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Lukas Evangelium Lk Kapitel 18 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 18

Lk 18,1-8: Über das Beten: Witwe und Richter

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,1-8

Lk 18,1: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden.

Zum Gleichnis: Das Gleichnis vom Richter und der Witwe findet sich nur im Lukasevangelium. Das Gleichnis schildert eine Witwe, die nicht aufhört, für ihr Recht zu kämpfen, obwohl der Richter korrupt und untätig ist. Die Grundaussage von diesem Gleichnis ist, dass wir alle Zeit beten sollen eben so wie diese Witwe. Alle Zeit zu beten ist dabei nicht zu verstehen als eine Anweisung zum Dauerbeten, sondern vielmehr ein Aufruf, das Gebet als durchziehendes Moment der Existenz zu verstehen. Der Glaube versichert uns, daß Gott unser Gebet hört und zur rechten Zeit erfüllt, auch wenn die tägliche Erfahrung diese Gewißheit immer wieder auch zu verneinen scheint. Dennoch: Haltet daran fest!

Wenn ich auch nur einen einzigen Tag das Gebet vernachlässige, verliere ich viel vom Feuer des Glaubens. Martin Luther

Worte von Augustinus: Damit wir dieses glückselige Leben erlangen, lehrt uns Gott, der das wahre Leben ist, dass wir nicht mit vielen Worten beten sollen, etwa so, als könnten wir das Leben um so mehr erlangen, je redegewandter wir sind. Vielmehr beten wir doch zu dem, der uns selbst gesagt hat, dass er weiß, was wir brauchen, noch bevor wir es von ihm erbitten. Man mag sich wundern, dass der Herr, der weiß, was wir brauchen, noch ehe wir ihn darum bitten, nicht will, dass wir viele Worte machen, aber dass er uns dennoch ermahnt: Man muss allezeit beten und darf davon nicht ablassen. Augustinus

Geist des Gebets: Jesus meinte nicht, dass wir beim Gebet immer die Knie gebeugt und die Augen geschlossen haben sollten; aber wir müssen immer in dem sein, was manchmal der Geist des Gebets genannt wird. Paulus erwähnte diesen Gedanken in 1. Thessalonicher 5,17, als er schrieb: Betet ohne Unterlass . Es ist schwer zu ermessen, wie viel Gutes ein solches ständiges Gebet tun würde und wie viel Schlechtes es uns davon abhalten würde.

Den Mut zum Gebet nicht verlieren: Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren, weil das Gebet harte Arbeit ist, der wir allzu oft leichtfertig begegnen. Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren, weil der Teufel das Gebet hasst. Wenn das Gebet machtlos wäre, wäre es einfach. Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren , weil wir nicht immer von der Realität der Kraft des Gebets überzeugt sind. Zu oft wird das Gebet zum letzten Ausweg statt zur ersten Ressource.

Lk 18,2: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.

Der ungerechte Richter: Die Witwe war mittellos. Aber der Richter zeigt keine Barmherzigkeit. Nach dem Gesetz hätte er es tun müssen, aber er führte kein geistliches Leben. Für uns dient der Richter als Negativ-Spiegel für die Wichtigkeit des geistlichen Lebens. Nachlässigkeit im geistlichen Leben lässt es in unserer Seele dunkel werden. Das beginnt sehr häufig mit der Vernachlässigung des persönlichen Gebetes. Daher betet alle Zeit, haben wir in Gott doch einen wunderbaren, gerechten und barmherzigen Richter, der uns hört und nicht überhört.

Ich konnte als Wurzel aller Schwierigkeiten die Vernachlässigung des Gebets ausmachen. Mutter Teresa

Unser Gott dagegen ist ein gerechter, wunderbarer Richter: Wir kommen zu einem Richter von perfektem, gutem Charakter. Wir kommen zu einem Richter, der sich gerne um seine Kinder kümmert. Wir kommen zu einem freundlichen und gütigen Richter. Wir kommen zu einem Richter, der uns kennt. Wir kommen zu diesem Richter mit einem Anwalt, einem Freund, der unseren Fall vor dem Richter vertreten wird. Wir kommen zum Richter mit Versprechungen, uns Mut zu machen. Wir kommen mit dem Recht auf ständigen Zugang zum Richter, zu einem Richter, der ein persönliches Interesse an unserem Fall hat.

Lk 18,3: Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!

Beharrlichkeit: Die Frau war hartnäckig. Darin ist sie uns ein Vorbild. Bisweilen werden wir müde, zu beten, wir haben den Eindruck, daß das Gebet keinen großen Nutzen bringt für das Leben, daß es wenig wirksam ist. Daher sind wir versucht, uns in Aktivitäten zu stürzen, alle menschlichen Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen und wir wenden uns nicht mehr an Gott. Wenn der Glaube von der Liebe zu Gott erfüllt ist, der als guter und gerechter Vater erkannt wird, so wird das Gebet beharrlich, eindringlich, es wird ein Seufzen des Geistes, ein Schrei der Seele, der in das Herz Gottes dringt. Auf diese Weise wird das Gebet die stärkste Kraft, die die Welt verwandelt.

Wir sind schnell im Beten. Doch auch schnell im Aufgeben. Das wirst du sicher auch schon erlebt haben. Es liegt dir etwas so arg auf dem Herzen, doch nachdem du eine Weile dafür gebetet hast – und sich nichts getan hat – hast du dieses Thema wieder aufgegeben. Diese Woche wollen wir uns wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, dranzubleiben, und dass Gottes Schweigen oft sehr viel zu sagen hat! Déborah Rosenkranz

Demut. Die Tugend, die viele Heilige als „Fundament“ aller Tugenden bezeichnet haben, die Demut, ist auch grundlegend für das Gebet. Wir werden nur dann beten und Gott um seine Gnaden bitten können, wenn wir erkennen, dass wir ihrer bedürfen. Nur wenn wir wie diese Witwe uns selbst als arm und bedürftig erkennen, können wir uns Gott in Wahrhaftigkeit nähern. Wer schon alles hat, braucht nicht zu fragen, er braucht Gott nicht. Wie oft hören wir das in unserer Kultur: „Wir brauchen Gott nicht mehr.“ Wir aber haben deutlich erkannt, dass wir Gott brauchen, dass wir ohne ihn nichts tun können, und so nähern wir uns ihm demütig im Gebet und öffnen ihm unser Herz. José Andrés González Fernández 

Lk 18,4-5: Lange Zeit stieß sie bei ihm auf taube Ohren, aber schließlich sagte er sich: Mir sind zwar Gott und die Menschen gleichgültig, aber diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich.

Die Erfüllung des Anliegens: Der Richter reagiert lange Zeit mit unglaublicher Kälte auf die Frau. Kein Erfolg, Gefahr der Resignation bei der Frau. Für unser Beten: Angesichts Erfolglosigkeit oder täglicher Beschwerlichkeiten des Lebens neigt unser Herz zum Ruf: Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht? Warum zögerst du Gott? Dabei übersehen wir oft, dass gerade solche Verzögerungen uns verwandeln, uns im beharrlichen Gebet festigen. Zuletzt nun verhilft der Richter genervt der Frau zu ihrem Recht. Wenn nun hier beharrliches Bitten erhört wurde, um wie viel sicherer müssen wir sein, die Gott beharrlich bitten, den Quell der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit. Daher dürfen wir nie verzweifeln, sondern müssen immer beharrlich im Gebet sein.

Im Licht des Glaubens bin ich stark, standhaft und beharrlich, im Licht des Glaubens hoffe ich. Katharina von Siena 

Worte von Augustinus: Der ungerechte Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm, hörte dennoch auf die Witwe, die ihn um Hilfe anrief. Doch er hörte mehr deshalb, weil er es leid war, als aus Liebe zur Gerechtigkeit. Wenn der also schon jemandem Gehör schenkt, der es hasst, gebeten zu werden, um wie viel mehr erhört uns der, der uns wirklich dazu auffordert zu bitten. Mit diesem Gleichnis fordert uns der Herr also auf dass wir immer beten sollen und nicht aufhören.

Lk 18,6: ‭Und der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt!‭

Lk 18,7-8: Wie viel mehr wird Gott seinen Auserwählten zum Recht verhelfen, die ihn Tag und Nacht darum bitten! Wird er sie etwa lange warten lassen? Ich sage euch, er wird ihnen schnellstens helfen.

Jesus will, daß du nicht aufhörst zu beten. Er will, dass du an seine Wohltaten denkst, wenn du bittest. Er will, daß du durch das Gebet empfängst, was seine Güte dir mitteilen möchte. Er wird niemals denen, die ihn bitten, Wohltaten verweigern. Betrachte schließlich, welches Glück dir zuteil wurde, im Gebet mit Gott zu reden und zu erbitten, was du ersehnst. Gott auch wenn er mit Worten schweigt antwortet dennoch mit Wohltaten: Er verachtet deine Bitten nicht, du belästigst ihn nicht, es sei denn, du schweigst. Das immerwährende Beten bedeutet, nie den Kontakt zu Gott verlieren; im Tiefsten unseres Herzens sich immer von ihm berühren lassen und so von seinem Licht durchdrungen werden.

Worte von Theodor von Mopsuestia: Wie könnt ihr dann meinen, dass er sich von denen abwendet, die sich um das Gute mühen und Eifer zeigen für das, was ihm gefällt? Wenn er sie auch den Drangsalen und täglichen Versuchungen aussetzt, die sie gegen ihren Willen erleiden, so verlässt er sie doch nicht. Das gilt für die Qual der Leidenschaften, aber auch für die innere, eigene Schwachheit, durch die sie sich zum Bösen hinreißen lassen, ohne es zu wollen. Doch das Gut, das ihnen für diese Mühen verheißen ist, ist ganz und gar nicht gering. Denn Gott nimmt ihren Willen an, und er schenkt diesen Menschen seine größte Aufmerksamkeit. Er lässt es zu, dass sie in dieser Welt Qualen und Mühen erdulden, damit sie dafür das beständige, unaussprechliche Gut erhalten.

Lk 18,8: Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?

Wird er Glauben finden? Das ist eine Frage, die uns nachdenklich macht, eine Frage, die einen größeren Glauben in uns erwecken will. Denn es ist offensichtlich, daß das Gebet Ausdruck des Glaubens sein muß, andernfalls ist es kein wahres Gebet. Wenn einer nicht an die Güte Gottes glaubt, so kann er nicht auf angemessene Weise beten. Der Glaube ist als Grundlage des Betens von wesentlicher Bedeutung. Herr, mögest du uns, wenn du zu uns kommst, mit der brennenden Lampe des Glaubens versammelt finden. Wir glauben und legen unser Vertrauen in dich! Laß unseren Glauben wachsen!

Worte von Augustinus: Jesus zeigt uns, dass der Glaube die Quelle des Betens ist und dass das Wasser nicht fließen kann, wenn die Quelle versiegt ist. Um beten zu können, müssen wir glauben. Damit der Glaube, in dem wir beten, aber nicht versagt, müssen wir beten. Der Glaube drückt sich im Gebet aus, und das Gebet macht den Glauben stark. Damit der Glaube in den Versuchungen nicht versagt, spricht der Herr: Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt. 

Augustinus: Das Evangelium ermutigt uns zum Beten und Glauben, damit Dwir uns nicht auf uns selbst, sondern auf den Herrn verlassen. Könnte es eine eindringlichere Mahnung zum Beten geben als das Gleichnis vom ungerechten Richter?

Glaube. Es ist kein Zufall, dass Jesus seine Predigt mit diesem Wort beendet: Werde ich den Glauben auf Erden finden, wenn ich wiederkomme? Jesus macht uns klar, dass wir viel Glauben brauchen, um die Fruchtbarkeit des Gebets zu erfahren, besonders wir, die wir in einer Welt leben, die so skeptisch und berechnend ist. Bitten wir Jesus um den Glauben dieser armen Witwe, die sich nicht scheut, trotz aller Widrigkeiten ihre Bitten zu wiederholen. Nähern wir uns Jesus in dem Glauben, dass er gegenwärtig ist, dass er uns zuhört, dass er weiß, was in unseren Herzen vorgeht, und dass er will, dass wir ihm unser Herz geben. José Andrés González Fernández

Gebet und Glaube: Uns bleibt kein anderer Schluss übrig, als zu erkennen, dass Gebet und Glaube füreinander unabdingbar sind. Dass also Gebet ohne Glauben und Glaube ohne Gebet nicht existieren. Das wiederum kann bedeuten, dass jede Handlung, die wir bewusst im Glauben tun, ein Gebet ist. Mitten in der Geschäftigkeit unseres Alltags, wenn wir z.B. in Geduld und Liebe annehmen, dass die Bahn Verspätung hat, wenn wir voller Dankbarkeit schöne Momente mit Freunden genießen, wenn wir uns entscheiden, unsere Trägheit zu überwinden und anderen einen Dienst zu erweisen. Wenn wir in all diesen Momenten auf Christus schauen, ihm begegnen und auf ihn hören, ist das ein Akt des Glaubens und deshalb auch ein stilles, inneres Gebet. Maria Boeselager

Worte von Papst Franziskus: Wir alle verspüren Augenblicke der Müdigkeit und der Entmutigung, vor allem dann, wenn unser Gebet wirkungslos zu sein scheint. Aber Jesus versichert uns: Im Gegensatz zu dem ungerechten Richter erhört Gott seine Kinder sofort, auch wenn dies nicht bedeutet, dass er es in den Zeiten und in der Weise tut, wie wir es möchten. Das Gebet ist kein Zauberstab! Es hilft, den Glauben an Gott zu bewahren, uns ihm anzuvertrauen, auch wenn wir seinen Willen nicht verstehen.  Das Gleichnis endet mit einer Frage: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?. Und diese Frage ist eine Ermahnung an uns alle: Wir dürfen das Gebet nicht aufgeben, auch wenn ihm nicht entsprochen wird. Das Gebet bewahrt den Glauben, ohne das Gebet wankt der Glaube! Wir wollen den Herrn um einen Glauben bitten, der zum unablässigen, beharrlichen Gebet wird, wie das der Witwe aus dem Gleichnis – um einen Glauben, der sich aus dem Wunsch nach seinem Kommen nährt. Und im Gebet erfahren wir das Mitgefühl Gottes, der wie ein Vater seinen Kindern voll barmherziger Liebe entgegenkommt.

Lk 18,9-14: Pharisäer und Zöllner beim Gebet

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,9-14

Lk 18,9: Er sagte aber auch zu etlichen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis.

Gegen Stolz und Verachtung: Weil ferner der Stolz mehr, als die übrigen Leidenschaften die Seelen der Menschen peinigt, so warnt er häufiger davor. Es ist aber der Stolz die Verachtung Gottes; denn so oft Jemand nicht Gott, sondern sich das Gute, was er getan, zuschreibt, was ist es Anderes als eine Verleugnung Gottes? Wegen derer also, die auf sich selbst vertrauten, aber nicht Alles Gott zuschrieben, stellt er das Gleichnis auf und zeigt, daß die Gerechtigkeit jeglichen Menschen Gott nahebringt, aber der Stolz ihn in die Tiefe hinabstürzt. Goldene Perle

Lk 18,10: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

Pharisäer und Zöllner: Der demütige Zöllner wird gerechtfertigt. Die vielen guten Werke des vorzeigefrommen Pharisäer sind dagegen wertlos. Mit diesem Gleichnis stellt Jesus den damaligen Glaube von der Errettung auf den Kopf. Jesus erzählt dieses Gleichnis jenen Menschen, die auf sich selbst vertrauen, dass sie durch ihre guten Werke gerecht werden. Der entscheidende Unterschied zwischen dem Pharisäer und dem Zöllner lässt sich auf diesen einen Punkt herunterbrechen: Der Pharisäer dachte, er könnte sich Gottes Wohlwollen aus eigener Kraft erarbeiten. Der Zöllner wusste, dass er das nicht konnte.

Mache dir heute mal wieder bewusst, dass du dir Gottes Wohlwollen nicht verdienen kannst durch noch so viele guten Taten, sondern dass dies alles Geschenk und Gnade ist. Danke!

Empor das Herz – Sursum corda! Zwei Männer gehen in den Tempel, um zu beten. Sie wollten also nicht zu Hause beten. Und nicht im Wald. Warum wohl?. Nun, wenn man Wichtiges mit Gott zu besprechen hat, ist es gut, einen Ort aufzusuchen, wo er anwesend ist, und wo man mit ihm alleine ist, also eine Kirche – es gibt noch einige, die offen und einladend sind. Zu Hause kommt leicht alles Mögliche dazwischen, man hängt in den Niederungen des Alltags fest. „Sie gingen zum Tempel hinauf“ heißt es hier. Also, mit den Worten der Liturgie gesagt: „sursum corda – empor das Herz“ – aus dem Alltag zu Gott. Beate Scheilen

Lk 18,11: Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen.

Von anderen eine gute Meinung haben: Auch wenn´s hier und da schwer fällt, versuche von anderen immer eine gute Meinung zu haben. Widerstehe der Neigung von anderen zu kritisch zu denken oder gar dich selber für etwas besseres zu halten. Wir alle sind gebrechlich und fallen immer wieder auf die Nase. Daher sei sanftmütig und barmherzig in deinem Urteil über die anderen. Du selbst willst doch auch von ihnen in deinen Schwächen getragen und ertragen werden. So tue das selbe mit ihnen. Mit guten Menschen im Frieden leben ist nichts Großes. Mit harten und verkehrten Menschen friedsam leben können, das ist eine große Gnade.

Ich bin nicht wie dieser Zöllner, nein, denn du bist schlimmer; ja dafür, weil du dich für besser hältst.

Über den Nächsten nicht urteilen: Wir urteilen über den Nächsten bei jeder Gelegenheit mit unerbittlicher Strenge, uns selbst aber richten, das wollen wir niemals. Bekämpfen wir die Ursachen, wie z.B. der Stolz, der meint sich selbst zu bestätigen und zu bewundern, indem er den anderen herabsetzt und sich an ihren Fehlern freut und wie gut man doch selber ist. Diese Selbstgefälligkeit ist so versteckt und getarnt, daß man sie nicht entdeckt, wenn man nicht sehr gute Augen hat. Andere wiederum denken immer nur gut von denen, die sie lieben, und nur schlecht von jenen, die sie nicht mögen. Die Liebe ist das wirksamste Heilmittel gegen das Urteilen. So mußt auch du immer zugunsten des Nächsten urteilen, soweit es nur möglich ist. Hätte eine Handlung hundert Gesichter, so sollst du das schönste ansehen. Wenn wir auch die Sünde nicht entschuldigen können, so wollen wir doch Mitleid haben und sie der noch am ehesten erträglichen Ursache zuschreiben, wie der Unwissenheit oder Schwäche.

Worte von Augustinus: Wer im Vertrauen auf sich selbst stark sein will und seine Verdienste hervorhebt, der gleicht dem Pharisäer, der sich stolz darauf berief, was er von Gott empfangen hatte. „Ich danke dir“, sagte er. Gebt acht, welche Art von Stolz uns hier begegnet! Ja, seht, wie sich der Stolz auch bei einem gerechten Menschen einschleichen kann! Mit dem Wort: „Ich danke dir!“ bekennt er ja, dass er das, was er hat, von Gott hat. Warum war er also stolz? Nicht weil er Gott danksagte, sondern weil er sich wegen der Gaben, die er von Gott hatte, über einen anderen stellte und ihn verachtete, der hinten stand. Doch dem war Gott nahe, denn er bekannte seine Schuld. 

Lk 18,12: Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme!

Sich nicht auf seine Taten verlassen: Das Tun des Pharisäers ist zweifelsfrei gut. Seine Irrweg besteht darin, dass er von seinen guten Taten so geblendet ist, dass er völlig übersieht, wie sehr er Gott gegenüber auf dessen Güte angewiesen bleibt. Er hat zu viel Vertrauen in sich selbst. Um Gott zu erkennen, müssen wir immer wieder neu den Hochmut ablegen, wir hätten alles selbst in der Hand. Wir haben es nicht! Verlaß dich daher nicht auf dich selbst, setze vielmehr dein ganzes Vertrauen auf Gott. Tu, was du tun kannst und Gott wird deinem guten Willen beistehen. Der Pharisäer redet über Äußerlichkeiten, indem er seine Taten auflistet, aber er geht nicht zum Kern, seinem Herzen. Allein danach aber verlangt es Gott in seiner Sehnsucht nach uns. Echtes Gebet ist ein Gespräch von Herz zu Herz.

Darstellung nach aussen: Wir können uns vorstellen, wie der Pharisäer mit beredten Worten und einem fließenden, geistlichen Stil betet; jeder, der ihn beten hörte, würde sagen, dass er ein spiritueller Mann war. Im Gegensatz dazu stellen wir uns den Steuereintreiber vor, der unbeholfen betet, mit stockenden Phrasen und Angst; aber sein Gebet gefiel Gott.

Lk 18,13: Der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust.

Demut des Zöllners: Der Zöllner stand ferne. Das ist ein Zeichen der Demut. Er blieb am Rande der Tempelanlage stehen, weil er wusste, dass er es nicht verdiente, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Der Zöllner hatte einen gesenkten Blick, ebenso ein Zeichen der Demut. Und das Gebet des Zöllners war kurz und knackig, dafür aber aufrichtig. Er bittet ehrlich und eindringlich um Gnade. Und diese ehrlichen, demütigen Worte erreichen das Herz Gottes. Versuche von diesem Zöllner zu lernen: begegne Gott stets in Demut. Ich beispielsweise schätze die Geste der Verbeugung oder des Kniens, weil ich mich hier klein mache und die Ehrfurcht vor dem Großen wächst.

Begegnung mit Gott: Er stand in der Ferne, aber näherte sich Gott, und Gott betrachtete ihn von der Ferne. Denn der Herr ist erhaben und sieht auf das Niedrige herab. Und er erhob die Augen nicht zum Himmel; um angesehen zu werden, sah er nicht an. Das Gewissen drückte, die Hoffnung erhob; er schlug an seine Brust und legte sich selbst eine Strafe auf. Goldene Perle

Auf den Knien bekommst du die richtige Perspektive, um die Größe Gottes zu sehen. Jan Dobutowitsch

Worte von Augustinus: Der Zöllner stand fern, heißt es. Doch Gott stand ihm nicht fern! Es heißt ja an anderer Stelle: „Nahe ist der Herr denen, die zerknirschten Herzens sind.“ Seht, ob der Zöllner ein zerknirschtes Herz hat, dann werdet ihr sehen, dass der Herr ihm nahe ist.

Lk 18,13: O Gott, sei mir Sünder gnädig!

Bitte um Vergebung: Der Zöllner wurde gerechtfertigt, dass heißt, er wurde von seiner Schuld befreit. Davor bekannte er, dass er ein Sünder ist. Es ist sehr wichtig, diese erst einmal leer dastehende Erkenntnis „Ich bin ein Sünder“ auch zu füllen. Bei den Katholiken ist das die heilige Beichte, in anderen Konfessionen sieht das anders aus. So oder so ist es aber unumgänglich, dass wir Orte und Wege für uns finden, wo wir in uns gehen und von Zeit zu Zeit Inventur machen, wo wir gesündigt haben. Gott vergibt nicht Schuld im Sinne einer billigen Gnade, also bedingungslos. Bedingung ist, dass wir unsere Sünden erkennen und bekennen.

Ich habe dreissig Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Sündenerkenntnis und Sündenvergebung die Hauptbotschaft des Neuen Testaments ausmacht. Sebastian Moore

Worte von Augustinus: Der Zöllner gibt sich selbst die Strafe, er ist Richter über sich selbst, damit der Herr für ihn eintritt. Er straft sich, damit der Herr ihn befreit, er klagt sich an, damit der Herr ihn verteidigt. Und so sehr verteidigt ihn der Herr, dass er das Urteil zu seinen Gunsten ausspricht: „Der Zöllner ging gerechtfertigt nach Hause, der Pharisäer nicht.“ Weil der Pharisäer nicht wusste, wohin er gekommen war, war er wie ein Kranker im Sprechzimmer des Arztes, zeigte aber seine gesunden Glieder, während er seine Wunden bedeckte. Gott soll die Wunden bede-cken, nicht du! Denn wenn du sie aus Scham verdecken willst, wird der Arzt dich nicht heilen.

Worte von Chrysostomus: Der Zöllner hatte diese Worte sehr wohl gehört. Er hätte nun etwa so entgegnen können: Wer bist du denn, dass du es wagst, so über mich zu lästern? Woher kennst du mein Leben? Du hast nie in meiner Umgebung gelebt, du gehörst nicht zu meinen Vertrauten. Warum legst du einen solchen Hochmut an den Tag? Übrigens, wer kann denn bezeugen, dass du tatsächlich Gutes getan hast? Warum lobst du dich selbst? Was bringt dich dazu, dich derart zu rühmen?“ Aber der Zöllner tat nichts dergleichen – im Gegenteil –, er warf sich nieder und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Und weil er sich demütig zeigte, wurde er gerechtfertigt.

Lk 18,14: Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer.

Der Zöllner kehrt als Befreiter nach Hause zurück. Wir können trotz und gerade wegen unserer Sünden zu Gott gehen. Aus dieser Begegnung kehren wir als Gerechte zurück. Das größte Hindernis in unserem Leben ist nicht unsere Schwachheit, sondern das Nichtbekennen unserer Schuld. Wie häufig tun wir Dinge, die unsere Beziehung mit Gott und unseren Mitmenschen verletzen. Bitten wir ebenso häufig um die Gnade der Vergebung. Denn das Blut Jesu reinigt von uns von bekannten Sünden. Das Wort „erhöht“ im Folgevers ist in diesem Zusammenhang ein ein Synonym für die Rechtfertigung. Derjenige, der sich selbst erniedrigt, indem er seine Schuld bereut und sich Jesus Christus anvertraut, wird Gerechtigkeit erlangen.

Das Problem des Pharisäers: Der Pharisäer betrachtet seine Frömmigkeit komplett als eigene Leistung, darin liegt das Problem! Für ihn gibt es welche, die ihr Pensum vor Gott schaffen, und welche, die durchfallen und dafür verachtet werden dürfen. So sieht Gott das aber nicht! Als Christen wissen wir: Wir sind alle schwach. Und: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Das hat der Zöllner viel besser verstanden – darum kann er gerechtfertigt nach Hause gehen. Beate Scheilen

Worte von Origenes: Der Pharisäer hatte vielleicht wahrheitsgemäß gesprochen, aber nach dem Urteil des Herrn war er vom Übel des Hochmuts verdorben und kam nicht als Gerechtfertigter vom Tempel herab. Ein solches Rühmen, das sich aus den Werken des Gesetzes herleitet, wird also ausgeschlossen, denn ihm fehlt die Demut des Kreuzes Christi.

Wir haben beide Personen in uns: Wir sind ein bisschen Zöllner, weil wir Sünder sind, und ein bisschen Pharisäer, weil wir anmaßend sind, selbstgerecht, Meister darin, uns nach allen Regeln der Kunst zu rechtfertigen! Bei anderen mag das funktionieren, nicht aber bei Gott. Bei Gott funktioniert der Trick nicht. Bitten wir um die Gnade, uns als der Barmherzigkeit bedürftig und innerlich arm zu fühlen. Auch deshalb tut es uns gut, mit den Armen zu verkehren, damit wir uns daran erinnern, dass wir arm sind, damit wir uns daran erinnern, dass Gottes Heil nur in einem Klima innerer Armut wirkt

Lk 18,14: Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Fazit: Im Wesentlichen sah der Pharisäer das Gebet und sein geistliches Leben als einen Weg, um erhöht zu werden, aber der Zöllner näherte sich Gott in Demut. Wahre Demut bedeutet einfach, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Der Pharisäer sah sich selbst als etwas Großes, wenn er es nicht war, und der Zöllner sah sich als Sünder, der Gottes Barmherzigkeit brauchte, was er auch war.

Wenn du also mehrere gute Werke verrichtest, aber glaubst, dich vermessen zu können, so entbehrst du des ganzen Gebetes oder der Frucht des Gebetes. Wenn du aber in deinem Gewissen eine tausendfache Sündenlast trägst und dieses allein von dir glaubst, daß du der Allerniedrigste bist, so wirst du vor Gott vieles Zutrauen haben.

Lk 18,15-17: Jesus segnet die Kinder

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,15-17

Parallelstellen: Mt 19,13-15; Mk 10,13-16

Lk 18,15: Sie brachten aber auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühre.

Fürbitte: Dies ist ein wunderbares Bild für die Fürbitte. In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Lk 18,16: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.

Lk 18,17: Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird gar nicht hineinkommen!

Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.

Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales

Lk 18,18-30: Gespräch mit reichen Mann

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,18-30

Parallelstellen: Mt 19,16-30; Mk 10,17-31

Lk 18,18: Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?‭

Lk 18,19: ‭Da sprach Jesus zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!‭

Damit leugnete Jesus seine eigene Güte nicht. Stattdessen fragte er den Mann: Verstehst du, was du sagst, wenn du mich gut nennst? Denn niemand ist gut als Einer, das heißt Gott.

Lk 18,20: ‭Du kennst die Gebote: Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!

Lk 18,21: Er aber sprach: Das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.

Der Jüngling lügt. Denn wenn er, was im Gesetze steht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, im Werke erfüllt hätte, wie hätte er nach den Worten: Gehe hin und verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen, traurig sich entfernen können? Oder man hat zu glauben, er habe nicht gelogen, sondern einfältig bekannt, wie er lebte, nämlich äußerlich.

Lk 18,22: Etwas fehlt dir noch. Verkaufe alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!

Gering ist, was du gibst; groß, was du empfängst. Denn wir sollen nicht glauben, durch die Verachtung der Welt etwas Großes getan zu haben, weil die ganze Erde im Vergleich zum Himmel sehr kurz ist. Gott könnte zwar die Armen ohne uns nähren, ohne daß wir uns ihrer erbarmten; aber er will, daß die Gebenden durch Liebe an die Empfangenden geknüpft werden.

Lk 18,23: Als der Mann das hörte, wurde er sehr traurig, denn er war überaus reich.

Loslassen. Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht. Todd Belardi

Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz. Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden. Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor? Ich bespreche das mit dem guten Meister. Dorit Wilke-Lopez

Lk 18,24: Als aber Jesus ihn so sah, dass er ganz traurig geworden war, sprach er: Wie schwer werden die Reichen ins Reich Gottes hineinkommen!‭

Lk 18,25: ‭Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.‭

Bild vom Kamel: Weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr (ein Bild für eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem) ins ewige Leben helfen. Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem Führer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird. Ich spreche mit Jesus über mein Vertrauen. Dorit Wilke-Lopez

Lk 18,26: Wer kann dann überhaupt gerettet werden?, fragten ihn seine Zuhörer.

Lk 18,27: Er antwortete: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich.

Für Gott ist alles möglich: Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, die Botschaft Jesu umzusetzen, sich ganz zurückzunehmen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Haben wir überhaupt eine Chance? Ja, denn für Gott ist nichts unmöglich. Er schenkt uns seine Gnaden, er befreit uns von unserer Schuld, er tritt für uns ein. Wir haben alle Chancen. Denn er hat uns erlöst! Er hat uns zuerst geliebt und seine Liebe mit seinem Blut bezeugt. Unsere Rettung wirken wir nicht aus eigener Kraft, Gott ist unser Retter. Marita Grötsch

Egal welche Herausforderungen vor mir liegen, Gottes Allmacht und Gnade ist immer größer als ich es mit meinem menschlichen Verstand begreifen kann. Seine Möglichkeiten sind unbegrenzt, er möchte auch in meiner persönlichen Situation helfen, da wo ich gerade stehe. Er möchte, dass ich ihm ganz vertraue. Ich möchte Großes von Gott erwarten, hoffnungsvoll, glaubend und zuversichtlich sein, was auch vor mir liegt, in Gott habe ich einen liebenden Vater, der es gut mit mir meint. Ulrike Puintner

Lk 18,28: ‭Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt!‭

Sich an Gott binden: Wir sind Bindungswesen, wir brauchen die Bindung an andere Menschen, aber letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott. Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr, hat Augustinus gesagt. Jesus will uns beibringen, wie erfüllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden statt an die Menschen. Wenn wir uns nämlich an die Menschen binden, plagen wir uns herum mit Menschenfurcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und Abhängigkeit. Nur, wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser Liebesbedürfnis befriedigen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben und nicht, weil wir zurückgeliebt werden wollen. Dorit Wilke-Lopez

Lk 18,29-30: Ich versichere euch: Jeder, der sein Haus, seine Frau, seine Geschwister, seine Eltern oder seine Kinder zurücklässt, um sich für Gottes Reich einzusetzen, der bekommt es hier auf dieser Erde vielfach wieder, und dann in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Das Versprechen von Jesus: Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern. Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen! Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg. Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich? Marita Grötsch

Wir werden ihnen also ähnlich sein. Wenn Jemand das Haus verläßt, erlangt er die ewigen Wohnungen. Wenn er den Vater verläßt, wird er den himmlischen Vater erlangen. Wenn er die Brüder verläßt, wird Christus sein Bruder. Wenn er die Gattin verläßt, wird er die himmlische Weisheit finden, von der er geistige Früchte erzeugen wird. Wenn er die Mutter verläßt, findet er das himmlische Jerusalem, welches unsere Mutter ist. Auch erhält er von den Brüdern und Schwestern, welche mit dem geistigen Leib seines Glaubens verbunden sind, in diesem Leben eine viel herrlichere Liebe. Goldene Perle

Lk 18,31-34: Dritte Leidensankündigung

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,31-34

Parallelstellen: Mt 20,17-19; Mk 10,32-34

Lk 18,31: ‭Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir ziehen hin­auf nach Jerusalem, und es wird alles erfüllt werden, was durch die Propheten über den Sohn des Menschen geschrieben ist;‭

Lk 18,32-33: Er wird den Heiden ausgeliefert und verspottet und misshandelt und angespuckt werden und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tag wird er wieder auferstehen.

Jerusalem kommt immer näher. Die Jünger spüren die innere Angespanntheit Jesu. Etwas ist anders als sonst. Jesus weiß, was ihn erwartet. Das Wissen um das bevorstehende Leiden verändert Jesus. Die Jünger und Menschen um ihn herum, die davon nichts wissen, wundern sich. Seine Jünger weist Jesus nochmals auf das hin, was ihm bevorsteht, aber sie verstehen ihn nicht.

Ausgeliefert sein & Sich ausliefern. Jesus spricht mit seinen Jüngern sehr offen darüber, was mit ihm in Jerusalem passieren wird. Und das ist keine Option; er sagt nicht: „Es kann sein, dass …“, er sagt, „Dort wird …“ Jesus ist Gott, er könnte diesem Ausgeliefertsein ausweichen, aber er wird es nicht tun. Letztlich liefert er sich selbst aus; nimmt seinen Auftrag an. Gibt es Themen, denen ich ausweichen möchte? Gibt es Dinge, die von mir (zu Recht) erwartet werden, die ich lieber abgebe, aussitze, hoffe, dass sie an mir vorübergehen? Bin ich dann in der Lage, selbst Verantwortung zu übernehmen und zu sagen: Ich nehme das auf mich, weil es richtig ist?Felix Honekamp

Lk 18,34: Sie verstanden nichts davon und dieses Wort war ihnen zu geheimnisvoll und sie begriffen das Gesagte nicht.

Mit der Ankündigung seines Leidens weist Jesus auf sein Wesen als leidender und dienender Messias hin. Sein Kreuz zu nehmen und zu tragen in der Nachfolge Christi ist ein beschwerlicher Weg, der immer wieder auch schwer zu begreifen ist. Darin liegt die Tiefe des Glaubens, bei allem Unverständnis bis hin zur Ratlosigkeit bzgl. des eigenen Kreuzwegs mit allem Leiden, das darin steckt (Leiden an sich selbst, Erleiden des anderen, schlimme persönliche Erlebnisse, dunkle Gefühle u.v.m.) immer neu aufzustehen, die Ärmel hoch zu krempeln und bewusst zu bekennen: Jesus Christus, ich vertraue dir! Ich glaube an dich!

Unverständnis der Jünger: Denn weil seine Jünger sein Leben ganz besonders wünschten, konnten sie seinen Tod nicht hören. Und weil sie wußten, daß er nicht nur ein sündloser Mensch, sondern auch Gott sei, so glaubten sie, daß er auf keine Weise sterben könnte. Goldene Perle

Lk 18,35-43: Jesus heilt einen blinden Bettler

Auslegung und Kommentar zu Lk 18,35-43

Parallelstellen: Mt 20,29-34; Mk 10,46-52

Lk 18,35: Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, da saß ein Blinder am Weg und bettelte.

Lk 18,36: ‭Und als er die Menge vorüberziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei.‭

Lk 18,37: ‭Da verkündeten sie ihm, dass Jesus, der Nazarener vorübergehe.‭

Jesus geht vorüber. In diesem Evangelium konnte der Blinde nicht mehr tun, als sich an den Rand der Straße hinzusetzen. Er ist ganz abhängig von anderen, kann nur seine Hand ausstrecken, betteln. Ich stelle mir einen Mann vor, der fühlt, dass sein Leben… fast sinnlos ist. Hast du das auch schon einmal gefühlt? Und es geht nicht um Aktivismus: so als ob ich etwas tun müsste, um meinem Leben Sinn zu verleihen. Nein! Denn ich bin blind, wenn ich ohne Christus, ohne das Licht, leben will und meine, dass es dann mehr Spaß macht. Gott erlaubt schwierige Situationen, oder einfach Momente, in denen uns alles plötzlich leer erscheint. Der Blinde hat schon von Christus gehört, aber dieses Mal will er unbedingt mit ihm sprechen. Sebastian Jasiorkowski

Lk 18,38: Und er rief und sprach: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich über mich!

Sehnsucht. Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Der Blinde sehnt sich total danach, Christus zu begegnen. Er hat erfahren, dass seine Art und Weise, das Leben zu fristen, niemals genügt, er ist nicht froh. Und er glaubt, dass Christus ihm etwas geben, etwas zeigen kann, aber er muss erst einmal wieder sehen können. Sehnst du dich auch so nach Jesus Christus? Glaubst du, dass er eine Zukunft für dich bereithält? Es ist kein Zufall, dass er hier vorübergegangen ist. Sebastian Jasiorkowski

Wer lehrte dir dieses, o Mensch? Hast du wohl, der du kein Augenlicht hast, die Bücher durchlesen? Woher kennst du also das Licht der Welt? Der Herr erleuchtet wahrhaft die Blinden.

Lk 18,39: Die Leute, die der Menschenmenge vorausliefen, fuhren ihn an, er solle still sein. Aber er schrie nur noch lauter: Du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Und die vorübergingen, fuhren ihn an, daß er schweigen sollte. Aber durch solche Hindernisse ließ sich sein Mut nicht abschrecken; denn der Glaube weiß Alles zu bekämpfen und über Alles zu triumphieren. Und für den göttlichen Dienst ist es nützlich, die Schamhaftigkeit abzulegen. Goldene Perle

Worte von Cyrill von Jerusalem: Jeder Mensch, der die Finsternis kennt, die aus ihm einen Blinden macht, soll aus ganzer Seele schreien: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Aber hören wir auch das, was auf die Schreie des Blinden folgt: Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Was sind das für Leute? Sie stellen die Begierden unseres irdischen Daseins dar, die Unruhestifter, die menschlichen Laster und ihr Getümmel, die, weil sie das Kommen Jesu in uns verhindern wollen, unser Denken durcheinanderbringen, indem sie Versuchung säen und die Stimme unseres Herzens beim Gebet übertönen. Es geschieht nämlich oft, dass unser Vorsatz, uns Gott wieder neu zuzuwenden […], unser Bemühen, unsere Sünden durch Gebet abzuweisen, durch Bild und Eindruck der Begierden verhindert wird: Im Kontakt mit ihnen lässt die Wachsamkeit unseres Geistes nach. Sie stiften Verwirrung in unserem Herzen und ersticken den Schrei unseres Gebets. Was hat dieser Blinde also getan, um trotz der Hindernisse sein Augenlicht wiederzuerlangen?  Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Ja, je mehr der Tumult unserer Begierden uns bedrängt, umso inständiger müssen wir beten. Je lauter die Stimme unseres Herzens übertönt wird, umso energischer muss diese dagegenhalten, bis sie den Lärm der auf sie einstürmenden Gedanken übertönt und an das treue Ohr des Herrn dringt. Jeder, so meine ich, wird sich in folgender Situation wiedererkennen: In dem Augenblick, da wir uns bemühen, unser Herz von dieser Welt abzuwenden, um es zu Gott zurückzubringen, belästigen uns bereits viele Eindringlinge, die wir bekämpfen müssen. Ein ganzer Schwarm ist es, den die Sehnsucht nach Gott nur schwer aus den Augen unseres Herzens verscheuchen kann. Beten wir aber energisch weiter, dann halten wir mit unserem Geist den vorübergehenden Jesus an. Das Evangelium berichtet ja: Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Cyrill von Jerusalem

Lk 18,40: Da blieb Jesus stehen und befahl, dass er zu ihm gebracht werde.

Jesus aber blieb stehen. Darby kommentiert mit großem Einblick: Josua bat einst die Sonne, am Himmel stillzustehen, doch hier steht auf Bitten eines blinden Bettlers der Herr der Sonne, des Mondes und des Himmels still. Auf den Befehl Jesu hin wurde der Bettler zu ihm gebracht. Jesus fragte ihn, was er wolle. Ohne Zögern und umständliche Umschreibung wiederholte der Bettler seine Bitte, dass er wieder sehend werde. Sein Gebet war kurz, eindeutig und glaubensvoll. MacDonald

Lk 18,41: Was soll ich für dich tun? Herr, flehte ihn der Blinde an, ich möchte sehen können!

Was soll ich für dich tun? Dies ist eine wunderbare, einfache Frage, die Gott nicht aufgehört hat zu stellen. Manchmal gehen wir ohne, wenn Gott uns etwas geben möchte, einfach weil wir diese Frage nicht beantworten wollen und wir nicht haben, weil wir nicht fragen (Jak 4:2). Jesus stellte diese Frage im vollen Wissen, dass dieser Mann blind war. Er wusste, was er brauchte und was er wollte, aber Gott möchte immer noch, dass wir ihm unsere Bedürfnisse mitteilen, als Ausdruck unseres Vertrauens und Vertrauens in ihn.

Worte von Josemaria: Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die – wie das Evangelium uns berichtet – der arme Blinde zu Ihm sprach: „Domine, ut videam!“ – Herr, ich möchte wieder sehen können! Laß mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein! Josemaria

Bitten um Licht: Darum aber fragt er, was er wolle, um das Herz zum Gebet aufzufordern. Denn er will, daß wir um das bitten, wovon er vorhersieht, daß wir darum bitten und er es gewähre. Der Blinde bittet aber den Herrn nicht um Geld, sondern um das Licht. Auch wir sollen nicht falschen Reichtum, sondern das Licht begehren, das wir mit den Engeln allein sehen können. Zu diesem Lichte führt der Glaube. Daher wird mit Recht zum Blinden gesagt: Blicke auf, dein Glaube hat dir geholfen. Er sieht, und folgt nach, weil er das Gute, welches er erkannte, tut.

Lk 18,42: Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet.

Lk 18,43: Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott; und das ganze Volk, das dies sah, lobte Gott.

Doppelte Heilung: Daraus erhellt daß er von einer doppelten Blindheit befreit wurde, nämlich von der körperlichen und geistigen. Denn er hätte ihn nicht als Gott verherrlicht, wenn er nicht wahrhaft gesehen hätte. Aber auch für Andere wurde er die Veranlassung zur Verherrlichung Gottes. Goldene Perle

Nachfolge: Der Blinde, nun geheilt und gerettet, fing an, Jesus nachzufolgen. Der Weg Jesu wurde zu seinem Weg. Dies war besonders bedeutsam, wenn man bedenkt, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, um zu sterben.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 18.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste