Joh 12, 20-36:
Auslegung und Andacht
Jesu Verherrlichung durch sein Sterben

Joh 12, 20 Griechen suchen Jesus

Joh 12,20: ‭Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufkamen, um während des Festes anzubeten.‭

Männer aus dem Westen

Diese Männer aus dem Westen am Ende des Lebens Jesu stellen dasselbe dar wie die Sterndeuter aus dem Osten an seinem Anfang, aber sie kommen zum Kreuz des Königs wie jene zu seiner Wiege.

Joh 12, 21-22 Bitte an Philippus

Joh 12,21: ‭Diese gingen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir möchten gerne Jesus sehen!‭

Wir möchten Jesus sehen

Diese Griechen waren Nichtjuden, glaubten an den einen Gott und hielten sich an die Gesetze des Mose. Und sie hatten eine Sehnsucht: Jesus zu sehen.

Anderen erging es ähnlich. Herodes hatte Johannes enthaupten lassen und hörte von Jesus. Und siehe da: Er wollte ihn sehen.

Zachäus stieg auf einen Baum, auch er wollte ihn sehen.

Jesus möchte, dass unser Leben fruchtbar wird. Wenn wir in uns die Sehnsucht wecken, Jesus zu sehen, und sie stärken, wird unsere Begegnung mit ihm tief und schön sein. Und er kann beginnen, unser Leben sehr fruchtbar zu machen.

Raphael Ballestrem

Frage: Welche Sehnsucht in meinem Leben könnte mich Jesus näherbringen und mein Herz fruchtbar machen?

Joh 12,22: ‭Philippus kommt und sagt es dem Andreas, und Andreas und Philippus sagen es wiederum Jesus.‭

Joh 12, 23 Stunde der Verherrlichung

Joh 12,23: ‭Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde!‭

Den Auftrag vollenden

Philippus trifft auf einige Griechen, die Jesus suchen. Menschen, die nicht zum auserwählten Volk Gottes gehören, beginnen Jesus zu suchen.

Jesus sagt darauf, dass jetzt die Stunde seiner Verherrlichung gekommen sei. Man spürt eine große Eindringlichkeit und Freude in seiner Rede.

Es ist Jesus so wichtig, dass alle zu ihm kommen! Wie sehr freut er sich, wenn seine Jünger Menschen zu ihm führen.

Kenne ich diese Freude auch bei mir, wenn ich andere mit Christus in Berührung bringe?

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wie offen bin ich dafür, die Freude Jesu in meinem eigenen Leben zu entdecken und sie mit anderen zu teilen?

Joh 12, 24 Das sterbende Weizenkorn

Joh 12,24: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht.

Joh 12,24: Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Notwendigkeit des Sterbens

So wie ein Samenkorn niemals zu einer Pflanze wird, wenn es nicht stirbt und begraben wird, so war der Tod und die Beerdigung Jesu zu seiner Verherrlichung notwendig. Bevor es Auferstehungskraft und Fruchtbarkeit geben kann, muss es den Tod geben.

Jesus Reich geht durch das Kreuz hindurch

Weil Jesus sich ganz gibt bis ans Kreuz, kann er als Auferstandener allen gehören und allen gegenwärtig werden.

„Freut euch, denn ihr seid Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit näher als ein Kind im Herzen seiner Mutter.“ (Faustina)

Dieses Dasein Gottes in Jesus ist die Frucht des gestorbenen Weizenkorns.

Diese Frucht des Kreuzes reicht bis ans Ende der Welt und aller Zeiten.

Diese Frucht des Kreuzes brachte seine Liebe hervor.

Frage: Wie offen bin ich dafür, die Gegenwart Gottes in meinem Leben zu erkennen und seine Liebe durch mich wirken zu lassen?

Hingabe

Jesus appelliert in dieser Bibelstelle sehr stark an unsere Hingabe. Jeder von uns ist ein Weizenkorn und wir sind gerufen, in die Erde zu fallen, zu sterben und dadurch Frucht zu bringen.

Der Mensch ist nicht für sich allein geschaffen, sondern für die Hingabe. Unsere tiefste Berufung ist die Hingabe an Gott und an die Menschen.

In der Hingabe verlieren wir uns nicht selbst, sondern wir finden uns in Christus zutiefst wieder. In der Hingabe wird mein Herz weit und fähig zu lieben.

Jesus am Kreuz ist das Weizenkorn, das gestorben ist, um für immer Frucht zu bringen. Wir sind gerufen, mit ihm zu sterben, um mit ihm Frucht zu bringen.

Antonia Hornstein

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich mehr Hingabe üben, um wirklich zu wachsen und anderen zu dienen?

Andacht von Felix Honekamp: Sterben

In diesem Teil des Evangeliums bereitet Jesus die Jünger auf seinen Tod vor. Wenn er also hier vom Sterben des Weizenkorns spricht, dann ist das nicht nur ein Anspruch an mich als Jünger, sondern zuerst eine Beschreibung seiner selbst.

Er wird sterben, und was zunächst aussieht wie ein Scheitern, ist am Ende doch der Sieg. Er ist wie das Weizenkorn, das sterbend reiche Frucht bringt – den Tod und die Sünde besiegt und die Menschen an sich zieht.

Kann ich Jesu Tod so sehen: nicht als Schande vor den Menschen, schon gar nicht als Jesu Scheitern, sondern als Zeichen seines Sieges? Kann ich mich wirklich darauf einlassen, dass dieser Weg, der Weg, den Gott zu unserer Rettung eingeschlagen hat, der richtige ist?

Frage: Wie kann ich im eigenen Leben erkennen, wo scheinbare Niederlagen den Samen für neues Wachstum und inneren Frieden bereithalten?

Andacht von Papst Franziskus

Versuchen wir, uns ein kleines Korn oder einen kleinen Samen vorzustellen, der in die Erde fällt. Wenn er in sich selbst verschlossen bleibt, geschieht nichts; wenn er jedoch aufbricht, sich öffnet, dann bringt er eine Ähre, einen Keimling, dann eine Pflanze hervor, und die Pflanze wird Frucht bringen.

Jesus hat eine neue Hoffnung in die Welt gebracht, und er hat es wie ein Samenkorn getan: Er hat sich ganz klein gemacht, wie ein Weizenkorn; er hat seine himmlische Herrlichkeit verlassen, um zu uns zu kommen: er ist auf die Erde gefallen.

Aber das genügte noch nicht. Um Frucht zu bringen, hat Jesus die Liebe bis ins Letzte gelebt, indem er sich vom Tod aufbrechen ließ, wie ein Samenkorn unter der Erde aufgebrochen wird. Genau dort, am äußersten Punkt seiner Erniedrigung – der auch der höchste Punkt der Liebe ist – ist die Hoffnung aufgekeimt.

Wenn jemand von euch fragt: Wie entsteht die Hoffnung? Aus dem Kreuz. Schau auf das Kreuz, schau auf den gekreuzigten Christus, und von dort wird die Hoffnung kommen, die nicht mehr vergeht, die Hoffnung, die bis ins ewige Leben andauert.

Frage: Welche Bereiche meines Lebens dürfen aufbrechen, um neue Hoffnung und Liebe wachsen zu lassen?

Andacht von Johannes Hartl

Wir versuchen oft, unser „Ich“ zu optimieren – durch Achtsamkeit, Techniken, Selbstverbesserung. Doch das eigentliche Problem des Ichs kann nicht durch das Ich selbst gelöst werden.

Jesus macht deutlich: Wie ein Weizenkorn erst sterben muss, um Frucht zu bringen, so muss unser Ego loslassen.

Christsein ist keine Selbstoptimierung, sondern ein radikales Hingeben – hinein in Jesu Tod und Auferstehung. Erst wer sein altes Ich aufgibt, findet echtes, neues Leben. Nicht Leistung verändert uns, sondern Begegnung mit Jesus.

Johannes Hartl

Sterbendes Weizenkorn

Jesus, welches Weizenkorn meinst du denn? Wer ist denn dieses Weizenkorn, das da irgendwie sterben muss? Die Antwort ist: dein Ich, mein Ich. Das Christentum ist keine Religion der Moral und keine Religion der Ideale. Es geht nicht drum, dass du an deinem Ich herumschneidest und die weniger guten Teile abschneidest und die besseren Teile hervorhebst. Die Lösung ist nicht, dass du gewisse Seiten an dir abschneidest, sondern wirf dich mit allem, was du bist, mit deinem Ego, mit deinen Selbstkonzepten, ohne Vorbedingung und ohne Rückhalt hinein in dieses Sterben Jesu. Und vertraue ihm, dass er dich auferweckt zu neuem Leben. Johannes Hartl

Joh 12, 25 Leben verlieren und gewinnen

Joh 12,25: Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben in dieser Welt loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.

Loslassen

Loslassen ist das Grundmuster des Christseins. Ja, es ist geradezu die Definition für einen Christen: jemand, der sich selbst vollkommen losgelassen hat. Jemand, der alles aus der Hand gegeben hat. Der sich vollkommen an Christus verloren hat.

Wer so in Christus beschenkt ist, wer so eine Sicherheit hat, dass für ihn gesorgt ist, der kann vertrauen. Der kann sich völlig hingeben, ohne Angst, verletzt oder benutzt zu werden. Es ist wie bei zwei Liebenden, die einander völlig schutzlos und nackt gegenübertreten können, die den Blick des anderen bis in die tiefste Seele zulassen und sich dabei liebevoll geborgen wissen.

Wer sein Leben für sich haben möchte, nur sich selber lebt, gerade der verliert das Leben. Es wird öde und leer. Nur im Loslassen seiner selbst, nur in der Freigabe des Ich für das Du, nur im Ja zum größeren Leben Gottes wird auch unser Leben weit und groß.

So ist dieses Grundprinzip seines Reiches letztlich identisch mit der Liebe. Denn Liebe heißt sich loslassen, sich geben, nicht sich selber wollen, sondern frei werden von sich: nicht auf sich selber zurückschauen, was aus mir wird, sondern vorwärts schauen, auf den anderen, auf Gott hin und auf die Menschen, die er mir schickt.

Frage: Welche Teile von dir selbst fällt es dir schwer loszulassen, um Raum für Liebe und Vertrauen zu schaffen?

Spruch von den Wüstenvätern

Wenn du ein Gerät, ein Messer, eine Hacke oder irgendetwas anderes hast und du merkst, dass dein Denken sich daran klammert, wirf es weit von dir weg, damit du dein Denken lehrst, sich an nichts zu klammern als allein an Christus. Apophthegmata

Das heißt: Es ist ein hin und her. Wir stehen immer in der Gefahr, uns an etwas anderem fest zu halten als an Gott (Beruf, Beziehungen, Materielles etc.). Prüfe stets, an was du dein Herz und deine Gedanken bindest. Verurteile dich nicht, wenn's passiert, denn es passiert, sondern sehe es als Einladung, dich wieder neu und ganz allein an Christus zu klammern, an sonst nichts.

Alles Jesus übergeben

Mein Kind, übergib Mir deine Freuden und Leiden, deine Beschäftigungen und Sorgen, deine Erfolge und Misserfolge. Leg alles in Mein Herz.

Du musst dich von allem freimachen, um in Meine Liebe einzutreten, die den ganzen Raum einnehmen will.

Mein ganz Kleiner, du sollst das Wesentliche nicht zugunsten des Zweitrangigen aufgeben. Das Wesentliche ist die innige Vertrautheit, in der wir miteinander leben; zweitrangig ist alles, was außerhalb der innigen Beziehung steht, die Ich mit dir habe und die du mit Mir, deinem Gott, hast.

Frage: Welche Gedanken oder Sorgen könntest du heute in Gottes Herz legen, um dich freier für die Liebe zu öffnen?

Das Herz leer machen

Wir müssen unser Herz ganz leer machen, damit es ganz von unserem Herrn und Heiland erfüllt werde. Noch sind alle Ecken und Winkel voll von tausenderlei Dingen, die unwürdig sind, vor diesem höchsten Herrscher zu erscheinen, und die ihm, wie es scheint, die Hände binden und damit die Möglichkeit nehmen, uns die Güter und Gnaden zu schenken, die er uns in seiner Liebe zugedacht, wenn er uns wohl vorbereitet gefunden hätte.

So wollen wir unsererseits alles tun, diesem überirdischen Brot (Mt 6,11) einen würdigen Empfang zu bereiten, uns vollständig der göttlichen Vorsehung überlassen, nicht nur für die zeitlichen, sondern besonders für die geistlichen Güter, und alles, woran unser Herz hängt, alle Wünsche und Neigungen dem göttlichen Willen zu Füßen legen, damit ihm alles ganz untertan sei.

Seien wir versichert, der Heiland wird seinerseits halten, was er versprochen hat: Er wird uns in sich umgestalten, wird unsere Niedrigkeit erhöhen, bis sie mit seiner Erhabenheit vereint ist.

Frage: Welche alten Muster oder Wünsche könntest du loslassen, um dein Herz freier für die göttliche Gegenwart zu machen?

Was es bedeutet, loszulassen

Mir ist etwas subjektiv wichtig. Dann läuft es irgendwie anders.

Einmal sind es Belanglosigkeiten: der Tagesplan gerät komplett durcheinander oder ein lieber Mensch sagt etwas, was mir gar nicht passt. Ein anderes Mal geht es um Wesentliches wie enttäuschte Liebe, plötzliche Krankheit, Scheitern im Beruf und Ähnliches.

Immer wieder werden wir herausgefordert, loszulassen, obwohl wir festhalten möchten. Immer hat es etwas damit zu tun, eine Umklammerung zu lösen, und immer dann verändert sich etwas, entsteht etwas Neues.

Heute werde ich mich auf dieses Neue einlassen.

Frage: Worauf könnte ich loslassen, um innerlich offen zu werden für das, was gerade entstehen möchte?

Loslösung und Entsagung

Das Maß unseres inneren Friedens ist das Maß unserer Hingabe, also unserer Loslösung.

Der Mensch, der sich an irgend etwas anklammert, der einen bestimmten Bereich seines Lebens für sich selbst reservieren will, um ihn nach eigenem Gutdünken zu organisieren, ohne sich vollständig in die Hände Gottes zu überlassen, hat eine schlechte Rechnung aufgestellt.

Der heilige Johannes vom Kreuz drückt dies so aus: Alle Güter wurden mir geschenkt von dem Augenblick an, da ich sie nicht mehr gesucht habe.

Jacques Philippe

Therese vom Kinde Jesu: Ah, wenn man wüßte, was man gewinnt, wenn man allen Dingen entssagt!

Kyrilla Spiecker: Greifen und Festhalten kann ich seit der Geburt.Teilen und schenken musste ich lernen. Jetzt übe  ich das Loslassen.

Frage: In welchem Bereich deines Lebens könntest du loslassen, um tieferen inneren Frieden zu erfahren?

Das Ewige Leben

Ist mir bewusst, dass ich für das Ewige Leben geschaffen und zum Ewigen Leben berufen bin?

Alle Schönheit und alles Leid der Welt werden einmal ein Ende haben, nur das Ewige Leben wird immer Bestand haben. Was sind viele Dinge auf Erden schon im Vergleich zur Ewigkeit?

Die Ewigkeit ist ein Ort der vollkommenen Freude, der völligen Liebe und der ewigen Vereinigung mit Gott. Ist mir bewusst, welche Schönheit mich erwartet und zu welcher Hoffnung ich damit berufen bin?

Ist mein Blick auf das Irdische ausgerichtet, oder auf das Ewige Leben? Richten wir unseren Blick zum Himmel und versuchen wir, uns von der Freude des Ewigen Lebens ergreifen zu lassen.

Antonia Hornstein

Frage: Wie könnte es mein tägliches Leben verändern, wenn ich die Ewigkeit und die Freude des Ewigen Lebens stets in meinem Herzen tragen würde?

Andacht von Anselm Grün

Gelassen ist ein Mensch, der sein Ego losgelassen und sich in Gott hineingegeben hat, der ruhig geworden ist in seinem Herzen, weil er sich in den göttlichen Grund hat fallen lassen.

Gelassenheit meint in der Mystik die Befreiung des Menschen von seinem eigenen Ich, das Leerwerden von allen Sorgen und Ängsten um sich selbst, damit Gott in unserem Herzen geboren werden kann.

Gelassenheit als Haltung innerer Freiheit, innerer Ruhe, als gesunde Distanz zu dem, was von außen auf mich einströmt, was mich zu „besetzen“ und in Besitz zu nehmen droht, das ist nicht einfach eine Charakterhaltung. Sie kann auch eingeübt werden.

Um zur Gelassenheit zu gelangen, muss ich vieles lassen.
Anselm Grün

Frage: Welche Sorgen oder Ängste könntest du heute loslassen, um Raum für das Göttliche in deinem Herzen zu schaffen?

Vertrauen bedeutet loslassen

Loslassen ist hart und schwer: loslassen von Menschen im Tod, loslassen von erlittenen Verletzungen, Loslassen übertriebener Erwartungen und vieles mehr.

Das ist teils eine lebenslange Herausforderung und immer wieder neu kostet es Kraft. Allerdings führt kein Weg am Loslassen vorbei. Leben ist immer ein Loslassen im Großen wie im Kleinen.

Vertrauen ist nichts anderes als Loslassen, bei allem Tun zu guter Letzt im Kern alles aus der eigenen Hand in Gottes Hand geben.

Wenn wir loslassen, fallen wir nicht ins Bodenlose, sondern in die unbegreiflich große Liebe Gottes und in seine Fürsorge für uns.

Weil der Herr in uns gegenwärtig ist, können wir uns ausruhen und alles loslassen. Richard J. Foster

Ein letztes Loslassen unserer Selbst ist nur möglich, wenn wir dabei am Ende nicht ins Leere fallen, sondern in die Hände der ewigen Liebe hinein. Erst die Liebe Gottes, der sich selbst für uns und an uns verloren hat, ermöglicht auch uns, frei zu werden, loszulassen und so das Leben wirklich zu finden. Benedikt XVI

Frage: Welche kleinen oder großen Dinge in deinem Leben dürfen heute in Gottes Hände fallen, damit du die Freiheit des Loslassens spürst?

Joh 12, 26 Nachfolge und Dienst

Joh 12,26: Wer mir dienen will, der soll mir nachfolgen. Wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.

Christ sein bedeutet, Jesus zu dienen, ihm nachzufolgen

Das bedeutet nicht, dass Sie aufhören, Ihren Job zu machen, sich um Ihre Familie zu kümmern oder zur Schule zu gehen. Das bedeutet, dass Sie all das als Diener Jesu tun, als Nachfolger Jesu. Alle, die Christus als ihren Erlöser haben möchten, müssen bereit sein, ihm zu dienen. Wir werden nicht durch den Dienst gerettet, aber wir werden für den Dienst gerettet.

Es geht in der Nachfolge um eine innere Verwandlung der Existenz

Es geht darum, daß ich nicht mehr in mein Ich eingeschlossen bin und meine Selbstverwirklichung als meinen hauptsächlichen Lebensinhalt annehme. Es geht darum, daß ich mich frei gebe an einen anderen hin für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott, der mir in Jesus Christus vorausgeht und den Weg zeigt. Es geht um die Wahl, nur für mich selber zu leben oder mich wegzugeben an das Größere hin.

Andacht von Felix Honekamp: Dienen

Im Grunde manifestiert sich das Sterben des Weizenkorns und die Geringachtung meines Lebens im Dienen. Mein Leben dient nicht mir, mein Leben dient einem anderen.

Jesus zu dienen, was am Ende heißt, ihm nachzufolgen in seinem Handeln und in seiner Art der „Lebensführung“, und damit eben auch meinen Nächsten zu dienen, ist die Erfüllung dessen, was mein Menschsein bedeutet.

Kann ich das? Ein guter Selbsttest ist, in schwierigen Situationen darauf zu schauen, ob meine Gedanken sich mir oder dem anderen zuwenden – verwende ich in meinen Gedanken sehr oft die Wörter „ich“, „mir“, „für mich“ oder „meins“? Oder schaffe ich es, den anderen zu sehen: „du“, „dir“, „für dich“ oder „deins“?

Dabei muss ich keine Sorge haben, ganz unterzugehen, denn je mehr ich diesen Zweck meines Lebens erfülle – Jesus und meinem Nächsten zu dienen – erfahre ich das Wohlgefallen des Vaters im Himmel.

Weltlich scheint das nicht viel wert zu sein, aber Gottes Wertschätzung, seine Liebe, ist alles, was ich auf die Ewigkeit betrachtet brauche.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst Momente finden, in denen ich mich ganz dem Wohl anderer hingebe und dadurch die Gegenwart Gottes erfahre?

Joh 12, 27 Jesu Seele erschüttert

Joh 12,27: ‭Jetzt ist meine Seele erschüttert. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.‭

Die Stunde Jesus

Jesus empfing diese entscheidende Stunde, doch sie beunruhigte ihn, weil er wusste, was die Qualen des Kreuzes mit sich bringen würden.

Johannes erzählt uns nichts über das Gebet Jesu in Gethsemane, aber die Idee hinter diesem Gebet Jesu wird in Johannes 12:27-28 ausgedrückt.

Das eigentliche Ziel seiner Menschwerdung, der Grund seines Kommens in die Welt und seines Fortbestehens bis zu dieser Stunde war, diesem Leiden zu begegnen.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den Mut finden, den Herausforderungen mit Vertrauen und Hingabe zu begegnen?

Joh 12, 28 Stimme vom Himmel

Joh 12,28: ‭Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wiederum verherrlichen!‭

Ein drittes mal die Stimme des Vaters

Dies war das dritte hörbare göttliche Zeugnis für Jesu Status als Sohn Gottes, nachdem die göttliche Stimme bei Seiner Taufe und Seiner Verklärung gehört wurde.

Joh 12, 29-30 Volk hört Donner

Joh 12,29: ‭Die Menge nun, die dabeistand und dies hörte, sagte, es habe gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet!‭

Donner, Engel & Co

Diese Szene zeigt die unterschiedliche Wahrnehmung göttlicher Offenbarung. Manche erkennen Gottes Stimme, während andere sie lediglich als ein natürliches Phänomen deuten. Dies offenbart die geistliche Blindheit vieler Menschen, die das Wirken Gottes nicht verstehen.

Jesus erklärt in den folgenden Versen, dass diese Stimme um der Menschen willen erschallte, nicht für ihn selbst. Sie sollte ihre Herzen auf die Bedeutung seines kommenden Opfers hinweisen.

Die Stelle macht deutlich, dass Gottes Zeichen oft unterschiedlich interpretiert werden – je nach der Bereitschaft des Einzelnen, sie im Glauben anzunehmen.

Frage: Welche Hinweise auf Gottes Wirken in meinem Leben könnte ich bisher übersehen haben, weil ich sie nur als gewöhnlich interpretiert habe?

Joh 12,30: ‭Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme geschehen, sondern um euretwillen.‭

Joh 12, 31 Gericht dieser Welt

Joh 12,31: ‭Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.

Gericht über diese Welt

Das "Gericht über diese Welt" bezieht sich auf den Sieg über die Sünde und das Böse durch seinen Tod am Kreuz. Der „Fürst dieser Welt“, also Satan, verliert seine Macht über die Menschen, da Jesus durch seinen Opfertod die Erlösung bringt.

Das „Hinausgeworfenwerden“ zeigt, dass das Böse nicht mehr die Oberhand hat. Jesus' Kreuzestod ist nicht eine Niederlage, sondern der Triumph Gottes über die Finsternis.

Für Gläubige bedeutet dies Hoffnung: Wer an Christus glaubt, wird aus der Macht der Sünde befreit und in das Reich Gottes aufgenommen. Dieser Vers betont also Sieg, Gericht und Befreiung zugleich.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du die befreiende Kraft dieses Sieges heute spüren?

Joh 12, 32 Erhöhung zieht alle

Joh 12,32: Ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

Jesus zieht alle an sich

In der Himmelfahrt nimmt Jesus sein Menschsein und somit auch uns mit. In seinem Tod und der Auferstehung zieht er alle an sich. Er ist dadurch der Weg zum Vater, der ewige Mittler. Dazu ein Text von Therese von Lisieux, wo sie das Bild des Aufzugs aufgreift, der zu ihrer Zeit gerade erfunden worden ist.

Die Arme Jesus - Worte von Therese von Lisieux

Ich wollte ein Mittel finden, um durch einen kleinen Weg in den Himmel zu gelangen, ein Weg, der sehr gerade ist, sehr kurz und ganz neu. Wir leben in einem Zeitalter der Erfindungen. Ich wollte einen Aufzug finden, der mich zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die steile Treppe der Perfektion zu erklimmen. Der Aufzug, der mich in den Himmel hinauftragen muss, sind Deine Arme, o Jesus!

Ein neues Dasein Jesus

Durch seine Auferstehung überschreitet Jesus die Grenzen von Raum und Zeit. Sein Reich ist universal.

Als gestorbenes und auferstandenes Weizenkorn wird Jesus ganz neu über die Grenze des Augenblicks hinaus zu allen in der Welt kommen, umfassend und zeitlos zu allen.

Ob wir von Christus wissen oder nicht, er ist da, ganz nah bei jedem von uns in seiner Liebe in unserer Seele. Welch Gnade, in der wir leben dürfen. Welch Liebe, nach der wir streben.

Oh Herr, ziehe immerfort ein in das Innerste meiner Seele.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich die Gegenwart Jesu schon spüren, auch wenn ich sie vielleicht nicht bewusst wahrnehme?

Andacht von Benedikt XVI

Sehnsüchtig erwartet der Herr von uns vor allem die Antwort, dass wir seine Liebe annehmen und uns von Ihm an sich ziehen lassen. Es genügt jedoch nicht, seine Liebe lediglich anzunehmen.

Solche Liebe und solcher Einsatz wollen ihre Entsprechung in der Weitergabe an die anderen: Christus zieht mich zu sich, um sich mit mir zu vereinigen, damit ich lerne, die Brüder und Schwestern mit seiner Liebe zu lieben.

Frage: Wie offen bin ich dafür, die Liebe, die ich empfange, bewusst an andere weiterzugeben und so die Gegenwart Christi in meinem Alltag spürbar zu machen?

Joh 12, 33 Hinweis auf Todesart

Joh 12,33: ‭Das sagte er aber, um anzudeuten, durch welchen Tod er sterben würde.‭

Joh 12, 34 Frage nach dem Menschensohn

Joh 12,34: ‭Die Menge antwortete ihm: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wie sagst du denn, der Sohn des Menschen müsse erhöht werden? Wer ist dieser Sohn des Menschen?‭

Wer ist dieser Sohn des Menschen?‭

Ihre Frage zeigt eine weitverbreitete Erwartung eines irdischen, triumphierenden Messias. Jesus hatte zuvor von seinem Tod gesprochen, doch die Zuhörer erkennen nicht, dass seine Erhöhung am Kreuz der Weg zur Herrlichkeit ist.

Sie fragen: „Wer ist dieser Menschensohn?“ – ein Zeichen ihres Unverständnisses.

Diese Passage fordert Gläubige heraus, das wahre Wesen Jesu anzunehmen: Er ist der leidende Messias, dessen Kreuzestod der Schlüssel zum ewigen Leben ist. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, sondern von Gott bestimmt.

Frage: Wie kann ich im eigenen Leben erkennen, wo Leiden und Hingabe Türen zu tieferer spiritueller Erkenntnis öffnen?

Joh 12, 35-36 Glaubt an das Licht

Joh 12,35: ‭Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfällt! Denn wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.‭

Joh 12,36: ‭Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet! Dies redete Jesus und ging hinweg und verbarg sich vor ihnen.‭

Glaubt an das Licht

Jesus spricht hier über sich selbst als das Licht der Welt. Er ermutigt seine Zuhörer, an ihn zu glauben, solange sie die Gelegenheit dazu haben.

Das Licht steht für Gottes Wahrheit und Erlösung, während die Finsternis für Unwissenheit und Sünde steht. Jesus warnt davor, dass die Möglichkeit, ihn zu erkennen, nicht unbegrenzt ist.

Wer an ihn glaubt, wird „ein Kind des Lichts“, also Teil von Gottes Reich. Dies bedeutet ein Leben in Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit.

Die Passage fordert uns auf, nicht zu zögern, sondern aktiv im Glauben zu handeln, solange wir die Gelegenheit dazu haben.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute bewusst dem Licht folgen und die Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit leben?

Häufige Fragen zu Joh 12, 20-36

Was bedeutet Joh 12, 20-36?

Dieser Abschnitt schildert die Ankunft griechischer Festbesucher bei Jesus und leitet das Ende seines öffentlichen Wirkens ein. Das Geschehen offenbart, dass mit dem Hinzutreten der Heiden die Stunde der Verherrlichung des Menschensohnes gekommen ist, entfaltet das Gesetz des Weizenkorns für die Nachfolge und verkündet den Sieg über den Fürsten dieser Welt durch Jesu Erhöhung am Kreuz.

Welches Anliegen bringen die Griechen vor und wie antwortet Jesus darauf?

Einige Griechen, die zum Fest hinaufgekommen sind, um anzubeten, treten an Philippus heran und bitten: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Als Philippus und Andreas es Jesus sagen, antwortet er, dass die Stunde gekommen ist, dass der Menschensohn verherrlicht werde, und greift nicht auf eine gewöhnliche Begrüßung zurück, sondern deutet die universale Tragweite dieses Moments an.

Mit welchem Gleichnis verdeutlicht Jesus die Notwendigkeit seines Todes und das Gesetz der Nachfolge?

Jesus spricht das Gleichnis vom Weizenkorn aus: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Er wendet dies auf die Jünger an, indem er erklärt, dass wer sein Leben liebt, es verliert, wer aber sein Leben in dieser Welt hasst, es zum ewigen Leben bewahren wird.

Wie reagiert Jesus auf die innere Erschütterung angesichts des bevorstehenden Leidens?

Jesus bekennt, dass seine Seele jetzt bestürzt ist, lehnt es aber ab zu bitten, dass der Vater ihn aus dieser Stunde rette, weil er genau dafür gekommen ist. Er betet: „Vater, verherrliche deinen Namen!“, woraufhin eine Stimme vom Himmel erschallt: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen“, was die Umstehenden teils für Donner, teils für die Stimme eines Engels halten.

Welche Bedeutung misst Jesus seiner Erhöhung am Kreuz für das Gericht der Welt zu?

Jesus erklärt, dass jetzt das Gericht über diese Welt ergeht und der Fürst dieser Welt hinausgeworfen wird. Er verheißt: „Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen“, womit er andeutet, welches Todes er sterben sollte, woraufhin er das Volk ermahnt, an das Licht zu glauben, solange sie das Licht haben, bevor er sich vor ihnen verbirgt.

Joh 12, 12-19 Einzug Jesu in Jerusalem
Joh 12, 37-50 Unglaube und das Wort Jesu