Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Meditativ vertiefend zur letzten Woche möchte ich euch in dieser Woche Sprüche der Wüstenväter senden, jeweils mit einem kurzen Kommentar von Anselm Grün.

Samstag: Und immer wieder der Kern: die Liebe

Gegen den Geist, der Gedanken des Zorns gegen die Brüder annimmt: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Joh 13,34

Wenn wir bereit sind, dem Zorn in uns Raum zu geben, schneiden wir uns von der Liebe ab. Dann setzen wir das Gebot der Liebe außer Kraft. Wir sollen mit dem Zorn nicht diskutieren. Wenn ich dem Gebot und dem Geist Jesu in mir Raum gebe, wird er den Zorn allmählich auflösen. Der Zorn hat keine Argumente mehr für sich. Das Wort Jesu steht einfach klar dagegen. Dieses Gebot immer wieder vorsagend, werde ich Jesu Liebe in mir erfahre können, die den Zorn überwindet.

Schaut nach oben und lasst keinen Zorn aufkommen. Johannes XXIII

Halte Dein Herz gegenüber dem Himmel geöffnet. Pater Pio

Freitag: Durch Demut tot für das Richten

Ebenso wie ein Leichnam nicht isst, so kann der Demütige einen Menschen nicht richten. Apophthegmata

Geringschätzige Gedanken kommen in uns hoch, ob wir wollen oder nicht. Wir werden sie wohl nie ganz loswerden. Aber es ist dann unsere Aufgabe, diese Gedanken zum Anlass zu nehmen, den Fehler des anderen als Spiegel für uns selbst zu nehmen. Ich habe nicht die Garantie, dass ich nicht denselben Fehler begehe. Wer wirklich demütig ist, der muss sich gar nicht verbieten, über den anderen zu richten. Er vermag es gar nicht. Er ist gleichsam tot für das Richten. Denn in allem, was er bei anderen sieht, erkennt er immer auch sich selbst. So leidet er mit dem anderen, statt ihn zu verurteilen. Die Demut führt uns nicht nur zu einem angemessenen Umgang mit uns selbst, sondern zu einem barmherzigen Umgang mit den Menschen. Anselm Grün

Donnerstag: Tu das nicht!

Wenn Abbas Agathon etwas sah und sein Herz über die Sache urteilen wollte, sprach er zu sich: Agathon, tu das nicht! Und so kanm sein Denken zur Ruhe. Apophthegmata

Mir hat dieses Wort des Abbas Agathon schon oft geholfen. Ich kenne diesen Drang, mir sofort ein Urteil zu bilden, sobald ich etwas höre oder sehe. Und meistens ist es ein hartes Urteil. Oder wenn ich einem Mitbruder begegne, kommen spontan Gedanken hoch: Der lebt nicht authentisch. Der ist kein guter Mönch. Der macht es sich bequem. Der arbeitet nicht viel. Doch sobald solche Gedanken in mir aufsteigen, sage ich mir: Tu das nicht. Es steht dir nicht zu zu urteilen. Du kennst diesen Bruder nicht wirklich. Vielleicht leidet er an sich selbst. Dann werde ich wieder ruhig. Wenn ich weiterhin über die Sache oder den Mitbruder nachdenken würde, würde ich mich immer weiter von mir entfernen und ich käme nie zur Ruhe. Anselm Grün

Mittwoch: Den Nächsten ehren

Wenn du deinen Nächsten kennenlernen willst, ehre ihn mehr als ihn zu tadeln. Apophthegmata

Wir denken, dass wir den anderen besser kennen lernen, wenn wir ihn kritisch anschauen und genau beobachten. Doch die Wüstenväter geben einen anderen Rat. Wenn ich den anderen ehre, dann erkenne ich sein wahres Wesen, dann entdecke ich, wie viel Tugend, Kraft und Liebe in ihm stecken. Wenn ich den anderen ehre, schaue ich ihn mit einer Brille an, mit der ich das Gute und Wertvolle in ihm erkennen kann. Und wenn ich das Gute in ihm sehe, werde ich seinem wahren Wesenund seiner Würde gerecht. Es braucht dafür einen besonderen Blick, einen Blick, der nicht bewertet, der den anderen einfach sein lässt und der in ihm das Schöne und Gute erkennt. Anselm Grün

Dienstag: Seine Sünden betrachten

Ein Altvater wurde einmal von einem Bruder gefragt: Warum urteile ich eigentlich so häufig über meine Brüder? Und er antwortete ihm: Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Lege deine Sünden auf dein Haupt und betrachte sie! Apophthegmata

Montag: Tadel ohne Zorn

Makarios sprach: Wenn du einen zu tadeln hast und dabei in Zorn gerätst, dann befriedigst du deine eigene Leidenschaft. Statt dass du andere rettest, verdirbst du dich selbst. Apophthegmata

Es gibt viele Gründe, einen anderen zu kritisieren. Aber wenn ich kritisiere, muss ich immer wissen, in welcher Absicht ich es tue. Wil ich ihm helfen, sich selbst besser kennenzulernen und manches zu verbessern? Oder will ich mich über ihn stellen? Wenn ich ihn tadle und dabei in Zorn gerate, dann kreise ich zu sehr um meinen Zorn. Ich lasse mich vom Zorn hinreißen. Dann helfe ich dem anderen nicht weiter und schade mir selbst. Denn ich lasse mich vom Dämon des Zorns beherrschen und mir die innere Freiheit und Ruhe rauben. Meine Worte kommen nicht aus meinem Herzen, sondern werden mir vom Zorn aufgedrückt. Das tut mir nicht gut. Ich verderbe mich selbst. Anselm Grün

Sonntag: Reden und Schweigen

Da ist ein Mensch, der scheint zu schweigen, aber sein Herz verurteilt andere. Ein solcher redet in Wirklichkeit ununterbrochen. Und da ist ein anderer, der redet von der Frühe bis zum Abend. Und doch bewahrt er das Schweigen, das heißt er redet nichts Nutzloses. Apophthegmata

Ich treffe immer wieder Menschen, die über alle Fehler anderer Menschen Bescheid wissen. Es ist unser aller Versuchung, dass wir lieber über die Fehler der anderen sprechen als die eigene Wahrheit anzuschauen. Es geht um das innere Schweigen. Auch wenn wir äußerlich schweigen, sind wir in unserem Denken häufig beim Nächsten und bewerten und verurteilen ihn. Und auch wenn ich viel rede, kann ich in Wirklichkeit schweigen, weil ich zu den Menschen spreche und nicht urteile. Das Sprechen kommt aus dem Schweigen und ist daher kein Gegensatz zum Schweigen. Es ist frei von Bewertungen und Urteilen. Das ist ein wichtiges Kriterium für das Schweigen: dass unsere Gedanken über andere verstummen. Anselm Grün

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Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste