Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Matthäus Evangelium Kapitel 7 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Matthäus Evangelium Kapitel 7

Mt 7,1-6: Über das Richten

Lk 6,37-42

Mt 7,1: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

Gegen das Richten: Wer sind wir, um über andere zu richten? Wer richtet, erweist sich als Feind der Barmherzigkeit. Wer dagegen großherzig ist, kann über menschliche Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Achte darauf, am anderen nicht jede Kleinigkeit zu kritisieren. Messe das Verhalten des Anderen mit einem sanftmütigen Maß. Wir sind doch nicht besser als der andere. Oft handeln wir ebenso schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns dabei. Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht. Wer sich selbst recht beurteilt, hat keinen Grund, über andere scharf zu richten. Vorsatz: Ich nehme mir vor, etwas Nettes über die Person zu sagen, die ich zuletzt kritisch beurteilt oder über die ich zuletzt schlecht gesprochen habe.

Fehlverhalten in Liebe wahrnehmen: Geliebter Mensch, richte weder den anderen noch dich selbst. Gewiss verlangt die Vernunft, dass uns unsere wie die Fehler des anderen missfallen und leid tun, aber dieses Missfallen darf nicht bitter, ärgerlich und zornig sein. Ein Fehlverhalten darf und muss sogar wahrgenommen und benannt werden. Aber immer in und mit Liebe. Wenn ich dagegen richte, schaue ich kritisch verurteilend auf den anderen wie auf mich selbst und stehe damit schon außerhalb der Liebe. Der Nächste wie auch ich selbst kann uns Liebenden jedoch niemals Gegenstand verurteilender kritischer Betrachtung sein, sondern er wie auch ich sind jederzeit der lebendige Anspruch auf unsere Liebe. Daher: Richtet nicht! Ein Wort von Franz von Sales ist mir hier zum treuen Begleiter geworden: wenn ich mich schon verfehle, will ich mich lieber durch zu große Milde verfehlen als durch zu große Strenge. Franz von Sales

Projektion unserer Schattenseiten: Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Blindheit im Richten: Oft nehmen wir es auch nicht wahr, dass wir innerlich blind sind. Oft handeln wir schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns. Zuweilen treibt uns Leidenschaft, wir aber nennen es Eifer. Wir tadeln Kleinigkeiten an anderen und übersehen Krebsschäden an uns. Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht. Wer sich selbst recht und gerecht beurteilte, hätte keinen Grund, über andere scharf zu richten. Nachfolge Christi

Wann brechen wir dieses Gebot? Wir brechen dieses Gebot, wenn wir das Schlimmste von anderen denken. Wir brechen dieses Gebot, wenn wir nur mit anderen über ihre Fehler sprechen. Wir brechen dieses Gebot, wenn wir ein ganzes Leben nur nach seinen schlimmsten Momenten beurteilen. Wir brechen dieses Gebot, wenn wir die verborgenen Motive anderer beurteilen. Wir brechen dieses Gebot, wenn wir über andere urteilen, ohne uns in ihren gleichen Umständen zu betrachten. Dieses Gebot brechen wir, wenn wir über andere urteilen, ohne daran zu denken, dass wir selbst beurteilt werden.

Es ist ein gar großer Unterschied zwischen Sünde richten und Sünde wissen. Wissen magst du sie wohl, aber richten sollst du sie nicht. Martin Luther

Wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Lege deine Sünden auf dein Haupt und betrachte sie! Apophthegmata

Mt 7,2: Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden.

Der angelegte Maßstab: Gott wird uns nach dem gleichen Maß messen, das wir für andere verwenden. Dies ist eine starke Motivation für uns, mit Liebe, Vergebung und Güte anderen gegenüber großzügig zu sein. Wenn wir mehr von diesen Dingen von Gott wollen, sollten wir anderen mehr davon geben. Wenn Jesus sagt, dass wir mit dem Maß gemessen werden, mit dem wir messen, dann ist das allerdings keine Drohung, sondern er unterstreicht damit die Aufforderung, großzügig zu geben. Indem er uns daran erinnert, dass wir alles, was wir haben, von Gott erhalten haben, auch die Liebe und die Vergebung. Er führt uns vor Augen, wie sehr wir geliebt sind und wie wir alles von ihm in Fülle erhalten haben. Genauso sollen wir es unseren Brüdern und Schwestern weitergeben. Unser Leben und unsere Werke müssen in irgendeiner Weise die Liebe, die Gott Vater zu unseren Nächsten hat, widerspiegeln.

Richten ist die lieblose Reflexion auf den Anderen. Die Liebe verbietet mir zwar nicht meine Gedanken über den Anderen und die Wahrnehmung seiner Sünde, aber im gleichen Zuge wird mir diese Liebe zum Anlass zur Vergebung. Vorsichtig müssen wir hierbei sein: eine missverstandene Liebe zum Sünder ist der Liebe zur Sünde unheimlich nahe. Den Sünder lieben, die Sünde hassen. Denn die Liebe Christi zum Sünder ist ja selbst die Verurteilung der Sünde, sie ist der schärfste Ausdruck des Hasses gegen die Sünde. Achte darauf, wo du dazu neigst, über andere innerlich oder auch ausgesprochen zu richten.

Wort der Wüstenväter: Ebenso wie ein Leichnam nicht isst, so kann der Demütige einen Menschen nicht richten, selbst wenn er ihn Götzen anbeten sieht. Apophthegmata

Wort der Wüstenväter: Ein Altvater wurde einmal von einem Bruder gefragt: Warum urteile ich eigentlich so häufig über meine Brüder? Und er antwortete ihm: Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht.

Wort der Wüstenväter: Wenn Abbas Agathon etwas sah und sein Herz über die Sache urteilen wollte, sprach er zu sich: Agathon, tu das nicht! Und so kam sein Denken zur Ruhe. Apophthegmata

Anselm Grün zum Wort der Wüstenväter: Mir hat dieses Wort des Abbas Agathon schon oft geholfen. Ich kenne diesen Drang, mir sofort ein Urteil zu bilden, sobald ich etwas höre oder sehe. Und meistens ist es ein hartes Urteil. Oder wenn ich einem Mitbruder begegne, kommen spontan Gedanken hoch: Der lebt nicht authentisch. Der ist kein guter Mönch. Der macht es sich bequem. Der arbeitet nicht viel. Doch sobald solche Gedanken in mir aufsteigen, sage ich mir: Tu das nicht. Es steht dir nicht zu zu urteilen. Du kennst diesen Bruder nicht wirklich. Vielleicht leidet er an sich selbst. Dann werde ich wieder ruhig. Wenn ich weiterhin über die Sache oder den Mitbruder nachdenken würde, würde ich mich immer weiter von mir entfernen und ich käme nie zur Ruhe. Anselm Grün

Anselm Grün über das Richten: Geringschätzige Gedanken kommen in uns hoch, ob wir wollen oder nicht. Wir werden sie wohl nie ganz loswerden. Aber es ist dann unsere Aufgabe, diese Gedanken zum Anlass zu nehmen, den Fehler des anderen als Spiegel für uns selbst zu nehmen. Ich habe nicht die Garantie, dass ich nicht denselben Fehler begehe. Wer wirklich demütig ist, der muss sich gar nicht verbieten, über den anderen zu richten. Er vermag es gar nicht. Er ist gleichsam tot für das Richten. Denn in allem, was er bei anderen sieht, erkennt er immer auch sich selbst. Selbst im Schlimmsten, was der andere tut, etwa, wenn er einen Götzen anbetet, sieht er einen Spiegel für sich selbst. So leidet er mit dem anderen, statt ihn zu verurteilen. Die Demut führt uns nicht nur zu einem angemessenen Umgang mit uns selbst, sondern zu einem barmherzigen Umgang mit den Menschen.

Mt 7,3: Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?

Mt 7,4: Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! — und siehe, der Balken ist in deinem Auge?

Mt 7,5: Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen!

Blind für das eigene Böse: Jesus zeigt, dass wir im Allgemeinen viel toleranter gegenüber unserer eigenen Sünde sind als gegenüber der Sünde anderer. Wenn wir über andere richten, dann erblindet unser Herz, wird blind für das eigene Böse in uns und blind für die Gnade, die eben nicht nur mir, sondern auch dem Anderen gilt. Der liebende Blick auf den anderen dagegen macht sehend. Er erkennt in der Liebe den Anderen als den, dem unter dem Kreuz ebenso vergeben wurde so wie mir. Wenn ich aus dieser Perspektive ein falsches Verhalten anspreche, dann ist es kein Urteil von oben, sondern von unten. Die Verantwortung den Splitter beim anderen raus zu ziehen bleibt. Aber nicht triumphierend, sondern es muss mir selbst wehtun. Das tut es, wenn ich in der Liebe bin.

Wort der Wüstenväter: In einer Versammlung sprachen die Väter viel über einen Bruder, der versagt hatte. Ein Altvater aber schwieg. Danach nahm dieser Altvater einen Sack, füllte ihn mit Sand und lud ihn auf seinen Rücken. Darauf tat er ein wenig von dem gleichen Sand in ein Körbchen und trug es vor sich her. Und als ihn die Väter fragten, was das bedeuten solle, antwortete er: Dieser Sack mit dem vielen Sand stellt meine Sünden dar, und weil es viele sind, habe ich sie auf meinen Rücken gepackt, damit ich sie nicht anzuschauen brauche. Dies bisschen Sand hier aber sind die Versäumnisse dieses Bruders. Die halte ich mir vor Augen und wühle in ihnen. Aber so soll man es nicht halten, sondern meine größere Sündenmenge soll mir vor Augen stehen, und ich muss über sie nachdenken und Gott bitten, dass er mir vergibt.

Mt 7,6: Werft eure Perlen nicht vor die Säue! Sie werden die Perlen nur zertreten.

Das Evangelium – die Perle – ist keine Schleuderware. Die Säue sind ein Bild für Menschen, die vom Wort Gottes nichts hören wollen oder es gar verachten. Dieser Bibelvers bedeutet eine ernste Beschränkung, da der Verkündigung des Wortes hier eine Grenze gesetzt wird. Wenn jemand von Jesus nichts wissen will, dann sollen wir weiter gehen. Das Geheimnis der Niedrigkeit Gottes ist verbunden mit dieser Schwäche des Wortes, das den Widerspruch von Menschen erleidet und ebenso zeitgleich so stark und barmherzig ist, dass es Sünder bekehrt. Seine Kraft ist verhüllt in der Schwachheit. Käme das Wort in unverhüllter Kraft, so wäre der Gerichtstag da.

Mt 7,7-11: Übers Bitten, Suchen und Anklopfen

Mt 7,7: Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!

Aufforderung zum Gebet: Das Gebet ist wie das Suchen, indem wir nach Gott, seinem Wort und seinem Willen suchen; und wer sucht findet . Finden ist der Lohn des Suchens. Gebet ist wie Klopfen, bis die Tür geöffnet wird und wir nach Eingang in den großen himmlischen Palast unseres großen Königs suchen. Durch die geöffnete Tür in Seinen Palast einzutreten, ist die Belohnung für das Klopfen und die beste Belohnung von allen. Beten ist wie Bitten, indem wir einfach unsere Bitten vor Gott kundtun, und jeder, der bittet, erhält . Empfangen ist die Belohnung des Bittens.

Beständiges, wiederholtes Bitten: Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz „Dein Wille geschehe“, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Weiter: es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. „Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben.“ (Bunyan). Außerdem: überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird: „Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen.“ (Johannes vom Kreuz). Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwer fällt und wo wir leiden darüber, dass Gott „scheinbar“ nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.

Beharrliches Gebet: Gott schätzt Beharrlichkeit und Leidenschaft im Gebet, weil sie zeigen, dass wir sein Herz teilen. Es zeigt, dass wir uns um die Dinge kümmern, die ihm wichtig sind. Beharrliches Gebet überwindet Gottes hartnäckigen Widerwillen nicht; es verherrlicht Ihn, drückt Abhängigkeit von Ihm aus und bringt unser Herz mehr mit seinem in Einklang.

Das Gebet als Weg zum Nächsten: Was sollen wir tun, wenn der Zugang zum anderen nicht gelingt? Erstens sollen wir diese Grenze erkennen und anerkennen, dass wir in keiner Weise Recht oder Macht über die Anderen besitzen. Zweitens sollen wir ins Gebet gehen. Wenn der andere nichts von Jesus wissen will, können wir dennoch weiter für ihn beten. Kein anderer Weg führt zum Herzen des Nächsten als das Gebet zu Gott. Die Verheißung, die unserem Gebet gegeben ist, ist die größte Macht, die wir haben. Ja: Gott verfehlt nie, uns zu helfen, wenn die Zeit da ist und wenn wir von unserer Seite aus alles getan haben, was wir konnten.

Mt 7,8: Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan.

Klopfen mit Herz und Hand: Klopft also an durch Gebet, Fasten und Almosen. Denn wie der, welcher an die Tür anklopft, nicht nur mit der Zunge, sondern auch mit der Hand sich bemerkbar macht, so klopft auch der, welcher gute Werke übt, mit guten Werken an. Goldene Perle

Gott wird helfen: Weil der Herr Gebote gegeben, welche die menschlichen Kräfte übersteigen, so verweist er sie auf Gott, dessen Gnade nichts unmöglich ist, indem er sagt: Bittet, und es wird euch gegeben werden; damit das, was der Mensch allein nicht vollbringen kann, durch Gottes Gnade erfüllt werde. Wir bitten aber durch den Glauben, suchen durch die Hoffnung, klopfen an durch die Liebe.

Mt 7,9-10: Oder ist unter euch ein Mensch, der, wenn sein Sohn ihn um Brot bittet, ihm einen Stein gibt, und, wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gibt?

Brot, Stein, Fisch und Schlange: Um was man aber bitten müsse, zeigt er unter dem Gleichnis des Brotes und des Fisches. Denn das Brot ist das Wort von der Offenbarung Gottes des Vaters; der Stein ist jede Lüge, welche der Seele zum Anstoß ist. Unter dem Fische können wir auch das Wort von Christus verstehen, unter der Schlange aber den Teufel selbst. Goldene Perle

Mt 7,11: Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten!

Zuversicht in Gott: Jesus betont noch einmal die Zuversicht, die wir haben dürfen, dass der Vater uns Gutes geben wird, wenn wir ihn darum bitten. Unser Vater ist kein Gott, der auf uns herabschaut und sich auswählt, wem er etwas gibt und wem nicht. Gott gibt uns allen Gutes, bezeugt Jesus. Gutes zu bekommen führt uns zur Erfahrung, geliebt zu sein. Wir bezeichnen es als „dem anderen Gutes tun“, wenn wir jemandem vermitteln möchten, dass er es Wert ist, geliebt zu sein: Gott liebt dich. Er will dir Gutes tun. Kann ich das in meinem Leben erkennen oder erdrückt mich gerade die Erfahrung, den Vater um etwas gebeten und nichts von ihm erhalten zu haben? Welche Stimmen kann ich in mir erkennen? Sind es Lügen oder Wahrheiten? Ilona Kies

Wie viel mehr: Stattdessen, im Vergleich zum besten menschlichen Vater, wie viel mehr ist Gott ein guter und liebevoller Vater. Wie viel mehr!, sagt unser Herr, und er sagt nicht, wie viel mehr, sondern überlässt das unseren Meditationen. Spurgeon

Mt 7,12: Die Goldene Regel

Mt 7,12: Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet.

Zur Goldenen Regel: Die goldene Regel war in der Antike weit verbreitet, allerdings in negativer Form einem anderen nichts zu tun, von dem man nicht möchte, dass es einem selbst angetan würde. Jesus formuliert sie hier positiv. Diese goldene Regel treibt uns an Gutes zu tun. Wenn du willst, dass man dir hilft, frage dich, wem kannst du helfen. Die goldene Regel muss ins Herz dringen, dass sie nicht im Sinne eines Nützlichkeitsdenkens (Du gibst mir – ich gebe dir) verstanden wird, sondern zu einem Leben der Hingabe an den anderen führt. Denn Gott hat uns als Frucht seiner unendlichen Liebe erschaffen.

Mt 7,13-14: Über die zwei Wege

Mt 7,13: Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und der Weg dorthin bequem.

Jesus ist das enge Tor und der schmale Weg: Sehe ich Jesus Christus vorangehen, Schritt für Schritt, sehe ich allein auf ihn und folge ihm, Schritt für Schritt, so werde ich bewahrt. Jesus selbst ist der schmale Weg und das enge Tor. Es geht nicht um ein großes religiöses Regelwerk, sondern um die intime Eins-zu-Eins-Beziehung zu Christus, durch die ich nur hineintreten kann, wenn ich alles zurück lasse, was mich an diese Welt bindet (Stolz, Geld, Egoismus etc.). Aus dieser Gefangenschaft des eigenen Ichs hat uns der Herr befreit.

Mt 7,14: Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt.

Die enge Pforte ist Christus: Die Pforte des Lebens ist Christus, wodurch man in das himmlische Reich eingeht. Die weite Pforte aber heißt der Teufel, nicht weil er eine große ausgedehnte Macht, sondern einen weil gähnenden zügellosen Stolz hat. Die enge Pforte aber heißt Christus nicht wegen der geringen Macht, sondern der niedrigscheinenden Demut, weil sich der, den die ganze Welt nicht fasst, selbst in dem engen Raum des jungfräulichen Leibes einschloss. Goldene Perle

Der breite und schmale Weg: Die zwei Wege, zwischen denen sich der Mensch entscheiden muss war ein altes im Judentum weit verbreitetes Thema (z.B. Ps 1). Der breite und schmale Weg meint nicht die Aufteilung der Menschen in gut und böse. Wir sind alle zuerst einmal auf dem breiten Weg und werden erst durch Gottes Gnade zum schmalen Weg hingeführt. Der schmale Weg ist jedoch nicht bequem. Jesus ruft hier sehr dringlich. Die Nachfolge Christi ist nicht der leichte Weg. Bezeichnend spricht er also von beiden Wegen, dass Viele auf dem weiten wandeln, aber Wenige den engen finden. Denn den weiten suchen wir nicht und man braucht ihn nicht zu finden; weil er sich von selbst anbietet und der Weg der Irrenden ist. Den engen aber finden weder Alle, noch wandeln ihn sogleich die, welche ihn finden; da ja Viele zwar den Weg der Wahrheit finden, aber von der Weltlust angelockt mitten auf dem Wege umkehren.

Mt 7,15-29: Über die falschen Propheten

Mt 7,15: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!

Mt 7,16: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?

Erkenntnis durch die Früchte: Die Früchte also, woran wir den bösen Baum erkennen sollen, zählt der Apostel (Galat. 5) auf, wenn er sagt: Offenbar sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinheit, Unzucht, Geilheit, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Zank, Neid, Zorn, Hader, Uneinigkeit, Ketzerei, Missgunst, Totschlag, Völlerei, Schwelgerei und was dergleichen ist. Ebenso führt derselbe Apostel die Früchte an, woran man den guten Baum erkennt, wenn er sagt: Die Früchte des Geistes aber sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Keuschheit. Goldene Perle

Mt 7,17: So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte

Gute Früchte bringen: Worauf es wirklich ankommt: Die Dinge dieser Welt sind vergänglich. Heute kaufen wir ein neues Auto, in ein paar Jahren steht es auf dem Schrottplatz. Was bleibt bei all dem? Jesus lädt uns ein, gute Früchte zu bringen, Früchte, die bleiben, Früchte für die Ewigkeit. Das sind unsere guten Taten, die wir aus Liebe zu Gott und zum Nächsten vollbringen. Das ist das aufmunternde Wort, das geduldige Zuhören, die großzügige Unterstützung, das mutige Zeugnis oder das stille Gebet. Raphael Ballestrem

Mt 7,18: Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.

Mt 7,19: Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Mt 7,20: Ebenso werdet ihr diese falschen Propheten an ihren Taten erkennen.

Falsche Propheten: Falsche Propheten wollen uns vom schmalen Weg und der engen Tür wegziehen. Dies ist alles, was uns daran hindert unser Vertrauen voll und ganz auf Jesus zu setzen. Falsche Propheten können Dinge und Menschen sein. Aber auch wir müssen wachsam sein, nicht selbst unbedacht zu falschen Propheten zu werden. Gerade heute stehen wir in der Gefahr die Botschaft Jesus zu verwässern, billige Gnade zu verkaufen, um möglichst modern und attraktiv auf andere zu wirken.

Mt 7,21-23: Vom Erfüllen des Willens des Vaters

Mt 7,21: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.

Willen des Vaters: Das Bekenntnis verleiht keinerlei Anrecht auf Jesus. Das ist eine ganz ernste Bibelstelle. Wir sollen uns nicht täuschen. Wenn unsere Worte (Herr, Herr) nicht verbunden sind mit Taten und Werken der Liebe, dann werden wir fruchtlos bleiben. Jesus lieben und den anderen lieben, das ist untrennbar miteinander verbunden, nicht als moralische Forderung, sondern in einem neuen Sein in und durch Christus. Das ist der Wille des Vaters. Karl Rahner sagt dazu: Herr, da ist der andere, mit dem ich mich nicht verstehe. Er gehört dir, du hast ihn geschaffen, du hast, wenn nicht so gewollt, ihn so gelassen, wie er eben ist. Wenn du ihn trägst, mein Gott, will ich ihn auch tragen und ertragen, wie du mich trägst und erträgst.

Mt 7,22-23: Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt meine Gebote mit Füßen getreten, darum geht mir aus den Augen!

Ich habe euch nie gekannt: Harte Worte: Was meint Jesus damit? Er kennt doch jeden Menschen. Aber in diesem Vers meint er, dass er sie nicht als die Seinen erkennt, die in seiner Nachfolge stehen. Das Wort „gekannt“ hat im hebräischen die Bedeutung einer intimen Beziehung. Jesus sagt also, dass er mit diesen Menschen in keiner innigen, intimen Beziehung steht. Der Grund ist, dass diese Menschen nicht den Willen des Vaters tun. Der Wille des Vaters ist reine Liebe, so wie Jesus uns geliebt hat. So ist der Weg zum Heil klar: Liebe und glaube an Gott! Nicht heuchlerisch, herz- und gedankenlos, sondern stets mit glühendem Herzen und einem aufrichtigen Verstand.

Mt 7,24-27: Vom klugen und törichten Hausbau

Mt 7,24: Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute.

Haus auf Fels bauen: Matthäus ermahnt uns, ein Haus auf Fels zu bauen. Was heißt das? Auf Fels bauen heißt vor allem: auf Christus und mit Christus bauen. Es heißt, mit jemandem zu bauen, der immer treu ist, auch wenn wir selbst es an Treue fehlen lassen. Es heißt, mit jemandem zu bauen, der sich dem verletzten Herzen des Menschen zuwendet und sagt: ‚Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!‘ Auf Christus zu bauen, heißt, alle seine Wünsche, Erwartungen, Träume und ehrgeizigen Vorhaben allein auf Seinen Willen zu gründen. Benedikt XVI.

Haus, Fels, Sand und Sturm: In diesem Gleichnis bauen zwei Baumeister ein Haus, der eine auf Fels, der andere auf Sand. Der Baumeister bist du selbst. Das Haus steht für dein Leben. Der Felsen ist ein Bild von Jesus Christus. Der Sand symbolisiert das Vertrauen auf die eigene Kraft und eigene Werke. Auf Sand baut derjenige, der nur auf die sichtbaren und greifbaren Dinge baut. Scheinbar ist dies die wahre Wirklichkeit. Aber dies alles wird eines Tages vorbei sein. Das auf Sand gebaute Haus stürzt bei den Stürmen ein. Das auf Fels gebaute Haus steht sicher. Nur im Gehorsam auf Jesus Worte, im Leben nach seinen Worten, im Vertrauen auf die Gerechtigkeit durch ihn wird unser Lebenshaus den Lebensstürmen stand halten.

Worte Christi hören und tun: Christus gleicht also der, welcher die Worte Christi hört und sie tut. Denn er baut auf den Felsen, d.h. auf Christus, welcher alles Gut ist, dass er, in welcher Gattung des Guten er aufbaut, es auf Christus gebaut zu haben scheint. Wie aber die von Christus gebaute Kirche nicht zu Grunde gehen kann, so kann den Christen, welcher sich auf Christus aufbaut, keine Trübsal zu Grunde richten. Goldene Perle

Mt 7,25: Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet.

Mt 7,26: Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute.

Mt 7,27: Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, da stürzte es ein, und sein Einsturz war gewaltig.

Ähnlichkeit zwischen den zwei Männern: Der weise und der törichte Mann beschäftigten sich beide mit genau denselben Beschäftigungen und erreichten zu einem beträchtlichen Teil dasselbe Ziel; beide unternahmen den Bau von Häusern, beide beharrten auf dem Bau, beide vollendeten ihre Häuser. Die Ähnlichkeit zwischen ihnen ist sehr groß. Die Zeit und die Stürme des Lebens werden die Stärke des eigenen Fundaments beweisen, selbst wenn es verborgen ist. 

Mt 7,28-29: Reaktion auf die Rede

Mt 7,28-29: Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, erstaunte die Volksmenge über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.

Autorität Jesu: Es bestand aber die Macht des Lehrenden darin, viele von ihnen zu gewinnen und in Verwunderung zu sehen, so dass sie wegen des Wohlgefallens an seinen Worten ihn, da er zu reden aufhörte, nicht verließen. Daher folgten sie ihm auch, als er vom Berge herabstieg. Sie verwunderten sich aber vorzüglich über seine Macht, weil er sich in seiner Predigt auf keinen Anderen bezog, wie die Propheten und Moses taten, sondern überall zeigte, dass er der sei, welcher Macht hat. Denn als Gesetzgeber setzte er beständig hinzu: Ich aber sage euch. Goldene Perle

Entsetzen der Zuhörer: In einer anderen Übersetzung heißt es, dass die Zuhörer entsetzt waren. Das Entsetzen betraf die Autorität, mit der Jesus hier auftritt. Mit dem häufigen „Ich aber sage euch“ und „Wer auf meine Worte hört“ spricht der absolute Lehrer. In unserer intimen Beziehung zu Jesus, im Weilen an seinem Herzen, im Reden mit ihm, wie mit einem Freund, ist immerzu seine Größe und Herrlichkeit als Herr der ganzen Schöpfung anwesend. Diese Ineinander hat in mir das Staunen und die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, vor allem das Evangelium, wachsen lassen. Die Bibel, also auch die Bergpredigt, ist mehr als eine Ansammlung von Geschichten und Worten, sie ist ein ganz persönlicher Ruf Gottes an dich. Nur wenn wir diesen Ruf mit wachen Ohren hören lernen, lesen wir die Bibel richtig, weil sie nur dann für unser Leben bedeutsam wird.

Fazit zur Bergpredigt: Die Bergpredigt ist kein ethisches Programm, hat aber auch gar nichts mit moralischen Anweisungen zu tun: das ist gut, das ist nicht gut, auch wenn einzelne Verse aus dem Zusammenhang gerissen, diesem Anschein haben. Nein: Die Bergpredigt kann nur in der Nachfolge Jesu, im Mitgehen mit ihm verstanden und gelebt werden. Seinen Fußspuren folgen wir, in seiner Liebe leben wir und an ihn glauben wir.

Die Bergpredigt verstehen kann nur ein Mensch, der den Mut hat, sich selbst radikal in Frage zu stellen, sich selbst, nicht die anderen. Karl Rahner

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste