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Inhaltsverzeichnis

Weitere Tugenden

Mut

Mut – ein großes Thema 

Nur Mut! Steh auf, Jesus ruft dich! Mk 10:49

365 mal in der Bibel heißt es „Fürchte dich nicht“ und noch häufiger wird zum Mut aufgerufen. Das ist also echt ein großes biblisches Thema. Wir sind immer wieder in Situationen gestellt, die unseren Mut erfordern: ein unangenehmes Gespräch, eine Prüfung, Treffen wichtiger Entscheidungen u.v.m. Es gibt viele Situationen, denen wir eigentlich lieber aus dem Weg gehen, als uns ihnen zu stellen. Mut bedeutet, sich diesen Situationen des Lebens zu stellen, nicht alleine, sondern mit ihm und aus der Gewissheit heraus, dass er, der König in Ewigkeit ist, uns trägt, ruft und uns mit seinem Frieden segnet alle Tage unseres Lebens.  

Die Tugend des Mutes ist wichtig, weil du ohne Mut nichts erreichen kannst. Nur durch Mut wirst du fähig, das Gute, das du willst, auch zu tun. „Wer den Mut zum Leben verloren hat, ist zu nichts mehr in der Lage.“ (Spr 18:14)

Mut setzt ein hohes Gut voraus

Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst. Jos 1:9

Christlicher Mut setzt voraus, dass es etwas gibt, für das man ein Risiko eingeht, dass es wert ist, Mut auf zu bringen. Gibt es dies nicht, ist unser Handeln Leichtsinn. In der Tugendlehre spricht man hier vom hohen Gut, ein Gut, das so groß, so wertvoll ist, dass man dafür Gefahr und Leid in Kauf nimmt. Dieses hohe Gut kann z.B. unser Glauben sein (voller Anerkennung verneige ich mich vor den vielen verfolgten Christen in der Welt) oder ein ganz konkreter anderer Mensch oder schlicht und einfach dein Leben. Mut ist hier die Bereitschaft, sehenden Auges für den Glauben, einen Menschen oder für dich selbst etwas zu wagen. Ein mutiger Mensch weiß, worauf er sich einlässt. Er erkennt die Gefahr und geht mit offenen Augen darauf zu.  

Meister mein, ich überlasse das Steuer meiner Seele ganz dir. Führe sie selbst nach deinenm göttlichen Belieben.

Mut im geistlichen Kampf

Herr, gib mir Mut und Kraft. Neh 6:9

„Das Bemühen um die Reinigung unserer Seele kann und soll nur mit unserem Leben ein Ende finden. Regen wir uns also nicht auf über unsere Unvollkommenheiten: unsere Vollkommenheit besteht eben darin, dass wir die Unvollkommenheiten bekämpfen. Wir können sie aber nicht bekämpfen, wenn wir sie nicht sehen; wir können sie nicht überwinden, wenn wir ihnen nicht begegnen. Unser Sieg besteht nicht darin, daß wir sie nicht wahrnehmen, sondern darin, daß wir uns ihnen nicht beugen. Der aber beugt sich ihnen nicht, der sie unangenehm empfindet. Zur Übung der Demut müssen wir wohl manchmal in diesem geistlichen Kampf verwundet werden; besiegt wären wir aber erst dann, wenn wir das Leben oder den Mut verloren hätten. Eines ist also notwendig: den Mut nicht verlieren! Befreie mich, Herr, von Feigheit und Mutlosigkeit. Es ist ein Glück für uns, daß wir in diesem Krieg immer Sieger sind, solange wir nur kämpfen wollen.“ (Franz von Sales)    

Mut bei wichtigen Lebenssituationen

Gott aber ist es, der uns immer wieder neuen Mut und Trost schenkt, um standhaft zu bleiben. Röm 15:5

Alles Unbekannte macht erst einmal Angst. Angst darf sein, ist aber nicht das letzte Wort. Der Mutige hat sehr wohl Angst. Mut ist Angst, die gebetet hat. Jeder Konflikt, jeder Widerstand stellt ein Risiko dar. Mut ist da die Fähigkeit, solche Risiken im Gebet einzugehen, um auf diese Weise Neues zu entdecken, Veränderungen zu erfahren und Gutes zu bewirken. Ohne Mut hätte ich heute nicht meine Ehefrau, meinen Beruf u.a. Nur durch Mut sind wir in der Lage, im Leben wichtige, richtige Schritte nach vorne zu gehen.  

Frage dich heute, wo sich etwas ganz Entscheidendes in deinem Leben verändert hat, dass ohne den Mut deinerseits so nie gekommen wäre?

Mut und Tapferkeit

Zeigt euren Mut und seid tapfer. 2. Sam 2:7

Mut und Tapferkeit treten oft zusammen auf, denn in vielen Situationen ist beides erforderlich. Zunächst der Mut, der sich um einer guten Sache willen auf etwas Gefahrvolles einlässt. Mut ist offensiv. Dann die Tapferkeit, die das damit einhergehende Leid durchsteht. Tapferkeit ist defensiv. Tapferkeit ist die Fähigkeit, Leid zu ertragen. Ein tapferer Mensch ist in der Lage, um einer guten Sache willen Schweres durchzustehen. Beispiel: Bonhoeffer brauchte Mut beim Widerstand gegen Hitler. Doch beim Durchzustehen der Haft und schließlich der Hinrichtung war ein hohes Maß an Tapferkeit nötig. Der Mut ergreift das hohe Gut. Die Tapferkeit hält daran fest. Finde und liebe Gott in dem, was er dir gerade gibt und in deinen schweren Zeiten, bitte ihn um die Gnade der Tapferkeit.    

Wie wird man mutig?

Vertraue auf den Herrn ! Sei stark und mutig, vertraue auf den Herrn ! Ps 27:14

Das Gebet ist die entscheidende Hilfe, um die eigene Angst zu überwinden und mutig zu handeln. Mit Gottes Hilfe kannst du Mut finden, Angst zu überwinden und das Gute zu tun. Mutig wird, wer im Vertrauen auf Gott mutig handelt und den Situationen nicht ausweicht. Es bedeutet mit Haut und Haaren zu vertrauen, nicht nur hier und da ein bisschen. Das Ende von dir selbst ist der Anfang von Gott !!! Im Laufe der Zeit wird dieser Mut gefestigt, weil du erinnernd zurück schauen darfst auf schwierige Situationen, die du bereits mit Gottes Kraft und Gnade gemeistert haben.

Schaue heute erinnernd auf eine dieser wichtigen Lebenssituation zurück, in denen dein Mut und Vertrauen gefordert waren.

Sei mutig – denn…….

Du hast in dir einen Ratgeber, Lehrer, Beschützer, jemanden, der dich leitet, dich berät, ermutigt, auf den Weg bringt, dich in allem und zu allem hin begleitet. Johannes von Avila.

Dein Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Wo wir uns auch befinden: aus dem Glauben erwächst ein Gefühl von Sicherheit für die Gegenwart und die Zukunft, das getragen wird durch das unerschütterliche Zutrauen auf Gottes Zusage „Ich stehe dir bei.“ Das ist das Fundament unseres Glaubens, das uns mutig voran schreiten lässt. „Der Herr selbst geht vor dir her. Er steht dir bei und verlässt dich nicht. Immer hält er zu dir. Hab keine Angst und lass dich von niemandem einschüchtern!“  (5. Mose 31:8). Gott segne dich und diesen Tag. Er schenke dir Mut.  

Ermutige andere.

Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können. Abraham Lincoln

Dieser Spruch hängt bei mir in der Schule. Hilfe zur Selbsthilfe lautet mein Motto. Ermutigung spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Viel zu schnell holen wir häufig die „Moralkeule“ raus oder meinen es besser zu wissen, üben emotionalen Druck aus und „schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern“ (Mt 23). Im menschlichen Bereich den anderen da abzuholen, wo er steht und ihn mit Ermutigung zur Seite stehen auf seinem Weg, den er nur alleine gehen kann, das ist nicht nur bei meinen Schülern wichtig, sondern für alle. Was tust Du um dem Nächsten zu ermutigen?  

Sei mutig und vertraue

Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt, aber ich weiß, dass er mich führt. Fock

Du machst Pläne, aber häufig läuft alles anders. Häufig ist Gottes Plan für dich nicht klar sichtbar. Mutiges Vertrauen bedeutet, dass du nicht daran zweifelst, dass er dich führt, auch wenn es in der Realität auf den ersten Blick anders aussieht. Wähle die Hoffnung und Stärke sie, denn „Die Hoffnung ersäuft die Angst“ (Ernst Bloch) Dieses Bloch-Zitat hat mich persönlich echt ins Herz getroffen. Ja Herr:

Du bist meine Hoffnung, Herr , dir vertraue ich von Kindheit an! Psalm 71:5  

Sei mutig gegen allen Widerstand 

Die Macht der Bösen lebt von der Feigheit der Guten. Johannes Bosco

Mut bezeichnet die Fähigkeit aus einer überlegten freien Entscheidung heraus eine persönliche Gefahr einzugehen oder auszuhalten aus Liebe zum Guten in der Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang. Klar Stellung beziehen, seine Meinung mutig äußern, sich gegen jegliche Mittelmäßigkeit und Mainstream zu stellen, das erfordert eben diesen Mut.

Weder Verzweiflung noch Pessimismus oder Passivität sind deshalb zu rechtfertigen. Auch wenn es bitter klingt, muß man sagen, daß man auch durch Angst, Unentschlossenheit und im Grunde durch Feigheit sündigen kann. Joh. Paul II

Habt den Mut, euch an Jesus Christus zu orientieren! (Benedikt XVI).  

Der brennende Dornbusch

Da rief er ihm aus dem Busch zu: Mose! Ex 3:4

Mose begegnet Gott in einem brennenden Dornbusch. Wo sind deine Orte, wo du Gott begegnest? Sicher im Gebet, im Empfang der Sakramente, in der Stille einer Kirche u.v.m. Immer wieder geschieht Gottesbegegnung offensichtlich, manchmal unbemerkt auch an ganz anderen Orten. Gott lässt sich keine Grenzen setzen. Das Heilige ist überall, wenn wir die Augen dafür offen halten. So vieles kann zum brennenden Dornbusch werden u.a. eben auch deine Ängste. Gott gibt nicht nur Zeiten der Freude, sondern auch Zeiten der Angst, um darin unser Vertrauen zu stärken, sich darin uns zu offenbaren.    

Mut ist Angst, die gebetet hat

Mir ist angst und bange, nimm diese Last von meinem Herzen! Ps 25:17

Ängste sind vielfältig: Angst uns nahe Menschen zu verlieren, Angst Krebs zu bekommen, fianzielle Ängste, Angst vor Mißerfolg, Angst vor dem Alleinsein u.v.m. An deiner Angst kannst du sicherlich arbeiten, dennoch: Wir haben dieses Gefühl selten im Griff. Werde dir heute einer Angst ganz bewusst, die dich immer wieder begleitet. Denn wenn man seine Angst versteht, muss man vor nichts im Leben Angst haben. Denn wer die Angst annimmt, kann im Folgeschritt durch das Gebet Mut entwickeln. Mut ist Angst, die gebetet hat, denn gibst du dich immer wieder in die Hände Gottes, wirst du alle Furcht ablegen. Komme, was da wolle.    Ängste über deine Bedürfnisse?

Ängste und Bedürfnisse

Die Hauptsache im Leben ist, keine Angst vor der eigenen Menschlichkeit zu haben. Pablo Casals

Ganz wichtig: Angst verdrängen funktioniert nie. Es hilft dir, dich mit deinen Ängsten zu befassen. Manchmal wird dir dann einiges klarer. In der Angst kannst erkennst du dich selbst in deinen tiefsten Bedürfnissen. Beispiel meinerseits: Ich bin nervös, hin und wieder auch ängstlich, wenn ich vor vielen Menschen reden muss. Irgendwann erkannte ich, dass dahinter das Bedürfnis steckt, Anerkennung von anderen zu bekommen und vor allen gut dazustehen. Und da merkte ich, wie unrealistisch und dekonstruktiv das ist und kann nun in solchen Situationen der Angst entgegen steuern, meine innere Mitte wieder ins Lot bringen. Die Angst lädt mich ein, mich von übertriebenen Bedürfnissen zu verabschieden, zu meiner eigenen Menschlichkeit zu stehen. Welches Bedürfnis steht hinter deiner Angst?  

Denke deine Angst zu Ende

Hab keine Angst, ich bin dein Gott! Jes 41,10

Die Angst verweist mich letztlich auf Gott als den eigentlichen Grund meines Lebens. Beispiel: Es kann sein, dass ich z.B. Krebs bekomme. Was ist dann? Ja, es ist furchbar schlimm. Definitiv! Aber auch in meiner Krankheit werde ich in Gottes Hand sein und nicht aus ihr heraus fallen. Wir können unsere Ängste überwinden, indem wir uns die Frage stellen: Was kann mir schlimmstenfalls passieren? Die Angst lädt mich ein, in dem Vertrauen zu leben, dass ich immer in Gottes Hand bin. Alles geht vorrüber (Streß, Krankheit u.v.m.), aber Gott geht nicht vorrüber. Er bleibt und ist immer da. Gott allein genügt. Wer Gott hat, der hat alles. Und irgendwann werden wir in unaussprechlicher Art und Weise bei ihm sein.  

Angst und Gottvertrauen

Jesus antwortete ihnen: Warum habt ihr Angst? Vertraut ihr mir so wenig? Mt 8:26

Keiner hat nur Angst, keiner hat nur Vertrauen. Angst oder Mut, Zaghaftigkeit oder Vertrauen – manchmal muss ich täglich entscheiden, was ich wähle. Es ist häufig ein hin und her. Bitte Gott dir mitten in deiner Angst Vertrauen zu schenken. Die Angst führt uns zum Vertrauen, dass Gottes Gegenwart uns immer umgibt. Ist man von Gott gehalten, kann man Angst und Sorge aushalten. Die Angst so gesehen ist etwas ganz wichtiges bei deiner spirituellen Entwicklung! Doch gerade dann, wenn ich Angst habe, will ich mich dir anvertrauen.“ (Ps 56:4)    

Bibelworte helfen in Angst

Hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst. Josua 1:9

Mut bedeutet nicht, seine Gefühle zu kontrollieren, sondern sich von der Angst nicht unterkriegen zu lassen. Die Wüstenväter haben Angst verwandelt, indem sie Worte der Bibel in die Angst hineinsprachen: Der Herr ist mein Hirte, alle Sorge werfe ich auf ihn, Gott, der die Liebe ist. Der Herr ist mit mir. Ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun? Was sind deine wichtigsten stützenden Bibelverse in Angstsituationen? Mit einem einzelnen Bibelwort durch den Tag zu pilgern ist über das Thema Angst hinaus ein wichtiger Weg um in der Gotteserkenntnis und damit in der Gottesbeziehung zu wachsen. Ich schreibe mir täglich einen Bibelvers in die Innenhand, so dass ich immer wieder daran erinnert werde wie z.B. gestern Lk 11,5  

Gottesfurcht – eine Angst?

Fürchtet Gott. Mt 10,26

Fürchtet euch nicht vor den Menschen. Mt 10,28

Die Gottesfurcht meint nicht Angst vor Gott! Sie ist eine Gabe des heiligen Geistes, die Achtung und Respekt vor seiner Hoheit über das Leben und die Welt beinhaltet und letztlich zu einer frommen Lebensweise führt auf dem Grundsatz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29). Diese Gottesfurcht löscht Lebensangst. Und dies alles drängt und vertieft die Liebe. Um’s mit Augustinus zu sagen: Gottesfurcht ist Arznei, Gottesliebe Gesundheit. Gott ist die Liebe. Um nichts anderes geht es.  

Stille

Stille des Herzens

Die Stille gibt uns für alles eine neue Sicht. Wir brauchen die Stille, um die Herzen anzurühren. Gott spricht in der Stille des Herzens, und wir lauschen. Dann, aus der Fülle des Herzens sprechen wir, und Er lauscht. Und das ist Gebet. Mutter Teresa

Keine Stille ist so geheimnisvoll wie die des Herzens. Während wir bewusst schweigen können, um nichts zu sagen und während wir die Augen zu schließen vermögen, um nichts zu sehen, können wir nicht in gleicher Weise über unser Herz verfügen. Es ist hin und wieder schwer zu bändigen. Es passiert uns immer wieder, dass unser Herz im Wirrwarr des Lebens nicht den rechten Weg geht. Ich kenne diese Tage, wo ich meine innere Mitte verliere und das Herz einen unguten Weg geht. Das beste Heilmittel dagegen ist und bleibt für mich die Stille vor dem Herrn. „Beim stillen Innehalten hat es ein jeder von uns nötig, nicht nur den eigenen Herzschlag, sondern das Pochen einer verläßlichen Gegenwart in größerer Tiefe zu verspüren, die mit den Sinnen des Glaubens wahrnehmbar und dennoch weitaus wirklicher ist: die Gegenwart Christi, des Herzens der Welt“ (Benedikt XVI). Nehme dir diese stille Zeit und seien es nur 1-2 Minuten, wo du einfach nur da bist und dich anschauen lässt von Gottes liebenden Blick ohne ein Wort auf deinen Lippen. Das ist eine große Kraftquelle!    

Diktatur des Lärms

Unsere Zeit ist in ständiger Bewegung, die oft den Zustand der Ruhelosigkeit erreicht, mit der Gefahr des Machens um des Machens willen. Johannes Paul II

Die moderne Gesellschaft kann nicht mehr ohne die Dikatur des Lärms auskommen. Ohne Lärm fällt der Mensch in eine dumpfe, quälende Unsicherheit. Er ist den ständigen Lärm gewohnt, der ihn einlullt und zugleich krank macht. Ohne Lärm ist der Mensch angespannt, gereizt und verloren. Und wenn dann doch mal kurz Stille ist, rattert es im Kopf gleich weiter. Dieser Nonstop Lärm macht uns krank und vor allem gelingt es uns dann kaum mehr die Stimme Gottes zu hören. Beim Thema Stille geht es um weit mehr als um eine kurze Besinnungspause, um auf zu tanken, sondern um die Sensibilisierung des Herzens, um die Worte des Lebens, die Stimme Gottes zu hören. „Pflegen wir die Stille, um das Wort des Herrn zu hören und darüber nachzudenken, damit es durch das Wirken des Heiligen Geistes alle Tage unseres Lebens immer neu in uns wohnt, in uns lebt und zu uns spricht.“ (Benedikt XVI) Herr, lass unsere Herzen still werden, damit wir deine Stimme hören können!.  

Gebet der Stille

Wenn du betest oder Anbetung hältst, achte darauf, daß es immer lange Augenblicke gibt, wo du schweigst, um ganz auf Gott zu hören. Jesus von Léandre Lachance

Unsere Zeitgenossen meinen, das Gebet bestünde darin, Gott vollzutexten, zu heulen und vor Ihm zu zappeln. Doch das Gebet ist viel einfacher. Es besteht darin Gott, der leise in uns spricht, zuzuhören. Darum, mehr als alles andere liebe das Schweigen. Isaak der Syrer Unter den vielen Geboten der Lehre des Evangeliums hat der Herr stilles Gebet von uns gefordert, so daß wir schweigend und aus dem Verborgenen des Herzens beten, und daß dabei weniger die Stimme, als das Herz, beschäftiget seyn soll. Hilarius.  

Stille im Sturm des Alltags in Jesus

Jesus stand auf , wies den Wind in seine Schranken und befahl dem See: Schweig! Sei still! Da legte sich der Wind, und es trat eine große Stille ein. Mk 4:39

Dieser Vers ist für mich echt bedeutsam geworden, denn durch ihn habe ich erkannt, dass es nicht ich allein bin, der durch Mediationspraxis & Co in der Hektik meines Alltags die Ruhe bewahre. Ich bitte Jesus in jedem Morgengebet, dass er mich in seinem heiligsten Herzen wohnen lässt, denn dies ist das Schiff, dass jedem Sturm trotzt. In unserem Leben wütet es immer wieder. Damit uns der Wind nicht beliebig umher weht oder gar umwirft bedarf es der geistlichen Besinnung, deren wichtigstes Ziel ist, die Beziehung zu Jesus zu vertiefen, um so in seiner großen Stille zu wohnen. Wir haben diese Beziehungs-Zeit zu Jesus so bitter nötig. Jesus möchte uns das Wohnen in seiner inneren Stille schenken. Diese Stille ist eine Realität, die immer und überall ist, das erfahre ich täglich. Wir müssen uns ihr gegenüber nur öffnen, ihr Raum geben und sie bewusst wahrnehmen und genießen. Dir einen gesegneten Tag!  

Stille und Freude

Gott ist der Gott der Freude. Franz von Sales

„Wenn ich mich von den Konflikten und Widrigkeiten um mich herum immer wieder in den inneren Raum meiner Seele zurückziehe, werde ich die Freude wahrnehmen. Die Mystiker sprechen vom innersten Raum der Stille, von der inneren Zelle. Und dort erfahren sie in sich den Himmel, eine himmlische Freude.“ (Anselm Grün). Du hast diesen innersten Raum der Stille. Ziehe dich dahin immer wieder zurück. Und bitte nicht zu kompliziert denken. Wenn’s mir mal im Schulalltag zu viel wird, ziehe ich für 1-2 Minuten in die Toilette zurück, atme tief durch und betrete diesen Raum und spüre dann bei allen gerade anwesenden Belastungen eine tiefe innere Freude. Jesus ist die Tankstelle die wir jederzeit, an jedem Ort, in jeder Situation anzapfen dürfen.

Wiederentdeckung der Stille

Nur auf Gott wartet still meine Seele. Ps 62:2

Es ist heute eine der großen Herausforderungen, den Geist der Stille wieder zu erlangen. Wir brauchen einen Ort in uns selbst und immer wieder auch äußere Räume, wo es keinen Lärm gibt, wo der Geist Gottes zu uns sanft und still sprechen kann. Wir brauchen die Fähigkeit, selbst Schweigen zu werden, ein Schweigen, welches das Wort Gottes erfüllen kann. Mehr denn je sollte jeder sich üben, wie ein Mönch inmitten des Alltagslärm zu leben und dennoch die Stille in sich zu haben. Ist nicht immer einfach. Letzte Woche war für mich als Lehrer Schulstart, da ist immer soooo viel los und ich gerade irgendwann in Unruhe. Dennoch: Unsere Herzen sind unsere Klöster und auf dem Grund jeder Aktivität gibt es die Stille, die man nur mit Gott teilt, gerade dann wenn sooooo viel los ist.  

Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist, da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit. Franz von Assisi

Gott kommt im Schweigen

Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens. 1. Kön 19:12

Wir sehnen und danach, Gott zu erfahren. Das Schweigen ist die Voraussetzung, daß wir Gottes Stimme in unserem Herzen vernehmen und ihn so für uns erfahren. Sind wir innerlich voller Lärm und zügeln unser Karussell der Gedanken nicht, so überhören wir die leisen Impulse, durch die Gott in unserem Herzen spricht. Wir haben immer etwas zu tun und sobald so ein zarter Impuls in unserem Inneren auftaucht, schieben wir ihn vielzu häufig weg und wenden uns dem Greifbaren zu. Gerade in unserer lärmenden Welt brauchen wir für unseren Gotteskontakt Stille, denn Gott kommt nicht im Donner, Feuer oder sonst was, sondern Gott kommt im Ton eines dahin schwebenden Schweigens.  

Nur im Schweigen vollzieht sich echte Erkenntnis. Guardini

Stille bewahren bei Ärger

Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles. Lk 10:41

Bereite deine Seele jeden Morgen zur Stille vor. Achte darauf, deine Seele am Tag oft zu dieser Stille zu rufen. Sicher werden Dinge passieren, die dich ärgern. Das ist normal. Mache dir deswegen keine Vorwürfe. Nonstop gelassen geht nicht. Unsere innere Unruhe entspringt dem Wunsch, die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Dabei verschlimmert aber nichts so sehr das Übel wie Unruhe über den Ärger. Und häufig ist es schwer die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Also, so oder so:  

Beruhige vor allem deinen Geist!

Die Wüstenväter zum Schweigen

Der Sieg über jede Plage, die über dich kommt, ist das Schweigen. Abbas Poimen

Innere Stille bedeutet nicht unbedingt, nicht zu sprechen. Es geht vielmehr, um unsere inneren Stimmen und Gedanken, die unentwegt alles beurteilen und oft auch verurteilen wollen. Das innere Schweigen zu kultivieren, ist eine lebenslange Übung. Dieses wird uns durch viele Lebensstürme bringen. Zum inneren Schweigen nochmals Abbas Poimen:  

Da ist ein Mensch, der scheint zu schweigen, aber sein Herz verurteilt andere. Ein solcher redet in Wirklichkeit ununterbrochen. Und da ist ein anderer, der redet von der Frühe bis zum Abend und doch bewahrt er das Schweigen, das heißt, er redet nichts Nutzloses.

Bitten um ein schweigendes Herz

Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach. Ps 102:8

Es ist so schwer mit den Lippen zu schweigen, mit dem Herzen noch viel mehr. In mir geht so viel Gerede vor sich. Es ist, als sei ich innerlich ständig in irgendwelche Auseinandersetzungen verwickelt. Diese innere Diskussion beweist, wie weit mein Herz von dir entfernt ist. Wenn ich mir bewusst wäre, dass ich dir und dir allein gehöre, dann würde ich leicht aufhören können mit all den wirklichen oder vermeintlichen Gesprächspartnern zu diskutieren. Herr gib mir dieses Schweigen in dem ich ganz bei dir sein kann. Nouwen  

Der Sprung aus der Angst zur Ruhe ist der ungeheuerste, den der Mensch tun kann. Jasper

Schnelleritis

Wer zu schnell läuft, geht leicht fehl. Spr 19:2

Stille kommt von stillen, beruhigen, zur Ruhe bringen. Wie häufig geraten wir aber in die Schnelleritis. Ich geh mal schnell. Ich mache mal schnell. Das sind häufige Sätze. Warum schnell? Warum nicht rechtzeitig, in aller Ruhe und langsam, den inneren Raum der Stille hütend? Gerade wenn du viel mit anderen Menschen zu tun hast, wenn viele etwas von dir wollen, wenn Du Dich in intensiven Gesprächen auf sie einläßt, brauchst du diesen inneren Raum der Stille, der dich davor beschützt, dass dich die Probleme der andern bestimmen und überfordern, daß dich der Schmutz, den du im Gespräch oft mitbekommst, innerlich selber beschmutzt. (nach Anselm Grün)

Das dürre Tal

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund. Psalm 84,7

Das dürre Tal ist u.a. dieses Schweigen. Es ist nicht nötig, daß wir angestrengt bemüht sind, in Worten zu beten. Das schweigende Beten, das nur aus dem Hören kommt, kann oftmals förderlicher sein. Das christliche Schweigen ist hörendes und demütiges Schweigen. In dieser Stille liegt eine Macht der Klärung, der Reinigung, der Sammlung auf das Wesentliche und der Gang zum Grund der Quelle. Schweigen heißt hier nichts anderes als auf Gottes Wort warten und von Gottes Wort gesegnet herkommen. Dieses Schweigen wird sich auf den ganzen Tag auswirken. Gerade mitten im Lärm der Welt wirkt und beschützt es uns.  

Gepriesen sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit! Ps 113:2

Wachsamkeit 

Sei wachsam für Christus

Seid wachsam. Mt 24:42

Werde wachsam für das, worauf es ankommt: das ist der Glaube und die Bindung an Christus. Wachsam zu sein, bedeutet, dass du dein ganzes Sein, dich selbst als einzigartige Person hingibst und hinwendest zu ihm, überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen. Das ist nicht Mystik für ein paar wenig Abgehobene, sondern alltagsrelevant wie es mehr nicht sein kann, z.B. bei mir in der Arbeit mit meinen Schülern, einem Elterngespräch, der Beziehungspflege innerhalb der Familie und noch und noch und noch. In alledem ist es der Mühe wert, das ganze Leben Christus zu widmen, jeden Tag in der Freundschaft zu ihm zu wachsen und sich gerufen zu fühlen, die Schönheit und Güte seines Lebens allen Menschen zu verkünden.  

Komm schnell herunter

Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet! Mt 24:44

Unser Herz ist unruhig auf Gott hin. Aber nicht nur wir Menschen sind unruhig auf Gott hin. Gottes Herz ist unruhig auf den Menschen hin. Gott wartet auf uns. Er sucht uns. Er spricht zu uns: Komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. (Lk 19,5). Komm also schnell herunter, werde innerlich arm und lasse los, immer alles kontrollieren zu wollen. In diesem Herunterkommen, in diesem Geerdet werden, wächst in dir die Wachsamkeit für ihn, machst du Platz für Christus in deinem Herzen. Und darin öffnest und begegnest du ganz neu und in einer tiefen Weise auch deinem Nächsten.  

Ziehe den Herrn an

Lasst uns ein vorbildliches Leben führen […] Zieht den Herrn Jesus Christus. Röm 13:13-14

Wachsamkeit bedarf es im Umgang mit unserer Seele. Immer wieder sind wir schwach und fallen. Immer wieder kehren wir um und bemühen uns mit den Empfindungen Christi zu bekleiden: mit Güte, Demut, Milde, Großherzigkeit, gegenseitiger Vergebung und vor allem der Liebe. Gott begleitet uns in diesem Bemühen. Jede unserer Taten, all unser Tun ist darum eingebettet in diese tiefe Beziehung zu Gott. Gottesbeziehung und Für-ihn-bereit-sein besteht dann mehr als aus dem Morgengebet, sondern jede noch so kleinste Tat ist verwoben mit Gott. Dann ist Christus der Herr deines Lebens.   

Zu großen Taten hast du selten Gelegenheit, die kleinen aber begegnen dir zu Hunderten. Verwende Sorgfalt und Liebe auf diese kleinen Dinge. Franz von Sales

Lass dich erleuchten vom Licht

Er ist unser Licht! Jes 2:5

Gott ist Liebe. Das bringt seine Tätigkeit Gottes zum Ausdruck. Gott ist ebenso Licht. Das bringt seine innewohnende absolute Reinheit zum Ausdruck. Nichts kann uns dieses Licht nehmen! Weil Jesus unser Licht ist, gibt es für uns keinen Sonnenuntergang! Wir dürfen unsere Schattenseiten nicht verdrängen. Das macht uns krank !!! Wir dürfen sie stattdessen in sein Licht halten, und so unser ganzes Sein Jesus und seinem Licht aussetzen. Durch seine Menschwerdung, Passion und Auferstehung leuchtet er uns und zieht uns in das neue Leben hinein, das alles Dunke besiegt. Verlieren wir nicht das wachsame Herz, welches allein das Wesentliche zu sehen vermag: das Licht Christi, das in uns und für uns leuchtet.   

Die völlige Selbsthingabe Christi am Kreuz sei euch Ursprung, Ansporn und Kraft für einen Glauben, der in der Liebe wirksam wird. Benedikt

Wachsamkeit fördert den Frieden

Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen. Jes 2:4

Der Friede muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen. Dort in unserem Herzen herrscht Christus. Sind wir nicht wachsam mit ihm verbunden, läuft jegliches Bemühen um Frieden in unseren Gemeinschaften ins Leere. Durch Christus sind wir Friedensstifter unter den Menschen, gerade eben auch in den Schwierigkeiten, auch in den Augenblicken der Schwäche. Je mehr diese Liebe, die auf Frieden zielt, unsere Herzen erreicht, umso mehr bleiben wir in Gott, denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Bleibe also inmitten der Kämpfe in Frieden und beunruhige dich nicht, denn Gott ist für Dich.   

Der Frieden beginnt im eigenen Haus. Karl Jasper

Entscheidung für das Gute

Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es an der Zeit ist, aus aller Gleichgültigkeit auf zu wachen. Röm 13:11

Wir sind immer in einem inneren Konflikt: wir können nicht allen inneren Impulsen gleichermaßen folgen z.B. können wir nicht mitfühlend Anteil nehmend sein und gleichzeitig gleichgültig, wir können nicht nachttragend und gleichzeitig vergebend zu sein usw. Wir müssen immer entscheiden, welchem Impuls wir folgen wollen und das können wir nur mit der Hilfe des heiligen Geistes. Immer wieder kostet diese Hinwendung zum Guten Überwindung. Liebe kostet oft große Kraft!!! Seien wir dennoch beruhigt. Gott wird uns gerade dann helfen, wenn Liebe große Kraft kostet.

Betrachte das Leben Jesus

Lasst uns zum Haus des Herrn gehen! Ps 122:1

Wachsamkeit im tiefsten Kern ist die Betrachtung des Lebens Jesus. In der Betrachtung seines Lebens, vor allem seines Leidens, haben wir Gemeinschaft mit ihm, erkennen wir ihn, so wie wir von ihm erkannt sind. Betrachte also still sein Handeln, höre aufmerksam seine Worte, blicke in Liebe auf ihn, so wie er in Liebe auf dich blickt. Die wahre Liebe lebt von dieser Gegenseitigkeit der Blicke, so dass tiefe Begegnung möglich wird. Fehlt diese Dimension wird alles oberflächlicher Gestus, ob es nun das Gebet sei, die Kommunion oder sonstige fromme Rituale.

Klugheit

Klugheit – eine wichtige Tugend 

Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Mt 7:24

In der Bibel ist Klugheit ein häufiges Thema. Klugheit meint nicht Intelligenz oder Schlauheit. Der Kluge ist nicht der Vielwisser, sondern der, der das Wesentliche erkennt, bedenkt und danach handelt. Als Tugend bezeichnet sie die Fähigkeit zu angemessenem Handeln im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung aller für die Situation relevanten Faktoren, Handlungsziele und Einsichten, die der Handelnde kennen kann. Knapper formuliert: Klugheit ist die Gabe, richtig zu entscheiden, nicht unbedingt durch hoch komplexe Überlegungen, sondern vielmehr aus der Klugheit des Herzens. Es gibt keine bessere und erstrebenswertere Klugheit als die Einfalt des Herzens. 

Klug ist, wer die Wirklichkeit sieht, wie sie ist, wer auf den Grund der Dinge sieht. Klug ist allein, wer die Wirklichkeit in Gott sieht. Bonhoeffer

Klugheit ist vorausschauend

Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. Mt 25:4

Das lateinische Wort für Klugheit ist prudentia und meint Voraussicht. Klugheit handelt nicht impulsiv, sondern schaut voraus, bedenkt mögliche Konsequenzen. Klug ist nur der, der den größeren Horizont hat, wie die klugen Jungfrauen, die vorausschauend genügend Öl für die Lampen mitnehmen. Die klugen Jungfrauen sehen sich vor. Sie schauen über den Augenblick hinaus und bedenken die Zukunft. Die törichten Jungfrauen leben nur in den Augenblick hinein. Lebe vorausschauend. Achte in deinem Leben darauf, dass du nicht überstürzt handelst. 

Die Klugheit wird euch geduldig machen mit euch selbst und mit den anderen. Phil 2,12

Klugheit ist praktisch

Verhaltet euch klug. Eph 5:15

Klug ist nur die Einsicht, die zur Tat wird. Die gute Absicht reicht für ein gutes Handeln nicht aus, es muss in die Tat umgesetzt werden. Ich überlege mir z.B. wie ich heute konkret mit einer Person umgehen kann, die mir Schwierigkeiten bereitet. Klugheit überlegt, welche Handlungen zu welchem Ergebnis führen werden und wählt die Handlung aus, die zum gewünschten Ziel führt. Mit diesen Überlegungen und im Gebet gehe ich dann in diese Begegnung. Das ist praktische, vorausschauende Klugheit, die verhindert dass ich allein durch meine Stimmungen und Leidenschaften bestimmt werde. Jeder Tag bietet hier zahlreiche Möglichkeiten. 

O Tage der Arbeit und des Einerleis, ihr seid gar nicht so eintönig für mich, denn jeder Augenblick verschafft mir neue Gnaden und neue Möglichkeiten, Gutes zu tun. Faustina

Klugheit ist Erkenntnis der Wirklichkeit

Klugheit ist Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Thomas v. Aquin

Um klug zu handeln, muss ich mich darin üben, das was da ist, möglichst genau wahrzunehmen. Klugheit hat immer mit Wahrheitserkenntnis zu tun. Nur dann kann ich entscheiden, was in einer bestimmten Lage das Richtige, das Gute ist. Klugheit, Wahrheit und Gutheit hängen unmittelbar zusammen. Wenn ich jemandem Gutes tun will, muss ich zuerst  erkennen, was denn für diesen Menschen wirklich gut ist !!! Und wenn’s Streit gibt reicht es meist nicht aus, schlicht zur Versöhnung aufzurufen, sondern Wirklichkeit zu erfassen: verschiedene Meinungen, Ursachen etc.

Klugheit ist hörend

Ihr Einfältigen, werdet klug. Spr 8:5

Dein Wort macht mich klug. Psalm 119, 104

Wenn wir weise, wenn wir klug werden wollen, dann brauchen wir ein hörendes Herz. Ein hörendes Herz ist wach, interessiert, aufnahmefähig, schaut in Ruhe hin und nimmt wahr, was geschieht ohne sofort zu urteilen, ohne schon Bescheid zu wissen. Klugheit und ein hörendes Herz sind nicht trennbare Geschwister. Die wahre Klugheit bleibt stets hellhörig offen für die Eingebungen Gottes.

Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und lass mich das Wort Gottes verstehen. Jesus sei immer in deinen Gedanken, in deinem Herzen und vor deinen Augen.

Klugheit ist demütig

Haltet euch nicht selbst für klug! Röm 12:16

Achte darauf, dass deine Klugheit demütig ist. Umstände, die für Entscheidung wichtig sind, können oft schwer abgeschätzt werden. Als Tugend der Entscheidung beinhaltet die Klugheit immer auch das Risiko der Fehlentscheidung. Nicht der ist klug, der niemals irrt, sondern der, der es fertigbringt, seine Fehler zu berichtigen, und dabei auch die Möglichkeit in Kauf nimmt, zehnmal neu zu irren, anstatt sich in bequemes Nichtstun zu flüchten. Das größte Hindernis auf dem Weg zur Klugheit ist daher die Überheblichkeit, die meint, schon alles zu wissen. Wer sich für wissend hält, der hört nicht mehr hin. Der nimmt nicht mehr wahr. 

Kennst du einen, der sich selbst für weise hält?  Für einen Dummen ist mehr Hoffnung als für ihn. Spr 26:12

Sei klug und vertraue

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl. Ps 1:3

Der Schlüssel zur Klugheit ist ein hörendes Herz, das die Welt wahrnimmt und Gott ernst nimmt. Allein darauf kommt es an, dass wir klug sind und darin allein ihm vertrauen. Alles andere wird er richten. Wenn wir auf Gottes Wort hören, handeln wir klug, dann sind wir wie ein Baum, der nah am Wasser gepflanzt ist (V3). Die Wasserbäche aber sind die Vergebung und die Gnade in Jesus Christus. Durch ihn und die Freude an seinem Gesetz (V2) bringen wir Frucht zu rechten Zeit: in der Zeit des Leidens Geduld, in der Zeit der Prüfung den Glauben und in der Zeit des Glückes die Freude. 

Der Herr wacht über den Weg aller Menschen, die nach seinem Wort leben (Ps 1,6). Dieses Wort ist Jesus Christus. Amen!

Innerer Frieden 

Wünsche und Erwartungen loslassen

Glückselig sind die geistlich Armen , denn ihrer ist das Reich der Himmel! Mt 5:3

Wir haben alle Wünsche, wie das Leben laufen sollte. Das betrifft den einzelnen Tag, wie auch die großen Lebensspuren. Wir wollen dies, wir wollen das. Wenn wir zu krampfhaft an diesen Wünschen festhalten und nicht offen bleiben für andere Richtungen, dann erzeugen diese Wünsche eine innere Unruhe. Und erfüllen sich unsere Erwartungen dann nicht, neigen wir zu Traurigkeit oder Zorn. Immer wieder gilt es darum Inventur zu ziehen, was fesselt und bindet, wo sollten wir lernen los zu lassen. Denn in einem Herzen, das sich an äußere Dinge verliert, ist kein Frieden. Darum lasst uns ärmer in unserem Wünschen werden. Der Arme im Geist lebt im Frieden des Herzens.  

Wünsche, an die wir uns zu sehr klammern, rauben uns leicht etwas von dem, was wir sein sollen und können. Bonhoeffer

Innerer Frieden durch inneren Kampf

Seht die Rettung des Herrn, der mit euch ist!  2. Chr 20:17

Bauen wir auf Gottes Gnade. Er hilft uns. Er hält nicht alles von uns fern. Immer wieder gibt er uns Gelegenheit zum geistigen Kampf, vor allem und häufig in den kleinen Dingen, wo es im Alltag ein wenig Geduld braucht, ein wenig Sanftmut, ein wenig Ertragen, ein wenig Liebe. Dadurch wachsen wir, indem wir mit Gottvertrauen und Beharrlichkeit das Gute üben. Sind wir hier nachlässig und murren schon über kleinste Unannehmlichkeiten, die uns das Leben z.B. durch andere Menschen zumutet, wie wollen wir da wohl inneren Frieden erlangen?  Inneren Frieden erlangen wir nur im inneren Kampf mit uns selbst, unseren Schwächen und Leidenschaften mit dem Wissen, dass wir nicht für uns allein kämpfen, sondern den Herrn an unserer Seite haben, der unsere Rettung ist.    

Halte dich fest an Gott! Mach’s wie der Vogel, der doch nicht aufhört zu singen, auch wenn der Ast bricht. Denn er weiß, dass er Flügel hat. Johannes Bosco

Innerer Frieden durch Setzung der richtigen Priorität

Richtet eure Gedanken auf Gottes himmlische Welt und nicht auf das, was diese irdische Welt ausmacht. Kol 3:2

Inneren Frieden gewinnt der, wer sich nicht unnötig um alles kümmert, was andere sagen und tun. Inneren Frieden gewinnt der, der seine Gedanken immer wieder auf Gottes himmlische Welt ausrichtet. Der Christ hat in den himmlischen Dingen seine Ruhestätte, denn die irdische Welt vergeht. Ja, wir leben in dieser irdischen Welt und wir dürfen sie auch mit allen Sinnen und Gottes Geschenken darin genießen, aber wir sollten nicht zu sehr darin verhaftet sein. Schon morgen könnte unser Leben vorbei sein. Dann sind wir vergangen. Darum in der Welt leben, aber mit den Gedanken stets bei dem Allerhöchsten sein, nicht nachlässig im Gebet und verbunden mit Christus, dem Erlöser.

Innerer und äußerer Frieden

Wer Böses ausheckt, betrügt sich selbst damit, denn Freude erfährt nur, wer sich für Frieden einsetzt. Spr 12:20

Bewahrst du Frieden in dir, dann kannst du auch Frieden in anderen bewirken. Bemühe dich also zuallererst um deinen inneren Frieden. Denn wer mit sich selbst in Unfrieden lebt, den treibt es hin und her und dieser Unfrieden wirkt sich auch auf seine Umgebung aus. Dann sagen wir, was wir nicht hätten sagen sollen. Dann sehen wir immer auf das, was andere tun sollten und versäumen dabei zu sehen, wo es an uns liegt, etwas zu tun. Wenn also solche Gedanken über dich kommen, verrichte einen positiven Akt durch ein Herzensgebet, damit du wieder zu dir selbst kommst und so zum Herrn, der in dir wohnt und der dein wahrer Friede ist.  

Ich sah auf Jesus, und die Taube des Friedens flog in mein Herz. Corrie ten Boom

Innere Frieden durch Gottesliebe

Das Auge wird nicht satt vom Sehen, das Ohr nicht satt vom Hören. Koh 1, 8

Es ist schädlich, vergängliche Reichtümer zu suchen und auf sie unsere Hoffnung zu setzen. Auch wenn es gut tut, ist es schädlich allein nach Lob und Anerkennung von Menschen zu verlangen. Ebenso tut es nicht gut allerlei körperlichen Bedürfnissen gleich nachzugeben. Auch der Wunsch nach einem langen Leben hat jeder, wenngleich es noch wichtiger ist, sich um ein gutes Leben zu bemühen. Denn ungut ist es, nur auf das gegenwärtige Leben zu achten und für die Zukunft kein Auge zu haben. Lieben wir nicht das Flüchtige, sondern jenes Gut, das ewige Freude bringt. Sei also darauf bedacht, dein Herz von der Liebe zum Sichtbaren zu lösen und dich zum Unsichtbaren zu erheben.  

Ich werde mein Herz befreien und leer machen von allen Dingen. Mit meinem ganzen Wollen werde ich Gott lieben. Alles hängt von diesen wenigen Worten ab: Ich will dies oder Ich will dies nicht.

Innerer Frieden und das Kreuz

Nehmt euch ein Beispiel an den Propheten, die im Auftrag des Herrn gesprochen haben. Wie vorbildlich und mit welcher Geduld haben sie alle Leiden ertragen! Jak 5:10

Der Weg zum inneren Frieden beinhaltet immer auch den Weg des Kreuzes. Du wirst meist an etwas zu leiden haben, ob es dir recht ist oder nicht. Immer wirst du das Kreuz finden. Entweder hast du körperlich zu leiden oder du fühlst dich seelisch bedrängt. Einmal fühlst du dich von Gott verlassen, ein andermal vom Nächsten geplagt und oft bist du dir selber die größte Last. Unterwerfe dich in allem Leid immer ganz Gott und wachse durch das Leid in der Demut. Überall aber musst du Geduld und Mut im Leid bewahren, wenn du inneren Frieden möchtest.    

In Mühen und Schwierigkeiten sein Herz weiten und seinen Mut vergrößern, denn dazu schickt Gott sie und lässt er sie zu. Franz von Sales

Gott der Fels unseres Heils (Ps 95)

Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln und jauchzen dem Fels unsres Heils! Ps 95:1

Gott ist der Fels unseres Heils. In ihm und bei ihm finden wir felsenfest inneren Frieden, solange wir unser Herz nicht verhärten und auf seine Stimme hören. Wenn wir Gott in Demut nahen und innerlich uns vor ihm verneigen, niederfallen und niederknien, dann nimmt er uns an die Hand und kümmert sich um uns, wie ein Hirte um seine Herde. Gerate ich in Zweifel, Gott bleibt fest wie ein Fels. Schwanke ich, Gott steht unerschütterlich. Werde ich untreu, Gott bleibt treu.  

Gotteskind heißt an Gottes Hand gehen, Gottes Willen, nicht den eigenen Willen tun, alle Sorgen und alle Hoffnung in Gottes Hand legen, sich nicht mehr um sich selbst und seine Zukunft sorgen. Darauf beruhen die Freiheit und Fröhlichkeit des Gotteskindes. Edith Stein

Mäßigung

Die Tugend der Mäßigung 

Gib mir Liebe zu deinem Wort und lass mich nicht in Habgier verfallen! Ps 119:36

In uns steckt eine Neigung zur Gier immer mehr haben zu wollen. Darum ist es schwer Maß zu halten. Es war noch nie so schwer wie jetzt: die große Fülle an Angeboten und Möglichkeiten reizt unentwegt. Das betrifft alle Lebensbereiche: Essen, Einkauf, Mediennutzung, Gemeinschaft, Arbeit, Sex, Alkohol, Anerkennung, Schokolade, Urlaubstrips. Jeder hat irgendwo seine Punkte, wo er gefährdet ist. Der eine hier, der andere dort. Fakt ist: Die Tugend des Maßhaltens ist heute wichtiger als jemals zuvor! Gerade weil wir wissen, dass tiefe Freude allein im Blick auf Jesus erwächst, denn „das Wesen dieser Welt vergeht.“ (1. Kor. 7,31)  

Herr Jesus, führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.

Erkenne und achte dein Maß

Alles steht mir frei, aber nicht alles ist förderlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich darf mich von nichts beherrschen lassen. 1. Kor 6:12

Mäßigung geht auf das griechische Wort Sophrosyne zurück. Dies bedeutet: die eigenen Grenzen erkennen, bejahen und einhalten: begrenzte Kraft, begrenzte Zeit, begrenzte Möglichkeiten. Missachte ich diese Grenzen, verliere ich das gesunde Maß, dann leidet mein Körper, meine Psyche und am Wichtigsten meine Seele und darin meine Beziehung zu Jesus. Im Kern bedeutet die Tugend des Maßhaltens: nicht mehr wollen, als gut für mich ist, als ich vertrage. Ziehe  Grenzlinien: Bis hierhin und nicht weiter. Hier ist meine Grenze, mein Maß. Darüber gehe ich nicht hinaus.  

Aus dieser Grenzziehung heraus dürfen wir Christus in Dankbarkeit begegnen und ihn immer wieder neu bitten:  gib du darin dein Erbarmen dazu.

Mäßige deine Wünsche. Begehre weniger!

Sei zufrieden mit dem, was du hast, und verlange nicht ständig nach mehr. Prediger 6:9

Wenn man begehrt, was man nicht hat, ist man unzufrieden. Und weil man nie alles haben, alles genießen, alles sehen und erleben kann, wird man nie zufrieden sein. „Willst du glücklich werden, vermehre nicht deinen Besitz, sondern vermindere deine Wünsche!“ (Seneca) Wir denken dabei meist an materielle Werte. Schwerwiegender für unsere Seele sind allerdings andere Bereiche z.B. ein überhöhtes Begehren nach Anerkennung und Ehre. Vermindere deine Wünsche. Begehre weniger. Lass den perfektionistischen Anspruch, was du alles haben solltest. Auch wenn dieses Loslassen Kraft und Leiden kosten, am Grund wartet eine stille Zufriedenheit, die unabhängig ist von allem Äußerem.  

Herr, lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche Klarheit.

Es ist genug – die wahre Freiheit

Ihr seid freie Menschen. 1. Petr 2:16

Was ist genug für mich? Wann habe ich genug gearbeitet, Länder besucht, Anerkennung bekommen u.a.? Wann ist es genug? Wo ist die Grenze? Wo ist mein Maß? Wenn ich innerlich spüre, dass ich nicht alles haben muss, entsteht ein Gespür für wahre Freiheit dafür, wann es für mich genug ist. Wer sagen kann „Ich habe genug“ der wird frei von dem Diktat des Immer mehr haben Müssens. Ganz tief leuchtet es plötzlich auf: Gott allein genügt. „Nach was also verlangst du voll Gier? Wenn du nach etwas anderem als dem Heiligen Geist verlangst, was wird dir genügen, wenn Gott dir nicht genügt?“ (Augustinus)  

Deine Freiheit beruht weniger auf der Kraft deiner Arme als auf der Mäßigung deines Herzens.

Setze dir in der Mäßigung kleine Ziele

Zu viel Honig essen ist nicht gut, zu viel Ehre bekommt einem nicht . Spr 25:27

Grenzen einzuhalten heißt zu verzichten. So ein Verzicht ist schwer. Das schafft man nur, wenn man sich ein Stück weit selbst unter Kontrolle hat. Daher ist ein Aspekt dieser Tugend die Selbstbeherrschung. Diese lässt sich trainieren. Wie Muskeln durch Training stärker werden, so kann auch die Willenskraft durch regelmäßige Disziplinübungen gesteigert werden. Aber vorsichtig. Nicht übertreiben. Der Wille erschlafft, wenn er lange gefordert ist und bricht dann ein. „Zu viel“ ist auch hier nicht gut. Setze dir kleine Ziele. Diese aber setze dann um. Das bringt deiner Seele mehr, als die großen Vorsätze, die morgen schon Vergangenheit sind.  

Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten; aber vor allem führe er uns zu sich.

Den Bogen nicht über das Maß spannen

Alles Übermaß ist von den Dämonen.  Abbas Poimen

Heute gibt es eine Geschichte von den Wüstenvätern, die uns begreiflich machen soll, dass in welchem Bereich auch immer, wir den Bogen nicht überspannen sollen.  

Da war ein Jäger, der sah, wie der Altvater Antonios mit den Brüdern Kurzweil trieb und er nahm Ärgernis daran. Da nun Antonios ihm klarmachen wollte dass man sich zuweilen zu den Brüdern herablassen müsse, sprach er zu ihm: Lege einen Pfeil auf den Bogen und spanne ihn. Er machte es so. Da sagte er zu ihm: Spanne noch mehr! Und er spannte. Abermals forderte er ihn auf: Spanne! Da antwortete ihm der Jäger: Wenn ich über das Maß spanne, dann bricht der Bogen. Da belehrte ihn Antonios: So ist es auch mit dem Werk Gottes. Wenn wir die Brüder übers Maß anstrengen, versagen sie schnell. Man muss also den Brüdern ab und zu entgegenkommen. Als der Jäger das hörte, ging er in sich, und mit großem Gewinn schied er von dem Altvater. Die Brüder aber kehrten gefestigt an ihren Ort zurück.

Maß halten gibt dem Leben eine Richtung

Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen. Phil 3,13

Die Tugend des Maßhaltens bedeutet, Nein sagen zu können. Bildlich gesprochen heißt Maß halten: Dämme aufzurichten. Allerdings nicht Dämme auf vier Seiten, die unser Leben einengen und zum Stillstand bringen, sondern Dämme auf zwei Seiten, damit unsere Energien in eine eindeutige Richtung strömen können, stark, konzentriert und wirksam. Positiv formuliert bedeutet die Tugend des Maßhaltens also die Fähigkeit zur Fokussierung. Fokussierung ist das ruhige, gesammelte Gerichtetsein auf eine Sache. Nur wenn wir zu vielen Dingen Nein sagen, haben wir die Kraft für ein großes Ja. Das ist der Sinn dieser Tugend.

Innere Ruhe

Innere Ruhe durch Blick auf Gottes Taten

Komm wieder zur Ruhe, meine Seele, denn der Herr hat dir Gutes erwiesen. Ps116:7

Das funktioniert bei mir immer, wenn ich unruhig bin. Durch wie viele Stürme deines Lebens hat Gott dich schon getragen? In beunruhigenden Lebenssituationen halte kurz an, besinne dich ganz konkret auf Gottes gute Taten in deinem bisherigen Leben und dann schau auf das, was jetzt vor dir liegt und dich beunruhigt und wiederhole, die Zusage, die Gott uns in der Schrift gegeben hat: „Auch hierbei werde ich dir helfen.“ Vielleicht nicht so wie wir uns das vorstellen, aber er hilft.

Innere Ruhe durch äußere Ruhe

Gott hat die Kirchen wie Häfen im Meer angelegt, damit ihr euch aus dem Wirbel irdischer Sorgen dahin retten und Ruhe und Stille finden sollt. Chrysostomus

Der Diktatur des Lärms müssen wir entgegen wirken. Im Auto mal kein Radio an, den Fernseher als Hintergrund-Beschallung Mal auslassen, die Ruhe des Waldes suchen, fünf Minuten die Stille einer Kirche aufsuchen, mal bewusst weniger reden am Tag…..Ihr habt Ruhe nötig! (Mk 6:31)…. Kirche muss dabei nicht nur ein Gebäude sein, sondern jeder Ort, wo ich mich jeglicher Beschallung entziehe. Suche diese Orte. Deine Seele braucht sie.

Innere Ruhe durch Rhythmus 

Ebbe und Flut des Willens sind wie die Gezeiten des Meeres. Wenn wir aufhören zu kämpfen und zu klagen und lange genug den Blick von uns selbst abwenden, werden wir erkennen, dass das Leben es gut mit uns meint. Charles B. Newcomb

Die Natur ist dem Wandel unterworfen: Sonne, Mond, Jahreszeiten, Flut und Ebbe…. Das gleiche gilt für uns Menschen. Wir lachen und weinen, arbeiten und vergnügen uns, sind jung und werden alt, haben anstrengende und relaxte Tage, erwachen und schlafen ein, alles hat seine Zeit. „Für alles gibt es eine Stunde. Alles, was unter dem Himmel geschieht, hat seine Zeit.‭“ (Koh 3,1). Es gibt einen Rhythmus in unserem Leben. Wenn wir uns dem Rhythmus anpassen schöpfen wir neue Energie. Das Leben in all seiner Fülle und Gegensätzlichkeit wahr- und anzunehmen ist ein Weg zur inneren Ruhe.

Innere Ruhe durch gesuchte Gottesnähe

Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Mt 11:28‭-‬29

Du bist meine Zuflucht, mein Schutzwall, mein Dach gegen den Regen, mein Schatten gegen die Hitze (Ps 31,3; Sir 34,19). Die Vögel haben ihre Nester auf den Bäumen, um sich dorthin zurück zu ziehen, wenn sie dessen bedürfen. Der Hirsch hat sein Gebüsch und sein Dickicht, in dem er sich verbirgt und vergräbt und im Sommer sich der Kühle des Schattens erfreut.

So muss auch unser Herz sich jeden Tag irgendeinen Platz suchen, den Kalavarienberg, die Wunden des Herrn oder einen Ort nahe bei ihm, um sich dorthin inmitten der äußeren Arbeit bei jeder Gelegenheit zurück zu ziehen, sich dort zu stärken und zu erholen und sich wie in einer Festung gegen die Versuchung zu verteidigen. Franz von Sales

Unabhängigkeit von äußeren Umständen

Die Ruhe im Herrn hängt nicht von unseren äußeren Umständen ab, sondern von unserer Gemeinschaft mit Gott selber. Corrie ten Boom

Der innere Friede, das ist etwas anderes als Zufriedenheit.  Der innere Friede, das ist das Licht,  das uns inmitten unseres Elends und unserer Schuldhaftigkeit  die Ahnung von einer erdumfassenden Liebe gibt, die Gott selbst ist. Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen, wenn uns die Umtriebigkeit des Alltag mal wieder gefangen nimmt: Wir leben und wohnen in dieser umfassenden Liebe. Wenn dass nur mehr Menschen im mittlerweile gewordenen Missionsland Deutschland erkennen würden. Heute bewusst kein Bild, weil diese umfassende Liebe unbegreiflich ist und nur diese Liebe kann zur inneren Ruhe führen. Stattdessen lasst uns für die Menschen in Deutschland beten, dass sie Gott erkennen und zum Glauben zurück finden. Lasst uns wo immer möglich Zeugnis geben für unseren Glauben, der uns alle zu Schwestern und Brüder macht als Kinder Gottes.

Innere Ruhe durch Ganzhingabe

Wer alles um meines Namens willen verlässt und auf mich schaut,  der wird hundertmal soviel Ruhe, den Frieden des Herzens  auf irdische Weise empfangen, gerade weil er die Sorgen um das Irdische abgelegt hat. Ein solcher Mensch ist in allem gelöst und heiter. Hildegard von Bingen

Es ist ein hoher Anspruch, der hier beschrieben wird. Aber es ist gibt nur den Weg der Ganzhingabe. Es ist gefährlich, als halber Christ zu leben in einer stürmischen Welt. Das Bild eines Wirbelsturm hilft. Der Wirbelsturm ist die Welt um uns herum, alles was um uns herum wirbelt und unsere innere Ruhe verhindert. Im Zentrum eines Wirbelsturms dagegen ist absolute Ruhe. Es gibt keinen sichereren Ort als das Zentrum des Willens Gottes. Ganzhingabe bedeutet stets darum bemüht zu sein, sich im Zentrums des Wirbelsturm auf zu halten. In diesem Zentrum ist auch der Frieden der inneren Ruhe zu finden.

Bescheidenheit

Zufriedenheit in der Bescheidenheit

Dabei ist doch jeder reich, der an Gott glaubt und mit dem zufrieden ist, was er hat 1.Tim 6,6

Bescheidenheit als Frucht des hl. Geistes ist eine Entscheidung, mit dem glücklich zu sein, was man hat. Wir können uns dafür entscheiden, jeden Tag zufrieden zu sein mit dem was wir haben und was ist und unsere Gier und Sehnsucht zügeln. Zufriedenheit in der Bescheidenheit! Es liegt durchaus an uns wieviele „Sternchen“ wir dem Tag am Ende geben, abhängig mit wie viel Wünschen und Ansprüchen wir in den Tag gehen. Sind diese zu viel und zu hoch, dann scheitern wir wahrscheinlich recht häufig daran. Ergebnis ist meist Unzufriedenheit. Bescheidenheit ist die Fähigkeit, mit Wenigem zufrieden zu sein. So „schmücke dein Haus mit Bescheidenheit“ (Chrysostomus). 

Reduzierung und Bescheidenheit

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Genüge, sondern das Fühlen und Kosten der Dinge von innen.Ignatius von Loyola

Ich glaube jeder kennt es von uns. Der Kopf platzt. Es ist alles zu viel. Hektik, Aktionismus. Tausend Gedanken gehen einem durch den Kopf. Weniger ist mehr. Die Reduzierung auf das Wesentliche lässt uns intensiver leben, lässt uns den Frieden des Herzen bewahren und wahrlich: „Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll ist wie der Herzensfrieden.“ (Franz von Sales). Jesus sagt: „Eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen.“ (Mt 11:29), er ist das Wesentliche, auf den wir uns reduzieren müssen, dann kehrt Ruhe ein. Diese Ruhe meint dabei nicht das Alltagstreiben, da ist schon mal Tobawo und Hektik präsent, sondern eine tiefe Seelenruhe, die bei all dem Treiben auf einem festen Fundament ruht: Jesus Christus!

Bescheidenheit im eigenen Anspruch

Nimm dir nicht zuviel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und ohne Ungeduld. Papst Johannes XX III

Liebe kennt kein Maß. Es gibt keinen Level, wo du sagen müsstest, hier ist heute zu viel Liebe gewesen. Dennoch: wie schwach bin ich häufig, emotional wie auch im Handeln, weit entfernt vom Vorbild Jesus. Gott sei Dank für seine Barmherzigkeit in Jesus Christus. Dann gilt es in Bescheidenheit seine Schwächen anzunehmen, das kleine Gute zu suchen im Tag, wozu man auch fähig ist es auszuführen, ohne Übertreibung und Ungeduld, dennoch im Bewußtsein, dass unser Verhältnis zu Gott ein neues Leben im Dasein-für-andere ist. Nehmt euch vor, in den belanglosen Dingen anderen zu Gefallen zu sein, in kleinen Dingen anders zu handeln als sonst. Ja: Nicht die unendlichen, unerreichbaren Aufgaben, sondern der jeweils erreichbare Nächste ist Gott in Menschengestalt.

Gegen das Übermaß

Weniger wäre manchmal mehr gewesen.Kant

Oder um es mit Abbas Poimen zu sagen: „Alles Übermaß ist von den Dämonen.“ Ja, Bescheidenheit ist das Gegenteil von Vermessenheit. Du lebst heute in einer Gesellschaft der Mehr-Kultur.  Die Gefahr ist, dass du dich da reinziehen lässt. Bescheidenheit heilt deine Seele von dem Mehr, Größer und Besser. „Das wahre Glück ist die Genügsamkeit und die Genügsamkeit hat überall genug.“ (Goethe). Hüte dich also vor der Übertreibung und dem Übermaß im materiellen, wie auch im geistigen und spirituellen Bereich.

Bescheidenheit als stumme Predigt

Zu bescheiden ist halb stolz. Jüdisches Sprichwort

Also Vorsicht: Bescheidenheit ist eine stumme Predigt, weil der Bescheidene durch seine Art nach Außen deutlich macht, dass er Gott alles verdankt. Der Bescheidene kann seine Fähigkeiten nüchtern einschätzen und ist frei von Einbildung oder Eitelkeit. Der Bescheidene will auch nicht mehr, als ihm von Gott geschenkt ist. Außerdem weiß er, dass er trotz allem nicht vollkommen ist, jedoch vor Gott als dessen Geschöpf so sein darf, wie er ist. Der Bescheidene bleibt auch dann gelassen und ruhig, wenn er große Erfolge feiert. Er weiß eben davon, dass auch seine größten Talente Geschenke sind, auf die er sich im Grunde nichts einbilden kann, sondern nur Dankbarkeit empfinden kann.  

Übungen der Bescheidenheit

Was muss ich tun, um Bescheidenheit zu lernen?

Franz von Sales empfiehlt folgende Punkte, die bewusst machen, dass es bei der Bescheidenheit nicht einfach um ein Weniger geht, sonder darin eine umfassende Lebenshaltung steckt:

1. Respekt gegenüber den Mitmenschen, die einem begegnen. Gesicht und Blick sollen heiter sein

2. Nicht streiten, nicht mit heftigem Eifer sprechen, gelassen antworten, sagen, was man zu sagen hat, ohne sich ängstlich zu zeigen.

3. Seine Handlungen ruhig und ohne innere oder äußere Hast verrichten.

4. Da die Grundlage der Bescheidenheit das Bewusstsein ist, Geschöpf Gottes zu sein, kommt natürlich dazu, in sich den Wunsch zu fördern, in allem Gott zu gefallen.  

Suche in nichts etwas

Nur in intellektueller Bescheidenheit und mit dem Gebet können wir uns der übernatürlichen Wirklichkeit nähern. Benedikt XVI

Um zu erlangen, alles zu genießen, suche in nichts Genuss. Um zu erlangen, alles zu besitzen, suche in nichts etwas zu besitzen. Um zu erlangen, alles zu sein, suche in nichts etwas zu sein. Um zu erlangen, alles zu wissen, suche in nichts etwas zu wissen. Um zu erlangen, was du nicht weißt, geh dorthin, wo du nichts weißt. Um zu erlangen, was du nicht besitzest, geh dorthin, wo du nichts besitzest. U Um zu werden, was du nicht bist, geh hin, wo du nichts bist. Johannes vom Kreuz