Gen 40. Kap.: Andacht, Auslegung und Kommentar
Inhaltsverzeichnis
Andacht zu Gen 40. Kap.
Genesis 40 zeigt Josef an einem tiefen Punkt seines Lebens: Unschuldig im ägyptischen Gefängnis gefangen. Doch selbst hinter Gittern verlässt ihn Gottes Gegenwart nicht. Das Kapitel verdeutlicht, wie Gott Josefs Gaben nutzt, um die Weichen für seine spätere Erhöhung zu stellen.
- Begegnung der Schicksale: Der Mundschenk und der Bäcker des Pharao fallen in Ungnade und landen im selben Gefängnis. Als beide in derselben Nacht verwirrende Träume haben, bemerkt Josef ihren Kummer.
- Gott gibt die Deutung: Josef stellt sofort klar: „Die Deutungen sind Gottes Sache.“ Durch göttliche Eingebung prophezeit er dem Mundschenk die Wiedereinsetzung in sein Amt und dem Bäcker die Hinrichtung – beides trifft exakt so ein.
- Die Prüfung der Geduld: Trotz Josefs Bitte, ihn beim Pharao zu erwähnen, vergisst der frisch begnadigte Mundschenk ihn völlig. Josef muss zwei weitere Jahre im Gefängnis ausharren.
Fazit: Genesis 40 erinnert uns daran, dass Gottes Zeitplan oft anders aussieht als unser eigener. Selbst wenn Menschen uns vergessen oder enttäuschen, bleibt Gott treu und bereitet im Verborgenen den nächsten Schritt vor.
Gen 40, 1-8 Träume der Gefangenen
Gen 40:1: Nach diesen Begebenheiten geschah es, dass der Mundschenk des Königs von Ägypten und der oberste Bäcker sich gegen ihren Herrn, den König von Ägypten, versündigten.
Zum Abschnitt Gen 40,1-23
Genesis 40,1-23 berichtet, wie Josef im Gefängnis die Träume des Mundschenks und des Bäckers des Pharaos deutet. Der Mundschenk erhält eine positive Deutung: Er wird in drei Tagen wieder in sein Amt eingesetzt. Der Bäcker hingegen erfährt, dass er in drei Tagen hingerichtet wird. Josefs Deutungen erfüllen sich genau.
Diese Geschichte zeigt Gottes Souveränität über das Schicksal der Menschen und Josefs Gabe der Traumdeutung. Doch trotz seiner Bitte vergisst ihn der Mundschenk, sodass Josef weiter warten muss. Dies lehrt uns, dass Gottes Zeitplan oft anders ist als unser eigener.
Josef bleibt trotz Ungerechtigkeit geduldig und vertraut auf Gott – ein Beispiel für Glauben und Ausdauer in schwierigen Zeiten.
Frage: Wo in meinem Leben erlebe ich Momente, in denen Geduld und Vertrauen auf Gottes Zeitplan gefragt sind, und wie kann ich innerlich darauf vorbereitet sein?
Gen 40:2: Da wurde der Pharao zornig über seine beiden Hofbeamten, den obersten Mundschenk und den obersten Bäcker,
Gen 40:3: und er ließ sie in Haft setzen im Haus des Obersten der Leibwache, in den Kerker, in dem Joseph gefangen lag.
Gen 40:4: Und der Oberste der Leibwache übertrug Joseph die Sorge für sie, und er diente ihnen, und sie waren längere Zeit im Gefängnis.
Gen 40:5: Und sie hatten beide einen Traum in derselben Nacht, jeder einen Traum von besonderer Bedeutung, der Mundschenk und der Bäcker des Königs von Ägypten, die in dem Kerker gefangen lagen.
Gen 40:6: Als nun Joseph am Morgen zu ihnen kam, sah er sie an, und siehe, sie waren bedrückt.
Andacht zu 1. Mose 40,6
Josef ist selbst Gefangener – unschuldig verurteilt, betrogen und vergessen. Und trotzdem sieht er den Schmerz anderer. Er schaut nicht nur auf sich, sondern nimmt die Traurigkeit seiner Mitgefangenen wahr. Das beeindruckt.
Wie oft übersehen wir im Trubel des Alltags, wie es dem Menschen neben uns geht? Josefs Blick lehrt uns Mitgefühl im Leid. Gerade wenn wir selbst kämpfen, kann ein offenes Herz heilsam sein – für andere und für uns selbst.
Gott wirkt oft durch Menschen, die trotz eigener Dunkelheit Licht schenken. Vielleicht kannst du heute so ein Lichtblick sein – mit einem offenen Blick, einer kleinen Frage: „Wie geht es dir wirklich?“
Frage: Wo könnte ich heute bewusst das Licht eines offenen Herzens weitergeben – und dabei vielleicht auch mein eigenes Herz heilen?
Gen 40:7: Da fragte er die Höflinge des Pharao, die mit ihm im Gefängnis seines Herrn waren, und sprach: Warum macht ihr heute ein so finsteres Gesicht?
Warum macht ihr heute ein so finsteres Gesicht?
Joseph sah, erkannte und fragte! Welch ein schönes Zeugnis wiederum für seine Sorgfalt in dem ihm übertragenen Dienst; ihn leiteten gottgemäße Gefühle der Fürsorge und Liebe. Finden sie sich auch bei uns? Haben auch wir ein aufmerksames Auge für das Wohlergehen unseres Nächsten?
Gen 40:8: Sie antworteten ihm: Wir haben einen Traum gehabt, und keiner ist da, der ihn deuten kann! Joseph sprach zu ihnen: Kommen die Deutungen nicht von Gott? Erzählt es mir doch!
Gen 40, 9-15 Deutung für den Schenken
Gen 40:9: Da erzählte der oberste Mundschenk dem Joseph seinen Traum und sprach: In meinem Traum, siehe, da war ein Weinstock vor mir,
Gen 40:10: und an dem Weinstock waren drei Reben; und als er knospete, gingen die Blüten auf, und seine Trauben bekamen reife Beeren.
Gen 40:11: Ich aber hatte den Becher des Pharao in der Hand, und ich nahm die Weintrauben und presste sie aus in den Becher des Pharao und reichte den Becher dem Pharao.
Gen 40:12: Da sprach Joseph zu ihm: Dies ist die Deutung: Die drei Reben sind drei Tage.
Gen 40:13: In drei Tagen wird der Pharao dein Haupt erheben und dich wieder in dein Amt einsetzen, sodass du dem Pharao den Becher reichen wirst, wie du es früher zu tun pflegtest, als du noch sein Mundschenk warst.
Gen 40:14: Solltest du dann etwa an mich denken, wenn es dir gut geht, so erweise mir Barmherzigkeit und erwähne mich bei dem Pharao, und bringe mich aus diesem Haus heraus!
Gen 40:15: Denn ich bin aus dem Land der Hebräer geraubt worden und habe auch hier gar nichts getan, weswegen man mich einsperren müsste!
Gen 40, 16-19 Deutung für den Bäcker
Gen 40:16: Als nun der oberste Bäcker sah, dass Joseph eine gute Deutung gegeben hatte, sprach er zu ihm: Siehe, in meinem Traum trug ich drei Körbe mit Weißbrot auf meinem Kopf,
Gen 40:17: und im obersten Korb war allerlei Backwerk, Speise für den Pharao; aber die Vögel fraßen es mir aus dem Korb, der auf meinem Kopf war.
Gen 40:18: Da antwortete Joseph und sprach: Dies ist die Deutung: Die drei Körbe sind drei Tage.
Gen 40:19: In drei Tagen wird der Pharao dein Haupt erheben und wird dich ans Holz hängen lassen, dass die Vögel dein Fleisch fressen werden!
Gen 40, 20-23 Erfüllung und Josephs Vergessen
Gen 40:20: Und es geschah am dritten Tag, dem Geburtstag des Pharao, als er für alle seine Knechte ein Mahl veranstaltete, dass er das Haupt des obersten Mundschenken und des obersten Bäckers erhob unter allen seinen Knechten.
Gen 40:21: Und den obersten Mundschenk setzte er wieder ein in sein Amt, sodass er dem Pharao den Becher reichen durfte;
Gen 40:22: aber den obersten Bäcker ließ er hängen — so wie Joseph es ihnen gedeutet hatte.
Gen 40:23: Aber der oberste Mundschenk dachte nicht an Joseph, sondern vergaß ihn.
Er vergaß ihn
Diese Stelle zeigt die menschliche Vergesslichkeit und Undankbarkeit. Josef hatte dem Mundschenk im Gefängnis geholfen, indem er seinen Traum deutete und ihm Hoffnung gab. Doch als der Mundschenk befreit wurde, vergaß er Josef und dessen Bitte um Hilfe.
Die Geschichte erinnert uns daran, dass Menschen oft ihre Versprechen brechen oder sich nur an andere erinnern, wenn sie selbst in Not sind. Doch trotz dieser Enttäuschung wirkt Gottes Plan weiter. Josef musste noch zwei Jahre warten, aber letztlich erhob Gott ihn zum Herrscher Ägyptens.
Diese Verse lehren Geduld, Vertrauen auf Gott und dass menschliche Vergesslichkeit Gottes Plan nicht aufhält.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du lernen, auf Gottes Timing zu vertrauen, auch wenn andere dich vergessen oder enttäuschen?
Er vergaß ihn
In welche Geduldsproben kann Gott doch Seine liebsten Kinder stellen! Josef sitzt im Gefängnis. Unschuldig! Jahr um Jahr vergeht. „Wo ist nun dein Gott?"
Können wir es nicht gut verstehen, dass Josef neue Hoffnung schöpft, als er einem hohen Hofbeamten einen Gefallen tun kann? So bittet er ihn: „Gedenke meiner, wenn dir's wohl geht, und tue Barmherzigkeit an mir!"
Nun ist der oberste Schenk eine kurze Zeit Josefs ganze Hoffnung. „Aber er vergaß Josef." Es ist so bitter, wenn Hoffnungen untergehen, die man auf Menschen gesetzt hat. Da blutet das Herz.
Und doch können uns diese schmerzlichen Erfahrungen nicht erspart bleiben. Solche Erlebnisse gehören zur Erziehungsschule des treuen Gottes. Er zerschlägt uns alle falsche Zuversicht, alles Trauen und Hoffen auf Menschen, damit wir lernen, unsere ganze Hoffnung auf Ihn zu stellen. „Du, du bist meine Zuversicht alleine, / sonst weiß ich keine."
Frage: Wo habe ich in meinem Leben versucht, Menschen anstelle von Gott meine Hoffnung zu schenken, und wie kann ich lernen, mich ganz auf Ihn zu verlassen?
Hier geht’s zu einer Auslegung von G. de Koning zu Genesis Genesis 40.Kap.