Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Lukas Evangelium Lk Kapitel 19 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 19

Lk 19,1-10: Jesus begegnet Zachäus

Auslegung und Kommentar zu Lk 19,1-10

Lk 19,1-2: Er kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Da war ein Mann, genannt Zachäus, ein Oberzöllner, und dieser war reich.

Die Person Zachäus: Zachäus, ein Oberzöllner, einer der mit den Römern zusammen arbeitete, gemieden, ein Sünder, ein Betrüger bei der Zolleintreibung, schlicht ein schlechter Mensch. Schnell ist das Urteil über den anderen da und geht mit der inneren Verurteilung Hand in Hand. Geht es uns nicht oft auch so, wenn der andere aus unserer Sicht offensichtlich schlecht handelt. Und doch zeigt der weitere Verlauf, dass im Herzen von Zachäus ein guter Kern war. Darum: Urteilt niemals voreilig! Wenn wir im Bild gesprochen einem Zachäus begegnen, der Schlechtes tut, dann lasst uns bemühen, in die Tiefe zu sehen, an das Gute im anderen zu glaubend. Hüten wir uns vor dem Hochmut. In jedem von uns tobt doch der Kampf zwischen Gut und Böse. Wir alle tragen in uns dunkle und helle Seiten.

Lk 19,3: Er wollte gerne Jesus sehen, wer er sei und konnte es nicht wegen der Volksmenge. Denn er war von kleiner Gestalt.

Jesus sehen: Zachäus hat so wie wir eine Sehnsucht nach Jesus. Aber in der namenlosen Menge, dem nebulösen „man“, wird er und werden wir Jesus nicht wirklich sehen im geistlichen Sinn. In dieser Menge gehen wir in unserer Kleinheit unter. Die Menge verstellt ihm den Blick. Welche Dinge verstellen in meinem Leben den intimen, einzigartigen Blick auf Jesus? Die lebendige Gemeinschaft der Christen lebt ja aus den je individuellen, intimen Beziehungen zum Herrn.

Worte von Augustinus: Höre zu, ich fordere dich auf, klein zu sein wie Zachäus und dich nicht zu überheben. Aber du wirst sagen: „Wenn ich wie Zachäus werde, kann ich wegen der Volksmenge Jesus nicht sehen.“ Sei nicht traurig! Steig auf den Baum, an dem Jesus für dich gehangen hat, und du wirst Jesus sehen! Sieh doch den Zachäus, sieh, ich bitte dich! Er will in der Menge Jesus sehen und kann es nicht. Er war demütig, die Menge war stolz. Die Menge hinderte sich selbst daran, Jesus richtig zu sehen – wie das immer so ist.

Lk 19,4: Da lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen. Denn dort sollte er vorbeikommen.

Zachäus auf dem Baum: Zachäus nun klettert auf einen Baum, er allein, kein anderer. Er setzt sich von der Menge ab, klettert wie ein Kind auf einen Baum. Augustinus deutet diesen Baum auf den Baum, das Kreuz, an dem Jesus für uns gegangen hat. Erst auf diesem Baum wird Zachäus Jesus sehen bzw. vielmehr von ihm gesehen werden. Erst im Blick auf das Kreuz erkennen wir unser Heil und unsere Erlösung.

Er kletterte wie ein kleiner Junge auf den Baum, und ohne es zu wissen, erfüllte sich das Wort Jesu, dass wir das Reich Gottes nicht sehen werden, wenn wir nicht wie Kinder werden. Wie der Blinde durch noch, lauteres Rufen die Menge überwand, so bestieg der Kleine, das Irdische verlassend, den Kreuzesbaum und entging der verhindernden Menge.

Lk 19,5: Als Jesus an den Ort kam, blickte er auf und sah ihn und sprach zu ihm: Zachäus.

Jesus ruft Zachäus: Jesus begann damit, Zachäus beim Namen zu rufen. Jesus wusste, wie wichtig der Name einer Person ist. Dies war vielleicht das erste Mal, dass Zachäus jemanden außer seiner Mutter auf freundliche Weise seinen Namen sagen hörte. Jesus wusste, wie wichtig ein Name ist. Er sagte, dass er seine Schafe beim Namen ruft.

Der Name Zachäus heißt: Der Name Zachäus heißt: Gott denkt an mich! Das heißt: er kennt mich beim Namen und kennt mein Innerstes besser als ich selbst. Da ist Gott, der an mich denkt. Für ihn bin ich wichtig und wertvoll. Wunderbar und letztlich unbegreiflich. Jesus schaut nun Zachäus an. Augustinus schreibt dazu: Wäre Zachäus nicht gesehen worden, würde er selbst nicht sehen. Damit wir sehen, wurden wir gesehen. Damit wir lieben, wurden wir geliebt. Dies ist diese innigste wechselseitige Beziehung zu Jesus.

Corrie ten Boom: Wenn wir auf uns selbst sehen, können wir nicht vom Herrn gebraucht werden; aber wenn wir zu Jesus aufschauen, macht er uns zu seinem Spiegel. 

Lk 19,5: Steige schnell herab.

Jesus sagt, wir sollen hinabsteigen: Wohin sollen wir denn herabsteigen? Einst fragten die Juden unseren göttlichen Erlöser: Meister, wo wohnst du? und er antwortete ihnen: Die Füchse haben ihre Höhle und die Vögel des Himmels ihre Nester, und ich habe nicht, wohin ich mein Haupt legen kann. Das ist es, wohin wir hinabsteigen müssen, um Jesus als Wohnung dienen zu können. So arm sein, dass wir nichts haben, wohin wir unser Haupt legen. Es handelt sich um ein inneres Geschehen. Jesus wünscht, dass wir ihn in unseren Herzen empfangen. Ich will, dass Jesus wenigstens in meinem Herzen sein Haupt zum Ausruhen hinlegen kann und dass er fühlt, hier wird Er erkannt und verstanden! Theresia vom Kinde Jesu

Jesus spricht auch zu uns: Komm herab! Komm zu mir! Lass dich ein mit mir und lass mich eintreten bei dir!

Joh 19,5: Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.

Das Bleiben Jesus: Dies „Bleiben“ Jesus bei mir und mein Bleiben bei ihm steht im Johannesevangelium im Kapitel 15, 1-8 in der Rede vom Weinstock.im Mittelpunkt. Augustinus schreibt: Dir sei Gott ein Haus, und du sei ein Haus Gottes! Bleib in Gott, und Gott möge in dir bleiben! Gott bleibt in dir, um dich festzuhalten, du bleibst in Gott, um nicht zu fallen.

Lk 19,5-7: Heute muss ich in deinem Haus einkehren! Er stieg schnell herab und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie es aber sahen, murrten sie alle.

Einkehren in das Haus: Auf die Selbsteinladung Jesus reagiert Zachäus mit Freude. Lassen auch wir Jesus in das Haus unseres Herzens einziehen, laden wir ihn innig ein, dass er zu uns kommt. Mit ihm kommt die Freude und der Frieden. Augustinus schreibt dazu: Christus fand Aufnahme in Zachäus Haus, denn Christus wohnte schon in seinem Herzen. Sieh also: Christus aufzunemen bedeutet, ihn in deinem Herzen aufzunehmen. Die Leute nun, die das sahen, murrten, weil Zachäus ein Sünder war. Wie oft regen wir uns auf über die Fehler anderer! Wie oft lassen wir nichts Gutes an ihnen! Wie leicht urteilen und verurteilen wir! Die Leute verstehen ihr Murren als Ausdruck ihrer Liebe zur Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit der Liebe aber kennen sie nicht.

Augustinus: Doch ist dies Verhalten der Menge so, als ob man sich darüber ärgert, wenn ein Arzt das Haus eines Kranken betritt. Wäre Christus nicht eingetreten, dann wäre diesem Haus kein Heil widerfahren.

Lk 19,7: Als sie es aber sahen, murrten sie alle und sprachen: Er ist bei einem sündigen Mann eingekehrt, um Herberge zu nehmen!

Augustinus: Doch ist dies Verhalten der Menge so, als ob man sich darüber ärgert, wenn ein Arzt das Haus eines Kranken betritt. Wäre Christus nicht eingetreten, dann wäre diesem Haus kein Heil widerfahren.

Lk 19,8: Zachäus aber trat hin und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfältig zurück!

Bedenke: In Anbetracht der Art und Weise, wie er sein Geld verdient hatte, war es unwahrscheinlich, dass dies eine kurze Liste sein würde.

Buße des Zachäus: Zachäus ist von der Liebe Jesu berührt. Unter dem Einfluss dieser Berührung zerbröckelt sein steinernes Herz. In ihm wird der Wunsch wach, sein Leben zu ändern. Sein Verlangen drückt sich in konkreten Taten aus. Umkehr und Buße sind nicht Voraussetzung für das Heil. Sie werden vielmehr durch Gottes heilschaffende Zuwendung, wie sie sich in der Zuwendung Jesu vollzieht, erst ausgelöst. Die Begegnung mit Christus verwandelt uns. Das sittliche Streben, das aus der Aufnahme Jesu in unser Leben hervorgeht, entspringt aus der Dankbarkeit, die unverdiente Nähe des Herrn erfahren zu haben.

Bonhoeffer: Es ist ein stiller, ein wunderlicher und langsamer Weg, der Weg, der durch die Buße zur Erneuerung führt. Aber es ist allein der Weg Gottes.

Lk 19,9: Jesus sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist.

Heil für das Haus: Wir sind Eingeladene zum Heil. Wir sind in dieses Dasein getreten als erwünscht, als eingeladen, als berufen. In Christus sind wir dies. In Christus wird Zachäus, werden wir eine neue Schöpfung, die uns frei macht von der Sünde und bereit zur Umkehr. Er nimmt hinweg die Schuld der Welt. Unser Dasein ist erlöst von allem Tödlichen, wir dürfen ewig leben in der Herrlichkeit des Glaubens, dass es Golgota gibt, dass es Ostern gibt, dass es Pfingsten gibt, jetzt und jetzt und jetzt.

Lk 19,10: Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Worte von Charles de Foucauld: Lasst uns nicht handeln wie die Hirten, die die gut tragenden Schafe liebevoll pflegen und die kranken vernachlässigen. Alle sind Glieder Jesu, alle haben das gleiche Recht auf geistliche Liebe. Aber die Kranken haben Anrecht auf mehr Pflege, weil sie sie nötiger haben. Sie haben Anrecht drauf, dass man sich um sie als erste kümmert, weil dies noch mehr drängt. Vernachlässigen wir daher nicht die Sünder wegen der Heiligen, weder die Armen wegen der Reichen, noch die Unglücklichen wegen der Glücklichen. Pflegen wir die verletzten Glieder Jesu, bevor wir die gesunden Glieder mit Duft erfüllen, alles indem wir gleichermaßen die einen wie die anderen lieben.

Lk 19,11-27: Vom anvertrauten Geld

Auslegung und Kommentar zu Lk 19,11-27

Lk 19,11: ‭Als sie aber dies hörten, fuhr er fort und sagte ein Gleichnis, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Reich Gottes würde unverzüglich erscheinen.‭

Die Nähe Jerusalems und des Paschafestes haben die Hoffnung der Menschenmenge erhitzt: das Reich Gottes ist nahe, jetzt muss der „Sohn Davids“ sich als König Israels offenbaren. Das Gleichnis von dem anvertrauten Geld (zehn Goldstücke, „Minen“) will klarstellen, dass die Zeit noch nicht gekommen ist. Der Königssohn des Gleichnisses bekommt die Königskrone, aber erst, wenn er von seiner großen Reise zurückkehrt.

Lk 19,12: Er sprach nun: Ein Edelmann zog in ein fernes Land, um sich die Königswürde zu holen und dann wiederzukommen.

Das ferne Land und die Königswürde. Der Mann vornehmer Herkunft ist Christus Jesus selbst, der in ein fernes Land reist, das heißt, zu seinem Vater geht, – dorthin also, wohin ihm niemand folgen kann, ohne zu sterben. Konkret heißt das, dass der Erlösertod am Kreuz für ihn Tor und Durchgang zu seinem himmlischen Vater wird. Vor ihm angelangt, wird er sich mit seinen fünf Wunden – mit seiner Hingabe in vollendeter Liebe für das eigene Volk – als der ausweisen, der die Königswürde wirklich verdient, und er wird sie von Gott Vater empfangen. Gibt es einen würdigeren Anwärter darauf, über unsere Seelen zu herrschen? P. Thomas Fox LC

Worte von Thomas Fox: Ein solcher König hat nichts rein Weltliches oder Irdisches im Sinn, wenn er seine Diener damit beauftragt, Geschäfte zu machen. Die Mine, die er ihnen übergibt, ist weniger ein Geldbetrag als das Vermächtnis seiner Liebe, der Preis der Erlösung: sein kostbares Blut, die Eucharistie, sein Liebe verströmendes Herz. Es geht auch nicht darum zu vergleichen, wie viele Früchte jeder einfährt, denn im Reich des Herrn freut sich jeder über den Erfolg anderer und das Heil aller steht im Mittelpunkt. Jeder hofft, dass alle sich gerade im Kleinsten als zuverlässig erweisen, denn ein einziger Akt uneigennütziger Liebe, vollzogen im Geist der Demut und Dienstbereitschaft, ist göttlich, strahlt von selbst, erinnert an den Herrn und ist mehr wert als tausend publikumswirksame Taten. Wer aber in dieser Liebe untätig war und nicht im Kleinsten investiert hat, der muss wahrlich um seine Aufnahme fürchten.

Worte der goldenen Perle: Er bezeichnet damit, daß er in ein fernes Land reiste, die eigene Auffahrt von der Erde in den Himmel, und drückt mit den Worten: Um sich das Reich zu nehmen und zurückzukehren, seine glorreiche und königliche Erscheinung aus. Und zuerst nennt er sich Mensch wegen der Geburt im Fleisch, sodann angesehen. Er nennt sich noch nicht König, weil er bei der ersten Erscheinung noch nicht die königliche Majestät bekleidete. Goldene Perle

Lk 19,13: Und er rief zehn seiner Knechte, gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!

Die Diener des Königs: Das sollen die Gläubigen sein als Vorbild dafür, wie wir Gott dienen sollen mit allem, was wir haben. Das Geld, das der Herrscher den Dienern anvertraut, soll für das stehen, was Gott uns anvertraut. Das Verb für das Aushändigen des Geldes ist sogar dasselbe, was später die Auslieferung Jesu zu seinem Tod beschreibt. So wie der Herrscher gibt, so soll Gott geben: Das Beste, was er hat, großzügig und vertrauensvoll. Der Tod Jesu soll der Beweis dafür sein. Hier gibt Gott das Beste, was er hat.

Überlege: Ich kehre zu den wichtigsten Augenblicken des vergangenen Lebensabschnitts zurück. Welche Gaben und Talente sehe ich in mir? Welche guten Eingebungen habe ich in meinem Herzen gespürt? Was erkenne ich als größtes Geschenk in der vergangenen Zeit? Jesus macht mir bewusst, dass alles Gute Seine Gabe ist. Er hat es mir anvertraut. Er vertraut mir. Er erwartet von mir Großzügigkeit und Einsatz im Leben. Wie habe ich das Gute, das ich in diesem Jahr erhalten habe, investiert? P. Wons

Lk 19,14: ‭Seine Bürger aber hassten ihn und schickten ihm eine Gesandtschaft nach und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!‭

Lk 19,15: Und es geschah, als er wiederkam, nachdem er die Königswürde empfangen hatte, da ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, vor sich rufen, um zu erfahren, was jeder erhandelt habe.

Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn jeder bei seinen Geschäften erzielt hatte. Jesus fragt mich danach, was ich als Mensch, als Christ, erzielt habe. Was habe ich in meiner Berufung erzielt? Ich schaue bei dieser Frage auf meine Menschheit, auf meinen Glauben, auf meine Berufung.

Lk 19,16: Da kam der erste und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund dazugewonnen!

Treue Diener: Der Hauptpunkt dieses Gleichnisses ist klar; das Königreich wird sich verzögern, also müssen wir uns in der Zwischenzeit darauf konzentrieren, treue Diener zu sein. Unser Meister ist in ein fernes Land gegangen und wird eines Tages mit seinem Königreich zurückkehren. In der Zwischenzeit wird uns befohlen, Geschäfte mit dem zu machen, was er uns gegeben hat, bis er wiederkommt. Im christlichen Leben stehen wir nicht still. Wir nutzen unsere Gaben und machen Fortschritte oder wir verlieren, was wir haben.

Lk 19,17: ‭Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben!‭

Lk 19,18: Und der zweite kam und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund erworben!

Lk 19,20: Und ein anderer kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich im Schweißtuch aufbewahrt habe!

Der dritte Diener: Als der Herr zurückkommt, findet er, dass zwei seiner Knechte gut gearbeitet haben, und beschenkt sie dafür umso mehr. Der dritte jedoch offenbart in diesem Moment sein wirkliches Denken über seinen Herrn: Er hält ihn für einen strengen, ungerechten Herrscher, und hat nur aus Angst auf das Pfund aufgepasst, aber nichts weiter getan. Dafür wird ihm auch das eine Pfund genommen, und er steht mit nichts da. Dies erinnert uns daran, dass es unsere Aufgabe ist, mit dem Geschenk Gottes, nämlich den Talenten, die er uns gegeben hat, sorgsam umzugehen. Im Vertrauen darauf, dass er uns liebt und, wenn er wieder kommt, noch etwas viel Größeres schenken wird, können wir in unserem Leben Frucht bringen

Lk 19,21: ‭Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist; du nimmst, was du nicht eingelegt, und erntest, was du nicht gesät hast.‭

Worte von Papst Franziskus: Dieses Gleichnis lässt uns verstehen, wie wichtig es ist, eine wahre Vorstellung von Gott zu haben. Wir dürfen nicht denken, dass er ein böser, harter und strenger Herr ist, der uns bestrafen will. Wenn in uns dieses falsche Gottesbild ist, dann wird unser Leben nicht fruchtbar sein können, da wir in der Angst leben werden, und das wird uns zu nichts Konstruktivem führen, im Gegenteil, die Angst lähmt, sie führt zu unserer Selbstzerstörung. Wir sind zum Nachdenken aufgerufen, um zu entdecken, wie unsere Vorstellung von Gott wirklich ist. Und Jesus hat uns immer gezeigt, dass Gott kein strenger und intoleranter Gebieter ist, sondern ein Vater voller Liebe und Zärtlichkeit, ein Vater voller Güte. Daher dürfen und müssen wir ein unendlich großes Vertrauen in ihn haben.

Lk 19,22: ‭Da sprach er zu ihm: Nach ‭dem Wort‭ deines Mundes will ich dich richten, du böser Knecht! Wusstest du, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich nehme, was ich nicht eingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?‭

Lk 19,23: ‭Warum hast du dann mein Geld nicht auf der Bank angelegt, sodass ich es bei meiner Ankunft mit Zinsen hätte einziehen können?‭

Das Interesse des Gleichnisses liegt beim dritten der Knechte. Er hat das Vermögen seines Herrn nicht verschleudert, er hat überhaupt nichts Böses getan, und doch wird ihm gesagt: „Du bist ein schlechter Diener.“ Wo liegt seine Schuld? Er hat sich von seinem Herrn distanziert, er hatte nur Furcht, kein Vertrauen; der Herr und seine Sache blieben ihm fremd. Weil er seinen Herrn für hart hielt, wird er hart gerichtet. Es genügt also nicht, Gott zu gehorchen, nur weil er der Mächtigere ist; das wäre ein toter Gehorsam. Es gibt kein Leben ohne Vertrauen, ohne Liebe. Erzabtei Beuron

Lk 19,24: ‭Und zu den Umstehenden sprach er: Nehmt ihm das Pfund weg und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat!‭

Lk 19,25: ‭Da sagten sie zu ihm: Herr, er hat schon zehn Pfunde!‭

Lk 19,26: ‭Denn ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von ihm wird auch das genommen werden, was er hat.‭

Lk 19,27: ‭Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich König über sie werde— bringt sie her und erschlagt sie vor mir!‭

Leben und Tod: Dieses dramatische und starke Ende zeigt, dass die Reaktion auf die Herrschaft Jesu eine Entscheidung über Leben und Tod ist.

Lk 19,28-44: Einzug in Jerusalem

Auslegung und Kommentar zu Lk 19,28-44

Parallelstellen: Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Joh 12,12-19

Lk 19,28: Und nachdem er das gesagt hatte, zog er weiter und reiste hinauf nach Jerusalem.

Einzug in Jerusalem: Endlich ist Jerusalem, die Tempelstadt, in der sich in der folgenden Woche das größte und heiligste Schauspiel der Welt abspielen wird, in unmittelbarer Nähe. Wohl wissend, was ihn erwartete, wohl wissend, dass er das Kreuz ertragen musste, bevor er das Königreich erhielt, ging Jesus. In seinem Leiden sollten wir Jesus bewundern , nicht bemitleiden . Er wusste genau, was vor ihm war.

Der Psalmsonntag: Der Palmsonntag ist das große Portal, das uns in die Karwoche eintreten läßt. Mögen besonders zwei Grundstimmungen diese Tage beherrschen: der Lobpreis, wie bei denen, die Jesus in Jerusalem mit ihrem „Hosanna“ empfangen haben, und der Dank, weil Jesus uns in dieser Karwoche von neuem das denkbar größte Geschenk machen wird: Er wird uns sein Leben schenken, seinen Leib und sein Blut, seine Liebe. Auf ein so großes Geschenk müssen wir in angemessener Weise antworten, das heißt mit dem Geschenk unserer selbst: unserer Zeit, unseres Gebetes, unseres tiefen, liebevollen Verbundenseins mit Christus, der für uns leidet, stirbt und aufersteht. Die Kirchenväter haben ein Symbol in der Geste gesehen, die Mäntel vor dem Herrn auszubreiten: Vor Christus müssen wir unser Leben, unser ganzes Sein ausbreiten, in einer Haltung der Dankbarkeit und der Anbetung. Papst Benedikt XVI

Lk 19,29: ‭Und es geschah, als er in die Nähe von Bethphage und Bethanien kam, zu dem Berg, welcher Ölberg heißt, da sandte er zwei seiner Jünger‭

Lk 19,30: ‭und sprach: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her!‭

Vorkehrungen: Als Jesus in diese letzte, kritische Woche vor der Kreuzigung kam, sandte er sorgfältig und absichtlich seine Jünger aus, um Vorkehrungen für seine Ankunft in Jerusalem zu treffen. Jesus war schon viele Male zuvor in Jerusalem gewesen; aber diese Reise nach Jerusalem hatte etwas ganz Besonderes.

Lk 19,31: ‭Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sprecht so zu ihm: Der Herr braucht es!‭

Lk 19,32: Da gingen die Abgesandten hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte.

Lk 19,33: Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Besitzer zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los?‭

Lk 19,34: ‭Sie aber sprachen: Der Herr braucht es!‭

Der Herr braucht es: Was für eine einzigartige Wortverbindung hier ist, ‚der Herr‘ und ‚hat Not!‘ Jesus hatte, ohne seine Souveränität aufzugeben, eine Natur voller Bedürfnisse angenommen; dennoch war er in Not immer noch der Herr und konnte seinen Untertanen befehlen und ihr Eigentum beanspruchen. Spurgeon

Lk 19,35: ‭Und sie brachten es zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf.‭

Lk 19,36: Als er aber weiterzog, breiteten sie ihre Kleider aus auf dem Weg.

Für uns als geistliche Handlung bedeutet die Geste des Ausbreitens der Kleider folgendes: Wir dürfen und sollen unser Leben, unser ganzes Sein vor ihm ausbreiten. Auf das Geschenk seiner Lebenshingabe antworten wir mit dem Geschenk unserer selbst: unserer Zeit, unseres Gebetes, unseres tiefen, liebevollen Verbundenseins mit Christus, der für uns leidet, stirbt und aufersteht. Das Ausbreiten der Kleider war weiter die traditionelle Gebärde der Inthronisation des Königs. Jesus ist und kommt als König. Breite täglich neu dein Leben vor unserem König aus!

Lk 19,37: ‭Und als er sich schon dem Abhang des Ölberges näherte, fing die ganze Menge der Jünger freudig an, Gott zu loben mit lauter Stimme wegen all der Wundertaten, die sie gesehen hatten.

Lk 19,38: Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe!

Begrüssung des Herrn: Die Karwoche beginnt mit dem Einzug in Jerusalem, den wir am Palmsonntag feiern. Das ist keine historische Gedenkfeier, denn dieser Palmsonntag ist nichts Vergangenes, das wir nostalgisch sentimental schauspielerisch feiern, nein: wie der Herr damals auf dem Esel in Jerusalem einzog, so kommt er in der demütigen Gestalt von Brot und Wein immer neu zu uns. Die Kirche begrüßt den Herrn in der heiligen Eucharistie als den, der jetzt kommt, der in ihre Mitte getreten ist. Und sie begrüßt ihn zugleich als den, der immerfort der Kommende bleibt und uns auf sein Kommen zuführt. Wir gehen auf ihn zu. Er kommt uns entgegen.

Jesus hat unter uns gewohnt, er ist uns nahe gekommen, er hat uns berührt. Auch heute kommt er zu uns. Papst Franziskus

Christus ist König: Christus heißt aber nicht König, weil er den Tribut einfordert, oder das Heer bewaffnet und die Feinde sichtbar besiegt, sondern weil er über die Herzen gebietet und in das Himmelreich die Glaubenden, Hoffenden und Liebenden führt. Denn daß er über Israel König sein wollte, ist ein Zeichen seiner Erbarmung, nicht eine Vermehrung seiner Macht. Weil aber Christus im Fleisch als das Licht der ganzen Welt aufleuchtete, so stimmen entsprechend himmlische und irdische Wesen sein Lob an. Denn bei seiner Geburt sangen die himmlischen Heerschaaren; da er aber in den Himmel sich zurückbegeben will, bringen ihm die Sterblichen das Lob dar. Goldene Perle

Lk 19,39: Und etliche der Pharisäer unter der Volksmenge sprachen zu ihm: Meister, weise deine Jünger zurecht!

Lk 19,40: Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch: Wenn diese schweigen sollten, dann würden die Steine schreien!

Lob Jesus: Jesus sagte dies, als die Pharisäer ihm sagten, er solle die beruhigen, die ihn lobten und ihn als König annahmen. An diesem Tag sollte Jesus gelobt werden. Während des größten Teils seines Dienstes tat Jesus alles, was er konnte, um die Menschen davon abzuhalten, ihn öffentlich als Messias zu feiern. Hier lud Jesus zu öffentlichem Lob und Anbetung als Messias ein.

Ihr Lob war erfüllt von Erinnerung. Sie erinnerten sich an all die mächtigen Werke, die sie Jesus tun sahen, wie die Auferweckung von Lazarus von den Toten (Joh 12:17-18). Sie erzählten von den großen Dingen, die Gott in ihrem Leben getan hatte.

Lk 19,41: Als Jesus die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über sie.

Jesus weint: Jesus weint auch voller Liebe über uns heutige Menschen, die wir nicht selten eigene Wege gehen, die nicht zum Vater führen. In Jesu Tränen erahnen wir die Tiefe seiner Hingabeliebe zu uns Menschen, die er durch sein Kreuz von der Sklaverei der Sünde befreit hat. Wir Christen sollen uns immer tiefer in die Empfindungen des Erlöserherzens hineinversetzen, damit wir Jesus immer besser verstehen. Thomas und Angela Mayer

Jesus weinte um Jerusalem. Sein Herz war anderen nicht verschlossen. Er war nicht in sich selbst oder seinen eigenen Problemen gefangen. Er opferte sein Leben aus freien Stücken für andere. Andere lehnten ihn ab, er aber lehnte sie nie ab. Er war denen gegenüber, die ihn leiden ließen, nicht ablehnend. Er liebte sie, und er hörte nie auf, sie zu lieben. Wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt, so sehnt sich Gott danach, alle Frauen und Männer an sich zu ziehen. Wir müssen Gott erlauben, uns an sich zu ziehen. James Swanson

Lk 19,42: und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.‭

Lk 19,43: ‭Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, dich ringsum einschließen und von allen Seiten bedrängen werden;‭

Lk 19,44: und sie werden dich dem Erdboden gleichmachen, auch deine Kinder in dir, und in dir keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast!‭

Lk 19,45-48: Tempelreinigung

Auslegung und Kommentar zu Lk 19,45-48

Parallelstellen: Mt 21,12-17; Mk 11,12-19

Lk 19,45: Und er ging in den Tempel hinein und fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben.

Worte von Meister Eckhart: Hierum will Gott diesen Tempel ledig [frei, leer] haben, auf dass denn auch nichts weiter darin sei als er allein. Seht, alle die sind Kaufleute, die sich hüten vor groben Sünden und wären gern gute Leute und tun ihre guten Werke Gott zu Ehren, wie Fasten, Wachen, Beten und was es dergleichen gibt, allerhand gute Werke, und tun sie doch darum, dass ihnen unser Herr etwas dafür gebe oder dass ihnen Gott etwas dafür tue, was ihnen lieb wäre: dies sind alles Kaufleute. Das ist im groben Sinn zu verstehen, denn sie wollen das eine um das andere geben und wollen auf solche Weise markten mit unserm Herrn. Bei solchem Handel sind sie betrogen.

Worte der goldenen Perle: Auch ist der Tempel selbst die Seele der Gläubigen, in der wie in einer Höhle die Räuber wohnen, wenn sie verkehrte Gedanken zur Verletzung des Nächsten hervorbringt. Wenn sie aber die Seele der Gläubigen zur Vermeidung der Übel weise unterrichtet, so lehrt täglich die Wahrheit im Tempel. Goldene Perle

Lk 19,46: Mein Haus ist ein Bethaus. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!‭

Problem: In diesem Aufruhr des Kaufens und Verkaufens und Feilschens und Versteigerns war Gebet unmöglich. Diejenigen, die Gottes Gegenwart suchten, wurden von genau den Leuten des Gotteshauses davon ausgeschlossen.

Acht geben auf unseren inneren Ort: Dieser innerste heilige Ort im Menschen kann verstellt sein durch allerlei Gerümpel, Geld, Besitz und weltliche Interessen. Böse und niedrige Gedanken können in uns so sehr die Oberhand gewinnen, dass für Gott kein Platz mehr ist. Der Mensch kann unter seiner Würde leben und das Heiligste vergessen, verdrängen, ausschließen. Wir können Gott zwar hinauswerfen. Gott aber geht nimmer in die Ferne. Wir können Gott vergessen, er vergisst uns nie. Er wartet auf uns. Suchen wir die Stille, das Gebet und den Nächsten, denn dort lässt er sich finden.

Achte auf deine Seele, auf dass sie im Einerlei des Alltags Gott nicht vergisst.

Lk 19,47: Und er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen;‭

Lk 19,48: ‭doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.‭


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 19.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste