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Johannes Evangelium Joh Kapitel 13: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Johannes Evangelium Joh Kapitel 13

Joh 13,1-20: Die Fußwaschung

Auslegung und Kommentar zu Joh 13,1-20

Joh 13,1: Vor dem Passafest aber, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, daß er hinginge aus dieser Welt zum Vater, bewies er den Seinigen die Liebe, die er zu ihnen gehabt in der Welt, bis ans Ende.

Seine Stunde war gekommen: Jesu öffentlicher Dienst war beendet. In fast 24 Stunden würde Jesus am Kreuz hängen. Dies war der Anfang vom Ende, und Jesus nutzte diese letzten kostbaren Stunden, um seinen Jüngern zu dienen und sie vorzubereiten.

Die Seinen: Diese Jünger und alle Jünger waren und sind wirklich die Seinen, die zu Jesus gehören. Sie waren sein Eigentum , weil er sie erwählt hat. Sie waren sein Eigentum, weil er sich ihnen hingab. Sie waren sein Eigentum, weil sein Vater sie ihm gab. Sie waren sein Eigentum , weil er sie bald kaufen würde. Sie waren sein Eigentum , weil er sie erobert hat. Sie gehörten ihm, weil sie sich ihm hingaben.

Bis ans Ende: Bis zum Ende bedeutet bis zum Ende des irdischen Lebens Jesu. Obwohl die Jünger Ihn aufgegeben haben, hat Er sie nie aufgegeben. Obwohl sie aufhörten, an Jesus zu denken, und nur noch an sich selbst dachten, hörte Er nie auf, an sie zu denken. Wessen Probleme waren schlimmer – die von Jesus oder die der Jünger? Wer war mehr um den anderen besorgt? Er liebte sie bis zum Ende. Bis zum Ende bedeutet eine Liebe, die niemals enden wird . Jesus wird nie aufhören, die Seinen zu lieben. Es ist keine Liebe, die kommt und geht, die heute da ist und morgen geht.

Worte von Benedikt XVI: Gott liebt sein Geschöpf, den Menschen. Er liebt ihn auch in seinem Gefallensein und überläßt ihn nicht sich selbst. Er liebt bis zur Vollendung. Er geht mit seiner Liebe bis zur Vollendung, bis zum äußersten: Er steigt aus seiner Herrlichkeit herab. Er legt das Gewand seiner göttlichen Herrlichkeit ab und legt das Gewand des Sklaven an. Er steigt herab bis in die äußerste Tiefe unseres Gefallenseins.

Vor dem Pascha: Wie bei der Tempelreinigung erklingt das „vor dem Pascha“ und wiederum geht es um die Lebenshingabe Jesu, seine Stunde. Die Stunde Jesu ist die Stunde der Verwandlung allen Seins durch die Liebe bis ans Ende. Jesus geht zum Vater. Doch der heimkehrende Jesus streift nicht seine Menschheit wie etwas Verunreinigendes wieder ab. Das Ziel seines Abstiegs war das Annehmen und Aufnehmen der ganzen Menschheit, das Heimkehren mit allen Menschen. Das Hinübergehen ist eine Verwandlung. Er nimmt sein Fleisch, sein Menschsein mit. In der Hingabe seiner selbst am Kreuz wird er umgeschmolzen in eine neue Weise des Seins, in der er nun immer zugleich beim Vater und bei den Menschen ist.

Joh 13,2: Der Teufel hatte Judas (…) ins Herz gegeben, ihn zu verraten.

Zur Person des Judas: Personen im Evangelium stellen Identifikationsfiguren da, soll heißen, sehe ich in der Person des Judas auch Anteile in meiner Persönlichkeit? Ich für mich muss es bejahen. Eine Hypothese, dass Judas aus Enttäuschung gehandelt hat, weil Jesus nicht die politische Befreiung gebracht hatte. Auch wenn ich mich darin übe, mich Gottes Willen hinzugeben, so gibt es (wenn auch selten) Lebenssituationen, wo ich mit Gottes Entscheidungen hadere. Eine andere Hypothese ist, dass hier das Böse schlechthin am Werk ist, dass Judas hier der Versuchung des Bösen nachgab und nicht nur einmal gab auch ich einer Versuchung nach. Enden jedoch will ich mit der Barmherzigkeit.

Joh 13,3: Jesus aber wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte, dass er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehren würde.

Joh 13,4: Da stand er vom Tisch auf, legte sein Obergewand ab und band sich ein Tuch aus Leinen um.

Die Arbeit eines Dieners: In diesem Moment von tiefer Bedeutung tat Jesus etwas, das fast verrückt erscheinen musste. Er begann, die Arbeit des niedrigsten Dieners im Haushalt zu übernehmen. Er fing an, den Jüngern die Füße zu waschen. Jesus legt das Gewand seiner Herrlichkeit ab, er umgürtet sich mit dem Leinentuch des Menschseins und macht sich zum Sklaven. Er wäscht die schmutzigen Füße der Jünger und macht sie so rein und tischfähig für das Gottesmahl, zu dem er sie lädt. Er macht uns rein durch sein Wort und durch seine Liebe, durch die Gabe seiner selbst. Immer wieder wäscht er uns mit seinem Wort. Ja, wenn wir die Worte Jesu besinnlich, betend, glaubend in uns aufnehmen, entfalten sie in uns ihre reinigende Kraft.

Jesus gibt sich selbst: Jesus hat nicht nur gesprochen, uns nicht nur Worte hinterlassen. Er gibt sich selbst. Er wäscht uns mit der heiligen Kraft seines Blutes, das heißt mit seiner bis ans Ende, bis ans Kreuz reichenden Hingabe. Sein Wort ist mehr als Rede, es ist Fleisch und Blut für das Leben der Welt. In den heiligen Sakramenten kniet der Herr immer wieder zu unseren Füßen und reinigt uns. Bitten wir ihn, daß wir von dem heiligen Bad seiner Liebe immer tiefer durchdrungen und so wahrhaft gereinigt werden. Oh allerliebster Jesu mein, sollst stets in meinem Herzen sein!

Joh 13,5: Er goss Wasser in eine Schüssel und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen.

Dies war ein extremer Akt der Dienerschaft. Gemäß den jüdischen Gesetzen und Traditionen bezüglich der Beziehung zwischen einem Lehrer und seinen Schülern hatte ein Lehrer kein Recht zu verlangen oder zu erwarten, dass seine Schüler ihm die Füße waschen würden. Es war absolut undenkbar, dass der Meister seinem Schüler die Füße waschen würde.

Sich von Jesus reinigen lassen: Tag um Tag müssen wir vielerlei aufnehmen. Der ganz normale Alltagsstress. Hier ein Gespräch, dort eine Aufgabe, auf der todo-Liste steht immer was drauf. Nicht alles läuft dabei harmonisch ab, Konflikte müssen bewältigt werden. Fakt ist: wir werden gefordert und all das dringt in uns ein. All das verunreinigt immer wieder unsere Seele. Bei Jesus können und müssen wir das alles am Tagesende wieder loslassen, uns gleichsam von ihm reinigen lassen, so wie wir täglich auch unseren Körper reinigen. Wenn wir Jesu Worte wachen Herzens aufnehmen, sind sie wirkliche Waschungen, Reinigungen der Seele, des inneren Menschen.

Mach rein mich bis zum Herzensgrund, im Innersten mach mich gesund.

Joh 13,6: Da kommt er zu Simon Petrus, und dieser spricht zu ihm: Herr, ‭du‭ wäschst mir die Füße?‭

Joh 13,7: ‭Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber danach erkennen.‭

Joh 13,8: In Ewigkeit sollst du mir nicht die Füße waschen.

Petrus Widerstand: Petrus Widerstand gegen die Fußwaschung bedeutet dasselbe wie sein Einspruch bei der Leidensankündigung. Hier wie dort drückt er das Gleiche aus: Du bist doch der Sieger. Du hast doch die Macht. Deine Erniedrigung, deine Demut darf nicht sein. Und immer wieder muss Jesus uns neu zu erkennen helfen, dass die Macht Gottes anders ist, dass der Messias durch Leiden hindurch in die Herrlichkeit eingehen und in die Herrlichkeit führen muss. Auch wir müssen immer neu lernen, daß Gottes Größe anders ist, als wir uns Größe vorstellen, daß sie gerade im Heruntersteigen, in der Demut des Dienens, in der Radikalität der Liebe bis zur völligen Entäußerung besteht. Wie häufig wollen wir stattdessen einen Gott der Erfolge.

Joh 13,8: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keine Gemeinschaft mit mir.

Das ist für mich einer der zentralen Sätze bei der Fußwaschung. Wenn Jesus nicht an mir handelt, habe ich keine Gemeinschaft mit ihm. Sein Handeln an mir macht mich rein. Damit ich Gemeinschaft mit Gott haben kann, muss ich rein sein. Je mehr ich aber ins Licht (=Jesus) komme desto mehr fühle ich mich verschmutzt und der Reinigung bedürftig, vor allem in meinem Herzen. Mein Glaube reinigt mein Herz in Christus. Es ist sein Wort, sein Dasein, das in uns eindringt, unser Denken und Wollen, unser Herz umgestaltet und es so öffnet, dass es ein sehendes Herz wird.

Wir sind dankbar, dass Jesus nicht gesagt hat: Wenn du keine große Heiligkeit hast, hast du kein Teil an mir. Wir sind froh, dass er nicht gesagt hat: Wenn du kein Bibelexperte bist, hast du keinen Anteil an mir. Ein Teil von Jesus zu sein, beginnt einfach damit , etwas von Ihm zu empfangen , nicht selbst etwas zu erreichen.

Gemeinschaft mit Christus: Christus ist immer der Kommende, der die Gemeinschaft mit uns sucht, die uns im innersten rein macht. Für dieses Kommen müssen wir wachsam und bereit sein. Wir sind es, die immer wieder abwesend sind im Leben unserer täglichen Routine. Ganz da sein, selbst mitten in Umständen, die du nicht willst, nicht erwartest und nicht magst. Versuche dabei ergebnisoffen zu sein, nur so kann Gott, der deinen freien Willen achtet, dich lenken. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Der Weg zu dieser Achtsamkeit ist das Gebet, dass eben nicht funktionalisiert wird zu einem Deal auf Gegenleistung, sondern ein Gebet, dass den Geist leert und das Herz füllt, um zu erkennen, dass du ein lebendiger Tabernakel bist.

Joh 13,9: ‭Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt!‭

Joh 13,10: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein.

Das Bad ist deine Taufe, dein Eingesenktsein in Christi Tod und Auferstehung. Dieses Bad der Taufe ist die bis in den Tod hineingehende Liebe Jesu, in die wir eingetauft werden. Durch Jesus sind wir rein und empfangen somit das Geschenk der Begegnung mit Gott in Jesus Christus. Das ist das größte Geschenk, dass wir nie als selbstverständlich wahrnehmen dürfen! Die Reinheit ist Geschenk. Das Durchdrungenwerden von seiner Gegenwart ist das Wesentliche.

Ihr seid rein: in diesem wunderbar einfachen Wort Jesu ist das Christusgeheimnisses zusammenfassend ausgesagt. Benedikt XVI

Joh 13,10: Er braucht sich nur noch die Füße zu waschen.

Sich die Füsse von Jesus waschen zu lassen, meint das Bekenntnis der Sünden. Im Bekenntnis unserer Sünden wäscht der Herr immer neu unsere schmutzigen Füße und zubereitet uns so für die Gemeinschaft mit ihm. Schuld braucht Bekenntnis, sonst vergiftet sie im Stillen die Seele. Durch das Bekenntnis tragen wir sie ans Licht, halten sie in Christi reinigende Liebe hinein. Wir müssen anerkennen, daß wir auch in unserer neuen Identität als Getaufte sündigen. Wir brauchen daher dieses Bekenntnis. Denn meine Sünde brennt in mir, ja schuldig ist mein Herz vor dir.

Joh 13,11: ‭Denn er kannte seinen Verräter; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.‭

Joh 13,12: Nachdem er nun ihre Füße gewaschen und sein Obergewand angezogen hatte, setzte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe?‭

Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Wahrscheinlich nicht. Aber wir versuchen es: Jesus hat uns gezeigt, dass Gott mit seiner Liebe ganz für uns da ist. Dass er immer auf uns zugehen wird, dass er uns immer dienen möchte, dass es ihm immer um uns geht und er nichts für sich sucht. Er ist tatsächlich der Einzige, der stets vollkommen selbstlos liebt. Er hat mich zuerst geliebt, er hat mir zuerst gedient. Wie soll ich antworten? Kann ich anders antworten, als mit dem ehrlichen Vorsatz, auch so großherzig wie möglich zu lieben? „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Jesus ist der Erste, der vor den Jüngern kniet. Deshalb kann ich, wenn ich die Kapelle betrete und vor dem Allerheiligsten knie, nicht vergessen, dass er der Erste war, der vor mir kniete, um mich zu waschen, zu läutern, zu reinigen und mir eine Liebe zu zeigen, die meine eigenen Maßstäbe übersteigt. Gott selbst hat sich vor mir niedergeworfen: einem unwürdigen Geschöpf, das er aber unendlich liebt. Br. Héctor Baca LC

Joh 13,13: ‭Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht; denn ich bin es auch.‭

Joh 13,14: Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.

Jede gute Tat ist ein Dienst der Fußwaschung! Zum Mut zur Güte sind wir berufen, besonders dem Leidenden und Geringgeachteten gegenüber. In dieser Güte allen Menschen gegenüber dürfen wir verharren und ihr vertrauen trotz der Verletzungen, die uns angetan werden. Uns einander die Füße zu waschen bedeutet in einer noch tieferen Dimension vor allem, einander unermüdlich zu vergeben, immer wieder zusammen einen neuen Anfang zu machen, so unnütz es auch erscheinen mag. Es bedeutet, einander zu reinigen, indem wir uns gegenseitig tragen und es zulassen, daß die anderen uns tragen.

Liebevolle Demut: Liebevolle Demut ist eine gewaltige Macht, die stärkste von allen, und es gibt keine andere, die ihr gleichkäme. Es muss jemand da sein, der einen Dienst am anderen tut und es muss einer da sein, der diesen Dienst auch entgegen nimmt. Von beiden ist Demut verlangt. Der Eine lässt sich herab, geht auf die Knie, und tut dem anderen einen Dienst der Nächstenliebe, Werke aus Jesu Christi. Der Andere gibt zu, dass er diesen Dienst der Nächstenliebe braucht.

Dienen heißt Demut lernen! Waldemar Scherer

Joh 13,15: Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso!

Das Miteinander von Geschenk und Beispiel ist elementar für den christlichen Glauben. Christentum ist nicht ein bloßes ethisches System. Am Anfang steht nicht unser Tun, unser Gutsein. Christentum ist zuallererst Geschenk. Gott gibt sich uns, nicht etwas gibt er uns, sondern sich selbst. Er bleibt immerfort der Schenkende. Deshalb ist der zentrale Akt des Christseins Eucharistie: Dankbarkeit für das Beschenktsein, Freude über das neue Leben, das er uns gibt. Wer sich beschenken lässt, als Beschenkter erfährt, wird selber zum Schenkenden werden. Jedes gute Werk hat seinen innersten Antrieb in dieser Erfahrung: Weil ich vom Herrn beschenkt bin, schenke ich weiter.

Joh 13,16: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Gesandte größer als der ihn gesandt hat.‭

Joh 13,17: Ihr wisst das jetzt alles. Glücklich seid ihr zu nennen, wenn ihr auch danach handelt.

Danach handeln: Danach handeln bedeutet Opfer und Verzicht in den Situationen des Alltags, in denen wir immer wieder neu uns loslassen müssen, wo wir eigentlich an uns festhalten möchten. Geglücktes Leben ohne Opfer gibt es nicht. Das große Ja zum Weg Jesu muß täglich neu gelebt werden, täglich neu müssen wir aufstehen, um uns gegenseitig die Füße zu waschen mit allen Mühen, die damit verbunden sind.

Franz von Sales: Wir wollen kein anderes Gesetz, kein anderes Muss kennen als das der Liebe.

Ihr werdet glücklich sein, wenn ihr das wisst und tut. Glücklich ist der Mensch, der in seinem Handeln vor der menschlichen Schwäche niederkniet! Glücklich ist der Mensch, der den Schmutz an den Füßen anderer abwäscht und ihn küsst, wenn er ihn berührt! Glücklich ist, wer dabei daran denkt, dass ein anderer dies für ihn getan hat: der Herr. Br. Héctor Baca LC

Joh 13,18: ‭Ich rede nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Doch muss die Schrift erfüllt werden: Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.

Joh 13,19: ‭Jetzt sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschehen ist, dass ich es bin.‭

Joh 13,20: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer den aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.‭

Joh 13,21-30: Abendmahl

Auslegung und Kommentar zu Joh 13,21-30

Parallelstellen: Mt 26,20-30; Mk 17-26; Lk 22,14-30

Joh 13,21: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten!

Die eigenen Abgründe erkennen: Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.

Joh 13,22: ‭Da sahen die Jünger einander an und wussten nicht, von wem er redete.‭

Joh 13,23: Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus liebhatte.

Wen Jesus liebte: Johannes bezog sich mit diesem Satz in seinem Evangelium viermal auf sich selbst, jedes in irgendeiner Weise mit dem Kreuz verbunden. Hier im Obergemach (Joh 13:23). Am Kreuz Jesu (Joh 19:26). Am leeren Grab (Joh 20:2). Mit dem auferstandenen Jesus am See Genezareth (Joh 21:20).

Joh 13,24: ‭Diesem winkt nun Simon Petrus, dass er forschen solle, wer es sei, von dem er rede.‭

Joh 13,25: Da lehnt sich jener an die Brust Jesu.

An der Brust von Jesus: Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die »Kunst des Gebetes« auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft! Johannes Paul II.

Das Herz erheben: Wie du das Herz Jesu verehren kannst, da gibt es unterschiedlichste Formen. Ich habe mich für die einfachste entschieden, die aber nicht dadurch weniger tiefgehend ist: Immer wieder am Tag in Momenten der Stille erhebe ich mein Herz und blicke auf sein Herz, ohne Worte. Und obwohl ich eher ein nüchterner und kopflastiger Zeitgeist bin, wird mir da immer ganz warm im Inneren. Ganz genau kann ich das auch nicht erklären. Nur soviel: Wie gut tut es, einfach in seiner Anwesenheit zu verweilen.

Joh 13,26: ‭Jesus antwortete: Der ist“s, dem ich den eingetauchten Bissen geben werde. Und er taucht den Bissen ein und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Ischariot.‭

Besonderer Bissen: Wenn Jesus Judas einen besonderen Bissen von der gewöhnlichen Speise anbietet, wie es Brauch war, dass ein Gastgeber einem geehrten Gast darreichte, ist dies ein Zeichen göttlicher Liebe, die immer danach strebt, das Böse mit dem Guten zu überwinden.

Joh 13,27: ‭Und nach dem Bissen, da fuhr der Satan in ihn. Da spricht Jesus zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!‭

Joh 13,28: ‭Es verstand aber keiner von denen, die zu Tisch saßen, wozu er ihm dies sagte.‭

Joh 13,29: ‭Denn etliche meinten, weil Judas den Beutel hatte, sage Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest benötigen!, oder er solle den Armen etwas geben.‭

Joh 13,30: ‭Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht.‭

Judas geht: Als Judas ging, wusste Jesus, dass alles für Seine Verhaftung, Prozesse, Demütigung, Verurteilung, Schläge, Kreuzigung und Beerdigung in Gang gesetzt wurde. Er sprach vom kommenden Tod als Verherrlichung (Joh 12:23). Jetzt sollte es soweit sein.

Joh 13,31-38: Petrus wird Jesus verleugnen

Auslegung und Kommentar zu Joh 13,31-38

Parallelstellen: Lk 22,31-38

Joh 13,31: ‭Als er nun hinausgegangen war, sprach Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht durch ihn!‭

Verherrlichung: Wenn sein Tod seine Verherrlichung ist, muss es daran liegen, dass in diesem Tod etwas getan wird, was nicht vollständig durch das Leben, wie schön es auch sein mag; durch die Worte, wie weise und zärtlich; durch die Werke der Macht, wie erholsam und heilend sie auch sein mögen.

Joh 13,32: ‭Wenn Gott verherrlicht ist durch ihn, so wird Gott auch ihn verherrlichen durch sich selbst, und er wird ihn sogleich verherrlichen.‭

Joh 13,33: ‭Kinder, nur noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen!, so sage ich es jetzt auch zu euch.‭

Kinder: Dies ist die einzige Stelle in den Evangelien, an der Jesus seine Jünger als kleine Kinder ansprach. Er meinte es nicht als Beleidigung. Er meinte es mit einem Gefühl der Zärtlichkeit, Fürsorge und Anerkennung ihrer gegenwärtigen Abhängigkeit und Unreife.

Joh 13,34: Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben.

Am Ende der Fußwaschung gibt Jesus seinen Jüngern dieses neue Gebot. So lieben wie Jesus! Das ist unmöglich! Darin kann also die Neuheit des Gebotes nicht bestehen. Das Neue des Gebotes kommt vielmehr aus der Gabe des Mitseins und Inseins mit Christus. Nur indem wir uns immer wieder vom Herrn selbst waschen, rein machen lassen, können wir lernen, mit ihm zu tun, was er getan hat. Auf die Einfügung unseres Ich in das seinige kommt es an. Nochmals: Das neue Gebot besteht nicht in einer neuen, schwierigeren Norm. Es ist an die Neuheit Jesu Christus gebunden, eine von Gottes Geist selbst geschenkte neue Innerlichkeit in ihm.

Zur Liebe: Der Grund, warum wir Gott lieben, ist Gott selbst. Der Grund, warum wir uns selbst lieben, ist weil wir ein Bild und Gleichnis Gottes sind. Nachdem aber alle Menschen diese gleiche Würde besitzen, lieben wir sie auch wie uns selbst, nämlich als heilige, lebendige Abbilder Gottes. Ein und dieselbe heilige Liebe die Gottesliebe wie die Nächstenliebe sind so eins. Die Liebe hebt unseren Geist hinauf zur Vereinigung mit Gott, um uns dann wieder zum liebreichen Verkehr mit dem Nächsten zurückzuführen, der ja ein Abbild Gottes ist. Den Nächsten mit heiliger Liebe lieben, heißt Gott im Menschen oder den Menschen in Gott lieben. Es heißt, Gott aus Liebe zu ihm selbst und das Geschöpf aus Liebe zu Gott lieben.

Worte von Charles de Foucauld: Das ist wie Dein Testament, das ist Deine höchste Empfehlung: das ist ein neues Gebot, nicht grundsätzlich neu, aber neu durch die Inständigkeit, mit der Du es uns empfiehlst, neu durch die Ausweitung, die Du ihm gibst: „die Menschen lieben wie Du sie geliebt hast”, neu durch das Gewicht, das Du ihm gibst: „Daran wird man erkennen, dass Ihr meine Jünger seid”, neu durch die Feierlichkeit, mit der Du es aufstellst, indem Du daraus Dein wichtigstes Testament machst, den Ausdruck Deiner letzten Empfehlung in dieser Grabesnacht. Lieben wir Gott, der uns so sehr liebt, dass er sich uns schenkt, sich uns anvertraut, sich uns ausliefert, sich uns hingibt ganz und gar, der uns seinen Leib und seine Seele voll zu eigen.

Joh 13,35: An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.

Das Jüngersein kann nicht vom Dienst am Menschen getrennet werden. Durch Gott, unseren Vater, sind wir Geschwister. Mensch zu sein bedeutet, Hüter des Nächsten zu sein. Auf diesem Weg folgen wir Jesus und werden darin seine Jünger. Das ist häufig alles andere als rührselig, sondern vielmehr oft anstrengend. Liebe und Kreuz sind oft identisch. Schau doch auf das Kreuz, das Jesus aus Liebe auf sich nahm. Darin folgen wir ihm. So lasst uns gerade auch dann lieben, wenn es uns Kraft und Mühe kostet. Gott wird uns in seiner Gande die notwendige Kraft schenken.

Einheit mit Christus: In der Liebe befolgen wir nicht ein ethisches Gebot, sondern in der Liebe tauchen wir ganz in die Einheit mit Christus, der am Kreuz alle an sich zieht. Fast flehend und bittend höre ich Jesus, der spricht: Bleibt in meiner Liebe! Bleibt in meiner Liebe. Bleibt in meiner Liebe! (Joh15:9). In diesem „In-der-Liebe-bleiben“ begegne ich dem anderen, schaue letztlich mit Jesus Augen auf ihn.

Worte von Franz von Sales: Sie sollen nicht nur fromm sein und die Frömmigkeit lieben, sondern sie auch jedermann liebenswert machen. Das tun Sie aber, wenn sie anderen nützlich und angenehm wird. Die Kranken werden Ihre Frömmigkeit lieben, wenn sie dadurch liebevollen Trost empfangen; Ihre Familie, wenn sie erkennt, daß Sie dadurch viel mehr auf ihr Wohl bedacht sind, milder in geschäftlichen Dingen, gütiger im Tadel usw.; Ihr Herr Gemahl, wenn er sieht, daß Sie mit wachsender Frömmigkeit umso herzlicher ihm gegenüber und zärtlicher in der Zuneigung zu ihm sind; Ihre Verwandten und Freunde schließlich, wenn sie erkennen, daß Sie ihren Wünschen, die jenen Gottes nicht zuwiderlaufen, mehr Offenheit, Unterstützung und Nachgiebigkeit entgegenbringen. Kurz, wir müssen unsere Frömmigkeit möglichst anziehend gestalten.

Worte von Teresa von Kalkutta: Ich sage immer, dass die Liebe zu Hause beginnt. Zuerst ist da die Familie und dann eure Stadt. Es ist sehr einfach, zu behaupten, man liebe die Menschen, die weit entfernt sind, aber sehr viel weniger einfach ist es, die zu lieben, die mit uns zusammen leben oder in unserer Nähe. Um jemanden lieben zu lernen, muss man sich ihm nähern. Jeder braucht die Liebe. Jeder von uns braucht die Gewissheit, dass er für die anderen zählt und dass er einen unschätzbaren Wert darstellt in den Augen Gottes. Christus lieben wir in jedem Armen, und jedes menschliche Wesen auf der Erde ist in irgendeiner Weise arm. Ich erinnere euch immer daran, dass unser Tag 24 Stunden hat, die wir mit Jesus verbringen.

Worte von Ephräm der Syrer: Selig ist jener Mensch, welcher die Liebe Gottes hat. Denn er trägt Gott in sich umher, weil Gott die Liebe ist und, wer in der Liebe bleibt, in Gott bleibt. Wer die Liebe besitzt, überwindet Alles mit Gott. Wer die Liebe hat, fürchtet sich nicht, denn die Liebe treibt die Furcht aus. Wer Liebe hat, verabscheut Niemanden jemals, weder einen Kleinen noch Großen, weder einen Angesehenen noch Gemeinen, weder einen Armen noch Reichen. Die Liebe deckt. Das Zudecken erklären Einige als liebevolles Entschuldigen der Fehler des Nächsten, andere als Ertragen, Aushalten. Er verhöhnt den Strauchelnden nicht, sondern bemitleidet und unterstützt ihn. Er verachtet den Bruder in der Not keineswegs, sondern steht ihm bei und ist bereit mit ihm zu sterben. Wer Liebe hat, tut den Willen Gottes und ist sein Jünger. Wer Liebe hat, sieht Keinen für einen Fremdling, sondern Alle als die Seinigen an.

Joh 13,36: ‭Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete ihm: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen; du wirst mir aber später folgen.‭

Joh 13,37: ‭Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich lassen!‭

Joh 13,38: Du willst für mich sterben? Ich versichere dir: Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen!

Petrus wollte für Jesus sterben. Dessen rühmte er sich, aber seinen Gesundheitszustand durchschaute der Arzt Jesus. Petrus versprach, Jesus sah vorher. Petrus hat Christus verleugnet, er hat den Herrn seinen Gott verleugnet. Petrus bereute es später. Das hat er durch sein Weinen über die Verleugnung gezeigt.  Petrus starb innerlich durch die Verleugnung, aber Petrus lebte wieder auf durch seine Bußfertigkeit. In unserer Schwachheit lasst uns daher unsere Sünden erkennen und beweinen. Die Verleugnung des Herrn durch Petrus erinnert uns daran, daß kein Mensch auf menschliche Kräfte vertraue. Petrus starb innerlich, weil er stolz auf sich selbst vertraute. Petrus lebte wieder auf, weil Jesus ihn mild anblickte. Erhebe dich nicht in vermessenem Selbstvertrauen, aber versinke auch nicht in Verzweiflung, wenn du gefehlt hast, sondern setze dich dem barmherzigen Blick Jesus aus. (nach Augustinus)

Die Verleugnung Jesu war eine schwere Sünde. Erstens aufgrund der Wiederholung der gleichen Sünde. Zweitens, weil sie am Tag des Abendmahls und Fußwaschung geschah. Drittens weil sie in der Nacht geschah, als sich Jesus dem Leiden übergab. Zuletzt geschah sie durch den, von dem man es am wenigsten erwartet hätte: dem Sprecher der Apostel Petrus, der ausdrücklich versprochen hatte, standhaft zu sein. Er verleugnete Gott! Nachdem Petrus seine schwere Sünde erkannte, zog er sich sogleich zurück, um sie bitterlich zu beweinen.

Weiter: Die Verleugnung Jesu war eine sehr schwere Sünde durch verschiedene Umstände: Erstens aufgrund der Wiederholung der gleichen Sünde. Zweitens, weil sie am Tag der Kommunion und der vollkommenen Reinigung durch die Fußwaschung geschah. Drittens weil sie in der Nacht geschah, in der die Sünde getilgt wurde. Viertens weil sie im gleichen Haus mit Christus geschah. Fünftens geschah sie aus einem winzigen Anlaß. Zuletzt geschah sie durch den, von dem man es am wenigsten erwartet hätte, wegen der zahllosen Wohltaten, die er empfangen hatte und weil er ausdrücklich versprochen hatte, standhaft zu sein. Als er seine schwere Sünden erkannte, zog er sich sogleich zurück, um sie bitterlich zu beweinen, und nicht nur damals, sondern er beweinte sie ein Leben lang. Franz von Sales

Du kannst Gott verleugnen – er liebt dich immer noch. Max Lucado


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Johannes Evangelium Joh Kapitel 13.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste