Mt 22, 15-22:
Auslegung und Andacht
Über die Zahlung von Steuern

Mt 22, 15-22 im Überblick: Eine detaillierte Bibelarbeit zur Frage über die Zahlung von Steuern in Matthäus 22, 15 bis 22. Erfahre, was die Aussagen des Textes für dich persönlich bedeuten.

Mt 22, 15 Pharisäer beschließen Falle

Mt 22,15: Da gingen die Pharisäer und hielten Rat, wie sie ihn in der Rede fangen könnten.‭

Wie sie ihn in der Rede fangen könnten

Nach den drei scharfen Gleichnissen Jesu im Tempel von Jerusalem – den zwei Söhnen (Mt 21,28–32), den bösen Winzern (Mt 21,33–46) und dem königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22,1–14) – schlägt die Konfrontation der religiösen Elite mit Jesus in eine gezielte Falle um. Vers 15 leitet eine Reihe von Fangfragen ein (Steuerfrage, Auferstehung, größtes Gebot), mit denen die Pharisäer versuchen, Jesus politisch oder theologisch zu Fall zu bringen.

Es handelt sich nicht mehr um eine spontane Debatte, sondern um ein systematisch geplantes Vorgehen. Die Pharisäer erkennen, dass Jesus mit Seinen Gleichnissen sie gemeint hat (Mt 21,45), und suchen nun nach einem rechtlichen und rechtfertigbaren Vorwand, um Ihn zu beseitigen.

Die Tücke des heuchlerischen Herzens

Sie kamen nicht, um zu lernen, sondern um zu richten. Wo die Sucht nach Selbstrechtfertigung herrscht, da wird die Wahrheit nicht mehr gesucht, sondern bekämpft. Die Pharisäer tragen ein zweifaches Herz: Auf den Lippen tragen sie schmeichelnde Worte ('Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist', V. 16), aber im Herzen tragen sie den Dolch des Hasses. Andacht von Augustinus

Mt 22, 16 Herodianer stellen Fangfrage

Mt 22,16: ‭Und sie sandten ihre Jünger samt den Herodianern zu ihm, die sprachen: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst die Person der Menschen nicht an.‭

Wir wissen, dass du wahrhaftig bist

Sie beginnen mit einer schmeichelnden Anrede und betonen seine Wahrhaftigkeit und Unbestechlichkeit. Dies soll ihn in Sicherheit wiegen, bevor sie ihn mit der Frage konfrontieren, ob es rechtens sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen.

Die Szene zeigt die Heuchelei der Fragenden: Sie erkennen Jesu Integrität an, doch ihre Absicht ist böse.

Jesus durchschaut ihre List und antwortet weise, indem er zwischen weltlicher und göttlicher Autorität unterscheidet (Mt 22,21).

Diese Passage lehrt Wahrhaftigkeit, Weisheit im Umgang mit Feinden und die Trennung zwischen staatlicher und göttlicher Ordnung.

Auslegung - Frage: In welchen Bereichen deines Lebens gelingt es dir, zwischen äußerem Druck und innerer Wahrheit zu unterscheiden?

Mt 22, 17 Frage nach der Steuer

‭Mt 22,17: Darum sage uns, was meinst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?‭

Jesu Dilemma mit dieser Frage war einfach

Wenn er sagte, dass Steuern gezahlt werden sollten , könnte er beschuldigt werden, die Souveränität Gottes über Israel zu leugnen (was sich beim jüdischen Volk unbeliebt macht). Wenn er sagte, dass keine Steuern gezahlt werden sollten, machte er sich selbst zum Feind Roms.

Die Falle

Im diesem Evangelium sehen wir, wie Pharisäer sich zusammentun und sich absprechen, um Jesus eine Falle zu stellen. Ihr Ansehen beim Volk schwindet immer mehr dahin, weil das Volk zu Jesus strömt, um ihm zuzuhören. Also muss ein Plan her, eine List. Jesus muss in die Ecke gedrängt werden, damit er sich selber sein Grab schaufeln kann.

Das Thema der Steuern ist in dieser Zeit ein heißes Eisen, für viele Juden ist es mehr als nur ein Ärgernis, an die heidnischen Römer Abgaben zahlen zu müssen: Es ist eine Demütigung. Also ein gutes Thema, um Jesus vor dem ganzen Volk bloßzustellen. Das Thema ist gefunden, die Falle zum Zuschnappen bereit, nun kann man zum Meister gehen.

Auslegung - Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich gespürt, dass äußere Erwartungen mich in die Enge treiben, und wie kann ich lernen, trotzdem meinen inneren Überzeugungen treu zu bleiben?

Mt 22, 18 Jesus durchschaut Heuchelei

Mt 22,18: ‭Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich?‭

Jesus kennt das Innere

Es liegt also das erste Wunder des Antwortenden darin, daß er das Innere der Fragenden kennt, und sie nicht Jünger, sondern Versucher nennt. Heuchler heißt also der, welcher etwas Anderes ist und etwas Anderes heuchelt.

Ihr Heuchler

Mit der Frage selbst tritt die Provokation sofort offen zutage. Die Reaktion ist eindeutig: Ihr Heuchler! Jesus sagt dies sicher nicht nur voller Ärger, sondern auch voll Trauer. Was soll denn dieses Versteckspiel? Welche Eitelkeit. Und wie schade, dass nun im Schlepptau dieser Eitelkeit die religiöse Frage vorgeschützt wird. Es ist doch klar, dass das Thema nur ein Vorwand ist. Andacht von Mariano Ballestrem

Mt 22, 19 Steuergroschen zeigen gelassen

‭Mt 22,19: Zeigt mir die Steuermünze! Da reichten sie ihm einen Denar.‭

Selbstüberführung der Fragesteller

Das Herbeibringen und Vorzeigen des Denars offenbart die Doppelmoral der Pharisäer: Sie befanden sich im heiligen Tempelbezirk von Jerusalem und trugen dennoch eine heidnische, römische Münze bei sich.

Mt 22, 20 Bild und Aufschrift erfragt

Mt 22,20: ‭Und er spricht zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?‭

Mt 22,20: Da fragte er: Wessen Bild und Name ist darauf?

Das Bildnis

Der Denar trug das Profilbild des regierenden Kaisers Tiberius. Im antiken Orient galt das Münzbild nicht bloß als dekoratives Zeichen, sondern als Besitzstempel und Repräsentation des Herrschers: Wo die Münze eines Königs zirkuliert, dort gilt sein Herrschaftsanspruch, sein Schutz und sein Recht.

Wer trägt deinen Namen?

Auf dem Denar steht der Name des Irdischen Herrschers geschrieben. Welcher Name steht auf deinem Herzen geschrieben? Wenn du auf die Welt getauft bist, trägst du die Inschrift der Welt. Wenn du aber in Christus getauft bist, ist die Aufschrift deines Herzens der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lass nicht zu, dass der Feind seinen Namen über das Eigentum Gottes schreibt. Andacht von Augustinus

Mt 22, 21 Gebet dem Kaiser Gottes

Mt 22,21: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Was gebe ich Gott?

Es ist eine Frage, die in unserem Leben nie an Aktualität verliert: Was gebe ich Gott? Ist Er wirklich das Wichtigste in meinem Leben? Wem gehört mein Herz?

Wir müssen unser ganzes Wesen Gott weihen, denn sein Ebenbild tragen wir in uns. Während seines ganzen Lebens redet Jesus Christus von der Möglichkeit zu wählen. Wir sind dazu berufen, uns zu entscheiden, und die Alternativen sind klar: unser Leben nach den Werten dieser Welt oder nach den Werten des Evangeliums auszurichten.

Für die Wahl und die Bekehrung ist es nie zu spät, wir können unser Leben immer nach der Dynamik Gottes neu gestalten. Im Gebet wird uns offenbart, was Gott von uns erwartet. Wer sich für Gott entscheidet, wird Ihn in sich tragen.

Auslegung - Frage: In welchen Bereichen meines Lebens habe ich Raum geschaffen, um Gottes Gegenwart bewusst zu spüren und ihm mein Herz vollständig zu öffnen?

Andacht von Hilarius

Wir müssen Gott geben, was ihm gehört, das heißt den Leib, die Seele und unsere Willenskraft. Diejenige Goldmünze gehört dem Kaiser, die sein Bild trägt. Die Münze aber, die Gott gehört, ist der Mensch, in den das Bild Gottes eingezeichnet ist. Darum gebt euren Reichtum dem Kaiser, euer reines Gewissen aber bewahrt für Gott.

Mt 22, 22 Staunend weggegangen

Mt 22,22: ‭Als sie das hörten, verwunderten sie sich, und sie ließen ab von ihm und gingen davon.‭

Staunen ohne Liebe ist nutzlos

Die Pharisäer hörten das Wort des Herrn und wunderten sich. Aber was nützt das Staunen des Verstandes, wenn das Herz verhärtet bleibt? Auch die Dämonen staunen und zittern (Jak 2,19), aber sie lieben nicht. Das Staunen der Gegner war kein Anbeten der Barmherzigkeit, sondern das mürrische Erstaunen der besiegten Verschlagenheit. Andacht von Augustinus

Das Verlassen des Lichts

Bedenke die Worte des Evangelisten: 'Sie ließen von ihm ab und gingen davon.' O welch elender Rückzug! Sie gingen weg vom Licht in ihre eigene Finsternis, weg vom Arzt mit ihren ungeheilten Wunden, weg von dem Lebensquell zurück in ihre ausgetrockneten Zisternen (Jer 2,13). Wer von Christus weggeht, wohin kann er gehen, als in seinen eigenen Untergang? Andacht von Augustinus

Sie ziehen ab

Das Weggehen offenbart die innere Tragik dieser Begegnung: Obwohl sie die göttliche Weisheit aus nächster Nähe gehört und bewundert haben, führt dieses Staunen sie nicht zur Umkehr oder zum Glauben, sondern zum bloßen Rückzug in den eigenen Groll. Sie verlassen Jesus unverändert.

Andacht - Fragen zu Mt 22, 15-22

Was bedeutet Mt 22, 15-22?

Die Erzählung von der Frage nach der Steuer an den Kaiser berichtet davon, wie die Pharisäer und Herodianer versuchen, Jesus mit einer Fangfrage zur römischen Besatzungsmacht in die Enge zu treiben. Das Geschehen verdeutlicht, dass die Pflichten gegenüber weltlichen Autoritäten und die Hingabe an Gott auf zwei verschiedenen Ebenen liegen und der Mensch als Ebenbild Gottes ihm ganz gehört.

Warum verbünden sich Pharisäer und Herodianer gegen Jesus?

Obwohl die romkritischen Pharisäer und die romfreundlichen Herodianer politisch verfeindet sind, schließen sie sich zusammen, um Jesus zu Fall zu bringen. Sie stellen ihm eine Falle, bei der jede einfache Antwort falsch wäre: Ein Nein hätte als römische Rebellion gegolten, ein Ja als Verrat am jüdischen Volk.

Welche Bedeutung hat die Münze mit dem Bild des Kaisers?

Jesus lässt sich die Steuermünze zeigen und weist auf das eingeprägte Bildnis und die Aufschrift des Kaisers hin. Da das Geld das Eigentum des Herrschers widerspiegelt, stellt Jesus klar, dass materielle und staatliche Pflichten dem Kaiser erstattet werden können, ohne Gott die Ehre zu rauben.

Was bedeutet die Aufforderung, Gott zu geben, was Gottes ist?

So wie die Münze das Bild des Kaisers trägt, so trägt der Mensch das Bild Gottes in sich. Jesus fordert seine Zuhörer auf, Gott nicht bloß Abgaben, sondern das eigene Herz, die eigene Existenz und den uneingeschränkten Gehorsam zu schenken.

Was ist die zentrale Botschaft von Mt 22, 15-22?

Die Begebenheit lehrt die Unterscheidung zwischen weltlicher Ordnung und göttlichem Anspruch. Sie fordert dazu auf, seinen zivilen Verpflichtungen nachzukommen, aber die höchste Loyalität und das eigene Leben ungeteilt Gott zu weihen.

Andacht zu Mt 22, 1-14 Das Hochzeitsmahl
Andacht zu Mt 22, 23-33 Über die Auferstehung