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Johannes Evangelium Kapitel 12 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Johannes Evangelium Kapitel 12

Joh 12,1-11: Salbung Jesu in Bethanien

Mt 26,6-13; Mk 14,3-9

‭Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus dann nach Bethanien, wo Lazarus war, der tot gewesen war und den er aus den Toten auferweckt hatte.‭ Joh 12:1

Johannes gab eine Zeitmarke und sagte uns, dass dies die letzte Woche vor dem Tod und der Beerdigung Jesu war. Fast die Hälfte des Johannesevangeliums ist dieser letzten Woche gewidmet. Matthäus verwendete mehr als 33 % seines Evangeliums, um diese Woche abzudecken, Markus fast 40 % und Lukas über 25 % – auf sieben Tage des gesamten Lebens Jesu.

‭Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl, und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch saßen.‭ Joh 12:2

Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Joh 12,3

Die Pflege der Füße war die Aufgabe des niedrigsten Sklaven. So drückte Marias Handeln sowohl große Demut als auch große Hingabe aus.

Dies ist eine jener Einzelheiten aus dem Leben Jesu, die Johannes in seinem Herzen bewahrt hat und die eine unglaubliche Ausdruckskraft beinhalten. Sie spricht von der Liebe zu Christus, einer wunderbaren, überströmenden Liebe, wie diese über seine Füße ausgegossene kostbare Salbe. Eine Tat, die Judas Iskariot natürlich empörte: Die Logik der Liebe kollidiert mit der Logik des Profits. Benedikt XVI

Sie verbrauchte viel (ein Pfund) eines sehr teuren Nardenöls . Gewürze und Salben wurden oft als Geldanlage verwendet, weil sie klein, tragbar und leicht zu verkaufen waren. Judas glaubte, dass dieses Öl 300 Denare wert war ( Johannes 12:5 ), was einem Jahreslohn eines Arbeiters entsprach.

Es war sehr kostspielig, aber jetzt, da es für ihn verwendet werden konnte, hatte es keinen Cent zu viel gekostet . Es gab ein Pfund davon, aber es war keines zu viel für ihn. Es war sehr süß, aber nicht zu süß für ihn. Spurgeon

Marias Gabe war bemerkenswert unbefangen. Sie schenkte nicht nur das teure Öl, sie wischte ihm auch die Füße mit ihrem Haar ab. Das bedeutet, dass sie in der Öffentlichkeit ihr Haar herunterließ, was eine Jüdin selten tun würde.

Da spricht Judas, Simons Sohn, der Ischariot, einer seiner Jünger, der ihn danach verriet:‭ Joh 12:4

‭Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft und es den Armen gegeben?‭ Joh 12:5

‭Das sagte er aber nicht, weil er sich um die Armen kümmerte, sondern weil er ein Dieb war und den Beutel hatte und trug, was eingelegt wurde.‭ Joh 12:6

‭Da sprach Jesus: Lass sie! Dies hat sie für den Tag meines Begräbnisses aufbe­wahrt.‭ Joh 12:7

‭Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.‭ Joh 12:8

‭Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, dass er dort war; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er aus den Toten auferweckt hatte.‭ Joh 12:9

‭Da beschlossen die obersten Priester, auch Lazarus zu töten,‭ Joh 12:10

‭denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus.‭ Joh 12:11

Joh 12,12-19: Einzug in Jerusalem

Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Lk 19,28-44

‭Am folgenden Tag, als viele Leute, die zum Fest erschienen waren, hörten, dass Jesus nach Jerusalem komme,‭ Joh 12:12

Hosianna! Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Joh 12:13

Dies sind Worte aus Psalm 118, 25. Diese waren zur damaligen Zeit schon ein Messiasruf. Jesus wird also als Messias anerkannt, der die Gegenwart Gottes bringt, nicht nur damals, sondern auch heute ist in ihm das Reich Gottes anwesend. Das allein erfüllt unser Leben!!! Dieses Reich ist allerdings nicht von dieser Welt. Beim Evangelisten Johannes ist es sehr interessant, was Jesus direkt nach dem Einzug in Jerusalem sagt, da hier Kernmerkmale seines Reiches benannt werden.

Jesus ist zum Eckstein des Lebens geworden. Deshalb nimmt es nicht Wunder, daß wir ihn mit Hosianna willkommen heißen. Johannes Paul II

Der Herr billigt es, dass die Kinder Hosanna dem Sohne Davids singen. Er will also, dass wir Ihn preisen. Es genügt Ihm nicht, dass wir Ihm danken, Ihn um Verzeihung, um Gnade bitten: die drei Worte: „Danke, Verzeihung, Herr, hilf!“ sind zwar unerlässlich und müssen uns allezeit im Herzen und auf den Lippen sein; sie genügen indessen nicht, um so zu beten, wie wir beten sollen. Wir sollen ihn auch loben. Loben heißt, seine Bewunderung und damit seine Liebe ausdrücken; denn die Liebe ist unzertrennlich mit einer großen Bewunderung verbunden. Gott loben heißt, sich zu seinen Füßen in Worten der Bewunderung und Liebe verströmen, heißt, Ihm in allen Formen immer wieder sagen, dass Er unendlich vollkommen, unendlich liebenswert ist, dass Er unendlich geliebt wird, dass seine Schönheit ebenso grenzenlos ist wie unsere liebende Bewunderung. Charles de Foucauld

‭Jesus aber hatte einen jungen Esel gefunden und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:‭ Joh 12:14

Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf dem Füllen einer Eselin. Joh 12:15

Jesus ist mein König: der Einzug auf einem Esel unterstreicht Jesus königlichen Anspruch, ein Königtum, das ganz anders ist: bescheiden und demütig. Jesus Weg führt ans Kreuz: Der Esel ist ein Lasttier. Jesu Weg ist ein schwerer Weg. Glauben bewahrt nicht vor Problemen, auch nicht vor Leid! Dennoch: Wer seine Last mit Jesus trägt, wird spüren, dass er zugleich Kraft zum Tragen schenkt. Jesus kommt zum Menschen durch mich: Lass mich dein Esel sein, Christus, auf dem du zu all diesen Menschen kommst. Bischof Helder Camâra

Jesus du bist der immerfort Kommende. Ziehe ein in das Innerste meiner Seele. Laß mich auch dein Esel sein, durch denn du zum Nächsten kommst. Hilf mir zu lieben! Mein Leben ist ganz durch dich und so breite ich es vor dir meinem König aus. Aus Liebe hast du das Kreuz auf dich genommen. Oh unaussprechliche Liebe Gottes!

‭Dies verstanden aber seine Jünger anfangs nicht, doch als Jesus verherrlicht war, da erinnerten sie sich, dass dies von ihm geschrieben stand und dass sie ihm dies getan hatten.‭ Joh 12:16

‭Die Menge nun, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn aus den Toten auferweckt hatte, legte Zeugnis ab.‭ Joh 12:17

‭Darum ging ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie gehört hatte, dass er dieses Zeichen getan hatte.‭ Joh 12:18

‭Da sprachen die Pharisäer zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet. Siehe, alle Welt läuft ihm nach!‭ Joh 12:19

Joh 12,20-36: Rede vom Weizenkorn

‭Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufkamen, um während des Festes anzubeten.‭ Joh 12:20

Diese Männer aus dem Westen am Ende des Lebens Jesu stellen dasselbe dar wie die Sterndeuter aus dem Osten an seinem Anfang, aber sie kommen zum Kreuz des Königs wie jene zu seiner Wiege.

‭Diese gingen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir möchten gerne Jesus sehen!‭ Joh 12:21

‭Philippus kommt und sagt es dem Andreas, und Andreas und Philippus sagen es wiederum Jesus.‭ Joh 12:22

‭Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde!‭ Joh 12:23

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. Joh 12:24

So wie ein Samenkorn niemals zu einer Pflanze wird, wenn es nicht stirbt und begraben wird, so war der Tod und die Beerdigung Jesu zu seiner Verherrlichung notwendig. Bevor es Auferstehungskraft und Fruchtbarkeit geben kann, muss es den Tod geben.

Jesus Reich geht durch das Kreuz hindurch. Weil Jesus sich ganz gibt bis ans Kreuz, kann er als Auferstandener allen gehören und allen gegenwärtig werden. „Freut euch, denn ihr seid Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit näher als ein Kind im Herzen seiner Mutter.“ (Faustina). Dieses Dasein Gottes in Jesus ist die Frucht des gestorbenen Weizenkorns. Diese Frucht des Kreuzes reicht bis ans Ende der Welt und aller Zeiten. Diese Frucht des Kreuzes brachte seine Liebe hervor.

Durch das Kreuz sind wir in einer einzigen Herde versammelt und für die ewige Wohnstatt bestimmt. Abt Theodor Studites

Worte von Felix Honekamp: Sterben. In diesem Teil des Evangeliums bereitet Jesus die Jünger auf seinen Tod vor. Wenn er also hier vom Sterben des Weizenkorns spricht, dann ist das nicht nur ein Anspruch an mich als Jünger, sondern zuerst eine Beschreibung seiner selbst. Er wird sterben, und was zunächst aussieht wie ein Scheitern, ist am Ende doch der Sieg. Er ist wie das Weizenkorn, das sterbend reiche Frucht bringt – den Tod und die Sünde besiegt und die Menschen an sich zieht. Kann ich Jesu Tod so sehen: nicht als Schande vor den Menschen, schon gar nicht als Jesu Scheitern, sondern als Zeichen seines Sieges? Kann ich mich wirklich darauf einlassen, dass dieser Weg, der Weg, den Gott zu unserer Rettung eingeschlagen hat, der richtige ist?

Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben in dieser Welt loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen. Joh 12:25

Loslassen: Loslassen ist das Grundmuster des Christseins. Ja, es ist geradezu die Definition für einen Christen: jemand, der sich selbst vollkommen losgelassen hat. Jemand, der alles aus der Hand gegeben hat. Der sich vollkommen an Christus verloren hat. Wer so in Christus beschenkt ist, wer so eine Sicherheit hat, dass für ihn gesorgt ist, der kann vertrauen. Der kann sich völlig hingeben, ohne Angst, verletzt oder benutzt zu werden. Es ist wie bei zwei Liebenden, die einander völlig schutzlos und nackt gegenübertreten können, die den Blick des anderen bis in die tiefste Seele zulassen und sich dabei liebevoll geborgen wissen.

Dies ist sein zweites Wort direkt nach dem Einzug in Jerusalem. Wer sein Leben für sich haben möchte, nur sich selber lebt, gerade der verliert das Leben. Es wird öde und leer. Nur im Loslassen seiner selbst, nur in der Freigabe des Ich für das Du, nur im Ja zum größeren Leben Gottes wird auch unser Leben weit und groß. So ist dieses Grundprinzip seines Reiches letztlich identisch mit der Liebe. Denn Liebe heißt sich loslassen, sich geben, nicht sich selber wollen, sondern frei werden von sich: nicht auf sich selber zurückschauen, was aus mir wird, sondern vorwärts schauen, auf den anderen, auf Gott hin und auf die Menschen, die er mir schickt.

Dazu ein Spruch von den Wüstenvätern: Wenn du ein Gerät, ein Messer, eine Hacke oder irgendetwas anderes hast und du merkst, dass dein Denken sich daran klammert, wirf es weit von dir weg, damit du dein Denken lehrst, sich an nichts zu klammern als allein an Christus. (Apophthegmata). Es ist ein hin und her. Wir stehen immer in der Gefahr, uns an etwas anderem fest zu halten als an Gott (Beruf, Beziehungen, Materielles etc.). Prüfe stets, an was du dein Herz und deine Gedanken bindest. Verurteile dich nicht, wenn’s passiert, denn es passiert, sondern sehe es als Einladung, dich wieder neu und ganz allein an Christus zu klammern, an sonst nichts.

An Gott mich klammern, das ist meine Kraft. Augustinus

Mein Kind, übergib Mir deine Freuden und Leiden, deine Beschäftigungen und Sorgen, deine Erfolge und Misserfolge. Leg alles in Mein Herz. Du musst dich von allem freimachen, um in Meine Liebe einzutreten, die den ganzen Raum einnehmen will. Mein ganz Kleiner, du sollst das Wesentliche nicht zugunsten des Zweitrangigen aufgeben. Das Wesentliche ist die innige Vertrautheit, in der wir miteinander leben; zweitrangig ist alles, was außerhalb der innigen Beziehung steht, die Ich mit dir habe und die du mit Mir, deinem Gott, hast.

Wir müssen unser Herz ganz leer machen, damit es ganz von unserem Herrn und Heiland erfüllt werde. Noch sind alle Ecken und Winkel voll von tausenderlei Dingen, die unwürdig sind, vor diesem höchsten Herrscher zu erscheinen, und die ihm, wie es scheint, die Hände binden und damit die Möglichkeit nehmen, uns die Güter und Gnaden zu schenken, die er uns in seiner Liebe zugedacht, wenn er uns wohl vorbereitet gefunden hätte. So wollen wir unsererseits alles tun, diesem überirdischen Brot (Mt 6,11) einen würdigen Empfang zu bereiten, uns vollständig der göttlichen Vorsehung überlassen, nicht nur für die zeitlichen, sondern besonders für die geistlichen Güter, und alles, woran unser Herz hängt, alle Wünsche und Neigungen dem göttlichen Willen zu Füßen legen, damit ihm alles ganz untertan sei. Seien wir versichert, der Heiland wird seinerseits halten, was er versprochen hat: Er wird uns in sich umgestalten, wird unsere Niedrigkeit erhöhen, bis sie mit seiner Erhabenheit vereint ist.

Loslassen: Wir müssen unser Herz ganz leer machen, damit es ganz von unserem Herrn und Heiland erfüllt werde. Noch sind alle Ecken und Winkel voll von tausenderlei Dingen, die unwürdig sind, vor diesem höchsten Herrscher zu erscheinen, und die ihm, wie es scheint, die Hände binden und damit die Möglichkeit nehmen, uns die Güter und Gnaden zu schenken, die er uns in seiner Liebe zugedacht, wenn er uns wohl vorbereitet gefunden hätte. So wollen wir unsererseits alles tun, diesem überirdischen Brot (Mt 6,11) einen würdigen Empfang zu bereiten, uns vollständig der göttlichen Vorsehung überlassen, nicht nur für die zeitlichen, sondern besonders für die geistlichen Güter, und alles, woran unser Herz hängt, alle Wünsche und Neigungen dem göttlichen Willen zu Füßen legen, damit ihm alles ganz untertan sei. Seien wir versichert, der Heiland wird seinerseits halten, was er versprochen hat: Er wird uns in sich umgestalten, wird unsere Niedrigkeit erhöhen, bis sie mit seiner Erhabenheit vereint ist.

Wer mir dienen will, der soll mir nachfolgen. Wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren. Joh 12:26

Christ sein bedeutet, Jesus zu dienen, ihm nachzufolgen. Das bedeutet nicht, dass Sie aufhören, Ihren Job zu machen, sich um Ihre Familie zu kümmern oder zur Schule zu gehen. Das bedeutet, dass Sie all das als Diener Jesu tun, als Nachfolger Jesu.

Alle, die Christus als ihren Erlöser haben möchten, müssen bereit sein, ihm zu dienen. Wir werden nicht durch den Dienst gerettet, aber wir werden für den Dienst gerettet. Spurgeon

Es geht in der Nachfolge um eine innere Verwandlung der Existenz. Es geht darum, daß ich nicht mehr in mein Ich eingeschlossen bin und meine Selbstverwirklichung als meinen hauptsächlichen Lebensinhalt annehme. Es geht darum, daß ich mich frei gebe an einen anderen hin für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott, der mir in Jesus Christus vorausgeht und den Weg zeigt. Es geht um die Wahl, nur für mich selber zu leben oder mich wegzugeben an das Größere hin.

Verleihe mir einen Geist, der dich erkennt, ein Herz, das dich liebt, eine Seele, die an dich denkt, ein Tun, das dich verherrlicht, Ohren, die dich hören, Augen, die dich sehen, eine Zunge, die dich preist. Benedikt

Jesus beschrieb den Diener als einen, der dort sein wollte, wo Jesus ist. Dies ist keine Zwangssklaverei, bei der der Diener vom Herrn befreit werden möchte. Dies ist ein auserwählter, bereitwilliger Dienst, der einfach dem Meister nahe sein möchte.

Worte von Felix Honekamp: Dienen. Im Grunde manifestiert sich das Sterben des Weizenkorns und die Geringachtung meines Lebens im Dienen. Mein Leben dient nicht mir, mein Leben dient einem anderen. Jesus zu dienen, was am Ende heißt, ihm nachzufolgen in seinem Handeln und in seiner Art der „Lebensführung“, und damit eben auch meinen Nächsten zu dienen, ist die Erfüllung dessen, was mein Menschsein bedeutet. Kann ich das? Ein guter Selbsttest ist, in schwierigen Situationen darauf zu schauen, ob meine Gedanken sich mir oder dem anderen zuwenden – Verwende ich in meinen Gedanken sehr oft die Wörter „ich“, „mir“, „für mich“ oder „meins“? Oder schaffe ich es, den anderen zu sehen: „du“, „dir“, „für dich“ oder „deins“? Dabei muss ich keine Sorge haben, ganz unterzugehen, denn je mehr ich diesen Zweck meines Lebens erfülle – Jesus und meinem Nächsten zu dienen – erfahre ich das Wohlgefallen des Vaters im Himmel. Weltlich scheint das nicht viel wert zu sein, aber Gottes Wertschätzung, seine Liebe, ist alles, was ich auf die Ewigkeit betrachtet brauche.

‭Jetzt ist meine Seele erschüttert. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.‭ Joh 12:27

Jesus empfing diese entscheidende Stunde, doch sie beunruhigte ihn, weil er wusste, was die Qualen des Kreuzes mit sich bringen würden. Johannes erzählt uns nichts über das Gebet Jesu in Gethsemane, aber die Idee hinter diesem Gebet Jesu wird in Johannes 12:27-28 ausgedrückt. Das eigentliche Ziel seiner Menschwerdung, der Grund seines Kommens in die Welt und seines Fortbestehens bis zu dieser Stunde war, diesem Leiden zu begegnen.

‭Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wiederum verherrlichen!‭ Joh 12:28

Dies war das dritte hörbare göttliche Zeugnis für Jesu Status als Sohn Gottes, nachdem die göttliche Stimme bei Seiner Taufe und Seiner Verklärung gehört wurde.

‭Die Menge nun, die dabeistand und dies hörte, sagte, es habe gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet!‭ Joh 12:29

‭Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme geschehen, sondern um euretwillen.‭ Joh 12:30

‭Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden;‭ Joh 12:31

Ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Joh 12:32

Durch seine Auferstehung überschreitet Jesus die Grenzen von Raum und Zeit. Sein Reich ist universal. Als gestorbenes und auferstandenes Weizenkorn wird Jesus ganz neu über die Grenze des Augenblicks hinaus zu allen in der Welt kommen, umfassend und zeitlos zu allen. Ob wir von Christus wissen oder nicht, er ist da, ganz nah bei jedem von uns in seiner Liebe in unserer Seele. Welch Gnade, in der wir leben dürfen. Welch Liebe, nach der wir streben. Oh Herr, ziehe immerfort ein in das Innerste meiner Seele.

In der Himmelfahrt nimmt Jesus sein Menschsein und somit auch uns mit. In seinem Tod und der Auferstehung zieht er alle an sich. Er ist dadurch der Weg zum Vater, der ewige Mittler. Dazu ein Text von Therese von Lisieux, wo sie das Bild des Aufzugs aufgreift, der zu ihrer Zeit gerade erfunden worden ist:

Ich wollte ein Mittel finden, um durch einen kleinen Weg in den Himmel zu gelangen, ein Weg, der sehr gerade ist, sehr kurz und ganz neu. Wir leben in einem Zeitalter der Erfindungen. Ich wollte einen Aufzug finden, der mich zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die steile Treppe der Perfektion zu erklimmen. Der Aufzug, der mich in den Himmel hinauftragen muss, sind Deine Arme, o Jesus! Therese von Lisieux

‭Das sagte er aber, um anzudeuten, durch welchen Tod er sterben würde.‭ Joh 12:33

‭Die Menge antwortete ihm: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wie sagst du denn, der Sohn des Menschen müsse erhöht werden? Wer ist dieser Sohn des Menschen?‭ Joh 12:34

‭Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfällt! Denn wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.‭ Joh 12:35

‭Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet! Dies redete Jesus und ging hinweg und verbarg sich vor ihnen.‭ Joh 12:36

Joh 12,37-43: Meisten Menschen glauben nicht

‭Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn;‭ Joh 12:37

‭damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt würde, das er gesprochen hat: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?«‭ Joh 12:38

‭Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen:‭ Joh 12:39

‭»Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen, noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile«.‭ Joh 12:40

‭Dies sprach Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.‭ Joh 12:41

‭Doch glaubten sogar von den Obersten viele an ihn, aber wegen der Pharisäer bekannten sie es nicht, damit sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden.‭ Joh 12:42

‭Denn die Ehre der Menschen war ihnen lieber als die Ehre Gottes.‭ Joh 12:43

Joh 12,44-50: Jesus fasst Botschaft zusammen

‭Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.‭ Joh 12:44

Dann rief Jesus und sagte : Dies sind die letzten Worte im Johannesevangelium von Jesus an die Öffentlichkeit. In dieser letzten Rede an die Menge betonte Jesus die Themen all seiner früheren Predigten bei Johannes. Es beinhaltete eine Erinnerung an Seine Lehre, eine Aufforderung zur Entscheidung, eine Warnung an diejenigen, die sich gegen Ihn entschieden, und eine Verheißung an diejenigen, die sich für Ihn entschieden.

‭Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.‭ Joh 12:45

Jesus hat uns das Antlitz des Vaters gezeigt. Verschiedene Erfahrungen in unserem Leben haben uns in einer Weise geprägt, die bestimmen, wie wir uns selbst und andere sehen und beurteilen. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wer Gott ist, und sie haben unterschiedliche Weisen, mit ihm in Beziehung zu treten. Aber Jesus ist in die Welt gekommen, um uns allen das Antlitz des Vaters zu zeigen. Deshalb ist es so wichtig, das Evangelium oft zu lesen, denn dadurch lernen wir Jesus kennen und erfahren, wie der Vater wirklich ist. Br. Pablo R. de la Gala

‭Ich bin als ein Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.‭ Joh 12:46

Christus ist das „Licht der Welt“ (Joh 8,12); er erleuchtet die Kirche mit seinem Licht. Und wie der Mond sein Licht von der Sonne empfängt, um die Nacht zu erleuchten, so erleuchtet auch die Kirche, die ihr Licht von Christus empfängt, all jene, die sich in der Nacht der Unwissenheit befinden. […] Christus ist also „das wahre Licht, das in die Welt kam und jeden Menschen erleuchtet“ (vgl. Joh 1,9). Und die Kirche, die sein Licht empfängt, wird ihrerseits selbst zum Licht der Welt, indem sie „die erleuchtet, die in der Finsternis wandeln“ (vgl. Röm 2,19), gemäß dem Wort Christi an seine Jünger: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Daraus ergibt sich, dass Christus das Licht der Apostel ist und die Apostel ihrerseits das Licht der Welt sind. Origenes

‭Und wenn jemand meine Worte hört und nicht glaubt, so richte ich ihn nicht; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern damit ich die Welt rette.‭ Joh 12:47

Jesus kam, um uns zu retten. Aufgrund der Erbsünde neigen wir dazu, Gottes Nähe zu fürchten. Wir stellen ihn uns als jemanden vor, der uns die ganze Zeit beobachtet und bereit ist, uns für unsere Fehler oder Sünden zu verurteilen oder zu bestrafen. Aber das ist eine Lüge, und Jesus weiß, dass der Versucher alles tut, um uns die Lüge glaubhaft zu machen, Gott sei zornig auf uns. Deshalb sagt uns Jesus deutlich, dass er nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Br. Pablo R. de la Gala

‭Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.‭ Joh 12:48

‭Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, er hat mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und was ich reden soll.‭ Joh 12:49

Der Gehorsam Jesu. Und wie hat Jesus die Welt gerettet? Durch seinen Gehorsam gegenüber dem Vater. Das ganze Leben Jesu bestand darin, den Willen des Vaters zu tun. Das war seine Speise, sein ganzes Ideal. Der Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters schränkt unsere Freiheit nicht ein. Ganz im Gegenteil. Wie Jesus uns zeigt, ist ein Leben im Gehorsam gegenüber dem Vater der Weg zu einem erfüllten Leben. Gehorsam zu sein, ist nicht leicht, deshalb sollten wir uns nicht verwirren lassen, wenn wir bei unserem Versuch, den Willen des Vaters zu tun, auf Schwierigkeiten stoßen. Wenn wir aber wie Jesus das Licht der Welt sein wollen, müssen wir in seine Fußstapfen treten. Und all diese Fußstapfen sind Ausdruck des Gehorsams gegenüber seinem Vater. Br. Pablo R. de la Gala

‭Und ich weiß, dass sein Gebot ewiges Leben ist. Darum, was ich rede, das rede ich so, wie der Vater es mir gesagt hat.‭ Joh 12:50

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste