Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Wochenthema vom 6.2-19.2.22 über Lk 6,27-38

Samstag: Mit welchem Maß messen wir

Mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch wieder zugemessen werden. Lk 6:38

Wer sind wir, um über andere zu richten? Wer richtet, erweist sich als Feind der Barmherzigkeit. Wer dagegen großherzig ist, kann über menschliche Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Achte darauf, am anderen nicht jede Kleinigkeit zu kritisieren. Meße das Verhalten des Anderen mit einem sanftmütigen Maß. Wir sind doch nicht besser als der andere. Oft handeln wir ebenso schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns dabei. Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht. Wer sich selbst recht beurteilt, hat keinen Grund, über andere scharf zu richten.

Ich nehme mir vor, etwas Nettes über die Person zu sagen, die ich zuletzt kritisch beurteilt oder über die ich zuletzt schlecht gesprochen habe.

Freitag: Gebt, so wird euch gegeben

Gebt, so wird euch gegeben werden; ein gutes, vollgedrücktes und gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß schütten. Lk 6:38

Das darf nicht als Automatismus oder gar Tauschhandel mit Gott verstanden werden. Vielmehr soll es uns ereifern, Gottes Nachahmer zu werden. Ein gutes, überfließendes Maß an Vergebung gibt Gott, so bemühen wir uns nachahmend dem Nächsten zu vergeben. Überreiche Hilfe lässt er uns zukommen, so bemühen wir uns, dem Nächsten zu helfen. Aus der Haltung „Wie Gott mir, so ich dir“ gehen wir in den Tag und handeln danach. Das ist nicht immer leicht. Stellen wir uns darum in den Strom der schenkenden Liebe Gottes, der uns die notwendige Kraft und Weisheit dazu gibt, gute Worte zu sprechen, gute Taten zu tun und zuallerserst gute Gedanken über den anderen zu denken.

Donnerstag: Lossprechen

Sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden! Lk 6:37

Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet.

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann. Hildegard von Bingen

Mittwoch: Verurteilt nicht

Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt. Lk 6:37

Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Dienstag: Richtet nicht

Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Lk 6:37

Geliebter Mensch, richte weder den anderen noch dich selbst. Gewiss verlangt die Vernunft, dass uns unsere wie die Fehler des anderen missfallen und leid tun, aber dieses Missfallen darf nicht bitter, ärgerlich und zornig sein. Ein Fehlverhalten darf und muss sogar wahrgenommen und benannt werden. Aber immer in und mit Liebe. Wenn ich dagegen richte, schaue ich kritisch verurteilend auf den anderen wie auf mich selbst und stehe damit schon außerhalb der Liebe. Der Nächste wie auch ich selbst kann uns Liebenden jedoch niemals Gegenstand verurteilender kritischer Betrachtung sein, sondern er wie auch ich sind jederzeit der lebendige Anspruch auf unsere Liebe. Daher: Richtet nicht! Ein Wort von Franz von Sales ist mir hier zum treuen Begleiter geworden: wenn ich mich schon verfehle, will ich mich lieber durch zu große Milde verfehlen als durch zu große Strenge.

Montag: Barmherzigkeit

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lk 6:36

Selig jene, die den kurzen Augenblick unseres Lebens nutzen, um Erbarmen zu üben. Barmherzigkeit ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitfühlens und Erbarmens in Fülle und halte ihn in uns lebendig. Seien wir barmherzig, üben wir gegen alle Erbarmen, so dass uns nie ein Armer begegnet, den wir nicht trösten, so gut wir können, kein Unwissender, ohne dass wir ihm mit ein paar kurzen Worten sagen, was er braucht, um zu glauben und etwas für sein Heil zu tun. Vinzenz von Paul

Groß ist also das Lob der Barmherzigkeit. Denn diese Tugend macht uns Gott ähnlich.

Sonntag: Das Ausserordentliche Christliche

Liebt eure Feinde und tut Gutes. Lk 6:35

Was ist die vollkommene Liebe? Es ist die Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken. Nach Bonhoeffer ist das Ausserordentliche Christliche der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt. Es ist die größte Tugend, wenn wir die, welche uns schaden wollen, mit Wohltaten überhäufen. Daher: tut Gutes, da wo ihr steht und lebt im Blick auf das Kreuz Christi. Denn das Ausserordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht. Das Ausserordentliche Christliche ist das Kreuz.

Samstag: Der Feind unter dem Kreuz Christi

Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. Lk 6:32

Die Liebe fragt niemals danach, was ihr jemand antut, sondern allein danach, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist. Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete u.ä., desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass und jegliche Abneigung. Es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für alle Menschen ans Kreuz ging. Darin macht uns die Liebe Jesus sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht.

Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder tun dasselbe. Lk 6:33

Freitag: Die goldene Regel

Und wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln sollen, so behandelt auch ihr sie gleicherweise! Lk 6:31

Die Logik des „ich gebe, damit du gibst“ wird gebrochen: Ich gebe nicht, um etwas zurückzubekommen, sondern weil ich weiß, was für mich gut ist, und weil ich will, dass es auch anderen gut geht. Die goldene Regel muss ins Herz dringen, dass sie nicht im Sinne eines Nützlichkeitsdenkens (Du gibst mir – ich gebe dir) verstanden wird, sondern zu einem Leben der Hingabe führt. Wenn du willst, dass man dich liebt, dir hilft, dich tröstet, dich aufbaut und ermutigt usw. dann frage dich, wenn kannst du lieben, wem helfen, wen trösten, wen aufbauen und ermutigen. Heute, hier und jetzt.

Donnerstag: Sich selbst geben

Gib aber jedem, der dich bittet. Lk 6:30

Wir helfen und tun Gutes, wo und wie es Gott für uns vorbereitet hat, jeder auf seine Art und Weise. Wir pflegen unser Herz, dass es innerlich so gross wird, um den anderen aufzunehmen. Wir sollen geben. Beim Geben geht es vor allem darum mich selbst zu geben (Interesse zeigen, sich Zeit nehmen, den anderen bewusst wahrnehmen, mitfühlen u.a.). Dabei ist es wichtig, dies aus einer Haltung heraus zu tun, die erkannt hat, dass wir uns doch letztlich nicht uns selbst, sondern allein Gott gehören. Wenn wir uns also dem anderen zuwenden und uns geben, dann geben wir schlichtweg eben das, was wir selbst empfangen haben: uns selbst. Und Gott möchte, dass wir dies, eben uns selbst, jedem und keine Person ausschließend, weiter geben.

Sich selbst geben ist besser als nur geben. Mutter Teresa

Mittwoch: Unser Wert liegt allein in Gott

Dem, der dich auf die eine Backe schlägt, biete auch die andere dar. Lk 6:29

Mach dich nicht abhängig von der Wertschätzung des Gegenübers, sondern wertschätze den anderen bedingungslos. Andere werden dich immer wieder gewollt oder ungewollt gering schätzend, d.h. ehrlos behandeln. Schlimmste Beleidigung war damals die Ohrfeige, da diese die Ehre angegriff. Unsere Ehre aber kommt allein von Gott, so dass wir getrost auch die andere Wange hinhalten können, d.h. auf jegliches v.a. verbales Zurückschlagen verzichten können. Wenn wir darüber nachdenken, wie Jesus selbst beleidigt und angegriffen wurde (als Vielfraß, Betrunkener, uneheliches Kind, Lästerer, Verrückter usw.), sehen wir, wie er dieses Prinzip selbst lebte. Folgen wir ihm darin nach.

Dienstag: Betet für eure Feinde

Segnet, die euch fluchen, und betet für die, welche euch beleidigen! Lk 6:28

Im Gebet trete ich hin zu jedem Menschen in meinem Umfeld, mit dem ich Probleme habe. Ich trete an seine Seite, ich bin mit ihm, bei ihm und für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet. Ich nehme seine und meine Not auf mich und trete vor Gott für ihn ein. Dadurch wird jede seiner Verletzungen mich nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden. Das ist immer mühevoll und kostet Überwindung, ist aber das Äußerste, wo eben die Liebe unüberwindlich wird. Die Liebe, ja die Liebe, immer wieder konkret gelebt und umgesetzt.

Ich habe es mir zur Übung gemacht, sofort (!) in einer schwierigen menschlichen Begegnung, den heiligen Geist innerlich anzurufen, schlicht mit den Worten: Heiliger Geist hilf! Und er hat mir bislang immer darin geholfen, einen liebenden, segnenden und fürbittenden Blick auf den anderen zu bewahren.

Montag: Tut Gutes euren Feinden

Tut Gutes denen, die euch hassen. Lk 6:27

Ich darf nicht erwarten, dass mein Verhalten unbedingt den anderen ändert. Auch wenn ich dem anderen vergebe, vergibt dieser nicht zwangsläufig auch mir. Auch wenn ich mich überwinde und ihm Gutes tue, heißt das nicht, das mein Gegenüber dies ebenso tut. Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der ohne Liebe zu mir gefangen in allerlei Abneigung lebt. Wer ist also der Liebe würdiger als mein Feind? Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als eben hier? Diese Liebe erkennt in jedem Menschen den Bruder und die Schwester und handelt eben so in geschwisterlicher Verbundenheit unabhängig davon, ob dieser mich mag oder eben nicht.

Sonntag: Liebt eure Feinde

Liebt eure Feinde. Lk 6:27

Wer ist nun der Feind? Feind kommt vom althochdeutschen fiant, was Hass bedeutet. Viele von uns haben Gott sei Dank keinen, den sie hassen. Aber wir haben sicher Menschen, die wir nicht unbedingt mögen und die uns immer wieder heraus fordern. Feindesliebe bedeutet immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zu dieser Abneigung auf zu bauen. Es ist sicher mühsam, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern u.v.m. Beschreiten wir diesen Weg erfüllen wir weniger eine moralische Forderung, sondern verbinden uns dadurch vielmehr innigst mit Gott, der die Liebe ist!

Wenn wir unsere Feinde lieben, tauchen wir in den großen Strom der Liebe Gottes durch Jesus Christus ein. Corrie ten Boom

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Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste