Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Erster Brief an die Korinther (1. Kor) Kapitel 6: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum ersten Brief an die Korinther (1. Kor) Kapitel 6

1. Kor 6,1-11: Rechtsstreit unter Christen

Auslegung und Kommentar zu 1. Kor 6,1-11

1. Kor 6,1: Wenn jemand von euch mit einem Gläubigen Streit hat, wie bringt er es dann fertig, vor das Gericht der Ungläubigen zu gehen, anstatt sich von den Heiligen Recht sprechen zu lassen?‭

‭1. Kor 6,2: Wisst ihr denn nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch sogar die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht in der Lage, euch um solche Kleinigkeiten zu kümmern?‭

1. Kor 6,3: ‭Wisst ihr nicht, dass wir sogar über Engel zu Gericht sitzen werden? Wie viel mehr dann über die Dinge des täglichen Lebens!‭

1. Kor 6,4: ‭Wie könnt ihr nur bei diesen alltäglichen Dingen solche Menschen über euch Recht sprechen lassen, die in der Gemeinde nichts gelten?‭

1. Kor 6,5: ‭Ihr solltet euch schämen! Gibt es denn keinen unter euch, der weise genug ist, um ein unparteiisches Urteil zwischen Brüdern fällen zu können?‭

1. Kor 6,6: ‭Stattdessen verklagt ein Bruder den anderen – und das vor Ungläubigen!‭

1. Kor 6,7: ‭Es ist schon schlimm genug, dass ihr überhaupt Rechtsstreite miteinander austragt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber benachteiligen?‭

Franz von Sales: Beachten Sie, daß er von Schuld bei ihnen spricht, wenn sie gegen jene klagen, die sie täuschen oder berauben. Aber welche Sünde? Sünde, weil sie dadurch den Ungläubigen auf der Welt Ärgernis geben, die sagen würden: Seht nur, wie diese Christen christlich sind! Ihr Meister sagte: Wer dir den Rock nehmen will, dem gib noch deinen Mantel. Seht nur, wie sie weltlicher Güter wegen die ewigen aufs Spiel setzen, und auch die zärtliche und brüderliche Liebe, die sie füreinander hegen sollen. Augustinus sagt: Beachten Sie die Lehre Unseres Herrn: Er sagte nicht: Wer dir einen Ring nehmen will, dem gib deine Halskette dazu, das sind beides überflüssige Dinge; sondern er spricht von Rock und Mantel, die doch notwendige Dinge sind. Das ist die Weisheit Gottes, das ist seine Klugheit, und darin besteht die hochheilige und anbetungswürdige Einfachheit, Kindlichkeit und die hochheilige Torheit des Kreuzes (1 Kor 1,23).

1. Kor 6,8: ‭Stattdessen tut ihr selbst Unrecht und benachteiligt andere – und das unter Brüdern!‭

1. Kor 6,9: ‭Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz im Reich Gottes haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die in sexueller Unmoral leben, Götzen anbeten oder die Ehe brechen, Lustknaben und Knabenschänder,

1. Kor 6,10: ‭Diebe oder Habsüchtige, Trinker, Lästerer oder Räuber werden keinen Platz im Reich Gottes haben.

1. Kor 6,11: Und das sind manche von euch gewesen. Aber durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes seid ihr reingewaschen, seid ihr geheiligt, seid ihr gerecht gesprochen worden.‭

Du wurdest gewaschen: Wir sind reingewaschen von der Sünde durch die Barmherzigkeit Gottes (Tit 3:5). Wir können unsere Sünden reinwaschen lassen, indem wir den Namen des Herrn anrufen (Apg 22:16). Wir werden durch das Werk Jesu am Kreuz für uns gewaschen (Offb 1:5) und durch das Wort Gottes (Eph 5:26).

Du wurdest geheiligt: Wir sind abgesondert, weg von der Welt und hin zu Gott, durch das Werk Jesu am Kreuz (Hebr 10:10), durch Gottes Wort (Joh 17:19), durch den Glauben an Jesus (Apg 26: 18) und durch den Heiligen Geist (Röm 15:16).

Du wurdest gerechtfertigt: Wir werden vor dem Gericht Gottes für „gerecht“ erklärt, nicht nur für „nicht schuldig“, sondern für „gerecht“ vor ihm erklärt. Wir sind gerechtfertigt durch Gottes Gnade durch das Werk Jesu am Kreuz (Röm 3:24), durch den Glauben und nicht durch unsere eigenen Taten (Röm 3:28).

1. Kor 6,12-20: Unser Körper gehört Gott

Auslegung und Kommentar zu 1. Kor 6,12-20

1. Kor 6,12: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich! Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen!

1. Kor 6,12: Alles steht mir frei, aber nicht alles ist förderlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich darf mich von nichts beherrschen lassen.

Alles ist mir erlaubt, aber….: In Korinth gab es viele Missstände. Paulus greift hier kritisch den korinthischen Slogan „Alles ist mir erlaubt“ auf, erweitert ihn aber durch zwei Nebensätze, mit denen er folgendes klar machen will: In Gott sind wir zwar freie Menschen. Aber frei als Mensch zu sein, bedeutet nicht, dass es gut ist, zu tun, was einem gerade in dem Sinn kommt. Denn dann bekommen die Dinge Macht über uns und beherrschen uns. Das passiert, wenn wir uns zu sehr um das Haben, den Genuss und zu guter letzt um unseres eigenes Ego mit seinen Empfindlichkeiten kümmern, anstatt uns hier und da zu beherrschen und zu verzi um in allem immer wieder den Willen Gottes zu suchen.

Mässigung: Mäßigung geht auf das griechische Wort Sophrosyne zurück. Dies bedeutet: die eigenen Grenzen erkennen, bejahen und einhalten: begrenzte Kraft, begrenzte Zeit, begrenzte Möglichkeiten. Missachte ich diese Grenzen, verliere ich das gesunde Maß, dann leidet mein Körper, meine Psyche und am Wichtigsten meine Seele und darin meine Beziehung zu Jesus. Im Kern bedeutet die Tugend des Maßhaltens: nicht mehr wollen, als gut für mich ist, als ich vertrage. Ziehe Grenzlinien: Bis hierhin und nicht weiter. Hier ist meine Grenze, mein Maß. Darüber gehe ich nicht hinaus. Aus dieser Grenzziehung heraus dürfen wir Christus in Dankbarkeit begegnen und ihn immer wieder neu bitten: gib du darin dein Erbarmen dazu. 

Wer die Begierden nicht zu beherrschen weiß, der wird von ihnen wie von unbändigen Rossen fortgerissen, fortgezerrt, zertreten, zerrissen, zerstampft. Ambrosius 

1. Kor 6,13: Das Essen ist für den Magen bestimmt und der Magen für das Essen. Gott wird beides einmal beseitigen. Aber unser Körper ist nicht für die sexuelle Unmoral bestimmt, sondern für den Herrn, und er ist der Herr über den Körper.‭

1. Kor 6,14: ‭Gott hat den Herrn auferweckt und wird in seiner Macht auch uns auferwecken.‭

1. Kor 6,15: Wisst ihr nicht, dass eure Körper wie Glieder zum Leib von Christus gehören? Wollt ihr nun die Glieder von Christus nehmen und sie mit denen einer Hure vereinigen? Auf keinen Fall!‭

Glieder des Christus: So wie dein Arm, Fuß, Hand etc Glieder deines Körpers sind, so bist du ein einzigartiges unaustauschbares Glied des Körpers Christi. Es gilt diese innige Einheit in deinem Leben mehr und mehr bewusst zu werden. Deine Seele ist sein und soll nur durch ihn leben. Dein Wille ist sein und soll nur für ihn lieben. Deine Liebe ist sein und soll nur nach ihm streben. Du musst ihn lieben als deinen ersten Ursprung, denn von ihm kommst du. Ihn lieben ist dein Ziel und deine Ruhe, denn für ihn bist du da.  Du musst ihn lieben mehr als dein eigenes Sein, denn dieses besteht nur durch ihn. Du musst ihn lieben mehr als dich selbst, weil du ganz ihm gehörst und in ihm bist.

1. Kor 6,16: ‭Wer sich mit einer Hure einlässt, wird praktisch ein Leib mit ihr – wisst ihr das nicht? Es heißt doch in der Schrift: Die zwei werden ‭ein‭ Fleisch sein.

1. Kor 6,17: ‭Wer sich aber mit dem Herrn vereint, ist ‭ein‭ Geist mit ihm.‭

Ein Geist mit ihm: Es gibt die Vereinigung des Menschen mit Gott. Aber diese Vereinigung ist kein Verschmelzen und Untergehen im namenlosen Ozean des Göttlichen. Es ist vielmehr eine Einheit, die Liebe schafft, in der Gott und der Mensch sie selbst bleiben und doch ganz eins werden. Nichts drängt das Herz des Menschen mehr als diese Liebe. Wenn ein Mensch sich von irgendeinem Menschen geliebt weiß, dann drängt es ihn, diese Liebe zu erwidern. Wird aber ein gewöhnlicher Mensch vom Herrn geliebt, so fühlt er sich noch mehr zur Gegenliebe gedrängt. Auf die göttliche Liebe gibt es nur eine angemessene Reaktion: Liebe, die seine Liebe mit aller Kraft zu erwidern sucht. So werden wir ein Geist mit ihm.

Worte von Guigo von Kastell: man muss Christus nachfolgen, ihm anhangen; man darf nicht von ihm weichen bis zum Tod. So wie Elischa zu seinem Meister sagte: „So wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht“ (2 Kön 2,2). Folgen wir also Christus nach und binden wir uns an ihn! „Gott nahe zu sein ist mein Glück“, sagt der Psalmist (73(72),28) und „meine Seele hängt an dir, Herr, deine rechte Hand hält mich fest“ (vgl. Ps 63(62),9). Der hl. Paulus setzt hinzu: „Wer sich an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm“ (1 Kor 6,17): nicht nur ein Leib, sondern ein Geist. Von Christi Geist lebt sein ganzer Leib, durch den Leib Christi kommt man zum Geist Christi. Bleibe also durch den Glauben im Leib Christi, und du wirst eines Tages ein Geist mit ihm sein. Du bist schon durch den Glauben mit seinem Leib vereinigt; in der (seligen) Schau wirst du auch mit seinem Geist vereinigt sein. Nicht, dass wir dort oben körperlos schauen würden; aber unsere Körper werden geistlicher Art sein (vgl. 1 Kor 15,44).

1. Kor 6,18: ‭Flieht vor den sexuellen Sünden! Alle anderen Sünden spielen sich außerhalb vom Körper des Menschen ab. Wer aber seine Sexualität freizügig auslebt, sündigt gegen den eigenen Körper.‭

1. Kor 6,19: Wisst ihr denn nicht, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott bekommen habt? Ist euch nicht klar, dass ihr euch nicht selbst gehört?

Tempel des heiligen Geistes: Der heilige Geist in mir, das ist nicht pille palle. Er ist nicht das Sahnehäubchen in uns, irgendwie ein “der-ist-halt-auch-da”. Ich gehöre nicht mehr mir selbst. Das ist ein krasser Bibelvers , der aber in den innersten Kern trifft, nämlich, dass Gott in mir thront, d.h. da ist jemand ihn mir, der unvorstellbar größer ist als ich, der in mir thront und herrscht mit dem Geist der Liebe. Die Lebensübergabe an Gott ist nicht nur was für Mönche und Nonnen, sondern diese Entscheidung trifft jeden von uns und meint, dass ich diesem thronenden hl. Geist in mir mein ” Ja” gebe. 

Ein Tempel ist ein Ort, der Gott heilig ist und rein von Unmoral. Wenn es wahr ist, dass wir vom Geist erfüllt sind, muss diese Wahrheit unser Sexualverhalten beeinflussen. Und wenn wir als Christen sexuelle Unmoral begehen, verunreinigen wir Gottes Tempel.

Ein göttlicher Gast hat in mir Einzug gehalten. Welch barmherziges Herabneigen Gottes zu uns! Dieses Herabneigen verleiht unserer Seele Schönheit. Die Schönheit der Seele ist also eine Gabe Gottes. Er verleiht sie ihr durch den Heiligen Geist. Dieser Geist ordnet, was in Unordnung geraten ist, und stellt die durch die Sünde verunstaltete menschliche Natur wieder her. Er formt uns nach dem Bild des Sohnes zu einer neuen Schöpfung um. Der Heilige Geist macht unser Herz demütig und mild, gleich dem Herzen Jesu, der uns durch die Hingabe seines Leibes teuer erkauft hat. 

Erkenne, o Christ, deine Würde! Kehre nicht, nachdem du der göttlichen Natur teilhaftig geworden, durch entartete Sitten zur alten Niedrigkeit zurück! Denke daran, welchen Hauptes, welchen Leibes Glied du bist! Vergegenwärtige dir, dass du der Macht der Finsternis entrissen und in Gottes lichtvolles Reich versetzt worden bist! Durch das Sakrament der Taufe wurdest du zu einem Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19). Vertreibe nicht durch schlechte Handlungen einen so hohen Gast aus deinem Herzen! Unterwirf dich nicht aufs neue der Knechtschaft des Satans! Ist doch das Blut Christi dein Kaufpreis. Wird dich doch der in Wahrheit richten, der dich in Barmherzigkeit erlöst hat, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste waltet in Ewigkeit. Leo der Große

1. Kor 6,20: ‭Denn ihr seid für ein Lösegeld gekauft worden. Macht also Gott mit eurem Körper Ehre.‭

1. Kor 6:20: Ihr seid teuer erkauft. Darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören!

Teuer erkauft: Jesus kam, damit wir das Leben in Fülle und Überfluss haben (Joh 10,10). Um uns dieses Leben zu erwerben, hat Christus es für uns erkauft um den Preis seines Blutes. Er hat sein Leben für unser Leben hingegeben. Also ist unser Leben nicht das unsere, sondern das seine. Wir gehören nicht mehr uns, sondern ihm. Da er uns erkauft hat, sind wir sein. Wir leben also nicht mehr für uns, sondern für ihn. Das gilt es täglich morgens mit als Wahrheit in den Tag mit zu nehmen, so dass dadurch unser Denken und Tun ausgerichtet wird auf Gott, daß wir uns ganz dem Dienst dieser himmlischen Liebe weihen, durch die wir so liebevoll begünstigt worden sind.

Jeder Mensch hat einen unendlichen Wert darin, dass er teuer erkauft ist. Wer daher den Menschen antastet, der tastet Gottes Augapfel an. Helmut Thielicke 


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum ersten Brief an die Korinther (1. Kor) Kapitel 6.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste