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Lukas Evangelium Lk Kapitel 11 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 11

Lk 11,1-4: Das Vater-unser Gebet

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,1-4

Lk 11,1: Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!

Lk 11,1: Jesus betete einmal an einem Ort.

Um das rechte Gebet bitten: Auch als Jünger brauchen wir Jesus, um uns das Beten beizubringen. Das Gebet ist so einfach, dass das kleinste Kind beten kann, aber es ist so großartig, dass man nicht sagen kann, dass der mächtigste Mann Gottes das Gebet wirklich gemeistert hat. Ihre direkte Bitte war nicht, beten zu lernen, sondern zu beten. Unsere größte Schwierigkeit besteht nicht darin, eine bestimmte Technik oder Herangehensweise im Gebet zu beherrschen (obwohl das gut und hilfreich sein kann); unser größtes Bedürfnis ist einfach zu beten und immer mehr zu beten.

Das Vaterunser beten: Gut ist es, sich vor Augen zu halten, dass jede und jeder Einzelne das Vaterunser von Jesus lernt, dass er selbst uns darin unterweist. Auch wenn wir in einer Stunde nicht mehr als ein einziges Vaterunser beten, so genügt ihm das – wenn wir nur daran denken, dass wir bei ihm sind und die Worte, die wir sprechen, auch verstehen. Wenn wir nur wüssten, wie gern er uns beschenkt und welche Freude es ihm bereitet, bei uns zu sein! Er will nicht, dass wir mit dauerndem Reden unseren Geist ermüden. Möge der Herr euch in diese Art zu beten einführen, soweit ihr sie noch nicht kennt. Theresa von Avila

Worte von Johannes von Damaskus: Das Gebet hat seine Quelle in der Stille und im inneren Frieden; dort offenbart sich die Herrlichkeit Gottes. Denn wenn wir unsere Augen und Ohren schließen, wenn wir uns innerlich in der Gegenwart Gottes befinden, wenn wir, befreit von der Unruhe der äußeren Welt, in uns selbst sind, dann werden wir in unseren Seelen das Reich Gottes deutlich sehen. Denn das Himmelreich oder, wenn man so will, das Reich Gottes ist in uns selbst: Jesus, unser Herr, hat es uns gesagt.

Lk 11,2: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name!

Aufbau des Vaterunser: Das Vaterunser besteht aus sieben Bitten, die ähnlich wie die Zehn Gebote aufgeteilt sind. Die ersten drei Bitten sind Gott zugewandt – vertikal – und die letzten vier Bitten befassen sich mit den horizontalen Beziehungen, die wir zu anderen haben. Ebenso ist das erste große Gebot, den Herrn zu lieben, und das zweite große Gebot, den Nächsten zu lieben.

Unser Vater: Jesus selbst spricht häufig vom Vater. Wenn wir am Anfang des Gebetes „Vater“ sagen, so nimmt uns Jesus mit hinein in diese zärtliche Gottesbeziehung von seinem und unserem Vater. Wir sprechen diese Worte mit Jesus. Als seine Kinder sind wir in Beziehung zu unserem Vater und er erweist uns seine Liebe. Gott ist der Gott aller Menschen. Indem ich „Vater unser“ bete, bin ich immer schon auf meine Mitmenschen verwiesen, ja auch derjenigen Menschen, mit denen wir so unsere Probleme haben. Und dieses „Vater unser“ fordert von mir die Liebe. Franz von Assisi sagte: Alle Geschöpfe sind Kinder des einen Vaters und daher Brüder.

Wir sind alles Geschwister: Nicht ohne Grund sprechen wir das „Vater unser“ in Wir-Form. Augustinus hat einmal gesagt: „Ob sie wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Sie hören erst auf, unsere Brüder zu sein, wenn sie aufhören zu sprechen: Vater unser.“ Wir haben den einen Vater, der uns liebt, ja der die Liebe selbst ist. „Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4:16). Dieser Vater und seine Liebe sind unteilbar, egal wie viel Kirchen es gibt. Und so sind wir alle Geschwister als Kinder Gottes. Lasst uns bei allen Unterschieden nie vergessen. Wir haben alle einen Vater im Himmel, unteilbar in seinem Sein, unteilbar in der Liebe. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag als Kind Gottes.

Geheiligt werde dein Name: Nach dem Anruf folgt nun die erste Bitte. Gottes Name soll geheiligt werde. Auch hier folgen wir Jesus nach, der die Herrlichkeit des Vaters offenbart hat. Jesus verweist uns auf einen Gott, der einen Namen hat und der damit Person ist. Wir dürfen Gott begegnen, der uns als Du gegenübertritt und mit dem wir eine Beziehung eingehen können. Gott in seiner Person soll für uns offenbar werden. In dieser Gottesbeziehung finden wir zu uns selbst und auch den Nächsten.

Lk 11,2: Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden

Dein Reich komme: Jesus hat uns das Kommen des Reiches Gottes verkündigt. Wo dieses Reich Gottes kommt, da geschieht Heilung. Eigentlich ist es nicht notwendig, um das Kommen seines Reiches zu bitten, denn das Reich Gottes wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Die Bitte dient vielmehr dazu, in uns die Sehnsucht zu wecken nach der mystischen Erfahrung des Reiches Gottes, das in uns ist. Wir beten dass das Reich Gottes uns seelisch durchdringt und sich dadurch auch auf den Umgang mit unserem Nächsten auswirkt. Wir sind das Salz und das Licht der Erde, berufen Gottes Reich in Wort und Tat zu verkündigen. In der Bitte um das Reich Gottes bitten wir darum, dass wir dieser Sendung auch gerecht werden können.

Die ersten drei Bitten im Zusammenhang: Betrachten wir zunächst, dass diese ersten drei Bitten an Gott eine einzigartige Beziehung zur Gottheit haben. Die erste Bitte befasst sich mit dem Vater: „Unser Vater … geheiligt werde dein Name.“ Die zweite Bitte befasst sich mit dem „Königreich“; das ist der Sohn. Jesus sprach viele Gleichnisse über den Sohn, der ein Königreich empfangen und als König der Könige zurückkehren würde. Ohne ihn könnten wir nicht einmal zum Vater kommen. Und was „deinen Willen“ betrifft, wer führt uns in den Willen Gottes? Der Geist, der uns den Willen Gottes und die Liebe zu Christus einprägt. Es ist der Geist, der die Macht gibt, den Willen Gottes zu tun. Und so sind der Vater, der Sohn und der Geist in den ersten drei Bitten des Vaterunsers dargestellt.

Lk 11,3: Gib uns täglich unser nötiges Brot!

Das täglich nötige Brot: Empfange täglich, was dir täglich nützen kann. Lebe so, dass du es täglich zu empfangen verdienest. Der Tod des Herrn und die Nachlassung der Sünden wird bezeichnet; wer eine Wunde hat, sucht eine Arznei. Es ist eine Wunde, da wir unter der Sünde sind; eine Arznei ist das himmlische und anbetungswürdige Sakrament. Wenn du es täglich genießt, hast du täglich Heute, steht dir Christus täglich auf. Denn heute ist, wann Christus aussteht. Goldene Kette

Lk 11,4: Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist!

Wille zur Vergebung: Im Vaterunser bekennen wir unseren Willen zu vergeben. Es ist oft schwer, weil Verletzungen tief sein können, aber Gott sieht unser Bemühen. Wenn wir es dann doch schaffen, von Herzen zu vergeben, dann befreit uns das von viel negativer Energie. Vergebung reinigt. Das Vaterunser erinnert uns auch daran, dass wir immer wieder selbst schuldig werden und auf Vergebung angewiesen sind.

Worte von Johannes Cassianus: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! O unaussprechliche Güte Gottes! Er gibt uns damit nicht nur ein Modell, wie wir beten sollen, er stellt nicht nur die Lebensregel auf, nach der wir in seinen Augen Gefallen finden können; diese Formel, die er uns lehrt und von der wir nach seinem Gebot beim Beten beständig Gebrauch machen sollen, stellt selbst eine Mahnung dar, mit der er geradezu zwangsläufig die Wurzeln des Zornes und der Traurigkeit aus uns herausreißt. Damit nicht genug: Er gibt uns die Gelegenheit und macht es uns leicht, ihn durch dieses Gebet zu einem nachsichtigen und barmherzigen Urteil über uns zu bewegen; er gibt uns gewissermaßen die Macht, selbst den Urteilsspruch, der uns erwartet, zu mildern und ihn durch das Beispiel unserer eigenen Nachsicht zur Vergebung zu verpflichten, wenn wir zu ihm sagen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben.“ Kraft dieses Gebetes wird jener die Verzeihung seiner Sünden mit Zuversicht erbitten, der sich seinen Schuldnern gegenüber vergebungsbereit gezeigt hat. […] Wollen wir mit Milde gerichtet werden, dann lasst uns auch selbst denen gnädig sein, die uns Unrecht getan haben. Es wird uns in dem Maß vergeben werden, wie wir denen vergeben, die uns Böses getan haben, worin auch immer ihre Bosheit bestanden haben mag. Johannes Cassianus

Lk 11,4: Führe uns nicht in Versuchung.

Führe uns nicht in Versuchung: Gott selbst versucht uns nicht. In diesen Worten bitten wir, dass uns Gott beisteht, damit wir in der Versuchung standfest bleiben. Auch hier folgen wir Jesus, der ebenso mit der Versuchung zu kämpfen hatte. Weil Jesus selbst versucht worden ist, kann er uns in unserer Versuchung beistehen. So erfahren wir gerade in der Versuchung eine besondere Nähe zu Jesus. Er versteht uns und er hilft uns, damit wir der Versuchung nicht erliegen.

Worte von Charles de Foucauld: Führe uns nicht in Versuchung, ist wie der Schrei Hilfe!, der in jeder Stunde und von einem jeden menschlichen Geschöpf in diesem schmerzhaft zu führenden Lebenskampf ertönt. Ohne Unterlass von den Dämonen bestürmt fallen die Welt und die geschundene Schöpfung in Ohnmacht, ohne Kampfunterbrechung, jeden Moment verletzt und getötet, in sich nichts als Schwäche findend. Der Mensch hat kein anderes Mittel des Sieges als die Macht Gottes. In jeder Stunde und in jedem Augenblick muss er Ihm zurufen: Hilfe!

Lk 11,4: Erlöse uns von dem Bösen!

Erlöse uns von dem Bösen: Das Böse begegnet uns in unserer Welt, aber ebenso in unserem Innern. Wir kennen es doch alle immer wieder: böse Gedanken, in die Irre führende Begegnungen, sinnlose Leiden, Drangsale, böse Menschen und der böse Trieb. Es als gegeben hinnehmen? So bin ich halt! Nein! Unser Leben ist immer auch geistlicher Kampf. Unterwerfen wir daher nach besten Kräften unseren freien Willen der ewig der himmlischen Liebe auf. Franz von Sales schreibt: Nie hat mein Wille soviel Leben als im Augenblick, wo er sich selbst stirbt, und nie ist mein Wille so tot, als wenn er für sich selbst lebt. Machen wir uns zu Sklaven der Liebe.

Wer ist gemeint mit Erlöse uns von dem Bösen? Mit „dem Bösen“ im Vaterunser ist nicht eine negative geistige Kraft oder Energie gemeint, sondern der Böse in Person, den die Heilige Schrift unter den Namen Versucher, Vater der Lüge, Satan oder Teufel kennt. Niemand wird leugnen, dass das Böse in der Welt von verheerender Gewalt ist, dass wir von teuflischen Einflüsterungen umgeben sind, dass in der Geschichte oft dämonische Prozesse ablaufen. Nur die Heilige Schrift nennt die Dinge beim Namen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12). Die Vaterunser-Bitte, vom Bösen erlöst zu werden, trägt das ganze Elend dieser Welt vor Gott und fleht darum, dass Gott, der Allmächtige, uns von allen Übeln befreit, wie es auch im Embolismus zum Ausdruck kommt

Ein gutes Mittel, uns in Herzenserhebungen zu üben, besteht darin, das Vaterunser nacheinander herzunehmen, indem man für jeden Tag einen Satz wählt. Franz von Sales

Lk 11,5-13: Beharrlich beten

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,5-13

Lk 11,5: Dann sagte Jesus zu den Jüngern: Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: Leih mir doch bitte drei Brote.

Bilder in diesem Vers: Dieser Freund ist Gott, welcher Alle liebt und Alle selig machen will. Wer ist auch gegen uns ein größerer Freund, als der, welcher für uns seinen Leib hingab? Es wird uns aber hier ein anderes Gebot gegeben, dass man alle Augenblicke, nicht nur am Tage, sondern auch zur Nacht, beten soll. Der Freund, zu dem er mitten in der Nacht kommt, damit er ihm drei Brote leihe, wird zum Gleichnis genommen, wonach Jemand Gott mitten in der Trübsal bittet, dass er ihm die Erkenntnis der Dreieinigkeit verleihen wolle, wodurch er sich in den Mühen dieses Lebens trösten könnte. Denn die Drangsal ist die Mitternacht selbst, welche ihn inständig um die drei Brote zu bitten zwingt. In den drei Broten liegt auch die Eine Wesenheit der Dreieinigkeit. Wenn du aber die drei Brote, d.h. das Verständnis der Dreieinigkeit, erlangst, so hast du genug zu leben und zu genießen. Fürchte nicht, damit zu Ende zu kommen. Denn jenes Brot geht nicht zu Ende, sondern macht deinem Bedürfnis ein Ende. Lerne und lehre; lebe und genieße.

Beharrlichkeit im Gebet: Es brauchte viel Kühnheit für den Mann in der Geschichte, seinen Freund mitten in der Nacht so schamlos zu fragen; er wollte und brauchte das Brot wirklich. Gott wartet oft auf unsere leidenschaftliche Beharrlichkeit im Gebet. Es ist nicht so, dass Gott zögert und überzeugt werden muss. Unsere Beharrlichkeit verändert Gott nicht; es verändert uns und entwickelt in uns ein Herz und eine Leidenschaft für das, was Gott will.

Lk 11,6: ‭Denn mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann!‭

Lk 11,7: Jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! Die Türe ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben!

Lk 11,8: ‭Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.‭

Lk 11,9: Ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!

Beständiges, wiederholtes Bitten: Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz „Dein Wille geschehe“, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Weiter: es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben. Außerdem: überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird: Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen. Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwer fällt und wo wir leiden darüber, dass Gott scheinbar nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.

Diese Aufforderung steht direkt nach dem Vater unser. Bittet, sucht und klopft! Empfehlt euch jeden Morgen Gott an. Sprecht mit ihm, wie mit einem Freund und dennoch mit großer Ehrfurcht. Gott wird uns nicht abweisen. Er gibt uns, was wir zum Leben und zur Liebe brauchen. Gott ist unser guter Vater. Er weiß, was uns guttut. Erheben wir möglichst häufig daher unser Herz zu Gott

Lk 11,10: Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan.‭

Lk 11,11: ‭Welcher Vater unter euch wird seinem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bittet? Oder wenn ‭er ihn‭ um einen Fisch ‭bittet‭, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange?‭

‭Lk 11,12: Oder auch wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion geben?‭

Lk 11,13: Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten!

Worte von Symeon: O Wunder! O allen unbekanntes Geheimnis, unbekannt denen, die sich nicht um ein reines Herz bemüht haben, unbekannt denen, die nicht mit glühendem Herzen darum bitten, den göttlichen Geist zu empfangen, unbekannt denen, die nicht glauben, dass Gott auch jetzt noch denen den Heiligen Geist gewährt, die ihn suchen. Denn der Unglaube verdrängt und verscheucht den göttlichen Geist: Wer nicht glaubt, der bittet nicht; und wer nicht bittet, der empfängt auch nicht. Der Meister aller himmlischen und irdischen Wesen hat uns den göttlichen Geist geschenkt und dieser Geist, der Gott ist, gibt uns alle Güter.

Lk 11,14-26: Jesus Antwort auf Anklagen

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,14-26

Lk 11,14: Und er trieb einen Dämon aus, und der war stumm. Es geschah aber, nachdem der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme. Und die Volksmenge verwunderte sich.

Die verwunderte Volksmenge: Sie glaubten, dass sie den Dämon dazu bringen müssten, seinen Namen zu offenbaren, oder sie hätten keine Autorität über den Dämon, um ihn auszutreiben. Deshalb wunderte sich die Menge , als Jesus einen Dämon austrieb, der Stummheit verursachte. Nach jüdischem Denken jener Zeit war es unmöglich, den Dämon auszutreiben, weil er den Mann unfähig machte zu sprechen und den Namen des Dämons zu enthüllen.

Lk 11,15: Aber etliche von ihnen sprachen: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus!

Lk 11,16: ‭Und andere versuchten ihn und verlangten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel.‭

Lk 11,17: Er aber, da er ihre Gedanken kannte, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus, das gegen sich selbst ist, fällt.

Er antwortet nicht auf Wortes, sondern auf Gedanken, damit sie doch so angetrieben würden, an die Macht dessen zu glauben, welcher in das Innere des Herzens sah.

Lk 11,18: ‭Wenn aber auch der Satan mit sich selbst uneins ist, wie kann sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich treibe die Dämonen durch Beelzebul aus.‭

Lk 11,19: ‭Wenn ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.‭

Lk 11,20: Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen!

Der Heilige Geist als Finger Gottes: Der Heilige Geist heißt Finger Gottes, während der Sohn Hand und Arm des Vaters heißt. Denn der Vater wirkt Alles durch ihn. Wie also der Finger von der Hand nicht getrennt, sondern der Natur nach mit ihm verbunden ist, so ist der Heilige Geist wesentlich mit dem Sohn verbunden, und der Sohn wirkt Alles durch ihn.

‭Lk 11,21: Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so bleibt sein Besitztum in Frieden.‭

Lk 11,22: ‭Wenn aber der, welcher stärker ist als er, über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine Waffenrüstung, auf die er sich verließ, und verteilt seine Beute.‭

Jesus besiegt den starken Mann: Jesus hat diesen starken Mann einfach besiegt und allen gezeigt, dass er stärker ist als er. Jesus machte deutlich, dass er der stärkere Mann war, der nicht unter dem starken Mann gefangen war. Seine Botschaft war: „Ich bin nicht unter Satans Macht. Stattdessen beweise ich, dass ich stärker bin als er, indem ich ihn aus denen vertreibe, die er besessen hat.

Lk 11,23: ‭Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut!‭

Jünger sein: Jünger sein bedeutet, dem Herrn zu folgen und so auf seiner Seite zu stehen. Es bedeutet, mitzuarbeiten, um zu einen, nicht zu zerstreuen. Solch ein Jünger ist nicht teilnahmslos, sondern selbst auf dem Weg. Stell dir vor, wirklich an seiner Seite zu sein und mit ihm zu gehen! Er selbst ist es, der dich dazu einlädt.

Lk 11,24: ‭Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er wasserlose Gegenden und sucht Ruhe. Und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will zurückkehren in mein Haus, aus dem ich weggegangen bin.‭

Lk 11,25: ‭Und wenn er kommt, findet er es gesäubert und geschmückt.‭

‭Lk 11,26: Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen dort, und es wird der letzte Zustand dieses Menschen schlimmer als der erste.‭

Lk 11,27-28: Gottes Wort hörend bewahren

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,27-28

Lk 11,27: Es geschah aber, als er dies redete, da erhob eine Frau aus der Volksmenge die Stimme und sprach zu ihm: Glückselig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!

Lk 11,28: Er aber sprach: Glückselig sind vielmehr die, die Gottes Wort hören und es bewahren!

Glückselig: Wer Jesus begegnet und sein Wort hört, empfängt eine neue Fähigkeit zur Freude, eine neue Freiheit zum Wort. Das hat die Frau erfahren, die auf einmal nicht mehr schweigen konnte und die Mutter Jesu glücklich preisen musste. Die Ehrung der Mutter gilt in Wirklichkeit Jesus selbst. Seine Antwort ist keine Zurückweisung, sondern eine Klarstellung, und zwar nach zwei Richtungen: 1. Maria ist glücklich zu preisen nicht schon deshalb, weil sie die leibliche Mutter Jesu ist, sondern weil sie zu denen gehört, „die das Wort Gottes hören und es befolgen“; 2. Maria ist die vollkommene Hörerin des Wortes, aber sie ist nicht die einzige; alle, die das Wort Gottes hören und es befolgen, haben Gemeinschaft mit Jesus, und sie alle sind glücklich zu preisen. Erzabtei Beuron

Selig, die das Wort Gottes aufnehmen: Es ist das Verdienst der Jungfrau Maria, Christus in ihrem Schoß empfangen zu haben, doch steht es allen Erwählten zu, ihn mit Liebe in ihrem Herzen zu tragen. Selig, ja überselig ist die Frau, die Jesus neun Monate lang in ihrem Leib getragen hat (vgl. Lk 11,27). Selig aber sind auch wir, wenn wir darauf achten, ihn unablässig in unserem Herzen zu tragen. Sicherlich war die Empfängnis Christi im Schoß Mariens ein großes Wunder, aber es ist kein geringeres Wunder, dass er Gast in unserem Herzen wird. Das ist die Bedeutung des Zeugnisses von Johannes: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten“ (Offb 3,20). […] Auch hier, meine Brüder, sollten wir bedenken, welche Würde wir haben und welche Ähnlichkeit mit Maria. Die Jungfrau empfing Christus in ihrem leiblichen Schoß, und wir tragen ihn im Schoß unseres Herzens. Maria hat Christus genährt, indem sie ihm die Milch ihrer Brüste gab, und wir können ihm das vielfältige Mahl guter Taten anbieten, das ihm so köstlich mundet. Petrus Damiani

Worte aus der goldenen Kette: Durch diese Antwort verschmähte er nicht die Mutter, sondern zeigte, dass ihr die Geburt nichts genützt hätte, wenn sie nicht sehr gut und gläubig gewesen wäre. Wenn übrigens Maria es nichts nützte, ohne die Tugenden der Seele, da Christus von ihr geboren wurde, so kann es umso weniger uns etwas nützen, wenn wir einen tugendhaften Vater, oder eine tugendhafte Mutter, oder einen tugendhaften Sohn haben, aber seine Tugend nicht besitzen.

Lk 11, 29-32: Jesus warnt vor Unglauben

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,29-32

Lk 11,29: Als aber die Volksmenge sich haufenweise herzudrängte, fing er an zu sagen: Dies ist ein böses Geschlecht! Es fordert ein Zeichen; aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona.

Zeichen fordern. Auch wir fordern von Gott manchmal unbewusst Zeichen, die es uns erleichtern, an seine Gegenwart und manchmal sogar an seine Existenz zu glauben. Wir fühlen uns dann sicherer, dass Gott mit uns ist und manchmal brauchen wir auch kleine Zeichen, weil wir schwach sind und uns allzu schnell entmutigen lassen. Aber das größte und letzte Zeichen Gottes für den Menschen sind der Tod und die Auferstehung Jesu Christi. In diesem Zeichen hat er uns gezeigt, dass er bereit ist, alles aus Liebe für den Menschen und aus Sorge um sein ewiges Heil hinzugeben. Er möchte, dass auch wir als Christen dieses Zeichen weitertragen und selber zum „Zeichen“ seiner Liebe für andere werden.

Worte der goldenen Kette: Das Zeichen ist eine deutliche Sache, welche etwas Verborgenes offenbar macht, wie das Zeichen des Jona Christi Hinabsteigen zur Unterwelt und Wiederkehr, so wie die Auferstehung von den Toten darstellt. Er gibt ihnen ein Zeichen nicht vom Himmel, weil sie eines solchen unwürdig waren, sondern von der Tiefe, nämlich das Zeichen der Menschwerdung, nicht der Gottheit, des Leidens, nicht der Verherrlichung.

Lk 11,30: ‭Denn gleichwie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlecht sein.‭

Jesus selbst ist das Zeichen: Jesus ist dieses Zeichen, sowohl für seine gegenwärtige als auch für unsere Generation. Jesus selbst ist das Zeichen; wir sollen an Ihn glauben, nicht an ein Zeichen.

Die Liebe Christi am Kreuz. Gott kam nicht in diese Welt, um uns mit außergewöhnlichen Handlungen und Zeichen zu befreien. Er kam, um uns seine Liebe zu uns zu zeigen, damit wir an sie glauben und dadurch verwandelt und geheilt werden. Manchmal verlieren wir uns in der Suche nach Zeichen und Bestätigung. Die Liebe Christi am Kreuz ist aber das größte Zeichen, größer als jedes Wunder und sie genügt allein. Bettina Duda

Gespräch mit Christus: Danke Herr, dass du mir durch das Zeichen des Kreuzes deine absolute, bedingungslose Liebe gezeigt hast. Ich möchte fester daran glauben und mich ganz davon erfüllen lassen, um so selber zum Zeichen zu werden.

Lk 11,31: ‭Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten gegen die Männer dieses Geschlechts und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Salomo!‭

‭Lk 11,32: Die Männer von Ninive werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und werden es verurteilen; denn sie taten Buße auf die Verkündigung des Jona hin; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Jona!‭

Dem ungläubigen Israel stellt er zwei Beispiele aus der Heidenwelt gegenüber: die Königin des Südens und die Männer von Ninive; die Heiden, die dem jüdischen Bewusstsein als unwissend und unrein gelten, sind in Wirklichkeit für den Anruf Gottes empfänglicher als das satte und selbstgerechte Israel; sie sind bereit, zu hören und sich zu bekehren

Der Punkt ist klar: Die Königin des Südens und die Männer von Ninive waren beide Heiden, aber sie hatten ein offeneres Herz für die Dinge Gottes als die religiösen Menschen zur Zeit Jesu, die das Werk Gottes nicht glauben und annehmen wollten direkt vor ihren Augen.

Lk 11,33-36: Jesus spricht über das Licht

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,33-36

Lk 11,33: Niemand zündet eine Öllampe an und versteckt sie dann oder stellt sie unter einen Eimer. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, so dass jeder, der hereinkommt, das Licht sieht.

Gott ist derjenige, der die Lampe angezündet hat. In der Person und dem Werk des Herrn Jesus gab Gott uns ein helles Licht zur Erleuchtung der Welt. Wenn jemand dieses Licht nicht sieht, ist das nicht Gottes Schuld.

Lk 11,34: Durch die Augen fällt das Licht in deinen Körper. Wenn sie klar sehen, bist du ganz und gar vom Licht erfüllt. Wenn sie aber getrübt sind, ist es dunkel in dir.

Worte von MacDonald: Wenn ein Mensch ehrlich erkennen will, ob Jesus der Christus Gottes ist, dann wird Gott es ihm offenbaren. Doch wenn seine Beweggründe unecht sind, wenn er an seiner Habgier festhalten will, wenn er immer noch vor dem Gerede der anderen Angst hat, dann ist er gegen über dem wahren Wert des Heilands verblendet. Der Mensch dagegen dessen Motive rein sind und der sein ganzes Wesen Jesus als dem Licht der Welt öffnet, wird mit geistlicher Erleuchtung durchflutet. Sein Inneres wird von Christus erleuchtet, so wie der Leib erleuchtet wird, wenn er direkt im Lichtstrahl einer Lampe sitzt.

Lk 11,35: Deshalb achte darauf, dass das Licht in deinem Innern nicht erlischt!

Lk 11,36: Wenn du es einlässt und keine Finsternis in dir ist, dann lebst du im Licht – so als würdest du von einer hellen Lampe angestrahlt.

Lk 11,37-54: Jesus kritisiert die Juden

Auslegung und Kommentar zu Lk 11,37-54

‭Lk 11,37: Und während er redete, bat ihn ein gewisser Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch.‭

Lk 11,38: Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl nicht gewaschen hatte.

Lk 11,39: Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit.

Reinheit des Herzens. Reinheit und Sauberkeit sind sehr wichtig und heute wird viel Energie und Einsatz in die Sauberkeit von Luft, Häusern, Autos, Kleidung usw. gesteckt. Es geht Jesus aber darum, dass wir in unserem Leben an erster Stelle die Reinheit unseres Herzens suchen und so eine rechte Ordnung hergestellt wird. Bettina Duda

Lk 11,40: ‭Ihr Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere schuf, auch das Innere gemacht?‭

Hat er nicht auch das Innere geschaffen? Gott möchte, dass wir ihm als Erstes unser Herz schenken. Er weiß noch besser als wir, dass wir ihm damit ein armes, verletztes und kleines Herz schenken. Aber genau das möchte er. Er möchte nicht unsere großen äußeren Werke und Taten, sondern dieses kleine, arme Herz. Das ist viel mehr und oft viel schwerer, weil es dann unser Innerstes ist, was wir ihm geben: unseren Willen, unsere ganze Liebeskraft. Wie großzügig bin ich, ihm mein Herz zu schenken? Bettina Duda

Worte von Papst Franziskus: Das sind keine schönen Worte. Jesus sprach klar, er war kein Heuchler. Er sprach klar. Und so sagt er: „Aber warum schaut ihr auf das Äußere? Schaut nach innen, was dort ist.“ Ein andermal hatte er ihnen schon gesagt: „Ihr seid wie weißgetünchte Gräber.“ Ein tolles Kompliment: von außen schön aussehend, alle perfekt… ganz perfekt… Innen aber voller Fäulnis, also voller Raffsucht, Bosheit. Jesus unterscheidet zwischen Schein und der inneren Wirklichkeit: diese Herren sind die „Lehrer des Scheins“: immer perfekt, immer. Doch im Innern, was ist dort? Papst Franziskus

Lk 11,41: Gebt nur von dem, was darin ist, Almosen, siehe, so ist euch alles rein!

Lk 11,41: Gebt das, was in euren Bechern und Schüsseln ist, den Armen, dann seid ihr auch vor Gott rein!

Heilmittel der Barmherzigkeit: Du siehst, welch ein Heilmittel! Es reinigt uns die Barmherzigkeit. Der Barmherzige ermahnt zur Barmherzigkeit, und weil er die, welche er um einen großen Preis loskaufte, erhalten will, lehrt er, dass die nach der Taufe Wiederbefleckten wieder gereinigt werden können. Er sagt aber: Gebet Almosen, nicht: Ungerechtigkeit; denn das Almosen ist von jeder Ungerechtigkeit frei. Dieses macht Alles rein und ist vorzüglicher als Fasten. Denn wie ein Arzt, welcher häufig Verwundete heilt, leicht mit den Schwachheiten der Nächsten Mitleiden hat: so werden auch wir, wenn wir den Armen zu Hilfe kommen, leicht das Gegenwärtige verachten und uns zum Himmel erheben. Nicht schwer ist also das Heilmittel der Barmherzigkeit, da man sie für alle Wunden brauchen kann. Goldene Kette

Gebot der Liebe: Die Liebe deckt viele Sünden zu. Damit wiederholt der heilige Petrus die Worte Christi: Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein. Das Gebot der Liebe ist das wichtigste aller Gebote des Herrn. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten ist zugleich die Quelle und der Höhepunkt des Gesetzes des Alten und des Neuen Bundes. Ein Leben nach diesen beiden wichtigsten Geboten reinigt unsere Herzen und hält sie sauber – die Innenseite des Bechers. Wenn also Christus sagt, lieber Almosen zu geben, dann fordert er damit die Pharisäer auf, ihre Nächsten zu lieben. Dann werden ihre Herzen rein sein. Daniel Ray

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass du von mir keine großen Werke verlangst, sondern mein Herz. Hilf mir dabei, auch die kleinsten Dinge mit der größten Liebe zu tun.

Vorsatz: Ich möchte heute selbst die kleinsten Kleinigkeiten mit großer Liebe tun und dabei im Herzen sagen Für dich, Jesus.

Lk 11,42: Wehe euch, ihr Pharisäer! Sogar von Küchenkräutern wie Minze und Raute und auch von allen anderen Gewürzen gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber das, was viel wichtiger wäre – Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott –, ist euch gleichgültig. Doch gerade darum geht es hier: das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen.

Warnung an die Pharisäer: Jene zogen von allen ihren Früchten den zehnten Teil ab, und gaben Almosen, was nicht leicht ein Christ tut. Sie verspotteten ihn also, da er zu ihnen dieses sagte als zu Menschen, die gleichsam nicht Almosen gäben.  Da er als Gott dieses wusste, setzte er hinzu: Doch wehe euch Pharisäern, weil ihr die Krausemünze, die Weinraute und jegliches Gemüse verzehntet, aber die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes übertretet. Dieses heißt also nicht Almosen geben; denn Almosen geben, heißt Barmherzigkeit üben. Goldene Kette

Die Pharisäer waren in ihrem äußerlichen Gehorsam so vorsichtig, dass sie buchstäblich den Zehnten von ihren Kräutergärten abgaben, Samen und Blätter zählten und ein Zehntel von jedem Gott gaben.

Am größten ist die Liebe. Was bringt es den Pharisäern oder uns, den Zehnten von Minze usw. zu geben, viel zu tun und die Gesetze zu befolgen, aber das Wichtigste zu vergessen, die Liebe? Den Himmel können wir uns nicht durch unsere Anstrengung verdienen oder gar erkaufen. Wir können uns das ewige Leben nur schenken lassen und Gott möchte es jedem Menschen schenken. Der Dreh- und Angelpunkt dieses Lebens ist die wahre Liebe, die wir bei ihm finden und lernen. Deswegen fordert Jesus uns damals und heute mit hart scheinenden Worten heraus. Bettina Duda

Lk 11,43: Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten liebt!

Ablegen der Eitelkeit: Jesus will, dass wir die Eitelkeit ablegen und nicht mehr nach dem Scheine Haschen sollten, als nach der wahren Wirklichkeit, was damals die Pharisäer taten.

Lk 11,44: Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr wie die unkenntlich gewordenen Gräber seid, über welche die Leute dahingehen, ohne es zu wissen!

Kein verborgenes Grab sein. Was meint Jesus, wenn er sagt, sie seien wie verborgene Gräber, über die die Leute hinwegschreiten, ohne es zu merken? Er meint damit alle versteckten Sünden. Nicht nur die Pharisäer, auch wir neigen dazu, uns eine „weiße Weste“ anzuziehen, Sünden und Fehler zu verbergen, uns ganz rein und perfekt zu zeigen – während doch niemand sagen kann, er sei ohne Sünde. So werden auch wir zu unsichtbaren Gräbern. Manchmal aus Angst vor Schuld, manchmal aus Scham. Wir dürfen vor Gott schuldig sein, uns eingestehen, dass wir es sind, und uns erlösen lassen. Bettina Duda

‭Lk 11,45: Da antwortete einer der Gesetzesgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns!‭

Worte an die Gesetzeslehrer: In Mt 23 stehen sieben Wehrufe, die sich gegen Schriftgelehrte (Gesetzeslehrer) und Pharisäer gemeinsam richten. Lukas hat drei Wehrufe gegen die Pharisäer und drei gegen die Schriftgelehrten. Nicht alle Pharisäer waren Gesetzeslehrer, aber die wichtigsten Gesetzeslehrer gehörten der pharisäischen Richtung an. In diesen Kreisen legte man größten Wert auf gewissenhafte Beobachtung des mosaischen Gesetzes; bis in die letzten Kleinigkeiten war das Leben von den Vorschriften des Gesetzes bzw. der Gesetzeslehrer geregelt. Schließlich wurde das Gesetz zum Selbstzweck, über dem man oft genug den eigentlichen Gotteswillen, dessen Ausdruck das Gesetz war, vergaß: die Gerechtigkeit und die Liebe (V. 42). Wo aber diese fehlen, wird alle Gesetzestreue zur leeren Formel. Für Jesus waren Gesetz und Liebe keine Gegensätze: die Liebe – sie allein – erfüllt das Gesetz. Erzabtei Beuron

Lk 11,46: Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an.

Worte der goldenen Kette: So oft also ein Lehrer tut, was er lehrt, erhebt er die Last und stellt sich selbst zum Beispiel hin. Wenn er aber nichts von dem tut, was er lehrt, so scheint es denen, welche seine Lehre empfangen, eine schwere Last zu sein, gleichsam als ob sie selbst vom Lehrer nicht getragen werden könnte. Denn wie ein wenig Sauerteig eine ganze Masse von Mehl durchdringt, so beraubt die Heuchelei die Seele der ganzen Lauterkeit und Wahrheit der Tugenden.

Einer trage des anderen Last. Ein weiteres „Weh euch“ ergeht an die Gesetzeslehrer, die anderen kaum tragbare Lasten aufladen, aber selber „keinen Finger rühren“. Ein vom Heiligen Geist erfüllter Mensch trägt in Demut seine Kreuze und hat keine Angst davor, auch anderen ein Simon von Cyrene zu sein. Ein wahrer Jünger Jesu fühlt mit denen, die unter ihrer Last fallen und ist bereit zu helfen, etwas von sich und sogar sich selbst zu opfern, ohne zu urteilen. Er hat ein Herz nach dem Herzen Gottes, er schaut mit den Augen Gottes und dafür braucht es Demut. Bettina Duda

Lk 11,47: ‭Wehe euch, dass ihr die Grabmäler der Propheten baut! Eure Väter aber haben sie getötet.‭

Lk 11,48: ‭So bestätigt ihr also die Taten eurer Väter und habt Wohlgefallen daran; denn jene haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.‭

Geschieht euch recht! Man könnte eine gewisse Genugtuung verspüren, wenn „die da“, die Pharisäer, von Jesus mit harten Worten gerügt werden. Oft erwische ich mich dabei, selber die Rolle Jesu zu übernehmen, mich über andere zu erheben und sie in die Schranken weisen zu müssen. Dabei vergesse ich aber etwas sehr Entscheidendes: die Herzenshaltung. Bevor ich wieder die Neigung verspüre, verurteilen zu wollen, sollte ich mich fragen, ob ich diese Person wirklich liebe, gerade das Beste für sie suche und ob ich bereit wäre, mich für sie hinzugeben. Christus ist für alle gestorben, auch für die Pharisäer. Bettina Duda

Lk 11,49: ‭Deshalb hat die Weisheit Gottes auch gesagt: ›Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen schicken; einige von ihnen werden sie umbringen, andere verfolgen.

Lk 11,50: ‭Darum wird diese Generation zur Rechenschaft gezogen für den Mord an allen Propheten, und zwar seit Gründung der Welt,

Lk 11,51: ‭angefangen bei Abel bis hin zu Secharja, der zwischen dem Brandopferaltar und dem Haus Gottes umgebracht wurde.

Lk 11,52: Wehe euch, ihr Gesetzeslehrer! Denn durch eure Lehren verhindert ihr, dass die Menschen den Schlüssel finden, der die Tür zur Wahrheit öffnet. Ihr selbst seid nicht durch diese Tür gegangen, und ihr versperrt auch noch allen den Weg, die hineinwollen.

Weh euch! Der Ausruf Jesu „Weh euch!“ drückt den tiefen Schmerz Jesu aus, wenn er auf verschlossene und harte Herzen trifft, wie auch in anderen Momenten: „Weh euch, ihr Reichen (…)“. Das Griechische uai oder Hebräische oj, hoj sind Ausrufe des Schmerzes. Diese Worte sind an jeden von uns gerichtet: Wenn wir unser Herz verhärten, unser Herz der Liebe Jesu verschließen, wenn wir verurteilen, wenn wir selbstgerecht werden und uns sättigen an falschen Dingen, blind werden der Not unseres Nächsten gegenüber. Der Schmerz Jesu entspringt der reinen und tiefen Liebe, die er zu uns hat. Bettina Duda

Wehe meiner Seele, wenn der Herr nicht in ihr wohnt: Wehe der Seele, wenn der Herr nicht mehr in ihr lebt und mit seiner Stimme die bösen Tiere nicht mehr verscheucht! Wehe dem Haus, wenn der Herr nicht mehr in ihm wohnt! Wehe der Erde, wenn der Bauer fehlt, der sie bebaut. Wehe dem Schiff ohne Steuermann, denn es wird auf den tobenden Wogen des Meeres dahingetrieben und geht zugrunde. Wehe der Seele, wenn in ihr der wahre Steuermann Christus fehlt. Sie treibt auf dem bitteren Meer der Finsternis dahin, wird von den Wogen der Leidenschaften geschüttelt, vom Gewittersturm der bösen Geister bedrängt und geht schließlich unter. Sie ist öde, voll Dornen und Disteln, und am Ende erwartet sie statt der Ernte verzehrendes Feuer. Wenn der Herr, Christus, nicht mehr in ihr wohnt, ist sie erfüllt vom Modergeruch der Leidenschaften, eine Behausung des Bösen. Makarios

Worte von MacDonald: Schließlich beschuldigt der Herr Jesus die Gesetzesgelehrten, dass sie den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen hätten, d. h. dass sie den Menschen das Wort Gottes vorenthalten hätten. Obwohl sie sich nach außen hin zur Schrifttreue bekannten, weigerten sie sich jedoch hartnäckig, den Einen anzunehmen, von dem die Schrift spricht, und sie hinderten andere daran, zu Christus zu kommen. Sie wollten ihn selbst nicht haben, und sie waren auch dagegen, dass andere ihn annahmen.

Lk 11,53: ‭Als Jesus das Haus wieder verließ, setzten ihm die Gesetzeslehrer und die Pharisäer mit vielen Fragen hart zu.

Lk 11,54: ‭Sie lauerten darauf, ihn bei einer verfänglichen Äußerung zu ertappen.

Verweigerung der Korrektur: Sprichwörter sagen uns, was diejenigen tun, die sich der Korrektur verweigern. Erstens hassen sie diejenigen, die sie korrigieren (Sprüche 9:8, Sprüche 15:12). Zweitens hören sie nicht auf den, der sie korrigiert (Sprüche 13:1). Drittens verachten sie ihre eigene Seele (Sprüche 15:3 ). Sprichwörter sagen uns auch den Charakter derer, die sich der Korrektur verweigern. Sie sind dumm (Sprüche 12:1) und sie sind töricht (Sprüche 15:5).


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 11.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste