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Über das Gebet

Aspekte des Gebetes

Auf Gott hören

Auf ihn sollt ihr hören. Dtn 18,15 + Mt 17,5 (!!!)

Der Herr spricht zu uns. Wir hören. Das ist Gebet. Punkt! Wir dürfen das Gebet suchen, nicht um es zu genießen im Ego-Trip nach spirituellen Hochgenüßen, sondern um Kraft zum Dienen zu bekommen und zwar dort, wo mich Gott hingestellt hat in meinem Alltag in der Familie, bei der Arbeit oder sonstwo. „Abgesehen von eurem hilfreichen Gebet sollt ihr nicht gleich der ganzen Welt dienen wollen, sondern denen, die mit euch zusammen leben. (Therese von Avila). Nun gut: Ich hatte schon 2 Wochenreihen über das Thema „Gebet“ und dennoch werde ich andere Aspekte dieses so reichhaltigen Themata ansprechen. Ein für mich wichtiger grundlegender Aspekt: Das Gebet kann selbst in schwierigen Zeiten mit Herz und Freude vollzogen werden, daran erinnerte mich vor ein paar Tagen der Bibelvers: „David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem Herrn her.“ (2 Sam 6) Gebet ist immer Fest und Freude über die Möglichkeit dieser Kommunikation, selbst wenn es hin und wieder trocken ist oder mich das Leben in welcher Form auch immer gerade belastet.    

Gebet – Wie sollen wir Gott bitten?

Bittet Gott, und er wird euch geben! Mt 7,7

Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz „Dein Wille geschehe“, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Weiter: es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. „Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben.“ (Bunyan). Außerdem: überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird: „Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen.“ (Johannes vom Kreuz). Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwer fällt und wo wir leiden darüber, dass Gott „scheinbar“ nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.  

Kontemplation und Aktion

Wer Christus nachfolgt, bleibt gleichzeitig Gott und den Menschen nahe, er trennt nicht zwischen Gebet und mitmenschlicher Solidarität. Frère Roger

Kontemplation und Aktion, Ruhen in Gott und tätiges Handeln nach aussen am Nächsten, gehen Hand in Hand über den ganzen Tag hinweg. „Führe dein Herz immer wieder in die Einsamkeit, während du nach aussen hin im Gespräch oder bei Geschäften bist. Diese geistige Einkehr kann in keiner Weise durch die Gegenwart vieler Menschen verhindert werden; sie umgeben dich ja nur äußerlich, während dein Herz ausschließlich in der Gegenwart des alleinigen Gottes bleibt“ (Franz von Sales). Tiefe Frömmigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass das Gebet auch in der Geschäftigkeit des Alltags den ganzen Tag durch zieht, ich, obwohl ich tätig nach aussen bin, dennoch in Jesus ruhe und in ihm meine Mitte finde. „Ohne Kontemplation geht der Aktion bald der Atem aus, und ohne Aktion verträumt sich die Kontemplation.“ (Walter Nigg) Dieser Impuls passt exakt auch für mich heute, wo drei Mitarbeiter krank sind und viiiiiiel Aktion ist. Herr, lass mich in deiner Ruhe wohnen.    

Die Einfachheit des Gebets

Das ist Glaube, wo man mit Gott spricht wie man mit Menschen sprechen würde. Pfarrer von Ars

Nein, wir müssen keinen Theologiekurs machen, um in die richtige Art und Weise des Gebets zu kommen. Im Gegenteil, häufiger müssen wir zurück schrauben, es vereinfachen, um wieder zur Echtheit zu gelangen. Um dies zu erhellen, an dieser Stelle drei Zitate: – Wie betest du? Du solltest zu Gott gehen wie ein kleines Kind. Ein Kind hat keine Schwierigkeiten, seine Gefühle in einfachen Worten auszudrücken, die so viel sagen. Mutter Theresa – Das Gebet ist nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil er uns liebt. Therese von Avila – Das Wesen des Gebetes besteht in der Aufmerksamkeit. Im Gebet richtet die Seele alle Aufmerksamkeit, derer sie fähig ist, auf Gott, und die Beschaffenheit des Gebetes hängt zu einem großen Teil von der Beschaffenheit der Aufmerksamkeit ab. Simone Weil  

Die Gebetsgeste des Hinkniens

Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns niederknien vor dem Herrn , unserem Schöpfer! Ps 95:6

Wann bin denn ich das letzte Mal vor Jesus auf die Knie gegangen? Nicht in der Kirche, wenn sich alle hinknien. Sondern ich, ganz persönlich, in einem Moment der Anbetung oder einem Moment der Bitte. Sich vor jemanden hinknien bedeutet, ihm die höchste Ehrfurcht und das größte Vertrauen entgegenzubringen. Wie gut tut es unserer Seele, wenn wir uns immer wieder vor Gott hinknien. Wenn diese äußere Geste auch einem innerlich vollzogenen Akt entspricht. Dazu Worte von Henri Cafarell:

Eine sehr besonnen ausgeführte Kniebeugung ist ein Akt der Seele wie des Körpers; eine klare und aufrechte Haltung des wachen Menschen, vor sich selbst und vor Gott ganz gegenwärtig; ein Kreuzzeichen, langsam, sinnerfüllt. Langsamkeit und Ruhe sind von großer Bedeutung, um den überstürzten und angespannten Rhythmus eines vielbeschäftigten und gehetzten Lebens zu brechen.

Stoßgebete

Die Stoßgebete sind die Liebespfeile zum Herzen Jesu und Funken des Gnadenlebens. Danach sehnt sich sein Herz. Rosa von Lima

Der sterbende Räuber am Kreuz betete ein Sekunden-Stoßgebet und empfing eine Antwort für die Ewigkeit. Eine Evangeliums-Stelle, die uns wie keine andere den Wert und die Bedeutung von Stoßgebeten bewusst macht. Stoßgebete sind für mich unerlässlich. Vor einem schwierigen Gespräch, bei eigenem Leiden oder dem Mittragen fremden Leids, einfach so aus dem Augenblick heraus, bei kleinen und großen Entscheidungen u.v.m. „Mein Kind, Ich habe es gern, wenn du innehältst, um Mich zu loben, Mich zu preisen, Mir zu danken“. (Jesus von Léandre Lachance) Jesus, ich gebe mich hin, nicht nur Sonntags oder beim Morgengebet, sondern in jeder Herzensbewegung zu deinem Herzen. Das Stoßgebet – eine gute Sache!  

Das Lebensgebet

Alle Handlungen jener Menschen, die gottesfürchtig leben, sind ständige Gebete und heißen Gebete des Lebens. Ebenso kann man sagen, dass diejenigen, die Gutes tun, beten, weil sie dadurch Gott ganz nahe sind. Franz von Sales

Gebet ist das A und O. Klar. Früher hatte ich allerdings häufig Gebetsstreß, dachte ich muss ein Pensum erfüllen. Folge war eine innere Unruhe. Der Weg aus dieser spirituellen Sackgasse kam mit dem Erkennen, dass mein Morgengebet weiter geht in der Zuwendung zum Nächsten, bei mir das Leben und Arbeiten mit körper- und geistigbehinderten Menschen. Das Wort „Lebensgebet“ von Franz von Sales hat es für mich dann auch begrifflich auf den Punkt gebracht.

Ihr sagt mir, dass ihr nicht die Zeit habt, um zwei oder drei Stunden zu beten. Wer spricht denn davon? Empfehlt euch am Morgen Gott, beteuert, dass ihr ihn nicht beleidigen wollt, dann geht an euer Tagewerk mit dem Entschluss, gleichwohl häufig euren Geist zu Gott zu erheben, selbst in Gesellschaft. Franz von Sales)

Du kannst beten, während du arbeitest. Die Arbeit hält das Gebet nicht auf und das Gebet nicht die Arbeit. Mutter Teresa   

Das Gebet ist wirkungsvoll

Das Gebet und nur das Gebet ist eine wirksame Waffe im Kampf für die Freiheit und das Heil der Seelen. Und warum? Weil einem übernatürlichen Ziel nur übernatürliche Mittel entsprechen. Das Paradies oder – wenn man es so ausdrücken will – die Vergöttlichung der Seele ist eine übernatürliche Wirklichkeit im wahrsten Sinne des Wortes. Mit unseren rein natürlichen Kräften allein können wir daher dieses Ziel nicht erreichen. Wir brauchen ein übernatürliches Mittel: die Gnade Gottes. Und diese erhält man nur durch Demut und vertrauensvolles Gebet. Die Gnade und nur die Gnade erleuchtet unseren Verstand und stärkt unseren Willen; sie ist ein Mittel zur Bekehrung, das heißt zur Befreiung der Seele von den Fesseln des Bösen […] Die Bekehrung und Heiligung der Seele ist und wird immer das Werk der göttlichen Gnade sein. Ohne die Gnade Gottes kann man in diesem Bereich nichts ausrichten, weder durch das gesprochene noch durch das gedruckte Wort, noch durch irgendein anderes äußeres Mittel. Bitten wir also für uns selbst und für die anderen um Gnade durch demütiges Gebet, durch Abtötung und durch Treue bei der Verrichtung unserer Aufgaben, und seien sie noch so einfach und gewöhnlich. Je näher die Seele bei Gott ist, desto kostbarer ist sie für Gott, und je mehr sie ihn liebt, umso mehr wird sie von Gott geliebt; darum kann sie auch den anderen effektiver helfen, nicht zuletzt deshalb, weil ihr Gebet leichter und umfassender erhört wird. Maximilian Kolbe

Über das Gebet (Franz von Sales)

Gebet als Gespräch mit Gott

Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen. Ps 27:8

Das Gebet ist ein Gespräch der Seele mit Gott, eine Erhebung des Geistes zum Allmächtigen. Wenn das Gebet eine vertrauliche Unterredung mit Gott ist, so sprechen wir durch dasselbe mit Gott und Gott spricht zu uns. Wir verlangen sehnsüchtig nach ihm, atmen zu ihm auf und er hinwieder haucht uns seinen Geist ein und gießt ihn über uns aus. Mystisch nennt man das Gespräch, da es ganz im geheimen vor sich geht. Es wird zwischen Gott und der Seele nicht anders als von Herz zu Herz gesprochen, durch eine für andere als die Sprechenden gar nicht mitteilbare Mitteilung.

Die Betrachtung

Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen ¬Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus Heb 3:1

Die Betrachtung ist ein aufmerksames, wiederholtes Nachdenken um den Willen zu heiligen und zu heilsamen Affekten und Entschlüssen anzuregen. Die Seele geht von einem Geheimnis zum anderen, aber nicht nur, um die Schönheit der göttlichen Dinge zu sehen und an ihr Freude zu haben, sondern mit der Absicht, Beweggründe zur Liebe zu finden. Brennend vor Liebe, spricht sie mit Gott, stellt ihm Fragen, hört ihm zu, seufzt, sehnt sich nach ihm, bewundert ihn. Gott seinerseits überhäuft sie mit Freude, regt sie an, rührt und öffnet ihr Herz und teilt demselben klare Erkenntnisse, Erleuchtungen und Wonnen ohne Ende mit. Das Verlangen nach der göttlichen Liebe läßt uns betrachten. So wie die Bienen da und dort Honig sammeln, um sich an seiner Süße zu erfreuen, so pflegen auch wir die Betrachtung, um die Liebe zu Gott zu gewinnen.

Das Gebet der Ruhe

Ich werde euch Ruhe geben. Mt 11:28

Die liebenswerte Ruhe der Seele nennt Theresia von Jesus das Gebet der Ruhe. Liebende begnügen sich zuweilen damit, bei der Person zu sein, die sie lieben, wenn sie auch nicht mit ihr reden. Sie sind, wie es scheint, zufrieden und froh, diese geliebte Gegenwart auszukosten. Ihr Gemüt findet darin Ruhe und Frieden. Wenn du daher in diesem einfachen, reinen, kindlichen Vertrauen bei unserem Herrn bist, so verweile da und rühre dich keineswegs, um fühlbare Akte des Verstandes oder des Willens zu erwecken. Diese einfache Liebe des Vertrauens und dieses liebevolle Schlafen deines Geistes in den Armen deines Erlösers schließt alles in sich, wonach immer dich gelüsten möchte. Es ist besser, an dieser heiligen Brust zu schlafen, als irgendwo anders, wo immer es auch sei, zu wachen. Eine Seele, die in Ruhe und Schweigen vor Gott ist nimmt die Wonne dieser Gegenwart in sich auf.

Zusammensein mit Gott

Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, eine Lilie der Täler. Hdl 2,1

Wenn wir uns von Gott angeschaut wissen, erkennen und gewahren wir uns in unserer gottgeschenkten Schönheit. Du bist nicht nur einer unter vielen. Du bist etwas ganz Besonderes in meinen Augen. Dich liebe ich mit einzigartiger Liebe. Mit dem Geliebten zusammen zu sein, ist ein Duft, eine Wohltat und ein Wohlgeschmack. Die Zeit, die wir mit Gott im Gebet verbringen, bewirkt in uns, was keine andere Begegnung zu bewirken vermag. Durch seinen Heiligen Geist schenkt Gott unserem Herzen in der Unrast Ruhe, haucht in der Hitze Kühlung zu und lässt uns die Süßebseiner barmherzigen Liebe verkosten. Wenn wir doch mit solcher Sehnsucht und Vorfreude jeden Tag zum Gebet hineilten.

In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen! Hdl 2,3

Die Beschauung

Ich habe den gefunden, den meine Seele liebt. Ich habe ihn gefunden und lasse ihn nicht!.Hld 3,4

Die gewonnene Liebe aber läßt uns beschauen. Die Liebe drängt dazu, die geliebte Schönheit immer noch aufmerksamer anzuschauen und das Schauen zwingt das Herz, sie immer noch brennender zu lieben. Die Beschauung ist ein liebevolles, einfaches, ständiges Aufmerken des Geistes auf göttliche Dinge. Um zum beschaulichen Gebet zu gelangen, müssen wir für gewöhnlich das Wort Gottes hören, mit anderen geistliche Gespräche pflegen, fromme Bücher lesen, beten, betrachten, geistliche Lieder singen, gute Gedanken hegen. Die Beschauung hängt nicht von unserer Bemühung ab, sondern Gott bewirkt sie in uns durch seine heilige Gnade, wenn es ihm gefällt.

Vereinigung mit Gott im Gebet

Oh Gott wo irrte ich umher, dich unendliche Schönheit zu suchen! Ich suchte dich draußen, und du warst mitten in meinem Herzen. Augustinus

So zieht der Herr die gottliebende Seele ganz an sich, wenn er ihr seine göttliche Liebe offenbart. Er rafft all ihre Fähigkeiten zusammen und birgt sie förmlich im Schoß seiner mütterlichen Zärtlichkeit. Brennend vor Liebe ergreift er die Seele, vereinigt sich mit ihr, drückt sie an seine Lippen. Die gelockte Seele gibt sich nicht nur hin, sondern wirkt mit aller Kraft mit, eine immer innigere Verbundenheit mit Gott zu gewinnen. Sie ist sich aber dessen voll bewußt, daß ihr Eins-und Verbundensein mit dieser über alles erhabenen Güte ganz vom göttlichen Wirken abhängt, ohne das sie nicht den geringsten Versuch wagen könnte, sich mit ihr zu vereinigen. Wie glücklich ist doch eine Seele, die in der Stille ihres Herzens das heilige Empfinden der göttlichen Gegenwart liebend bewahrt!

Fruchtbare Gemeinschaft im Gebet

Solange der König an der Tafel ruht, gibt meine Narde ihren Duft. Hdl 1,12

Der König ist anwesend. Gemeinsam zu Tisch liegen ist ein Bild für vertraute Gemeinschaft. Der König schenkt seine Gegenwart, und die Braut verströmt ihren Duft. Das ist ein Bild für das Gebet. Christus schenkt seine Gegenwart, und die Seele antwortet mit ihrer Hingabe, mit ihrer Sehnsucht, Gott zu gefallen und heilig zu sein. Dabei ist sie ganz und gar abhängig von der Gegenwart des Königs. Nur solange er da ist, kann sie ihren Duft verströmen. Nur durch die Gegenwart Christi können wir wahrhaft beten. Ohne ihn können wir nichts tun, nicht einmal beten. Ohne ihn wären wir zu keiner Regung der Liebe fähig, die ja das Wesen des Gebets ausmacht. Alles ist Gnade

Gott umfängt mich

Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich. Hdl 2,6

Im Gebet umfängt der göttliche Liebende unser ganzes Menschsein. Der Kopf steht für unser Denken und Verstehen. Im Gebet ordnet, reinigt und erleuchtet Gott unseren Verstand. Er gibt uns Licht für die aktuellen Fragen unseres alltäglichen Lebens. Er lässt uns die Welt im Licht seiner Weisheit sehen. Er führt uns tiefer in die göttliche Wahrheit ein. Der Liebende umfängt seine Geliebte mit der Rechten, d.h., er zieht sie an sich, so dass Herz an Herz zu liegen kommt. Im Gebet dürfen wir ruhen am Herzen Jesu. Es ist schön, bei ihm zu verweilen und von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Liebende sehnen sich nach ungestörtem Zusammensein, und immer ist die Zeit dafür zu kurz. So wünscht sich auch die Seele, wenn sie in der Umarmung der göttlichen Liebe ruht, Ungestörtheit, ja Ewigkeit.

Wachet und Betet

Wichtig ist allein Gott, der für das Wachstum sorgt. 1. Kor 3:7

Nachdem wir gepflanzt und begossen haben, müssen wir wissen, daß es an Gott ist, den Bäumen unserer guten Neigungen und Haltungen das Wachstum zu geben. Die Sorge um die Größe von Gewinn und Ernte müssen wir unserem Herrn überlassen. Der Herr sagt Wachet und betet. Würde der Herr nur sagen Wachet, so würden wir meinen, allein auskommen zu können. Da er aber hinzufügt Betet zeigt er uns, daß das Wachen derjenigen, die unsere Seele behüten, umsonst ist, wenn er sie nicht behütet.

Bleibt wach und betet. […]Ich weiß, ihr wollt das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen. Mt 26:41

Herzenserhebungen

Empfehlt euch am Morgen Gott, beteuert, daß ihr ihn nicht beleidigen wollt, dann geht an euer Tagewerk mit dem Entschluß, gleichwohl häufig euren Geist zu Gott zu erheben, selbst in Gesellschaft. Wer kann euch daran hindern, auf dem Grund eures Herzen mit ihm zu sprechen? Es ist ja nicht nötig, daß ihr geistigerweise oder mündlich mit ihm sprecht. Sagt kurze aber feurige Worte. Der hl. Franziskus sagte oft „mein Alles“, der hl. Bruno oft „O Güte!“.

Sich im Gebet Gott nahen

Und sie warfen sich anbetend vor ihm nieder. Lk 24:52

Die christliche Sache lebt und stirbt mit dem Gebet. Beten ist nicht nur bitten und auch nicht nur danken. Beten heißt erst einmal so stille werden, daß wir Gottes Wort an uns vernehmen, heißt dann aber, diesem Wort Antwort geben, sei es in Worten oder in Taten. Beten heißt Gott nahe kommen und nahe bleiben wollen, weil er uns nahegekommen ist. Beten können wir nur, weil Christus da ist, in ihm hat unser Gebet seinen Grund, denn durch ihn haben wir Gott zum Vater. Christus ist die Kraft unseres Betens und nur aus dieser Kraft können wir ohne Unterlaß beten. Aber eben weil Christus unsere Kraft ist, die uns zum Vater führt, darum macht das Gebet uns fröhlich und stark, darum kann ein Mensch, der betet, nicht mehr Angst haben und nicht mehr traurig sein. Im Gebet ist Christus, ist Gott uns nahe. Nahet euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Bonhoeffer

Vertrauen

Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Spr 3:5

Das Wort Vertrauen bedeutet fest werden. Vertrauen hat mit Festigkeit zu tun und mit Treue. Vertrauen will jeden Tag neu gewagt werden. Beende dein Gebet stets immer mit Gottvertrauen. Laut Bonhoeffer ist das Gebet nicht ein fromme Handlung oder Übung, sondern es ist die vertrauende Bitte des Kindes zum Herzen des Vaters. Darum ist das Gebet niemals demonstrativ, weder vor Gott, noch vor uns selbst, noch vor anderen, sondern schlicht das vertrauende Hineinwerfen meiner Selbst in seine Güte, das Loslassen meiner Selbst, um mich in ihm neu zu finden.

Gebetshaltung

Man fragte einen Alten: »Ist es gut, sich auf die Knie zu werfen? Der Alte sagte: Jesus Nave sah, als er sich auf die Knie warf, Gott. Apophthegmata

Die Gebetshaltung kann uns öffnen für Gott. Wenn ich niederknie oder mich verbeuge, mache ich mich klein. Und ich spüre, dass ich vor etwas niederknie, das größer ist als ich selbst. Mein Gebet wird dadurch innerlicher und ich gebe mich bewusster in die Haltung des Hörens hinein. Und eben darauf kommt es ja an, auf seine Wegweisung und Instruktionen zu hören, mit einem Herzen, das zugewandt ist. Beten heißt nicht: sich selbst reden hören. Beten heißt: stille werden und stille sein und hören, bis der Betende Gott hört.

Sie werfen sich vor ihm nieder und achten auf seine Worte. 5. Mose 33:3

Gebet als Schild und Schwert

Das Gebet ist das Schild und das Schwert. Apophthegmata

Das Gebet ist dein Schild. Es schützt dich vor äußeren und inneren Bedrängnissen, vor dem Trübsal der Seele u.v.m. Das Gebet ist dein Schwert. Es hilft dir im Kampf gegen Versuchungen und innere Leidenschaften. Sie wird es immer geben, Gott aber gibt dir darin die notwendige Kraft. Geistliches Leben ist immer auch geistlicher Kampf. Darum: Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an. Eph 6:11

Aufwachgebet

Vers 1: Lob der Dreifaltigkeit

Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn. Er ist erstanden von dem Tod hat überwunden alle Not.

Vor ein paar Jahren habe ich für mich das „Aufwachgebet“ entdeckt (eigene Wortschöpfung). Vielleicht pflegst du so ein Ritual ja auch schon. Ich liebe dieses Aufwachgebet, ein Gebet, direkt nach dem Aufwachen, weil es mich bevor ich irgendetwas mache (aufstehen, Kaffee, Dusche, Impulse verschicken) auf Gottes Willen und Anwesenheit einstimmt. Bewusst habe ich ein Gebet in Reimform gewählt, weil das direkt nach dem Aufwachen besser zu behalten ist, und zwar ein Ambrosius-Hymnus, den ich noch um zwei Verse aus einem Lied erweitert habe. Dieses mir so wertvoll gewordene „Ambrosius-Hymnus-Aufwachgebet“ möchte ich als Wochenthema wählen. Ganz bewusst beginnt es mit dem Lob Gottes und dem Kern, der Grundlage unseres Glaubens: die Auferstehung des Herrn.

Vers 2: Zuversichtlich in den Tag

Schon zieht herauf des Tages Licht, wir flehn zu Gott voll Zuversicht: Bewahre uns an diesem Tag vor allem, was uns schaden mag

Gehe stets morgens zuversichtlich in den Tag. Gott ist bei dir. Er ist deine Zuversicht und er bewahrt dich. Das bedeutet nun nicht, dass dir unschöne Dinge zustoßen. Das Leben ist kein Ponyhof und jeder kennt von uns auch diese unschönen Tage. Aber in all diesen Geschehnissen bewahrt er uns dennoch. Direkt nach dem Aufstehen zeigt mir dieser Vers, dass ich loslassen darf von Sorgen, zu viel Gedanken und eigenmächtigen Planen. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Es wird kommen, wie es seinem Willen entspricht, mir allein soll die Zusage reichen: Gott ist bei dir!

Vers 3: Zähmung unserer Zunge

Bezähme unsrer Zunge Macht, dass sie nicht Hass und Streit entfacht; lass unsrer Augen hellen Schein durch Böses nicht verdunkelt sein.

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken. So, wie wir uns gepflegt kleiden, sollten wir auch unsere Gedanken gepflegt kleiden. Jeder Tag ist stets auch Prüfung, bei dem wir in Situationen gestellt werden, wo es immer zwei Wege gibt. Ob in der Familie oder im Beruf: ich habs so häufig erfahren, dass es zu 99% darauf ankommt „WIE“ ich etwas sage. Klar kann ich reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, dann muss ich mit den Konsequenzen leben und das sind dann häufig komplizierte, angespannte, nervende und konfliktbeladene Beziehungen. Herr hilf uns auf die Wahl unserer Worte zu achten, bezähme unserer Zunge Macht.

Vers 4: Dem Guten zugekehrt

Rein sei das Herz und unversehrt und allem Guten zugekehrt. Und gib uns jeden Tag das Brot für unsre und der Brüder Not.

Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Kehren wir unser Herz zum Guten, beten wir mit Werken und nicht nur mit Worten. Der Herr gebe uns dazu ein reines Herz sowie das leibliche und noch mehr das geistliche Brot, das uns die dazu notwendige Kraft gibt. Gott segne unsere Gedanken und Worte, aber vor allem auch das, was wir konkret tun. Denn unsere Werke geben Zeugnis, ob wir wirklich an das glauben, was unser Mund verkündet. Für uns: Handeln wir auch so, wie wir reden?

Vers 5: Glaube an den dreifaltigen Gott

Lass gläubig dich den Vater sehn, und dich mein Jesus Herz verstehn Dir Geist vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt.

Was heißt es, an die heilige Dreifaltigkeit zu glauben? Wenn es nur bedeutet, dass in deinem Kopf ein Extrafach ist, wo Gott sitzt, dann ist Gott keineswegs ein Ereignis, das dein ganzes Leben verändert. Dann trifft auf uns Hosea 10,2 zu: „Sie waren nur mit halbem Herzen beim HERRN.“ Es geht dabei darum, immer mehr und tiefer eine Ganzhingabe an die heilige Dreifaltigkeit zu leben, ja, auch wenn ich nun kein Mönch bin, möchte Gott mich ganz und gar, mit Haut und Haar, nicht nur ein bissel. Diese tägliche Hingabe, nicht laut, sondern mit ganzen Herzen will jeden neuen Tag gelebt werden. Gott segne uns und diesen Tag.

Vers 6: Alles zur Ehre Gottes

Senkt sich hernieder dann die Nacht und ist das Tagewerk vollbracht, sei dir all unser Tun geweiht zum Lobe deiner Herrlichkeit.

Alles was wir tun, tun wir zur Ehre Gottes. Wenn wir dem Menschen dienen, dienen wir letztlich Gott. Hört sich oft hochtrabend und heldenhaft an, bekommt aber eine faszinierende und einfache Konkretheit, wenn ich meinen Alltag durchgehe und z.B. mit einem Kind auf Toilette die Windeln wechsle. All das sind wertvolle Zeiten für mich und den Nächsten oder mit Pater Pio ausgedrückt: Die Zeit, die man zur Ehre Gottes und zum Wohl des Nächsten opfert, ist niemals vergeudet.

Vers 7: Freude, Geschenk und Lenkung

Dich, Vater, Sohn und Heil’ger Geist, voll Freude alle Schöpfung preist, der jeden neuen Tag uns schenkt und unser ganzes Leben lenkt. Amen.

Der letzte Vers ist ganz auf das Wohnen in Gott gerichtet. Ich bete diesen Vers auch häufig am Tag. Meditierend umkreise ich, dass jeder Tag ein Geschenk Gottes ist. Das soll mich vor all zu schnellem Jammern über Umstände oder Menschen bewahren. Meditierend umkreise ich, dass Gott mich lenkt. Das soll mich vor Angst und Gedankenkrisen bewahren. Mit Herz erfüllter Freude möchte ich mich Gott zuwenden, voll Lob, Dank, Anbetung und Bitten.

Kontemplativ leben

Einleitung

Der Fromme der Zukunft wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein. Karl Rahner

Inspiriert und tief beeindruckt von einem Buch von Richard Rohr (Ganz da) möchte ich die Passions- und Osterwoche Impulse zum kontemplativen Leben schreiben. Hin und wieder überschreitet der Impuls die gewohnte Länge, da geht’s mit mir österlich durch. Im Kern geht’s darum: Österlicher Glaube gründet sich nicht auf dem Vollzug von äusserlichen Ritualen oder mündlich gesprochenen Bekentnissen, sondern darin, dass er jede Faser unseres Seins durchdringt, echte Auswirkung auf unser Leben hat in einem neuen Sein. Der Glaube an den Auferstandenen ist mehr als nur beruhigender Seelenbalsam, sondern völlige Kehrtwendung, durch die nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir.

Ein Christenleben bestehtt nicht in Worten, sondern in Erfahrung. Niemand ist Christ ohne Erfahrung. Nicht von der Lebenserfahrung ist hier die Rede, sondern von der Erfahrung Gottes. Bonhoeffer

Sich überrumpeln lassen

Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Lk 19,38

„Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen.“ (Bonhoeffer) Gott findet sich in diesen Unterbrechungen. Tod und Auferstehung des Herrn war die Unterbrechung schlechthin. Auch du findest Gott in deinen Unterbrechungen. Wir versuchen stets alles zu kontrollieren. Und dann läuft’s doch anders. Unterbrechung! Entweder kämpfen wir dann dagegen hat, nehmen nicht an, was ist oder lassen uns überrumpeln, weil wir dem Überrumpler, Gott selbst, trauen. Dieses Vertrauen beinhaltet eine Dunkelheit, die Dunkelheit der Karwoche in unserem Leben, in der wir nicht wissen, was und wie es kommt, wir nur schlicht und einfach sagen können: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38).

Tiefes Vertrauen lässt uns erahnen, dass wir trotz des Nichtwissens, trotz der Unterbrechungen und des Überrumpelt-Werden letztlich von seiner großen Liebe getragen sind. Das ist kontemplatives Leben: sich in seine Liebe fallen lassen. Es ist eher ein Lassen als ein Tun, eher ein Gehaltenwerden als ein Festhalten.

Der liebende Blick

Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Joh 12,3

Kontemplation ist ein liebender Blick auf die Wirklichkeit unseres Lebens mit all seinen Brüchen, ein tiefer und ruhender Blick, der nicht bewertet, reflektiert, nachdenkt, grübelt oder murrt. Es ist ein pures Schauen. Dieser liebende Blick ist ganz gegenwärtig für den Augenblick, so wie er ist und ruht in allem in ihm, in Höhen und Tiefen, in Freude und Leid: immer wieder der liebende Blick auf das, was ist und auf den Herrn. Das wird deine Lebensaufgabe sein bis zum Schluss. Daher: Lasst euch durch die so kostbare Nähe und Liebe zum Herrn in eurem Denken verändern, indem ihr auf ihn schaut, seine Passion, sein Tod und seine Auferstehung, sein Dasein in dir und deinem Leben.

Solange wir verbittert bleiben und Groll hegen wegen Dingen, von denen wir wünschten, sie wären nicht passiert, wegen Beziehungen, von denen wir wünschten, sie wären anders ausgegangen, und wegen Fehlern, von denen wir wünschten, wir hätten sie nicht gemacht, so lange liegt ein Teil unseres Inneren brach, unfähig, Frucht zu bringen in dem neuen Leben, das vor uns liegt. Wir enthalten dadurch Gott einen Teil von uns vor. Henry Nouwen

Konzentriere dich auf das einzig Notwendige

Einer von euch wird mich verraten! Mt 26,21

Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.

Du bist beunruhigt und machst dir Sorgen um so viele Dinge! Notwendig ist aber nur eins. Lk 10:41‭-‬42

Sei wachsam und bereit

Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keine Gemeinschaft mit mir Joh 13,8

Christus ist immer der Kommende, der die Gemeinschaft mit uns sucht, die uns im innersten rein macht. Für dieses Kommen müssen wir wachsam und bereit sein. Wir sind es, die immer wieder abwesend sind im Leben unserer täglichen Routine. Ganz da sein, selbst mitten in Umständen, die du nicht willst, nicht erwartest und nicht magst. Versuche dabei ergebnisoffen zu sein, nur so kann Gott, der deinen freien Willen achtet, dich lenken. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Der Weg zu dieser Achtsamkeit ist das Gebet, dass eben nicht funktionalisiert wird zu einem Deal auf Gegenleistung, sondern ein Gebet, dass den Geist leert und das Herz füllt, um zu erkennen, dass du ein lebendiger Tabernakel bist. Ja: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Das ist Gemeinschaft mit ihm.

Versteht ihr, was ich euch getan habe Joh 13,12

Ewiges Leben

Wer sein Leben verliert, wird es finden. Mt 16,25

Jesus wählt die Worte derart massiv und absolut, weil er weiß, dass sich unser menschliches Ego viel zu häufig auf Rollen und ausgetüftelte Selbstbilder fixiert. Er möchte uns unmissverständlich klar machen, dass all dies vergängliche Konstrukte sind. Das Wesen dieser Welt vergeht (1 Kor 7,31). Diese Fixierungen müssen sterben und ja, sie sterben nicht leicht, weil wir sie zu oft für unser wahres Selbst halten. Wenn diese Fixierungen sterben, bevor wir leiblich sterben, dann begegnen wir dem Einssein mit Gott, dann treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben in Jesus Christus, dann können wir bekennen:

Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten des Herrn verkünden. Ps118:17

Unterbreche die Problemproduktion

Warum seid ihr so traurig? Lk 24,17

Gott bedient uns! (vgl. Lk 12,37) Da ist eine unmittelbare Nähe, die genossen werden will. Wir dagegen sind viel zu oft mit unserem Geist in Vergangenheit oder Zukunft. Versteht mich richtig. Es gibt ganz klar immer wieder Probleme in unserem Leben, die angegangen werden wollen. Aber häufig legt unser kleinkarierter Problemlösungsgeist bei kleinsten Dingen los, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Häufig schaffen wir uns künstlich Probleme, um es zu lösen, und dann wieder eins und noch eins und erzeugen so eine Pseudomotivation zum Leben, anstatt diese unmittelbare Nähe zu genießen, in welcher uns Gott selbst bedient, der das Leben selbst ist. Treffend sagt Thérèse von Lisieux: Wenn uns Verzweiflung überkommt, liegt es gewöhnlich daran, daß wir zuviel an die Vergangenheit und die Zukunft denken. Folgender Spruch der Wüstenväter meint eben dies:

Ein Abba und sein Schüler flechten an einem Seil. Da fragt der Schüler: Abba, was muss man tun, um gerettet zu werden? Du siehst es gerade.

Lasse deine Gedanken und Gefühle zu und los

Warum weinst du? Joh 20,15

1. Zulassen: Wir schreiben unsere inneren Kommentare über alles und jedes nieder. Dagegen können wir kaum etwas tun. Wenn ein nicht gewollter Gedanke bzw. Gefühl kommt, dann gib zu, dass dieser da ist. Und du wirst sehen, dass er nur vorübergehend ist und keine letztgültige Realität besitzt. Was du nicht zulässt, hält dich fest.

2. Distanzieren: Dann bewahre aber eine gewisse Distanz zu dir selbst. Beobachte dich selbst und identifiziere dich nicht zu sehr mit deinen Gedanken und Gefühlen. Warum sollte man sich in ein Gefühl hineinsteigern, das einen drei Stunden später schon gar nicht mehr tangieren wird?

3. Loslassen: Zuletzt sicher das Schwierigste. Versuche loszulassen. Je mehr wir loslassen, umso mehr Raum wird sein in deiner Herberge für den Auferstandenen

Offene Augen

Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn. Lk 24, 31

Die Fleischwerdung des Wortes in Christus findet auf geistlicher Ebene täglich immerfort statt, weil Christus in jeder Person zwar vollständig verborgen, aber dennoch vollständig offenbart ist. Darum und nur darum sind wir Daseinsmenschen bevor wir Tatmenschen sind, d.h. dass wir uns nicht über unser Tun oder Nichttun definieren, sondern über das Dasein in Christus, den wir immer mehr zu erkennen suchen in uns und im anderen, im Wort Gottes und in den Sakramenten. Achte auf das Wort, dass ihnen die Augen aufgetan wurden, sie es nicht selbst taten. Beten wir immer neu darum, dass Gott unsere Augen auftut, so dass wir Christus immer tiefer erkennen und lieben lernen und so stets mit Augen der Liebe des Christus sehen.

Eure Augen sind es, durch die Christi Erbarmen auf die Welt schaut. Theresa von Avila

Vertrauen und Zweifel

Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Lk 24,38

Man darf das Kreuz Jesu nicht als einen himmlischen metaphysischen Kuhhandel zwischen Gott und Jesus sehen, um irgendwie für uns die Himmelstore zu öffnen. Die Wirklichkeit scheint eine kreuzförmige Gestalt zu haben, überall durchkreuzt sie Pläne und Ziele. Jede Situation, in der wir keine Kontrolle haben, erleiden wir. Jesus aber hängt in der Mitte, nicht um all dies vollkommen auszugleichen, sondern um es schlicht und einfach auszuhalten. Deshalb verbirgt sich Jesus bei den Gekreuzigten. Er ist überall da zu finden, wo Schmerz ist. Ich weiß, dass das niemand von uns mag, aber schlichtes Leiden, nicht zu kriegen, was wir wollen, ist oft die schnellste und nachhaltigste Form der Verwandlung zur Liebe. Durch dieses Leiden lernen wir, dass absolute Kontrolle eine Illusion ist und können diese Kontrolle an Gott zurückzugeben. Das ist vertrauender Glaube.

Nur das Vertrauen auf Gott kann den Zweifel in Gewissheit verwandeln, das Böse ins Gute, die Nacht in den strahlenden Morgen. Papst Franziskus

Pflege das innere Schweigen

Es ist der Herr! Joh 21,7

Der einfachste Weg zum Herz und damit zum Herrn selbst ist das Schweigen. Lerne und übe dich darin, mit dem Schweigen zu verbinden, gerade auch im Gewusel deines Alltags. Schweigen macht immer alles größer, tiefer, geduldiger und mitfühlender. Sich dem Schweigen öffnen, indem du immer wieder mal einfach ruhig da sitzt, die Augen schließt und die Stille spürst. Spaziergänge ohne Knopf im Ohr sind prima! Oder auf dem Weg zur Arbeit eben mal nicht das Autoradio anstellen. Wiederum: Nicht unbedacht reden, sondern mit einer Bemerkungen solange im Schweigen verharren, bist geklärt ist, was du wirklich sagen willst. Die Übung des Schweigens werden wir nie perfekt meistern. Immer, wenn wir das innere Schweigen verlieren, ist das nicht als Versagen zu sehen, sondern als konkrete Gelegenheit, es erneut zu wählen.

Stille ist nicht bloß Abwesenheit von Lärm, sondern ein Schweigen, das den Menschen Augen und Ohren öffnet für eine andere Welt. Serge Poliakoff

Lerne neu zu sehen

Die Tiefe ruft der Tiefe zu. Ps 42:8

Kontemplatives Leben ist nicht nur etwas für Mönche. Es ist für uns alle wichtig, denn kontemplativ lebt jener, bei dem Glaube & Leben eine wachsende Einheit bildet. Es bedeutet mein ganzes Leben immer neu mit Gottes Augen zu sehen. Es bedeutet Ostern nicht nur als jährliches Fest zu begehen, sondern täglich österlich zu leben. Wenn du dich entscheidest österlich zu leben, bist du präsent für das, was ist. Ein Horizont tut sich auf und wird zu einer neuen Weise des Erkennens. In diesem österlichen Augenblick wirst du mehr gehalten als dass du wirklich selber etwas festhältst, erklärst oder verstehst. Du fühlst dich eher wie ein Angesprochener als ein Ansprechender. Dies verändert deine Situation und Perspektive radikal, österlich eben!

Meine lieben Kinder, bezeugt und seid stolz darauf, dass ihr in Ihm auferstanden seid. Aktuelle Botschaft aus Medjugorje

Das Kreuzzeichen

Ein Schlüsselerlebnis

Ich jedoch will auf nichts anderes stolz sein, als auf das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Gal 6:14

Bei unseren ersten Pilgerreise nach Roronto fiel meiner Frau auf, dass ich bei Kirchenbesuchen das Kreuzzeichen schnell und unbewusst machte. Recht hatte sie! Es sei erwähnt, dass sich meine Frau damals dem Glauben erst annäherte, noch nicht darin verwurzelt war. Seit dieser Reise versuche ich das Kreuzzeichen stets bewusst zu machen: beim Kircheneintritt, beim Aufstehen, beim Aus-dem-Haus-gehen usw. Das Kreuzzeichen ist mehr als ein gewohnheitsmäßiges Ritual. Das war’s damals bei mir. Es ist mehr: Bekenntnis und Hingabe an den dreifaltigen Gott. Um dieses Kreuzzeichen, das signum crucis wird es diese Woche gehen. Wann, wie häufig und wie bewusst machst du das Kreuzzeichen?

Das kleine und große Kreuzzeichen

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Mt 28,19

Beim kleinen Kreuzzeichen zeichne ich mit dem Daumen ein Kreuz über Stirn, Mund und Brust. Das große Kreuzzeichen beginnt mit der Berührung der Stirn. Dabei denke ich an Gott Vater, dem Schöpfer der Erde und des Himmels. Dann berühre ich den Bauchnabel und denke an Christus, der für uns gestorben ist, uns erlöst hat. Zum Abschluss berühre ich die zwei Schultern und denke an den heiligen Geist, der unser Beistand ist, unsere Kraft. So ensteht die Form eines latainischen Kreuzes. Dieses Kreuzzeichen ist kein magisches Ritual, sondern es ist ein Bekenntnis, ein Glaube und Vertrauen an den dreifaltigen Gott.  

Die heilige Schrift und die Tradition

Schämen wir uns nicht, den Gekreuzigten zu bekennen, besiegeln wir vertrauensvoll mit den Fingern die Stirne, machen wir das Kreuzzeichen auf alles, auf das Brot, das wir essen, über den Becher, den wir trinken! Cyrill von Jerusalem (313-368)

Das Sich-bekreuzigen ist nicht biblisch überliefert. Unser Glaubensfundament ist neben der Bibel jedoch auch die Tradition, d.h. was sich die frühen Christen weitergereicht haben, ansonsten wären wir eine reine Buchreligion. Es wäre mehr als unklug, wenn wir hier die Traditionen der ersten Christen als nebensächlich abtun würden. Erste schriftliche Dokumente ab dem 2. Jahrhundert belegen den schon frühen Brauch des kleinen Kreuzzeichens z.B. Tertullian (150-220): „Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Waschen, Essen, Lichtanzünden, Schlafengehen, beim Niedersetzen und, welche Tätigkeit wir immer ausüben, drücken wir auf unsere Stirn das kleine Zeichen.  

Das Kreuz Christi wie eine Krone tragen

Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben, damit wir alle Frieden mit Gott haben. Eph 2:16

Wir wollen das Kreuz Christi wie eine Krone tragen. Denn durch das Kreuz wird ja unser ganzes Heil vollbracht, überall steht dieses Zeichen des Sieges uns zur Seite. Deshalb zeichnen wir es auf die Stirn und auf das Herz. Ist es ja doch das Sinnbild unserer Erlösung sowie der Güte unseres Herrn. So oft du dich also mit dem Kreuz bezeichnest, beherzige alles, was im Kreuz liegt, dämpfe den Zorn und alle übrigen Leidenschaften. Wenn du dich bekreuzigst, erfülle deine Stirn mit großer Zuversicht, mache deine Seele frei. Man darf das Kreuz aber nicht einfach nur mit dem Finger machen, sondern zuerst mit dem Herzen, voll innigen Glaubens. Johannes Chrysostomos (349-407)  

Das Kreuzzeichen als Glaubenszusammenfassung

Auf ihrer Stirn trugen sie seinen Namen und den Namen des Vaters geschrieben. Offb 14,1

Der Christ beginnt seinen Tag, sein Gebet und seine Handlungen mit dem Kreuzzeichen. So weiht er alles, was er tut, der Ehre Gottes und wird in Schwierigkeiten und Versuchungen gestärkt. Benedikt XVI schreibt: Das Kreuzzeichen ist die Zusammenfassung unseres Glaubens, denn es sagt uns, wie weit Gottes Liebe zu uns gegangen ist; es sagt uns, dass es auf der Welt eine Liebe gibt, die stärker ist als der Tod, stärker als unsere Schwächen und unsere Sünden. Die Kraft der Liebe ist stärker als das Böse, das uns bedroht.  

Das Kreuzzeichen als Glaubensausdruck

Das Kreuz ist mein sicheres Heil. Das Kreuz bete ich immer an.Das Kreuz des Herrn ist mit mir. Das Kreuz ist meine Zuflucht. Thomas von Aquin

Eins ist mir diese Woche klar geworden. Um Christ zu sein musst du das Kreuzzeichen nicht machen. Die Botschaft vom Kreuz verbindet uns, nichts anderes. Das Kreuzzeichen ist kein magisches Ritual, es ist Ausdruck des Glaubens, dass wir einen Gott haben, der uns nahe ist und hilft und wenn wir es machen, sollte es Glaubensausdruck sein und nicht nur inhaltsleerer Ritualismus. Es ist ein körperlich ausgedrücktes Glaubensbekenntnis, das mich persönlich stärkt, so wie es die Ehe zwischen mir und meiner Frau stärkt, wenn ich sie körperlich ausdrücke. Das Kreuz Christi, Zeichen unserer Erlösung, begleite und beschütze dich. Gott segne dich.  

Abschließende Meditation zum Kreuzzeichen

Durch seine Wunden hat Christus euch geheilt. 1. Petr 2:24

Du machst das Zeichen des Kreuzes, dann mache es recht. Mache es langsam, mit Bedacht. Dann umfasst es dein ganzes Wesen, Seele, Gedanken und Willen. Alles wird darin gestärkt und geweiht im Namen des dreieinigen Gottes. Es ist das Zeichen der Erlösung. Wir machen es vor dem Beten, damit Gedanken, Wille und Herz gesammelt werden. Wir machen es nach dem Gebet, damit in uns bleibe, was Gott uns geschenkt hat. Wir machen es in der Versuchung, dass er uns stärke und in der Gefahr, das er uns schütze. Wir machen es vor dem Aufstehen, den Tag in Gottes Hände legend und vor schwierigen Gesprächen mit Bitte um Lenkung. Gott segne dich und diesen Tag.