Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Matthäus Evangelium Mt Kapitel 27: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Matthäus Evangelium Mt Kapitel 27

Mt 27,1-2: Hoher Rat verurteilt Jesus

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,1-2

Parallelstellen: Mk 15,1; Lk 22,66-71

Mt 27,1: Als es aber Morgen geworden war, hielten alle obersten Priester und die Ältesten des Volkes einen Rat gegen Jesus, um ihn zu töten.

Offizielle Versammlung: Dies war die offizielle Versammlung des Sanhedrin nach der informellen (und illegalen) Nachtsitzung, die auch in Lukas 22:66-71 beschrieben wird . 

Historischer Hintergrund: Die dritte Phase des religiösen Prozesses fand am Morgen vor dem Hohen Rat statt. Kein Fall durfte am gleichen Tag abgeschlossen werden, an dem er begonnen worden war, es sei denn, der Angeklagte wurde freigesprochen. Ehe das Urteil verkündet wurde, sollte eine Nacht vergehen, damit sich in der Zwischenzeit Gefühle der Gnade regen konnten. In diesem Fall scheint es so, als ob die religiösen Führer jede Regung der Barmherzigkeit ausschließen wollten. Immerhin kamen sie zu einer morgendlichen Sitzung zusammen, um ihrem Urteil auch Gültigkeit zu verleihen, denn nächtliche Prozesse waren verboten.

‭Mt 27,2: Und sie banden ihn, führten ihn ab und lieferten ihn dem Statthalter Pontius Pilatus aus.‭

Übergabe an Pilatus: Die jüdischen Führer hatten Grund, ein günstiges Ergebnis zu erwarten, als sie zu Pilatus gingen. Die säkulare Geschichte zeigt uns, dass er ein grausamer, rücksichtsloser Mann war, der fast völlig unempfindlich gegenüber den moralischen Gefühlen anderer war. Sicherlich, dachten sie, wird Pilatus diesen Jesus töten.

Mt 27,3-10: Judas erhängt sich

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,3-10

Mt 27,3: ‭Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, reute es ihn; und er brachte die 30 Silberlinge den obersten Priestern und den Ältesten zurück

Mt 27,4: ‭und sprach: Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verraten habe! Sie aber sprachen: Was geht das uns an? Da sieh du zu!

Motiv des Judas: Vielleicht erwartete Judas, dass Jesus sich auf wundersame Weise von seinen Häschern befreien würde; und als er sah, dass er verurteilt wurde, ergriff ihn Reue, und er trug seinen Mitverbrechern den Lohn seiner Schande zurück.

Mt 27,5: Dann lief er fort und erhängte sich.

Judas bringt sich um: Jesus wird von Judas verraten. Nur kurz später erkennt Judas seine Sünde. Das Licht Jesus in ihm war noch nicht ganz erloschen. Aber seine zweite Tragödie nach dem Verrat ist es, dass er nicht mehr an Vergebung zu glauben vermag. Seine Reue wird zur Verzweiflung. Er sieht nur noch sich und seine Finsternis, nicht mehr das Licht Jesu, das auch die Finsternis erhellen und überwinden kann. Er bringt sich um. Reue, die nicht mehr hoffen kann, sondern nur noch das eigene Dunkel sieht, ist zerstörerisch und ist keine rechte Reue. Zur rechten Reue gehört die Hoffnungsgewissheit, die aus dem Glauben an die größere Macht des Lichtes kommt, das in Jesus Fleisch geworden ist.

Mt 27,6: ‭Die obersten Priester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Wir dürfen sie nicht in den Opferkasten legen, weil es Blutgeld ist!‭

Mt 27,7: ‭Nachdem sie aber Rat gehalten hatten, kauften sie dafür den Acker des Töpfers als Begräbnisstätte für die Fremdlinge.‭

Mt 27,8: ‭Daher wird jener Acker »Blutacker« genannt bis zum heutigen Tag.‭

Mt 27,9: ‭Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist, der spricht: Und sie nahmen die 30 Silberlinge, den Wert dessen, der geschätzt wurde, den die Kinder Israels geschätzt hatten,

Mt 27,10: ‭und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie der Herr mir befohlen hatte.

Mt 27,11-14: Jesus vor Pilatus vor Gericht

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,11-14

Parallelstellen: Mk 15,2-5; Lk 23,1-5; Joh 18,28-38

Mt 27,11: Jesus aber stand vor dem Statthalter; und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus sprach zu ihm: Du sagst es!

Ironische Frage: Jesus sah nicht besonders königlich oder majestätisch aus, als er vor Pilatus stand, also war der römische Statthalter wahrscheinlich sarkastisch oder ironisch, als er fragte: Bist du der König der Juden?

Wie ohnmächtig stehst du, mein Jesus, vor Pilatus, dem römischen Statthalter von Jerusalem! In diesem Moment ist deine göttliche Natur ganz verborgen. So wird sichtbar, dass dein Königtum „nicht von dieser Welt“ ist, also nicht in weltlicher Macht besteht. Du willst vielmehr König in meinem Herzen sein. Dies fordert mich heraus, an dich zu glauben und dir zu dienen. Joachim Richter

Wie übst du, Jesus, deine Herrschaft aus? Wo ist dein Herrschersitz? Du selbst hast gesagt: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Diese Lebenshingabe hast du zur Vollendung gebracht, als du deinen Thron bestiegen hast: das Kreuz. Joachim Richter

Mt 27,12: Und als er von den obersten Priestern und den Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts.

Anklagepunkte der Juden: Die wirklichen Anklagen der Juden gegen Jesus waren religiöser Natur, und die Verhandlung geschah auf dieser Basis. Aber religiöse Anklagen hatten vor der römischen Gerichtsbarkeit kein Gewicht. Das wussten sie, deshalb brachten sie drei politische  Anklagen gegen ihn vor, als sie ihn vor Pilatus führten

  1. Er war ein Revolutionär, der eine Gefahr für das Römische Reich darstellte.
  2. Er brachte Menschen dazu, keine Steuern zu zahlen, und gefährdete damit die Einnahmen des Reiches
  3. Er behauptete von sich, ein König zu sein, und bedrohte damit die Macht sowie die Stellung des Kaisers.

Mt 27,13: ‭Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?‭

Mt 27,14: ‭Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, sodass der Statthalter sich sehr verwunderte.‭

Sanftmut, Demut und Würde: Er hatte in gefangenen Juden den wilden Mut des Fanatismus gesehen; aber es gab keinen Fanatismus in Christus. Er hatte auch bei vielen Gefangenen die Gemeinheit gesehen, die alles tut oder sagt, um dem Tod zu entgehen; aber er sah nichts davon an unserem Herrn. Er sah in ihm ungewöhnliche Sanftheit und Demut, verbunden mit majestätischer Würde. Er sah, wie sich Unterwerfung mit Unschuld vermischte. Spurgeon

Mt 27,15-26: Übergabe zur Kreuzigung

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,15-26

Parallelstellen: Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,39-19,16

Mt 27,15: ‭Aber anlässlich des Festes pflegte der Statthalter der Volksmenge einen Gefangenen freizugeben, welchen sie wollten.‭

Mt 27,16: ‭Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas.‭

Mt 27,17: ‭Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, dass ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt?‭

Mt 27,18: ‭Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten.‭

Mt 27,19: ‭Als er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute im Traum seinetwegen viel gelitten!‭

Mt 27,20: Aber die obersten Priester und die Ältesten überredeten die Volksmenge, den Barabbas zu erbitten, Jesus aber umbringen zu lassen.

Für Barabbas: Gerade die Männer, die eben noch Jesus wegen Verrates gegen den Kaiser angeklagt hatten, erbaten nun die Freilassung eines Mannes, der sich dieses Verbrechens wirklich schuldig gemacht hatte! Die Haltung der Hohenpriester war irrational und haarsträubend, aber so ist die Sünde nun einmal. MacDonald

Mt 27,21: ‭Der Statthalter aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von diesen beiden wollt ihr, dass ich euch freilasse? Sie sprachen: Den Barabbas!‭

Unser Barabbas: Die Menschen heute lehnen Jesus immer noch ab und wählen einen anderen. Ihr Barabbas könnte Lust sein, es könnte ein Rausch sein, es könnte das Selbst und die Annehmlichkeiten des Lebens sein. Diese verrückte Wahl wird jeden Tag getroffen, während die Menschen die Begierden ihres Fleisches dem Leben ihrer Seele vorziehen.

Mt 27,22: ‭Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, den man Christus nennt? Sie sprachen alle zu ihm: Kreuzige ihn!‭

Mt 27,23: ‭Da sagte der Statthalter: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien noch viel mehr und sprachen: Kreuzige ihn!‭

Mt 27,24: ‭Als nun Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern dass vielmehr ein Aufruhr entstand, nahm er Wasser und wusch sich vor der Volksmenge die Hände und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; seht ihr zu!‭

Pilatus Entscheidung: Es war untypisch für Pilatus, sich so vor den religiösen Führern und der Menge zu beugen. Er hätte anders wählen können. Hier ist ein Mann, der das Richtige zu tun weiß und es auf viele überzeugende Weisen weiß. Dennoch wird er im Gehorsam gegenüber der Menge das Falsche tun, etwas Schreckliches.

Mt 27,25: ‭Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!‭

Mt 27,26: ‭Da gab er ihnen den Barabbas frei; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung.‭

Geiselung: Die Schläge kamen von einer Peitsche mit vielen Ledersträngen, die jeweils scharfe Knochen- oder Metallstücke an den Enden hatten. Es reduzierte den Rücken auf rohes Fleisch, und es war nicht ungewöhnlich, dass ein Verbrecher sogar vor der Kreuzigung an einer Geißelung starb: Sieh, der Herr wird zum Schlagen hingestellt; sieh, er wird schon geschlagen. Es zerreißt sein heiliges Fleisch die Gewalt der Geißelhiebe; mit wiederholten Schlägen zerfleischen die grausamen Streiche Rücken und Schultern. O des Schmerzes! Hingestreckt vor den Menschen liegt Gott und erduldet die Strafe eines Schuldigen, in dem nie eine Spur von einer Sünde gefunden werden konnte.

Mt 27,27-31: Soldaten verspotten Jesus

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,27-31

Parallelstellen: Mk 15,16-20

Mt 27,27: ‭Da nahmen die Kriegsknechte des Statthalters Jesus in das Prätorium und versammelten die ganze Schar um ihn.‭

Mt 27,28: Sie zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um.

Sie entkleideten ihn: Wenn ein Gefangener gekreuzigt wurde, wurden sie oft nackt ans Kreuz genagelt, einfach um ihre Demütigung zu vergrößern. Jesus wurde noch nicht gekreuzigt, aber seine Demütigung hatte begonnen, und er wurde öffentlich entkleidet .

Purpurmantel: Der Schöpfer und Erhalter des Universums wurde auf unerhörte Weise von den grausamen, gemeinen Soldaten entehrt, von seinen unwürdigen, sündigen Geschöpfen. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um. Damit wollten sie einen Königsmantel nachahmen. Aber dieser Mantel hat eine Botschaft für uns. Weil Scharlach mit der Sünde in Verbindung steht (Jes 1,18), liebe ich den Gedanken, dass der Mantel für meine Sünden steht, die auf Jesus gelegt wurden, damit mir Gottes Mantel der Gerechtigkeit angetan werden kann. MacDonald

Mt 27,29: Sie flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugten vor ihm die Knie, verspotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!

Dornenkrone: Sie flochten eine Krone aus Dornen und drückten sie ihm auf das Haupt. Aber wir blicken hinter ihre rohe Verspottung und verstehen, dass er die Krone aus Dornen trug, damit wir die Krone der Gerechtigkeit  tragen dürfen. Sie verspotteten ihn als König der Sünde, wir verehren ihn als Retter der Sünder. Sie gaben ihm auch ein Rohr als Königszepter. Sie wussten nicht, dass die Hand, die dieses Rohr hielt, jene Hand ist, die die Welt regiert. Die nageldurchgrabene Hand Jesu hält jetzt das Zepter der unumschränkten Herrschaft. Sie fielen vor ihm auf die Knie und redeten ihn als König der Juden an. Damit nicht zufrieden, spuckten sie dem einzigen vollkommenen Menschen, der je gelebt hat, ins Gesicht, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. Alles ertrug Jesus geduldig, er sagte kein Wort. MacDonald

Mt 27,30: Dann spuckten sie ihn an und nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt.

‭Mt 27,31: Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und legten ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.‭

Marsch zum Kreuzigungsort: Der Marsch zum Kreuzigungsort war eine nützliche Reklame für Rom. Es warnte potenzielle Unruhestifter, dass dies ihr Schicksal sei, sollten sie Rom herausfordern. Normalerweise führte ein berittener Zenturio die Prozession an, und ein Herold rief die Verbrechen der Verurteilten an.

Mt 27,32-44: Jesus wird gekreuzigt

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,32-44

Parallelstellen: Mk 15,25-32; Lk 23,32-43; Joh 19,18-27

Mt 27,32: Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen ein Mann aus Kyrene, der Simon hieß. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt werden sollte.

Simon von Kyrene: Nach der Geißelung wurde das Opfer gezwungen, den schweren Querbalken seines eigenen Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dieser Balken wog ca. 50kg. Was Simon von Kyrene hier tun musste, wird zum Vorbild für uns. Im Tragen unseres oft schweren Kreuzes haben wir Anteil am Kreuz Jesus. Dieses Kreuztragen ist nicht abgehobenes spirituelles Gefassel, sondern wird von uns allen in seinem Schmerz im ganz konkreten Leben gelebt. Zum Beispiel muss ich heute auf einer Beerdigung von einem ehemaligen Schüler Abschied nehmen, den ich sehr lieb hatte. Ich spüre den schweren Balken auf der Schulter seiner Mutter.

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Pater Pio

Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken. Theresia von Avila

Mt 27,33: ‭Und als sie an den Platz kamen, den man Golgatha nennt, das heißt Schädelstätte,

Mt 27,34: ‭gaben sie ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken; und als er es gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

Er wollte nicht trinken: Es war üblich, denen, die gekreuzigt werden sollten, ein schmerz- und geistbetäubendes Getränk zu geben, um ihr Bewusstsein für die Qual, die sie erwartete, zu verringern. Aber Jesus lehnte jede betäubende Droge ab. Er entschied sich, dem geistlichen und körperlichen Schrecken mit wachen Sinnen entgegenzutreten.

Mt 27,35: ‭Nachdem sie ihn nun gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich und warfen das Los, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und das Los über mein Gewand geworfen«.‭

Loslassen der Kleidung: Jesus kam den ganzen Weg die Leiter hinunter, um unsere Errettung zu vollbringen. Er ließ absolut alles los – sogar Seine Kleidung – und wurde für uns völlig arm, damit wir in Ihm vollkommen reich werden konnten.

Mt 27,36: ‭Und sie saßen dort und bewachten ihn.‭

Mt 27,37: ‭Und sie befestigten über seinem Haupt die Inschrift seiner Schuld: Dies ist Jesus, der König der Juden.‭

König der Juden: Durch göttliche Fügung wurde ein solcher Titel über sein Haupt gesetzt, daß dadurch die Juden erkennen sollten, daß sie selbst nicht durch den Tod bewirken konnten, ihn nicht zum Könige zu habenden» durch den Kreuzestod verlor er nicht die Herrschaft, sondern befestigte sie vielmehr. Goldene Perle

Worte von Franz von Sales: Euer König bleibt derselbe, es ist der gekreuzigte Herr Jesus Christus, unter dessen Herrschaft ihr überall wohl geborgen seid. Er bleibt euer König, solange ihr ihn haben wollt. Seid also unbesorgt, nichts wird euch fehlen. Sorgt nur dafür, daß ihr in der Liebe und Treue wachset. Haltet euch dicht an seiner Seite, dann wird alles recht werden. Laßt euch alles von ihm lehren, laßt euch in  allem von ihm beraten. Er ist der treue Freund, der mit euch gehen wird, der euch lenken wird, der sich um euch annehmen wird. Von ganzem Herzen bitte ich ihn um diese Gnade. Franz von Sales

Mt 27,38: ‭Dann wurden mit ihm zwei Räuber gekreuzigt, einer zur Rechten, der andere zur Linken.‭

Mt 27,39: Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf.

Unglaube der Vorübergehenden: Wenn das Kreuz die Liebe Gottes offenbart, so offenbart es auch die Verdorbenheit des Menschen. Die Vorübergehenden nahmen sich die Zeit, den Hirten zu verspotten, als er für die Schafe starb: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige her ab vom Kreuz. Das ist die Sprache rationalistischen Unglaubens. Wir glauben nur, was wir sehen. Steige herab vom Kreuz, mit anderen Worten: Nimm den Anstoß des Kreuzes weg, und wir werden glauben. Sie behaupteten, sie würden glauben, wenn er vom Kreuz herunterkäme, aber wir glauben, weil er oben blieb. MacDonald

Mt 27,40: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!

Tun des Gegrnteils: Aber im Gegenteil, weil er der Sohn Gottes ist, steigt er von dem Kreuze nicht herab; denn darum kam er, um für uns gekreuzigt zu werden.

Dem Teufel ging es um nicht weniger, als Jesus von seinem Weg als Sohn Gottes abbringen. Er setzte alles daran, ihn von seiner göttlichen Sendung wegzulocken und von seiner Berufung abspenstig zu machen. In einer Meditation schreibt Petrus Chrysologus darauf: Was ist schwieriger? Die Nägel zu entfernen und vom Kreuz herabsteigen oder auf den Tod den Fuß zu setzen und aus der Unterwelt zurückkommen? Ich habe mich selbst errettet. Ich habe die Ketten der Unterwelt gesprengt und bin wieder heraufgekommen auf die Welt

Mt 27,41: ‭Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

Mt 27,42: ‭Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben!

Im Mittelpunkt des Königtums Jesu Christi steht das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung. Am Kreuz wird er als König verspottet. Paradoxerweise ist das Kreuz, dem sich Jesus frei auslieferte, das Zeichen seines Königtums. Weil er sich zum Sühneopfer hingab, wird Jesus zum König für alle Menschen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Dieses paradoxe Königtum bezeugen und verkündigen wir, indem wir seinem Weg folgen, seine Logik annehmen, die Logik der Demut und des Dienstes, des Weizenkorns, das stirbt, um Frucht zu bringen. Ahme seine Demut und seinen Dienst nach!

Gott tritt nicht im Stil einer königlichen Repräsentation auf, sondern im Stil von Bethlehem und Golgatha. Paul Deitenbeck

Mt 27,43: ‭Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn!‭

Weiterer Spott: Inmitten Seiner überwältigenden Zurschaustellung von Liebe wurde Jesus nicht geehrt. Stattdessen wurde Er gelästert und Seine Feinde spotteten. Bezeichnenderweise verspotteten sie Jesus dafür, wer er wirklich war und ist. Sie verspotteten ihn als Retter. Sie verspotteten ihn als König. Sie verspotteten ihn als einen Gläubigen, der auf Gott vertraute. Sie verspotteten ihn als den Sohn Gottes.

Mt 27,44: ‭Ebenso schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.‭

Mt 27,45-56: Jesus stirbt am Kreuz

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,45-56

Parallelstellen: Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-37

Mt 27,45: ‭Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.‭

Mt 27,46: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Psalm 22: Indem er Psalm 22 zitierte, erklärte Jesus seine Erfüllung dieser Prophezeiung, sowohl in ihrer Qual als auch in ihrem Jubel. Der Psalm sagt weiter: Du hast mir geantwortet. Ich werde deinen Namen meinen Brüdern verkünden; mitten in der Gemeinde will ich dich preisen.

Jesus betet hier den großen Psalm 22, der mit diesem Vers beginnt. So nimmt er alle an der Verborgenheit Gottes leidenden Menschen dieser Welt in sich hinein. Er trägt den Notschrei der Welt vor das Herz Gottes selber hin. Die ganze Passion ist in dem Psalm gleichsam vorab geschildert: die öffentliche Demütigung, der Hohn und das Kopfschütteln der Spötter, die Schmerzen, der entsetzliche Durst, das Durchbohren der Hände und Füße und das Verlosen der Kleider. Aber nicht nur die Passion, sondern auch die Gewissheit der Erhörung, die sich zeigen wird in der Auferstehung, ist im Psalm enthalten. Der Ruf in der äußersten Not ist zugleich Gewissheit der göttlichen Antwort, Gewissheit des Heils – nicht nur für Jesus selbst, sondern für viele.

Mt 27,47: Etliche der Anwesenden sprachen, als sie es hörten: Der ruft den Elia!‭

Eines der ersten Dinge, die wir über Jesus wissen, war, dass er missverstanden wurde. Als Joseph und Maria ihn in Jerusalem zurückließen, verstanden sie nicht, dass er sich um die Geschäfte seines Vaters kümmern musste. Jetzt, am Ende seines irdischen Wirkens, wird er auch am Kreuz missverstanden. Jesus wusste, was es bedeutete, wenn seine Beweggründe missverstanden wurden. Er heilte Menschen, und andere sagten, er habe es durch den Teufel getan. Er streckte die Hand nach Sündern aus, und die Leute nannten ihn ein betrunkenes Schwein. Auch die Motive der Nachfolger Jesu werden manchmal missverstanden.

Mt 27,48: ‭Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.‭

Mt 27,49: ‭Die Übrigen aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia kommt, um ihn zu retten!‭

Mt 27,50: ‭Jesus aber schrie nochmals mit lauter Stimme und gab den Geist auf.‭

Jesus am Kreuz: Ich überlege vor allem, wer der ist, der so hangend erhöht ist, und sehe durch die Inschrift, dass es Jesus von Nazaret, der König der Juden, ist. Ist das also, sage ich, der große Jesus, der so viele Wunder gewirkt, sein ganzes Leben gepredigt und Akte der Tugend gemacht hat? Ist das der Sohn des ewigen Gottes, der der Herr des Himmels und der Erde ist? Und wieso hängt er nun am Kreuz? Konnte er nicht auf tausend ehrenhaftere Arten sterben, die sanfter und erträglicher sind, wenn er schon sterben wollte? Man muss wohl sagen, dass dieser Tod eine bestimmte verborgene Schönheit besitzt, da er vom Sohn Gottes selbst gewählt wurde. Welcher Bewunderung wird oder kann dieses Wunder würdig sein? Ich betrachte die Haltung des Erlösers, an der ich höchste Güte und Sanftmut sehe. Seine Augen sind durch die Schmerzen keineswegs getrübt und durch die Kränkungen nicht erzürnt. O wie gütig ist dieses Lamm! Wer wird mir die Gnade geben, dass ich inmitten von Mühen und Kränkungen ebenso sein kann? Franz von Sales

Er gab sein Leben auf, weil er es wollte, wann er es wollte und wie er es wollte. Augustinus

Mt 27,51: ‭Und siehe, der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich.‭

Zerreissen des Vorhangs: Der Schleier trennte den heiligen Ort vom Allerheiligsten im Tempel. Es war eine anschauliche Demonstration der Trennung zwischen Gott und Mensch. Bemerkenswerterweise wurde der Schleier von oben bis unten zerrissen und es war Gott, der das Zerreißen bewirkte.

Mt 27,52: ‭Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt

Mt 27,53: ‭und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

Geöffnete Gräber: Wie aber der tote Lazarus wiederum auflebte, so standen auch viele Leiber der Heiligen auf, um die Auferstehung des Herrn zu zeigen, und doch standen sie, als sich die Gräber öffneten, nicht eher auf, als der Herr ausstand, damit er der Erstgeborne der Auferstehung von den Toten wäre. Goldene Perle

Mt 27,54: ‭Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!‭

Mt 27,55: ‭Es waren aber dort viele Frauen, die von ferne zusahen, welche Jesus von Galiläa her gefolgt waren und ihm gedient hatten;

Mt 27,56: ‭unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Joses, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Mut der Frauen: Zu ihrer ewigen Ehre bewiesen diese Frauen mehr Mut und liebevollere Zuneigung zu ihrem Herrn und Meister als die Jünger, die versprochen hatten, mit ihm zu sterben , anstatt ihn zu verlassen.

Diese Frauen betrachteten aber das, was geschah, weil sie sehr mitleidig waren. Und betrachte ihre Standhaftigkeit. Sie folgten, um ihm zu dienen, und waren bis zu den Gefahren bei ihm, so daß sie den größten Mut zeigten, weil sie, während die Jünger flohen, bei ihm waren. Goldene Perle

Mt 27,57-61: Jesus wird ins Grab gelegt

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,57-61

Parallelstellen: Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42

Mt 27,57: ‭Als es nun Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathia namens Joseph, der auch ein Jünger Jesu geworden war.‭

‭Mt 27,58: Dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, dass ihm der Leib gegeben werde.‭

Mt 27,59: ‭Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine Leinwand

Mt 27,60: ‭und legte ihn in sein neues Grab, das er im Felsen hatte aushauen lassen; und er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging davon.

Jesus im Grab: Eingehüllt in das Leinentuch, das Grabtuch, gleitet der gekreuzigte und gequälte Leib Jesu langsam aus den barmherzigen und liebevollen Händen Josefs von Arimathäa in das Felsengrab. In den Stunden der Stille, die nun folgen, wird Christus wirklich wie alle anderen Menschen sein, die in den dunklen Schoß des Todes, der Leichenstarre, des Endes vordringen.

Fremdes Grab: Der Erlöser wird aber in ein fremdes Grab gelegt, weil er als Heiland für unser Heil starb. Wozu ihm ein eigenes Grabmal auf der Erde errichten, dessen Thron doch im Himmel ist?

Neues Grab: Er kam aus dem Schoß einer Jungfrau in die Welt. Er kam wieder hervor aus einem jungfräulichen Grab. In dieses Grab war noch nie ein Leichnam gelegt worden, so dass, wenn ein Leichnam herauskam und das Grab leer war, keine Verwirrung darüber bestand, welcher Leichnam herauskam.

Worte der goldenen Perle: Und er legte ihn in ein neues Grab, das er in den Felsen hatte aushauen lassen. Der Erlöser wird aber darum in ein fremdes Grab gelegt, weil er für das Heil Anderer starb; wozu sollte er in sein eigenes Grab gelegt werden, der da an sich keinen eigenen Tod hatte? Wozu ihm ein Grabmal auf der Erde errichten, dessen Thron im Himmel blieb? Wozu ihm ein eigenes Grab, welcher nur drei Tage nicht so fast tot lag, als wie in einem Bette ruhte? Das Grab ist aber die Wohnung des Todes. Es bedurfte also Christus, welcher das Leben ist, nicht der Wohnung des Todes, und der immer Lebende bedurfte nicht der Wohnung der Verstorbenen. Goldene Perle

Mt 27,61: ‭Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria, die saßen dem Grab gegenüber.‭

Mt 27,62-66: Wachen werden aufgestellt

Auslegung und Kommentar zu Mt 27,62-66

Mt 27,62: ‭Am anderen Tag nun, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die obersten Priester und die Pharisäer bei Pilatus

Mt 27,63: ‭und sprachen: Herr, wir erinnern uns, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferstehen.

Ironischerweise erinnerten sich die Feinde Jesu an sein Versprechen der Auferstehung besser als seine eigenen Jünger.

Mt 27, 64: ‭So befiehl nun, dass das Grab sicher bewacht wird bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger in der Nacht kommen, ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist aus den Toten auferstanden!, und der letzte Betrug schlimmer wird als der erste.‭

Mt 27,65: Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben! Geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt!

Bewachung des Grabs: Lag nicht Ironie in der Stimme des Pilatus, als er sagte: Sichert es, so gut ihr könnt? Sie taten ihr Bestes. Sie versiegelten den Stein und stellten die Wache auf, aber ihre besten Sicherheitsvorkehrungen reichten eben doch nicht aus. Unger sagt: Die Vorsichtsmaßnahmen, die seine Feinde trafen (Versiegelung des Grabes, Aufstellen einer Wache) mussten am Ende dazu dienen, dass Gott die Pläne der Gottlosen zunichte machte, und brachten den unwiderlegbaren Beweis für die Auferstehung des Königs.

Mt 27,66: ‭Da gingen sie hin, versiegelten den Stein und bewachten das Grab mit der Wache.‭


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Matthäus Evangelium Mt Kapitel 27.


Infos zum Impuls 

– Start mit dem Wort Gottes in den Tag

– Kurzimpuls

– es gibt stets ein Wochenthema

– täglich nur 1x

– entweder über

   * Whatsapp

   * Facebook-Seite

   * Telegram

– ca. zwischen 6-7 Uhr 

– hier geht´zur Anmeldung

Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste