nicht gewahr wirst, weil die Hand Gottes dich aufgefangen hat in deinem Fall.

Wir müssen zwei gleich feste Vorsätze fassen: Nicht unruhig werden, wenn wir das Unkraut in unserem Garten wuchern sehen – zugleich aber den Mut haben, es ausreißen zu wollen. Die Eigenliebe stirbt nicht, solange wir leben, und sie bringt immer wieder ihr Unkraut hervor. Ab und zu in eine läßliche Sünde fallen, heißt nicht auch schon schwach sein, wenn wir nur sofort wieder aufstehen, wenn sich unsere Seele nur sofort wieder zu Gott hinwendet und sich ganz ruhig vor ihm verdemütigt. Wir dürfen nicht glauben, in diesem Leben ohne läßliche Sünde durchkommen zu können. Franz von Sales

Niemals gegen uns selbst verbittert sein noch gegen unsere Unvollkommenheiten. Über unsere Fehler ein Mißfallen haben, das friedlich, ruhig und fest ist, aber nicht verbittert, heftig und unruhig. Sein Herz gütig und durch Mitleid tadeln und zurechtweisen, indem man sagt: Mein armes Herz, wir sind gefallen; nun denn, erheben wir uns wieder und legen wir unsere Unvollkommenheiten für immer ab. Seinem Herzen Mut machen, wenn es gefehlt hat, und ihm Hoffnung geben, daß Gott ihm helfen wird und daß es mit seiner Hilfe es besser machen wird. Einen festen Entschluß fassen, nicht mehr in seinen Fehler zu fallen. Nicht über unseren Fall erstaunt sein, weil es kein Wunder ist, daß die Gebrechlichkeit gebrechlich und die Schwachheit schwach ist. Franz von Sales

Spr 24,26: Eine rechte Antwort ist wie ein Kuss auf die Lippen.

Kuss auf die Lippen: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind wunderbare Tugenden. Ein Mensch, der die Wahrheit sagt und nicht betrügt, der ist wie einer, der dem Nächsten auf die Lippen küsst. Der Kuss ist ein Ausdruck von Liebe und im Alten Orient auch von Wertschätzung. Es spielt dabei erst einmal keine Rolle, um welche Art von Wort und Antwort es sich handelt. Es kann sich um ein Lob, Dank, einen Tadel oder einen tröstlichen Zuspruch handeln. Immer ist entscheidend, dass das Wort selbst seine größte Wirkung nur zu seiner Zeit erzielt. Redet man zu früh oder zu spät, kann die Wirkung eines Wortes verpuffen oder als völlig unangemessen wahrgenommen werden. Der kluge Redner überlegt also nicht nur genau, was er sagt, sondern auch wann er etwas sagt.

Kapitel 25

Spr 25,21: Hat dein Feind Hunger, so speise ihn mit Brot. Hat er Durst, so gib ihm Wasser zu trinken!

Feindesliebe: Es kann und wird irgendwann Menschen geben, die dich hassen, abblitzen lassen, ignorieren, nicht ausstehen können oder auf anderer Weise zum Ausdruck bringen, dass sie uns nicht mögen. Wie gehe ich mit solchen Menschen um, die mir deutlich gemacht haben, dass ich nicht ihr Freund bin? Ich helfe ihnen. Warum sollte ich das tun? Unsere guten Werke werden bei unserem Nächsten etwas Gutes bewirken. Unsere guten Werke können ein hartes Herz zum Schmelzen bringen. Gibt es Menschen, die du so sehr nicht magst, dass du ihnen niemals helfen würdest? Betest du regelmäßig für deine Feinde?

Spr 25,27: Zu viel Honig essen ist nicht gut, zu viel Ehre bekommt einem nicht.

Grenzen einhalten: Grenzen einzuhalten heißt zu verzichten. So ein Verzicht ist schwer. Das schafft man nur, wenn man sich ein Stück weit selbst unter Kontrolle hat. Selbstbeherrschung lässt sich trainieren. Wie Muskeln durch Training stärker werden, so kann auch die Willenskraft durch regelmäßige Disziplinübungen gesteigert werden. Aber vorsichtig. Nicht übertreiben. Der Wille erschlafft, wenn er lange gefordert ist und bricht dann ein. „Zu viel“ ist auch hier nicht gut. Setze dir kleine Ziele. Diese aber setze dann um. Das bringt deiner Seele mehr, als die großen Vorsätze, die morgen schon Vergangenheit sind. Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten, aber vor allem führe er uns zu sich.

Spr 25,28: Wie eine Stadt mit zerstörter Mauer ist ein Mann, der seinen Geist nicht beherrscht.

Selbstbeherrschung: Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Geistes (Galater 5,22.23). Wer sich nicht im Griff hat, der ist den Angriffen des Teufels im Leben so schutzlos ausgesetzt, wie eine antike Stadt, deren Stadtmauer niedergerissen wurde und den Angriffen einer Belagerungsarmee schutzlos ausgeliefert war. Besonnenheit und Ausgeglichenheit sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass wir mit Begierden, die in uns entstehen oder mit Provokationen von außen angemessen verfahren. Wer unbeherrscht immer gleich in die Luft geht, wer jeder Ablenkung folgt oder jedem Verlangen nachgibt, der darf sich nicht wundern, wenn er für die Sünde ein leichtes Opfer ist.

Kapitel 26

Spr 26,20: Ohne Holz geht ein Feuer aus, und ohne ein Lästermaul legt sich der Streit.  Ein streitsüchtiger Mensch lässt den Zank aufflammen wie Kohle die Glut und Holz das Feuer.

Gegen die Streitsucht: Kritik an der richtigen Stelle mit den richtigen Worten und stets mit Sanftmut formuliert ist richtig und wichtig. Häufig jedoch schießen wir über das Ziel hinaus, machen manchmal auch aus einer Mücke einen Elefanten. Es hilft häufig einen Schritt zurück zu tretten, die Emotionen abflachen zu lassen und häufig sind dann die kritikwürdigen Probleme doch nicht so dramatisch, wie sie es am Anfang erschienen. Kritik – falsch formuliert – verletzt den anderen und dieser schaltet dann sofort auf den Verteidigungsmodus um. Zwei Menschen streiten sich. Der eine wirft dem anderen eine ärgerliche Bemerkung an den Kopf, und der andere reagiert gleich mit einer scharfen Erwiderung. Keiner von beiden will jetzt mehr aufhören, weil sein Schweigen als Schwäche oder Niederlage gedeutet werden könnte. Gut formulierte Kritik ja – aber es unterliegt weder unser Verantwortung, noch ist es unser Recht, andere mit unseren Urteilen, seien sie zutreffend oder nicht, zu bombadieren. Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Selbstverteidigung, Streiten und heftigen Wortwechseln zu vergeuden.

Spr 26,21: Zur Glut braucht es Kohlen und zum Feuer Holz, und um Streit anzufangen, einen zänkischen Mann. Sprüche 26:21

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste