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Johannes Evangelium Joh Kapitel 5: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Johannes Evangelium Joh Kapitel 5

Joh 5,1-15: Heilung eines Gelähmten am Teich

Auslegung und Kommentar zu Joh 5,1-15

Joh 5,1: ‭Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.‭

Jesus geht nach Jerusalem: Wir wissen nicht, um welches Fest es sich handelte, aber es war wahrscheinlich eines der drei großen Feste, bei denen die Teilnahme erforderlich war.

Joh 5,2: In der Stadt befindet sich nicht weit vom Schaftor entfernt der Teich Betesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen umgeben.

Worte von Augustinus: Jener Teich und jenes Wasser scheint mir das jüdische Volk bedeutet zu haben. Jenes Wasser also, d.h. jenes Volk, wurde von den fünf Büchern des Moses wie von fünf Hallen umschlossen. Allein jene Bücher wiesen zwar auf Kranke hin, heilten sie aber nicht. Denn das Gesetz überführte die Sünder, sprach sie jedoch nicht los. Darum machte der Buchstabe ohne die Gnade Schuldige, welche aber auf ihr Bekenntnis hin durch die Gnade befereit wurden. Die fünf Hallen sind das Gesetz. Warum heilten die fünf Hallen die Kranken nicht? Weil wenn das Gesetz so gegeben wäre, daß es imstande wäre zu beleben, die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetze käme.

Joh 5,3: Viele Kranke lagen in diesen Hallen: Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte.

Joh 5,4: ‭Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, der wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch geplagt war.‭

Keiner blickte auf Jesus: Eine Menge Bedürftiger war da, aber keiner von ihnen blickte auf Jesus. Eine Blindheit war über diese Leute am Teich gekommen; da waren sie, und da war Christus, der sie heilen konnte, aber keiner von ihnen suchte ihn. Ihre Augen waren auf das Wasser gerichtet und erwarteten, dass es aufgewühlt würde. Sie waren so in ihren eigenen Weg vertieft, dass der wahre Weg vernachlässigt wurde.

Joh 5,5: Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit 38 Jahren krank.

Zur Wunderheilung: Das Johannesevangelium schildert uns im 5. Kapitel eine ergreifende Szene am Teich Betesda. Am Teich waren fünf Säulenhallen. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. Unter ihnen befand sich  ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Die Krankheit, von der er so gerne befreit werden wollte, raubte ihm die nötige Kraft. Der Herr fragt: Willst du gesund werden? Ja gewiss, den Willen hatte er, aber er erklärt sein Unvermögen. Die Kraft, die ihm fehlt, sehen wir in Christus. Jesus tritt in sein Leben. Alles ändert sich, als Jesus zu ihm sagt: Steh auf, nimm deine Bahre und geh!  Sofort  wurde der Mann gesund .

Joh 5,6: Als Jesus diesen daliegen sah und erfuhr, dass er schon so lange Zeit in diesem Zustand war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?

Jesus sieht den Kranken: Was bei der Begebenheit am Teich Bethesda auffällt, daß nicht der Kranke Jesus sieht und ihn anspricht, sondern daß es genau umgekehrt ist. Jesus sieht den Kranken! Und ebenso sieht er auch dich und mich, egal in welcher Situation wir uns gerade befinden. Und wir dürfen auch sicher sein, daß Gott uns und unseren Zustand besser sehen und einschätzen kann, als wir das selbst je bewerkstelligen könnten. Was dies letztlich bedeutet, drückt David wunderbar in seinem Psalm aus. Gott schläft nicht! Wir sind wohl öfters abwesend oder sehen manche Gefahren nicht oder verzetteln uns durch so manche kopflose Aktion. Bei Gott kann so etwas nie passieren. Jörg Bauer

Joh 5,7: ‭Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser bewegt wird; während ich aber selbst gehe, steigt ein anderer vor mir hinab.‭

Ausweichende Antwort: Auf diese klare und bestimmte Frage Jesu antwortet der Mann zunächst nicht. Anfänglich gibt er anderen die Schuld, dass er nicht geheilt wurde: „Ich habe niemanden, der…“ „Ich habe keine Freunde, die…“ Und so kann es auch uns passieren, dass Jesus uns fragt, ob wir geheilt werden wollen, und wir, statt schnell „ja“ zu sagen, die Schuld darauf schieben, dass uns die nötige Unterstützung fehlt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir so viele Jahre an dieser Krankheit gelitten haben. Die Heilung geschieht aber nicht primär, weil uns jemand in den Teich von Bethesda tragen wird, sondern weil uns heute derjenige, der die Gesundheit selbst ist, besucht. Br. João Paulo Jäger 

Worte von Papst Franziskus: Er war aber im Herzen krank, in der Seele; er war an Pessimismus erkrankt, er war an Traurigkeit erkrankt, er war an Überdruss (Acedia) erkrankt. Genau das ist die Krankheit dieses Mannes: Ja, ich will leben, aber … “ – er blieb dort liegen.

Joh 5,8: Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle!

Worte von Augustinus: Dies sind die Heilungsworte. Wie finden wir nun in diesen beiden Befehlen des Herrn die zwei Gebote der Liebe angedeutet? Mit der Aufforderung: Nimm dein Bett, scheint er mir gesagt zu haben: Liebe deinen Nächsten. Krank trug das Bett den Gelähmten. Gesund trägt aber er das Bett. Als du krank warst, trug dich dein Nächster. Du bist gesund geworden, trage deinen Nächsten. So wirst du, o Mensch, erfüllen, was dir fehlte. Nimm also dein Bett. Wenn du es genommen hast, bleibe nicht stehen, wandle. Indem du den Nächsten liebst und Sorge trägst um deinen Nächsten, begibst du dich auf den Weg. Wohin gehst du, als zu Gott dem Herrn, zu dem, welchen wir lieben müssen. Denn zum Herrn sind wir noch nicht gekommen, sondern wir haben den Nächsten um uns. Trage also den, mit dem du gehst, damit du zu dem kommst, bei dem du zu bleiben verlangst. Also nimm dein Bett und wandle.

Worte von Anselm Grün: Wir würden alle gerne aufstehen, wenn wir wüssten: Ich bin voller Selbstvertrauen. Ich habe Kraft. Ich weiß genau, was ich tun soll. Aber Jesus sagt dieses Wort zu dem Gelähmten, der ans Bett gefesselt ist. Mitten aus seiner Schwäche heraus soll er aufstehen. So bedeutet dieses Wort für mich: Ich lasse die Grübeleien los. Ich nehme sie gleichsam unter den Arm. Das Bett symbolisiert für mich die Zweifel und die vielen Überlegungen. Ich denke nicht weiter darüber nach. Ich nehme all die Unsicherheiten und Hemmungen unter den Arm und gehe einfach. Je mehr wir über die anstehende Aufgabe grübeln, desto weniger werden wir sie anpacken. Das Wort Jesu gibt uns Mut, aus uns herauszugehen und das zu wagen, was uns als Aufgabe gestellt ist. Nicht nur am Morgen eines Tages, aber da ganz besonders.

Mir selber hat das Wort Jesu oft geholfen, wenn ich mir bei Kursen zu viele Gedanken mache: Welche Übung soll ich mit den Teilnehmern machen? Was finden die Teilnehmer besser, was passt jetzt in diese Einheit? Früher haben mich solche Überlegungen viel Energie gekostet. Heute gehe ich einfach in den Vortragssaal mit dem Wort Jesu „Steh auf, nimm dein Bett und geh!“. Dann mache ich das, was mir gerade in den Sinn kommt. Und es ist dann immer gut. Die Leute merken meine Unsicherheit dann gar nicht. Sie meinen, das sei genau ausgedacht. Aber ich traue dann mehr dem spontanen Gefühl, das ich durch das Wort Jesu bestätige.

Joh 5,9: Sogleich wurde der Mensch gesund.

Worte von Augustinus: Mehr freuen als verwundern müssen wir uns, daß unser Herr und Erlöser Jesus Christus Mensch geworden ist, als daß Gott Göttliches unter den Menschen vollbracht hat. Denn mehr dient zu unserem Heile das, was er wegen der Menschen geworden ist, als was er unter den Menschen getan hat, und mehr ist es, daß er die Mängel der Seelen heilte, als daß er die Schwächen der dem Tode unterworfenen Leiber heilte. Wie anders also ist dies zu verstehen, als daß jene Macht und Güte mehr auf das abzielte, was die Seelen in seinen Taten für das ewige Heil erkennen sollten, als was die Leiber für das zeitliche Wohl erlangen sollten.

Weil Jesus es ihm gesagt hatte, stellte er keine Fragen, sondern klappte sein Lager zusammen und ging. Er tat, was ihm aufgetragen wurde, weil er an den glaubte, der sprach. Hast du solchen Glauben an Jesus?

Joh 5,10: ‭Nun sprachen die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat; es ist dir nicht erlaubt, die Liegematte zu tragen!‭

Joh 5,11: ‭Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm deine Liegematte und geh umher!‭

Joh 5,12: ‭Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Liegematte und geh umher?‭

Joh 5,13: Der Geheilte wusste nicht, wer es war, denn Jesus war weggegangen, weil so viel Volk an dem Ort war.

Jesus war weg gegangen: Wir tragen den Nächsten und wandeln zu Gott, aber wir sehen den noch nicht, zu dem wir wandeln. Darum kannte auch jener Jesus noch nicht. Dieses Geheimnis ist uns nahegelegt, weil wir an den glauben, den wir noch nicht sehen und damit er nicht gesehen werde, verschwindet er in der Menge. Es ist schwer, in der Menge Christus zu sehen. Eine gewisse Einsamkeit ist unserem Geiste nötig. In einer gewisssen Einsamkeit der Beschauung wird er gesehen. Bei der Menge geht es geräuschvoll zu, jenes Schauen verlangt Abgeschiedenheit. Weil der Geheilte nicht abließ, sein Bett zu tragen und zu wandeln, sah ihn Jesus nachher im Tempel. In der Menge sah er ihn nicht, im Tempel sah er ihn. Er kam also zum Herrn, er sah ihn im Tempel, er sah ihn an einem heiligen Orte.

Joh 5,14: Danach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden. Sündige hinfort nicht mehr.

Jesus fand ihn: Jesus fand ihn, weil er sich um seine geistliche Gesundheit sorgte (sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre), nicht nur seine körperliche Gesundheit. Ein Leben in Sünde zu leben ist schlimmer und wird schlimmere Folgen haben, als achtunddreißig Jahre lang verkrüppelt zu sein.

Die Sünde ist schlimmer als jede Krankheit: Jesus trifft den Geheilten im Tempel wieder und nutzt die Gelegenheit, um ihm etwas Grundlegendes zu vermitteln: „Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt.“ Die Sünde ist etwas viel Schlimmeres als jede körperliche Krankheit, denn sie lähmt nicht den Körper, sondern hindert die Seele daran, bei Gott Zuflucht zu suchen, ihm im täglichen Leben zu begegnen. So wie die Lähmung eine Krankheit des Körpers ist, ist die Sünde eine Krankheit der Seele, die sie schwach und müde macht. Nur mit Jesus an unserer Seite können wir dieses Übel überwinden, das so viel Unheil über den Menschen bringt, weil es ihn von Gott entfernt. Br. João Paulo Jäger

Joh 5,15: ‭Da ging der Mensch hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.‭

Eingeschüchterter Geheilter: Die Tatsache, dass er Jesus den Behörden anzeigte, zeigte, wie eingeschüchtert der Mann von denselben religiösen Führern war.

Joh 5,16-30: Jesus, der Sohn Gottes

Auslegung und Kommentar zu Joh 5,16-30

Joh 5,16: ‭Und deshalb verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat getan hatte.‭

Joh 5,17: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.

Gott wirkt: Gott hört nie auf zu wirken, denn wie es die Eigenschaft des Feuers ist zu brennen und des Schnees kalt zu sein, so ist es die Eigenschaft Gottes zu wirken.

Mein Vater wirkt bis jetzt. Ihr schauet die Werke Gottes. Ich war dabei, als sie entstanden, durch mich sind alle gemacht worden. Der Vater hat das Licht hervorgebracht. Aber er sprach, es solle das Licht werden. Wenn er sprach, hat er durch sein Wort gewirkt. Sein Wort war ich, bin ich: durch mich ist die Welt geworden in jenen Werken, durch mich wird die Welt gelenkt in jenen Werken. Mein Vater hat damals gewirkt, als er die Welt erschuf, wie er auch jetzt noch wirkt, da er die Welt regiert. Also hat er sie durch mich erschaffen, da er sie erschuf, und er regiert sie durch mich, da er sie regiert. Siehe, er ist in ihm, siehe er wirkt. Der Sendende trennt sich nicht vom Gesandten, weil der Sendende und der Gesandte eins sind.

Joh 5,18: ‭Darum suchten die Juden nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte.‭

Joh 5,19: ‭Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.‭

Der Sohn kann nichts aus sich selbst tun: Jesus erklärte, dass er als Gott der Sohn nichts unabhängig tut. Er war und ist dem Willen des Vaters völlig unterworfen. Diese Unterwerfung erfolgt freiwillig, nicht durch Zwang oder durch eine minderwertige Natur.

Was immer Er tut, tut auch der Sohn in gleicher Weise: Jesus erklärte, dass Sein Werk eine vollkommene Widerspiegelung des Werkes und Willens Gottes des Vaters sei. Jesus zeigte uns genau, was das Werk und der Wille Gottes ist.

Joh 5,20: Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut.

Der Vater liebt den Sohn: Dass ‚der Vater den Sohn liebt‘ wurde bereits in diesem Evangelium bekräftigt (Joh 3:35)

Warum sagte er: der Vater wird dem Sohne zeigen? Weil wir Glieder des Sohnes sind und, was wir Glieder gleichsam lernen, er gewissermaßen in seinen Gliedern lernt. Wie lernt er in uns? Wie er in uns leidet. Wie beweisen wir, daß er in uns leidet? Aus jener Stimme vom Himmel: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Ist nicht er es, der sagen wird:  Wenn ihr einem aus meinen Geringste, etwas gegeben habt, so habt ihr es mir gegeben. Also lasset uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus. Verstehet ihr, fasset ihr die Gnade Gottes an uns? Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Mensch er und wir.

Joh 5,20: Er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, sodass ihr euch verwundern werdet.

Joh 5,21: Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Welches sind aber jene größeren Werke? Größere Werke als die Heilung des Gelähmten also sind die Erweckung von Toten. Wer vom Tode zum Leben hinübergegangen ist auferstanden. Es findet bereits jetzt eine Art Auferstehung statt: vom Tode des Unglaubens zum Leben des Glaubens.  Es ist also auch dies eine Auferstehung der Toten. Ich also habe die Worte meines Herrn gehört und geglaubt. Ich war ungläubig und bin nun gläubig geworden. Wie er mich mahnte, bin ich vom Tode zum Leben übergegangen, ich komme nicht ins Gericht, nicht wegen meines Selbstvertrauens, sondern durch seine Verheißung.

Joh 5,22-23: Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben,‭ ‭damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.‭

Werk des Gerichts: Jesus benutzte das Werk des Gerichts als Beispiel für eine Arbeitsteilung zwischen dem Vater und dem Sohn. Vor Gott dem Sohn werden die Menschen am Tag des Gerichts stehen. Sogar während Seines irdischen Wirkens war Jesus so etwas wie ein Richter unter den Menschen.

Den Sohn ehren: Dies war ein klarer Anspruch auf Gottheit. Wenn Jesus – der sich selbst als Sohn bezeichnete – nicht Gott wäre, dann wäre es Götzendienst, den Sohn zu ehren, so wie sie den Vater ehren.

Joh 5,24: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.‭

Worte Gottes: Mit diesen Worten erhob sich Jesus weit über die Ebene eines bloßen Menschen. Denke darüber nach: Höre mein Wort und habe ewiges Leben. Das war entweder das Geschwätz eines Verrückten oder die Worte Gottes selbst. Hier ist kein neutraler Boden zu finden.

Joh 5,25: Die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben.

Die Stunde kommt: Diese Stunde ist keine Stunde von den zwölf Stunden des einen Tages. Von da an, wo er sprach, bis zu dieser Zeit und bis zum Ende der Welt dauert jene eine Stunde. Also ist sie jetzt. Sie werden hören, d.h. sie werden gehorchen. Viele hören und glauben nicht. Indem sie hören und nicht glauben, gehorchen sie nicht. Die also aber gehorchen, werden leben. Gepredigt wird Christus, das Wort Gottes, der Sohn Gottes. Wenn also das Wort kommt und den Hörenden eingegossen wird und diese nicht bloß Hörer, sondern auch Befolger des Wortes geworden sind, so erhebt sich die Seele von ihrem Tode zu ihrem Leben. Wer tot war, lebe. Es höre die Stimme des Sohnes Gottes, wer tot dalag, er stehe auf und lebe.

Joh 5,26: Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn verliehen, das Leben in sich selbst zu haben.

Ich bin das Leben. Dies sagt dir dein Heiland: Du hast nirgends hinzugehen als zu ihm. Du hast auf keinen andern Wege zu gehen als dem, der er ist. Jetzt also währt diese Stunde und es dauert immerdar fort. Es stehen Menschen auf, die tot waren, sie gehen hinüber zum Leben, sie leben auf die Stimme des Sohnes Gottes hin, sie leben von ihm, verharrend im Glauben an ihn. Es hat ja der Sohn Gottes das Leben, er hat, wovon die Glaubenden leben.

Joh 5,27: ‭Und er hat ihm Vollmacht gegeben, auch Gericht zu halten, weil er der Sohn des Menschen ist.‭

Joh 5,28: ‭Verwundert euch nicht darüber! Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden.

Joh 5,29: ‭Sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.‭

Glaube und Werk: Das bedeutet nicht, dass das Heil auf guten Werken beruht, denn gerade dieses Evangelium macht immer wieder deutlich, dass Menschen in das ewige Leben eingehen, wenn sie an Jesus Christus glauben. Aber das Leben, das sie führen, stellt den Test für den Glauben dar, zu dem sie sich bekennen.

Joh 5,30: Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat.

Worte von Benedikt XVI: In seinem vollkommenen Menschsein erfüllt Jesus Augenblick für Augenblick den Willen  des  Vaters. Jesus hört sein Wort und gehorcht ihm mit seinem ganzen Sein. Er kennt den Vater und hält an seinem Wort fest. Er berichtet uns vom Vater. Jesus zeigt also, daß er der göttliche Logos ist, der sich uns hinschenkt, aber auch der wahre Mensch, der in jedem Augenblick nicht den eigenen Willen, sondern den des Vaters erfüllt. In vollkommener Weise hört er das göttliche Wort, verwirklicht es in sich selbst und teilt es uns mit. Jesus Christus ist dieses endgültige und wirkkräftige Wort, das vom Vater ausgegangen und zu ihm zurückgekehrt ist und das in der Welt seinen Willen vollkommen verwirklicht hat.

Joh 5,31-47: Bestätigungen für Sohnschaft

Auslegung und Kommentar zu Joh 5,31-47

Joh 5,31: ‭Wenn ich von mir selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis nicht glaubwürdig.‭

Joh 5,32: Ein anderer ist es, der von mir Zeugnis ablegt.

Ein anderer legt Zeugnis ab: Dieses Prinzip wird durch Deuteronomium 19:15 begründet , wo es heißt, dass die Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen festgestellt werden soll. Jesus erklärte den religiösen Führern, dass er Gott sei, aber sein Zeugnis allein sei nicht genug. In der folgenden Passage brachte Jesus drei vertrauenswürdige Zeugen hervor, die bezeugen werden, dass er dem Vater gleich ist. Jesus fand es wichtig, ihnen einen Grund zu geben, über das hinaus zu glauben, was er über sich selbst sagte.

Joh 5,33: ‭Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben.‭

Der erste Zeuge den Jesus benennt ist Johannes der Täufer. Dies bezieht sich v.a. auf die Ereignisse aus dem ersten Kapitel des Johannesevangelium. Johannes der Täufer zeugt von Jesus ewiger Existenz: Er war vor mir (Joh 1,15),  von seiner Gottheit, denn Jesus ist der Herr (Joh 1,23). Er zeugt von Jesus Würde, denn er war nicht würdig, die Sandale zu lösen (Joh 1,27). Er zeugte von Jesus Opfer, denn er sagt: Jesus ist das Lamm (Joh 1,29). Er zeugte von seiner Herrlichkeit, denn der Geist kommt wie eine Taube herab (Joh 1,32). Er zeugte von Jesus göttlichen Rechten, denn Jesus tauft mit dem Geist (Joh 1, 33) und er zeugte von Jesus Gottessohnschaft (Vers 34).

Joh 5,35: ‭Jener war die brennende und scheinende Leuchte, ihr aber wolltet euch nur eine Stunde an ihrem Schein erfreuen.‭

Nur eine Stunde Freude: Die religiösen Führer nahmen das Werk Johannes des Täufers eine Zeit lang an. Sie freuten sich außerordentlich, als sie hörten, dass der Messias gekommen war, weil sie erwarteten, dass er sie aus den Händen der Römer befreien würde; aber als ihnen eine spirituelle Befreiung von unendlich größerer Tragweite gepredigt wurde, verwarfen sie sowohl diese als auch das Licht, das sie offenbarte.

Joh 5,36: Die Werke, die mir der Vater gab, dass ich sie vollbringe, eben die Werke, die ich tue, geben Zeugnis von mir, dass der Vater mich gesandt hat.

Das Zeugnis seiner Werke: Die Mehrzahl der wunderbaren Werke Jesu waren einfache Taten des Mitgefühls und der Barmherzigkeit, die für einfache und bedürftige Menschen getan wurden. Darin bezeugen diese Werke das Herz Gottes. Die Juden suchten nach einem wundersamen Messias, aber sie suchten nicht nach Einem, der seine wundersame Macht in einfachen Akten des Mitgefühls und der Barmherzigkeit zum Ausdruck bringen würde. Sie erwarteten, dass der Messias wundersame Kräfte nutze, um Israel militärische und politische Befreiung zu bringen.

Welche Werke hat Jesus damals wohl gemeint: Das Heilen von unheilbaren Krankheiten? Das Austreiben von Dämonen? Seine vollmächtige Rede, die die Menschen in ihren Bann gezogen hat? Sicher ja. Trifft alles zu. Aber ein Werk steht im Zentrum: die Auferstehung. Ein Werk, das auch heute unerklärlich bleibt.

Joh 5,37: Und der Vater, der mich gesandt hat, hat selbst von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt weder seine Stimme jemals gehört noch seine Gestalt gesehen.

Joh 5,38: ‭Sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat.‭

Werk und Wort Jesus: In praktisch jedem Werk und Wort von Jesus hat Gott der Vater den Status Jesu als Sohn Gottes bezeugt. Aber insbesondere bezeugte der Vater den Sohn in alttestamentlichen Prophezeiungen und bei der Taufe Jesu (Lk 3:22).

Joh 5,39: Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.

Der dritte Zeuge ist die Schrift. Das besondere ist, dass die Bibel von Jesus zeugt. Die Bibel, und um es genau zu nehmen, das Alte Testament, ist der dritte Zeuge den Jesus hier aufruft. Die Bibel ist ein klarer Zeuge für Jesus. Hier steht alles drin, alles Wichtige ist gesagt. Wenn in der Kirche die Heiligen Schriften gelesen werden, spricht Gott selbst zu seinem Volk und verkündet Christus, gegenwärtig in seinem Wort.

Augustinus: Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt.

Guido Baltes: Wir verstehen das Neue Testament nur dann richtig, wenn wir es aus der Perspektive des Alten  Testaments heraus lesen.

Joh 5,40: ‭Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.‭

Joh 5,41: Ich nehme nicht Ehre von Menschen.

Nicht die Ehre von Menschen suchen: Der Blick auf Jesus heilt davon, da er nicht die eigene Ehre suchte, sondern für Gott auch bereitwillig Hohn und Spott ertrug. Ein Blick auf Johannes den Täufer kann hilfreich sein, der sagt: Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Er schickte er seine Jünger weg, damit sie Jesus nachfolgen. Die Ehre Jesu war wichtiger als die eigene. Und so sollte es auch in unserem Leben sein.

Es gibt eine Sache, die uns im Weg stehen kann. Es ist die Suche nach unserer eigenen Ehre. Wir nehmen viel zu oft die Ehre von Menschen und streben danach.

Joh 5,42: ‭Aber bei euch habe ich erkannt, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.‭

Ihr habt nicht die Liebe zu Gott in euch. Wenn wir nicht auf das Wort Jesu hören, wenn wir es wie der verlorene Sohn vorziehen, unser Erbe fern vom Vater durchzubringen, wenn wir es vorziehen, in der Finsternis zu leben, anstatt das Licht zu empfangen, das Jesus selbst ist, dann leben wir fern von der Liebe und die Liebe des Vaters ist nicht in uns. Wann immer wir versuchen, unser Herz, das für die Liebe und für Gott geschaffen wurde, mit der Sünde zu füllen, sind wir weit vom Vater entfernt. Wenn wir akzeptieren, dass Dunkelheit in unser Leben eindringt, wenn wir fern vom Licht leben, das vom Sohn kommt, dann sind wir auch fern vom Vater. João Paulo Jäger 

Joh 5,43: ‭Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr annehmen.‭

Joh 5,44: ‭Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht?‭

Zur Ehre: Die bloße Tatsache, geehrt zu werden, kann den Glauben an Christus erschweren, selbst wenn diese Ehre rechtmäßig zuteil wird. Wenn ein Mann das Gefühl bekommt, dass er geehrt werden sollte, ist er in extremer Gefahr. Immer diese unverdiente Ehre erhaltend, täuschten sie sich vor zu glauben, dass sie es verdienten. Liebe Freunde, es ist sehr schwierig, Ehre zu erhalten und sie zu erwarten, und dennoch sein Augenlicht zu behalten; denn die Augen der Menschen werden allmählich stumpf durch den Rauch des Weihrauchs.

Aber, oh, wie viele leben vom Atem ihrer Mitmenschen: anerkannt werden – applaudiert werden – das ist ihr Himmel; aber verachtet zu werden, verspottet zu werden, als Dummkopf bezeichnet zu werden, einen Spitznamen zu haben, der auf sie angewendet wird; oh nein, sie würden eher zur Hölle fahren, als das zu ertragen.

Hindernis von Stolz und Eigenliebe: Das größte Hindernis für die Errettung der Schriftgelehrten und Pharisäer war ihr Stolz, ihre Eitelkeit und ihre Eigenliebe . Sie lebten vom gegenseitigen Lob. Wenn sie Christus als den einzigen Lehrer anerkannt hätten, hätten sie die gute Meinung der Menge aufgegeben; und sie zogen es vor, lieber ihre Seele zu verlieren, als ihren Ruf unter den Menschen einzubüßen !

Joh 5,45: ‭Denkt nicht, dass ich euch bei dem Vater anklagen werde. Es ist einer, der euch anklagt: Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.‭

Joh 5,46: ‭Denn wenn ihr Mose glauben würdet, so würdet ihr auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben.‭

Joh 5,47: ‭Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?‭

Aufruf zum Glauben: Jesus hat diese religiösen Führer nicht zu einem neuen oder anderen Glauben berufen. Er rief sie dazu auf, zu glauben, was Moses, was die Schriften, was seine Werke, was Johannes der Täufer über Jesus bezeugte: dass er der Messias ist, der Sohn Gottes und Gott der Sohn. Wenn sie sich weigerten, diesem überwältigenden Zeugnis zu glauben, war es unwahrscheinlich, dass sie Jesu eigenen Worten glauben würden .


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Johannes Evangelium Joh Kapitel 5.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste