Joh 19, 17-30:
Auslegung und Andacht
Jesus stirbt am Kreuz
Inhaltsverzeichnis
Joh 19, 17 Weg zur Kreuzigung
Joh 19,17: Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgatha heißt.
Zur Kreuzigung
Es war die Form der Hinrichtung, die den schlimmsten Verbrechern und den niedrigsten Klassen vorbehalten war. Die Kreuzigung wurde entwickelt, um das Opfer öffentlich sterben zu lassen, langsam, mit großem Schmerz und Demütigung. Dies war die Form des Todes, die Gott für Jesus bestimmt hatte, und der Tod, dem Er sich im Willen Gottes unterwarf.
Joh 19, 18 Die Kreuzigung
Joh 19,18: Dort kreuzigten sie ihn.
Schlichte Feststellung
Die Evangelisten geben keine detaillierte Erklärung der Kreuzigung. Dafür gab es mehrere Gründe. Ihre ursprünglichen Leser waren mit der Praxis vertraut, sodass sie keiner Erklärung bedurften. Die Verfasser der Evangelien achten darauf, keine Sprache oder Beschreibungen zu verwenden, die die Emotionen manipulieren könnten; sie erzählen einfach die Geschichte.
Das größere Leiden Jesu war innerlich und geistlich; noch größer als Sein äußeres und körperliches Leiden.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben innere und geistliche Herausforderungen bewusst wahrnehmen, anstatt mich nur auf äußere Belastungen zu konzentrieren?
Andacht von MacDonald
Dass der Messias sterben sollte, war schon schwer anzunehmen, doch dass er solch eines Todes sterben sollte, ging über jedes Vorstellungsvermögen hinaus. Und doch war es so.
Alles, was Christus einschließlich des Kreuzes berührte, schmückte und verwandelte er und versah es mit Schönheit und Glanz, doch wir sollten nie vergessen, aus welchen schrecklichen Tiefen er das Kreuz erhoben hat.
Für mich hingst du am Kreuzesstamm, du hochgelobtes Gotteslamm; du warst gehorsam bis zum Tod, nahmst auf dich Schmerzen, Angst und Tod und hast dein Blut vergossen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, Schmerzen oder schwierige Prüfungen mit der gleichen Hingabe und Liebe zu tragen?
Joh 19, 19 Die Aufschrift
Joh 19,19: Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es stand geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden.
Hintergrund
Das war nach römischer Sitte. Dem Gekreuzigten wurde sein Verbrechen aufgeschrieben und der Titel um den Hals gehängt, als er sein Kreuz zum Ort des Todes trug. Dann wurde der Titel oben auf das Kreuz gesetzt, damit alle den Grund für die Kreuzigung kennen würden.
Andacht von Franz von Sales
Euer König bleibt derselbe, es ist der gekreuzigte Herr Jesus Christus, unter dessen Herrschaft ihr überall wohl geborgen seid. Er bleibt euer König, solange ihr ihn haben wollt. Seid also unbesorgt, nichts wird euch fehlen.
Sorgt nur dafür, daß ihr in der Liebe und Treue wachset. Haltet euch dicht an seiner Seite, dann wird alles recht werden. Laßt euch alles von ihm lehren, laßt euch in allem von ihm beraten.
Er ist der treue Freund, der mit euch gehen wird, der euch lenken wird, der sich um euch annehmen wird. Von ganzem Herzen bitte ich ihn um diese Gnade.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du dich heute noch enger an seine Seite halten und seine Führung bewusst zulassen?
Joh 19, 20 Hebräisch, Latein, Griechisch
Joh 19,20: Diese Überschrift nun lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache geschrieben.
Ort der Kreuzigung
Die Römer wollten, dass die Kreuzigung ein öffentliches Ereignis wird. Sie wollten , dass viele das erbärmliche Opfer sehen, von ihrem Verbrechen lesen und gewarnt werden. Dies bestätigt auch, dass Jesus außerhalb der Stadtmauern gekreuzigt wurde (Hebräer 13:12), aber in der Nähe der Stadt und wahrscheinlich in der Nähe einer vielbefahrenen Straße.
Drei Sprachen
Wir können die Bedeutung der Tatsache, dass die Aufschrift in drei Sprachen, nämlich Griechisch, Lateinisch und Hebräisch, geschrieben war, nicht missverstehen. Zweifellos geschah das, damit sicher war, dass jeder in der Volksmenge es lesen konnte, doch die Gemeinde Christi hat darin immer ein Symbol für die allumfassende Herrschaft Christi gesehen. Denn es waren die drei großen Weltsprachen. MacDonald
Joh 19, 21 Protest der Priester
Joh 19,21: Da sprachen die obersten Priester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern dass jener gesagt hat: Ich bin König der Juden!
Joh 19, 22 Pilatus bleibt fest
Joh 19,22: Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!
Das habe ich geschrieben
Die jüdischen Führer forderten eine Änderung, doch Pilatus blieb standhaft. Die Worte betonen die Unveränderlichkeit seiner Entscheidung und haben eine tiefere theologische Bedeutung: Selbst ein römischer Statthalter bezeugt unfreiwillig Jesu königliche Würde.
Dies verweist auf Gottes souveränen Plan, der sich trotz menschlicher Absichten erfüllt. Pilatus’ Satz kann auch als Sinnbild für die Unveränderlichkeit göttlicher Wahrheit verstanden werden. Was Gott bestimmt hat, bleibt bestehen, ungeachtet menschlicher Versuche, es zu ändern.
Theologisch zeigt der Vers, dass Jesus tatsächlich der verheißene König ist, auch wenn sein Reich nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36). Die Kreuzesinschrift bezeugt somit, dass Jesus trotz Ablehnung durch Menschen als König bleibt.
Frage: Wo in meinem Leben erkenne ich, dass Gottes Plan größer ist als meine Vorstellungen und dass manche Wahrheiten unveränderlich bestehen?
Joh 19, 23 Kleiderteilung der Soldaten
Joh 19,23: Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand aber war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stück gewoben.
Hintergrund
Eine römische Kreuzigung wurde von Soldaten überwacht, sowohl um die Ordnung aufrechtzuerhalten als auch um sicherzustellen, dass die Verurteilten tatsächlich starben.
Jesus lässt alles los
Dies zeigt, dass Jesus die Leiter ganz nach unten gekommen ist, um unsere Errettung zu vollbringen. Er ließ alles los – sogar sein letztes Kleidungsstück – und wurde für uns ganz arm, damit wir in ihm ganz reich werden konnten.
Joh 19, 24 Los um das Gewand
Joh 19,24: Da sprachen sie zueinander: Lasst uns das nicht zertrennen, sondern darum losen, wem es gehören soll! — damit die Schrift erfüllt würde, die spricht: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen. Dies nun taten die Kriegsknechte.
Nahtlose Tunika
Jesu nahtlose Tunika erinnert uns an seine Rolle als unser großer Hohepriester, denn Exodus 28:31-32 sagt uns, dass der Hohepriester ein nahtloses Gewand trug.
Erfüllung einer Prophezeiung
Die Soldaten taten dies in einer unwissenden Erfüllung der Prophezeiung von Psalm 22:18. Als der Sohn Gottes für die Sünden der Welt starb, lachten die Menschen achtlos und spielten zu seinen Füßen Spiele.
Joh 19, 25 Frauen am Kreuz
Joh 19,25: Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.
Maria unter dem Kreuz
Als Maria und Josef ihren neugeborenen Sohn Jesus zur Weihe in den Tempel brachten, sah ein gottesfürchtiger Mann namens Simeon Jesus, nahm ihn in seine Arme und segnete das Jesuskind.
Aber er sagte auch zu Maria: Ja, ein Schwert wird auch durch deine eigene Seele dringen (Lk 2,35).
Maria erlebte dies während des gesamten Dienstes ihres Sohnes, als er abgelehnt, bekämpft, verleumdet und gegen ihn verschwört wurde.
Doch dies war die endgültige Erfüllung dieses feierlichen Versprechens. Von all jenen, die Jesus am Kreuz ansahen, litt keiner so wie Maria.
Frage: Welche inneren Schwerter trägst du in deinem Leben, die dich gleichzeitig lehren und wachsen lassen könnten?
Mutter der Schmerzen
Was muss es für eine Mutter bedeuten, ihren Sohn im Todeskampf am Kreuz hängen zu sehen? Was muss es darüber hinaus für Maria, das edelste Geschöpf Gottes, bedeuten, ihren Gott am Kreuz zu sehen? Das ist wahrhaft der Moment, den der greise Simon prophezeit hatte: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen.“
Und doch steht sie trotz ihres Schmerzes unter dem Kreuz, unerschütterlich. Die hingebungsvolle Liebe einer Frau und Mutter ist wohl eine der reinsten Formen der Liebe, die wir hier auf Erden kennen. Sie verleiht weitaus mehr innere Kraft als die Stärke der Männer, die – bis auf eine Ausnahme – alle geflüchtet sind.
Georg Rota
Frage: Welche innere Stärke oder Liebe trägst du in dir, die dich auch in den schwersten Momenten unerschütterlich halten kann?
Bei der Kreuzigung Jesu wird sichtbar, welche Menschen ihm am nächsten stehen
Maria aus Magdala wird auch in Mk 15,40 erwähnt; dort steht sie unter den Frauen, die von weitem zusahen. Johannes hebt besonders die Mutter Jesu hervor und „den Jünger, den er liebte“ (Joh 19,26).
Maria leidet die Schmerzen ihres Sohnes mit; für Jesus mag die Anwesenheit der Mutter zugleich Schmerz und Trost gewesen sein. Doch hat die Szene, die hier berichtet wird, über das Persönliche hinaus sicher auch symbolische Bedeutung.
Beim Kreuz Jesu wird Maria unter Schmerzen die Mutter der Kirche, die aus dem Mysterium des Kreuzes geboren wird. Außerdem lässt sich sagen: Maria verkörpert unter dem Kreuz das Israel, das den Gekreuzigten als Messias bekennt.
Dann liegt es nahe, in dem Jünger, den Jesus liebt, den Vertreter des Heidenchristentums zu sehen; beide, die Kirche aus dem Judentum und die Kirche, die aus den Heidenvölkern dazukommt, werden wie Mutter und Sohn einander zugewiesen, damit sie eins sind.
Erzabtei Beuron
Frage: In welchen Momenten meines Lebens fühle ich mich eingeladen, Schmerz und Trost gleichzeitig zu erfahren – und wie könnte diese Erfahrung mein Verständnis von Gemeinschaft und Verbundenheit vertiefen?
Joh 19, 26 Mutter und Jünger
Joh 19,26: Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Joh 19, 27 Sorge für Maria
Joh 19,27: Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Siehe, deine Mutter
Das Wort des Gekreuzigten an den Jünger, an Johannes und durch ihn hindurch an alle Jünger Jesu „Siehe da, deine Mutter“ wird durch alle Generationen hindurch immer neu wahr.
Maria ist in der Tat zur Mutter aller Glaubenden geworden. Zu ihrer mütterlichen Güte wie zu ihrer jungfräulichen Reinheit und Schönheit kommen die Menschen aller Zeiten und aller Erdteile in ihren Nöten und ihren Hoffnungen, in ihren Freuden und Leiden, in ihren Einsamkeiten wie in der Gemeinschaft.
Und immer erfahren sie das Geschenk ihrer Güte, erfahren sie die unerschöpfliche Liebe, die sie aus dem Grund ihres Herzens austeilt.
Benedikt XVI
Frage: Wie öffnest du dein Herz, um die mütterliche Güte und Liebe in deinem eigenen Leben wahrzunehmen und weiterzugeben?
Nahm sie der Jünger zu sich
Wenn das Evangelium erklärt, dass der Jünger, der uns alle repräsentiert, sie daraufhin aufnahm, verwendet es ein Verb (lambanō), das im Evangelium den Sinn von „im Glauben aufnehmen“ annimmt (vgl. Joh 1,11–12; 5,43 und 13,20).
Es ist dasselbe Verb, das das vierte Evangelium verwendet, um auszudrücken, dass das Licht zu den Seinen kam und sie es nicht aufnahmen (Joh 1,11).
Das heißt, der Jünger, der unseren Platz an der Seite Marias eingenommen hat, hat sie als Mutter im Glauben aufgenommen. Erst nachdem Jesus uns Maria zur Mutter gegeben hat, weiß er, dass „alles vollbracht ist“ (Joh 19,28).
Frage: Wie offen bin ich, Maria – und damit den Glauben selbst – wirklich in mein Leben aufzunehmen?
Joh 19, 28 Mich dürstet
Joh 19,28: Nach diesem, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet!
Mich dürstet
Dieser Ruf Jesu richtet sich an jeden Einzelnen von uns. Ja, Jesus dürstet nach dir. Dein ganzes Leben lang schaut er nach deiner Liebe aus. Er hört nie auf, dich zu lieben, und er dürstet danach, von dir geliebt zu werden.
Viele Dinge probieren wir auf unserer Suche nach Glück aus. Wir antworten viel zu häufig auf Gottes fürsorgende Liebe immer wieder mit Essig.
Versuchen wir, immer mehr auf den Durstruf Jesu mit Liebe zu antworten. Es kommt dabei nicht darauf an, wie viel wir tun, sondern immer wieder, dass wir wirklich Liebe in die Tat umsetzen.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf Jesu am deutlichsten, und wie kann ich darauf mit echter Liebe antworten?
Jesus dürstet nach meiner Liebe
Deshalb hat er am Kreuz, seiner größten Liebesbekundung, gesagt: Mich dürstet.
Ihn dürstet nach meiner Antwort, nach meiner Liebe. Meine Liebe ist ein großer Trost für das Herz Jesu, so etwa wie frisches Wasser für eine trockene Kehle.
Wenn ich also heute jemanden gut behandle, wenn ich gut über jemanden spreche, wenn ich anderen zuhöre und sie respektiere, wenn ich vergebe, dann liebe ich nicht nur, wie Jesus geliebt hat, sondern ich antworte mit Liebe auf Gottes Liebe.
Frage: Wo kann ich heute bewusst meine Liebe zeigen, um Gottes Liebe weiterzugeben?
Andacht von Charles de Foucauld
Mein Gott, Dich dürstet! Körperlicher Durst, denn Du bist vom Fieber niedergedrückt, Du hast Blut verloren, Du leidest unter unvorstellbar großen Schmerzen, Deine Kehle ist ausgetrocknet. Zu so vielen anderen Qualen kommt noch der quälende Durst hinzu.
Noch mehr dürstest Du geistlich. Dein Herz verzehrt sich vor diesem geistlichen Durst, der Dich auf die Erde hinabsteigen ließ, Du allmächtiger Gott. Dieser Durst, der Dich 33 Jahre auf Erden leben ließ und aufgrund dessen Du auf diesem Leidensweg stirbst!
Dich dürstet nach unserem Heil, unserer Heiligung, weshalb Du Fleisch annahmst, lebtest und starbst. Dich dürstet nach uns, mein Gott, Dich dürstet nach unserem Wohlergehen, nach unserem ewigen Glück, Du Gott der Güte!
Dieser Durst ließ Dich diesen Weg gehen, hat Dich Dich an dieses Kreuz nageln lassen!
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich selbst einen inneren Durst nach Heil, Sinn oder tiefer Verbindung, und wie könnte ich diesem Durst mit Achtsamkeit begegnen?
Joh 19, 29 Essig auf Ysop
Joh 19,29: Es stand nun ein Gefäß voll Essig da; sie aber tränkten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund.
Dies erfüllt die Schrift
Dies erfüllt die Schrift (Psalm 69,22) und unterstreicht Jesu völlige Hingabe. Der Essig, ein billiger saurer Wein, war ein Getränk römischer Soldaten und zeigt die Demütigung Jesu. Doch zugleich symbolisiert er, dass Jesus das bittere Leiden bis zum Ende annimmt.
Der Schwamm auf einem Ysopzweig erinnert an das Passahfest (2. Mose 12,22), in dem Ysop zur Blutbestreichung der Türpfosten genutzt wurde – ein Hinweis darauf, dass Jesus das wahre Passahlamm ist.
Diese Szene macht deutlich: Jesu Tod ist kein Zufall, sondern Teil von Gottes Heilsplan. Sein Opfer bringt Erlösung für alle Gläubigen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, das Leiden anzunehmen und ihm einen tieferen Sinn zu geben?
Joh 19, 30 Es ist vollbracht
Joh 19,30: Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
Es ist vollbracht
Es ist vollbracht! (Joh 19,30). Was bedeutet dieses Wort? Es bedeutet, dass das Heilswerk vollbracht ist, dass alle Schriften ihre vollkommene Erfüllung finden in der Liebe Christi, des Opferlammes. Durch sein Opfer hat Christus die größte Sünde in die größte Liebe verwandelt.
Wie schön wird es sein, wenn wir alle am Ende unseres Lebens, mit unseren Fehlern, unseren Sünden, auch mit unseren guten Werken, mit unserer Nächstenliebe zum Vater sagen können wie Jesus: Es ist vollbracht, nicht mit der Vollkommenheit, mit der er es gesagt hat, sondern zu sagen: Herr, ich habe alles getan, was ich tun konnte. Es ist vollbracht. Benedikt XVI
Es ist vollbracht
Was ist vollbracht? Ein Leben im Einklang mit dem Willen des Vaters, im Gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Das Opfer, das alle alten Opfer ersetzt und erfüllt, durch das wir ein für allemal freigekauft sind vom Tod. Die Offenbarung der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit.
Das alles ist vollbracht in diesem Augenblick, in dem Jesus seinen Geist aufgibt, in die Hände des Vaters. Er hat das alles für mich getan, weil ihn nach mir „dürstet“, weil er mich erlösen wollte, mir eine Chance erwerben wollte für ein Leben in Fülle, für ein ewiges Leben.
Wie viel muss mir diese Frucht des Kreuzes wert sein!
Konstantin Ballestrem
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich die tiefe Bedeutung dieses Opfers für mich selbst erkennen und bewusst annehmen?
Das Versöhnungswerk ist getan
Mit diesen Worten legt der sterbende Jesus alles in die Hände seines Vaters. Jesu Aufgabe auf dieser Erde ist erfüllt.
Das Wort bezieht sich zunächst darauf, dass Jesus nun sein Leiden durchgestanden hat. Aber das Wort hat noch einen tieferen Sinn: Jesus hat mit seinem Tod den Tod überwunden. Er hat mit seinem Sterben für uns den Weg ins Leben eröffnet.
Nun braucht Christus nichts mehr zu vollbringen, um deine Vergebung zu bewirken. Das Versöhnungswerk ist ganz vollbracht. Ja, in diesem Wort leuchtet das große Geheimnis des Kreuzes auf, in dem er uns seine Liebe schenkt und so uns zu sich hinaufzieht.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute die vollbrachte Liebe Christi annehmen und loslassen, was mich belastet?
Andacht von Franz von Sales
Hier schlagen von neuem Flammen der Liebe empor.
Unser Herr litt unsagbar in seiner Seele und an seinem Leib. Für seine Leiden gibt es keinen Vergleich in dieser Welt. Seht die Bedrängnisse seines Herzens, seht die Schmerzen seines Leibes. Beachtet es und seht, ob es einen Schmerz gibt, der dem seinen gleicht.
Dennoch vermochten ihn alle seine Schmerzen nicht zu töten, alle seine Bedrängnisse, alle Schläge mit der Hand, mit dem Rohr und den Dornen, mit der Geißel und dem Hammer, der Stich der Lanze. Der Tod hatte nicht Kraft genug, um Sieger über dieses Leben zu werden. Es war ihm unerreichbar.
Wie starb er dann? Was der Tod nicht vermochte, unternimmt die Liebe und vollbringt es. Er ist aus Liebe gestorben, der Erlöser meiner Seele. Er wurde geopfert, weil er selbst es wollte. Es geschah aus eigenem Entschluß, daß er starb, nicht durch die Macht des Bösen: Ich setze mein Leben ein. Niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es hin.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben darf die Liebe stärker sein als alles Leid, das mich zu überwältigen droht?
Augustinus: Er gab sein Leben auf, weil er es wollte, wann er es wollte und wie er es wollte.
Jesus am Kreuz
Ich überlege vor allem, wer der ist, der so hangend erhöht ist, und sehe durch die Inschrift, daß es Jesus von Nazaret, der König der Juden, ist.
Ist das also, sage ich, der große Jesus, der so viele Wunder gewirkt, sein ganzes Leben gepredigt und Akte der Tugend gemacht hat? Ist das der Sohn des ewigen Gottes, der der Herr des Himmels und der Erde ist? Und wieso hängt er nu.n am Kreuz? Konnte er nicht auf tausend ehrenhaftere Arten sterben, die sanfter und erträglicher sind, wenn er schon sterben wollte?
Man muß wohl sagen, daß dieser Tod eine bestimmte verborgene Schönheit besitzt, da er vom Sohn Gottes selbst gewählt wurde. Welcher Bewunderung wird oder kann dieses Wunder würdig sein?
Ich betrachte die Haltung des Erlösers, an der ich höchste Güte und Sanftmut sehe. Seine Augen sind durch die Schmerzen keineswegs getrübt und durch die Kränkungen nicht erzürnt. O wie gütig ist dieses Lamm!
Wer wird mir die Gnade geben, daß ich inmitten von Mühen und Kränkungen ebenso sein kann?
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich Güte und Sanftmut üben, selbst wenn ich verletzt oder geprüft werde?
Der Tod Jesu
Der Karfreitag ist der Höhepunkt der Liebe. Der Tod Jesu, der sich am Kreuz dem Vater hingibt, um der ganzen Welt das Heil zu schenken, ist Ausdruck der bis zum Ende geschenkten Liebe ohne Ende: eine Liebe, die alle umarmen will und die niemanden ausschließt.
Diese Liebe erstreckt sich über alle Zeiten und jeden Ort: eine unerschöpfliche Quelle des Heils, aus der jeder von uns Sündern schöpfen kann. Lassen wir uns hineinnehmen in diese Barmherzigkeit, die uns entgegenkommt; und nehmen wir in diesen Tagen, während wir den Blick fest auf das Leiden und den Tod des Herrn gerichtet halten, in unserem Herzen die Größe seiner Liebe auf.
Papst Franziskus
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die grenzenlose Liebe, die am Karfreitag sichtbar wird, bewusst spüren und weitergeben?
Häufige Fragen zu Joh 19, 17-30
Was bedeutet Joh 19, 17-30?
Dieser Abschnitt schildert die Hinrichtung Jesu auf Golgatha und seinen Sterbemoment am Kreuz. Das Geschehen offenbart die Erfüllung der alttestamentlichen Schriften bis ins kleinste Detail, zeigt die Stiftung der neuen Gemeinschaft unter dem Kreuz und stellt den Tod Jesu als vollendeten, majestätischen Akt der Erlösung dar.
Wohin wird Jesus geführt, wie wird die Aufschrift an seinem Kreuz gestaltet und wie reagieren die Hohepriester darauf?
Jesus trägt sein Kreuz selbst zur Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgatha heißt, wo er zwischen zwei anderen gekreuzigt wird. Pilatus lässt eine Aufschrift anbringen: „Jesus von Nazaret, der König der Juden“, abgefasst in Hebräisch, Lateinisch und Griechisch; den Protest der Hohepriester, es müsse heißen „Er hat gesagt...“, weist Pilatus ab mit den Worten: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“
Was tun die Soldaten mit den Kleidern Jesu und welche Schriftstelle erfüllt sich dadurch?
Die vier Soldaten teilen seine Obergewänder unter sich auf und losen um seinen ungenähten, von oben ganz gewebten Leibrock, um ihn nicht zu zerreißen. Dadurch erfüllt sich das Wort der Schrift aus Psalm 22: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen.“
Welche Vorsorge trifft der sterbende Jesus für seine Mutter und den Jünger, den er liebte?
Unter dem Kreuz stehen Jesu Mutter, ihre Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena sowie der Jünger, den Jesus liebte. Jesus vertraut seine Mutter dem Jünger an mit den Worten „Frau, siehe, dein Sohn!“ und zum Jünger „Siehe, deine Mutter!“, woraufhin der Jünger sie von jener Stunde an zu sich nimmt.
Wie vollzieht sich der letzte Augenblick Jesu am Kreuz und wie stirbt er nach der Schilderung des Johannes?
Wissend, dass nun alles vollbracht ist, spricht Jesus zur Erfüllung der Schrift: „Mich dürstet“, woraufhin man ihm einen mit Essig gefüllten Schwamm auf einem Isoprohr an den Mund hält. Nachdem er den Essig genommen hat, spricht er im Bewusstsein des vollendeten Erlösungswerkes sein letztes Wort „Es ist vollbracht!“, neigt das Haupt und übergibt seinen Geist.
Joh 19, 1-16 Jesus wird verurteilt
Joh 19, 31-37 Seite Jesu wird geöffnet