Joh 8, 21-30:
Auslegung und Andacht
Jesus und Sendung vom Vater

Joh 8, 21-22 Ich gehe fort

Joh 8,21: ‭Nun sprach Jesus wiederum zu ihnen: Ich gehe fort, und ihr werdet mich suchen, und ihr werdet in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen!‭

Ich gehe weg. Wo ich hingehe, kannst du nicht kommen

Jesus wusste, dass er in den Himmel kommen würde. Wegen ihres Hasses gegen ihn konnte Jesus sagen, dass seine Ankläger nicht in den Himmel kommen würden. Wo er hinging, konnten sie ihm nicht folgen.

Ich gehe fort

Jesus geht weiter, Jesus lebt, und als Lebendiger gehört er der Gegenwart an.

Wenn ich aufhöre, auf ihn zu hören, oder aufhöre, mit ihm zu gehen, wenn ich ihn in der Vergangenheit suche oder in dem, was ich schon erreicht habe, ist er nicht mehr da. Er geht fort.

Ich kann dem lebendigen Jesus nicht begegnen, wenn ich stehen bleibe. Wenn er weitergeht, sollte ich nicht darauf warten, dass er zurückkommt, sondern ihm folgen und ihn einholen.

Herr, lass mich heute an deiner Seite bleiben, zeig mir, wohin ich heute gehen soll, was ich heute tun soll.

Alejandro Espejo Silva

Frage: Welche Schritte kann ich heute gehen, um Jesus in der Gegenwart zu begegnen und nicht in der Vergangenheit zu verweilen?

Joh 8,22: ‭Da sagten die Juden: Will er sich etwa selbst töten, dass er spricht: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen?‭

Joh 8, 23 Von oben vs. unten

Joh 8,23: ‭Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.‭

Für dein Leben

  • Verstehe, dass du nicht von dieser Welt bist: Du bist in dieser Welt, aber nicht von ihr. Deine wahre Identität kommt von Gott, und das prägt deine Perspektive und Entscheidungen.
  • Lass dich nicht von weltlichen Maßstäben bestimmen: Menschen schauen auf äußere Dinge, aber Gott sieht dein Herz. Vertraue darauf, dass deine wahre Bestimmung im Einklang mit Gottes Plan steht, nicht mit den Erwartungen der Welt.

In der Welt, aber nicht von der Welt

Wir bezeugen im Glaubensbekenntnis, dass Jesus Christus vom Himmel herabgekommen ist, um uns zu erlösen. Diese Wahrheit sagt alles über den Retter aus.

Er kommt in die Welt, ohne von der Welt zu sein. Seine Lehre weckt unsere höchsten und edelsten Erwartungen.

Sein Weg und sein Lebensstil passen nicht zum Weg und Lebensstil der Kinder dieser Welt und rufen deshalb Widerstand hervor.

Frage: Wie spiegelt sich in meinem täglichen Leben die Sehnsucht nach dem, „was oben ist“ wider?

Joh 8, 24-25 Sterben in Sünden

Joh 8,24: ‭Darum habe ich euch gesagt, dass ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.‭

Ich bin es

Ich bin es. Diese Selbstaussage erinnert an den brennenden Dornbusch, in dem sich Gott Mose offenbarte.

Jesus unterstreicht durch seine Aussagen, dass er nun der Ort der Gotteserkenntnis ist, der neue ewige brennende Dornbusch. Ein paar Verse später spricht Jesus darüber, dass, wenn er erhöht worden ist (=Tod am Kreuz), sie erkennen werden, dass „ich es bin“.

Wie der Dornbusch zum Ort der Gotteserkenntnis für Mose geworden ist, so wird der erniedrigte, gekreuzigte Jesus, der sein Leben in Liebe hingab, zum Ort unserer Gotteserkenntnis.

Nichts ist wichtiger, als Zeit mit ihm zu verbringen. Während du in seiner Nähe wartest, wirkt er in dir. Verbringe nicht nur deshalb Zeit mit ihm, weil er dir etwas geben kann, sondern weil er der „Ich bin“ ist.

Komm zur Ruhe in Gottes Gegenwart, auch wenn zahlreiche Aufgaben um deine Aufmerksamkeit ringen.

Frage: Wie spürst du in deinem Alltag die Gegenwart des „Ich bin“ und was hindert dich daran, bewusst in dieser Nähe zu verweilen?

Joh 8,25: ‭Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Und Jesus sprach zu ihnen: Zuerst das, was ich euch eben sage!‭

Joh 8, 26-27 Botschaft vom Vater

Joh 8,26: ‭Ich habe vieles über euch zu reden und zu richten; aber der, welcher mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt.‭

Was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt

In diesem Vers betont Jesus, dass er nicht aus eigener Autorität spricht, sondern die Botschaft Gottes weitergibt. Sein Urteil und seine Lehre sind vollkommen wahr, weil sie von Gott selbst stammen.

Dies unterstreicht die göttliche Sendung Jesu und seine enge Verbindung zum Vater. Die Zuhörer verstehen ihn jedoch nicht, da sie seine göttliche Herkunft nicht anerkennen.

Der Vers fordert uns auf, auf Jesus zu hören und seine Worte als göttliche Wahrheit anzunehmen. Wer ihn erkennt, erkennt auch den Vater und die Wahrheit, die zur Rettung führt.

Frage: Wo in meinem Leben bin ich bereit, mich für die Wahrheit Jesu zu öffnen und seiner Stimme wirklich zu vertrauen?

Joh 8,27: ‭Sie verstanden aber nicht, dass er vom Vater zu ihnen redete.‭

Joh 8, 28 Erhöhung des Menschensohns

Joh 8,28: ‭Darum sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin; und ich tue nichts von mir selbst aus, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich.‭

Wenn Sie den Menschensohn erhöhen

Die beschriebene „Erhöhung“ Jesu hatte nichts damit zu tun, Jesus in der Art und Weise zu „erhöhen“, wie wir normalerweise denken. Es ging nicht darum, Ihm Applaus und Berühmtheit zu verschaffen. Stattdessen hatte es damit zu tun, dass Jesus an einem Kreuz vom Boden „aufgehoben“ wurde. Als Jesus gekreuzigt wurde, würden sie den vollkommenen Gehorsam des Sohnes gegenüber dem Vater sehen. Sie würden das wahrhaftig sehen, ich tue nichts von mir.

Erhöhung: Was ich brauche, liegt nicht vor den Füßen. Ich entdecke es nicht, wenn ich zu Boden starre. Jesus rät zu einer anderen Perspektive: statt unten – oben. Von „Erhöhung“ redet er, und gemeint ist das Kreuz. Aha? Die größte Niederlage, die Tiefe des Leidens als „Höhe“?

Ja, denn Gott macht mit dem Kreuz auf Golgatha den Horizont weit. Leben geht nicht verloren, es ist geborgen in Gottes Liebe. Jesus geht so weit, dass er sogar den Tod mit uns teilt. Da geht der Himmel auf! Nicht der Tod, die Liebe hat das letzte Wort.

Thomas Weiß

Frage: Wo erlebe ich in meinem eigenen Leben, dass aus Tiefe und Schmerz etwas Neues, Göttliches aufscheint?

Den erhöhten Jesus betrachten

Statt auf den Boden zu schauen und um unsere eigenen Sorgen und Ängste zu kreisen, ruft Jesus uns dazu auf, unseren Blick nach oben zu richten, wo seine Erhöhung stattfand: am Kreuz.

Dieses Symbol begegnet uns im Alltag ständig (sei es in der Kirche, in unseren Häusern oder am Straßenrand). Dabei besteht die Gefahr, dass die ureigenste Bedeutung des Kreuzes verloren geht.

Es sollte uns immer wieder in Erinnerung rufen, wofür das Kreuz in letzter Instanz steht; nämlich für die völlige Hingabe des Menschensohnes aus Liebe zu mir.

Simon Beike

Frage: Wo lenke ich meinen Blick hin, wenn Sorgen und Ängste mich niederdrücken – und wie kann ich mich neu am Kreuz ausrichten?

Ich bin es

Diese Selbstaussage erinnert an den brennenden Dornbusch, in dem sich Gott Mose offenbarte.

Jesus unterstreicht durch seine Aussagen, dass er nun der Ort der Gotteserkenntnis ist. Der Menschensohn wird, so Jesus, mit seiner Erhöhung erkannt, seine Identität offenbar.

Mit der Erhöhung meint er aber nicht das Erlangen von weltlichem Ruhm oder Ehre, sondern vielmehr deutet er auf seinen eigenen Tod am Kreuz hin. Der gekreuzigte Jesus wird so zum Ort der endgültigen Offenbarung der Liebe des Vaters zu den Menschen.

Simon Beike

Frage: Wo erlebe ich in meinem eigenen Leben Momente, in denen sich Gottes Liebe – verborgen oder offen – zeigt?

Perspektivenwechsel

Den Kopf senke ich, der Blick geht zu Boden, wenn ich suche. Suche und nicht finde. Wohin führt mein Weg? Setze ich die Schritte richtig? Bin ich in Gefahr zu stolpern?

Ich hebe das Haupt, ich öffne den Blick, weil ich vertraue. Vertraue und wagemutig hoffe. Gott sieht meinen Weg! Er begleitet meine Schritte! Er hält mich, damit ich nicht falle! Rast und Brot hält er bereit! Und wo ich Mangel leide, hilft er aus.

Es schreitet sich leichter, wenn der Blick frei geht, ungebunden. Ich kann durchatmen. Wenn ich mich nicht verkrümme, dann ist die Brust nicht eng. Meine Schritte setze ich mutig, mit Kraft, wenn ich aufrecht gehe, gewiss, nicht alleine zu sein.

Was dazu nötig ist? Nur aufschauen und auf Gottes Stimme hören. Er sagt: „Mach dich auf! Schau in die Weite, mein Horizont ist deine Heimat. Setz dir nicht selber Grenzen! Wage es mit mir!“

Frage: Wann wage ich es, den Blick zu heben und meinem Weg in Gottes Weite zu vertrauen?

Joh 8, 29 Der Begleiter

Joh 8,29: ‭Und der, welcher mich gesandt hat, ist mit mir; der Vater lässt mich nicht allein, denn ich tue allezeit, was ihm wohlgefällt.‭

Jesus lebt in Einklang mit seinem Vater

Jesus gibt uns eine wichtige Lektion: Der Plan des Vaters ist größer und schöner als unsere menschlichen Vorhaben.

Das darf uns ermutigen, in unseren großen und kleinen Entscheidungen in erster Linie nach Gottes Plan zu fragen.

Vielleicht krempelt das unser Leben um. Aber wie erfüllend ist die Gewissheit, dass meine Arbeit und mein Einsatz dem Plan Gottes für mein Leben entsprechen.

Raphael Ballestrem

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben den Ruf, meine eigenen Pläne loszulassen, um mehr Raum für Gottes Wirken zu schaffen?

Ich tue immer das, was ihm gefällt

Es ist bewundernswert, die Harmonie zu betrachten, die zwischen dem Willen des Vaters und dem menschlichen Willen Jesu herrscht.

Der Wunsch Jesu ist es, seinem Vater zu gefallen, seinen Willen zu tun. Nehmen wir uns Jesus zum Vorbild. Bitten wir Gott um diesen Wunsch, um die Freude, den Willen des Vaters zu tun.

Glauben bedeutet nicht nur, intellektuellen Wahrheiten zuzustimmen, sondern auch nach diesen Wahrheiten zu handeln.
Alejandro Espejo Silva L

Frage: In welchen Momenten meines Lebens gelingt es mir, den göttlichen Willen mit Freude anzunehmen und ihm zu vertrauen?

Joh 8, 30 Viele glauben

Joh 8,30: ‭Als er dies sagte, glaubten viele an ihn.‭

Viele glaubten an ihn

Die Leute hören die Worte „Ich bin es“, den göttlichen Namen, der Mose im Sinai offenbart worden war. Und darüber hinaus sehen sie die Zeichen, die der Vater als Zeuge erlaubt und die Jesus wirkt.

Er tut nur Gutes, Wunder, er hatte Mitleid mit den Kleinen und Armen, er verkündete die frohe Botschaft des Gottesreiches, er hat nur getan, was dem Vater gefällt. Darum kamen so viele Menschen zum Glauben an ihn.

Worte und Taten stimmten überein. Jesus wirkt auch in deinem Leben Wunder und spricht zu dir Worte voller Hoffnung und Wahrheit. Kannst du sie erkennen? Bringen sie dich zum Glauben an ihn?

Frage: Wie und wo erfährst du in deinem eigenen Leben das Wirken Jesu und die Gegenwart Gottes?

Häufige Fragen zu Joh 8, 21-30

Was bedeutet Joh 8, 21-30?

Dieser Abschnitt schildert die Zuspitzung der Debatte im Tempel über die Herkunft, Identität und Zukunft Jesu. Das Geschehen offenbart die unüberbrückbare Kluft zwischen der himmlischen Welt Jesu und der irdischen Befangenheit seiner Gegner, kündigt seine Erhöhung am Kreuz an und führt trotz des Unverständnisses vieler Zuhörer zum Glauben mancher Menschen.

Welche verhängnisvolle Warnung spricht Jesus bezüglich des Scheidens aus dieser Welt aus?

Jesus erklärt seinen Zuhörern erneut, dass er fortgeht und sie ihn suchen werden, aber in ihrer Sünde sterben werden, weil sie dorthin, wo er hingeht, nicht kommen können. Als die jüdischen Autoritäten spöttisch fragen, ob er sich etwa selbst töten wolle, stellt Jesus den grundlegenden Gegensatz klar: Sie sind von unten, er ist von oben; sie sind von dieser Welt, er ist nicht von dieser Welt.

Unter welcher Voraussetzung stellt Jesus die Rettung vor dem Sterben in den Sünden?

Jesus betont drastisch, dass seine Zuhörer in ihren Sünden sterben werden, wenn sie nicht glauben, dass er es ist („Ich bin es“ / Ego Eimi). Damit fordert er den Glauben an seine göttliche Bevollmächtigung und Identität als unabdingbare Rettung ein.

Auf welches künftige Ereignis verweist Jesus zur Enthüllung seiner wahren Identität?

Als sie ihn fragen, wer er sei, verweist Jesus auf sein von Anfang an gesagtes Wort und erklärt, dass sie dann, wenn sie den Menschensohn erhöht haben werden, erkennen werden, dass er es ist. Die Erhöhung am Kreuz ist der Ort, an dem seine völlige Übereinstimmung mit dem Vater offenbar wird.

Wie reagiert der Vater auf das Handeln des Sohnes und welche Wirkung hat Jesu Rede?

Jesus bezeugt, dass der Vater, der ihn gesandt hat, bei ihm ist und ihn nicht allein gelassen hat, weil er allezeit das tut, was dem Vater gefällt. Als er diese tiefgründigen Worte spricht, gelangen viele der Zuhörer zum Glauben an ihn.

Joh 8, 12-20 Jesus, das Licht der Welt
Joh 8, 31-47 Die Wahrheit macht frei