Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Matthäus Evangelium Kapitel 11 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Matthäus Evangelium Kapitel 11

Mt 11,1-19: Zweifel des Täufers

(Lk 7,18-35)

Und es geschah, als Jesus die Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, zog er von dort weg, um in ihren Städten zu lehren und zu verkündigen. Mt 11:1

Als der Herr seine Jünger zum Predigen aussenden wollte und sie darum unterrichtet hatte, vollbrachte er selbst das in der Tat, was er mit Worten gelehrt hatte. Goldene Perle

Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger und ließ ihm sagen: Bist du derjenige, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Mt 11:2‭-‬3

Johannes der Täufer schickt zwei seiner Jünger zu Jesus mit der Frage, ob er der Messias ist oder nicht. Hat er nicht kurze Zeit zuvor Jesus im Jordan getauft? Hat er nicht gesehen, wie sich der Himmel geöffnet hat und der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabgestiegen ist? Hat er nicht die Stimme vom Himmel gehört, die sprach: Das ist mein geliebter Sohn? Hat er nicht selbst gesagt, Jesus sei das Lamm Gottes, und sogar bezeugt, dass er der Sohn Gottes ist? Und trotz allem diese Frage. Es gibt zumindest zwei denkbare Erklärungen dafür. Die eine ist, dass solche Glaubenszweifel selbst nach deutlichen Erfahrungen tatsächlich möglich sind. Auch eine heilige Therese von Lisieux hat am Ende ihres Lebens, als sie längst auf mystischen Höhen des inneren Lebens angekommen war, noch starke Zweifel. Bertalan Egervári

Der Grund für solche Glaubenszweifel liegt in der Natur des Glaubens: Er ist ein reines Geschenk Gottes. Wenn Gott den Glauben gibt, dann können wir ihn üben und nach ihm leben. Gibt er ihn aber noch nicht, dann können wir uns nur darum bemühen und darum bitten. Allerdings will Gott den Glauben geben! Wie sollen wir uns im Falle eines Zweifels aber verhalten? Nun, wir sollten jeden Glaubenszweifel zuerst dem vortragen, der ihn lösen kann: Jesus, und den Zweifel so im Gebet entgegentreten. Wir sollten es also dem Täufer gleichtun und Jesus oder jemandem, der Jesus dient, unsere Frage vortragen und so Hilfe empfangen. Und wir können den Katechismus lesen oder über unsere Frage sprechen. Jedenfalls gibt uns der Glaube, den Gott schenkt, eine Art innere „Gewissheit“. Der Glaubenszweifel dagegen ist eine Versuchung, die diese Gewissheit erschüttert. Suchen wir immer wie der Täufer, diese Gewissheit zurückzuerhalten. Bertalan Egervári

Er fragt also nicht wegen Mangel an Kenntnis; sondern wie der Erlöser (Joh. 4) fragt, wohin sie Lazarus legten, damit die, welche die Begräbnisstätte zeigten, wenigstens so zum Glauben vorbereitet würden, wenn sie den Toten auferstehen sähen, auf dieselbe Weise sendet auch Johannes, der von Herodes getötet werden sollte, seine Jünger zu Christus, damit sie bei dieser Gelegenheit seine Zeichen und Wunder sähen und an ihn glaubten. Goldene Perle

Es ist möglich, dass Johannes diese Frage nicht um seiner selbst willen gestellt hat, sondern um seiner Jünger willen – er wollte, dass sie zu Jesus gehen und die Frage für sich selbst stellen , wodurch sie ihre Aufmerksamkeit auf Jesus richten.

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Mt 11:4

Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die rettende Botschaft verkündet. Mt 11:5

Für Christus gibt es keinen hoffnungslosen Fall: weder ich noch du noch sonstwer. Daher kannst du Hoffnung ausstrahlen und schenken. Denn in der Hoffnung und im Glauben wissen wir, dass am Ende unseres kurzen Lebens der Herr steht, der für mich und mit mir Mensch geworden ist, der sich aus Liebe am Kreuz für mich hingegeben hat und auferstanden ist. Er wartet auf mich mit der ganzen Seligkeit des Himmels, mit der Fülle des ewigen Lebens beim Vater im Himmel. So sei bereit, dich mit Christus, dem Herrn, von Tag zu Tag enger zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben.

Glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir! Mt 11:6

Denn das Kreuz könnte auch für die Auserwählten zum Ärgernis sein; aber für seine Gottheit ist dieses der größte Beweis. Denn nichts scheint mehr über das Menschliche hinauszugehen, als daß sich Einer für die ganze Welt darbringt.

Wenn er aber sagt: Und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert, so meint er damit die Abgesandten. Denn weil sie sich an ihm ärgerten, weist er sie insgeheim zurecht, ohne ihren Zweifel bekannt zu machen, indem er ihn ihrem Gewissen allein überläßt. Goldene Perle

‭Als aber diese unterwegs waren, fing Jesus an, zu der Volksmenge über Johannes zu reden: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Wind bewegt wird?‭ Mt 11:7

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe, die, welche weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige! Mt 11:8

Weder eine gut ausgestattete Garderobe noch reichhaltiges Essen gehörten zum Leben des Täufers. Er wohnte in der Wüste und besaß so gut wie nichts. Und doch besaß er mehr als alle anderen. Die Menschen spürten das und kamen in Scharen zu ihm. Er fand zum Leben, indem er auf das Nötige zum Leben verzichtete. Das wahre Leben, das von Gott kommt und Gott ist, erschließt sich uns besonders in der Bedürftigkeit und Schwäche. Wie sollen wir erkennen, dass wir völlig auf Gott angewiesen sind, wie bemerken, dass unsere Seele ihn braucht wie die Luft zum Atmen? Wer materiell im Überfluss lebt, ist dadurch oft wie betäubt und erkennt nicht den großen Mangel seiner Seele. Materielle Bedürftigkeit hilft uns, den Blick auch auf die seelischen Nöte zu richten. Jesus sagt ja: „Selig, die arm sind vor Gott.“ Bertalan Egervári

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: einen, der mehr ist als ein Prophet! Mt 11:9

Denn dieser ist“s, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Mt 11:10

Ein Prophet wird von Gott erwählt, um das Volk zur Bekehrung zu rufen. Es sollte zum Leben der Gebote zurückkehren, gemäß dem Bund, den es mit Gott geschlossen hat. Aber ohne es zu wissen, haben die Propheten noch mehr getan: Sie haben auf Jesus hingewiesen. Die fünf Bücher des Mose schreiben über Jesus, ja sogar die gesamte Heilige Schrift. Es ist interessant, das Alte Testament zu lesen und darin Hinweise auf Jesus zu suchen. Johannes hatte die besondere Berufung, noch mehr zu tun, als nur aus der Ferne auf Jesus hinzuweisen. Er durfte direkt auf ihn weisen und ihm den Weg bereiten. Die Befolgung seiner Botschaft der Umkehr macht uns Menschen bereit für eine echte, innerliche Begegnung mit dem Erlöser. Bertalan Egervári

Unser Leben erfahren wir dann als lebenswert, wenn wir eine sinnvolle Aufgabe haben, wenn wir wissen wozu wir da sind, wozu unser Leben gut ist. Eine christliche Aufgabe ist es, Bote und Wegbereiter Jesu zu sein in unserer Zeit zu sein. Christ sein ist keine Fertigkeit, die biologisch weitergegeben wird. Jede Generation muss neu dafür gewonnen werden. Jesus braucht daher Wegbereiter und Boten, er braucht dich!

Die Welt braucht keine Angstmacher, sondern Hoffnungsboten. Peter Hahne

Wahrlich, ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Reich der Himmel ist größer als er. Mt 11:11

Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Reich der Himmel Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reißen es an sich.‭ Mt 11:12

‭Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes.‭ Mt 11:13

Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist der Elia, der kommen soll. Mt 11:14

Wer Ohren hat, der höre. Mt 11,15

Daß aber die Worte: Dieser ist Elia, einen höheren Sinn haben, beweisen die folgenden Worte des Herrn: Wer Ohren hat zu hören, der höre! — Er will sagen: Wer die Ohren des Herzens zu Hören, d.h. zu verstehen, hat, der höre, d.h. verstehe, daß er nicht sagte: Johannes sei Elia in der Person, sondern im Geiste. Goldene Perle

Wir alle haben Ohren, aber oft können wir nicht hören. Warum? Brüder und Schwestern, es gibt in der Tat eine innere Taubheit, wo wir Jesus bitten können, sie zu berühren und zu heilen. Und diese innere Taubheit ist schlimmer als die körperliche, denn es ist die Taubheit des Herzens. Von Eile getrieben, in der wir tausend Dinge zu sagen und zu tun haben, finden wir keine Zeit, innezuhalten und denen zuzuhören, die zu uns sprechen. Wir laufen Gefahr, für alles undurchlässig zu werden und keinen Raum für diejenigen zu schaffen, die es nötig haben, dass man ihnen zuhört: Ich denke dabei an Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, viele, die nicht so sehr Worte und Predigten brauchen, sondern dass man ihnen zuhört. Papst Franziskus

Wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die an den Marktplätzen sitzen und ihren Freunden zurufen. Mt 11:16

Er will sagen: So groß ist Johannes, aber ihr wolltet weder ihm, noch mir glauben, wem ist also dieses Geschlecht zu vergleichen?

Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint! Mt 11:17

Die Idee ist, dass diejenigen, die ein Herz zum Kritisieren haben, etwas zum Kritisieren finden werden. Viele Menschen wären weder mit Johannes noch mit Jesus zufrieden .

Unter den Kindern versteht man die Propheten, welche in der Einfalt des Sinnes wie die Kinder verkündeten und mitten in der Synagoge wie vor dem Volk auf dem Markte es rügen, daß es seine Stimmung nicht nach ihrem Vorspiel einrichtete und ihren Worten nicht gehorchte. Goldene Perle

‭‭Denn Johannes ist gekommen, der aß nicht und trank nicht; da sagen sie: Er hat einen Dämon!‭ Mt 11:18

‭Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt; da sagen sie: Wie ist der Mensch ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von ihren Kindern.‭ Mt 11:19

Mt 11,20-24: Gericht über galiläische Städte

Da fing er an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner Wundertaten geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten:‭ Mt 11:20

‭Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Zidon die Wundertaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sack und Asche Buße getan.‭ Mt 11:21

‭Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Zidon erträglicher gehen am Tag des Gerichts als euch!‭ Mt 11:22

‭Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, du wirst bis zum Totenreich hinabgeworfen werden! Denn wenn in Sodom die Wundertaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, es würde noch heutzutage stehen.‭ Mt 11:23

‭Doch ich sage euch: Es wird dem Land Sodom erträglicher gehen am Tag des Gerichts als dir!‭ Mt 11:24

Mt 11,25-30: Das leichte Joch Jesu

Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast!‭ Mt 11:25

‭Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir.‭ Mt 11:26

Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn es offenbaren will. Mt 11:27

Dadurch, dass er allein den Vater kennt, gibt er zu verstehen, dass er gleichen Wesens mit ihm sei, als wollte er sagen: Wie soll man sich wundern, wenn ich der Herr von Allem bin, da ich etwas Größeres habe? Nämlich den Vater zu kennen und gleichen Wesens mit ihm zu sein. Goldene Perle

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Mt 11,28

Du hast häufig schwer an dir selbst zu tragen, an deiner Menschlichkeit und den damit verbundenen Schwächen. Selbstzweifel, Selbstmitleid, Selbstvorwürfe sind kein guter Weg, damit um zu gehen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich bitte dich: Akzeptiere liebend, dass du Fehler machst. Nimm an, was nicht so perfekt an dir ist und trage es zu Jesus hin. Er, der in uns ist, trägt deine Menschlichkeit mit. Das bedeutet nicht, dass du dich diesen Fehlern resignierend hingibst im Sinne eines „So bin ich halt.“ Aus deinen Fehlern kannst und sollst du lernen. Des anderen Last tragen können wir nur dann, wenn wir unsere eigene Last in inniger Verbindung mit Christus annehmen. Das eine geht nicht ohne das andere! So trage nun heute des anderen Last sowie deine eigene und erfülle somit das Gesetz Christi.

Die liebenswerte Ruhe der Seele nennt Theresia von Jesus das Gebet der Ruhe. Liebende begnügen sich zuweilen damit, bei der Person zu sein, die sie lieben, wenn sie auch nicht mit ihr reden. Sie sind, wie es scheint, zufrieden und froh, diese geliebte Gegenwart auszukosten. Ihr Gemüt findet darin Ruhe und Frieden. Wenn du daher in diesem einfachen, reinen, kindlichen Vertrauen bei unserem Herrn bist, so verweile da und rühre dich keineswegs, um fühlbare Akte des Verstandes oder des Willens zu erwecken. Diese einfache Liebe des Vertrauens und dieses liebevolle Schlafen deines Geistes in den Armen deines Erlösers schließt alles in sich, wonach immer dich gelüsten möchte. Es ist besser, an dieser heiligen Brust zu schlafen, als irgendwo anders, wo immer es auch sei, zu wachen. Eine Seele, die in Ruhe und Schweigen vor Gott ist nimmt die Wonne dieser Gegenwart in sich auf.

„Kommt, kommt, kommt.“ Ich komme, ich komme, ich komme zu dir, Jesus, Geliebtester, den ich geliebt, gesucht, mir gewünscht habe: wegen deiner Süße, deiner Güte und deiner barmherzigen Liebe folge ich dir nach in Liebe von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit aller meiner Kraft, da du nach mir rufst: Lass mich nicht scheitern, sondern handle an mir nach deiner Güte und deinem großen Erbarmen. […] Mir Herr, die ich flehentlich um deine Hilfe bitte, und mir, die ich von dem Sakrament deines Segens Kraft und Stärke ersehne, schenke das Bollwerk deines Schutzes und deine Leitung. […] Es herrsche in mir, Herr, durch die Gabe deines Geistes kluges Maß, weise Güte, besonnene Milde, keusche Freiheit. Lass mich in barmherziger Liebe brennen, nichts außer dir lieben, lobenswert leben, aber ein Lob dafür nicht anstreben. Dich lass mich in der Heiligkeit deines Leibes, dich in der Reinheit deiner Seele lobpreisen, voll Liebe dich lieben, voll Liebe dir dienen. Sei du mir meine Ehre, du meine Freude, du meine Begierde, du in der Trauer mein Trost, du im unschlüssigen Zweifel mein Rat. Sei du im Unrecht meine Verteidigung, in der Bedrängnis Geduld, in der Armut Überfluss, beim Hunger Speise, beim Wachen mein Schlaf, in Krankheit Medizin. In dir möchte ich alles besitzen, in dir, den ich mehr als alles zu lieben bestrebt bin. Gertrud von Helfta

Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. Mt 11,29

Die Sanftmut ist eine meiner Lieblingstugenden, weil sie so praktisch ist. Es vergeht bei mir kein Tag, bald keine Stunde, wo ich nicht vor der Wahl stehe allzu streng zu reagieren oder eben sanftmütig. Lernen können wir das, wie sollte es anders sein, von Jesus, der selbst noch am Kreuz in seiner Liebe die Sanftmut walten lässt. Sanftmut ist nach Gal 5,23 auch eine Frucht des heiligen Geistes. Beten und bitten wir für diese Frucht.

Die Demut macht uns vollkommen vor Gott, die Sanftmut dem Nächsten gegenüber. Schließlich muss man dem Nächsten gegenüber Milde bis zum äußersten walten lassen, selbst bis zur Torheit, und darf niemals Vergeltung üben. Franz von Sales

Die Vögel haben ihre Nester auf den Bäumen, um sich dorthin zurück zu ziehen, wenn sie dessen bedürfen. Der Hirsch hat sein Gebüsch und sein Dickicht, in dem er sich verbirgt und vergräbt und im Sommer sich der Kühle des Schattens erfreut. So muss auch unser Herz sich jeden Tag irgendeinen Platz suchen, den Kalavarienberg, die Wunden des Herrn oder einen Ort nahe bei ihm, um sich dorthin inmitten der äußeren Arbeit bei jeder Gelegenheit zurück zu ziehen, sich dort zu stärken und zu erholen und sich wie in einer Festung gegen die Versuchung zu verteidigen. Franz von Sales

Eines der besten Kennzeichen für die Güte der Eingebungen ist Friede und Ruhe des Herzens. Denn der göttliche Geist ist wohl gewaltig, aber von einer sanften, milden, friedlichen Gewalt. Dem Frieden des Herzens ist die Demut untrennbar verbunden. Demut nenne ich aber nicht einen Wortschwall, äußere Gesten, das Küssen des Erdbodens oder Verneigungen, wenn man diese Dinge ohne inneres Empfinden der eigenen Niedrigkeit tut. Denn all das ist nur ein eitles Getue schwacher Geister und muß eher eine Verzerrung der Demut als Demut genannt werden. Ich rede vielmehr von einer echten und handfesten Demut, die uns empfänglich für Zurechtweisungen, lenksam und bereit zum Gehorsam macht.

Demut bedeutet das gläubige Anerkennen Gottes. Es beinhaltet ein Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit. Von seiner altdeutsche Herkunft bedeutet Demut dienstwillig zu sein. Demut bedeutet sich in einer dienenden Haltung zu Gott zu befinden. Wir sind seine geliebten Werkzeuge. Von seiner hebräischen Herkunft dagegen bedeutet Demut „sich beugen“. Demut bedeutet, sich vor Gott zu beugen, ihn somit als Gott anzuerkennen und als Herr unseres Lebens. Das lateinische Wort für Demut „humilitas“ hat mit Humus zu tun, mit Erdnähe. Demütige Menschen stehen mit beiden Beinen auf der Erde, um zum Himmel zu blicken. Ein Glauben ohne Demut ist undenkbar. Es ist neben der Tugend der Liebe die Tugend schlechthin.

Es ist wirklich nicht gut, weder geistig noch körperlich, auf Zehenspitzen zu gehen. Franz von Sales

Jesus verspricht, allen Ruhe zu verschaffen, doch er richtet an uns auch eine Aufforderung, die wie ein Gebot ist: »Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig« (Mt 11,29). Das »Joch« des Herrn besteht darin, sich der Last der anderen mit brüderlicher Liebe anzunehmen. Wenn wir einmal die Ruhe und den Trost Christi empfangen haben, sind wir unsererseits berufen, in der Nachfolge des Meisters mit gütigen und demütigen Haltungen zu Ruhe und Trost für die Brüder und Schwestern zu werden. Die Güte und die Demut des Herzens helfen uns nicht nur, uns der Last der anderen anzunehmen, sondern auch, ihnen mit unseren persönlichen Ansichten, mit unseren Urteilen, mit unseren Kritiken oder mit unserer Gleichgültigkeit nicht zur Last zu werden. Papst Franziskus

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Mt 11:30

Ein hartes Joch und eine schwere Last ist es auch, dem Zeitlichen untertan zu sein, nach dem Irdischen zu streben, an dem Wandelbaren zu halten, in dem Unbeständigen stehen zu wollen, nach dem Vergänglichen zwar streben, aber mit dem Vergänglichen nicht vergehen zu wollen. Denn wenn uns wider unseren Willen Alles entflieht, das früher den Geist durch die Sehnsucht der Erlangung gefesselt hatte, so drückt es uns nachher aus Furcht, es zu verlieren. Goldene Perle

Kommt, nicht weil ich eurer Herrlichkeit bedarf, sondern weil ich euer Heil will. Daher sagt er: Und ich will euch erquicken. Er sagte nicht: Ich will euch erlösen, sondern, was viel mehr ist, ich will euch erquicken, d.h. zur vollkommenen Ruhe bringen. Goldene Perle

Wir müssen also von unserm Erlöser lernen, sanft an Sitten und demütig im Geiste zu sein, niemanden zu beleidigen, niemanden zu verachten, und die Tugend, welche wir äußerlich im Werk zeigen, innerlich im Herzen zu bewahren. Goldene Perle

Daher beginnt er seine Gebote mit der Demut, und verheißt den größten Lohn, indem er sagt: Und ihr werdet Ruhe für eure Seelen finden. Dieses ist der größte Lohn. Denn nicht nur wirst du für den Nächsten nützlich, sondern du erwirbst dir auch selbst die Ruhe, und vor der Zeit gibt er dir diesen Lohn, in der Zukunft aber wirst du die ewige Ruhe genießen. Goldene Perle

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

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