Mk 10, 46-52 Jesus heilt blinden Bartimäus

Vers 46 Bartimäus in Jericho

Mk 10,46: An der Straße saß ein Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn von Timäus.

Der blinde Bartimäus

Aus eigener Kraft blind, Gott und seinen Willen zu erkennen.
Arm und bettelnd, weil wir nichts aus uns selbst haben und sind.

Das Eingeständnis meiner Blindheit und meiner Armut ist der erste Schritt hin zu Gott.

Du nun, der du an der Straße stehst, am Rande dieses so kurzen Lebensweges, du nun, dem Licht fehlt; du nun, der du Gnade benötigst, gerade wenn du wie Bartimäus in einer elenden Lage bist oder kommen wirst: Vertraue in allem Gott.

Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles.

Peter Strauch: Das Eingeständnis meiner Blindheit und die Bitte um geöffnete Augen waren ein erster und wichtiger Punkt der Therapie Gottes in meinem Leben.

Frage: Wo in deinem Leben spürst du, dass du deine eigene Kraft loslassen und Gott vertrauen darfst?

An der Straße saß ein Blinder

Bartimäus saß am Straßenrand, er war alleine, ausgegrenzt, und niemand beachtete ihn. Er war arm, er hatte kein Geld. Er musste betteln. Er war auch seelisch arm.

Er saß in der Dunkelheit, war verzweifelt, konnte nicht sehen. Finsternis umgab ihn, er hatte keine Hoffnung. Sicher war er traurig und hatte Angst in seiner Situation. Er hatte keine Perspektive. Er sehnte sich danach, dass wieder Licht und Hoffnung in sein Leben kommt.

Vielleicht betrifft dich diese Geschichte an irgendeinem Punkt in deinem Leben, vielleicht hast du schon ähnliche Situationen erlebt:
Fühlst du dich vielleicht gerade einsam, alleine oder ausgegrenzt?
Wirst du von anderen übersehen, nicht beachtet?
Hast du eine finanzielle Not?
Befindest du dich in einer seelischen Not?
Ist es dunkel um dich herum?
Bist du verzweifelt?
Kannst du keine Perspektive, keinen Ausweg sehen?
Bist du hoffnungslos?
Bist du traurig?
Hast du Angst?
Sehnst du dich nach Licht und Hoffnung für dein Leben?

Ulrike Puintner

Frage: Wo in deinem Leben sehnst du dich danach, dass Gott dir neues Licht, Trost und Hoffnung schenkt?

Vers 47 Ruf nach Erbarmen

Mk 10,47: Als er hörte, dass es Jesus aus Nazareth war, der vorbeikam, begann er laut zu rufen: Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Began er laut zu rufen

Er sucht Kontakt zu Jesus. Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft. Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft.

Der Ruf des blinden Bartimäus Kyrieleison (Hab Erbarmen mit mir) hat Eingang gefunden in die Liturgie der Kirche. Dieser Bittruf ist ein Bekenntnis zu Jesus, unseren Erlöser und Heiland. Auch wir können uns dieses Gebet zu eigen machen.

Es ist ein Gebet für uns alle. Es kann uns helfen, immer und überall in der Gegenwart Gottes zu leben. Es kann helfen, immer wieder neu von der Blindheit des Herzens befreit zu werden und die heilende Kraft des Glaubens zu erfahren.

Augustinus: Es ist schon ein Teil des Findens, wenn du weißt, was du zu suchen hast.

Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute die heilende Gegenwart Gottes, um innerlich klarer sehen zu können?

Glaube des Bartimäus

Was mich an dieser Geschichte besonders fasziniert, ist der Glaube und die Überzeugung von Bartimäus. Obwohl er blind war und Jesus nie gesehen hatte, hat er sich im Herzen für Jesus entschieden und setzte sein ganzes Vertrauen auf ihn.

Viele Menschen, die Jesus sahen, seine Wunder und Taten miterlebten, hatten nicht einen so großen Glauben. Sie glaubten trotz der Wunder, die sie mit eigenen Augen sahen, nicht an ihn. Ich denke, ihre Herzen waren verschlossen für die Liebe und das Wirken Gottes. Sie konnten zwar sehen und waren doch blind.

Die Augen des Herzens sehen weiter. Vertraust du Jesus von ganzem Herzen? Kannst du seine Liebe mit den Augen des Herzens sehen? Hast du eine Herzensentscheidung getroffen?

Frage: Wie offen ist dein Herz wirklich für die Liebe und das Wirken Gottes in deinem Leben?

Andacht von Andrés Poblete

Wie lange hat Bartimäus darauf gewartet, dass Jesus an ihm vorübergeht? Sicherlich eine lange Zeit.

Da Bartimäus als Blinder ein gutes Gehör entwickelt hatte, erkannte er sofort, als er von Jesus hörte, dass er der Sohn Davids, der Messias ist und dass er ihn heilen konnte.

Machen wir auch Stille in unseren Sinnen, in unserem Leben, um das Ohr unseres Herzens zu schärfen und die süße Stimme Jesu zu erkennen, der auch heute an unserer Seite vorübergeht.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich innehalten, um die leise Stimme des Göttlichen bewusster wahrzunehmen?

Kommentar von Natalie K.

„Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!”

Wie bete ich? Flüstere ich? Hier geht es nicht um die Lautstärke meiner Stimmbänder. Flüstere ich geistig, weil ich meine, dass Gott wichtigere Probleme hat als die meinen? Flüstere ich, weil ich eigentlich nicht wirklich glaube, dass Gott meine Gebete erhört?

„Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen.” Ja, viele in meinem Umfeld sind ärgerlich darüber, dass ich bete, viele befehlen mir zu schweigen: „Gott ist tot”, „Wo ist jetzt dein so starker Gott?”, Sätze, mit denen ich manchmal täglich konfrontiert werde. Übertönen diese Stimmen das Gebet in meinem Herzen?

„Er aber schrie noch viel lauter.” Werde ich leiser und unsicherer, wenn Gegenwind kommt, oder wird mein Gebet lauter, noch viel lauter?

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich meinem inneren Gebet mehr Raum geben, selbst wenn äußere Stimmen widersprechen?

Vers 48 Viele wollen ihn schweigen

Mk 10,48: ‭Und es geboten ihm viele, er solle schweigen; er aber rief noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich!

Auslegung von Andrés Poblete

Die Welt, das Fleisch und der Teufel wollen nicht, dass wir auf Gottes Stimme hören und ihr folgen. Sie werden uns wie die Menge im Evangelium sagen, dass wir aufhören sollen, zu Gott zu beten, dass es sich nicht lohnt, Gott mit unserem Schreien zu belästigen, dass nichts etwas an unserer Situation als blinde Bettler und Sünder ändern kann.

Angesichts dieser Versuchungen gibt uns Bartimäus ein Beispiel, indem er noch lauter zu schreien begann:

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Nichts kann mich von der Liebe Christi trennen, weder Bedrängnis noch Not, weder Verfolgung noch Schwert, weder Hunger noch Gefahr.

Vertrauen wir darauf, dass Christus trotz der Stärke der Versuchung, trotz der Größe meiner Sünde, mein Gebet erhört. Er hört mein Schreien und wie der Vater des verlorenen Sohnes kommt er mir entgegengelaufen, wirft seine Arme um mich und küsst mich.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Liebe Christi am stärksten, und wie kann ich ihr noch mehr Raum geben?

Vers 49 Jesus lässt ihn rufen

Mk 10,49: ‭Und Jesus stand still und ließ ihn zu sich rufen. Da riefen sie den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf; er ruft dich!

Mk 10,49: Nur Mut! Steh auf, Jesus ruft dich!

Jesus ruft dich

Ihm geht es um den einzelnen Menschen. Diesem Menschen schenkt er seine ganze Zuwendung.

Jesus ruft Bartimäus und er ruft auch uns, dich und mich ganz konkret. Der Herr sucht und ruft uns in jedem Augenblick. Das ist christliche Berufung!

Jesus ist nicht eine Gestalt der Vergangenheit. Er lebt, und als Lebender geht er uns voraus und ruft uns, ihm, dem Lebenden nachzugehen und so selber den Weg des Lebens zu finden.

Mache dir bewusst, dass Jesus täglich auf deinen Wegen daherkommt, um dich zum Leben zu führen.

Der Ruf Gottes ist wie der Ruf des Meeres: Man kann nicht eindeutig sagen, wozu Gott uns ruft; es ist der Ruf in eine Beziehung mit ihm selbst. Oswald Chambers 

Frage: Wo in meinem Alltag nehme ich die Einladung Jesu wahr, mir bewusst Zeit für sein Leben und seine Führung zu schenken?

Zum Mut

Mut – ein großes Thema: 365 mal in der Bibel heißt es „Fürchte dich nicht“ und noch häufiger wird zum Mut aufgerufen. Das ist also echt ein großes biblisches Thema.

Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern: ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen und vieles mehr. Es gibt viele Momente, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen.

Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen – nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute den Mut finden, auf Gottes Zuspruch zu vertrauen und einen Schritt voranzugehen?

Nur Mut

Ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, das Treffen wichtiger Entscheidungen und vieles mehr – es gibt zahlreiche Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden, anstatt uns ihnen zu stellen.

Mut bedeutet, genau diesen Momenten des Lebens nicht auszuweichen. Er bedeutet, sich ihnen zu öffnen – nicht allein, sondern mit ihm. Aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet, können wir selbst in herausfordernden Zeiten Ruhe und Stärke finden.

Die Tugend des Mutes ist unverzichtbar, denn ohne sie ist kein Vorankommen möglich. Nur wer den Mut aufbringt, kann das Gute, das er sich wünscht, auch tatsächlich tun. „Wer den Mut zum Leben verloren hat, ist zu nichts mehr in der Lage.“ (Spr 18:14)

Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du bereits Mut gespürt, und wie hat dich dieses Vertrauen innerlich getragen?

Kommentar von Eva Gloserová

Jesus antwortet auf den Ruf von Bartimäus, indem er selbst ihn zu sich ruft. Er nimmt seine Bitte an, indem er noch mehr Vertrauen und tatkräftigen Glauben verlangt: Komm!

Kann es sein, dass Gott auch von mir erwartet, dass ich ihn nicht nur bitte, sondern auch im Glauben Schritte auf ihn zugehe? Was könnte das für mich bedeuten?

Ich kann auch weiter Bartimäus betrachten, wie er auf die Einladung Jesu reagiert: Er wirft seinen Mantel, eine gewisse Sicherheit (seine einzige), ab und eilt begeistert zum Meister, den er nicht sehen kann.

Die anderen ermutigen ihn. Wie schön ist es, wenn wir rund um uns Menschen haben, die uns auf dem Glaubensweg ermutigen und stärken!

Frage: Welche Schritte des Vertrauens und Glaubens könnte ich heute wagen, um meinem eigenen spirituellen Weg näher zu kommen?

Hab Erbarmen mit mir

Jeder Mensch, der die Finsternis kennt, die aus ihm einen Blinden macht, soll aus ganzer Seele schreien: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir.

Aber hören wir auch das, was auf die Schreie des Blinden folgt: Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Was sind das für Leute? Sie stellen die Begierden unseres irdischen Daseins dar, die Unruhestifter, die menschlichen Laster und ihr Getümmel, die, weil sie das Kommen Jesu in uns verhindern wollen, unser Denken durcheinanderbringen, indem sie Versuchung säen und die Stimme unseres Herzens beim Gebet übertönen.

Es geschieht nämlich oft, dass unser Vorsatz, uns Gott wieder neu zuzuwenden, unser Bemühen, unsere Sünden durch Gebet abzuweisen, durch Bild und Eindruck der Begierden verhindert wird: Im Kontakt mit ihnen lässt die Wachsamkeit unseres Geistes nach. Sie stiften Verwirrung in unserem Herzen und ersticken den Schrei unseres Gebets.

Was hat dieser Blinde also getan, um trotz der Hindernisse sein Augenlicht wiederzuerlangen? Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Ja, je mehr der Tumult unserer Begierden uns bedrängt, umso inständiger müssen wir beten. Je lauter die Stimme unseres Herzens übertönt wird, umso energischer muss diese dagegenhalten, bis sie den Lärm der auf sie einstürmenden Gedanken übertönt und an das treue Ohr des Herrn dringt.

Jeder, so meine ich, wird sich in folgender Situation wiedererkennen: in dem Augenblick, da wir uns bemühen, unser Herz von dieser Welt abzuwenden, um es zu Gott zurückzubringen, belästigen uns bereits viele Eindringlinge, die wir bekämpfen müssen. Ein ganzer Schwarm ist es, den die Sehnsucht nach Gott nur schwer aus den Augen unseres Herzens verscheuchen kann.

Beten wir aber energisch weiter, dann halten wir mit unserem Geist den vorübergehenden Jesus an. Das Evangelium berichtet ja: Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen.

Frage: Welche inneren Stimmen oder Ablenkungen stören heute meinen Weg zu Gott, und wie kann ich mein Herz energischer für seine Gegenwart öffnen?

Vers 50 Mantel abgeworfen

Mk 10,50: ‭Er aber warf seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus.

Er kam zu Jesus

Jesus ruft uns, damit wir als Blinde auf ihn zugehen. Hätte Jesus nicht auf ihn zugehen können? War das nicht eine große Zumutung, einen Blinden durch die Menschenmenge zu sich zu rufen?

Und doch ist es auch in unserem Glaubensleben so. Jesus ruft uns zu sich, er fordert uns heraus, will, dass wir über unsere Grenzen hinausgehen, blind auf Jesus zugehen. Das bedeutet, dass wir uns nur nach seiner Stimme richten können. Und dabei trägt uns das Vertrauen, dass er niemals zulassen wird, dass wir zu Fall kommen.

„Bringt das Volk her, das blind ist, obwohl es Augen hat, und taub obwohl es Ohren hat. Ihr seid meine Zeugen.” (Jes 43,8.10)

Gehen wir blind auf Jesus zu, dann wird er zu unserem Licht! Nur wer den Mut hat, auf Jesus zuzugehen, ohne alles unter Kontrolle zu haben, wird dieses wahre Licht erkennen können. Das verlangt von uns, unsere Komfortzone zu verlassen, diese Ecke am Straßenrand, die ich doch schon kenne.

Es stellt sich nun die entscheidende Frage: „Will ich sehen? Will ich es wirklich?” Welche Komfortzonen und Sicherheiten muss ich verlassen, um einen Schritt auf Jesus zuzugehen?

Frage: Welcher Schritt in deinem Leben könnte dir heute helfen, vertrauensvoll blind auf Jesus zuzugehen und sein Licht zu erfahren?

Wegwerfen des Mantels

Nun handelte Bartimäus entschlossen: Er warf seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu (Mk 10, 50). Dieser Mantel war nicht bloß der einzige Besitz des Blinden – er war sein Zuhause, seine Schlafstätte, seine Zuflucht. Doch auf den Ruf des Herrn hin erkannte er, was wirklich wichtig war. Vergiss nicht, dass, um zu Christus zu gelangen, das Opfer nötig ist; es ist nötig, alles wegzuwerfen, was stört. Auch wenn Bartimäus eine Verrücktheit zu begehen schien, indem er das Wenige, das er besaß, aufgab, tat er in Wirklichkeit das Allervernünftigste: Er näherte sich jenem, der ihm den „Mantel“ seiner Menschheit wiedergeben konnte. In Jesus findet Bartimäus ein neues Zuhause, einen neuen Ruheort, eine neue Zuflucht, die seine verwundete Menschheit heilen wird.

Vers 51 Dass ich sehen kann

Mk 10,51: ‭Und Jesus begann und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde!

Der Mantel

Der Mantel, verstanden als angezogene Hülle, kann für den durchaus sinnvollen Schutz stehen, den wir uns aneignen, um in der Welt leben zu können: sich abgrenzen zu können, nicht jedem sich komplett zu öffnen und Ähnliches.

Ist es im zwischenmenschlichen Bereich durchaus oft sinnvoll, bildhaft gesprochen einen Mantel zu tragen, so müssen wir, um in eine echte, authentische Beziehung zu Jesus zu treten, diesen Mantel zur Seite werfen.

Um Christus zu begegnen, müssen wir Dinge, die uns binden, loslassen. Sind wir nun in einer unverhüllten Beziehung zu Jesus, dann sprechen wir mit ihm, unserem Herrn, wie mit einem Freund, zu dem wir mit allem kommen dürfen.

Hier mischen sich Anbetung und das Herz-zu-Herz-Gespräch im Gebet. Dem Herrn geht es doch nicht um viele Worte, sondern um unser Herz. So stellt auch Jesus täglich mir die Frage: Was willst du, was ich für dich tun soll? Was möchte ich Ihm jetzt sagen?

Versuche einfach, diese Frage zu beantworten.

Frage: Welche inneren Hüllen darf ich loslassen, um Jesus heute wirklich ungehindert zu begegnen?

Ich möchte sehen

Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die - wie das Evangelium uns berichtet - der arme Blinde zu Ihm sprach: "Domine, ut videam!" - Herr, ich möchte wieder sehen können! Laß mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein!

Zur Heilung des Blinden

Diese Heilung ist die letzte Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht. Nicht zufällig ist es die eines Blinden. Nur im tiefen Sehen und Betrachten seiner Passion können wir das Erlösungswerk erahnen, das Christus für uns vollbracht hat.

Das ist der erste Aspekt. Der zweite Aspekt: Oft kann es finster in unserer Seele werden, und wir sehen keinen Weg mehr, wie es weitergehen kann. Jesus ist derjenige, der uns die Hände auf die Augen legt, die Angst aus unserer Seele nimmt und der es möglich macht, dass wir den Himmel offen sehen. Er ist ja das Licht der Welt.

Wenn es Nacht in deiner Seele ist, dann schrei wie der blinde Bartimäus nach dem Licht: Herr, lass mich sehen – sowohl den Weg, den du für mich gegangen bist, wie auch den Weg, den ich in deiner Vorsehung gehen soll.

Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich nach dem Licht, das nur Jesus schenken kann, und welche Schatten darf ich ihm übergeben, um wirklich sehen zu können?

Vers 52 Dein Glaube hat geholfen

Mk 10,52: Darauf antwortete Jesus: Geh! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen.

Mk 10:52: Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Dein Glaube hat dir geholfen

Glaube ist ein Ergriffenwerden von der göttlichen Kraft, die wir Liebe nennen. Allein aus dieser Liebe lebt der Mensch, und alle Sakramente und Gebete, alle Riten und Formeln der Kirche hatten und haben nur den Sinn, dich des Vertrauens zu versichern, dass diese Liebe dich niemals verlassen werde.

Jesus macht mir bewusst, welch große Kraft in meinem Glauben an dieses Licht verborgen ist. Von meinem Glauben hängt die Wirkung Seiner heilenden Macht ab. Im herzlichen Gespräch mit Jesus bitte ich Ihn um das Geschenk eines starken Glaubens.

Der Glaube des Blinden hat ihn gerettet, weil es ein besonderer Glaube war. Es war der Glaube, der entschlossen war, Jesus zu erreichen, je lauter er schrie, desto stärker wurde seine Zuversicht. Es war der Glaube, der wusste, wer Jesus war – Sohn Davids. Es war der Glaube, der demütig zu Jesus kam: erbarme dich meiner.

Es war der Glaube, der sich Jesus demütig unterwarf: Rabboni. Es war der Glaube, der Jesus sagen konnte, was er wollte: dass ich sehend werde.

Corrie ten Boom: Der beste Weg, das Leben eines anderen zu erreichen, ist, ihm so einfach wie möglich zu sagen: Ich war blind, nun kann ich sehen.

Frage: Welcher Teil meines Glaubens lädt mich heute ein, mich der Liebe Gottes mutig und vertrauensvoll zu übergeben?

Andacht von Jean-Otto Domanski

Er sagt nicht: Ich habe dir geholfen. Oder: Gott hat dir geholfen, obwohl das zweifellos richtig gewesen wäre. Er sagt: Dein Glaube hat dir geholfen. Jesus würdigt das Vertrauen. Dein Vertrauen hat dir geholfen, so kann man den Satz Jesu auch übersetzen.

Glaube und Vertrauen sind in der Sprache der Bibel dasselbe Wort. Ich kenne viele, denen dieses Vertrauen geholfen hat. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und tun, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren sich die Hilfe, die sie bekommen können. Und was nicht in ihrer Macht steht, vertrauen sie Gott an.

Zugleich wissen sie, dass man dieses Vertrauen – gerade wenn es einem schlecht geht – nicht machen kann. Es ist ein Geschenk. Aber auch darum kann man bitten.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du gespürt, dass Vertrauen größer ist als alles, was du selbst tun kannst?

Auslegung von Papst Franziskus

Gott hört immer auf den Schrei der Armen und ist nicht im Geringsten gestört durch die Stimme des Bartimäus, ja er merkt, dass sie voller Glauben ist, einem Glauben, der sich nicht scheut, zu insistieren, an das Herz Gottes zu klopfen, trotz des Unverständnisses und der Vorwürfe.

Und hier liegt die Wurzel des Wunders. Tatsächlich sagt Jesus zu ihm: Dein Glaube hat dich gerettet. Jeder von uns stelle sich die Frage: Wie steht es um mein Gebet? Ist es mutig, hat es die gute Eindringlichkeit des Gebets des Bartimäus, versteht es, den Herrn, wenn er vorübergeht, am Arm zu packen, oder begnügt es sich damit, ihm ab und zu einen förmlichen Gruß zu entbieten, wenn ich mich daran erinnere?

Diese lauen Gebete helfen überhaupt nicht. Und dann: hat mein Gebet „Substanz“, entblößt es mein Herz vor dem Herrn? Bringe ich ihm die Geschichte und die Gesichter meines Lebens? Oder ist es blutarm, oberflächlich und besteht aus Ritualen, die der Zuneigung und des Herzens ermangeln?

Frage: Wie kann ich mein Gebet heute so gestalten, dass es meinem Herzen wirklich Ausdruck verleiht und Gottes Nähe spürbar macht?

Er ging mit Jesus.

Bartimäus hat nicht nur sein Augenlicht wiedererlangt. Es gehen ihm auch die Augen auf für Jesus. Er wird sehend für Jesus und seinen Weg. Bartimäus schließt sich Jesus an. Aus dem Blinden wird ein Sehender und Nachfolger Christi.

Während die anderen Jünger noch weithin blind sind für Jesus und seine Sendung, nichts verstehen und nichts begreifen, ja, Jesus sogar von seinem Weg abbringen wollen, sich unterwegs streiten, wer von ihnen der Größte ist und die ersten Plätze im Reich Gottes reklamieren, folgt Bartimäus von sich aus Jesus auf seinem Weg.

Es ist der Weg hinauf nach Jerusalem, dem Leiden und Kreuz entgegen. Es ist die Straße nach Jerusalem, wo sich das Pascha erfüllen wird, sein Pascha-Opfer, in dem sich der Messias für uns hingibt.

Frage: Wo im eigenen Leben darf ich heute meine Blindheit ablegen, um Jesus klarer zu sehen und seinem Weg zu folgen?

Folgte Jesus nach

Der nun geheilte und gerettete blinde Bartimäus folgte Jesus nach. Der Weg Jesu wurde zu seinem Weg. Dies war besonders bedeutsam, wenn wir bedenken, wohin Jesus zu dieser Zeit ging: nach Jerusalem, wo ein Kreuz auf ihn wartete.

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