Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Lukas Evangelium Lk Kapitel 20 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 20

Lk 20,1-8: Juden stellen Jesus infrage

Auslegung und Kommentar zu Lk 20,1-8

Parallelstellen: Mt 21,23-27; Mk 11,27-33

Lk 20,1: ‭Es geschah aber an einem jener Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten die obersten Priester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten herzu‭

Lk 20,2: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du dies? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?

Mit welchem Recht tust du das alles? An dieser Evangelienstelle bleibt die Frage unbeantwortet. Die Heilige Schrift gibt uns jedoch viele Antworten; lassen wir diese Antworten auf uns wirken und stellen wir uns Jesus vor in all seiner Macht und Herrlichkeit: Ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Er ist der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut. Er ist das Alpha und das Omega, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung. Er ist der Erste und der Letzte und der Lebendige. Er war tot, doch nun lebt er in alle Ewigkeit, und er hat die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Er ist der Sieger, der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids und Herr der Herren. Er ist das Lamm, das geschlachtet wurde und mit seinem Blut Menschen für Gott erworben hat aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern. Er ist der Treue und Wahrhaftige. Sein Name heißt das Wort Gottes, König der Könige und Herr der Herren. Bertalan Egervári

Nach der Tempelreinigung: Jesus bewies großen Mut, indem er kühn in Jerusalem einzog und die korrupten Kaufleute aus den Tempelhöfen vertrieb. Nun wollten die religiösen Führer wissen, mit welchem Recht Jesus solche Dinge tat – vor allem, weil er keine traditionelle rabbinische Ausbildung hatte.

Lk 20,3: ‭Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ‭ein‭ Wort fragen! So sagt mir:‭

Lk 20,4: ‭War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?‭

Hintergrund: Als Er im Tempel umhergeht, kommen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten auf Ihn zu. Als Mitglieder des Synedriums, des höchsten juristischen und religiösen Gremiums der Juden, sind sie durch die Autorität, mit der der Herr Jesus den Tempel gereinigt und das Volk belehrt hatte, erneut in ihrem Stolz als Führer und Verantwortliche gekränkt und fragen Ihn deshalb: In welchem Recht tust Du diese Dinge? Jesus stellt eine Gegenfrage: War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?

Lk 20,5: ‭Da überlegten sie bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er fragen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‭

Lk 20,6: ‭Wenn wir aber sagen: Von Menschen, so wird das ganze Volk uns steinigen; denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet war!‭

Lk 20,7-8: Sie antworteten, sie wüssten nicht woher. Da sprach Jesus zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, in welcher Vollmacht ich dies tue.

Wir wissen es nicht. Diese Worte machen zwei Dinge deutlich: Sie offenbaren das Fehlen jeder geistlichen Befugnis der Führerschaft der Juden und zugleich ihre heuchlerische Bosheit. Wenn sie Johannes den Täufer nicht richtig zu beurteilen vermochten, wie sollten sie dann seinem Herrn in der rechten Weise begegnen? So lange sie nicht gewillt waren, die Zeichen des Vorläufers zu akzeptieren, würden sie noch weniger die weitaus grösseren Zeichen des Königs selbst annehmen.

Lk 20,9-19: Gleichnis von den bösen Bauern

Auslegung und Kommentar zu Lk 20,9-19

Parallelstellen: Mt 21,33-46; Mk 12,1-12

Lk 20,9: Er fing aber an, dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und hielt sich längere Zeit außer Landes auf.

Er ging ausser Landes: wir Christen dürfen den Weinberg, in den der Herr uns gestellt hat, nicht verlassen. Die Aufgaben innerhalb des umzäunten Bereiches müssen unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen: Wir werden in der Kelter arbeiten, wir werden uns nach des Tages Mühe im Turm ausruhen. Ließen wir uns von der Bequemlichkeit leiten, dann wäre es, wie wenn wir Christus entgegneten: Nun, meine Jahre gehören mir, nicht Dir; ich denke nicht daran, mich um Deinen Weinberg zu kümmern. Josemaria

Und reiste in ein anderes Land: Nicht indem er an einen anderen Ort ging, denn von keinem Ort kann Gott abwesend sein. Nur scheinbar geht er von dem Weinberg fort, damit den Winzer die Freiheit gegeben wird, so zu handeln, wie sie es wollen. Hieronymus

Gerufen zu wirken: Der Herr hat uns das Leben, unsere Sinne, unsere Fähigkeiten und zahllose Gnaden geschenkt; deshalb dürfen wir nicht vergessen, daß jeder von uns ein Arbeiter unter vielen anderen ist, und daß der Besitzer uns auf seinem Landgut angestellt hat, damit wir an der Aufgabe mitwirken, andere Menschen mit Nahrung zu versorgen. Der umzäunte Bereich ist der Ort unseres Wirkens; dort müssen wir arbeiten, Tag für Tag, und so zum Werk der Erlösung beitragen. Josemaria

Lk 20,10: Und als es Zeit war, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben.

Früchte: Die erwarteten Früchte bestehen nur zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen. Vor Gott können auch leere und gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände seines Sohnes – „erfüllt“ und „fruchtbar“ sein. Vor ihm ist auch ein schweres Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer getragene Leiden eine kostbare Frucht. So hat jeder und jede von uns seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit. Bitten wir Gott, dass er uns erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und erwartet.

Lk 20,11: Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch diesen und beschimpften ihn und jagten ihn mit leeren Händen davon.‭

Lk 20,12: ‭Und er fuhr fort und sandte einen dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.‭

Lk 20,13: Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen Sohn senden, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen!

Lk 20,14: Als aber die Weingärtner diesen sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbgut uns gehört!

Prophezeiung: Dieses Gleichnis sagt uns, dass Jesus wusste, dass er der Sohn – der Sohn Gottes – war und dass er wusste, dass er bald getötet werden würde.

Lk 20,15: Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun?

Reaktion des Herrn: Der Gutsbesitzer, sprich Gott, dem der ganze Weinberg, sprich Israel, gehört, schickt wiederholt Knechte, sprich Propheten, zu den Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen. Die Winzer aber antworten nur mit Gewalt und Totschlag. Sie verweigern dem Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch, sie schlagen, steinigen und töten seine Boten. Hat nun die Güte des Gutsbesitzers ein Ende? Ist es mit der Gnade Gottes vorbei? Nein! Der Gutsbesitzer sendet seinen eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.

Lk 20,16: ‭Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben! Als sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!‭

Lk 20,17: Er aber blickte sie an und sprach: Was bedeutet denn das, was geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden?

Der verworfene Stein: Jesus umschreibt diesen Tod mit einem neuen Bild aus dem Psalm: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden …« (Mt 21,42; Ps 118,22). Aus dem Tod des Sohnes sprießt das Leben hervor, entsteht ein neuer Bau, ein neuer Weinberg. Er, der in Kana das Wasser in Wein verwandelte, hat sein Blut in den Wein der wahren Liebe verwandelt und verwandelt so den Wein in sein Blut. Im Abendmahlssaal hat er seinen Tod vorweggenommen und ihn in die Selbsthingabe, in einen Akt radikaler Liebe, verwandelt. Sein Blut ist Hingabe, ist Liebe und darum der wahre Wein, den der Schöpfer erwartete. Auf diese Weise ist Christus selbst zum Weinstock geworden, und dieser Weinstock trägt immer gute Frucht: die Gegenwart seiner Liebe zu uns, die unzerstörbar ist. Benedikt XVI

Lk 20,18: Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen!‭

Lk 20,19: ‭Da suchten die obersten Priester und die Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen in derselben Stunde; aber sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis im Blick auf sie gesagt hatte.

Lk 20,20-26: Frage über die Steuer

Auslegung und Kommentar zu Lk 20-26

Parallelstellen: Mt 22,15-22; Mk 12,13-17

Lk 20,20: ‭Und sie lauerten ihm auf und sandten Aufpasser ab, die sich stellen sollten, als wären sie redlich, um ihn bei einem Wort zu fassen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Statthalters ausliefern könnten.‭

Lk 20,21: ‭Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du richtig redest und lehrst und nicht die Person ansiehst, sondern den Weg Gottes der Wahrheit gemäß lehrst.‭

Lk 20,22: ‭Ist es uns erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?‭

Jesu Dilemma mit dieser Frage war einfach. Wenn er sagte, dass Steuern gezahlt werden sollten , könnte er beschuldigt werden, die Souveränität Gottes über Israel zu leugnen (was sich beim jüdischen Volk unbeliebt macht). Wenn er sagte, dass Steuern nicht sollten Steuern gezahlt werden sollten, machte er sich selbst zum Feind Roms.

Lk 20,25: So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Was gebe ich Gott? Es ist eine Frage, die in unserem Leben nie an Aktualität verliert: Was gebe ich Gott? Ist Er wirklich das Wichtigste in meinem Leben? Wem gehört mein Herz? Wir müssen unser ganzes Wesen Gott weihen, denn sein Ebenbild tragen wir in uns. Während seines ganzen Lebens redet Jesus Christus von der der Möglichkeit zu wählen. Wir sind dazu berufen, uns zu entscheiden, und die Alternativen sind klar: unser Leben nach den Werten dieser Welt oder nach den Werten des Evangeliums auszurichten. Für die Wahl und die Bekehrung ist es nie zu spät, wir können unser Leben immer nach der Dynamik Gottes neu gestalten. Im Gebet wird uns offenbart, was Gott von uns erwartet. Wer sich für Gott entscheidet, wird Ihn in sich tragen.

Wir müssen Gott geben, was ihm gehört: das heißt den Leib, die Seele und unsere Willenskraft. Diejenige Goldmünze gehört dem Kaiser, die sein Bild trägt. Die Münze aber, die Gott gehört, ist der Mensch, in den das Bild Gottes eingezeichnet ist. Darum gebt euren Reichtum dem Kaiser, euer reines Gewissen aber bewahrt für Gott. Hilarius

Lk 20,26: ‭Und sie konnten ihn nicht bei diesem Wort fassen vor dem Volk; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.‭

Lk 20,27-40: Die Frage nach der Auferstehung

Auslegung und Kommentar zu Lk 20,27-40

Parallelstellen: Mt 22,23-33; Mk 12,18-27

Lk 20,27: ‭Da traten aber etliche der Sadduzäer herzu, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, und sie fragten ihn‭

Lk 20,28: ‭und sprachen: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn jemandes Bruder eine Frau hat und kinderlos stirbt, so soll dessen Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.‭

Hintergrund: Basierend auf Deuteronomium 25:5-10 , wenn ein verheirateter Mann kinderlos starb, war es die Verantwortung seines Bruders, die Witwe seines Bruders zu schwängern und das Kind dann als Nachkomme des verstorbenen Mannes zu zählen.

Lk 20,29: ‭Nun waren da sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos.‭

Lk 20,30: ‭Da nahm der zweite die Frau und starb auch kinderlos.‭

Lk 20,31: ‭Und der dritte nahm sie, ebenso alle sieben, und sie hinterließen keine Kinder bei ihrem Tod.

Lk 20,32-33: Zuletzt aber, nach allen, starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun in der Auferstehung sein? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.

Übertreibung: Die Frage der Sadduzäer übertreibt bewusst den im Gesetz geregelten Fall der Schwagerehe, um damit die Frage nach der Zugehörigkeit der Frau nach der Auferstehung auf die Spitze zu treiben. Die Siebenzahl der Brüder dient vor allem der Übertreibung. Die Frage der Sadduzäer setzt voraus, dass nach der Auferstehung ein Weiterleben in genau den gleichen Verhältnissen und Gesetzmäßigkeiten erfolgt. Auferstehung also einfach ein Leben zu gleichen Bedingungen in einer anderen Welt verspricht.

Wahrscheinlich war dies eine der Standardgeschichten, die sie zu erzählen pflegten, um die Auferstehung lächerlich zu machen. Spurgeon

Lk 20,34: Ehen zu schließen ist eine Sache dieser gegenwärtigen Welt.

Zu den Ehen: Die gegenseitige Liebe zwischen den getauften Eheleuten offenbart die Liebe Christi und der Kirche. Als Zeichen der Liebe Christi ist die Ehe ein Sakrament des Neuen Bundes: Die Eheleute sind für die Kirche eine ständige Erinnerung an das, was am Kreuz geschehen ist. Sie sind füreinander und für die Kinder Zeugen des Heils, an dem sie durch das Sakrament teilhaben. Wie jedes andere Sakrament ist die Ehe Gedächtnis, Vollzug und Prophetie des Heilsgeschehens. Sie ist daher ein Lebensstand, ein Weg christlicher Heiligkeit, eine Berufung, die zur glorreichen Auferstehung und zu dem Reich führen soll, wo die Menschen nicht mehr heiraten. Dank dieser ihrer Beständigkeit vermag sie wirksam zur vollen Verwirklichung der aus der Taufe erwachsenen Berufung der Eheleute beizutragen

Lk 20,35: Die Menschen aber, die von den Toten auferstehen und in die zukünftige Welt kommen dürfen, werden nicht mehr wie hier auf der Erde heiraten.

Das Neue in der ewigen Welt: In der Ewigkeit gibt es kein Sterben und Geborenwerden mehr und folglich auch kein Heiraten. Liebe erfährt eine ganz neue Qualität. Sexualität und Ehe sind deswegen nicht abgewertet. Im Gegenteil: es sind Bereiche, in denen ein Mensch höchstes Glück und tiefste Erfüllung erleben kann. Aber selbst solch schöne Erfahrungen und Höhepunkte der Lust sind vergänglich und nur ein Abklatsch gegenüber der unendlichen Fülle der Freude und der göttlichen Liebe, die uns bei der Auferstehung erwartet. Die Liebe wird bei Gott nicht verlöschen, sondern ihre beglückende Vollendung erfahren für immer.

Hier sind wir in der Zeit, dort in der Ewigkeit: hier im Werden und Vergehen, dort  in der Vollendung ohne Wandel. Die Schwierigkeit für uns, die wir hier in dieser Welt leben, ist die völlige Unvorstellbarkeit der anderen Welt. Unser Wissen reicht nur bis an die Grenze des irdischen Lebens. Drüben ist es ganz anders. Da wir nur dieses Leben kennen, können wir uns jenes nicht vorstellen. Hier sind wir in der Zeit, dort in der Ewigkeit. Hier gibt es daher alles, was zum zeitlichen Leben notwendig ist: Nahrung, Heirat, Zeugung, Geburt, die Folge der Generationen. All das ist notwendig, damit das Leben auf dieser Erde weitergeht. Drüben ist das anders. Wo es keinen Tod mehr gibt, da fallen auch Zeugung, Geburt, Heirat weg. Wie das sein wird? Wir haben dafür keine Vergleiche. Wir werden, so sagt Jesus Söhne und Töchter Gottes geworden sein, wie Christus, der auch leiblich aus dem Grab auferstanden ist.

Lk 20,36: Sie können nicht mehr sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.

Söhne und Töchter: Dort aber gehört keiner mehr einem anderen und niemand wird mehr von einem anderen besessen oder beherrscht. Wir sind dort Söhne und Töchter Gottes. Wir werden, sagt Jesus, Engeln gleichen, die ganz und gar auf Gott ausgerichtet sind. Nichts steht mehr zwischen der Liebe Gottes und unserer Liebe zu ihm. Unsere Liebesfähigkeit in diesem Leben ist begrenzt und brüchig. In jenem Leben werden alle Grenzen und Schranken fallen. Wir werden Gott schauen wie er ist.

Worte von Augustinus: Du fragst: Wie leben denn die Engel? Dazu brauchst du nur zu wissen, dass sie nicht in der Vergänglichkeit leben. Es ist leichter, dir zu erklären, was dort nicht sein wird, als was dort sein wird. Du fragst, was dort getan wird. Ich nehme meine Antwort aus der Heiligen Schrift: Unser ganzes Tun wird „Amen“ und „Halleluja“ sein. Und wir werden nicht damit aufhören wollen, denn dieses Amen und Halleluja werden wir nicht mit vergänglichen Tönen sprechen, sondern mit der ganzen Kraft des Geistes. „Amen“ bedeutet „wirklich, wahr“, und „Halleluja“ heißt: „Lobt Gott!“ Es wird uns dort nichts feh-len, und deshalb werden wir ganz erfüllt sein. Darum gibt es dort, wenn man so sagen darf, ein unersättliches Erfülltsein. Du wirst dich unersättlich an der Wahrheit sättigen, und du sagt zu dieser unausschöpflichen Wahrheit: „Amen!“ Mit ewiger Freude werden wir das Wahre schauen, denn wir sind von der Liebe zu dieser Wahrheit entflammt. Wir werden den Herrn in Freude und Lauterkeit umarmen und ihn mit unsrer ganzen Stimme loben, indem wir rufen: „Halleluja!“ Augustinus

Lk 20,37: Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose angedeutet bei dem Dornbusch, wo er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.

Bezug auf die Urväter: Gott begegnet Moses im brennenden Dornbusch. Weil Mose Gott in dieser direkten Form noch nicht begegnet ist, braucht es ein Erkennungszeichen Gottes. Das Zeichen, das Gott dem Mose gibt ist die Einordnung Gottes als Gott der Väter. Indem sich Gott als Gott der Väter offenbart, zeigt er Mose: Du kennst mich, vertrau mir. Denn so wie du jetzt, so sind auch vor dir dein Vater und Abraham und Isaak und Jakob mir begegnet jeder auf seine eigene Weise. Jesus macht so deutlich, dass Mose mit dieser Begegnung hineingenommen wird in eine Reihe von Menschen, die Gott erkannt und bezeugt haben und mit ihm eine besondere Beziehung eingegangen sind. Und diese Beziehung als Gottesbeziehung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie andauert auch über den Tod hinaus. Gott spricht am Dornbusch über die Glaubensväter des Moses so als wären sie aktive Bezugspersonen. Und genau das sind sie: Sie sind lebendig.

Worte von Irenäus: Derjenige, der aus dem Dornbusch zu Mose sprach und sich als Gott der Väter zu erkennen gab, ist der Gott von Lebenden. Das hat unser Herr und Lehrer klar ausgesprochen. Wenn er nämlich nicht der Gott von Toten ist, sondern von Lebenden, und wenn er der Gott der entschlafenen Väter genannt wird, dann leben sie zweifellos für Gott und sind nicht zugrunde gegangen. Denn sie sind „Söhne der Auferstehung“. Die Auferstehung aber ist unser Herr selbst, wie er gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Die Väter sind seine Söhne; beim Propheten heißt es ja: „Anstel-le deiner Väter hast du deine Söhne bekommen.“ Christus selbst ist folglich zusammen mit dem Vater der Gott der Lebenden, der mit Mose gesprochen und sich den Vätern gezeigt hat.

Lk 20,38: Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn sind alle lebendig.

Gott der Lebenden: An einen Gott der Lebenden zu glauben bedeutet dementsprechend, an einen Gott zu glauben, dessen Beziehungen niemals aufhören. Gott führt die Beziehung zu den Menschen fort, auch wenn die Menschen ihre irdischen Beziehungen hinter sich lassen und sterben. Der Tod ist damit keine Grenze für die Beziehung zu Gott, bei ihm geht bleibt man lebendig.

Christus selbst ist das Leben. Das „Leben in Fülle“, das dir Jesus zusagt, meint nicht ein Leben voll Gesundheit, Glück, Harmonie u.a., sondern ein Leben in, mit und durch ihn, in welchen äußeren und inneren Umständen auch immer du dich befindest (Krankheit, Konflikte, Streß….). Diese Beziehung zu ihm ist der Schlüssel zu deinem Leben. Oh Mann, wie lange hat es gebraucht, bis ich das kapierte. Darum heißt es bei Paulus: „Der Herr richte euer Herz darauf, dass ihr Gott liebt.“ (2 Thess 3,5). Durch diese Beziehung erkennst du Christus immer mehr und wirst ihm ähnlicher.

Ewiges Leben: Wenn der Horizont über den Tod hinausgeht, wird das Leben bedeutsam. Zu wissen, dass Gott selbst garantiert, dass mit dem Tode nicht alles vorbei ist, kann so unendlich tröstlich sein, aber es stellt auch in die Verantwortung, das Leben heute im Lichte Gottes zu sehen, weil bei ihm noch einmal alles zur Sprache kommt, was in diesem Leben gewesen ist.

Lk 20,39: Da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast gut geantwortet!‭

Die Antwort Jesus: Wie gütig Du bist, mit solcher Sanftheit, Genauigkeit und Geduld auf Fragen zu antworten, welche entweder boshaft oder aber zumindest mit wenig Respekt gestellt werden, um Dich auf die Probe zu stellen oder welche zumindest Ausdruck purer Neugierde sind! Folgen wir dem Beispiel unseres Herrn und antworten mit Sanftheit, Wohlwollen und Geduld auf die uns gestellten Fragen, selbst wenn diese boshaft oder ironisch von unseren Feinden gestellt werden, oder wenn es sich um indiskrete, lächerliche Fragen handelt, die aus reiner Neugierde von Orientierungslosen, Müßiggängern oder Spöttern gestellt werden. Ahmen wir mit dieser unabänderlichen und universellen Geduld, diesem unabänderlichen und universellen Wohlwollen, dieser unabänderlichen und universellen Sanftheit die göttliche Güte unseres Herrn Jesus Christus nach. Dies wird uns nicht schwerfallen, wenn wir uns das vergegenwärtigen, wessen wir uns immer in unseren Beziehungen mit unserem Nächsten erinnern sollten: jeder Mensch ist Teil Christi. Was wir einem der Geringsten getan haben, tun wir Jesus. Wir sollen so mit den anderen umgehen wie Jesus es getan hat, wie er es tun würde. Charles de Foucauld

Lk 20,40: ‭Und sie getrauten sich nicht mehr, ihn etwas zu fragen.‭

Lk 20,41-44: Gespräch mit führenden Juden

Auslegung und Kommentar zu Lk 20,41-44

Parallelstellen: Mt 22,41-46; Mk 12,35-37

Lk 20,41: Wieso sagen sie, dass der Christus Davids Sohn sei?

Jesus kritische Denkfrage: Jesus prüfte ihre Vorstellung, dass sie bereits alles über den Messias wussten. Er bat sie, zu bedenken, dass sie vielleicht nicht alles über den Messias wissen und vielleicht etwas zu lernen haben.

Worte von Ambrosius: Aus dem Schoß der Jungfrau ist er geboren, Diener und Herr zugleich. Diener, um ein Werk zu vollbringen, Herr, um Befehle zu erteilen, um Gott ein Königreich im menschlichen Herzen einzurichten. Er hat eine doppelte Herkunft, ist aber ein einziges Wesen. Er ist nicht jemand anderes, wenn er aus dem Vater hervorgeht und nicht jemand anderes, wenn er aus der Jungfrau hervortritt. Sondern er ist derselbe, der vor aller Zeit aus dem Vater geboren, zur festgesetzten Zeit von der Jungfrau Fleisch angenommen hat. Darum wird er sowohl Diener als auch Herr genannt: Diener wegen uns, aber aufgrund der Einheit mit dem göttlichen Wesen, dem Gott von Gott, dem Ursprung allen Ursprungs, ist er Sohn, der dem Vater in allem gleich ist und somit Gott gleich. Ambrosius

Lk 20,42: Doch sagt David selbst im Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem Herrn.

Worte von Ambrosius: Indem er Fleisch annimmt, verliert er nichts von seiner Größe, die kein Ende kennt. Als Sohn Gottes ist er also Gott gleich und indem er Mensch wurde, hat er die Knechtsgestalt angenommen. Wie gut ist doch diese Knechtsgestalt, die uns alle befreit hat! Wahrlich, wie gut ist sie! Sie hat ihm den Namen verdient, der größer ist als alle Namen! Wie gut ist seine Erniedrigung! Sie hat bewirkt, dass alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr. Ambrosius

Lk 20,42: Setze dich zu meiner Rechten.

Sitzen zur Rechten: Dieses Sitzen sollen wir nicht auf menschliche Weise verstehen als ob der Vater zur Linken und der Sohn zur Rechten säße; sondern unter der Rechten haben wir die Macht zu verstehen, welche jener von Gott aufgenommene Mensch erhielt, damit er als Richter komme, der zuerst kam, um gerichtet zu werden. Er sitzt also zur Rechten Gottes des Vaters, weil das vom väterlichen Wesen hervorgehende Wort Mensch wurde, ohne die göttliche Macht zu verlieren.

Lk 20,43: ‭bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!

Lk 20,44: David nennt ihn also Herr; wie kann er dann sein Sohn sein?

Lk 20,45-47: Warnung vor Schriftgelehrten

Auslegung und Kommentar zu Lk 20,45-47

Parallelstellen: Mt 23,1-12; Mk 12,38-40

Lk 20,45: ‭Als aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern:‭

Lk 20,46: In der Synagoge sitzen sie am liebsten in der ersten Reihe, und bei den Festen wollen sie die Ehrenplätze bekommen.

Wahre Größe kann klein sein. Wenn es Menschen genügt, dem Schein nach Geltung zu erlangen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich künstlich aufblähen. Etwas abwertend nennen wir sie dann hin und wieder Wichtigtuer. Wenn aber ein Mensch seine Identität vor Gott-Vater kennt und in ihr ruht, dann kann er sich vor anderen klein machen und muss sich nicht aufblähen. Denn vor Gott sind wir die geliebten, geschätzten Kinder voller Würde und Segen. Wir müssen nicht nach Achtung suchen, denn wir haben sie bereits. Wer seine Größe erkennt und erfährt (die Gott ihm schenkt), der kann sich in dieser Welt klein machen. P. Klaus Einsle LC

Lk 20,47: ‭Sie fressen die Häuser der Witwen und sprechen zum Schein lange Gebete; diese werden ein umso schwereres Gericht empfangen!‭

Hintergrund: Viele Juden zur Zeit Jesu lehrten, dass Lehrer fast wie Gott zu respektieren seien; Sie sagten, dass sie mehr Ehre und Respekt verdienten als alle anderen Menschen im Leben. Sie lehrten, dass die beste Tat, die jemand tun kann, darin besteht, einem Lehrer Geld zu geben. Natürlich waren es die Lehrer selbst, die das gelehrt haben!


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 20.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste