Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Matthäus Evangelium Kapitel 6 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Matthäus Evangelium Kapitel 6

Zusammenhang zwischen Kap. 5 und Kap. 6: Beide Kapitel 5 und 6 stehen nicht einfach so nebeneinander. Im Kapitel 5 geht es um das Außerordentliche der Nachfolge: das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, die in der Feindesliebe gipfelt. Im Kapitel 6 dagegen geht es um die verborgene Gerechtigkeit der Nachfolger Christi, die im Kern dahin zielt, dass alles Tun nur im Blick auf den Herrn geschieht. Dies wiederum gipfelt in dem Aufruf zur Sorglosigkeit, denn „der Engel des Herrn umgibt alle mit seinem Schutz“ (Ps 34,8). Diese Sorglosigkeit ist nur in einer ausnahmslosen, unbegrenzten Hingabe an den Herrn zu finden ist. Nur wenn wir über uns selbst hinaussehen auf ihn, nur dann wird unser Leben heil werden.

Mt 6,1-4: Über das Geben

Mt 6,1: Habt acht, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.

Mt 6,2: Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gepriesen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Nichts tun, um gesehen zu werden: Das Außerordentliche, die Werke der Liebe in Christus, soll nicht geschehen, damit es gesehen werde. Zwar muss es sichtbar werden, aber habt acht, dass es nicht geschieht, damit es sichtbar werde. Kapitel 5 und 6 prallen hart aufeinander. „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten“ (Mt 5,16) aber: Habt acht auf die Verborgenheit! Aber wem soll das Sichtbare der Nachfolge in den Werken der Liebe denn verborgen sein? Nicht den anderen Menschen, denen ich täglich begegne. Diese sollen das Licht des Jüngers Jesu in mir leuchten sehen, wohl aber dem, der das Sichtbare tut, also mir selbst, soll es verborgen sein. In der Nachfolge Jesu schaue ich allein auf den, der mir voran geht. Tue also deine Werke der Liebe in Christus vor den Menschen, aber stelle dich nicht selbst zur Schau. Die Idee ist, wenn wir rechtschaffene Taten für die Aufmerksamkeit und den Beifall der Menschen tun, ist ihre Aufmerksamkeit und ihr Beifall unsere Belohnung. Es ist viel besser, eine Belohnung von deinem Vater im Himmel zu erhalten zu erhalten

Wer etwas um Gottes willen tut, der hat in seinem Herzen niemand anderen vor Augen außer Gott. Chrysostomus

Mt 6,3-4: Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, er wird es dir öffentlich vergelten.

Vor uns verborgenes Geben: Stattdessen soll unser Geben sogar vor uns selbst verborgen bleiben. Obwohl wir unser eigenes Geben nicht wirklich ignorieren können, können wir uns jede nachsichtige Selbstbeweihräucherung verweigern. Halten Sie die Sache so geheim, dass selbst Sie selbst kaum merken, dass Sie überhaupt etwas Lobenswertes tun. Lass Gott anwesend sein, und du wirst genug Zuhörer haben. Spurgeon

Bedeutung der linken und rechten Hand. Die linke Hand bedeutet die Freude über das Lob, die rechte den Gehorsam gegen Gottes Willen. Wir handeln im Gehorsam (=rechte Hand). Helfen wir jemanden, dann allein aus dem Gehorsam zu Christus und nicht, um Lob und Ehre von Menschen zu bekommen (=linke Hand). Wie häufig aber mischt sich dies eben doch in unsere Motive und Ziele. Wie häufig wollen wir nach außen hervortreten, verlangen nach Anerkennung, Lob oder Bewunderung durch unsere Tat, wodurch die linke Hand von der Tat der rechten Hand weiß.

Gegen die Eitelkeit: Widerstehe beim Geben der Versuchung der Eitelkeit: Ich will, dass jeder weiß, was ich tue. Ich will Beachtung finden, wenn ich gebe. Ich will, dass jeder weiß, wie freigebig und gütig ich bin und was für ein großzügiges Herz ich habe. Prüfe beim Geben stets dein Herz. Gebe mit unverfälschten Motiven, einem aufrichtigen Herzen und nicht um von Menschen gesehen zu werden. Dann weiß deine linke Hand nicht, was die rechte tut. Ja: Du sollst dein eigenes Gutes nicht wissen. Sonst ist es wirklich dein Gutes, aber nicht das Gute Christi.

Mt 6,5-15: Über das Gebet

Mt 6,5: Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie stellen sich gern in den Synagogen und an den Straßenecken auf und beten, um von den Leuten bemerkt zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Verbindung zwischen Almosen und Gebet: Salomon sagt: Vor dem Gebet bereite deine Seele. Dieses tut der, welcher Almosen spendet und sodann sich ins Gebet begibt. Denn die guten Werke erwecken den Glauben des Herzen und verleihen der Seele Zutrauen, zu Gott zu beten. Darum ist das Almosen die Vorbereitung zum Gebet, und demnach belehrt uns der Herr nach dem Almosen entsprechend über das Gebet. Goldene Perle

Mt 6,6: Du aber, wenn du betest, geh in dein Kämmerlein und schließe deine Türe zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten.

Gebet im Herzen: Dein Gebet ist nicht eine Übung oder fromme Haltung, sondern es ist die Bitte als Kind zum Herzen des Vaters. Das ist der Kern deines Gebetes und darum ist das Gebet niemals demonstrativ und zu Schau stellend weder vor Gott noch vor uns selbst noch vor anderen. Auch wenn ich in meinem Zimmer bete, muss ich darauf achten, mich selbst nicht zum Zuschauer meines Gebetes zu machen, sondern beim Gebet stets im Innersten meines Herzens zu verweilen, denn das echte Gebet ist nichts anderes als der Umgang und die vertraute Zwiesprache mit Gott. Vater, in deine Hände übergebe ich heute meinen Geist!

Gott ist allgegenwärtig: An verborgenen Orten zu beten, geziemt sich auch mehr für den Glauben, weil wir wissen, dass Gott überall gegenwärtig sei und mit der Fülle seiner Majestät auch das Verborgene durchdringe. Gott, dein Vater, ist selber im Verborgenen, und er tut das Seine im Verborgenen, und ihm ist am liebsten, was im Verborgenen geschieht.

Mit stiller Stimme beten: Man kann auch unter der Tür des Hauses den Mund des Leibes verstehen, dass wir nicht mit geräuschvoller Stimme, sondern stille im Herzen zu Gott beten, aus drei Gründen. Zuerst, weil an Gott nicht mit lauter Stimme zu erwecken, sondern mit reinem Herzen zu versöhnen hat, weil er die Worte des Herzens vernimmt – zweitens, weil kein Anderer, als du und Gott, dein Gebet zu hören braucht; drittens, weil du bei lautem Gebet den, der neben dir betet, störst. Goldene Perle

Mt 6,7: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen.

Mt 6,8: Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.

Gebet in und durch Christus: Weder die Formel noch die Anzahl der Worte bewirkt etwas, indem er Gott bei seinem Herzen fasst, sondern nur das Gebet, dass sich durch den Glauben an seinen Sohn Christus an ihn wendet. Gebet ist immer vermitteltes Gebet! Nur durch die Bindung an Christus können wir im Gebet den Vater finden, er ist der Weg zu ihm. Christus ist der alleinige Mittler unseres Gebets. So ist unser Gebet immer auch an sein Wort gebundenes Gebet, d.h. mein eigener Wille, mit meinem Gebet irgendwie mich selbst durch zu setzen, muss sterben. Dann kann ich beten, dass der Wille dessen geschehe, der weiß, was ich bedarf, ehe ich bitte.

Wir beten nicht, um Gott zu informieren: Wir beten nicht, um Gott Dinge zu sagen, die er nicht wusste, bevor wir es ihm sagten. Wir beten, um mit einem liebenden Gott zu kommunizieren und ihn anzurufen, der möchte, dass wir alle Nöte und Sorgen vor seinen Thron bringen. Denn viele Worte zu machen, heißt im Gebet Überflüssiges zu reden; aber viel zu beten heißt, den, welchen wir bitten, durch eine anhaltende Übung des Herzens zu bewegen. Denn gewöhnlich geschieht dieses eher durch Seufzen als durch Worte, durch Weinen als durch Sprechen.

Beten heißt, still zu werden: Mit zunehmender Nähe zu Gott werden die Worte weniger, einfältiger werden alle Worte. Es ist nicht nötig, dass wir darum bemüht sind, in vielen Worten zu denken und zu beten. Das schweigende Denken und Beten, das nur aus dem Hören kommt, kann oftmals förderlicher sein. Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis ich Gott höre. Sorge dich also nie darum, viele mündliche Gebete zu verrichten. Wann immer du betest und dein Herz zu Gott gezogen wird, lasse deinem Herz freien Lauf und wenn es „nur“ ein Vater unser innerlich von Herzen gesprochen ist.

Ein einziges andächtig gebetetes Vaterunser ist besser als viele, die man hastig und gedankenlos herunterleiert. Franz von Sales

Mt 6,9: Unser Vater im Himmel!

Das Wir im Vaterunser: Dieses „Unser Vater“ ist so wichtig! Nur in diesem „Wir“ hören wir das Wort Gottes richtig. Das kann auch bedeuten, auf die anderen Stimmen des Herrn zu hören, ja uns auch leiten zu lassen von anderen Menschen, die Erfahrung mit Gott haben und uns auf diesem Weg helfen. So wächst die Fähigkeit in den Tausenden von Stimmen heute die Stimme Gottes zu vernehmen, der immer gegenwärtig ist und immer zu uns spricht. Dies ist ein Gebet, das sich auf die Gemeinschaft konzentriert; Jesus sagte „Vater unser“ und nicht „Mein Vater“. Das ganze Gebet ist gesellig. Das Singularpronomen fehlt. Der Mensch tritt in die Gegenwart des Vaters ein und betet dann als Mitglied der großen Familie. Chrysostomus schreibt: Der Herr lehrt uns, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Denn er sagt nicht: „Mein Vater im Himmel“, sondern: „Vater unser“, damit unser Gebet wie aus einer Seele für den ganzen Leib der Kirche eintrete.

Den Vater ansprechen: Meint ihr, für eine ausgegossene Seele liege nicht viel daran, zu sehen, dass sie nicht in den Himmel zu gehen braucht, um mit ihrem Ewigen Vater zu sprechen? Sie braucht nur ihn in großer Demut wie einen Vater anzusprechen, wie einen Vater zu bitten, es sich wie bei einem Vater gutgehen zu lassen. Theresa von Avila

Im Himmel: Er sagt ferner: Der du bist in dem Himmel, damit wir wissen, dass wir einen himmlischen Vater haben, und dass sich die, welche einen Vater im Himmel haben, schämen, sich dem Irdischen zu ergeben. Wenn er also sagt: In dem Himmel, will er Gott nicht dort einschließen, sondern den Betenden von der Erde abziehen und in die höheren Gebiete versetzen. Goldene Perle

Mt 6,9: Geheiligt werde dein Name.

Den Namen Gottes heiligen: Durch unser Leben können wir den Namen Gottes heiligen. Wenn der Mensch in der Nachfolge Jesus lebt und seinem Gebot der Liebe folgt, dann wird Gottes Name in der Welt geheiligt. Gottes Name wird sichtbar im Menschen, der sich nach seinem heiligem Willen richtet. Gregor von Nyssa schreibt: Wer betet: Geheiligt werde dein Name spricht zu Gott etwa in diesem Sinn: Hilf mir mit deiner Gnade, dass ich untadelig, gerecht, gottesfürchtig werde, ein Mensch, der sich jeder schlechten Tat enthält, der die Wahrheit redet, Gerechtigkeit übt, in Ehrlichkeit wandelt, durch Keuschheit leuchtet, mit Weisheit und Mäßigung sich schmückt, nach dem trachtet, was oben ist, das Irdische gering achtet, ein engelgleiches Leben führt.

Bitten um die eigene Heiligung: Auch um unsere Heiligung bitten wir täglich. Denn wir bedürfen einer beständigen Heiligung, damit wir, die wir täglich sündigen, unsere Vergehen durch eine beständige Heiligung tilgen. Goldene Perle

Mt 6,10: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden.

Gottes Wille geschehe: Gott soll unsere Entscheidungen bestimmen nicht unser Eigenwille. Der Wille Gottes möge in uns geschehen. Das Beten um das Geschehen des Willens Gottes ist ein Ringen mit dem Vater, dass ich nicht weiter meine Vorstellungen durchsetzen will, sondern dass Gottes Bild von mir und meinem wahren Wesen erkennbar und in mir verwirklicht wird. Die Bibel zeigt auf, wie Jesus dem Willen des Vaters gegenüber gehorsam ist. Die Bitte, dass Gottes Wille geschehe, ist daher auch ein Weg zur innigen Gemeinschaft mit Jesus. Wir bitten darum, dass wir uns wie Jesus auf Gottes Willen einlassen können. Mit Faustinas Worten: Alles, was auf mich zukommt, nehme ich als Gabe des liebenden Willens Gottes an, der aufrichtig mein Glück will.

Dein Wille geschehe: Sehen wir die Menge innerer und äußerer Güter, wie auch die so große Zahl innerer und äußerer Leiden, die die göttliche Vorsehung in ihrer überaus heiligen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit uns bereitet hat. Öffnen wir die Arme unserer Einwilligung und umfangen wir all das ganz liebevoll, fügen wir uns dem heiligsten Willen Gottes und singen wir Gott in einem Hymnus ewiger Einwilligung: Dein Wille geschehe! Ja, Herr, Dein Wille geschehe auf Erden, wo es keine Freuden ohne Beimischung irgendeines Schmerzes gibt, keine Rosen ohne Dornen, keinen Tag ohne darauffolgende Nacht, keinen Frühling ohne vorhergegangenen Winter.

Teresa von Avila: Uns ganz in die Hände des Schöpfers zu überantworten, unseren Willen dem seinen zu unterwerfen, uns von den geschaffenen Dingen zu lösen. Das also ist die vollkommene Kontemplation. In ihr braucht es keine Anstrengungen und keine Wissenschaft von unserer Seite. Es reicht, wenn wir sagen: Dein Wille geschehe! Verfüge über mein ganzes Sein, wie es deinem Willen entspricht, als sei es schon ganz dir übereignet. Dein bin ich, von dir geschaffen, dein, weil du mich erlöst, dein, weil du mich geduldet hast, dein, weil du mich gerufen, dein, weil du mich erwartet hast, dein bin ich. Sag, was hast du vor mit mir?

Der Wille Gottes ist das, was Christus tat und lehrte. Cyprian von Karthago

Mt 6,11: Gib uns heute unser tägliches Brot.

Der Glaube als das tägliche Brot: Glaube ist keine Sache, die man anfängt und dann für immer hat. Glauben empfangen wir von Gott immer nur so viel, wie wir für den gegenwärtigen Tag gerade brauchen. Der Glaube ist das tägliche Brot, das Gott uns gibt. An uns liegt es diesen Glauben im Vertrauen anzunehmen. Vertrauen muss eingeübt werden. Immer wieder neu. Nur so kann es wachsen. Allerdings kannst Du nicht einfach beschließen, von heute an zu vertrauen. Vertrauen muss wachsen. Mein Glaube wurde vor allem durch Erfahrungen gestärkt, wo ich das ganz konkret im Kleinen wie im Großen erlebt habe. Durch die Erinnerung daran, wächst und vertieft sich mein Glaube.

Materielles und geistiges Verständnis: Diese Bitte kann wörtlich verstanden werden. Seien wir dankbar, für die Nahrung, die uns am Leben erhält. Lasst uns nie um Reichtum beten. Und seien wir immer ganz im heute und hüten uns vor der Sorge des Morgens. Diese Bitte kann ebenso geistig verstanden werden. Christus ist das Brot des Lebens. Wir bitten darum, dass wir eins mit ihm seien, dass er sich uns selbst jeden Tag neu gibt. Dass uns Christus, das Brot des Lebens täglich zuteil werde, darum bitten wir, damit wir, die wir in Christus sind und seine Eucharistie täglich empfangen, vom Leib Christi nicht getrennt werden.

Der den Tag dir gibt, der gibt dir auch das, was zu dem Tage gehört. Gregor von Nyssa

Mt 6,12: Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.

Bitte um Vergebung: Die Bitte um die Vergebung führt uns auch tief hinein in das Geheimnis Jesu Christi. Jesus selbst hat Menschen die Vergebung der Sünden zugesprochen. Er hat Sünderinnen und Sündern immer wieder Mut gemacht, an Gottes Vergebung zu glauben. Am Kreuz wird Gottes vergebende Liebe für uns am klarsten sichtbar. Die Bitte Jesu am Kreuz ermöglicht es uns, unseren Brüdern und Schwestern zu vergeben. Wir können mit Jesus für sie beten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann werden wir ihnen ihr Tun nicht mehr vorwerfen. Wir spüren dann, dass sie in der Tiefe ihres Herzens nicht gewusst haben, was sie uns mit ihren Worten oder ihrem Verhalten angetan und wie sehr sie uns verletzt habe. Anselm Grün

Vergebung ist oft ein langer Weg: Verletzungen erzeugen Schmerz oder Wut. Solange dieser Schmerz, diese Wut in dir steckt, ist Vergebung nicht möglich. Vergebung steht immer am Ende der Wut und nicht am Anfang. Der Schmerz und die Wut muss gefühlt werden und darf nicht verdrängt werden: wir sind Menschen! Gefühle lassen sich nicht kontrollieren und bestimmen. Vergebung kann oft ein längerer Weg sein, wo sich Schmerz und Wut in Empathie und Liebe verwandelt. Nur dann kann sich echte Vergebung ereignen. Echte Vergebung ist es, wenn man an die andere Person denken und sich erinnern kann ohne Ärger, Zorn, Bitterkeit, Schmerz, Tränen, ohne ihr etwas nachzutragen.

Johannes Cassianus: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! O unaussprechliche Güte Gottes! Er gibt uns damit nicht nur ein Modell, wie wir beten sollen, er stellt nicht nur die Lebensregel auf, nach der wir in seinen Augen Gefallen finden können; diese Formel, die er uns lehrt und von der wir nach seinem Gebot beim Beten beständig Gebrauch machen sollen, stellt selbst eine Mahnung dar, mit der er geradezu zwangsläufig die Wurzeln des Zornes und der Traurigkeit aus uns herausreißt. Damit nicht genug: Er gibt uns die Gelegenheit und macht es uns leicht, ihn durch dieses Gebet zu einem nachsichtigen und barmherzigen Urteil über uns zu bewegen; er gibt uns gewissermaßen die Macht, selbst den Urteilsspruch, der uns erwartet, zu mildern und ihn durch das Beispiel unserer eigenen Nachsicht zur Vergebung zu verpflichten, wenn wir zu ihm sagen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben.“ Kraft dieses Gebetes wird jener die Verzeihung seiner Sünden mit Zuversicht erbitten, der sich seinen Schuldnern gegenüber vergebungsbereit gezeigt hat. […] Wollen wir mit Milde gerichtet werden, dann lasst uns auch selbst denen gnädig sein, die uns Unrecht getan haben. Es wird uns in dem Maß vergeben werden, wie wir denen vergeben, die uns Böses getan haben, worin auch immer ihre Bosheit bestanden haben mag.

Welch eine Befreiung ist es, wenn man vergeben kann. Corrie Ten Boom

Mt 6,13: Errette uns von dem Bösen.

Wer ist gemeint mit Erlöse uns von dem Bösen? Mit dem Bösen im Vaterunser ist nicht eine negative geistige Kraft oder Energie gemeint, sondern der Böse in Person, den die Heilige Schrift unter den Namen Versucher, Vater der Lüge, Satan oder Teufel kennt. Niemand wird leugnen, dass das Böse in der Welt von verheerender Gewalt ist, dass wir von teuflischen Einflüsterungen umgeben sind, dass in der Geschichte oft dämonische Prozesse ablaufen. Nur die Heilige Schrift nennt die Dinge beim Namen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12). Die Vaterunser-Bitte, vom Bösen erlöst zu werden, trägt das ganze Elend dieser Welt vor Gott und fleht darum, dass Gott, der Allmächtige, uns von allen Übeln befreit, wie es auch im Embolismus zum Ausdruck kommt

Zitate zum Vater unser

Simone Weil: Es ist unmöglich, das Vaterunser zu sprechen und dabei auf jedes Wort die ganze Aufmerksamkeit zu richten, ohne dass in der Seele eine vielleicht unendlich kleine, aber tatsächliche Veränderung bewirkt wird.

Teresa von Avila: Welch erhabene Vollkommenheit liegt in diesem Gebet! Wie sehr erkennt man darin die göttliche Weisheit dessen, der es verfasst hat! Wie dankbar müssen wir dafür sein! Es reißt mich zur Bewunderung hin, wie es in so wenigen Worten alles enthält, was zur Vollkommenheit und Beschauung gehört.

Matthias Claudius: Je länger man das Vaterunser betet, je mehr sieht man ein, wie wenig man es versteht, und wie wert es ist, verstanden und bedacht zu werden, um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen.

Mt 6,14: Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben.

Worte der Wüstenväter: Ein Bruder hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. Als er nun von seinen Brüdern deswegen gescholten wurde, ging er fort. Die Brüder aber folgten ihm nach, um ihn zurückzuholen und begannen, ihm seine Vergehen von neuem vorzuhalten. Er aber bestritt seine Schuld nicht. Da gesellte sich ein Altvater zu ihnen, der erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Ich sah am Flussufer einen Mann bis zu den Knien im Schlamm stecken. Und als einige kamen, um ihn mit hingestreckter Hand herauszuziehen, sanken sie selbst bis zum Halse ein. Betroffen von seinen Worten taten die Brüder Buße und riefen den, der davongegangen war, in ihre Gemeinschaft zurück.

Mt 6,15: Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Mt 6,16-18: Über das Fasten

Mt 6,16: Wenn ihr aber fastet, sollt ihr nicht finster dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Angesicht, damit es von den Leuten bemerkt wird, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Mt 6,17-18: Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es nicht von den Leuten bemerkt wird, dass du fastest, sondern von deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten.

Wahres Fasten: Fasten bedeutet nicht nur leiblicher Verzicht, wahres Fasten bedeutet sich vom Bösen fernzuhalten, Verzicht darauf, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, Verzicht darauf, ständig recht haben zu wollen u.v.m. und dieser vielerlei Verzicht geschieht nur für und in Christus. Er sieht es. Es ist stets ein freiwilliger Verzicht. Gott respektiert unsere Freiheit und so ist Fasten nie aufgezwungen, sondern von uns selbst gewählt. Darin besteht wie beim Beten und Helfen die Gefahr, sich selbst darin zu gefallen vor anderen und vor sich selbst. Der eigene Stolz ist einer der größten Stolpersteine im geistlichen Leben. Wo verzichtest du um Jesu Willen?

Mt 6,19-24: Über das Geld

Mt 6,19: Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie werden nur von Motten und Rost zerfressen oder von Einbrechern gestohlen!

Sich von der Welt lösen: Löse dich von den Reichtümern der Welt, seien sie nun materieller Natur, wie Geld und Besitz oder seien sie immaterieller Natur, wie Macht oder Eitelkeit. Halte dir immer wieder vor Augen, dass es nicht darum geht, ob einer dies hat oder jenes nicht hat, sondern darum, dass wir im christlichen Glauben leben, der uns lehrt, dass all diese Dinge vergänglich sind. Wenn ein Mensch sein Glück ausschließlich in den Dingen dieser Welt sucht, wird er das Glück nicht finden. Das gilt runter zu brechen ins Konkrete. Beispiel: Wenn ich bei der Arbeit durch einen Mitarbeiter durch Worte verletzt werde, meine Ehre dadurch angegriffen wird (=Gut dieser Welt), kann ich ihn sicherlich auf sein Verhalten hinweisen, aber innerlich fühle ich keinen Groll, weil dieses Gut der Welt (=die eigene Ehre) immer unbedeutender für mich wird, weil ich Ehre finde beim Herrn, was mein wahrer Reichtum ist. Die Welt hat im Vergleich zu den Reichtümern Christi wenig zu bieten.

Rost und Motten: Im höheren Sinne aber bedeutet der Rost den Stolz, welcher den Schmuck der Tugenden aufzehrt; die Motte, welche verborgen die Kleider zernagt, ist der Neid, welcher den Tugendeifer auflockert und dadurch das Gefüge der Einheit zerstört; die Diebe sind die Irrlehrer und Teufel, deren Streben beständig darauf gerichtet ist, die geistigen Schätze zu entreißen. Goldene Perle

Mt 6,20: Sammelt euch Schätze im Himmel.

Was ist dein größtes Ziel im Leben? Was ist dir letzten Endes am aller wichtigsten? Jesus macht durch seine ernsten Worte deutlich, worauf unser Leben im Letzten hinausläuft, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: auf Gott und auf das ewige Leben! Wenn das so ist, dann bekommen sogar unsere kleinsten Entscheidungen Gewicht. Dann sollten wir uns oft bewusst machen, dass unser Leben dazu dient, dass wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten. Die Frage des heiligen Domenico Savio kann uns da konkret helfen. Er hat sich vor jeder Entscheidung gefragt: Was nützt mir das für die Ewigkeit?

Viele Schätze: Ein einziger Schatz genügt nicht nach dem Willen Jesus. Er will, dass wir viele Schätze besitzen, dass unser Schatz aus vielen Schätzen bestehe. Das will heißen, dass wir ein unersättliches Verlangen haben sollen, Gott zu lieben, um immerfort Liebe auf Liebe, Schatz auf Schatz, zu häufen. Was treibt die Bienen mehr an, ihren Honig zu vermehren, als die Liebe, die sie zu ihm haben? Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe.

Nur eines zählt: seine Seele retten. Die Heiligen hingen nicht an den irdischen Gütern. Sie sorgten sich um die himmlischen. Die in das Diesseits verliebten Menschen kümmern sich nur um die Gegenwart. Wir müssen es machen wie die Könige. Wenn sie fürchten, entthront zu werden, schicken sie ihr Geld ins Ausland voraus, wo es sie dann erwartet. So schickt auch ein guter Christ alle seine guten Werke zur Pforte des Himmels. Die Erde ist wie eine Brücke, um über das Wasser zu gelangen. Sie dient nur dazu, unsere Füße zu tragen. Wir sind in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt; deshalb sagen wir jeden Tag: „Vater unser im Himmel.“ Wir dürfen also unseren Lohn erst erwarten, wenn wir daheim im Vaterhaus sind. Pfarrer von Ars

Mt 6,21: Wo nämlich euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Das Herz als Kompass: Unser Herz sucht wie ein Kompass Orientierung und richtet sich auf das aus, was es liebt. Viel zu häufig hängt es an weltlichen Schätzen und so treten diese zwischen mich und Gott. Wo mein Schatz ist, woran sich mein Herz hängt, da ist mein Vertrauen, meine Sicherheit, mein Trost, mein Gott. Der Schatz ist Abgötterei. Alles, was dich hindert, Gott über alle Dinge zu lieben, was zwischen dich und deinen Gehorsam gegen Jesus tritt, ist der Schatz, an dem dein Herz hängt. Wir aber glauben dem „Ich-bin-da“, dem Fels Christus, dem Herr, unserem Schatz, dem wir ähnlich werden wollen.

Das Kreuz als Schatz: Man muss sein Kreuz tragen und nicht schleppen, und man muss es wie einen Schatz fassen, nicht wie eine Last. Durch das Kreuz allein können wir ja Jesus ähnlich werden.

Die Bedeutung der Gottesliebe: Die Gefühle folgen der Liebe. Wenn unsere Gefühle Opfer einer niedrigen und verwerflichen Liebe geworden sind (Geldgier, Ehrsucht, Geilheit) unternehmen wir alles, was sich eben darauf bezieht. Wir werden zu Sklaven dessen, was wir lieben und haben keine Liebe in unserer Seele als nur dafür. Ebenso ist es aber auch mit der Gottesliebe. Wer einmal die Liebe zu Gott in etwas reichlicherem Maße besitzt, hat kein anderes Verlangen als nach Gott, keine Furcht außer vor Gott, keine Hoffnung außer auf Gott, keinen Mut außer durch Gott, keine Freude außer in Gott. Alle seine Regungen werden in dieser einzigen himmlischen Liebe ihre Ruhe finden. (nach Franz von Sales)

Raphael Meyer: Wenn mein Herz auf der Erde ist, können sich weltliche Dinge daran heften. Dort ist dann mein Schatz. Anhänglichkeit an mich, an andere Personen, Dinge die sich zwischen mich und Gott schieben. Alles kann zu so etwas werden. Werden, weil die Dinge an und für sich oft nicht schlecht sind, sondern meistens gut. Das Problem ist also nicht, dass ich zum Beispiel Sport mag, sondern, dass ich den Sport meiner Familie gegenüber bevorzuge. Dadurch verschiebe ich das Zentrum auf Dinge. Dort, wo ich mein Herz an die Erde hefte, bin ich das Zentrum meines Lebens, nicht Gott oder meine Familie. Wenn es nicht die Dinge sind, die den eigentlichen Stolperstein darstellen, lohnt es sich dann auf die Dinge zu verzichten und sie aufzugeben? Bei schlechten Dingen definitiv, aber bei guten Dingen trifft das einfache Aufgeben nicht den Kern der Sache. Jesus möchte, dass wir tiefer gehen und unser Herz fest im Himmel verankern. Deshalb genügt es nicht, die geschaffenen Dinge nur loszulassen. Was wir wirklich loslassen müssen, ist uns selbst, das eigene Ich, das gerne um sich greift und für sich selbst besitzen möchte. Der freie Mensch hat das Herz im Himmel verankert. Dort umschlingen es nicht die geschaffenen Dinge, sondern es kann frei sich selbst, dem Nächsten und Gott dienen. Er ist fähig, „Nein“ zu sagen. Nein, nicht zu einer Sache oder Person, sondern zu meiner Abhängigkeit von ihnen. Jedes Nein zu einer Abhängigkeit, die sich zwischen mich und Gott stellt, ist ein tieferes Verankern des Herzens im Himmel. Um Gott zum Zentrum meines Lebens zu machen, kann ich ihm sagen, dass ich dieses und jenes nicht brauche und dass das Verlangen nach Befriedigung in meinem Leben nicht herrschen soll: Ich brauche das nicht, ich brauche dich!

Mt 6,22: Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

Dein Auge ist ein Spiegel deiner Seele. Die Augen sind die Fenster der Seele. Lauter bedeutet rein, unvermischt und ungetrübt. Unser Auge, unsere Seele blickt rein und unvermischt immer nur Christus an und auf das Licht, das von ihm kommt. Die Lauterkeit des Auges und des Herzens entspricht jener Verborgenheit, die von nichts weiß als von Christi Wort und Ruf, die in der völligen Gemeinschaft mit Christus besteht. Unser inneres Auge ist klar, wenn die Blickrichtung stimmt: Christus. Blicke heute immer wieder mitten im Alltag, mitten im Gespräch, mitten in den Alltagsaufgaben lauter und einfältig auf Christus und sprich das Ja des Glaubens

Mt 6,23: Wenn deine Augen aber durch Neid oder Habgier getrübt sind, ist es dunkel in dir.

Gegen Neid und Gier: Schaust du manchmal neidisch oder gierig auf andere? Wenn nicht, dann freue ich mich mit dir. Ich gehöre nicht dazu. Bei mir sind es gar nicht materielle Dinge, bei denen ich in diese Versuchung tappe, sondern meist betrifft es die Charaktereigenschaften des andern: kann der reden, man ist der witzig so wäre ich gerne auch. Ertappe ich mich dabei, kann ich das mit Gottes Kraft schnell wieder gerade rücken. Denn diese neidischen Vergleiche sind nicht gut. Ich will mehr und werde im Anhaften an dieses Begehren unfrei. Gott möchte keine Kopien, er möchte das Original: dich! Auf jeden Fall sagt uns Jesus, dass unser Auge entweder auf himmlische Dinge gerichtet ist (und daher voller Licht) oder auf irdische Dinge gerichtet ist (und daher voller Dunkelheit ).

Mt 6,24: Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!

Gott dienen: Stell dich selbst, deine Fähigkeiten, dein Geld u.v.m. Gott zur Verfügung. Er kann damit weit mehr anfangen als du selbst. Hänge dein Herz an alledem nicht an. Hat du dein Herz ganz bei Gott, dann ist es klar, dass du nicht für ihn und zeitgleich für etwas anderes leben kannst. Kinder und Diener Gottes sind wir, das ist der tiefste Kern unserer christlichen Seele.

Clemens von Alexandrien: Es gibt einen Reichtum, der allen, bei denen er sich findet, den Tod bringt; sein Verlust aber bringt Heil. Von diesem Reichtum muss man die Seele rein, das heißt arm und frei machen und danach das Wort des Herrn hören: Komm, und folge mir nach! Denn nun wird er selbst der Weg für den, der reinen Herzens ist; in ein unreines Herz dagegen zieht die Gnade Gottes nicht ein; unrein ist aber ein Herz, das reich an Begierden ist und schwanger geht mit vielen irdischen Lüsten. Wer dagegen Vermögen und Gold und Silber und Häuser als Gottes Gaben besitzt und damit Gott, der es gegeben hat, zum Wohl der Menschen dient, und sich dessen bewusst ist, dass er all dieses mehr seiner Brüder als seiner selbst wegen besitzt; wer Herr seines Vermögens, nicht ein Sklave seines Besitzes ist, und ihn nicht in seinem Herzen trägt und ihn nicht zum Ziel und Inhalt seines Lebens macht, sondern immer auch ein edles und göttliches Werk zu vollbringen sucht; wer fähig ist, wenn er einmal seiner Güter beraubt werden sollte, auch ihren Verlust mit Gemütsruhe zu ertragen ebenso wie den Überfluss an ihnen: Wer alle diese Eigenschaften hat, der wird vom Herrn selig gepriesen und arm im Geiste genannt, würdig, ein Erbe des Himmelreiches zu werden.

Mt 6,25-34: Über das Sorgen

Mt 6,25: Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?

Gegen das Sorgen: Und dennoch tut es doch einer jeder von uns immer wieder. Das ist menschlich. Wichtig ist nur immer wieder im Sinne eines Warnschildes zu erkennen, das dies nichts Gutes ist, wir täglich neu der inneren Sorge das Vertrauen entgegenstellen müssen. Wir wollen durch Sorge sorglos werden, aber in Wahrheit erweist sich das Gegenteil. Sorge ist der größte Tyrann und wenn sie nicht immer wieder entsorgt wird, wird sie die Seele verseuchen. Gott ist die eigentliche Befreiung von der Sorge des Menschen. Der Herr ist unser Lastenträger. Auf ihn müssen wir all unsere Sorgen werfen. Corrie Ten Boom sagt: Der Glaube endet, wo die Sorge anfängt.

Mt 6,26: Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?

Gott ist gut und sorgt für mich. Wenn ich mich um sein Reich kümmere und nicht zuerst an mich denke, wird er sich um mich kümmern. Wie die Tiere wird er mich erhalten und mir das Nötige geben, was ich brauche. Ich muss mir keinerlei Sorgen machen, weil er alles in seiner Hand hat und der Herr über alles ist. Aber Achtung: Die Vögel machen sich keine Sorgen , aber sie arbeiten . Vögel sitzen nicht einfach mit offenem Mund da und erwarten, dass Gott sie füllt.

Mt 6,27: Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?

Mt 6,28: Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht.

Mt 6,29: Ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

Mt 6,30: Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?

Mt 6,31: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?, oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden?

Mt 6,32: Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.

Gottes Vorsehung vertrauen: Wer also überzeugt ist, dass er von der Vorsehung Gottes geleitet werde, vertraue seine Nahrung der Hand Gottes an. Er trage aber Sorge in Bezug auf das Gute und Böse; denn wenn er darum unbekümmert ist, so wird er weder das Böse fliehen, noch nach dem Guten streben. Goldene Perle

Mt 6,33: Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!

Oberste Priorität: Dies muss die Regel unseres Lebens sein, wenn wir unsere Prioritäten ordnen. Es ist jedoch falsch zu glauben, dass dies nur eine weitere Priorität ist, die auf unsere Prioritätenliste passt – und ganz oben steht. Stattdessen trachten wir bei allem, was wir tun, zuerst nach dem Reich Gottes. Jesus sagte ihnen nicht nur, sie sollten aufhören, sich Sorgen zu machen. Er forderte sie auf, die Sorge durch die Sorge um das Reich Gottes zu ersetzen. Eine Gewohnheit oder Leidenschaft kann nur für eine größere Gewohnheit oder Leidenschaft aufgegeben werden.

Bedeutung des Reich Gottes: Die Gemeinschaft Jesu und der Gehorsam gegen sein Gebot kommt zuerst, alles andere folgt nach! Das Reich Gottes ist wichtiger als alles andere, wichtiger als ich selbst und mein Glück. Alles zu wollen, was Gott will, es immer zu wollen, bei allen Gelegenheiten und ohne Einschränkungen, das ist das Reich Gottes, das ganz innen ist. Darum sorge dich nicht um dein eigenes Glück, sondern setze dich ein für die Dinge Gottes. Das befreit vom Ich. Und nur in der Befreiung von unserem eigenen Ich können wir umso mehr dafür einsetzen, dass sein Wille geschieht.

Gleichförmigkeit mit Gottes Willen: Die Gleichförmigkeit unseres Herzens mit Gottes geoffenbartem Willen besteht darin, dass wir das alles wollen, was die göttliche Güte als ihre Absicht offenbart, dass wir glauben, was sie lehrt, erhoffen, was sie verspricht, fürchten, was sie androht, lieben und tun, was sie befiehlt und verlangt. Durch seinen Willen verlangt Gott, dass wir das tun, was er uns sagt. Er gibt uns alles dazu, was wir brauchen, mahnt und drängt uns, dies auch zu verwenden. So treibt er uns dazu an, mahnt uns, muntert uns auf, regt uns dazu an, hilft und unterstützt uns. Unsere Liebe aber gibt das Herz ihm hin und weiht es ihm mit inniger Liebe. Die Liebe des Wohlwollens, die Gott alles unterwerfen will, unterwirft folglich unser Verlangen und Wollen dem geoffenbarten Willen Gottes.

Treue Hingabe an den Willen Gottes immer und überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen, gibt Gott große Ehre. Eine solche Hingabe an den Willen Gottes hat in seinen Augen mehr Gewicht als langes Fasten, Abtötungen und strengstes Büßen. Oh, wie groß ist der Lohn für einen Akt liebender Hingabe an den Willen Gottes! Eine Gott liebende Seele, die in ihm versenkt ist, geht ihrer Pflicht mit derselben Einstellung nach, wie zur heiligen Kommunion und verrichtet die geringste Tätigkeit mit großer Sorgfalt, unter dem liebenden Auge Gottes. Sie ist nicht verwirrt, wenn sich nach einiger Zeit eine Sache als weniger geglückt erweist. Sie bleibt ruhig, denn während ihres Handelns hat sie alles getan, was in ihrer Macht war. Faustyna

Mt 6,34: Deshalb sorgt euch nicht um morgen – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt.

Sorgen Sie sich nicht um morgen: Wenn Sie sich Sorgen machen müssen, sorgen Sie sich nur um die Dinge von heute. Die meisten unserer Sorgen gelten Dingen, über die wir sowieso absolut keine Kontrolle haben, und sind daher sowohl töricht als auch schädlich.

Sorge ist immer auf das Morgen gerichtet. Der Gedanke an das Morgen liefert mich der Sorge aus. Wer dagegen das Morgen ganz in die Hand Gottes legt und das Heute offen empfängt, der lebt und ist in Gott. Das tägliche Empfangen macht mich frei vom Morgen. Versuche daher deine Sorgen loszulassen. Zerbreche dir nicht ständig den Kopf über vielerlei Dinge. Was soll ich machen? Warum ist dieser Mensch so? Bin ich gut genug? Was denkt der andere von mir? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist.

Für den heutigen Tag leben: Jesus erinnert uns daran, wie wichtig es ist, für den heutigen Tag zu leben . Es ist nicht falsch, sich an die Vergangenheit zu erinnern oder für die Zukunft zu planen; bis zu einem gewissen Grad sind beide gut. Es ist jedoch leicht, sich zu sehr auf die Vergangenheit oder die Zukunft zu konzentrieren und den Tag und seine eigenen Schwierigkeiten zu ignorieren. Gott möchte, dass wir uns an die Vergangenheit erinnern, für die Zukunft planen, aber in der Gegenwart leben.

Franz von Sales: Haben Sie doch keine Sorge um das Morgen. Denken wir nur daran, das Heute gut zu machen. Und wenn der morgige Tag kommt, heißt auch er wieder heute und dann werden wir an ihn denken. Auch darin müssen wir großes Vertrauen und große Hingabe an die Vorsehung Gottes haben. Wir sollen Vorräte an Manna nur für einen Tag und nicht für länger anlegen. Zweifeln wir doch nicht daran, Gott wird morgen und übermorgen und alle Tage unserer irdischen Wanderschaft neues Manna regnen lassen.

Gottvertrauen: In diesen wenigen Worten steckt ein Gottvertrauen, das den christlichen Glauben auszeichnet. Ich selbst bin neugierig auf dieses Morgen, freue mich auf den Tag, der da anbricht und für sich selbst sorgt. Dass wir loslassen können in der festen Zuversicht, dass da etwas, dass da jemand sein wird, der mein Morgen gestaltet, ja selbst wenn ich jetzt noch kein Morgen und kein Licht, sondern nur Nacht und Dunkelheit sehe. Ich weiß, dass ich selbst in Augenblicken voller Einsamkeit jemanden um mich weiß, der dieses Morgen und diesen Tag anbrechen lassen wird. Der sich sorgt um mich. Die rechte Sorge Gottes sprengt jede Einsamkeit. Notker Wolf

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste