Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Markus Evangelium Mk Kapitel 8: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Markus Evangelium Mk Kapitel 8

Mk 8,1-10: 4000 Menschen werden satt

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,1-10

Parallelstellen: Mt 15,32-39

Mk 8,1: In jenen Tagen, als eine sehr große Volksmenge zugegen war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen:

Mk 8,2: Ich bin voll Mitleid mit der Menge, denn sie verharren nun schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen.

Jesu ganzes Leben drückt dieses Mit-Leid Gottes aus. Gott leidet mit, wenn wir leiden, im griechischen Urtext steckt in diesem Wort der Wortstamm für „Eingeweide“, das heißt, unser Leid geht ihm unter die Haut, er spürt es tief in seinem Innern. Auch meine Schwierigkeiten und mein Leid heute wird er mit-fühlen und mitleiden. Der Schöpfer des Universums leidet mit mir mit! Das ist so groß, das muss man erst einmal „sacken“ lassen. Dorit Wilke-Lopez

Mk 8,3: Und wenn ich sie ohne Speise nach Hause entlasse, so werden sie auf dem Weg verschmachten, denn etliche von ihnen sind von weit her gekommen.

Mk 8,4: Und seine Jünger antworteten ihm: Woher könnte jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen?

Mk 8,5: Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sprachen: Sieben.

Mk 8,6: Da befahl er der Menge, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten. Und sie teilten sie dem Volk aus.

Die sieben Brote aber sind die geistigen Worte: denn die Siebenzahl bedeutet den heiligen Geist, welcher Alles vollendet, wie in je sieben Tagen sich unser Leben vollendet. Oder die sieben Brote sind die Gaben des Heiligen Geistes, die Brotstücke aber die geistige Erkenntnis dieser Siebenzahl. Goldene Perle

Mk 8,7: Sie hatten auch noch einige kleine Fische; und nachdem er gedankt hatte, gebot er, auch diese auszuteilen.

Dank sagen: Dadurch, daß er dankte, gab er uns ein Beispiel, daß wir ihm für alle uns von Oben verliehenen Gaben Dank sagen sollten.

Mk 8,8: Sie aber aßen und wurden satt. Und sie hoben noch sieben Körbe voll übrig gebliebener Brocken auf.

Zahl sieben: Sieben ist die Zahl für Fülle und Vollkommenheit. Jesus, öffne mich für dich. Öffne heute meine Augen für die Fülle in meinem Leben: für deine Geschenke und für deine mitleidige Nähe, wenn ich es schwer habe! Dorit Wilke-Lopez

Mäßigung: Diese Menschenmenge, die soeben gegessen hat und satt geworden ist, nimmt die Brotreste nicht mit, sondern lässt sie von den Jüngern wieder einsammeln, und dieser Umstand lehrt uns, mit dem Notwendigen zufrieden zu sein und niemals etwas darüber hinaus zu verlangen. Beda Venerabilis

Mk 8,9: Es waren aber etwa 4 000, die gegessen hatten; und er entließ sie.

Mk 8,10: Und sogleich stieg er mit seinen Jüngern in das Schiff und kam in die Gegend von Dalmanutha.

Mk 8,11-13: Zeichenforderung

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,11-13

Parallelstellen: Mt 16,1-4

Mk 8,11: Die Pharisäer gingen hinaus und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein Zeichen vom Himmel forderten, um ihn zu versuchen.

Forderung eines Zeichen: In den Augen der Pharisäer war dies keine Bitte um ein weiteres Wunder, wie Jesus es bereits getan hatte. Sie baten um ein dramatisches Zeichen vom Himmel, ähnlich wie Elias Feuer vom Himmel ( 1. Könige 18:38 ). Das war keine freundschaftliche Begegnung. Das Wort getestet könnte mit versucht übersetzt werden. Die Pharisäer versuchten Jesus, ein wundersames Zeichen zu vollbringen, genau wie Satan ihn dazu in der Wüste versuchte.

Mk 8,12: Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Warum fordert dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden!

Mk 8,13: Und er ließ sie stehen, stieg wieder in das Schiff und fuhr ans jenseitige Ufer.

Es ist eine Stelle die zeigt, wie man sich Gott nähern muss. Wer mit offenem Herzen fragt: Gott, gibt es Dich wirklich? dem gilt das Versprechen: wer suchet, der findet. Wer mit einem arroganten Anspruch daran geht wird dagegen wahrscheinlich nichts finden. Gott ist immer noch der grosse Herrscher der Welt und kein Automat, der unseren Ansprüchen immer Genüge leistet und stets das tut, was wir wollen.

Mk 8,14-21: Jesus warnt vor führenden Juden

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,14-21

Parallelstellen: Mt 16,5-12

Mk 8,14: Und sie hatten vergessen, Brote mitzunehmen, und hatten nur ein Brot bei sich im Schiff.

Mk 8,15: Da gebot er ihnen und sprach: Seht euch vor, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!

Pharisäer und Herodes: Die Pharisäer und Herodes stehen auch heute sinnbildlich für zwei Gruppen von Menschen, deren Mentalität schädlich ist. Wie der Sauerteig mit der Zeit den ganzen Teig durchwirkt, so genügt ein bisschen von einer falschen Mentalität, um nach einiger Zeit den ganzen Menschen zu verändern.

Pharisäer: Die Pharisäer verkörpern klassischerweise Menschen, die ihre Religion als eine Ansammlung von Regeln sehen, an die man sich zu halten hat. Äußerlich erfüllen sie selbst kleinste Details peinlich genau und sind dadurch überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Dass die Regeln aber Ausdruck einer inneren Haltung sind und dass das Innere das ist, was eigentlich zählt, lassen sie leider völlig außer Acht. Gott will nicht, dass wir im Erfüllen der Gebote perfekte Zollbeamte sind. Er will unser Herz. Er möchte, dass wir von Herzen das Wahre und Gute suchen und uns darum bemühen. So kann er uns innerlich erneuern, uns mit seiner Liebe, seiner Freude, seinem Frieden, seinem Wohlwollen und seiner Barmherzigkeit erfüllen. Unser Bemühen, seine Gebote zu halten, soll eine Frucht dieser inneren Haltung sein.

Herodes: Herodes war ein Mensch, der einzig für die Genüsse dieser Welt gelebt hat. Für seinen durch und durch egoistischen Lebensstil ging er sogar über Leichen. An der Wurzel dieser Mentalität liegt eine völlige Gottvergessenheit und ein Ausblenden der Ewigkeit. Hauptsache viel Geld, gutes Essen und Trinken, möglichst viel Spaß und Vergnügen, viel Luxus und Pomp. Auch uns heute kann die Sorge um vergängliche Dinge ganz in Anspruch nehmen. Das wirklich Wichtige verlieren wir nur gar zu schnell aus den Augen. Wir bemühen uns um unsere Arbeit, unseren Lebensunterhalt, um Auto, Haus und Altersvorsorge, um Politik und Wirtschaft, um unsere Gesundheit, und dann muss natürlich noch Zeit für Familie und Freunde… und ausgiebig Platz für unsere Hobbies… und Erholung und Freizeit sein. Leider verlieren wir damit aber ohne ausdrücklich schlechte Absicht Gott und die Ewigkeit immer mehr aus den Augen. Bertalan Egervári

Mk 8,16: Und sie besprachen sich untereinander und sagten: Weil wir kein Brot haben!

Unverständnis der Jünger: Als Jesus vom Sauerteig der Pharisäer und vom Sauerteig des Herodes sprach, brachten die Jünger das überhaupt nicht mit einer geistlichen Idee in Verbindung. Sie konnten nur an das Brot denken, das in den Magen geht, nicht an das Brot, das in die Seele geht.

Mk 8,17: ‭Und als es Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Was macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht und begreift ihr noch nicht? Habt ihr noch euer verhärtetes Herz?

Mk 8,18: ‭Habt Augen und seht nicht, Ohren und hört nicht? Und denkt ihr nicht daran,

Mk 8,19: ‭als ich die fünf Brote brach für die Fünftausend, wie viel Körbe voll Brocken ihr aufgehoben habt? Sie sprachen zu ihm: Zwölf!

Erinnert ihr euch nicht? Eine der schlimmsten Sünden des Volkes Israel war es, Gottes großen Taten, die er für sie vollbracht hatte, zu vergessen. Es ist wichtig, oft und mit Dankbarkeit an die vielen Wohltaten, die wir von unserem Herrn empfangen haben, zu denken. Jeder von uns sollte sich daran erinnern: Gott hat uns erschaffen und das Werk unserer Heiligkeit in uns begonnen. Wenn er uns jetzt bis hierher gebracht hat, obwohl unser Anteil daran sehr bescheiden war, wie viel weiter könnten wir gehen, wenn wir uns ihm in völliger Hingabe schenken würden? Wie viele Probleme würden dadurch von Gott zu unserem Wohl gelöst werden können?

Mk 8,20: Als ich aber die sieben für die Viertausend brach, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Sie sprachen: Sieben!

Mk 8,21: Und er sprach zu ihnen: Warum seid ihr denn so unverständig?

Mk 8,22-26: Heilung eines Blinden

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,22-26

Mk 8,22: Und er kommt nach Bethsaida; und man bringt einen Blinden zu ihm und bittet ihn, dass er ihn anrühre.

Ein Blinder wird zu Jesus gebracht: Sie bringen aber zum Herrn einen Blinden, d.h. der nicht sieht, was er war, was er ist und was er sein wird. Sie bitten ihn, er möchte ihn berühren; denn wer wird berührt, als der, welcher erschüttert wirb? Denn der Herr berührt uns, wenn er die Seele durch den Hauch seines Geistes erleuchtet, und uns zur Erkenntnis der eigenen Schwachheit und zum Eifer in den guten Werken entzündet.

Mk 8,23: Er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn vor das Dorf hinaus, spie ihm in die Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe.

Jesus führt. Vom ersten Augenblick unseres Lebens an streben wir nach Unabhängigkeit. Denken wir nur an das kleine Kind, das unbedingt alleine laufen will, ohne Hilfe der Eltern. Im geistigen Leben ist es umgekehrt: Wir müssen unsere Hand nach Christus ausstrecken, damit er uns führt, hilft und stärkt. Unsere Schuld einzugestehen kann eine demütigende, aber fruchtbare Erfahrung sein. Unser Stolz hindert uns daran, dies unumwunden zu tun, wenn wir es aber tun – nur Mut! – dann wird Jesus seine Macht in unserem Leben voll entfalten.

Mk 8,24: Und er blickte auf und sprach: Ich sehe die Leute, als sähe ich wandelnde Bäume!

Mk 8,25: Hierauf legte er noch einmal die Hände auf seine Augen und ließ ihn aufblicken; und er wurde wiederhergestellt und sah jedermann deutlich.

Nur Geduld, Gott hat einen Plan. „Ich will das jetzt sofort“, so sagen heute viele Menschen. Aber bei Gott funktioniert das nicht. Sein Plan ist ein Plan zu unserem Wohl – auch wenn es nicht unser Plan ist. Der Blinde konnte nicht sofort wieder sehen, sondern erst allmählich. Ach, wie sehr wollen wir jetzt sofort heilig sein und für immer dem Schmutz und dem Stolz den Rücken kehren! Und doch fallen wir immer wieder. Heiligkeit ist ein Prozess, aber das stört Jesus nicht. Er weiß, wie mächtig seine Gnade in unserem Leben wirken kann. Vertrauen wir ihm einfach unsere Schwierigkeiten an, und geben wir nicht auf. Unser Versagen lehrt uns demütig zu sein, und das kann uns Gott nur näher bringen. Scott Reilly

Mk 8,26: Er schickte ihn in sein Haus und sprach: Du sollst nicht ins Dorf hineingehen, noch es jemand im Dorf sagen!

Jesus voll Demut: Er ermahnt den Mann, nicht in das Dorf zu gehen. Hat Jesus Angst oder ist er in Eile? Nein, seine Demut veranlasst ihn, in aller Stille weiterzuziehen, ohne dass es jemand merkt. Jesus liebt die Demut, und er übt sie. Wir hingegen wollen gelobt werden; wir dürsten nach Anerkennung. Gehen wir nur einmal in ein Fachbüro und betrachten die Auszeichnungen, die dicht an dicht die Wände füllen. Jesus hatte keine Auszeichnungen; er hatte nur den Ruf, Gutes zu tun. Er lehrt uns die Macht der lauteren Absicht, die jede Form von Selbstbeweihräucherung scheut. Scott Reilly

Mk 8,27-33: Petrus Christusbekenntnis

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,27-33

Parallelstellen: Mt 16,13-20; Lk 9,18-20

Mk 8,27: Und Jesus ging samt seinen Jüngern hinaus in die Dörfer bei Cäsarea Philippi; und auf dem Weg fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Für wen halten mich die Leute?

Eine wichtige Frage: Die Frage, die Jesus seinen Jüngern stellt, ist die Frage, die die meisten Menschen tagtäglich umtreibt: Wofür halten die Menschen mich? Jesus stellt sie im Hinblick auf sein Sein, sein Messias-Sein und somit auf seine Bedeutung für die Menschen im Hinblick auf die Erlösung und das Reich Gottes. Wir stellen uns die Frage hingegen eher innerweltlich im Sinne von: Bin ich wichtig? Die Frage ist nicht unwichtig. Die Antwort, die ich auf die Frage gebe, wer Jesus für mich ist, kann die Bedeutung der Frage, wofür ich gehalten werde, in gutem Maße beeinflussen und relativieren. Wenn er mein Erlöser ist, dann wird mein Leben gut enden, wie es auch war und wofür man mich auch gehalten hat.

Worte von Benedikt XVI: Der Glaube liefert nicht nur irgendeine Information über die Identität Christi, sondern er setzt eine persönliche Beziehung zu ihm voraus, die Zustimmung der ganzen Person mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren Gefühlen zur Selbstoffenbarung Gottes. So spornt die Frage Jesu „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ die Jünger eigentlich dazu an, hinsichtlich der Beziehung zu ihm eine persönliche Entscheidung zu treffen. Glaube und Nachfolge Christi hängen eng zusammen. Und da der Glaube voraussetzt, daß man dem Meister nachfolgt, muß er gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm intensiver und stärker wird.

Mk 8,28: Sie antworteten: Für Johannes den Täufer; und andere für Elia; andere aber für einen der Propheten.

Mk 8,29: Und er sprach zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!

Es ist die entscheidende Frage, die Jesus heute auch an uns richtet: „Wer bin ich für dich?“ Wer bin ich für dich, der du den Glauben angenommen hast, aber immer noch Angst hast, auf mein Wort hin aufzubrechen? Wer bin ich für dich, der du schon so lange Christ bist, aber, von der Gewohnheit ermattet, deine erste Liebe verloren hast? Wer bin ich für dich, wenn du eine schwierige Zeit durchmachst und dich aufrütteln musst, um neu anzufangen? Das ist es, was den Herrn interessiert: im Zentrum unserer Gedanken zu stehen, der Bezugspunkt unserer Zuneigung zu werden; kurz gesagt, die Liebe unseres Lebens zu sein. Papst Franziskus

Worte von Benedikt XVI: Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Wir tun dies in dem Bewußtsein, daß Christus der wahre Schatz ist, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verläßt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt. Jesus ist der »Sohn des lebendigen Gottes«, der verheißene Messias, der in die Welt gekommen ist, um der Menschheit das Heil anzubieten und den Durst nach Leben und Liebe zu stillen, den jeder Mensch in sich trägt. Welch großen Nutzen würde die Menschheit daraus ziehen, nähme sie diese Botschaft auf, die Freude und Frieden mit sich bringt!

Worte von Paul VI: Er ist der Lehrer der Menschheit und ihr Erlöser. Er wurde geboren, er starb und er ist auferstanden für uns. Er ist der Mittelpunkt der Geschichte und der Welt; er ist es, der uns kennt und der uns liebt; er ist der Gefährte und Freund unseres Lebens. Er ist der „Mann voller Schmerzen“ (Jes 53,3) und der Hoffnung. Er ist es, der kommen und eines Tages unser Richter sein wird und – darauf vertrauen wir – die unendliche Erfüllung unseres Seins und unsere Seligkeit. Ich könnte ohne Ende von ihm sprechen: Er ist das Licht und die Wahrheit, ja, er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Er ist das Brot und die Quelle lebendigen Wassers, um unseren Hunger und Durst zu stillen. Er ist unser Hirte, unser Führer, unser Vorbild, unser Trost, unser Bruder. Wie wir, und mehr noch als wir, war er klein, arm, gedemütigt; er war ein Arbeiter; er hat Unglück erfahren und war geduldig.

Mk 8,30: Und er gebot ihnen ernstlich, dass sie niemand von ihm sagen sollten.

Mk 8,31-33: Erste Leidensankündigung

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,31-33

Parallelstellen: Mt 16,21-28; Lk 9,21-27

Mk 8,31: Und er fing an, sie zu lehren, der Sohn des Menschen müsse viel leiden und von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen wiederauferstehen.

Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung: Die Evangelien sind letztlich Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung. Christi Passionszeit beginnt nicht erst in der Leidenswoche, sondern mit dem ersten Tage seiner Predigt. Die eigentliche Passion dauert dann eine Woche. Wollten die Evangelisten mit dem Schema der einen Woche eine zweite Schöpfungsgeschichte andeuten? So wie Gott die Welt in sieben Tagen erschuf, so bewirkte Jesus mit seinem Leiden, Sterben und Auferstehen in einer Woche unsere Erlösung. Er ist diesen Weg für mich gegangen.

Das Leiden und Sterben Jesu war ein Muss wegen zweier großer Tatsachen: der Sünde des Menschen und der Liebe Gottes. Sein Tod war zwar das ultimative Beispiel für die Sünde des Menschen gegen Gott, aber er war auch der höchste Ausdruck von Gottes Liebe zum Menschen..

Mk 8,32: Und er redete mit Freimut darüber.

Mk 8,32: So offen sprach Jesus von seinem Tod.

Mk 8,32: Und er redete das Wort ganz offen. Da nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.

Offenes Wort Jesus: Der Satz „und er redetet mit Freimut darüber“ lässt sich in diesem Evangelium, in dem heiß diskutiert wird, leicht überlesen. Tatsächlich ist es aber genau dieser „Freimut“ Jesu der einen wesentlichen Teil der Handlung und Dynamik auslöst. Denn aus der offenen Kommunikation Jesu über seinen Weg und die Konsequenzen seiner Sendung und der Nachfolge erwächst das intensive Gespräch mit Petrus, die Belehrung der Jünger und die Schilderung der Nachfolgebedingungen. Dass es den Freimut Jesu braucht, um die nicht selbsterklärende Botschaft seiner Sendung verständlich zu machen, zeigt die Reaktion des Petrus. Die Enthüllung Jesu, dass der Menschensohn leiden wird, dass der ersehnte Christus verraten und getötet werden wird, diese Enthüllung widerspricht den Hoffnungen und den Sehgewohnheiten der Jünger und auch der Volksmenge.  Kristell Köhler

Das Leiden nicht ausklammern: Ein Verständnis des christlichen Weges, der das Leiden ausklammert, geht an Jesus vorbei. Genau dies tut Petrus hier. Gerade noch ist Petrus der Fels und gleich darauf ist er in seiner menschlichen Schwachheit der Stein auf der Straße durch den man zu Fall kommen kann. Hier tritt die Spannung auf, die zwischen der Gabe des Herrn und den menschlichen Fähigkeiten besteht. Einerseits sind wir Licht und Salz, andererseits sind wir schwache Menschen, die nur durch ein Sich-Öffnen für Gott verwandelt werden können. Jesus verwandelnde Antwort an Petrus: Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Wo treffen diese Worte auf mich zu? Wann gehe ich meine eigenen Wege, anstatt mich der göttlichen Vorsehung zu überlassen?

Mk 8,33: Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und ermahnte den Petrus ernstlich und sprach: Weiche von mir, Satan! Denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich!

Mk 8,34-38: Kreuzesnachfolge

Auslegung und Kommentar zu Mk 8,34-38

Mk 8,34: Wer mir nachkommen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!

Mk 8,34: Wer mein Jünger sein will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.

Mk 8,34: Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst.

Kleine Kreuze: Diese täglichen Kreuze sind die täglichen kleinen und auch großen Sorgen und Unannehmlichkeiten, das ganz normale Alltagsleben eben. Da gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben. Da gibt es Menschen, denen wir begegnen müssen, obwohl wir sie gerade jetzt eigentlich am liebsten gar nicht sehen möchten. Da gibt es Fehler, die man an sich feststellt, gegen die man immer wieder ankämpft, die einen aber trotzdem immer wieder einholen. Da gibt es Gebrechen an Körper und Seele, die einen piesacken und ärgern, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber doch unangenehm sind. Alles kleine Kreuze.

Dem Kreuz nicht ausweichen: Es gibt Seelen, die große Pläne schmieden, wie sie dem Herrn dienen können. Es sind aber Werke, für die sie gegenwärtig keine Gelegenheit haben. Gott bewahre uns vor solch eingebildetem Eifer, der sehr oft im Grunde unseres Herzens eine eitle, heimliche Selbstgefälligkeit nährt. Seien wir stets dagegen darauf bedacht, der Last gegenwärtiger, geringerer Kreuze nicht aus dem Weg zu gehen. Große Werke liegen nicht immer auf unserem Weg. Zu jeder Zeit aber können wir kleine in ausgezeichneter Weise, d.h. mit großer Liebe tun. So übt man die Liebe bei den kleinen, unscheinbaren Übungen der Frömmigkeit nicht nur öfter, sondern gewöhnlich auch demütiger und folglich mit mehr Nutzen und Heiligkeit. Alle sich bietenden Gelegenheiten soll man zur Übung der göttlichen Liebe benützen.

Um Kraft bitten, das Kreuz tragen zu können: Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Das Kreuz wird euch nicht zermalmen. Wenn es auch lastet, so gibt es Kraft und hält aufrecht. Denken wir an das Leiden und den Tod Unseres Herrn und an sein Blut, das er für uns vergossen hat. Dann werden wir uns nicht mehr über unser Leiden beklagen. Behüte meine Sinne und halte sie fest in der Betrachtung des leidenden Jesus, damit sie sich nicht von ihm entfernen. O mein Jesus, möge mein Herz an Deinem durchbohrten Herzen ruhen in den Prüfungen und Schmerzen des Lebens. Pater Pio

Worte von Franz von Sales: Dieses Nachgeben den Launen anderer gegenüber, dieses Ertragen rücksichtsloser und lästiger Handlungen und Haltungen des Nächsten, diese Siege über unsere eigenen Launen und Leidenschaften, dieser Verzicht auf unsere kleinen Neigungen, dieses Kämpfen gegen unseren Widerwillen und unsere Abneigungen, dieses herzliche und schlichte Geständnis unserer Unvollkommenheiten, diese ständige Mühe, die wir uns geben, unsere Seele im Gleichgewicht zu erhalten, diese Liebe zu unserer Erniedrigung, diese gutmütige und freundliche Annahme der Mißachtung und der Kritik unseres Wesens, Lebens, Umgangs und unserer Handlungen: all das ist für unsere Seelen viel fruchtbarer, als wir meinen, vorausgesetzt, daß es aus heiliger Liebe geschieht.

Worte von Bertalan Egervári: So wertvoll ist dieses Leben, das Jesus Christus selbst ist und das er uns schenken möchte, dass es sich lohnt, sogar das eigene Leben dafür zu geben. Dazu haben wir täglich Gelegenheit, indem wir für andere da sind, helfen, trösten, Mut machen, zuhören, Zeit schenken, dienen, manchmal andere geduldig ertragen oder auf irgendeine andere Weise die Liebe leben. Sie beginnt schon in Gedanken, wo wir aktiv das Gute im Nächsten sehen und suchen können, ihnen nichts Böses unterstellen und, wenn nötig, bereit sind zu vergeben. So gibt es zahllose Anlässe, uns selbst zu verleugnen um Christi und des Evangeliums willen.

Selbstliebe und Selbstverleugnung: Selbstliebe und Selbstverleugnung schließen sich nicht aus. Zur Selbstliebe gehört auch ein wenig Distanz von sich selbst, Gelassenheit, Humor. Du musst lernen, nach und nach die Einstellung zu dir selbst zu ändern. Was nützt das Selbstmitleid? Was nützt der ewige Zweifel an dir? Nichts! Darum lebe in Frieden mit dir. Dann ist das Leben schöner. Rede liebevoll zu deinem eigenen Unterbewusstsein, indem du dir Mut zusprichst. Dieser Weg der Selbstliebe ist sehr christlich und hat mit sündiger Ich-befangenheit nichts zu tun. Warum solltest du dich nicht lieben dürfen, wenn Gott dich so liebt? Gott will doch keine Kinder, die versauern. Josef Heinzmann

Mk 8,35: Denn wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich und für Gottes rettende Botschaft aufgibt, der wird es für immer gewinnen.

Massive Worte: Jesus wählt die Worte derart massiv und absolut, weil er weiß, dass sich unser menschliches Ego viel zu häufig auf Rollen und ausgetüftelte Selbstbilder fixiert. Er möchte uns unmissverständlich klar machen, dass all dies vergängliche Konstrukte sind. Das Wesen dieser Welt vergeht (1 Kor 7,31). Diese Fixierungen müssen sterben und ja, sie sterben nicht leicht, weil wir sie zu oft für unser wahres Selbst halten. Wenn diese Fixierungen sterben, bevor wir leiblich sterben, dann begegnen wir dem Einssein mit Gott, dann treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben in Jesus Christus.

Loslassen und Hingabe an Jesus: Seine Seele um Jesu Willen zu verlieren bedeutet, sich von den Bindungen an die Welt zu lösen, immer genau hinzuschauen, wo es uns evtl. nur vordergründig um Gott geht, aber im Hintergrund doch stark die Motive des Egos agieren. Ein Leichnam werden – das bedeutet von Herzen zu sprechen: nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Dann muss ich keine Angst mehr haben, egal vor welche Aufgaben mich das Leben stellt und ich kann voller Zuversicht sprechen: Herr, weil du´s willst, drum ist es gut, Herr, weil du´s willst, drum habe ich Mut, mein Herz in deinen Händen ruht. Amen

Über das Verlieren der Seele: Seine Seele um Jesu Willen zu verlieren bedeutet, sich von den Bindungen an die Welt zu lösen, immer genau hinzuschauen, wo es uns evtl. nur vordergründig um Gott geht, aber im Hintergrund doch stark die Motive des Egos agieren. Ein Leichnam werden – das bedeutet von Herzen zu sprechen: nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Dann muss ich keine Angst mehr haben, egal vor welche Aufgaben mich das Leben stellt und ich kann voller Zuversicht sprechen: Herr, weil du´s willst, drum ist es gut, Herr, weil du´s willst, drum habe ich Mut, mein Herz in deinen Händen ruht. Amen

Mk 8,36: Denn was wird es einem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewinnt und sein Leben verliert?

Ein großartiger Satz. Und was für eine kraftvolle Sprache! Ich werde auf meinem Glaubensweg unmissverständlich darauf gestoßen, was wirklich zählt im Leben. Alle Jagd nach Reichtum, alles Streben nach Macht und Glanz ist nichts, wenn die Seele Schaden nimmt. Wenn meine Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen gestört ist. Wenn ich in meinem Innersten nicht eins bin mit mir selber. Ein Satz, der befreit. Und der entschleunigt. Ich muss nicht überall der Erste sein. Ich muss nicht überall mithalten wollen. Ich kann auch mal innehalten. Ich kann etwas für meine Seele, für mein inneres Gleichgewicht tun. Ich kann abgeben – und dabei reicher werden. Ich kann für andere da sein – und Freude gewinnen für mein Leben. Hans-Hermann Jantzen

Worte von Tino Bahl: Jesus Christus weist uns mit seinen Worten auf die Vergeblichkeit unserer Bemühungen hin und gibt doch auch gleichzeitig die Antwort darauf, wie wir zu wahrer Erfüllung und ewigem Leben gelangen. Er sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36) Sollten wir also nicht viel mehr unserer Zeit, unserer Kraft und unserer Mittel darin investieren, um aus den Quellen zu schöpfen, die unseren Glauben erhalten.

Mk 8,37: Oder was kann ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?

Mk 8,38: Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Markus Evangelium Kapitel 8.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste