Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Brief an die Kolosser (Kol) Kapitel 1:  Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Brief an die Kolosser (Kol) Kapitel 1

Kol 1,1-14: Dank und Fürbitte

Auslegung und Kommentar zu Kol 1,1-14

Kol 1,1: ‭Es schreiben Paulus, der nach dem Willen Gottes ein Apostel von Jesus Christus ist, und Timotheus, der Bruder.

Kol 1,2: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Kraft der Liebe: Dieser Brief – voller Liebe und Sorge, geschrieben an eine Gemeinde, die Paulus weder gegründet noch besucht hatte – zeigt die Kraft der christlichen Liebe. Paulus musste diese Christen nicht sehen, treffen oder direkt kennen, um sie zu lieben und sich um sie zu kümmern.

Kol 1,3: ‭Immer wenn wir für euch beten, danken wir Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Kol 1,4: Wir haben von eurem Glauben an Jesus Christus gehört und davon, wie ihr allen Christen in Liebe verbunden seid.

Das sind die zwei entscheidenden Seiten des christlichen Lebens: Treue zu Christus und die Liebe zu den Mitmenschen. Beides gehört zusammen. In der Nächstenliebe setzten wir letztlich unseren Glauben an Christus in die Tat um. Es geht darum, unser ganzes Tun, gerade das alltägliche in Beruf und Familie, mit Christus in Verbindung zu bringen, um ihn eben darin zu finden. In dieser Verbindung wird uns Christus nicht fragen, wie viel wir geleistet haben, sondern mit wie viel Liebe wir unsere Taten vollbracht haben.

Der Mensch ist so viel Mensch und so groß Mensch, als er liebt. Alfred Delp

Kol 1,5: ‭Ausgelöst wurde das durch die Hoffnung auf das, was im Himmel für euch bereitsteht. Von ihr habt ihr ja schon gehört, als die Wahrheit des Evangeliums zu euch kam.

Kol 1,6: ‭Diese Botschaft ist nicht nur bei euch, sondern auch in der ganzen Welt bekannt. Überall breitet sie sich aus und bringt Frucht. So ist es auch bei euch geschehen, seit ihr sie das erste Mal gehört und die Wahrheit der Gnade Gottes erkannt habt.

Kol 1,7: ‭Gelernt habt ihr das alles von Epaphras, der ein lieber Mitarbeiter für uns ist und ein treuer Diener von Christus – was euch zugutekommt.

Kol 1,8: ‭Er hat uns auch von der Liebe erzählt, die der Heilige Geist euch geschenkt hat.

Kol 1,9: ‭Seitdem hören wir nicht auf, inständig für euch zu beten. Wir bitten Gott, dass er euch erkennen lässt, was sein Wille ist, und dass er euch mit Weisheit und geistlichem Verständnis erfüllt.

Kol 1,10: Denn ihr sollt den Herrn mit eurem Leben ehren und ihn erfreuen mit allem, was ihr tut. Euer Leben wird dann als Frucht alle Art von guten Werken hervorbringen, und ihr werdet Gott immer besser verstehen.

Tun, was Gott gefällt: Herr, laß mich wissen, was ich wissen soll, lieben, was ich lieben soll; laß mich loben, was dir am meisten gefällt, schätzen, was in deinen Augen wertvoll ist, tadeln, was dein Auge beleidigt. Laß mich nicht nach dem äußeren Augenschein urteilen und nicht nach dem Hörensagen unerfahrener Menschen entscheiden” (Jes 11,3). Laß mich vielmehr in sachlicher Beurteilung das Sichtbare vom Geistigen unterscheiden und vor allem stets das Wohlgefallen deines Willens suchen. Nachfolge Christi

Kol 1,11: Ihr werdet auch die herrliche Kraft Gottes an euch erfahren, damit ihr alles geduldig und standhaft ertragen könnt.

Kol 1,12: ‭Dann werdet ihr mit Freude dem Vater danken, dass er euch fähig gemacht hat, an dem Erbe teilzuhaben, das für sein heiliges Volk im Licht bestimmt ist.

Kol 1,13: Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.

Hineinversetzt: Vor allem wollen wir uns das Gefühl der Freude und der Dankbarkeit zu eigen machen, dem er aufgrund der Tatsache entspringt, daß das Reich Christi, das »Los der Heiligen, die im Licht sind«, nicht etwas ist, das nur aus der Ferne gesehen wird, sondern daß es eine Wirklichkeit ist: wir sind berufen, an ihr Anteil zu haben, und durch das Erlösungswerk des Sohnes Gottes sind wir in sie hineinversetzt Benedikt XVI

Kol 1,14: ‭Ja, durch ihn, unseren Herrn, wurden wir freigekauft, und durch ihn sind uns die Sünden vergeben.

Kol 1,15-23: Christushymnus

Auslegung und Kommentar zu Kol 1,15-23

Kol 1,15: Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist.

Christushymnus: Mit Vers 15 beginnt der an Tiefe und Schönheit beeindruckende feierliche Christushymnus (Vers 15-20). Im alten Testament offenbart sich Gott vor allem in einer Wolke oder im Feuer, bleibt jedoch unsichtbar. Christus ist gekommen, damit wir durch ihn diesen bislang unsichtbaren Gott kennen lernen, wie er ist. Jesus sagte“ Wer mich sieht, der sieht den Vater (Joh 14, 9). Jesus ist die Vergegenwärtigung Gottes selbst, in dem die ganze Liebe und das ganze Leben Gottes zu uns kommt, einst, heute und in alle Ewigkeit. Begreifen wir das Geschenk dieser Gnade!

Ebenbild des unsichtbaren Gottes: Christus war immer schon bei Gott, also nicht nur vor seiner irdischen Existenz, sondern vor aller Schöpfung. Gott kann ohne ihn nicht gedacht werden. Auf diesen präexistenten Christus zielt der Begriff Bild des unsichtbaren Gottes.

Erstgeborener: Der Hymnus betrachtet zuerst die Bedeutung von Christus in der Schöpfungsgeschichte. Der Titel Erstgeborener bedeutet nicht, dass Jesus das zuerst erschaffene Wesen ist, sondern betont die Vorrangstellung Christi vor der ganzen Schöpfung. Der Titel Erstgeborener bezeichnet Ihn als den, der die erhabenste Stellung inne hat. Wenn alle Dinge in Ihm und durch Ihn geschaffen wurden, so wurden sie auch für Ihn geschaffen. Christus ist nicht nur der, durch den alle Dinge geworden sind, sondern er ist es auch, der sie am Leben erhält. Das alles kannst du auf dich beziehen. Du wurdest von ihm auf ihn hin geschaffen! Sei dir dessen stets bewusst. Du bist ein Teil von Gottes Schöpfung. Lass Jesus dieses Stück Schöpfung – eben dich – gut und heil machen.

Kol 1,16: Denn durch ihn ist alles, was es im Himmel und auf der Erde gibt, erschaffen worden: das Sichtbare und das Unsichtbare; Thronende und Herrschende; Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und für ihn geschaffen.

Alles durch ihn: Als solcher war er bei der Schöpfung dabei. Es gibt es nichts Geschaffenes, dessen Existenz ohne ihn zu denken ist. Das entscheidende Wort lautet daher „Alles“. Denn dass genau will ja der Kolosserbrief zeigen: Es gibt keinerlei Grund, irgendeine andere Macht in Betracht zu ziehen (Gestirne, Elemente etc.) außer Jesus Christus.

Kol 1,17: Er steht über allem und alles besteht durch ihn.

Kol 1,18: Er ist auch das Haupt der Gemeinde, und die Gemeinde ist sein Leib. Er ist der Anfang, und er ist als Erster von den Toten zu einem unvergänglichen Leben auferstanden. In jeder Hinsicht sollte er der Erste sein.

Kol 1,19: ‭Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen

Kol 1,20: ‭und durch ihn alles mit sich versöhnen. Durch sein Blut am Kreuz schloss er Frieden mit allem, was es auf der Erde und im Himmel gibt.

Versöhnt und in Frieden: Der Hymnus betrachtet nun die Bedeutung von Christus als Retter in der Erlösungsgeschichte. Dazu Gedanken von Bonhoeffer: Gott ist ein Gott des Tragens. Der Sohn Gottes trug unser Fleisch, er trug darum das Kreuz, er trug alle unsere Sünden und schuf durch sein Tragen Versöhnung. Die Gestalt des Jammers und des Schmerzes. So sieht der Weltversöhner aus. Die Schuld der Menschheit ist auf ihn gefallen. So teuer wird Gott die Versöhnung mit der Welt. Nur indem Gott an sich selbst das Gericht vollzieht, kann Friede werden zwischen ihm und der Welt und zwischen Mensch und Mensch. Das Geheimnis dieses Leidens und Sterbens ist die Liebe Gottes zum Menschen. Was Christus widerfuhr, das widerfuhr in ihm allen Menschen. In der Gestalt des Gekreuzigten erkennt und findet der Mensch sich selbst. Von Gott angenommen, im Kreuze gerichtet und versöhnt, das ist die Wirklichkeit der Menschheit: Gott hat Frieden gestiftet, als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss.

Kol 1,21: ‭Das gilt auch für euch. Ihr wart weit von Gott entfernt, ihr wart seine Feinde; und diese Gesinnung zeigte sich in eurem bösen Tun.

Kol 1,22: ‭Doch nun hat Gott euch mit sich ausgesöhnt. Jesus Christus hat seinen Körper dafür in den Tod gegeben. So steht ihr nun heilig, unangreifbar und ohne jeden Makel vor Gott,

Kol 1,23: ‭wenn ihr wirklich im Glauben fest gegründet bleibt und euch auch nicht von der Hoffnung abbringen lasst, die euch mit dem Hören des Evangeliums geschenkt wurde. Diese Freudenbotschaft  ist in der ganzen Welt gepredigt worden; und ich, Paulus, stehe in ihrem Dienst.

Kol 1,24-29: Diener der Kirche für alle

Auslegung und Kommentar zu Kol 1,24-29

Kol 1,24: Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Ich ergänze in meinem irdischen Leben, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt an seinem Leib, der die Kirche ist.

Freude in den Leiden: Paulus freut sich an seinen Leiden weil sie einen größerem wertvollen Ziel dienen. In seinem Körper (welches die Leiden physisch erfährt) ergänzt er die Leiden von Christus in dem Sinne, dass seine Hörer des Evangeliums physisch daran erinnert werden, dass Christus am Kreuz gelitten hat und dass dieses Leid rettendes Leid war, also stellvertretendes Leid, welches zur Versöhnung mit Gott geführt hat. Die Leiden des Paulus haben einen realen Nutzen für die Kolosser, für den Leib Christi, für die Gemeinde. Dierk Müller

Kol 1,25: Ihr Diener bin ich geworden gemäß dem Heilsplan Gottes, um an euch das Wort Gottes zu erfüllen.

Wort Gottes erfüllen: Er ist ein Botschaftsüberbringer zum Nutzen der Gemeinde geworden, indem er das Wort Gottes vervollständigt im Sinne, dass sein Leiden das Leiden von Christus präsent werden lässt. Auch an dieser Stelle verstärkt Paulus die Gewissheit der Kolosser, dass das Evangelium zuverlässig ist, denn es wurde direkt von Gott gegeben und wird von Paulus treu verwaltet. Dierk Müller

Kol 1,26: Er ist jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart wurde.

Kol 1,27: Dabei geht es um ein unbegreifliches Wunder, das Gott für alle Menschen auf dieser Erde bereithält. Ihr, die ihr zu Gott gehört, dürft dieses Geheimnis verstehen. Es lautet: Christus lebt in euch!

Kol 1,27: Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Völkern ist: Christus ist unter euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit.

Sieben Worte: Der Kolosserbrief auf sieben Worte konzentriert ist dann im Höhepunkt dieses Abschnittes zu finden: Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit! Es ist Christus, das Wissen um Ihn und Seinen Kreuzestod, welcher der Garant für das zukünftige Erbe ist: inhaltlich beschrieben als den unendlich freudigen Genuss von Gottes genialer Schönheit und Perfektion.

Christus lebt in uns: Das ist der Kern des Christentums. Gott ist uns nahe, so nahe, dass er sogar in uns lebt. An keinen Ort müssen wir gehen, zu keiner Zeit müssen wir hier oder dort sein. Zu jeder Zeit und an jedem Ort können wir ihn anbeten, der in uns ist, können wir seine Hilfe erbitten, da er uns hört. Christus lebt in euch. Welch großes Geheimnis: Gott schenke euch tiefes Verstehen, damit ihr die ganze Größe seines Geheimnisses erkennt.

Abbild Christi sein: Wir haben nur ein Ziel, und zwar nicht das Ziel, etwas zu tun, sondern das Ziel, etwas zu leben: das Abbild Jesu Christi zu sein, indem wir sein Evangelium leben. Unsere Spiritualität besteht letztendlich darin: Jesus zu sein, Jesus zu leben, Jesus zu sterben. Jede Art von Regel kehrt immer wieder dahin zurück. Das ist das Fundament für alles; ein Fundament, ohne das wir nichts tun und nichts erleiden könnten. Es geht darum, dass wir uns selbst absterben und zulassen, dass Christus durch seinen Geist heute in uns Gestalt annimmt. Der heute lebende Jesus. Madeleine Delbrêl

Hoffnung auf Herrlichkeit: Der Gedanke, dass dieses Leben alles ist, worin meine Existenz besteht wäre gruselig. Wenn er wahr wäre, würde ich irreversibel verzweifeln. Aber ich habe Hoffnung. Und zwar mehr als Hoffnung auf die Art, wie wir im Alltag “Hoffnung” beschreiben. Ich habe mehr als eine vage positive Erwartung, dass es doch mehr geben könnte, als dass alles vorbei ist, wenn ich sterbe oder gar eine ewige Hölle mein Schicksal sein könnte. Ich habe eine freudige Gewissheit, eine Vorfreude auf paradiesisches Leben nach dem Tod, die gegründet ist auf etwas sicherem, zuverlässigerem als alles, was in dieser Welt als sicher gilt. Meine Hoffnung auf ewiges Leben ist gegründet auf die Wahrhaftigkeit des Allmächtigen Gottes, der nicht lügen kann. Meine Hoffnung ist sogar auf noch mehr gegründet als auf Gottes Zusagen von Güte und Barmherzigkeit mir gegenüber. Sie steht felsenfest mit Gottes eigenem Interesse sich selbst in Seinem Sohn zu verherrlichen. Dierk Müller

Kol 1,28: Ihn verkünden wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden Menschen in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen darstellen in Christus.

Kol 1,29: Dafür mühe ich mich und kämpfe ich mit Hilfe seiner Kraft, die machtvoll in mir wirkt.

Arbeit in Gottes Kraft: Zu beachten ist, dass mühevolles Arbeiten ausgeglichen mit Gottes Kraft in die in mir wirkt balanciert. Man könnte meinen, dass Gottes großartige und effektive Kraft erschöpfendes, mühevolles Arbeiten unnötig macht. Aber Gottes wirksame Kraft beseitigt nicht Schwierigkeiten und mühevolles Ringen um Sein Reich, sondern befähigt diese Arbeit um das Ringen für das Reich Gottes und macht menschliche Anstrengung effektiv, übernatürliche Resultate zu erreichen. Dierk Müller

Spirituelle Bedeutung der Arbeit: Wir sind dann reich, wenn wir in unserer Arbeit etwas gefunden haben, dem wir uns mit Leib und Seele widmen können und sie nicht nur teilnahms- und seelenlos ableisten. Unter vielem anderen gibt eben auch deine Arbeit deinem Leben Sinn. Und Christus gibt dir die Kraft dazu. Zugleich ist es unerläßlich, daß du dich von der Arbeit nicht versklaven läßt, daß du sie nicht zum Götzen macht, indem du meinst, in ihr den letzten und endgültigen Sinn deines Lebens zu finden. Arbeit ist gut und notwendig, aber wenn sie im Leben einen Platz einnimmt, für den sie nie gedacht war, dann wird etwas an sich Gutes zu unserem Feind, der an uns zehrt und uns verzehrt.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Brief an die Kolosser (Kol) Kapitel 1.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste