Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Erster Brief an die Korinther Kap. 4 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr eine Auslegung und Kommentar über den ersten Brief an die Korinther Kap. 4

Wir Apostel sind nur Diener! (1. Kor 4,1-5)

1. Kor 4,1: Seht in uns also Diener von Christus und Boten, denen Gott die Verkündigung seiner Geheimnisse anvertraut hat.

1. Kor 4,1: ‭Uns soll man als Diener betrachten: als Diener von Christus und Verwalter von Gottes Geheimnissen.‭

Diener von Christus: Christus hat den letzten Platz in der Welt eingenommen: das Kreuz. Gerade mit dieser radikalen Demut hat er uns erlöst und hilft uns fortwährend. Wir sind nun Diener Christi und folgen seiner Demut und setzen uns nicht in eine höhere Position dem Anderen gegenüber. Diener Christi zu sein ist Gnade. Wir erkennen, dass wir nicht aufgrund eigener Leistung handeln, sondern weil der Herr es uns gibt. Letzten Endes sind wir nur Werkzeug in der Hand des Herrn. Lasst uns in Demut das tun, was uns möglich ist und in Demut das andere dem Herrn überlassen. Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt. Mit dieser Kraft freilich alles zu tun, was wir vermögen, ist der Auftrag, der den rechten Diener Jesu Christi gleichsam immerfort in Bewegung hält: Die Liebe Christi drängt uns. 

1. Kor 4,2: ‭Von Verwaltern verlangt man, dass sie zuverlässig sind.‭

1. Kor 4,3: ‭Doch was mich betrifft, so ist mir völlig gleichgültig, ob ich von euch oder irgendeinem menschlichen Gericht beurteilt werde. Ja ich maße mir nicht einmal selbst ein Urteil über mich an.‭

1. Kor 4,4: ‭Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich noch nicht gerechtfertigt, denn der Herr ist mein Richter.‭

1. Kor 4,5: Urteilt niemals voreilig! Wenn Christus kommt, wird er alles ans Licht bringen, was jetzt noch verborgen ist, auch unsere geheimsten Wünsche und Gedanken. Dann wird Gott jeden so loben, wie er es verdient hat.

1. Kor 4,5: ‭Verurteilt also nichts vor der von Gott bestimmten Zeit, wartet bis der Herr kommt! Er wird das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die geheimen Motive der Menschen offenbaren. Dann wird jeder das Lob von Gott erhalten, das er verdient.‭

Jedes menschliche Urteil ist nur vorläufig. Am Ende zählt nur, wie Gott uns beurteilt. “Entscheidend ist allein das Urteil, das Christus, der Herr, über mich spricht.” (1. Kor 4:4) Vor ihm werden alle Absichten und Gedanken offenbar. Deshalb sollen wir uns mit voreiligen Urteilen über andere zurückhalten. Ebenso sollten wir nicht dem Urteil anderer unterliegen und es als höchstes Ziel ansehen, dass mich alle Menschen mögen. Das macht uns von der Meinung anderer abhängig und erzeugt großen Stress! Entscheidend im Leben ist nicht, was andere von mir denken, sondern was Gott von mir denkt. Und Gott denkt gut von mir und auch vom anderen. Das sollte uns gelassen durchs Leben gehen lassen. Einen Bruder, für den ich bete, kann ich bei aller Not, die er mir macht, nicht mehr verurteilen oder hassen. Bonhoeffer 

Es steht nur Gott allein zu, zu richten. Er sieht die Regungen des menschlichen Herzens, der Mensch aber sieht nur das Äußere. Wenn aber die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Handlung so stark und die Schlussfolgerung so zwingend ist, dass sich der Verstand des Urteils nicht enthalten kann, dann muss man das der Überraschung zuschreiben, der Übereilung, der Versuchung, oder sich im äußersten Fall des Urteils enthalten, sich die Sache aus dem Kopf schlagen und nicht darüber sprechen, denn: Eine Wahrheit, die nicht liebenswürdig ist, kommt von einer Liebe, die nicht wahrhaftig ist.

Überlasst das Urteil Gott! (1. Kor 4,6-16)

1. Kor 4,6: ‭Das habe ich auf mich bezogen, Brüder, und auf Apollos. An unserem Beispiel solltet ihr lernen, nicht über das hinauszugehen, was in der Schrift steht. Dann werdet ihr euch nicht für den einen auf Kosten des anderen wichtigmachen.‭

1. Kor 4,7: Was besitzt du, das du nicht empfangen hast?

1. Kor 4,7: ‭Wer sollte dir denn den Vorzug geben? Hast du etwas, was du nicht von Gott bekommen hast? Und wenn du es bekommen hast, was gibst du damit an, als hättest du es selbst gehabt?‭

Alles haben wir von Gott empfangen: Die Liebe des Menschen zu Gott verdankt ihren Ursprung, ihre Entfaltung und ihre Vollendung der ewigen Liebe Gottes zu den Menschen. Er war es, der seine Finger auf deine Lippen legte, die aufeinander gepreßten Zähne öffnete, in dein Herz heilige Gnadenregungen warf und du hast sie empfangen. Dann fuhr Gott fort, durch verschiedenartigste Hilfsmittel deinen Geist zu stärken, bis er endlich den Genesungstrank seiner Liebe in dein Herz ergoß. Die Gottesliebe macht uns zu Bürgern des himmlischen Jerusalem. Der Entschluß, Gottes Willen allem vorzuziehen, ist das Wesensstück der heiligen Liebe. Die Eigenliebe dagegen macht uns zu Sklaven. 

1. Kor 4,8: ‭Ihr seid ja so satt! Ihr seid schon so reich! Ihr habt die Herrschaft angetreten – ohne uns. Ach hättet ihr es wirklich schon getan, dann könnten wir ja mit euch herrschen!‭

Paulus will aufrütteln: Obwohl Paulus starken Sarkasmus verwendet, ist sein Ziel nicht, sich über die korinthischen Christen lustig zu machen. Er will sie aus ihrem stolzen, eigenwilligen Denken aufrütteln. „Er lachte sie mit heiligem Lachen aus, und doch mit völliger Verachtung für das, was sie getan hatten. Kontrast für Kontrast zeigt Paulus sarkastisch, wie töricht es für die Korinther ist zu glauben, sie seien geistlich privilegierter, gesegneter oder begabter als die Apostel.

1. Kor 4,9: ‭Denn mir scheint, Gott hat uns, die Apostel, auf den letzten Platz gestellt. Wie zum Tod verurteilte Verbrecher stehen wir in der Arena. Für die ganze Welt sind wir ein Schauspiel geworden, für Engel und Menschen.‭

1. Kor 4,10: ‭Wir stehen als Narren da, weil wir mit Christus verbunden sind, aber ihr seid durch Christus klug, wir sind schwach, ihr natürlich stark; ihr seid berühmt, wir verachtet.‭

1. Kor 4,11: ‭Bis zu diesem Augenblick leiden wir Hunger und Durst und haben nicht genügend anzuziehen, wir werden misshandelt und haben nirgendwo ein Zuhause.‭

1. Kor 4,12: Wenn man uns beleidigt, dann segnen wir.

1. Kor 4,12: ‭Wir plagen uns ab, um mit den eigenen Händen das tägliche Brot zu verdienen. Wenn wir beschimpft werden, segnen wir die Leute, wenn man uns verfolgt, halten wir still aus.

Dem Bösen mit Gutem begegnen: Paulus sagt, dass die Apostel, wenn sie verleumdet wurden, sich freundlich an den wenden würden, der gegen sie sprach. Auch dies widersprach dem griechischen Ideal; Sie hielten einen Mann für einen Weichei, wenn er sich nicht wehrte, wenn er verleumdet wurde.

Wie verhält sich dein Herz gegen den Nächsten? Liebst du ihn herzlich und aus Liebe zu Gott? Um dies genau zu erkennen, stelle dir bestimmte unangenehme, mürrische Menschen vor. An solchen übt man bestimmt die Liebe zu Gott im Nächsten, mehr noch bei Menschen, die uns durch Wort und Tat Böses zugefügt haben. Prüfe dich genau, ob dein Herz gegen sie in Ordnung ist, ob es dir sehr schwer fällt, sie zu lieben. Bist du schnell zu lieblosen Reden oder Bösem Tun bereit, besonders über Menschen, die dir nicht gut gesinnt sind? Eins muss uns klar sein. Allein die Kraft Gottes befähigt uns, auf Böses mit Gutem zu antworten: Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft!

Christus hat jetzt keinen anderen Leib als euren, keine Hände außer eure. Eure Augen sind es, durch die Christi Erbarmen auf die Welt schaut. Mit euren Füßen geht er umher und tut Gutes. Mit euren Händen will er uns jetzt segnen. Teresa von Avila

1. Kor 4,13: ‭Beleidigt man uns, antworten wir freundlich. Bis jetzt sind wir für die ganze Welt wie der letzte Dreck geworden, ein Abschaum für alle.‭

1. Kor 4,14: ‭Ich schreibe das nicht, um euch zu beschämen, sondern um euch auf den rechten Weg zu bringen. Ihr seid doch meine geliebten Kinder!‭

Kommt doch zur Einsicht: Mit seinem beißenden Sarkasmus weiß Paulus, dass sich die Christen in Korinth ziemlich schämen könnten. Er möchte, dass sie wissen, dass sein Ziel nicht darin bestand, sie dazu zu bringen, sich zu schämen, sondern sie vor einer erheblichen spirituellen Gefahr zu warnen – Stolz.

1. Kor 4,15: ‭Und selbst wenn ihr Tausende von strengen Aufsehern durch Christus hättet, so doch nicht viele Väter. Denn durch Jesus Christus und durch das Evangelium bin ich euch zum Vater geworden.‭

1. Kor 4,16: ‭So bitte ich euch: Nehmt mich zum Vorbild!‭

Paulus als Vorbild: Die erste Reaktion vieler Christen in Korinth wäre wahrscheinlich Entsetzen. „Imitieren dich , Paul? Sie gelten als Narr, als schwach, als entehrt; Sie sind hungrig und durstig und schlecht gekleidet, obdachlos und geschlagen; Sie arbeiten hart, um sich mit Handarbeit zu ernähren. Die Leute schauen dich an und sehen Dreck und den Abschaum aller Dinge. Und Sie wollen, dass wir es Ihnen nachmachen ?“

1. Kor 4,17: ‭Aus diesem Grund habe ich auch Timotheus zu euch geschickt. Durch den Herrn ist er ein geliebtes und treues Kind für mich geworden. Er wird euch an meine Weisungen für das Leben mit Christus erinnern. Sie entsprechen genau dem, was ich überall in jeder Gemeinde lehre.‭

1. Kor 4,18: ‭Einige von euch machen sich wichtig und behaupten, ich würde es nicht wagen, zu euch zu kommen.‭

1. Kor 4,19: ‭Doch wenn der Herr will, werde ich sehr bald bei euch eintreffen. Und dann werde ich nicht nur sehen, was an den Worten dieser Wichtigtuer dran ist, sondern auch, ob Kraft dahinter steckt.‭

Wir werden euch helfen! (1. Kor 4,17-21)

1. Kor 4,20: Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.

Worte von Martin Luther: Lieber Gott, dir sei Lob und Dank, dass du uns jeden Tag erhältst im Wort, im Glauben und im Gebet. So können wir in Demut und in Ehrfurcht vor dir leben, nicht pochen auf eigene Weisheit und Gerechtigkeit, eigene Erkenntnis und Stärke, sondern rühmen uns allein deiner Kraft. Martin Luther

1. Kor 4,21: ‭Was ist euch lieber? Soll ich mit dem Stock zu euch kommen oder mit Liebe und Nachsicht?

Stock oder Liebe: In diesem Abschnitt des Briefes stellte sich Paulus einigen der wirklichen Herausforderungen des Dienstes: Wie man der Sünde entgegentritt, ohne zu hart zu sein oder zu implizieren, dass man über der Sünde steht; wie man Menschen dazu bringt, ihr Leben dem Evangelium anzupassen, wenn sie zu hoch von sich selbst denken. Dies ist eine harte Herzensarbeit, und nur eine großartige Arbeit des Geistes kann sie vollbringen!

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste