Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Johannes Evangelium Kapitel 11 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Johannes Evangelium Kapitel 11

Joh 11,1-16: Lazarus wird krank und stirbt

Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt. Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta, ‭nämlich der Maria, die den Herrn gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank.‭ Joh 11:1-2

Damit beginnt das vielleicht bemerkenswerteste Wunder, das Jesus vollbracht hat. Man könnte sagen, es sei töricht zu glauben, ein Wunder sei schwieriger als ein anderes, aber dieses siebte Zeichen des Johannesevangeliums ist einzigartig. Es gibt keinerlei Parallele für die Auferweckung eines Mannes, der seit vier Tagen tot war und dessen Körper zu verfaulen begann.

Die Auferweckung ist das siebte Zeichen, von dem Johannes in seinem Evangelium berichtet. Die sieben Zeichen sind geschrieben, weil sie Jesus als den Christus und Sohn Gottes offenbaren. Das siebte und letzte Zeichen sagt, dass das ewige Leben vollendet wird in der Auferstehung zur ewigen Herrlichkeit. Es handelt sich um das Zeichen, nach welchem die Hohenpriester den Hohen Rat versammelten und den Entschluß faßten, ihn zu töten.

Es ist überraschend, dass die anderen Evangelisten einen so bemerkenswerten Bericht wie diesen ausgelassen haben, in dem einige der schönsten Charakterzüge unseres Herrn gezeigt werden. Die Vermutung von Grotius hat viel Gewicht. Er glaubt, dass die anderen drei Evangelisten ihre Geschichte während des Lebens von Lazarus geschrieben haben; und dass sie ihn nicht erwähnt haben, aus Angst, die Bosheit der Juden gegen ihn zu erregen.

Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank! Joh 11:3

Sie wandten sich in ihrer Not an den Herrn. Sie wussten genau, wo sie für ihren Kummer Mitempfinden und Hilfe erwarten konnten. Wohin gehen wir mit unseren Problemen? Kennen wir die richtige Adresse oder wenden wir uns in erster Linie an Menschen? Der Sohn Gottes hat immer Zeit für unsere Anliegen. Er hört, wenn wir zu Ihm rufen, und wird in seiner unergründlichen Weisheit antworten.

Sie kamen nicht mit einem fertigen Konzept. Sie teilten dem Herrn nur mit, dass ihr Bruder krank war. Alles Weitere überliessen sie Ihm. Wie anders ist es oft, wenn wir zu Gott beten. Wir kommen mit konkreten Vorschlägen oder haben klare Vorstellungen, wie er helfen soll. Doch es ist viel besser, die Probleme einfach vor Gott auszubreiten und Ihm die Lösung zu überlassen. Sie hatten ein Bewusstsein von der Liebe des Herrn Jesus. Der Herr liebt uns alle gleich. Das wissen wir aus Gottes Wort. Besonders in notvollen Situationen möchte er uns seine tiefe Zuneigung durch sein vollkommenes Mitgefühl zeigen.

Und wenn irgendwelche neue Belastungen auftauchen, welcher Art auch immer, soll man sie in die Hände Unseres Herrn legen und in Frieden bleiben. Haben Sie nur guten Mut und feste Hoffnung, das ist alles, was Sie augenblicklich brauchen. Franz von Sales

Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht wird! Joh 11:4

Es ist nicht immer sofort verständlich, was ein Kreuz in unserem Leben bedeuten kann. Aber wie oft zeigt es sich, dass jemand durch sein Kreuz hindurch reift, sich besinnt, das Leben neu orientiert und ordnet. Und wie oft ist ein Kreuz der Anlass, sich neu Gott zuzuwenden und zu glauben. Je dunkler die Nacht, desto heller scheint das Licht. Der Herr stand kurz vor dem Ende. Daher tat er jetzt sein größtes Werk, abgesehen von seinem Opfertod aus Liebe zu uns. Jesus setzt die kommende Auferweckung Lazarus in Beziehung zu seiner Verherrlichung, die ihn erwartet am Kreuz.

Jener krank, diese betrübt, alle geliebt. Augustinus

‭Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus.‭ Joh 11:5

‭Als er nun hörte, dass jener krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war.‭ Joh 11:6

‭Dann erst sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen!‭ Joh 11:7

Gehen wir noch einmal nach Judäa : Jesus hätte Lazarus aus der Ferne auferwecken können. Aufgrund des Widerstands der religiösen Führer war Judäa ein gefährlicher Ort für Jesus. Trotzdem war Jesus bereit , wieder nach Judäa zu gehen, trotz der Warnungen seiner Jünger.

‭Die Jünger antworteten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen, und du begibst dich wieder dorthin?‭ Joh 11:8

Wenn jemand bei Tag wandelt, so stößt er nicht an, denn er sieht das Licht dieser Welt. Joh 11:9

Wenn aber jemand bei Nacht wandelt, so stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. Joh 11:10

Jesus macht sich auf den Weg nach Judäa zum toten Lazarus. Gerade noch wollten sie ihn dort steinigen, weswegen ihn seine Jünger davon abhalten wollen. Sie wollten dem Herrn Jesus Rat geben. Er tadelt dagegen ihren Zweifel und Unglauben. Vertrauen wir dem Licht Jesus. Folgen wir ihm nach, so werden wir nicht anstoßen. Empfangen wir seinen Rat. Rufen wir den Tag an, damit er die Nacht vertreibe und das Herz mit seinem Lichte erleuchte.

Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen. Aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sprachen die Jünger zu ihm: Herr, wenn er eingeschlafen ist, so wird er geheilt werden. Joh 11:11-12

‭Jesus aber hatte von seinem Tod geredet; sie dagegen meinten, er rede vom natürlichen Schlaf.‭ Joh 11:13

Daraufhin nun sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben. Joh 11:14

Jesus verdeutlicht mit der Metapher des Schlafes, was der leibliche Tod in den Augen Gottes ist. Gott sieht den Tod als einen Schlaf, aus dem er uns auferwecken kann. Die Jünger aber verstanden den Herrn falsch und redeten vom natürlich Schlaf. Interessant: Sie wussten nicht, wie wahr ihr Satz dennoch ist. Er wird geheilt werden. Geheilt kann auch mit gerettet übersetzt werden. Wenn wir auferstehen, ist unsere Errettung vollendet. Wir werden auferweckt und verwandelt.

Ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glaubt. Doch lasst uns zu ihm gehen! Joh 11:15

Jesus konnte sich sogar über den Tod eines lieben Freundes freuen, weil er sich des Ausganges sicher war. Wir sehen am Ende der Ereignisse dieses Kapitels, dass die Trauer getröstet wurde, das Leben wiederhergestellt wurde, viele mehr glaubten und der notwendige Tod Jesu in Gang gesetzt wurde. All dies waren Gründe zur Freude.

Herr, die Freundschaft mit dir erspart uns nicht die schwierigen Momente des Lebens und des Sterbens. Dem Anschein nach hast du deine Freunde in höchster Not im Stich gelassen. Doch du sagst uns auch, warum du das alles tust: Ich will das ihr glaubt. Glaube ist eine göttliche Tugend und Tugend muss geübt, muss tüchtig werden. Tugend, die nicht erprobt ist und sich nicht in der Prüfung bewährt, ist keine Tugend. Es ist ein seltsames Ding mit uns. Solange wir unerprobt sind, glauben wir oft nur zu glauben. Widrige Umstände fördern dann zutage, was in unseren Tiefen liegt: Unsicherheit. Jesus möchte uns durch sie hindurch zur Gewissheit des Glaubens führen. Er möchte, dass wir auf ihn vertrauen. Er sucht eine innige Beziehung, die in der Prüfung standhält. Und dennoch werden wir auch immer wieder scheitern. Mutig sagt Thomas hier noch, dass er mitgehen wolle, um mit ihm zu sterben. Gute Vorsätze und doch sind sie dann, als es ernst wurde, fast alle davon gelaufen.

Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Mitjüngern: Lasst uns auch hingehen, damit wir mit ihm sterben! Joh 11:16

Joh 11,17-37: Jesus tröstet Maria und Marta

Als nun Jesus hin kam, fand er ihn schon vier Tage im Grab liegend. Joh 11:17

Jesus wartete vier Tage , weil er den jüdischen Aberglauben jener Zeit kannte, der besagte, dass eine Seele drei Tage lang in der Nähe des Grabes blieb, in der Hoffnung, zum Körper zurückzukehren. Daher wurde angenommen, dass nach vier Tagen absolut keine Hoffnung mehr auf eine Wiederbelebung bestand.

Ob es der Tod eines lieben Menschen ist oder die Aussicht auf unser eigenes Ableben, der Tod ist eine bedrückende Wirklichkeit. Jesus lässt dem Tod Raum. Er lässt es so weit kommen, dass die menschliche Hoffnung gänzlich zugrunde geht, dass die ganze Macht irdischer Trostlosigkeit sich einstellt, damit offenbar werde, dass das, was er tun werde, eine göttliche, nicht eine menschliche Tat sei. Der Evangelist erwähnt ausdrücklich den vierten Tag, um die Größe des Wunders hervorzuheben. Nach rabbinischer Tradition schwebt die Seele während drei Tage über dem Körper des Verstorbenen in der Hoffnung, wieder mit ihm vereint zu werden, aber sie entschwindet endgültig, wenn sie feststellt, dass der Leichnam zu verwesen begonnen hat.

Viele von den Juden waren zu denen um Martha und Maria hinzugekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Joh 11:18‭-‬19

‭Als Martha nun hörte, dass Jesus komme, lief sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Haus sitzen.‭ Joh 11:20‭

Maria saß im Haus : Es ist wahrscheinlich, dass der Evangelist durch diesen Umstand die Vorstellung von ihrem Kummer und ihrer Not vermitteln wollte; denn alte Leidende waren daran gewöhnt, sich in diese Haltung zu versetzen, um ihren Kummer zum Ausdruck zu bringen; ihr Kummer hat sie sozusagen unbeweglich gemacht.

Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. Joh 11:21

Man betet zu Gott und die Antwort bleibt aus. Gottes Wege sind uns oft schwer verständlich. Warum hilft er nicht gleich? Warum lässt er Leid zu? Manche können nicht mehr an einen guten Gott glauben, weil sie in ihren Hoffnungen auf Seine Hilfe enttäuscht worden sind. Martha hat nicht den Glauben verloren. Sie weiß, dass ihr Bruder auferstehen wird. Diese Gewissheit trägt auch uns. Es ist ein unschätzbarer Trost, das glauben zu können und darauf zu vertrauen. Und mit Marta sprechen wir zu Jesus: Was immer du von Gott erbitten wirst, das wird Gott dir geben.

Doch auch jetzt weiß ich: Was immer du von Gott erbitten wirst, das wird Gott dir geben.‭ Joh 11:22

‭Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen!‭ Joh 11:23

Martha spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag. Joh 11:24

Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Joh 11:25

Jesus behauptete nicht, Auferstehung und Leben zu haben oder Geheimnisse über Auferstehung und Leben zu verstehen. Stattdessen sagte Jesus dramatisch, dass Er die Auferstehung und das Leben ist. Jesus zu kennen heißt Auferstehung und Leben zu kennen; Jesus zu haben bedeutet Auferstehung und Leben zu haben.

Indem er das Wort ich betont, sagt der Herr, dass die Auferstehung, an die Martha glaubt, durch ihn geschehen wird und dass er jetzt da ist. Er ist das Leben, also das Leben ist nicht nur in ihm. Die Reihenfolge die Auferstehung und das Leben ist nicht beliebig. Zuerst Auferstehung, dann Leben. Denn das Leben, das er ist und das die Glaubenden empfangen, ist das Leben, das auf die Auferstehung des Herrn folgt. Er hat in seinem Tod den Tod zunichtegemacht und hat in der Auferstehung Leben ans Licht gebracht. An Jesus glauben heißt leben. Wer an Ihn glaubt, den wird der Tod eines Lieben zwar erschüttern, aber nicht erdrücken.

Wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das? Joh 11:26

Diejenigen, die an Jesus Christus glauben, scheinen zu sterben, aber sie leben doch. Sie sind nicht im Grab, sie sind für immer beim Herrn. Sie sind nicht bewusstlos, sie sind bei ihrem Herrn im Paradies. Der Tod kann einen Gläubigen nicht töten, er kann ihn nur in eine freiere Lebensform führen.  Spurgeon

Ja, Herr, antwortete ihm Marta. Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes. Joh 11:27

Glaubst du das? Eine Frage, die Jesus an jeden von uns richtet. Ja, Herr! Auch wir glauben, trotz unserer Zweifel und unserer Finsternisse. Wir glauben an dich, weil du Worte des ewigen Lebens hast. Wir wollen an dich glauben, der du uns eine verläßliche Hoffnung auf Leben über das Leben hinaus gibst. Daher: Im Licht des Herrn schaue das Licht. Im Geist Gottes richte die Augen auf den Sohn. Wenn du das ganze Wort aufnimmst, dann richtest du die ganze Kraft auf Christi, der heilt und auferweckt.

‭Und als sie das gesagt hatte, ging sie fort und rief heimlich ihre Schwester Maria und sprach: Der Meister ist da und ruft dich!‭ Joh 11:28

‭Als diese es hörte, stand sie schnell auf und begab sich zu ihm.‭ Joh 11:29

‭Jesus war aber noch nicht in das Dorf gekommen, sondern befand sich an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war.‭ Joh 11:30

‭Als nun die Juden, die bei ihr im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass Maria so schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr nach und sprachen: Sie geht zum Grab, um dort zu weinen.‭ Joh 11:31

‭Als aber Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie zu seinen Füßen nieder und sprach zu ihm: Herr, wenn du hier gewesen wärst, mein Bruder wäre nicht gestorben!‭ Joh 11:32

Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. Joh 11:33‭-‬35

Der Kummer und die Tränen von Maria und Martha bewegten Jesus. Gott sieht die Tränen des Kummers und ist von Mitgefühl bewegt. Gott sieht unsere Tränen. Gott wird von unseren Tränen berührt. Gott erinnert sich an unsere Tränen. Gott handelt, um unsere Tränen zu trocknen.

Auch Jesus kamen die Tränen. Joh 11:35

Jesus weinte : Diese beiden Worte haben viele Aspekte. Jesus war wirklich ein Mann. Es darf keine Sünde oder Scham in Tränen sein. Jesus kannte Trauer. Jesus schämte sich seiner Menschlichkeit nicht. Jesus identifizierte sich mit anderen in ihrer Trauer. Jesus liebt die Menschen.

Manchmal wird uns gesagt, dass wir nicht weinen könnten, wenn wir wirklich glaubten, dass unsere Freunde wieder auferstehen würden und dass sie selbst jetzt in Sicherheit und glücklich sind. Warum nicht? Jesus tat es. Es darf keinen Fehler geben, dem zu folgen, wo Jesus vorangeht. Spurgeon

Seht, wie hatte er ihn so lieb! Joh 11:36

Seht, wie er ihn liebte! Und wenn wir sehen, wie er sein Blut und Leben für die Menschheit am Kreuz vergoss, dürfen wir mit Jubel und Freude ausrufen: Siehe, wie er uns geliebt hat.

Jesu Tränen über den Tod seines Freundes Lazarus zeigen uns die echte Menschlichkeit seines Herzens. Der Herr hat wirklich ein menschliches Herz. Er liebt uns mit diesem Herzen. Er nimmt an allen unseren Freuden und Sorgen teil. Er findet wirklich keinen Gefallen an unserem Leid und dem Tod. Im Gegenteil. Er möchte uns heilen und uns vor Leid bewahren. Jesus ist die Menschwerdung Gottes, der Liebe, der Barmherzigkeit, der väterlichen und mütterlichen Zärtlichkeit.

Jesus kann es sich leisten, Mitleid zu haben, weil er mit Gott eins ist. Und dort, wo er mit Gott eins ist, hat das Leid des anderen keinen Zutritt. Das ist auch eine wichtige Bedingung für unser Mitleid: Wir sollen unser Herz für den anderen öffnen, mit ihm fühlen, mit ihm leiden. Aber es braucht einen Bereich in uns, der nicht vom Leid des anderen infiziert wird, einen Raum, in dem wir uns zurückziehen können, um von dort aus das Leid des anderen zu spüren. Wir sind solidarisch mit dem Leidenden, aber wir lösen unsere Grenzen nicht auf. Wir haben in uns einen Raum, zu dem das Leid des anderen keinen Zutritt hat. Nur so können wir in und durch Gott Kräfte entwicklen, dem anderen zu helfen.

Jesus ist der Hüter deiner Seele (vgl. 1. Petrus 2,25) und der Hüter leidet, wenn die ihm anvertrauten Schafe leiden. Christus litt das große Leiden in der Passion vor 2000 Jahren, aber auch heute ist er in und mit dir, erleidet deine Leiden mit. Ja, er ist uns als das fleischgewordene Gott in allem gleich geworden, auch im Leiden (vgl. Phil 2,7). Jesus nimmt uns nicht das Leiden, aber er führt uns durch das Leiden. Fürchte nichts, Jesus ist es, der dich nie verlassen wird. Durch diese Zusage werde ich ruhig, fühle ich mich stark, mutig und sicher; ich fühle, wie in mir der Friede und das Licht wiedererstehen. Jesus, der mitleidende Hüter deiner Seele sei mir dir, er segne dich mit innerer Ruhe, Kraft und Mut und schenke dir seinen Frieden, der jegliches Verstehen übersteigt (vgl. Phil 4,7)

‭Etliche von ihnen aber sprachen: Konnte der, welcher dem Blinden die Augen geöffnet hat, nicht dafür sorgen, dass auch dieser nicht gestorben wäre?‭ Joh 11:37

Joh 11,38-44: Jesus erweckt Lazarus

‭Jesus nun, indem er wieder bei sich selbst seufzte, kam zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag darauf.‭ Joh 11:38

‭Jesus spricht: Hebt den Stein weg! Martha, die Schwester des Verstorbenen, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist schon vier Tage hier!‭ Joh 11:39

‭Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?‭ Joh 11:40

Sie schoben den Stein weg. Jesus sah zum Himmel auf und betete: Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast! Joh 11:41

Jesus hatte wahrscheinlich die traditionelle Haltung des Gebets – die Hände erhoben, die Augen nach oben geöffnet, als würde er zum Himmel schauen.

Kein Pomp der Beschwörung, nicht einmal ein Ringen im Gebet; sondern einfache Dankesworte, als ob Lazarus bereits zurückgekehrt wäre.

Ich weiß, dass du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, dass du mich gesandt hast. Joh 11:42

Das Gebet Jesu, das von Danksagung getragen ist, offenbart uns, wie wir bitten sollen: Schon bevor die Gabe geschenkt wird, stimmt Jesus Gott zu, der gibt und der sich selbst in seinen Gaben schenkt. Der Geber ist wertvoller als die gewährte Gabe. Er ist der Schatz, und bei ihm ist das Herz seines Sohnes. Die Gabe selbst wird dazugegeben Das scheint mir sehr wichtig: bevor die Gabe gewährt wird, dem zuzustimmen, der gibt. Der Geber ist wertvoller als die Gabe. Über all das hinaus, was Gott uns gibt, wenn wir ihn bitten, ist die größte Gabe, die er uns geben kann, seine Freundschaft, seine Gegenwart, seine Liebe. Er ist der kostbare Schatz, um den wir bitten und den wir stets bewahren müssen.

Dann rief er laut: Lazarus, komm heraus! Joh 11:43

Rief mit lauter Stimme : Das bedeutet bei Johannes der laute Entscheidungston der Autorität. Jesus hatte bei einer früheren Gelegenheit gesagt, dass eine Zeit kommen würde, in der alle, die in ihren Gräbern waren, seine Stimme hören würden ( Johannes 5:28 ). Diese Gelegenheit war eine einzige Demonstration dieser Autorität.

Die gesprochenen Worte waren kurz, direkt und gebieterisch und können umschrieben werden: Lazarus! Hier raus! als würde Jesus jemanden führen, der sich in einem düsteren Kerker verirrt hat.

Und Lazarus kam heraus. Joh 11:44

Ich höre in diesem Ruf auch einen Ruf an mich, aus meinem Grab und meinen Fesseln heraus zu kommen. So viele Ängste lasten wie ein Grabstein auf meinem Leben. Der Glaube hebt sie weg, löst die Binden und läßt mich wieder leben. Auch ich kann Lazarus sein, so einer, den Jesus herausruft und wieder lebendig macht. Du bist auferstanden mit Christus. Deine Binden sind gefallen. Falle nicht wieder zurück in den Tod.

Lazarus wurde nicht auferweckt, sondern wiederbelebt. Er erhob sich in Grabtücher gebunden, denn er würde sie wieder brauchen. Jesus ließ seine Grabkleider in seinem Grab zurück und brauchte sie nie wieder.

Joh 11,45-57: Juden planen, Jesus zu töten

Viele von den Juden, die bei Maria gewesen waren, glaubten an Jesus, nachdem sie das Wunder an Lazarus gesehen hatten. Joh 11:45

‭Etliche aber von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.‭ Joh 11:46

‭Da versammelten die obersten Priester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was sollen wir tun? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen!‭ Joh 11:47

‭Wenn wir ihn so fortfahren lassen, werden alle an ihn glauben; und dann kommen die Römer und nehmen uns das Land und das Volk weg!‭ Joh 11:48

Johannes setzt sein hartnäckiges Thema fort – dass die Worte und Werke Jesu die Menschheit zwischen denen, die glauben, und denen, die sie ablehnen, spalten. 

‭Einer aber von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr erkennt überhaupt nichts,‭ Joh 11:49

Kajaphas sprach: Für euch alle ist es besser, wenn einer für das Volk stirbt, als dass ein ganzes Volk zugrunde geht. Joh 11:50

Der Hohe Rat war die oberste Behörde des Judentums unter dem Vorsitz des Hohepriesters Kajaphas. In einer Sitzung diskutieren sie über Jesus, was man gegen ihn tun kann. Kajaphas spricht das entscheidende obige Wort, ohne es zu ahnen, dass er damit zum Vollstrecker des göttlichen Willens wird. Ja: Jesus stirbt für das Volk, wie Kajaphas auf Eingebung hin ganz richtig sagt, mehr noch: er stirbt für alle Menschen. Für uns aus Liebe! In den Worten „pro nobis – für uns“ leuchtet die Sinnmitte der Existenz Jesu auf. Diese zwei kleinen Wörtchen pro nobis erschließen uns den Sinn des Lebens, Leidens und Sterbens Jesu. Das Geheimnis der Stellvertretung leuchtet auf, das der tiefste Inhalt von Jesu Sendung ist.

Dies redete er aber nicht aus sich selbst; sondern weil er in jenem Jahr Hoherpriester war, weissagte er; denn Jesus sollte für das Volk sterben,‭ Joh 11:51

‭und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die zerstreuten Kinder Gottes in eins zusammenzubringen.‭ Joh 11:52

‭Von jenem Tag an beratschlagten sie nun miteinander, um ihn zu töten.‭ Joh 11:53

An diesem Punkt beschlossen die Männer mit wirklicher politischer Macht, Jesus zu ermorden. Die Zeit war nun kurz bis zum Tod Jesu.

‭Darum ging Jesus nicht mehr öffentlich unter den Juden umher, sondern zog von dort weg in die Gegend nahe bei der Wüste, in eine Stadt namens Eph­raim, und hielt sich dort auf mit seinen Jün­gern.‭ Joh 11:54

Wiederum tat Jesus dies nicht aus Angst, sondern weil seine Stunde noch nicht gekommen war (wie in Johannes 7,30 ). Die Stunde war noch nicht gekommen, aber sie sollte bald kommen.

‭Es war aber das Passah der Juden nahe. Und viele aus dem ganzen Land gingen vor dem Passah nach Jerusalem hinauf, um sich zu reinigen.‭ Joh 11:55

‭Da suchten sie Jesus und sprachen zueinander, als sie im Tempel standen: Was meint ihr, kommt er nicht zu dem Fest?‭ Joh 11:56

‭Sowohl die obersten Priester als auch die Pharisäer hatten aber einen Befehl gegeben, dass, wenn jemand wisse, wo er sei, er es anzeigen solle, damit sie ihn ergreifen könnten.‭ Joh 11:57

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste