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Lukas Evangelium Lk Kapitel 10 Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 10

Lk 10,1-16: Jesus sendet 72 Boten aus

Auslegung und Kommentar zu Lk 10,1-16

Lk 10,1: Danach aber bestimmte der Herr noch 72 andere und sandte sie.

Lk 10,1: In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus.

Gott sendet Menschen: Welch ein Geschenk ist es, dass Gott durch uns Menschen wirken möchte! Wir machen uns meistens viel zu wenig bewusst, wie groß das ist. Gott braucht niemanden und könnte ganz alleine wirken, aber er möchte uns einbeziehen. Er vertraut uns und lässt uns wichtige Dinge an seiner Stelle tun. Freilich, am Ende ist er es, der durch uns wirkt, aber das ändert nichts daran, dass er uns groß machen möchte, dass er sich freut, wenn seine Kinder mit ihm mitarbeiten. Es ist unsere freie Entscheidung. Bin ich bereit, ihn durch mich wirken zu lassen? Bin ich bereit, seinen Willen zu tun? Weiß ich, dass ich täglich eingeladen bin, anderen die Liebe Gottes weiterzugeben? Bertalan Egervári

Aussuchen: Das Evangelium verwendet das Wort „aussuchen“, um zu beschreiben, wie Jesus die 72 berief. Das Gleiche gilt für Sie: Gott hat Sie erschaffen, kennt Sie, liebt Sie und geht jeden Tag auf die Suche nach Ihnen, um Sie zu einem einzigartigen und spannenden Auftrag auszusenden. Lasse ich mich finden oder verstecke ich mich vor Gott? Gott sucht Sie, und er tut es, weil er Sie liebt und einen Auftrag für Sie hat. José Andrés González Fernández

Lk 10,1: Er sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er selbst kommen wollte.

Jesus schickt die Jünger zu zweit aus. Sie sollen einander unterstützen, miteinander die Lasten ertragen, Strapazen aushalten, Krisen meistern und Gefahren bestehen. Zu zweit kann man sich auch austauschen, Probleme besprechen, sich gegenseitig anspornen. Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft. Es geht um gelebte Gemeinschaft. Sie sollen nicht nur durch Worte predigen, sondern durch ihr Beispiel. Es soll anschaubar werden, wie es geht, miteinander Leben und Glauben zu teilen, Liebe zu üben, Geduld zu haben, verzeihen zu können. Pius Kirchgessner

Lk 10,2: Er sprach nun zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende!

Aufruf zum Gebet: Die Arbeiter für sein Erntefeld kann nur Gott selbst schicken. Aber er will sie senden durch die Pforte unseres Gebetes hindurch. Wir können mitwirken am Kommen der Arbeiter, aber wir können es nur im Mitwirken mit Gott. Die Ernte ist groß, auch heute, gerade heute. Euch, liebe Freunde, schickt der Herr in seine Ernte, den Menschen das Licht der Wahrheit zu bringen, ihnen die frohe Botschaft zu bringen, die nicht nur Wort ist, sondern Ereignis: Gott ist selbst zu uns gekommen. Er nimmt uns an der Hand, er zieht uns zu sich selbst hinauf, und so wird das zerbrochene Herz geheilt. Bei welcher Ernte von Seelen will der Herr mich dabei haben?

Jesus will, dass wir gerade das Bitten und Beten an den Anfang stellen. Jesus will nicht, dass wir sofort losrennen und tun. Er will, dass wir uns an Gott wenden und ihm die Situation darlegen. Es geht Jesus in erster Linie um die Menschen (die Ernte) die zu Gott heimgebracht werden soll. Es geht um die Menschen, für die wir uns Zeit nehmen sollten. Wir sollen uns nicht mit uns selbst beschäftigen, indem wir uns in Gruppen und Kreisen beschäftigten nur um beschäftigt zu sein. Nein, wir sollten unseren Blick zu den Menschen richten und uns um sie kümmern. Jesus weist uns darauf hin, dass wir uns zuerst im Gebet an ihn wenden. Erst danach will er, dass wir uns an die Arbeit machen. Rolf Aichelberger

Lasst uns treu dem Gebot unseres Herrn gehorchen! Lasst uns mit ganzem Herzen beten, damit Gott uns zahlreiche Arbeiter zu seiner Ernte schickt, damit er ihnen alle Tugenden gibt, alle notwendigen Gaben, um gut in seinem Feld zu arbeiten und so seine Ernte so reich sei wie möglich. Charles de Foucauld

Lk 10,3: Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.

Geht hin, denn ich sende: Erstens: Geht hin! Geht zu den Menschen! Wartet nicht bis die Leute zu euch kommen! Geht zu ihnen hin! Seid offen für das, was die Menschen bewegt, für ihre Fragen und Sorgen, ihre Nöte und Ängste, ihre Hoffnungen und Freuden! Zweitens: Sieh, ich sende euch. Gleich als wollte er sagen: Dieses genügt zu euerm Trost, dieses reicht zu eurer Hoffnung hin, und dass ihr die euch treffenden Übel nicht fürchtet.

Ich schicke euch wie Lämmer unter die Wölfe: Wie gütig bist du, mein Gott, dass du uns deine eigene Mission gibst! Die mehr war als du, das Lamm, du, „das Lamm Gottes“, „ähnlich einem Lamm, das man zur Schlachtbank führt“, „das Osterlamm“, das Lamm durch Eure grenzenlose „Sanftmut“! Die mehr war als du, das Lamm unter den Wölfen, seit deiner Geburt verfolgt von Herodes, der du dein ganzes öffentliches Leben lang verfolgt wurdest, in deinem Leiden mit Schreien angegriffen wurdest: „Kreuzigt ihn! Kreuzigt ihn!“ und durch die Hand deiner Peiniger gestorben bist! Lasst uns jedes Mal Freude empfinden, wenn wir unter den Wölfen sind, unter Verfolgern, Gegnern, Spöttern, Gewalttätern, Betrügern, Dieben, Mördern, Gehässigen und den Feinden aller Gestalten, unter all denen, die unsere Ruhe unseren Frieden, unseren Ruf, unsere Person, unsere Güter, unser Leben angreifen, lasst uns Freude empfinden, da wir dann unserem Herrn Jesus ähnlich und wie er unter den Wölfen sind. Charles de Foucauld

Wie Lämmer sein: Und lasst uns immer wie Lämmer sein, seinem Beispiel folgend, in der Nachahmung, der Ähnlichkeit zu Jesus. Wie Er, lasst uns nicht nur ohne Widerstand, sondern auch ohne Klagen zulassen, „dass wir nicht nur geschoren, sondern auch umgebracht werden“. „Lasst uns nicht gegen das Übel ankämpfen“… „Wenn man uns schlägt, lasst uns auch die andere Wange hinhalten“… „Wenn man uns das Hemd vom Leib reißt, geben wir auch den Mantel“… Verteidigen wir weder unser Wohl, noch unser Leben gemäß dem Beispiel unseres Herrn. Charles de Foucauld

Lk 10,4: Tragt weder Beutel noch Tasche noch Schuhe und grüßt niemand auf dem Weg.

Nichts mitnehmen: Die Jünger sollen nichts mitnehmen. Nur das Allernotwendigste. Sie sollen erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu verlassen. Nehmt nichts mit! Und grüßt niemand unterwegs. Ist das nicht unhöflich? Doch das Grüßen unterwegs ist im Orient nicht nur der kurze Gruß und der Wunsch für einen guten Tag. Orientalische Begrüßungen können Stunden dauern. Gemeint ist: Verplempert keine Zeit, schwätzt nicht ewig mit dem und jenem und jedem. Lasst euch nicht aufhalten!

Auf die Vorsehung vertrauen. Egal, ob jemand wie die 72 unmittelbar zur Verkündigung ausgesandt ist oder ob er sein Christsein im Alltag leben möchte, für alle trifft gleichermaßen die Aufforderung Jesu zu, ganz auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen. Die Jünger sollen keinen Geldbeutel und keine Vorratstasche mitnehmen. Sie sollen sich keine Sorgen machen um das, was kommt. Alles Materielle soll für sie nebensächlich sein. In der Vorsehung Gottes ist für alles schon gesorgt. Die Jünger sollen nicht ans Morgen denken, sondern daran, wie sie heute Jesus Christus und die Frohe Botschaft verkünden können. Bertalan Egervári

Lk 10,5: Wo ihr aber in ein Haus hineingeht, da sprecht zuerst: Friede diesem Haus!

Lk 10,6: Wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen, wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren.

Bitten um Frieden: Wir sollen nämlich die Botschaft des Friedens bringen und der erste Eintritt soll mir dem Segen des Friedens verherrlicht werden. Die Heiligen bitten aber um den Frieden, nicht nur um den, welchen die Menschen untereinander haben, sondern auch um den, welcher sich auf uns selbst bezieht. Denn öfter haben wir Krieg in dem Herzen, und werden, ohne dass uns Jemand belästigt, bestürzt und es erheben sich schlechte Begierden häufig gegen uns.

Lk 10,7: ‭In demselben Haus aber bleibt und esst und trinkt das, was man euch vorsetzt; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus ins andere.‭

‭Lk 10,8: Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, da esst, was euch vorgesetzt wird.

Lk 10,9: Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch herbeigekommen!

Menschen heil machen: Die Jünger sollen die Gottesherrschaft nicht nur mit Worten ausrufen, sondern Jesus hat ihnen auch die Vollmacht gegeben, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. Es geht dem Heiland nicht nur um das Seelenheil, sondern um den ganzen Menschen, um das Heil für Seele und Leib. Es geht auch heute darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht. Pius Kirchgessner

Lk 10,10-11: Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und sie euch nicht aufnehmen, da geht auf ihre Gassen hinaus und sprecht: Auch den Staub, der sich aus eurer Stadt an uns gehängt hat, streifen wir ab gegen euch; doch sollt ihr wissen, dass das Reich Gottes nahe zu euch herbeigekommen ist!

Weiterziehen: Jesus ist Realist. Er weiß, nicht überall werden die Boten mit offenen Armen empfangen. Die Jünger werden auch auf Ablehnung stoßen und Hass erfahren. Da, wo solches geschieht, sollen sie sich nicht aufreiben und keine Zeit vertun, sondern einfach weiterziehen. Pius Kirchgessner

Lk 10,12: ‭Ich sage euch aber: Es wird Sodom an jenem Tag erträglicher gehen als dieser Stadt.‭

Lk 10,13: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Zidon die Wundertaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sack und Asche sitzend Buße getan.

Lk 10, 14: ‭Doch es wird Tyrus und Zidon erträglicher gehen im Gericht als euch.‭

‭Lk 10,15: Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, du wirst bis zum Totenreich hinabgeworfen werden!‭

Lk 10,16: ‭Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verwirft, der verwirft mich; wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat.‭

Lk 10,17-24: Die 72 Boten kehren zurück

Auslegung und Kommentar zu Lk 10,17-24

Lk 10,17: Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen!

‭Lk 10,18: Da sprach er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.‭

‭Lk 10,19: Siehe, ich gebe euch die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch in irgendeiner Weise schaden.‭

Lk 10,20: ‭Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber lieber darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.‭

Namen im Himmel verzeichnet: Jesus zeigt ihnen noch eine tiefere Quelle der Freude: Dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind. Die menschlichen Leistungen und Erfolge sind gut und bereichern das Leben. Sie erfüllen jedoch nicht die tiefste Sehnsucht des Menschen. „Ich habe dich in meine Hand geschrieben, du bist mein“ (Jes. 49,16 ). Unsere eigentliche Heimat liegt im Herzen Gottes, das ist der Himmel. Unsere tiefste Freude rührt letztendlich daher: dass wir wissen, dass unser Name in sein Herz eingeschrieben ist, dass er uns erwartet; dass ich eines Tages bei ihm zuhause sein werde. Der heutige Einsatz in seinem Dienst, bringt mich und meine Mitmenschen, denen ich diene, diesem Ziel näher. Lorli Pregel

Freude über die eigene Errettung: Es war nicht falsch, dass sie sich über den Erfolg ihres Dienstes freuten; aber sie müssen eine größere Freude an einem größeren Wunder haben – der Verheißung ihrer eigenen Errettung. Er wollte im vorliegenden Fall nicht ihre Freude über ihren Erfolg tadeln, sondern sie nur einer anderen Freude unterordnen und verhindern, dass sie übertrieben wird. Spurgeon

Freude über die Gewonnenen: Sie schienen sich mehr darüber zu freuen, dass sie Wundertäter, als dass sie Diener der Predigt wurden. Sie sollten sich aber mehr über diese freuen, welche sie gewonnen hatten, wie Paulus zu den von ihm Berufenen sagt: Meine Freude und meine Krone! Goldene Perle

Lk 10,21: ‭Zu derselben Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir.‭

Jesus Frohlocken im Geist: Jesus war wirklich aufgeregt. Wörtlich sagen die alten Griechen, dass er von Freude überwältigt war. Dieses einzigartige spezifische Beispiel der Freude Jesu betraf die Arbeit Seiner Diener. Gott erfreut sich daran, die schwachen und törichten Dinge dieser Welt zu benutzen, um die Weisen zu verwirren. Jesu Freude ließ ihn ins Gebet ausbrechen. Er lobte Gott den Vater für seine Weisheit, für seinen Plan und für seine eigene einzigartige Beziehung zu Gott dem Vater. Jesus dankte dem Vater, ohne sein eigenes Werk zu preisen. Jesus dankte dem Vater für seinen weisen, manchmal unerwarteten Plan. Jesus dankte dem Vater für die Mitknechte in seiner Mitte. Jesus dankte dem Vater für die Einfachheit seiner Diener.

Lk 10,22: Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater und wer der Vater ist, weiß niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will. Lk 10:22

Vater und Sohn: Gott selbst ist für den menschlichen Verstand unergründlich. Der Sohn kennt ihn vollkommen und der Sohn hat ihn den schwachen, armen und verachteten Menschen offenbart, die an ihn glauben. Diejenigen, die den Sohn gesehen haben, haben auch den Vater gesehen. MacDonald

Lk 10,23: Glückselig sind die Augen, die sehen, was ihr seht!

Geistiges Sehen: Kann ich sehen und hören? Sehen und hören wollen ist der erste Schritt, doch nicht der endgültige. Wer Gott sehen und hören will, muss bereit sein, mit dem Herzen zu sehen und zu hören. Das hochmütige Herz ist selbst fixiert und darauf bedacht, die Erkenntnis aus eigener Kraft zu erlangen. Doch die Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis der Wahrheit, die Erfahrung der Liebe ist ein reines Geschenk, nicht erarbeitet, sondern empfangen. Nur die Demut kann die Augen und Ohren unseres Herzens öffnen. Sarah Briemle

‭Lk 10,24: Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wünschten zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.‭

Lk 10,25-37: Barmherziger Samariter

Auslegung und Kommentar zu Lk 10,25-37

Lk, 10,25: ‭Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?‭

Was muss ich tun? Inmitten des Alltags, der täglichen Pflichten, Sorgen und Freuden sehnt sich unser Herz nach mehr. In einigen Momenten spüren wir diese Sehnsucht deutlicher, in anderen weniger klar. Doch dieses Verlangen nach einem Ort der vollkommenen Freude, Ruhe und Geborgenheit findet sich tief im Herzen eines jeden Menschen. Obwohl der Gesetzeslehrer Jesus hier auf den Zahn fühlen will und vielleicht mit Hintergedanken an ihn herantritt, ist seine Frage durchaus berechtigt: Was muss ich tun, um ins Himmelreich zu gelangen? Gerade in Momenten schwieriger Entscheidungen sowie im Kontakt mit Krankheit und Tod drängt sich diese Frage auf. Peter Hemm

Was ist ewiges Leben: Das biblische Verständnis des ewigen Lebens bezieht sich nicht unbedingt auf die Dauer des Lebens, weil jeder Mensch unsterblich ist, entweder im Himmel oder in der Hölle. Es bezieht sich nicht auf ein Leben, das erst beginnt, wenn wir sterben. Ewiges Leben ist eine besondere Lebensqualität; ein Leben, das von Gott kommt, und ein Leben, das wir jetzt haben können.

Aus eigener Kraft ist es uns Menschen unmöglich, in den Himmel zu gelangen! So viel ich mich auch anstrenge und Gott oder meine Mitmenschen liebe, ich gelange niemals an den Punkt, behaupten zu können: Jetzt habe ich mir aber den Himmel verdient. Unsere Mitarbeit bei der Erlösung von uns selbst und von anderen ist notwendig, aber es ist und bleibt eine Mitarbeit. Wir sind nicht diejenigen, die unsere eigene Erlösung bewirken, sondern wir empfangen sie. Was müssen wir also tun? Den Geist wirken lassen, mit ihm zusammenarbeiten, sein Wirken in unserem Leben entdecken und uns ganz auf ihn einlassen. Peter Hemm

‭Lk 10,26: Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?‭

Lk 10,27: Er aber antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!

Die Gottesliebe: Die Gottesliebe hat ihren Ursprung im Wohlgefallen, das unser Herz empfindet, sobald es beim Beginn des Strebens nach Gott der göttlichen Güte gewahr wird. Durch den Glauben betrachten wir den unfassbaren Abgrund der Vollkommenheit Gottes. Wir sehen seine Herrlichkeit entweder in der Gesamtheit aller Vollkommenheiten oder wir betrachten diese einzeln (Allmacht, Allwissenheit, Allgüte etc.). Durch dieses Betrachten wird unser Wille vom Wohlgefallen am höchsten Gut erfasst. Wir regen dann unser Herz an dieses Wohlgefallen durch Akte der Zustimmung und der Freude zu bestärken. Vermehren und verstärken wir dieses erste Wohlgefallen durch Betätigung der Liebe.

Worte von Charles de Foucauld: Wie gütig bist du, mein Gott, dass du mir Wurm erlaubst, dich zu lieben, meine Augen zu dir zu heben, an dich zu denken, dich zum Ziel meiner Wünsche zu machen, nach dir zu streben, nur für dich zu atmen, zu dir und deiner Liebe mein ganzes Herz, meine Seele, meine Kräfte, meinen Geist zu lenken. Welche Gnade! Welche Gunst! Aber es mir aufzutragen, es zum ersten deiner Gebote zu machen, so zum ersten, dass es alle anderen in sich umfasst. Ich soll dein einziges Gebot daraus machen, was für meine Seele die ganze Glückseligkeit ist, was für mich aus der Erde einen Himmel macht. Welch unsägliche Güte, welch Abgrund von Güte und Liebe! Wie gütig bist du, dass du liebst, oh mein Gott, oh gütiger Gott! Charles de Foucauld

Lk 10,27: Auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst.

Die Nächstenliebe: In der Liebe befolgen wir nicht ein ethisches Gebot, sondern in der Liebe tauchen wir ganz in die Einheit mit Christus, der am Kreuz alle an sich zieht. Fast flehend und bittend höre ich Jesus, der spricht: Bleibt in meiner Liebe! Bleibt in meiner Liebe. Bleibt in meiner Liebe! (Joh15:9). In diesem „In-der-Liebe-bleiben“ begegne ich dem anderen, schaue letztlich mit Jesus Augen auf ihn.

Die Liebe als das Fundament: Die Liebe ist das tragende Fundament und Ziel unseres Lebens, das einzige Ziel, das niemals aufhören wird. Ohne Liebe sind wir nichts. Liebe ist Mutter aller Tugenden. „So sind doch alle Tugenden nackt ohne die Liebe.“ (Leo der Große) Gott ist die Quelle aller Liebe. Wir sind berufen, seine Liebe zu empfangen, zu erwidern und weiterzugeben. Allerdings: wenn wir versuchen, uns in der Tugend der Liebe zu üben, lernen wir vor allem eines, nämlich dass wir häufig scheitern. Dennoch üben wir uns ein Leben lang in der Liebe. Unsere ganze Askese zielt darauf ab, dass wir fähig werden, den Nächsten zu lieben. Der Wille Gottes ist es, dass wir lieben. Dort wo wir lieben, ist das Reich Gottes. Einen gesegneten Sonntag.

Lk 10,28: ‭Er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!‭

Lk 10,29: ‭Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?‭

Lk 10,30: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber. Die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halb tot liegen, so wie er war. Lk 10:30

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat zwei Ebenen: In der ersten Ebene sind wir der Not leidende Mensch und Jesus begegnet uns in der Person des barmherzigen Samariters, der uns bedingungslos liebt. Welche Not hast du momentan? In der zweiten Ebene sind wir der barmherzige Samariter, der dem Menschen in Not hilft. Wir alle begegnen notleidenden Menschen auf vielfältige Art und Weise: körperliche oder psychische Leiden, Trauernde, Mutlose usw. Aber Vorsicht! Es geht nicht um ein moralisches „Sei ja ein guter Mensch und hilf“, nein, sondern in der Zuwendung zum Nächsten begegnen wir dem Herrn selbst! Es ist Gottesbegegnung! Und der Herr wird uns selbst führen, wo und wie diese stattfinden soll.

Ein Mensch. Es war nämlich von der ganzen Menschheit die Rede. Denn unter diesem Menschen versteht man selbst den Adam im menschlichen Geschlecht. Jerusalem ist die Stadt des Friedens, jenes himmlische, von dessen Seligkeit er herabfiel. Jericho bedeutet Mond, und bezeichnet unsere Sterblichkeit, weil der Mensch geboren wird, wachst, altert und stirbt. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Lk 10,31-32: Nun kam zufällig ein Priester jenes Weges; der sah den Mann, aber er ging vorüber. Ebenso kam ein Levit dorthin; der sah ihn und ging auch an ihm vorüber.

Priester und Levit: Der Priester und der Levit, beides Menschen des Tempelkultes, hatten kein Mitgefühl mit dem Menschen in Not. Gerade von ihnen hätte man es ja erwarten können. Oder sie hatten einfach keine Zeit. Auch wir stehen stets in der Gefahr, Heuchler zu sein, zwar viel zu beten, aber für den Notleidenden kein sehendes Herz zu haben. Du kannst die ganze Bibel und die ganze Theologie kennen, aber aus dem Wissen folgt nicht automatisch das Lieben. Es geht vielmehr um ein sehendes Herz. Dieses Herz sieht, wo Liebe not tut und handelt danach. Das Programm des Christen ist das sehende Herz. Es gibt keinen wahren Gottesdienst, wenn er nicht zum Dienst am Nächsten wird. Augustinus sagt: Die Liebe hat Hände um zu helfen, sie hat Füße, um zu den Armen und Notleidenden zu eilen. Sie hat Ohren, um die Bitten und Rufe der Elenden zu hören. Vor allem aber hat sie ein Herz, das lieben und segnen kann.

Wenn wir nach der Liebe handeln, setzen wir Gott an die erste Stelle: Beim Gleichnis, das uns Jesus hier erzählt, ist es allzu einfach, die verschiedenen Personen in gut und böse einzuteilen. Da haben wir den Samariter auf der einen Seite sowie den Priester und den Leviten auf der anderen. Das Leben eines Priesters und eines Leviten war dem Dienst Gottes geweiht. Sie kümmerten sich um die Opfer im Tempel, eine Aufgabe, zu der sie von Gott selbst freigestellt worden waren. Vielleicht waren sie gerade unterwegs, um diesem Dienst an Gott nachzugehen. Sie waren dabei, das ausdrücklich von Gott an sie gerichtete Gebot zu erfüllen. Da gilt es keine Zeit zu verlieren! Gott an erster Stelle, selbst wenn da ein armer, ausgeraubter Mann am Wegrand liegt. Jesus zeigt uns, dass wir Gott immer die erste Stelle in unserem Leben geben, wenn wir aus Liebe handeln. Jesus möchte von uns ein Herz, das offen ist für die Eingebungen des Heiligen Geistes, der uns immer wieder Möglichkeiten zur Liebe aufzeigt. Peter Hemm

Lk 10,33: Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen.

Bedeutung des Erbarmens: Er hatte Erbarmen. Die anderen beiden sahen, aber ihre Herzen blieben verschlossen. Formen wir unser Denken der Logik Christi um, welche die Logik der Liebe ist. Gott ist Liebe und ihm zu huldigen heißt, den Brüdern und Schwestern mit aufrichtiger und großherziger Liebe zu dienen. Es geht um die Universalität der Liebe, die sich dem Bedürftigen zuwendet, dem man zufällig begegnet, wer immer er auch sei. Das sind seltenst heroische große Taten, sondern die Aufgabe ist es, am gegebenen Ort das sachlich im Blick auf die Wirklichkeit Notwendige zu tun und dieses wirklich zu tun. Das ist das Band der Liebe, die uns verbindet (i.A. an Benedikt XVI) Und ich stimme Bonhoeffer zu, wenn er schreibt: Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann. Für wen bist du heute etwas?

Worte von Papst Franziskus: Mitgefühl haben können: das ist der Schlüssel. Das ist unser Schlüssel. Wenn du vor einer bedürftigen Person kein Mitleid hast, wenn es dein Herz nicht rührt, dann stimmt etwas nicht. Sei vorsichtig, seien wir vorsichtig. Lassen wir uns nicht von egoistischer Unempfindlichkeit mitreißen. Die Fähigkeit zum Mitleid ist zum Prüfstein des Christen geworden, mehr noch: der Lehre Jesu. Jesus selbst ist das Mitleid des Vaters für uns.

Lk 10,34: Er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

Bilder in dem Gleichnis: Der Verwundete ist der Mensch, also du und ich. Dieser Verwundete war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho. Jericho steht für das Leben in der Welt, Jerusalem für das himmlische Paradies. Du und ich sind in unserem Leben immer unterwegs zwischen Jericho und Jerusalem. Bei diesem Unterwegssein in unserem Leben werden wir verwundet und angriffen werden. Dafür stehen die Räuber, welche in deinem Leben vielgestaltig sind. Der Priester und Levit, die am Verletzten vorübergehen, stehen für das Gesetz, das uns nicht erlösen bzw. helfen kann.

Jesus ist der Samariter: Unter diesem Samaritaner wollte sich unser Herr Jesus Christus verstanden wissen; denn Samaritaner heißt Wächter, und von ihm heißt es (Ps. 20): Er wird nicht schlummern und nicht schlafen. Auch dieser Samaritaner ging diesen Weg herab; denn wer steigt vom Himmel herab, als der Menschensohn, der im Himmel ist? Der barmherzige Samariter ist nun Jesus selbst. Er versorgt und heilt deine Wunden. Er goss Wein und Öl in die Wunden. Dieser Wein aber ist das Blut seines Leidens und das Öl der Vergebung. Dann hebt er dich auf sein Lasttier. Das Lasttier ist sein Fleisch, seine Menschwerdung. Auf das Lasttier gelegt werden heiß also: an die Menschwerdung Christi selbst glauben.

Lk 10, 35: Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: Verpflege ihn! Und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Bilder in der Erzählung: Er bringt dich in die Herberge. Die Herberge ist die Gemeinde des Herrn, die uns alle zu Brüder und Schwestern macht. Der Samariter spricht davon, dass er wieder zur Herberge zurückkehren wird. Das aber ist die Wiederkunft Jesu, auf die wir sehnsuchtsvoll warten. Selig jener Wirt, welcher die Wunden des Nächsten pflegen kann. Selig Jener, zu dem Jesus sagt: Was du darüber verwendest, werde ich dir bei meiner Rückkehr bezahlen. Wann aber kehrst du zurück, o Herr, als am Tage des Gerichtes? Denn obschon du immer überall bist, und obwohl du in unserer Mitte bist, von uns doch nicht gesehen wirst, so wird es doch eine Zeit geben, wo dich jedes Fleisch zurückkehren fleht. Du wirst also den Seligen, denen du schuldig bist, das Schuldige geben. Möchten wir doch würdige Schuldner sein, um das Empfangene bezahlen zu können! Goldene Kette

Lk 10,36-37: Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso!

Handle ebenso: Die Art und Weise, wie der barmherzige Samariter für den Verletzten sorgte, entspricht der Art und Weise, wie Gott Sünder liebt. Das ist nicht nur Minimalfürsorge, sondern eine vollkommene Hingabe. Jesus ist die lebendige Verkörperung der vollkommenen, grenzenlosen hingebenden Liebe Gottes, die göttliche Barmherzigkeit. Jesus hat sich zu uns niedergebeugt, er hat sich zu unserem Diener gemacht, und so hat er uns gerettet, damit auch wir einander lieben können, wie er uns geliebt hat, auf dieselbe Weise. Wir alle sind aufgerufen, seinen Weg, seinen Spuren nach zu folgen. Wie verhält sich dein Herz gegen den Nächsten? Liebst du ihn herzlich und aus Liebe zu Gott? Um dies zu erkennen, stelle dir bestimmte unangenehme, mürrische Menschen vor. An solchen übt man bestimmt die Liebe zu Gott im Nächsten; mehr noch bei Menschen, die uns durch Wort und Tat Böses zugefügt haben. Das bedeutet nicht, jedem Bedarf nachzulaufen, der sich stellen könnte. Schließlich hat der Samariter kein Krankenhaus für unglückliche Reisende eingerichtet. Aber es bedeutet eine Sorge um die, die vor uns liegen, sowohl in sozialen als auch in spirituellen Nöten. Die Welt wäre ein veränderter Ort, wenn jeder Christ sich um die Sorgen kümmern würde, die vor ihm liegen.

Hoher Maßstab: Natürlich sollen wir uns den barmherzigen Samariter als Vorbild nehmen. Dennoch erhebt das Gleichnis einen so hohen Maßstab der Nächstenliebe, an dem wir zweifelsohne immer wieder scheitern. Jesus beschreibt hier eine außergewöhnliche Liebe, die keine Grenzen kennt. Somit vermittelt uns das Gleichnis auch dies, dass wir aus uns selbst niemals gerecht werden können, weil wir der Nachahmung des Samariters niemals vollkommen gerecht werden können. Wir erkennen, dass wir auf die Gnade und Vergebung Gottes voll angewiesen sind.

Bereit sein, sich unterbrechen zu lassen: Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging. Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt. Bonhoeffer

Lk 10,38-42: Maria und Marta

Auslegung und Kommentar zu Lk 10,38-42

Lk 10,38: Eine Frau namens Marta nahm ihn [Jesus] auf in ihr Haus.

Einleitende Worte: Die Geschichte von Maria und Marta kommt direkt nach dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, weil sie uns begreiflich machen will, dass Nächstenliebe ohne die Bindung an Jesus ins Leere läuft. Das ist der Kern der Erzählung. Maria und Marta verkörpern hier zwei Seinsweisen. Das Gebet und das Tun, das Hören auf Gott und der Dienst am Nächsten, Aktion und Kontemplation. Beides gehört zum Leben, ist letztlich sogar gar nicht trennbar, wo mein Gebet zum Leben wird und mein Leben zum Gebet. Dennoch: es geht um eine Prioritätensetzung. Wir müssen zuallererst erst Maria sein, d.h. zu Füßen des Herrn sitzen. Wir dagegen sind häufig nur die aktive Marta, abgelenkt und eingenommen durch die Aufgaben des Alltages.

So nahm die Magd den Herrn, die Kranke den Erlöser, das Geschöpf den Schöpfer auf. O die Seligen, welche Christum in ihr eigenes Haus aufzunehmen verdienten! Goldene Kette

Die Sorge des Dienstes bringe dich nicht von der Erkenntnis des himmlischen Wortes ab. Ambrosius

Lk 10,39: Marta hatte eine Schwester, welche Maria hieß. Die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.

Zu Jesu Füßen sitzen: Maria setzte sich zu Füßen von Jesus. Das ist ein Akt der Demut gegenüber Jesus und in dieser Demut sollen auch wir seine Worte aufnehmen. Es ist ja nicht irgendein Wort, sondern das Wort, das im Anfang war und Gott war und Fleisch geworden ist. Zu den Füßen des Wortes soll es dich immer wieder hinziehen. Ja, du kannst nicht tun, was er dir zugedacht hat, wenn du nicht in konkreter Verbindung mit ihm bist, wenn er dir so unentbehrlich ist, wie zum Leben das Essen, Trinken, Schlafen, Atmen. Bei all den vielen Dingen, die wir zu tun haben, vernachlässigen wir nie das Hören der Worte Jesus! Zu Jesu Füßen zu sitzen impliziert die Bereitschaft, das anzunehmen und zu befolgen, was Jesus lehrt. Zu Jesu Füßen zu sitzen bedeutet, sich Jesus zu unterwerfen; Rebellion ist vorbei. Zu Jesu Füßen zu sitzen impliziert Glauben daran, wer Jesus ist. Zu den Füßen Jesu zu sitzen impliziert Jüngerschaft. Zu Jesu Füßen zu sitzen bedeutet Liebe. Stellen Sie sich nicht vor, dass es eine sehr kleine, bedeutungslose Sache ist, zu Jesu Füßen zu sitzen. Es bedeutet Frieden, denn diejenigen, die sich Jesus unterwerfen, finden Frieden durch sein kostbares Blut. Es bedeutet Heiligkeit, denn wer von Jesus lernt, lernt keine Sünde, sondern wird in schönen und guten Dingen unterwiesen. Es bedeutet Stärke, denn die, die bei Jesus sitzen und sich von ihm nähren, sind mit seiner Stärke umgürtet; die Freude am Herrn ist ihre Stärke. Es bedeutet Weisheit, denn diejenigen, die vom Sohn Gottes lernen, verstehen mehr als die Alten, weil sie seine Satzungen halten. Es bedeutet Eifer, denn die Liebe zu Christus entzündet die Herzen, die davon leben, und die viel mit Jesus sind, werden wie Jesus, sodass der Eifer des Hauses des Herrn sie auffrisst. Spurgeon

Worte von Papst Franziskus: In dieser Szene mit Maria von Bethanien zu Füßen Jesu zeigt der heilige Lukas die betende Haltung des Gläubigen, der es versteht, in der Gegenwart des Meisters zu bleiben, um ihm zuzuhören und mit ihm in Einklang zu treten. Es geht darum, während des Tages innezuhalten, sich ein paar Minuten in der Stille zu sammeln, um Platz für den Herrn zu machen, der vorübergeht, und den Mut zu finden, abseits ein wenig mit ihm alleine zu bleiben, um dann gelassen und mit größerer Wirksamkeit zu den alltäglichen Dingen zurückzukehren. Jesus lobt das Verhalten Marias, die „den guten Teil gewählt hat“ (V. 42), und scheint so jedem von uns zu sagen: „Lass dich nicht von den Dingen überwältigen, die zu tun sind, sondern höre zuallererst auf die Stimme des Herrn, um die Aufgaben gut zu erfüllen, die das Leben dir stellt.

Lk 10,40: Marta aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: Herr, siehst du nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!

Vorbereitet sein: Jesus besucht uns bei vielen Gelegenheiten. Bei der Arbeit, in der Familie, bei unseren Freizeitaktivitäten, in der Heiligen Messe – und da besonders in der Eucharistie. Lieber Jesus, lass mich ein guter Gastgeber sein, schenke mir ein bereites Herz und offene Ohren, wenn du zu mir kommst und mir deine Geschichte erzählen willst. Bin ich ein guter Gastgeber? Höre ich zu? Lasse ich Jesus in mein Herz? Richard Birnkammer

Das Problem von Marta: Es gibt viele Menschen, die in ihrem Dienst für den Herrn mürrisch und gereizt werden, wie es Martha war. Es ist leicht, auf alles zu schauen, was wir tun, und diejenigen zu kritisieren, die nicht so viel zu tun scheinen. Aber Marthas wirkliches Problem war nicht Maria; es war Martha. Sie war abgelenkt und hatte ihre Augen von Jesus abgewandt. Es gefällt Gott, wenn wir uns mühen, uns anstrengen, etwas gut zu machen. Die Unruhe des Geistes, grübelnde Gedanken, dagegen gefallen Gott nicht, denn der Herr möchte, dass wir mit unseren Grenzen und Schwächen Hilfe suchen bei seiner Kraft und Allmacht. Wir sollten schlicht das tun, was in unserer Macht steht. Punkt. Wenn man sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, kann man den Rest dem überlassen, der die Macht hat, alles zu tun, was er will. Daher Achtung: Wir dürfen uns nicht im reinen Aktivismus verlieren, sondern müssen uns in unserer Tätigkeit auch immer vom Licht des Wortes Gottes durchdringen lassen und so die wahre Nächstenliebe lernen, den wahren Dienst am anderen.

Lk 10,41: Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles.

Jesus tadelt Marta: Jesus tadelt hier nicht den Martas Dienst am Nächsten, sondern tadelt, dass sie mit zu vielen Dingen beschäftigt ist, die sie durcheinander bringen und vom ihm als Quelle des Lebens wegziehen. Das Tätigsein für den Nächsten wird hier nicht verurteilt, aber dein Tätigsein muss vom Geist der Kontemplation durchdrungen sein. Es geht nicht darum, dass du dich um überhaupt nichts sorgen sollst, sondern um die Befreiung von jeglicher übertriebener Sorge und Ängstlichkeit, in die du eben dann gerätst, wenn du dich der Sache Gottes nicht annimmst. Vinzenz Pallotti sagt: Nehmen wir uns der Sache Gottes an, dann wird auch Gott an uns denken.

Franz von Sales zum Tadel von Mara: Seht, Marta hatte die gewiss lobenswerte Absicht, den Herrn aufmerksam zu bedienen; trotzdem wurde sie vom göttlichen Meister getadelt, weil sie im Herrn doch mehr den Menschen sah und meinte, er gleiche den anderen, denen eine Speise, ein Gericht nicht genügt, weshalb sie in ihrer Aufregung Orangen, Zitronen, Essig und alles mögliche zusammensuchte. So trübte sie die erste, einfache Absicht, Gott zu lieben, durch verschiedene kleine Nebenabsichten, und deshalb tadelte sie der Herr: Marta, Marta, du sorgst und kümmerst dich um viele Dinge obwohl „nur eines notwendig“ ist, eben das, was Maria erwählt hat und ihr nicht wird genommen werden.

Gegen Sorge und Unruhe: Bereite deine Seele jeden Morgen zur Stille vor. Achte darauf, deine Seele am Tag oft zu dieser Stille zu rufen. Sicher werden Dinge passieren, die dich ärgern. Das ist normal. Mache dir deswegen keine Vorwürfe. Nonstop gelassen geht nicht. Unsere innere Unruhe entspringt dem Wunsch, die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Dabei verschlimmert aber nichts so sehr das Übel wie Unruhe über den Ärger. Und häufig ist es schwer die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Also, so oder so: Beruhige vor allem deinen Geist!

Lk 10,42: Nur eines aber ist wirklich wichtig und gut! Maria hat sich für dieses eine entschieden und das kann ihr niemand mehr nehmen.

Was war das Wichtige? In Ruhe bei Jesus verweilen und sein Wort hören! Alles andere wird vergehen, doch sein Wort ist ewig und verleiht unserem alltäglichen Tun Sinn. Sich eng an den Herrn halten, ihn um seine Liebe bitten. Nur aus dieser Haltung sollten wir in die Welt gehen. Wer nur Gott gehört sucht nur ihn und bleibt inmitten all der Widerwärtigkeiten des Lebens in Frieden. So bitten mit den Worten von Chrysostomus: Herr, lehre uns, so zu leben, wie es uns gut tut: uns weder ständig unter die Menge zu mischen, noch die Menge immer zu meiden, sondern beides in nützlicher Weise zu tun. Wir brauchen die Gemeinschaft. Aber die Einsamkeit ist gut, wenn es Zeit ist, Gott anzurufen. Lass uns in beidem ein gutes Maß finden. Bonhoeffer schreibt: Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.

Wichtiges vom Dringenden unterscheiden: Maria war es wichtig, zuzuhören. Wie bei Marta kommt dabei auch in mir der Gedanke schnell auf, dass Maria dadurch die Arbeit vernachlässigt. Es ist aber ratsam, nicht durch Hektik, Sorgen und Mühen das Wichtigere zu vergessen. In einer anderen Übersetzung heißt es „Maria hat das Bessere gewählt“. Dienen ist gut, dem Herrn Zuhören anscheinend besser! Was ist dann wohl das Beste? Denken wir darüber nach! Jesus sagt: „Nur eines ist notwendig“. Richard Birnkammer

Fran von Sales zu diesem Wichtigen: Diese ganz einfache Liebe, die uns bei allem, was wir tun, nur auf eines hinsehen und hinzielen lässt, nämlich auf das Verlangen, Gott zu gefallen, das ist Marias Teil, das ist das eine Notwendige, das ist die Einfachheit, die mit der Liebe unzertrennlich verbunden ist, da sie nur auf Gott schaut und keinen egoistischen Nebengedanken duldet. Andernfalls würde sie aufhören, Einfachheit zu sein, denn sie kann irgend eine Rücksicht auf Geschöpfe nicht ertragen, nur Gott findet Einlass bei ihr. Franz von Sales

Gebet und Tätigsein: Das Gebet und das Tätigsein sind keine Gegensätze, sondern zwei Aspekte einer Liebe zu Gott. Das Tätigsein eines Betenden entspringt aus seinem Gebet. Alles was er tut, spiegelt die Stille, die aus dem Gebet hervor geht. Bringe daher die Maria und die Marta in deiner Seele in Verbindung, indem du deine Arbeit tust und in der Welt wirkst, aber kehre oft zu Jesus zurück und sage: Mein Herr, ob ich nun laufe oder still stehe, ich gehöre ganz dir und du gehörst mir! Ohne diese Liebe verlieren alle Tätigkeiten ihren Wert. Und diese Liebe drängst uns zum Tun. Edith Stein schreibt: Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muss er auch in diesem Sinn aus sich herausgehen, d.h. in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hineinzutragen. Und Theresa von Avila schreibt: Der Herr verlangt nur zwei Dinge von uns: Liebe zu ihm und zum Nächsten. Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen; aber ob wir unseren Nächsten lieben, das merkt man. Je mehr ihr hierin Fortschritt macht, umso tiefer ist eure Liebe zu Gott.

Maria und Marta: nicht nur zwei Frauen in Israel, sondern auch zwei Seelen in meiner Brust. Die eine möchte schaffen, arbeiten, dienen, beschäftigt sein. Die andere möchte ruhig sein, still, besinnlich, verweilend, betend. Die eine hat als Werkzeug Hände, Füße und Mund, die andere Augen und Ohren. Die eine möchte Gott dienen, die andere ihm lauschen. Oft liegen beide im Widerspruch. Es lebt zu viel Marta in mir. Eines nur ist not-wendig: Setz dich hin, werde ruhig, öffne die Ohren, um zu lauschen, schließe die Augen, ja schließe sie, um zu sehen! Aber, wird mancher sagen, ich weiß ja nicht, wo die Füße Jesu sind, an denen Maria gesessen hat. Setz dich hin, mehr nicht! Setz dich einfach hin wie Maria. Seine Füße werden deinen Sitzplatz schon finden. Heribert Arens

Was uns nottut: Das Wichtigste für das Heil der Welt ist es, viel zu lieben – im Leben und auch im Sterben. Aber machen wir uns da nichts vor. Eine solche Liebe hat ihren Preis. Man muss viel beten, um dahin zu kommen. Gott vertraut das Heil anderer nämlich nicht denen an, die meinen, etwas aus eigener Kraft bewirken zu können, sondern denen, die ihn durch sich wirken lassen. Nicht den Machern – denn ihre Aktivität kann immer das unheilvolle Ferment unseres alten Menschen in sich tragen. Sondern denen, die Gott durch sich wirken lassen die sich wie ein weicher Handschuh der Hand des Heiligen Geistes anschmiegen. Gott in uns: Das ist es, was nottut. Madeleine Delbrêl

So oft bin ich auch wie Martha. Vor lauter Gedanken um das Versorgen der Gäste, meine Aufgaben, bin ich nur mehr am Tun und Machen, bin ständig in Aktion. In dem Ganzen verliere ich den Blick auf das Wesentliche. Ich habe keine Zeit mehr für Jesus selbst, ihm zu begegnen, ihm zuzuhören. Ich möchte vieles TUN, vergesse aber das SEIN. Aber ich kann mich auch anders entscheiden. Ich nehme mir vor, wie Maria, in der Gegenwart Jesu zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen. Ich möchte mir keine Sorgen machen oder unruhig werden, wenn nicht alles nach Plan verläuft. Wirklich wichtig ist die Beziehung zu Jesus. Nicht das was ich tue, sondern was er für mich getan hat und tut. Ich möchte Stress und Druck vermeiden, so gut wie möglich. Gott ist Mensch geworden. Er möchte mir begegnen, bei mir ankommen. Er interessiert sich nicht um die Äußerlichkeiten, ihm interessiert mein Herz. Er klopft an meine Tür. Bin ich zu Hause oder bin ich viel zu beschäftigt, um ihn hereinzulassen? Ulrike Puintner

Worte von Charles des Foucauld: Mein Gott, wie gütig bist du, dass du deine Dienerin verteidigst, wenn ihre Schwester sie angreift! Wie gütig bist du, dass du einmal all diejenigen verteidigst, die alles aufgeben, um in deiner göttlichen Kontemplation zu leben! Wie gütig bist du, dass du erklärst, dass das einzig Notwendige und das Beste und das Lieblichste, was es auf der Welt gibt, was aus unserem Leben einen Himmel macht, deine Betrachtung, oh Jesus, ist! Eine einzige Sache ist notwendig, oh Jesus, dich zu lieben und von Stunde zu Stunde Werke der Liebe zu tun. Eine einzige Tat in Liebe ist mehr wert als das Universum… Dir eine Tat der Liebe zu erweisen, bedeutet mehr als dir tausend Welten zu opfern. Also hört man nicht auf, das Leben von Maria zu führen, aber man erreicht damit das von Martha, wie Jesus, dessen Kontemplation endlos war. Aber um die beiden Leben so miteinander zu verbinden, muss man lange Zeit in Einsamkeit und Stille das Leben von Maria führen, daher ruft Gott erst die Seelen, die ihn rühmen wollen zu äußeren Werken, nachdem er sie lange in einsamer Kontemplation verweilen ließ, in der er ihre Seele so formt und stärkt, dass sie anschließend für den Rest ihres Lebens kontemplativ bleiben können und gleichzeitig aktiv sind. Wenn sie aktiv wären, ohne kontemplativ zu sein, würden sie ihn viel weniger rühmen, die äußeren Werke wären viel weniger wert, wie wir gesehen haben, als die rein inneren Werke. Johannes der Täufer und der Heilige Paulus sind Beispiele für dieses göttliche Verhalten. Gott führt sie zunächst in das kontemplative Leben in langer Einsamkeit, dann ruft er sie in ein aktives Leben, um sie an den sehr hohen Verdiensten der Kontemplation teilhaben zu lassen, in der sie waren, und damit sie in ihrem ganzen Leben nicht aufhören, die sehr niedrigen aber dennoch sehr realen Verdienste des aktiven Lebens hinzuzufügen. Das kontemplative Leben wird zum aktiven hinzugefügt, ohne es zu verlieren. Also ist das Leben von Magdalena dem von Martha überlegen, da man den großen Ruhm Gottes nicht nur durch Aktion erreichen kann und da man, um Gott sehr zu rühmen, an der Kontemplation teilhaben muss, deren Wert unvergleichlich viel höher ist. Charles de Foucauld

Worte von Franz von Sales: Wissen Sie, wie ich den Ausgleich bewirken wollte? Ich wollte, dass die hl. Marta, unsere liebe Herrin, sich an Stelle ihrer Schwester zu den Füßen unseres Herrn niederließe und ihre Schwester die restlichen Vorbereitungen für das Essen treffe; so hätten sie Arbeit und Ruhe geteilt als gute Schwestern. Ich denke, daß unser Herr das gut befunden hätte. Unseren Herrn aber ganz allein lassen zu wollen, darin hatte sie meiner Meinung nach unrecht; denn er ist nicht in diese Welt gekommen, um in der Einsamkeit zu leben, sondern um mit den Menschenkindern zu sein.

Worte von Theresia vom Kinde Jesu: Eine von Liebe entflammte Seele kann nicht untätig bleiben; gewiss sitzt sie wie die Hl. Magdalena zu Füßen Jesu, sie lauscht seinem süßen, feurigen Wort. Sie scheint nichts zu geben und gibt doch viel mehr als Martha, die sich um viele Dinge plagt und möchte, dass ihre Schwester es ihr gleichtäte. Nicht die Arbeiten Marthas sind es, die Jesus tadelt, diesen Arbeiten hat sich seine göttliche Mutter ihr ganzes Leben lang demütig unterzogen, da sie die Mahlzeiten der Hl. Familie zubereiten musste. Einzig die Unrast seiner eifrigen Gastgeberin wollte Jesus zurechtweisen. Theresia vom Kinde Jesu


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Lukas Evangelium Lk Kapitel 10.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste