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Lukas Evangelium Lk Kapitel 4 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 4

Lk 4,1-13: Versuchung

Auslegung und Kommentar zu Lk 4,1-13

Jesus Identifikation mit uns: Nachdem er sich mit Sündern in der Taufe identifiziert hatte (Lukas 3:21-22), identifizierte er sich dann mit ihnen in Versuchung. Denn wir haben keinen Hohepriester, der unsere Schwächen nicht mitfühlen kann, der aber in allen Punkten versucht wurde wie wir, doch ohne Sünde. (Hebräer 4:15)

Wie triumphierte der Herr? Der Mensch Christus Jesus besiegte den Feind einfach durch das Wort Gottes, nicht als der allmächtige Gott, sondern als der demütige, abhängige und gehorsame Mensch. Ein Mensch wurde in die Gegenwart des Teufels gestellt und besiegte diesen vollständig, nicht durch die Entfaltung göttlicher Macht, auch nicht mit irgendeiner anderen Waffe, sondern einfach durch das Wort Gottes, das in seinem Herzen und in seinem Mund war. Betrachte ferner, wie Christus nicht aufgeregt wurde, sondern mit Stellen der Schrift sehr demütig mit dem Bösen streitet, damit du Christo nach Möglichkeit gleichförmig werdest.

Lk 4,1: Jesus aber, voll heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage vom Teufel versucht.‭

Die Wüste als Bild: Nach der Taufe wird Jesus vom Geist in die Wüste geführt. Die Wüste ist ein Bild für das Ringen mit Gott. Kern aller Versuchungen ist das Beiseiteschieben Gottes. Die Quelle aller Versuchungen ist dabei das unbeständige Herz und das geringe Vertrauen zu Gott. Niemand ist zeitlebens vor Versuchungen sicher. Wir stehen immer wieder im Kampf zwischen Gut und Böse. Wir müssen uns stets aufs Neue entscheiden. Dem Bösen widersagen, sich hinkehren zum Guten, das vermögen wir nicht aus uns selbst. Das geht nur mit Gottes Hilfe. Darum antwortet Jesus auf jede Versuchung mit einem Wort Gottes.

Jede Versuchung stellt für dich eine Gelegenheit dar, richtig zu handeln. Handelst du richtig, wirst du ein wenig mehr wie Jesus, der selbst auch in Versuchung geführt worden ist. Gott bringt die Frucht des hl. Geistes (Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit ….) in deinem Leben hervor, indem er dir erlaubt, in Situationen zu geraten, in denen du in Versuchung kommst, genau das Gegenteil auszuleben (Haß, Traurigkeit, Unfrieden.. ..). Zum Beispiel lehrt Gott uns Liebe, indem er einige wenig liebenswerte Menschen in unser Umfeld stellt. Mittlerweile bin ich für diese Menschen sogar dankbar, sie sind für mich zu „Übungsplätzen der Liebe“ geworden.

Meine Versuchungen waren die Reifeprüfung meines Lebens. Luther

Nach der Taufe wurde Christus versucht. Dadurch zeigt er, dass uns nach unserer Taufe Versuchungen bevorstehen. Theophylactus

Lk 4,2: Er aß nichts in jenen Tagen; und zuletzt, als sie zu Ende waren, war er hungrig.

Nüchternheit: Er fastete nämlich, um zu zeigen, daß jener, welcher die Versuchungen bekämpfen will, der Nüchternheit bedarf. Goldene Perle

Lk 4,3: Der Teufel sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sage zu diesem Stein, dass er Brot werde!‭

Lk 4,4: Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!

Die erste Versuchung besteht darin, aus Steinen Brot zu machen. Es ist die Versuchung, alles für uns nutzbar zu machen. Alles muss uns dienen. Das bezieht sich nicht nur auf das Essen, sondern auch auf unsere Beziehungen. Auch diese sollen oft etwas bringen. Und in unserer Beziehung zu Gott, neigen wir dazu, ihn für uns zu benutzen. Alles muss etwas bringen, selbst das Gebet. Wir erwarten von ihm, dass er uns Wohlbefinden vermittle. Gott dient dann uns, anstatt dass wir ihm dienen. Jesus verweist in seiner Antwort auf den wahren Grund, aus dem wir leben: auf das Wort Gottes, das uns wahrhaft nährt. Über dieses Wort können wir nicht verfügen, sondern es spricht uns von außen an, damit wir ihm gehorchen und ihm dienen.

Lk 4,5-7: Da führte der Teufel ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du nun vor mir anbetest, so soll alles dir gehören!

Lk 4,8: Und Jesus antwortete ihm und sprach: Weiche von mir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

Sie ist die radikalste Versuchung. Der Satan bietet Jesus alle Reiche der Welt an, alle Herrlichkeit und Herrschaft, wenn er niederfällt vor ihm und ihn anbetet. Jesus wehrte die Versuchung der Macht ab, indem er auf die Anbetung Gottes verweist. Nicht Macht und Geld sollen wir anbeten, sondern Gott, ihn allein. Alles andere ist Götzendienst. Nur wenn wir vor Gott niederfallen, werden wir wahrhaft Mensch, erweisen wir uns als wahre Söhne und wahre Töchter Gottes.

Lk 4,9-11: Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du der Sohn Gottes bist, so stürze dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.

Lk 4,12: Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!

Gott nicht versuchen: Es ist die Gefahr, dass wir unsere Fähigkeiten nur dazu gebrauchen, um vor anderen gut dazustehen, andere zu übertreffen, sie in den Schatten zu stellen, indem wir uns selbst im Rampenlicht sonnen. Es ist die Versuchung, sich selbst interessant zu machen und sich über die anderen zu stellen, sich durch ein spektakuläres Wunder groß hervor zu heben. Innerlich stehen wir ständig auf der Bühne und überlegen uns, wie wir am meisten beklatscht werden könnten. Es geht aber nicht darum, sich die Gunst der Menschen zu verschaffen. Wir dürfen Gott nicht missbrauchen um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Es ist der Hochmut, durch die man in die Tiefe hinabstürzt. Wir sollen Gott nicht prüfen, indem wir ihn in unsere eigenen Vorstellungen pressen. Wir sollen Gott Gott sein lassen und ihm dienen.

Lk 4,13: Und nachdem der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeit lang.

Jesus benutzte die Schrift, um Satans Versuchung zu bekämpfen, nicht irgendeine ausgeklügelte geistliche Macht, die uns unzugänglich ist. Jesus kämpfte diesen Kampf als ein geisterfüllter, vom Wort Gottes erfüllter Mann. Wir widerstehen der Versuchung auf die gleiche Weise wie Jesus: Erfüllt vom Heiligen Geist antworten wir auf Satans verführerische Lügen, indem wir das Licht der Wahrheit Gottes auf sie scheinen lassen. Wenn wir Gottes Wahrheit nicht kennen, sind wir im Kampf gegen die Versuchung schlecht gerüstet.

Lk 4,14-30: Rede und Ablehnung in Nazareth

Auslegung und Kommentar zu Lk 4,14-30

Lk 4,14: Jesus kehrte in der Kraft des Geistes zurück nach Galiläa.

Kraft des Geistes: Jesus stützt sich auf die Kraft des Geistes Gottes, der Ihm hilft und Ihn dazu befähigt, seinen Dienst zu beginnen. Auch wir werden dazu aufgefordert, nicht in eigener Kraft zu dienen, sondern in der Kraft, die Gott uns gibt. Unsere Schwächen sind Gottes Gelegenheiten. Unsere Kraft entspringt seiner Gnade. Anerkenne vor Gott demütig deine Schwachheit, so wird Gott seine Kraft über dir wohnen lassen dort, wo du im Leben stehst mit all den Fragen und Anforderungen. Es ist so wichtig und unerlässlich, jeden Morgen, wenn wir vom Schlaf ins Leben zurück kehren, um die Kraft des Geistes zu bitten.

Lebe im Vertrauen auf Christus, unter der Leitung des Heiligen Geistes, in Kraft, die Gott dir darreicht. John Piper 

Lk 4,15: Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von allen gepriesen.

Mein Gott, wie bist du gut! Du bist Mensch geworden! Du, Gott, hast einen Körper und eine menschliche Seele angenommen und bist gekommen, um sichtbar unter uns zu wohnen, dich mit den Menschen zu unterhalten und mit ihnen leben wie einer von ihnen. Und warum? Aus Güte, aus lauter Güte für die Menschen, um sie zu retten und sie zu heiligen. Du hättest sie durch Millionen anderer Mittel retten und heiligen können. Ein einziger Akt deines Willens hätte ausgereicht, um sie heiliger und liebender als Seraphen zu machen. Warum? Kann man ein solches Geheimnis ergründen? Was sicher ist, du bist der Gott der Liebe: Deus caritas est. Gott ist die Liebe. Um deine Geschöpfe zu retten, hast du unter Abermillionen von Mitteln dasjenige gewählt, das dich am meisten kostete. 

Lk 4,16: Er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.

Beginn am Sabbat: Auch fing er trefflich am Sabbat an, um sich als den Schöpfer zu erweisen, welcher ein Werk an das andere fügt, und das Wert fortsetzt, das er früher schon angefangen hatte. Wie ein Baumeister, welcher ein Haus ausbessern will, das alte Gebäude nicht vom Grunde aus, sondern von dem Dache an abzutragen anfangt, so daß er zuerst die Hand anlegt, wo er zuletzt aufgehört hatte. Goldene Perle

Lk 4,17: Und es wurde ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als er die Buchrolle aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

Lk 4,18: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden.

Jesus kommt zu meiner Armut. Was ist jetzt meine größte Armut? Er kommt zu meinen Gebundenheiten. Was ist mein Gefängnis? Er kommt zu meiner Blindheit. Was ist meine größte Finsternis? Er kommt zu meinen Bedrängnissen. Was bedrängt mein Inneres? Er bringt mir Seine Gnade. Nach welcher Gnade sehne ich mich? P. Wons

Lk 4,18: Er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen.

Das ist ein Schlüsseltext für die Botschaft und das Wirken Jesu. Gesandt wurde er, um dies zu tun. Gesandt sind wir, um ihm darin nach zu folgen. Also: Wo begegne ich heute Menschen mit einem zerbrochenen Herz und kann dort mit deiner Hilfe heilend wirken? Wo begegne ich heute Menschen, die in sich selbst und ihren Lebensmustern gefangen sind und kann dort mit deiner Hilfe befreiend wirken? Wo begegne ich heute blinden Menschen, nicht mehr weiter wissen und kann mit deiner Hilfe ihnen einen Lichtblick geben? Wo begegne ich heute zerschlagenen Menschen und kann schlicht und einfach ihnen helfen? Wo Herr? Wo Herr? Mit deiner Hilfe: lass es mich erkennen?

Bezug auf mich selbst: Worunter immer dein Herz leidet, lege es Jesus zu Füßen. Wo immer du keinen Weg weiter weisst, gefangen innerlich und durch äussere Umstände, wende dich an ihn, der dich zur Freiheit beruft. Er nimmt uns an die Hand und begleitet uns auf dem bestimmten Weg. Er öffnet uns die Augen, die so oft trüb oder gar blind sind.

Den Armen das Evangelium predigen: Die Sünde macht arm, und der Messias bringt den Armen eine gute Nachricht. Die gebrochenen Herzen zu heilen: Sünde bricht Herzen, und der Messias hat gute Nachrichten für die  gebrochenen Herzen. Den Gefangenen die Freiheit zu verkünden: Die Sünde macht die Menschen gefangen und versklavt sie, und der Messias kommt, um sie zu befreien. Wiederherstellung des Augenlichts für Blinde: Die Sünde macht uns blind, und der Messias kommt, um unsere geistige und moralische Blindheit zu heilen. Um die Unterdrückten in Freiheit zu setzen: Die Sünde unterdrückt ihre Opfer, und der Messias kommt, um den Unterdrückten Freiheit zu bringen.

Lk 4,19: Ich verkünde ihnen ein Jahr, in dem der Herr seine Gnade zeigt.

Gnadenjahr: Der Prophet Jesaja hatte an­gekündigt, dass der Messias ein univer­selles Gnadenjahr mit sich bringen wird, wo alle Menschen frei werden (Jes 61,2). Christus selbst sagt, dass dies nun in ihm Wirklichkeit geworden ist. In ihm ist endgültig und für immer Zeit des Erbarmens, Zeit der Gnade. Diese seine Gnade verändert alles in unserem Leben. Bonhoeffer schreibt über die Gnade folgendes: Eine Stimme befiehlt, spring hinüber, ich nehme dich auf; ich halte dich fest; ich strecke meine Hand aus, nun wag dein Leben daran, verlass dich auf mich, und auf nichts anderes. Meine Gnade genügt dir; ich bin die Liebe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. 

Lk 4,20: Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

Lk 4,21: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!

Heute: Das alles gilt nicht für irgendwann einmal, sondern erfüllt sich jetzt, heute. Dieses Heute bei Lukas erschüttert mich jedes mal von neuem: Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren lautet die frohe Kunde der Engel an die Hirten von Bethlehem. Heute ist diesem Hause Heil widerfahren! sagt Jesus dem Oberzöllner Zachäus zu. Heute noch wirst du bei mit im Paradieses sein! verspricht Jesus dem Schächer am Kreuz. Ein ungeheurer Anspruch steckt dahinter. Heute! Mit mir, in mir! Pius Kirchgessner

Worte von Papst Franziskus: Dieses vom Herrn gesprochene Wort verweist auf ein Heute, das sich durch alle Zeitalter zieht und immer gültig bleibt. Das Wort Gottes ist immer heute. Ein Heute beginnt: wenn du das Wort Gottes liest, dann beginnt in deiner Seele ein Heute, wenn du es richtig verstehst. Papst Franziskus

Lk 4,22: Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs?

Lk 4,23: Die großen Taten, von denen wir gehört haben, dass sie in Kapernaum geschahen, tue sie auch hier in deiner Vaterstadt!

Neid in Nazareth: Statt dankbar zu sein, dass Jesus in ihrer Stadt 30 Jahre aufwuchs, blickten die Leute aus Nazareth neidisch und fordernd auf seine großen Taten in Kapernaum. Ihr Herz wurde dadurch verdunkelt. Dies ist uns zur Mahnung überliefert. Hüten wir uns vor jeder Art von Neid. Das beste Heilmittel gegen den Neid ist der dankbare Blick auf das, was einem selbst geschenkt wurde. Die Heilung vom Gefühl des Neides besteht darin, Zufriedenheit in Gott zu finden. Lenke also stets deinen Blick auf das, wofür du dankbar sein kannst. Diese Dankbarkeit als innere Haltung führt zu innerem Frieden. Rituale können dabei sehr hilfreich sein in dieser Haltung der Dankbarkeit zu wachsen.

Beispiel meinerseits: Direkt nach dem Aufstehen gehe ich an das Kreuz, verneige mich und küsse es mit einer Haltung der Ehrfurcht und Dankbarkeit, dass Jesus heute bei mir ist.

Lk 4,24: Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet ist anerkannt in seinem Vaterland.

Zeichen des Widerspruchs: Bei all der Größe und Freude des ersten Aufbruchs von Jesu Wirken hast du doch schon in der Synagoge von Nazareth die Wahrheit des Wortes vom “Zeichen des Widerspruchs” erfahren müssen (vgl. Lk 4, 28ff). So hast du die wachsende Macht der Feindseligkeit und der Ablehnung erlebt, die sich immer mehr um Jesus zusammenbraute bis zur Stunde des Kreuzes hin, in der du den Retter der Welt, den Erben Davids, den Sohn Gottes als Gescheiterten, zum Spott Ausgestellten zwischen Verbrechern sterben sehen musstest.

Lk 4,25-26: In Wahrheit aber sage ich euch: Es waren viele Witwen in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate lang verschlossen war, da eine große Hungersnot entstand im ganzen Land und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt, sondern nur zu einer Witwe nach Zarpat bei Zidon.

Lk 4,27-28: Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa; aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naeman, der Syrer. Da wurden alle in der Synagoge voll Zorn, als sie dies hörten.

Beispiel aus dem alten Testament: Das Beispiel aus dem AT erinnert daran, dass Gott sich nicht nur den Nahen, seinem erwählten Volk zuwendet, sondern auch den Fernen, denen, die bisher nicht an ihn glauben. Ebenso ist die Sendung Jesu. Niemand schließt er aus. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes gilt allen. Menschen, die wir oft für unwürdig und vielleicht seltsam halten, sind oft Empfänger von Gottes wunderbarer Kraft. Das sollten wir uns gerade dann bewusst machen, wenn wir jemanden begegnen, mit dem wir irgendwie gar nicht können. Das passt den Leuten in Nazareth gar nicht. Sie werden zornig. Jesus versuchte nicht in erster Linie, Seiner Zuhörerschaft zu gefallen, und Er benutzte ihre Zustimmung nicht als Maßstab für Seinen Erfolg. Der zunächst große Auftritt Jesu endet mit einem gnadenlosen Abgang. „Hosanna“ und „Kreuzige ihn“ liegen oft nah beisammen.

Worte von Papst Franziskus: Alle beide empfingen Propheten: die erste Elija, der zweite Elischa. Aber es war kein einfacher Empfang, er ging durch viele Prüfungen. Die Witwe nahm Elija trotz der Hungersnot auf, und obwohl der Prophet verfolgt wurde (vgl. 1 Kön 17,7-16), er war ein aus politisch-religiösen Gründen Verfolgter. Naaman hingegen akzeptierte, obwohl er ein Mann von sehr hohem Rang war, die Aufforderung des Propheten Elischa, die ihn dazu brachte, sich zu erniedrigen und sieben Mal in einem Fluss zu baden (vgl. 2 Kön 5,1-14), als wäre er ein unwissendes Kind. Kurzum, die Witwe und Naaman empfingen bzw. akzeptierten mit Willigkeit und Demut. Der Weg, Gott willkommen zu heißen, besteht darin, immer verfügbar zu sein, ihn willkommen zu heißen und demütig zu sein. Das ist der Weg des Glaubens: Verfügbarkeit und Demut. Die Witwe und Naaman haben die Wege Gottes und seiner Propheten nicht abgelehnt; sie waren fügsam, nicht starr und verschlossen. Franziskus

Lk 4,29-30: Sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. Er aber ging mitten durch sie hindurch und zog weiter.

Souveränität Jesus: Wir leben allein für Gott. Machen wir uns daher nicht abhängig vom Lob und der Bewunderung anderer. Hat dies unser Heiland doch auch nicht getan. Anerkennung und Ablehnung liegen oft nah beieinander. Vertrauen wir stattdessen in allem uns dem liebenden Herzen Jesus an und glauben wir fest daran, dass ihm alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde. Das hier geschilderte Bild des durch die wütende Menge souverän schreitenden Jesus lässt eben dieses Wesen Jesus aufleuchten: seine göttliche Macht und Souveränität. Wenn Jesus souverän durch die Volksmenge hindurchschreitet und ungehindert weggeht, dann blitzt sogar schon die Auferstehung auf. Die gekreuzigte Liebe ist stärker als der Tod.

Du gibst uns eine Lektion in Sachen Mut: Mit welchem Mut sprichst du mit den Juden von Nazareth. Ihre Wut hielt dich nicht davon ab, ihnen in strengen Worten zu sagen, was du zu sagen hattest! Mit welchem Mut begegnetest du ihren Beleidigungen, ihren Drohungen, ihrer Gewalt und der Todesgefahr, dort, egal wo du hinkamst. Du hast uns auch die Liebe zur Erniedrigung gelehrt: Wenn du so verachtet, so zurückgestoßen, so verfolgt wurdest, du, unser Gott, unser Geliebter, mit welcher Liebe und Bereitwilligkeit müssen wir jede Verachtung, jede Gewalt, jede Verfolgung empfangen und ersehnen, um dir ähnlich zu sein, oh mein geliebter Jesus.

Lk 4,31-37: Jesus lehrt mit Vollmacht

Auslegung und Kommentar zu Lk 4,31-37

Parallelstellen: Mk 1,21-28

Lk 4,31: Und er kam hinab nach Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie am Sabbat.

Lk 4,32: Und sie waren betroffen über seine Lehre, denn er redete mit Vollmacht.

Lk 4,33-34: Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines unreinen Dämonen hatte. Und er schrie mit lauter Stimme und sprach: Lass ab! Was haben wir mit dir zu tun, Jesus, du Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!

Lk 4,35: Jesus befahl dem Dämon: Schweig und verlass diesen Menschen!

Heilung eines Mannes mit einem unreinen Geist: Jesus begegnet einem Mann, der von einem unreinen Geist geplagt wurde. Mit unreinen, bösen Geistern haben auch wir heute zu kämpfen. Die Liste dazu ist lang: Ängste, Zwänge, eine Sucht, Gier, ein übertriebener Perfektionismus, Geltungsdrang, Minderwertigkeitskomplexe, Ungeduld, Zorn, Rechthaberei, Arroganz, Groll, Bitterkeit, Habsucht, ständiges Murren und alles negativ sehen, schlecht über andere reden.  All dies kann uns gefangen nehmen, ja regelrecht versklaven. Jesus nun befreit den Mann von dem unreinen Geist. Er spricht: Schweig und verlass diesen Menschen. Jesus will den Menschen befreien. Er besitzt die Kraft und Macht Gottes. In ihm ist in Wort und Tat Gott selbst am Werk. In ihm geht Gott auf den Menschen zu, der sich in Not und Bedrängnis befindet. In ihm zeigt sich Gott mit seiner heilenden Kraft. Er hilft, zu sich selbst zu finden, zum Einklang mit sich selbst und mit Gott zu kommen. Jesus will die Menschen zur Freiheit und zum Frieden führen. Diesen Gedanken möchte ich dir für diese Woche mitgeben: Wenn dich  ein unreiner Geist befällt, und sei dir gewiss, sie befallen dich täglich, dann sprich: Im Namen Jesus : schweig! Es wird wohl kein Tag vergehen, wo uns nicht einer oder mehrere dieser Geister heimsuchen. In der Kraft Jesu Christi aber können wir sie zähmen, so dass wir nicht von ihnen versklavt werden, sondern vielmehr an ihnen wachsen.

Lk 4,36: Und ein Entsetzen kam über alle, und sie redeten untereinander und sprachen: Was ist das für ein Wort, dass er mit Vollmacht und Kraft den unreinen Geistern gebietet und sie ausfahren?

Lk 4,37: Und sein Ruf verbreitete sich in alle Orte der umliegenden Gegend.

Lk 4,38-41: Heilung Schwiegermutter Petrus

Auslegung und Kommentar zu Lk 4,38-41

Parallelstellen: Mt 8,14-17; Mk 1,29-34

Lk 4,38: Nachdem Jesus die Synagoge verlassen hatte, ging er in Simons Haus. Dessen Schwiegermutter hatte hohes Fieber. Man bat Jesus, ihr zu helfen.

Worte von Benedikt XVI: In diesem Ereignis zeichnet sich symbolisch die ganze Sendung Jesu ab. Jesus, der vom Vater kommt, begibt sich in das Haus der Menschheit, auf unsere Erde, und steht einer kranken, einer fieberkranken Menschheit gegenüber, die am Fieber der Ideologien, der Gottvergessenheit erkrankt ist. Der Herr reicht uns seine Hand, richtet uns auf und heilt uns. Und er tut dies in allen Jahrhunderten. Er nimmt uns durch sein Wort an der Hand und löst so die Nebel der Ideologien auf. Er nimmt uns in den Sakramenten an der Hand, im Sakrament der Versöhnung heilt er uns durch die Lossprechung vom Fieber unserer Leidenschaften und unserer Sünden. Er gibt uns die Fähigkeit, aufzustehen und aufrecht vor Gott und den Menschen zu stehen. Es begegnet uns der Herr, nimmt uns an der Hand, richtet uns auf und heilt uns immer wieder mit der Gabe seines Wortes, der Gabe seiner selbst. Benedikt XVI

Bild vom Fieber: Das Fieber ist ein Bild der Unruhe und Erregung, ja der Überhitzung des Fleisches. Dadurch wird der Mensch unfähig zum Dienst für den Herrn. Doch Dieser ergreift die kranke, daniederliegende Frau bei der Hand und richtet sie auf. Sogleich verlässt das Fieber sie, so dass sie den in das Haus gekommenen Gästen dienen kann. Arend

Bild vom Haus: Ich bedenke, dass Jesus täglich mein Haus besucht. Er sehnt sich danach, bei mir zu verweilen, dort, wo ich lebe. Er will diesen begegnen und diese sehen, mit denen ich lebe. Gibt es solche Orte, Situationen, Beziehungen, in denen ich mir nicht vorstellen kann, Jesus dort zu begegnen. Wer ist in meinem Haus krank (physisch, psychisch, geistig)? Wer oder was benötigt die Heilung durch Jesus? Um was will ich Ihn bitten? P. Wons

Unsere Fürbitte ist kostbar. Die Schwiegermutter von Petrus bittet nicht selbst um Heilung ihrer Beschwerden. Es sind die anderen, die ihre Nöte erkennen und Jesus darum bitten. Ich habe den Eindruck, dass Jesus es liebt, wenn wir für das Leid der anderen offene Augen haben und für sie Fürbitte leisten. Andrea Heck

Lk 4,39: Und er trat zu ihr, neigte sich über sie und befahl dem Fieber, und es verließ sie. Und sogleich stand sie auf und diente ihnen.

Lk 4,40: Später, nach Sonnenuntergang, brachten die Menschen alle ihre Kranken zu Jesus. Diese hatten die unterschiedlichsten Leiden. Er legte jedem Einzelnen die Hände auf und heilte sie.

Jesus berührt uns: Obwohl er aber als Gott mit einem Worte die Kranken hätte heilen können, so berührte er sie dennoch, und zeigte dadurch, dass auch sein Leib sie heilen konnte. Denn er war der Leib Gottes. Er möge auch uns berühren, oder vielmehr sollen wir ihn berühren, insofern er auch uns von der Krankheit der Seele, wie von der Nachstellung und dem Stolz der Teufel befreit. Goldene Perle

Heilung nach Sonnenuntergang: Weil die Leute dachten, dass es niemandem erlaubt sei, am Sabbat zu heilen, warteten sie den Sonnenuntergang ab, um ihre Kranken zu Jesus zu bringen. Theophylactus

Jesus heilte sie alle. Kein Gebet bleibt unerhört. Auch heute möchte Gott, dass wir in seinem Namen für die Heilung unserer Mitmenschen beten. Es ist unsere Pflicht als Christen. Jedes Mal, wenn wir beten, geschieht etwas, er tut etwas, heilt etwas oder jemanden. Andrea Heck

Lk 4,41: Es fuhren auch Dämonen aus von vielen, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Christus, der Sohn Gottes! Und er befahl ihnen und ließ sie nicht reden, weil sie wussten, dass er der Chris­tus war.

Lk 4,42-44: Jesus predigt in Galiläa

Auslegung und Kommentar zu Lk 4,42-44

Parallelstellen: Mt 4,23-25; Mk 1,35-39

Lk 4,42: Als es aber Tag geworden war, ging er hinaus an einen abgelegenen Ort; und die Volksmenge suchte ihn und kam bis zu ihm, und sie wollten ihn zurückhalten, damit er nicht von ihnen wegginge.‭

Jesus geht weiter: Dieses ist zu erwägen, dass er an demselben Orte bleiben und Alle an sich ziehen konnte, es aber nicht tat, um uns ein Beispiel zu geben, dass wir umherwandeln und die zu Grunde Gehenden suchen sollen, wie ein Hirt ein verirrtes Schaf sucht, und wie der Arzt zu dem Kranken geht. Denn wer Eine Seele gewinnt, kann tausend Sünden auslöschen. Goldene Perle

Jesus geht in die Einsamkeit: Jesus kannte den Wert der Einsamkeit bei Gott dem Vater. Er verbrachte die meiste Zeit damit, unter den Menschen zu dienen, aber er brauchte solche Zeiten an einem verlassenen Ort.

Wichtigkeit des zeitweiligen Rückzugs: Um den Nächsten zu lieben, darf ich ihn nicht meiden. Die Gesellschaft und Zusammenkunft mit anderen ist sehr wichtig. Ebenso ist dies wichtig: Um sich selbst zu lieben, muss man ebenso in sich selbst bleiben, alleine sein um Zwiesprache mit deinem Herzen zu halten. Es geht dabei nicht gleich um ein Mönchsleben oder diverse Meditationsmethoden, sondern schlicht und einfach darum, ein wenig für sich zu sein: in deinem Zimmer, im Garten oder sonst wo, wo du leichter Einkehr halten und deine Seele durch gute Gedanken neu beleben und stärken kannst. Diese kleinen Rückzugs-Wüsten werden für uns zur Quelle werden.

Die Menge sucht Jesus: Bin ich noch auf der Suche nach Jesus? Weiß ich, wo er zu finden ist und möchte auch ich ihn festhalten, ihn aufhalten, damit er bei mir bleibt und nicht weg geht? Den Tag mit Jesus beginnen, das möchte ich. Kurz nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen möchte ich den Tag vor Jesus ausbreiten. Alles was heute an Arbeit auf mich wartet, von der ich schon weiß, möchte ich vor ihn hinlegen, ihm danken für seine Leitung und Führung. Die Menschen, die mir begegnen, möchte ich segnen. Möchte sie im Umgang miteinander spüren lassen, wie Jesus mein Leben und mich als Mensch verändert hat. Nicht immer gelingt mir das. Gerade dann brauche ich auch die Vergebung durch Jesus Christus. Auch wenn mir nicht alles gelingt, weiß ich doch, dass ER es aushält mit mir. Auf ihn kann ich mich verlassen. ER verlässt sich auf mich. Zu ihm darf ich kommen, mit ihm darf ich jeden Moment rechnen. So soll es sein. Und deshalb suche ich Jesus, finde ihn im Gebet, möchte mich an ihn halten und mit ihm gehen. Amen. Rolf Aichelberger

Worte von Papst Franziskus: Wer Jesus kennt, wer ihm persönlich begegnet ist, ist fasziniert, angezogen von so viel Güte, von so viel Wahrheit, von so viel Schönheit, und dies alles in großer Demut und Einfachheit. Jesus suchen, Jesus begegnen: das ist der große Schatz! Wie viele Menschen, wie viele heilige Männer und Frauen haben offenen Herzens das Evangelium gelesen und wurden derart von Jesus ergriffen, dass sie sich zu ihm bekehrt haben! Franziskus

Lk 4,43: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen; denn dazu bin ich gesandt.

Worte von Benedikt XVI: Die Apostel sagen zu Jesus: Komm zurück, alle suchen dich. Und er sagt: Nein, ich muss in die anderen Orte gehen, um Gott zu verkünden und um die Dämonen, die Kräfte des Bösen, zu vertreiben; dazu bin ich gekommen. Jesus ist nicht gekommen, um die Annehmlichkeiten des Lebens zu bringen, sondern er ist gekommen um die entscheidende Voraussetzung unserer Würde zu bringen, um uns Gott zu verkünden, die Gegenwart Gottes, und so die Kräfte des Bösen zu besiegen. Benedikt XVI

Die Verkündigung hat immer die Dynamik des Aufbruchs und der Gabe, des Herausgehens aus sich selbst, des Unterwegsseins und des immer neuen und immer weiteren Aussäens.

Lk 4,44: Und er verkündigte in den Synagogen von Galiläa.

Verkündigung: Das war der deutliche Schwerpunkt des Wirkens Jesu vor dem großen Sühnewerk am Kreuz – er war Lehrer und Prediger, sowohl im Freien als auch in Gotteshäusern. Sein Wirken von Wundern und Heilungen war beeindruckend, aber es war nie sein Schwerpunkt.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 4


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste