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Lukas Evangelium Kapitel 12 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Lukas Evangelium Kapitel 12

Lk 12,1-12: Jesus warnt vor Heuchelei

Lk 12,1: ‭Als sich inzwischen das Volk zu Tausenden gesammelt hatte, sodass sie aufeinander traten, begann er zuerst zu seinen Jüngern zu sprechen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher die Heuchelei ist!‭

Großer Andrang: Als Jesus seine allgemeine Richtung nach Jerusalem fortsetzte, kamen große Menschenmengen, um Ihn zu hören. Der Andrang war so groß, dass einige verletzt wurden, so dass sie sich gegenseitig mit Füßen traten.

Heuchelei: Ein Heuchler ist jemand, der eine Maske trägt und dessen äußere Erscheinung sich vom Inneren völlig unterscheidet. Die Pharisäer wollten als tugendhafte Vorbilder gelten, doch in Wahrheit waren sie nur Meister der Verstellung.

Lk 12,2: ‭Es ist aber nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das nicht bekannt werden wird.‭

Aufdeckung: Die Kunst, ein Heuchler zu sein, hängt von der Verschleierung ab, aber eines Tages wird alles enthüllt werden. Wir können nur vor Menschen Heuchler sein, aber niemals vor Gott. Er sieht durch die Maske des Schauspielers

Lk 12,4: ‭Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts Weiteres tun können.‭

Zunehmende Angst: In Anbetracht der jüngsten Demonstration des Widerstands gegen Jesus (Lk 11:53-54) ist es vernünftig zu glauben, dass die Jünger den zunehmenden Stress und die Angst vor der Kreuzigung fühlten. Sie mussten den gleichen Frieden erlangen, den Jesus hatte, und die Angst relativieren.

Lk 12,5: Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, welcher, nachdem er getötet hat, auch Macht besitzt, in die Hölle zu werfen! Ja, ich sage euch, den fürchtet!

Warnung von Jesus: Das sind ernste Worte, die man nicht gerne hört und von denen manche befürchten, sie würden ein Nährboden für die Vorstellung bilden, dass Gott ein grausamer Tyrann sei. Aber es ist Gottes Liebe, die so deutlich warnt, da Er will, dass sich jeder durch Jesus Christus vor der Verdammnis retten lässt. An uns liegt es, dieses Rettungsangebot anzunehmen. Gerrid Setzer

Lk 12,6: ‭Verkauft man nicht fünf Sperlinge um zwei Groschen? Und nicht ein Einziger von ihnen ist vor Gott vergessen.

Versicherung von Jesus: Es gibt wenige Dinge, die schlimmer sind als das Gefühl, vergessen zu werden. Jesus versicherte jedem Gläubigen, dass sein Leben kostbar sei und vor Gott in Erinnerung bleiben würde.

Lk 12,7: Aber auch die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.

Vertrauen auf Gottes Vorsehung: Gott schickt mir damit auch das Kreuz. Alles kommt von Ihm: Gesundheit und Krankheit, zeitliche Güter, Unglück und Widerwärtigkeiten im Leben. Alles, absolut alles hat Er gut angeordnet, und wenn sich das Geschöpf manchmal gegen das auflehnt, was Gott gebietet, begeht es eine Sünde, denn alles ist notwendig und gut gefügt. Lachen und Weinen sind erforderlich, und aus allem können wir immer dann Nutzen ziehen für unsere Vervollkommnung, wenn wir mit gläubigem Herzen Gottes Werk in allem erkennen und wie Kinder in den Armen des Vaters verweilen. Denn wir allein, wohin sollten wir uns wenden? Klar, dass ich nicht versuche, Gefühle in mir auszumerzen. Gott will nur von mir, dass ich sie vervollkommne. Aus diesem Grund führt Er mich hierhin und dorthin wie ein Spielzeug, und überall hinterlasse ich Teile meines Herzens. Wie groß ist Gott und wie gut macht Er alles! Wie sehr liebt Er mich, und wie schlecht hat antworte ich auf Seine Liebe! Seine Vorsehung ist unendlich, und ihr müssen wir uns ohne Vorbehalt ausliefern. Rafael Arnáiz Barón 

Lk 12,8: Ich sage euch aber: Jeder, der sich zu mir bekennen wird vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Sohn des Menschen bekennen vor den Engeln Gottes.

Lk 12,9: ‭Wer mich aber verleugnet hat vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes.‭

Lk 12,10: ‭Und jedem, der ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden.

Sünde gegen den heiligen Geist: Warum ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist nicht zu vergeben? Was ist unter dieser Lästerung zu verstehen? Der heilige Thomas von Aquin antwortet, dass es sich hier um eine Sünde handelt, „die ihrer Natur nach unvergebbar ist, weil sie jene Elemente ausschließt, derentwegen die Vergebung der Sünden geschieht“. Nach dieser Deutung besteht die Lästerung nicht eigentlich in verletzenden Worten gegen den Heiligen Geist, sondern in der Weigerung, das Heil anzunehmen, welches Gott dem Menschen durch den Heiligen Geist anbietet, der in der Kraft des Kreuzesopfers wirkt. Wenn der Mensch jenes „Offenlegen der Sünde“, das vom Heiligen Geist ausgeht und heilswirksamen Charakter hat, zurückweist, weist er damit zugleich das „Kommen“ des Trösters zurück, jenes „Kommen“, das sich im Ostergeheimnis vollzieht, in der Einheit mit der erlösenden Kraft des Blutes Christi, das „unser Gewissen von toten Werken reinigt“. Wir wissen, dass die Frucht einer solchen Reinigung die Vergebung der Sünden ist. Wer den Geist und das Blut zurückweist, verbleibt deshalb in „toten Werken“, in der Sünde. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht gerade in der radikalen Verweigerung der Annahme jener Vergebung, deren innerster Vermittler er ist und die eine echte Bekehrung voraussetzt, die von ihm im Gewissen gewirkt wird. Wenn Jesus sagt, dass die Lästerung gegen den Heiligen Geist weder in diesem noch im zukünftigen Leben vergeben wird, dann liegt der Grund darin, dass diese „Nicht-Vergebung“ ursächlich mit der Unbußfertigkeit verbunden ist, das heißt mit der radikalen Weigerung, sich zu bekehren […] Nun ist aber die Lästerung gegen den Heiligen Geist die Sünde jenes Menschen, der sich auf sein vermeintliches „Recht“ zum Verharren im Bösen – in jeglicher Sünde – beruft und dadurch die Erlösung verwirft. Ein solcher Mensch bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet. Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins; denn die Lästerung gegen den Heiligen Geist erlaubt es dem Menschen nicht, sich aus seiner selbstverhängten Gefangenschaft zu befreien und sich den göttlichen Quellen der Reinigung der Gewissen und der Verzeihung der Sünden zu öffnen. Johannes Paul II

Der Weg, den Heiligen Geist nicht zu lästern, besteht darin, Jesus Christus anzunehmen und ihm heute sein liebevolles Vertrauen zu schenken. Es bedeutet aufzuhören, das Wirken des Heiligen Geistes abzulehnen, der uns zu Jesus bringt.

Lk 12,11: ‭Wenn sie euch aber vor die Synagogen und vor die Fürsten und Obrigkeiten führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt.

Lk 12,12: ‭Denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt.‭

Lk 12,13-21: Gleichnis vom dummen Reichen 

Lk 12,13: ‭Es sprach aber einer aus der Volksmenge zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll!‭

Jesus hört mir immer zu. Jesus, ein Mann spricht zu dir. Er verlangt von dir, was er will, das, was er für gut und richtig hält. Auch ich sage dir heute, Jesus, was ich für angemessen und recht halte. Ich weiß, dass du mir heute zuhörst, so wie du diesem Mann zugehört hast. Ich weiß nicht, wie deine Antwort aussehen wird. Ich weiß aber, dass deine Antwort das ist, was ich wirklich brauche. Jesus, ich vertraue auf dich. Stärke mein Vertrauen.

Lk 12,14: Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?

Reaktion von Jesus: Wie viele Familien haben sich bereits in der Frage ums Erbe zerstritten? Es ist ein ernstes Anliegen und für den Fragenden offensichtlich ein von ihm selbst nicht zu lösendes Problem, weshalb er sich an den „Rabbi“ Jesus als einen offenkundig verständigen und klugen Mann wendet. Und Jesus reagiert ganz als „Rabbi“ mit einer klugen und für den Fragenden zugleich unzufriedenstellenden Antwort. Denn er macht deutlich, dass er sich nicht einmischen wird in das innerfamiliäre Geschehen. Dies ist jedoch nur die erste Antwort. Die zweite folgt sogleich: Die Warnung vor Habgier, die an dieser Stelle auch noch auf den Zwischenrufer gemünzt ist, nimmt den Einzelnen und sein Verhältnis zu Besitz in den Blick. Dabei wird wie im gesamten Text nicht der Besitz selbst als verwerflich abqualifiziert, sondern der Umgang des Menschen mit dem Besitz kritisch hinterfragt.

Du darfst auch mal nein sagen: Auch Jesus hat hier und da ein nein ausgesprochen. Auch du darfst „Nein“ sagen. Das innere „Ich muss“, um mir oder anderen gerecht zu werden, frisst dich auf. Es geht nicht ohne dich? Quatsch! Das merkst du dann, wenn du krank bist und es trotzdem läuft. Wenn du zu häufig das „Muss“ und „Sollte“ in deinem Kopf hast, ist das definitiv ein Warnsignal. Wenn du merkst, dass du immer häufiger das Wort sollte gebrauchst, ist das ein Zeichen, dass du dich in deinem Leben immer weiter von dem „Leben in Fülle“ entfernst, dass Jesus für dich bereit hält. Du lebst dann für irgendwelche anderen Maßstäbe oder Bestätigungen, von denen du dir erwartest, dass sie dich glücklich machen. Sollte macht niemanden glücklich. Also: Du darfst auch Nein sagen.

Lk 12,15: Er sagte aber zu ihnen: Habt acht und hütet euch vor der Habsucht! Denn niemandes Leben hängt von dem Überfluss ab, den er an Gütern hat.

Warnung vor Habgier: Seine Warnung vor der Habgier greift dabei ein allgemeines antikes Motiv auf. Habgier ist gefährlich für den sozialen Zusammenhalt, denn wer nur auf das Zusammenraffen seines Besitzes aus ist, vergisst allzu leicht die Mitmenschen und sät womöglich Streit und Zwietracht, so die Sorge. Weil dieses zentrale Gut des christlichen Zusammenlebens nicht in Gefahr geraten durfte, war die Mahnung vor Habgier ein verbreitetes Thema der frühchristlichen Literatur. Der Evangelist Lukas legt den Fokus jedoch auf die persönlichen Konsequenzen. Das Streben nach „Mehr“ wird zur Falle, dauerhaft im Überfluss leben zu wollen.

Lk 12,16-17: Er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Feld eines reichen Mannes hatte viel Frucht getragen. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wo ich meine Früchte aufspeichern kann?

Was soll ich tun? Sein Kummer und seine Angst spiegelten sich in den Worten wider: „ Was soll ich tun? “ „Als wir jung sind, denken wir, dass reich zu sein bedeutet, völlig frei von Sorgen zu sein. Aber dieser reiche Mann war genauso voller Sorgen wie der Bettler.

Worum geht es in dem Gleichnis? Es geht um den irdischen Besitz, der zu einer gewissen Sorglosigkeit führen kann, die schlimmstenfalls Gott vergessen lässt. Und mit ihm die Tatsache, dass der Mensch, egal was er schafft und anhäuft, der Sterblichkeit unterworfen ist. Der reiche Mann im Gleichnis wird zum Narr, weil er seine Lebenspläne ohne Gott macht. Er meint, alles selbst im Griff zu haben, sein Leben, seinen Verlauf und seine Zukunft. Er hofft, mit seiner Vorsorge ausgesorgt zu haben und sich ausruhen zu können auf dem, was geschafft und als Ernte eingefahren ist. Er sehnt sich eine Sicherheit herbei, die über das Heute und die absehbare Zukunft („viele Jahre“) hinaus geht. Diese Form der Vorsorge wird im Evangelium kritisiert.

Lk 12,18-19: Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter aufspeichern und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes!

Warnung vor Geiz: Er erinnerte sich nicht an die gemeinsame Natur und hielt es für keine Pflicht, von dem Überfluss den Dürftigen mitzuteilen. Die Scheunen strotzten vom Überfluss des Erbauten. Aber die geizige Seele war nicht voll. Er sieht die Lösung einzig im Vergrößern der Vorratsräume, im Ansammeln und Horten. Doch mitnehmen ins Jenseits können wir keine Scheunen und keine Paläste, keine Brillanten und kein Geld, weder Besitz noch Reichtum. Wir können nur mitnehmen, womit wir das Herz gefüllt haben. In den Himmel gehen wir mit der Liebe ein, die wir gegeben und empfangen haben.

Aufforderung zum Geben: Bist du nicht ein Räuber, indem du das für dein Eigenes hältst, was du zur Verteilung überkommen hast? Es ist das Brot des Hungrigen, das du hast, der Rock des Entblößten, den du im Zimmer bewahrest, der Schuh des Bloßfüßigen, welcher neben dir schmachtet, das Geld des Dürftigen, welches du vergraben hast. Daher begehst du so viele Sünden, als du geben könntest. Goldene Perle

Mein, mein, mein: Der reiche Mann im Gleichnis dachte, es sei alles für ihn. Er sagte, meine Ernte ,  meine Scheunen ,  meine Güter ,  meine Seele . Alles drehte sich um ihn, und nichts drehte sich um Gott. Am Ende wurde bewiesen, dass ihm nichts gehörte – sogar seine eigene Seele war Gott untertan. Er hatte keine Ernte , keine Scheunen , keine Güter , und seine Seele war tot.

Lk 12,20: Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?

Der Tod nimmt das alles: In seiner Lebensrechnung macht der reiche Kornbauer einen großen Fehler. In seiner Selbstsicherheit übersieht er das Sicherste in seinem Leben: den Tod, der jäh und unvermittelt eintreten kann und allem menschliche Planen ein abruptes Ende setzt. Armer reicher Mann! Was kann von all dem, was er angehäuft, gehortet und gespeichert hat mitnehmen? Nichts! Der Mann war ein Narr – nicht weil er reich war, sondern weil er ohne Bewusstsein und Vorbereitung auf die Ewigkeit lebte.

In der Nacht: In der Nacht wurde aber die Seele abgefordert, weil sie in der Finsternis des Herzens hinweggenommen wurde. In der Nacht wurde sie hinweggenommen, da sie das Licht der Betrachtung nicht haben wollte, um das Leiden, welches sie treffen könnte, vorher zu sehen. Goldene Perle

Lk 12,21: So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott!

Sammelt euch Schätze im Himmel! Wie das geht, reich werden vor Gott, das hat Jesus selbst vorgelebt: durch die Zuwendung zu den Armen und zu denen, die am Rand der Gesellschaft stehen, durch die Vergebung von Schuld, durch die bedingungslose Annahme des Nächsten, durch die Liebe zu den Feinden, durch Hilfsbereitschaft und Solidarität.

Reichtum vor Gott: Zeit, die ich mir für einen anderen Menschen nehme, Hilfsbereitschaft, Zuhören-Können, Verständnis entgegenbringen, Geduld üben, Verzeihung schenken, Besinnung und Gebet: Werte, die nicht vergehen, Investitionen, die bleiben, Reichtümer, die jede Krise überdauern. So ist dieses Evangelium eine ernste Mahnung auch an uns heute, dass wir unser Herz nicht an Wohlstand und Reichtum hängen, es nicht an irdische und vergängliche Güter verlieren, sondern unseren Blick immer wieder auf das Bleibende lenken, das ewige Glück und die ewigen Freuden. Pius Kirchgessner

Lk 12,22-34: Jesus warnt vor Sorgen

Lk 12,22: Und er sprach zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um den Leib, was ihr anziehen sollt.

Sorgt euch nicht: Und dennoch tut es doch einer jeder von uns immer wieder. Das ist menschlich. Wichtig ist nur immer wieder im Sinne eines Warnschildes zu erkennen, das dies nichts Gutes ist, wir täglich neu der inneren Sorge das Vertrauen entgegenstellen müssen. Wir wollen durch Sorge sorglos werden, aber in Wahrheit erweist sich das Gegenteil. Sorge ist der größte Tyrann und wenn sie nicht immer wieder entsorgt wird, wird sie die Seele verseuchen. Gott ist die eigentliche Befreiung von der Sorge des Menschen. Der Herr ist unser Lastenträger. Auf ihn müssen wir all unsere Sorgen werfen.

Der Glaube endet, wo die Sorge anfängt. Corrie Ten Boom

Lk 12,23: ‭Das Leben ist mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung.‭

Lk 12,24: Betrachtet die Raben! Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Speicher noch Scheunen, und Gott nährt sie doch. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!

Aber Achtung: Die Vögel machen sich keine Sorgen, aber sie arbeiten. Vögel sitzen nicht einfach mit offenem Mund da und erwarten, dass Gott sie füllt.

Wie viel mehr Wert seid ihr als die Vögel? Die Sorge, die viele Menschen über die materiellen Dinge des Lebens haben, wurzelt in einem geringen Verständnis ihres Wertes vor Gott. Sie begreifen nicht, wie sehr Er sie liebt und sich um sie kümmert.

Lk 12,25: Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?

Sorge ist immer auf das Morgen gerichtet. Der Gedanke an das Morgen liefert mich der Sorge aus. Wer dagegen das Morgen ganz in die Hand Gottes legt und das Heute offen empfängt, der lebt und ist in Gott. Das tägliche Empfangen macht mich frei vom Morgen. Versuche daher deine Sorgen loszulassen. Zerbreche dir nicht ständig den Kopf über vielerlei Dinge. Was soll ich machen? Warum ist dieser Mensch so? Bin ich gut genug? Was denkt der andere von mir? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist.

Haben Sie doch keine Sorge um das Morgen. Denken wir nur daran, das Heute gut zu machen. Und wenn der morgige Tag kommt, heißt auch er wieder heute und dann werden wir an ihn denken. Auch darin müssen wir großes Vertrauen und große Hingabe an die Vorsehung Gottes haben. Wir sollen Vorräte an Manna nur für einen Tag und nicht für länger anlegen. Zweifeln wir doch nicht daran, Gott wird morgen und übermorgen und alle Tage unserer irdischen Wanderschaft neues Manna regnen lassen. Franz von Sales

Lk 12,26: ‭Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, was sorgt ihr euch um das Übrige?‭

Lk 12,27: Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit ist nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen!

Sonne und Regen: Gott kümmert sich um die Blumen, aber das bedeutet, dass nicht jeder Tag für die Blumen Sonne und Süße ist. Wenn jeder Tag sonnig wäre und es nie Wolken oder Regen gäbe, würden die Blumen schnell sterben

Lk 12,28: ‭Wenn aber Gott das Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen!‭

Lk 12,29: Und ihr sollt auch nicht danach trachten, was ihr essen oder was ihr trinken sollt; und beunruhigt euch nicht!

Lk 12,30: Denn nach all diesem trachten die Heidenvölker der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr diese Dinge benötigt.

Der fürsorgende Vater: Er sagte nicht: Gott, sondern: Vater, um ihnen ein größeres Vertrauen einzuflößen. Denn wo ist ein Vater, der seinen Kindern das Notwendige nicht geben ließe? Aber er seht noch etwas Anderes hinzu; denn du kannst nicht sagen, daß er zwar ein Vater ist, aber nicht wisse, daß wir dieses bedürfen. Denn wer die Natur schuf, kennt ihre Bedürfnisse. Goldene Perle

Lk 12,31: Setzt euch vielmehr für Gottes Reich ein, dann wird er euch mit allem anderen versorgen.

Gottes Reich steht an erster Stelle: Die Gemeinschaft Jesu und der Gehorsam gegen sein Gebot kommt zuerst, alles andere folgt nach! Das Reich Gottes ist wichtiger als alles andere, wichtiger als ich selbst und mein Glück. Alles zu wollen, was Gott will, es immer zu wollen, bei allen Gelegenheiten und ohne Einschränkungen, das ist das Reich Gottes, das ganz innen ist. Darum sorge dich nicht um dein eigenes Glück, sondern setze dich ein für die Dinge Gottes. Das befreit vom Ich. Und nur in der Befreiung von unserem eigenen Ich können wir umso mehr dafür einsetzen, dass sein Wille geschieht.

Gleichförmigkeit mit Gottes Willen: Die Gleichförmigkeit unseres Herzens mit Gottes geoffenbartem Willen besteht darin, daß wir das alles wollen, was die göttliche Güte als ihre Absicht offenbart, daß wir glauben, was sie lehrt, erhoffen, was sie verspricht, fürchten, was sie androht, lieben und tun, was sie befiehlt und verlangt. Durch seinen Willen verlangt Gott, daß wir das tun, was er uns sagt. Er gibt uns alles dazu, was wir brauchen, mahnt und drängt uns, dies auch zu verwenden. So treibt er uns dazu an, mahnt uns, muntert uns auf, regt uns dazu an, hilft und unterstützt uns. Unsere Liebe aber gibt das Herz ihm hin und weiht es ihm mit inniger Liebe. Die Liebe des Wohlwollens, die Gott alles unterwerfen will, unterwirft folglich unser Verlangen und Wollen dem geoffenbarten Willen Gottes.

Worte von Faustina: Treue Hingabe an den Willen Gottes immer und überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen, gibt Gott große Ehre. Eine solche Hingabe an den Willen Gottes hat in seinen Augen mehr Gewicht als langes Fasten, Abtötungen und strengstes Büßen. Oh, wie groß ist der Lohn für einen Akt liebender Hingabe an den Willen Gottes! Eine Gott liebende Seele, die in ihm versenkt ist, geht ihrer Pflicht mit derselben Einstellung nach, wie zur heiligen Kommunion und verrichtet die geringste Tätigkeit mit großer Sorgfalt, unter dem liebenden Auge Gottes. Sie ist nicht verwirrt, wenn sich nach einiger Zeit eine Sache als weniger geglückt erweist. Sie bleibt ruhig, denn während ihres Handelns hat sie alles getan, was in ihrer Macht war. Faustyna

Diese Entscheidung – zuerst das Reich Gottes zu suchen – ist die grundlegende Entscheidung, die jeder trifft, wenn er zum ersten Mal umkehrt und sich bekehrt. Doch jeden Tag danach wird unser christliches Leben diese Entscheidung entweder bekräftigen oder verneinen.

Lk 12,32: Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.

Worte von Charles de Foucauld: Welch sanfte Rede in diesen drei Worten: Fürchtet euch nicht! Wir haben nichts zu befürchten, und Du bist es, der uns dies sagt, höchste Wahrheit! Wie mild dies ist! In welchen Frieden Du uns führst! «Kleine Herde», kleine Kinder, liebevoll väterliches Wort, ganz zärtlich. «Euer Vater», du nennst Gott «Unser Vater». Wir sind Kinder Gottes. Gott ist uns ein Vater, er schaut mit einem wachsamen Blick auf uns, liebt uns wie ein Vater seine Kinder liebt. Wie glücklich wir doch sind!

Nur bei Lukas steht das Trostwort für die kleine Herde.

Lk 12,33: Verkauft eure Habe und gebt Almosen! Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz, der nicht vergeht, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt und keine Motte ihr Zerstörungswerk treibt.

Aus einem Besitzenden wird leicht ein von seinem Besitz Besessener. Wie schnell gewinnen die Dinge Macht über uns! Wie schnell macht uns das, was uns dienen soll zu Gefangenen, zu Abhängigen, wenn wir nichts anderes mehr kennen, wenn all unser Denken und Sorgen nur noch ums Geld kreist, um Reichtum, Ansehen und Erfolg, wenn wir nur noch hetzen und jagen: mehr, größer, schneller, noch effizienter. Pius Kirchgessner

Bedeutung von Almosen: Denn es gibt keine Sünde, die das Almosen nicht hinwegschaffen könnte; es ist ein für jede Wunde passendes Gegenmittel. Aber das Almosen geschieht nicht nur in Geld, sondern auch in Handlungen, indem Jemand einen anderen beschützt, indem der Arzt heilt, indem der Weise ratet. Denn ohne Almosen ist es unmöglich, das Reich zu sehen. Wie nämlich eine Quelle, welche nicht ausfließt, schlecht wird, so auch die Reichen, wenn sie Alles bei sich behalten. Goldene  Perle

Nur Gast auf Erden: Wir sind nur Gäste auf dieser Erde. Hängen wir unser Herz daher allein an Gott. Unsere Heimat ist im Himmel! Bedenkt, dass ihr Gast seid auf Erden, Pilger auf dem Weg zu Gott. Ruft es euch immer wieder ins Gedächtnis! Macht euch das immer wieder bewusst! Und lebt so, dass ihr dieses Ziel erreicht.

Worte von Charles de Foucauld: Wie gut Du doch bist, mein Gott, indem Du uns so fest an Dich bindest, ganz fest an Dich allein, indem Du uns aus allem befreist, was auch immer geschieht. In welch einen Frieden ziehst Du uns. Vielmehr noch lässt Du uns dort ein wahres Leben leben, indem Du uns von allem Besitz befreist, von jeder menschlichen Bindung! Wie gut bist Du, weil Du uns entbindest von allem was nicht Du bist, damit, gänzlich entleert von allem Geschaffenen, in unserer Seele ganz arm, in unserem Geist geleert und entledigt von aller Bindung, die nicht Du selber bist, damit wir gänzlich an Dich gebunden seien, erfüllt nur von Dir allein, maßlos reich, Dich zu besitzen, so sehr wie es unsere Natur nur eben ermöglicht, der Deine Gnade dabei behilflich ist.

Lk 12,34: Wo nämlich euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Schatz und Herz: Denn jeder Mensch hängt der Natur gemäß von dem ab wonach er strebt. Darauf richtet er seine ganze Seele, wo er seinen ganzen Nutzen zu besitzen glaubte. Wenn also Jemand auf die Dinge des gegenwärtigen Lebens seine ganze Seele und sein ganzes Bestreben, welches er Herz nannte, richtet, so hält er sich im Irdischen aus. Wenn er aber seine Seele auf das Himmlische hinrichtet, so hat er dort seine Seele, so daß er allein mit dem Leib bei den Menschen zu sein scheint, aber mit der Seele schon in die himmlischen Wohnungen eingetreten ist.

Wort der Wüstenväter: Ein Bruder sagte mir: Eines Tages, als ich zu Abbas Cronios vom Berg Panahon ging, sagte er mir: Gib acht, mein Sohn, dass du dort, wo du gehst und wo du wohnst, dein Herz nicht niederlässt, in der dass du dich für immer niederlässt, sondern sei dort wie ein Fremder. Apophthegmata

Lk 12,35-48: Vorbereitung auf sein Kommen

Lk 12,35: Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lichter brennend.

Umgürtete Lenden und brennende Lichter: Die Jünger sollten ihrem Herrn nicht nur in Bezug auf ihre Versorgung vertrauen, sondern auch in ständiger Erwartung seiner Wiederkunft leben. Sie sollten ihre Lenden umgürten und ihre Lampen brennend erhalten. In östlichen Ländern wurde ein Gürtel um die Taille geschlungen, um die langen, weiten Gewänder zu halten, wenn ein Mensch schnell gehen oder laufen wollte. Die umgürtete Lende spricht von einem Auftrag, der zu erfüllen ist, die brennende Lampe kündet vom Zeugnis, das zu erhalten ist. MacDonald

Worte von Cyprian: Umgürtet müssen wir sein, damit wir nicht, wenn der Tag des Aufbruchs kommt, unvorbereitet und ungerüstet angetroffen werden. Leuchten und strahlen lasst unser Licht in guten Werken (vgl. Mt 5,16), damit es uns aus dieser Finsternis der Welt zum Glanz der ewigen Herrlichkeit emporführe! Lasst uns stets wachsam und vorsichtig der plötzlichen Ankunft des Herrn harren, damit, wenn er anklopft, unser Glaube wach ist und den Lohn seiner Wachsamkeit vom Herrn empfängt!

Worte von Katharina von Siena: Es kommt häufig vor, dass der Mensch an einer Sache arbeitet, die dann nicht so gelingt, wie er es sich gewünscht hat. Traurigkeit und Überdruss bemächtigen sich dann seines Geistes, und er sagt sich: Es wäre besser, dieses Unternehmen, das mich so viel Zeit gekostet und nichts gebracht hat, aufzugeben und stattdessen Frieden und Ruhe für meine Seele zu suchen. Die Seele muss dann widerstehen durch ihr Verlangen nach der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen. Sie muss die Regungen der Eigenliebe zurückweisen, indem sie sagt: Ich will die Arbeit weder meiden noch fliehen, weil ich des Friedens und der Ruhe nicht würdig bin. Ich will auf dem mir anvertrauten Posten bleiben und mutig Gott die Ehre geben, indem ich für ihn und den Nächsten arbeite. Ja: Manchmal bringt uns der Dämon dazu, weil er uns unsere Unternehmungen verleiden will, in der Verwirrung unseres Geistes zu sagen: Ich beleidige Gott mehr als dass ich ihm diene. Es wäre besser diese Angelegenheit aufzugeben, nicht aus Abscheu, sondern um keinen Fehler mehr zu begehen. Hören Sie nicht auf den Dämon, wenn er Ihrem Geist und Ihrem Herzen solche Gedanken eingibt. Vielmehr nehmen Sie diese Mühen mit Freude an, mit heiligem, glühendem Verlangen und ganz ohne sklavische Furcht. Fürchten Sie nicht, Gott zu beleidigen, denn die Beleidigung besteht in einem verkehrten und schuldhaften Willen. Sünde liegt nur dann vor, wenn der Wille nicht mit Gott übereinstimmt.

Lk 12,36: Seid Menschen gleich, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.

Auf den Herrn warten: Sie sollten von allen irdischen Belastungen frei sein, sodass sie sofort, wenn der Herr anklopft, aufmachen können, ohne Ablenkung und ohne sich erst fertig machen zu müssen. Ihre Herzen warten auf ihn, ihren Herrn, sie lieben ihn und sie warten auf ihn. Er klopft an und sie öffnen ihm sofort. Das Warten auf die Rückkehr unseres Herrn sollte unser Herz mit großer Freude erfüllen. Wir warten nicht auf irgendeinen Herrn, sondern auf den Herrn, der für uns gegeißelt und gefoltert wurde, der für uns das schwere Kreuz auf sich genommen und uns unsere Sünden verziehen hat. Wir warten auf die Person, die uns am meisten liebt und uns zu sich einladen will. Wie wollen wir diese Person in Empfang nehmen, wenn sie kommt?

Lk 12,37: Glückselig sind jene Knechte, welche der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird!

Wachen: Es wacht der, welcher bei dem Anblick des wahren Lichtes die Augen der Seele geöffnet hält, welcher im Worte das bewahrt, was er glaubt, welcher von sich die Finsternis der Schläfrigkeit und Nachlässigkeit verbannt

Lk 12,37: Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und sie zu Tisch führen und hinzutreten und sie bedienen.

Rollentausch: Bis der Herr von der Hochzeit zurückkommt, warteten seine Knechte bereitwillig auf ihn, um auf seinen Befehl hin sofort tätig zu werden. Er ist mit ihnen so zufrieden, dass er hier die Rollen tauscht. Er gürtet sich selbst mit einem Sklavenschurz, lässt sie sich zu Tisch legen und bedient sie. Das ist eine sehr bewegende Hinweis darauf, dass er, der in diese Welt als Knecht gekommen ist, sich in seiner Gnade herablassen wird, sein Volk in dessen himmlischer Heimat zu bedienen. Der deutsche Bibelausleger Bengel war der Meinung, dass Vers 37 die größte Verheißung des Wortes Gottes sei. MacDonald

Gesegnet: Jene Diener, die auf die Rückkehr ihres Herrn achten, werden gesegnet sein. Sie sind tatsächlich so gesegnet, dass der Herr die Rollen vertauschen und ihnen dienen wird, indem er seine Lenden umgürtet und sie an den Tisch setzt und ihnen dient.

Lk 12,38: ‭Und wenn er in der zweiten Nachtwache kommt oder in der dritten Nachtwache kommt und sie so findet, glückselig sind jene Knechte!‭

Lk 12,39: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so würde er wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen.

Lk 12,40: Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.

Zeit des Kommens Christi ist unsicher: Jesus beschreibt einen Mann, in dessen Haus in einem unbewachten Augenblick eingebrochen wird. Der Dieb kam völlig unerwartet. Wenn der Hausherr davon gewusst hätte, so hätte er nicht erlaubt, dass sein Haus durchgraben würde. Die Lehre hier ist, dass die Zeit des Kommens Christi unsicher ist, und niemand kennt den Tag oder die Stunde seines Erscheinens. Wenn er kommen wird, dann werden die Gläubigen, die sich auf Erden einen Schatz aufgehäuft haben, alles verlieren, weil, wie jemand einmal gesagt hat: der Christ entweder seinen Besitz verlässt oder sich ihm hingibt. Wenn wir die Wiederkunft Christi wirklich erwarten, dann verkaufen wir alles, was wir haben und legen es Jesus zu Füßen. MacDonald

Worte von Carmen Gallinger: Jesus erklärt seinen Jüngern, dass keiner die Stunde kennt, in der der Menschensohn kommt. Die Tatsache, dass es nicht berechenbar ist, wann der Herr wiederkommt und wir keinen Einfluss darauf ausüben können, lässt zwei Möglichkeiten offen. Entweder ist uns sein Kommen gleichgültig und wir leben unberührt unser Leben, oder wir nehmen es uns zu Herzen und warten mit Sehnsucht und Wachsamkeit auf ihn. Wie viel ist mir mein Glaube zu Jesus Christus wert? Wünsche ich mir seine Gegenwart in meinem Leben zu jeder Stunde?

Lk 12,41: ‭Da sprach Petrus zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis für uns oder auch für alle?‭

Lk 12,42: ‭Der Herr aber sprach: Wer ist wohl der treue und kluge Haushalter, den der Herr über seine Dienerschaft setzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die verordnete Speise gibt?‭

Worte von G. de Koning: Wenn Jesus eine Frage stellt, geschieht das immer mit der Absicht, dass man selbst darüber nachdenkt. Es geht daher auch nicht darum, zu wem Er spricht oder nicht spricht, es geht darum, dass Er zu mir spricht. Die Frage ist, ob ich ein treuer und kluger Verwalter über das bin, was Er mir anvertraut hat, damit ich anderen damit diene. Wir alle haben etwas von Ihm bekommen und müssen es verwalten (1Pet 4,10). In diesem Dienst sind wir von Ihm abhängig.

‭Lk 12,43: Glückselig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!

Worte von G. de Koning: Wer so in Abhängigkeit dem Herrn dient, indem er anderen dient, den nennt Er „glückselig“. Er spricht nun zum dritten Mal das „Glückselig“ aus, diesmal über den aktiven Knecht. Es geht also nicht nur darum, dass wir warten (Vers 36) und wachen (Vers 37), sondern auch, dass wir in dem Werk, das Er uns aufgetragen hat, fleißig sind.

Lk 12,44: ‭Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.‭

Lk 12,45: ‭Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen spricht: Mein Herr säumt zu kommen! und anfängt, die Knechte und die Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen.

Worte von G. de Koning: Doch es kann auch anders gehen. Es kann sein, dass der Verwalter sich innerlich von seinem Herrn entfremdet. Das Warten dauert ihm zu lang. So allmählich denkt er nicht mehr an das Kommen seines Herrn. Das äußert sich im Verhältnis zu seinen Mitknechten. Statt zu dienen, fängt er an, mit harter Hand zu herrschen. Auch in seinem persönlichen Leben läuft es dann falsch. Er fängt an, den Dingen nachzustreben, die das Leben ausmachen.

‭Lk 12,46: So wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweihauen und ihm sein Teil mit den Ungläubigen geben.‭

Lk 12,47: Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht bereithielt und auch nicht nach seinem Willen tat, wird viele Schläge erleiden müssen.

Lk 12,48: Wer ihn aber nicht kannte und doch tat, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge erleiden müssen. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.

Aufgabe und Verantwortung: Wie ein Vater seinem Kind Verantwortung schenken möchte, damit es wächst und in höherem Maße am Leben teilnehmen kann, so schenkt uns der Herr das Vertrauen und die Aufgabe, dankbar mit dem Geschenk des Glaubens umzugehen. Wie viel ist uns durch die Freundschaft mit Gott gegeben worden und mit welch hoffnungsvollem Blick dürfen wir dank der Frohen Botschaft Christi durch unser Leben gehen! Wir sind berufen, unseren Glauben verantwortungsvoll und dankbar anderen vorzuleben. Carmen Gallinger

Uns ist viel anvertraut: Die Sinnspitze des Evangeliumstextes besteht darin, dass sich die Jünger als diejenigen begreifen sollen, denen viel anvertraut und gegeben wurde und von denen entsprechend auch viel verlangt wird. Was von ihnen verlangt wird, ist zweierlei: Ihr Schatz soll nicht im Irdischen verortet sein, sondern das Herz der Jünger soll sich ganz dem Himmel, dem anvertrauten Reich Gottes zuwenden. Und die Jünger sollen in der steten Bereitschaft und Wachsamkeit leben, dass Gottes Reich auch auf Erden ganz sichtbar wird. Denn genau dies geschieht, wenn der Herr wiederkommt

Lk 12,49-53: Warnung vor Spaltungen

Lk 12,49: Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu bringen, und wie wünschte ich, es wäre schon entzündet!

Feuer auf der Erde: Der Herr Jesus wusste, dass sein Kommen auf die Erde zunächst keinen Frieden bringen würde. Zuerst musste es Spaltung, Zwietracht, Verfolgung und Blutvergießen hervorrufen. Er kam zwar nicht mit dem erklärten Ziel, dieses Feuer auf die Erde zu werfen, doch dies war das Ergebnis oder die Auswirkung seines Kommens. Obwohl Verfolgung und Zwistigkeiten während seines irdischen Dienstes auftraten, wurde das Herz des Menschen erst am Kreuz wirklich entlarvt. Der Herr wusste, dass dies alles geschehen musste, und er wünschte sich, dass das Feuer der Verfolgung so bald wie nötig gegen ihn hervorbrechen würde. MacDonald

Worte von Papst Franziskus: Das Feuer, von dem Jesus spricht, ist das Feuer des Heiligen Geistes, lebendige und wirksame Gegenwart in uns vom Tag unserer Taufe an. Das Feuer ist eine schöpferische Kraft, die reinigt und erneuert. Es verbrennt jedes menschliche Elend, jeden Egoismus, jede Sünde. Es verwandelt uns von Innen her, es erneuert uns und macht uns fähig zu lieben. Jesus wünscht, dass der Heilige Geist in unserem Herzen wie ein Feuer auflodert, denn nur vom Herzen ausgehend wird sich der Brand der göttlichen Liebe ausbreiten und das Reich Gottes vorankommen lassen können. Es geht nicht vom Kopf aus, es geht vom Herzen aus. Und deshalb will Jesus, dass das Feuer in unser Herz eintritt. Wenn wir uns vollständig dem Wirken dieses Feuers öffnen, das der Heilige Geist ist, wird er uns den Wagemut und den Eifer schenken, Jesus und seine tröstende Botschaft der Barmherzigkeit und des Heils allen zu verkünden, indem wir auf die offene See hinausfahren, ohne Ängste. Papst Franziskus

Lk 12,50: Aber ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe, und wie drängt es mich, bis sie vollbracht ist!

Eine Taufe. Jesus wurde am Anfang seines öffentlichen Lebens von Johannes getauft. Hier spricht er aber über eine andere Taufe: die seines Leidens, Sterbens und Auferstehens. Er ist ja Mensch geworden, um uns durch Passion, Tod und Auferstehung zu erlösen. So groß war seine Liebe zu uns, dass er das herbeisehnte, obwohl seine menschliche Natur genau wie die unsere auch Angst vor Leiden und Tod spürte. Wenn ich Schwierigkeiten begegne, habe ich dann eine Liebe, die mir Kraft gibt und mich vorantreibt? Eva Gloserová

Taufe seines Todes: Er hatte eine Taufe, womit er getauft werden musste. Das bezieht sich auf seine Taufe bis zum Tod am Kreuz. Er stand unter dem ungeheuren Zwang, ans Kreuz zu gehen, um die Erlösung für die verlorene Menschheit zu erreichen. Die Schande, das Leid und der Tod waren des Vaters Wille für ihn, und er wollte unbedingt gehorchen. MacDonald

Lk 12,51: Meint ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf Erden zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung!‭

Lk 12,52: ‭Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei mit zweien und zwei mit dreien.

Lk 12,53: Der Vater wird mit dem Sohn entzweit sein und der Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der Tochter und die Tochter mit der Mutter, die Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.‭

Lk 12,54-59: Warnung vor Krisen

Lk 12,54: ‭Er sprach aber auch zu der Volksmenge: Wenn ihr das Gewölk aufsteigen seht vom Westen her, so sagt ihr sofort: Es gibt Regen!, und es geschieht auch so.‭

Lk 12,55: ‭Und wenn der Südwind weht, so sagt ihr: Es wird heiß!, und es geschieht auch so.‭

Lk 12,56: Ihr Heuchler! Aus den Zeichen am Himmel oder auf der Erde könnt ihr das Wetter vorhersagen. Warum könnt ihr dann nicht beurteilen, was heute vor euren Augen geschieht?

Gottes Zeichen: Gottes Vorsehung lenkt alles. Wir wissen das durch den Glauben und manchmal schickt er uns auch ein Zeichen, wie um zu sagen: Ja, ich bin wirklich hier. Einmal fuhr ein Priester der Legionäre Christi auf einer Straße in Virginia und er dachte gerade über seine Probleme mit einer bestimmten Person nach. Wie soll ich mit dieser Person umgehen? fragte er sich. Vor ihm fuhr ein Wagen auf die Straße. Virginia ist für seine große Zahl von selbst gewählten Kfz-Kennzeichen bekannt. Dieses Kennzeichen vor ihm ließ ihn aber aufblicken. Auf dem Kennzeichen stand CARITAS, das lateinische Wort für Liebe. War das ein Zufall? Er konnte nicht abstreiten, dass das die gesuchte Antwort war. Die Zeichen, die uns einladen, Christus ähnlicher zu werden, müssen von uns am meisten beachtet werden. Steven Reilly

Lk 12,57: Und warum entscheidet ihr nicht von euch selbst aus, was recht ist?‭

Lk 12,58: ‭Denn wenn du mit deinem Widersacher zur Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit er dich nicht vor den Richter schleppt und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergibt und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis wirft.‭

Lk 12,59: ‭Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du auch den letzten Groschen bezahlt hast!‭

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

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