Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Brief an die Galater: Kap. 6 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Brief an die Galater Kap. 6

Tragt die Lasten gemeinsam! (Gal Kap. 6)

Gal 6,1: Zurechtweisen mit Sanftmut

Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst! Gal 6:1

Die Formulierung des Paulus spricht hier nicht von einem entschlossenen und verhärteten Sünder. Wenn wir die Worte des Apostels sorgfältig abwägen, stellen wir fest, dass er nicht von Lehrfehlern und Irrtümern spricht, sondern von viel geringeren Fehlern, von denen ein Mensch durch die Schwäche seines Fleisches heimgesucht wird. Die Wiederherstellung muss immer in einem Geist der Sanftmut erfolgen , mit vollem Verständnis unserer eigenen Schwäche und Verderbtheit. Dies deutet darauf hin, dass Sanftmut aus einem Gefühl unserer eigenen Schwäche und Neigung zur Sünde entsteht.

Gal 6,2: Tragt einander 

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Gal 6,2

Dieser Vers hat mich im Frühjahr lange begleitet. Er ist mir wichtig geworden in der Vertiefung der Nächstenliebe im gelebten Alltag, wo ich bei so einigen Menschen nicht von Herzen sagen kann, dass ich sie liebe. Resignieren? Nein! Das Gesetz Christi ist die Liebe. Hier dürfen wir kein Deut davon abrücken. Die Liebe allerdings ist facettenreich. Es gibt neben der tiefen, emotionalen Liebe, wo zwei eins sind, auch die Liebe, die erträgt ohne das große Gefühl. Einer trage des anderen Last – hier geht es darum, den anderen in seinem niemals perfekten und mich auch manchmal störenden Sosein zu ertragen, ihm nie die Türe zu schließen auf Basis der Selbsterkenntnis, dass wir keinen Deut besser sind, sondern genauso von der Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes abhängig sind. Es geht darum die Last der Menschlichkeit des anderen zu tragen.

Akzepziere, dass andere einen eigenen Willen und eine eigene Persönlichkeit haben. Wir müssen das Verhalten des anderen nicht zwanhaft gut heißen, aber der andere hat das Recht auf seine eigene Sichtweise. Du selbst willst sicherlich auch nicht, dass andere dich da grundlegend verändern wollen, geschweige denn, ob das überhaupt geht. Die Ecken und Kanten anderer zu akzeptieren ist eine tägliche Herausforderung. Was der Mensch an sich oder anderen nicht bessern kann, muß er geduldig tragen, bis Gott es anders fügt. Denn keiner ist ohne Fehler

Wir alle müssen die Fehler der anderen ertragen können und dürfen uns darüber nicht wundern. Sind wir auch selbst einmal eine Zeitlang in keinen Fehler gefallen, so kommt doch wieder eine Zeit, da wir in einem fort fallen und einen groben Fehler nach dem anderen begehen werden.

Gal 6,3: Warnung vor Stolz

Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst. Gal 6:3

Stolz hindert uns daran, die Last des anderen zu tragen und das Gesetz Christi zu erfüllen . Oft ist es der Stolz, der uns davon abhält, einander so zu dienen, wie wir es sollten. Stolz ist vor allem Selbstbezogenheit. Stolz sagt nicht unbedingt: „Ich bin besser als du.“ Stolz sagt einfach: „Ich bin wichtiger als du, also verdiene ich mehr meiner eigenen Aufmerksamkeit und Liebe als du. Stattdessen sagt uns die biblische Demut: „Ich bin nicht wichtiger als du. Überlassen Sie mir Ihre Lasten und Nöte.

Es gibt wenige Dinge, die selbsttäuschender sind als der Stolz. Stolz zu sein bedeutet, blind zu sein – blind für die frei gegebene Gunst und Gaben Gottes, blind für unsere Sünde und Verderbtheit, blind für das Gute in anderen und blind für die Dummheit der Egozentrik.

Gal 6,4: Das Leben prüfen 

Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben. Gal 6:4

Den eigenen Lebenswandel gilt es immer wieder zu prüfen. Wir werden sicherlich neben unseren Schwächen auch einiges Gutes erkennen. Darüber dürfen, ja sollen wir uns freuen, denn es ist ja Gottes Geschenk, dass er in uns gewirkt hat. Vor Stolz und Überheblichkeit sollen wir uns dagegen hüten. Bin ich der überheblichen Überzeugung, der einzige Urheber meiner guten Taten zu sein, verschließe ich mich in der Folge in mein eigenes Ego und trenne mich selbst vom Urheber des Lebens.

Wer sich nur auf sich selbst verlässt, den erwartet der ewige Tod. Wer sich aber durch den Geist Gottes führen lässt, der wird durch ihn ewiges Leben empfangen. Gal 6:8

Gal 6,7: Säen und ernten

Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten. Gal 6:7‭-‬8

Der Bauer erntet das gleiche, was er gesät hat, aber nicht genau. Aus der Apfelsaat wachsen nicht nur mehr Apfelkerne, sondern mehr Äpfel mit Kernen. Wenn wir jedoch – auch mit materiellen Dingen – auf den Geist säen, ernten wir nicht unbedingt materielle Dinge, sondern etwas Besseres: vom Geist ernten wir ewiges Leben.

Gal 6,9: Gutes tun 

Lasst uns also nicht müde werden, Gutes zu tun. Gal 6:9

Nur Gott kann uns verändern. Aus uns selbst heraus können wir nichts. Gott hat uns zur Vollkommenheit berufen und uns ein vollkommenes Herz gegeben. Es auszubilden ist ein Prozess, der Vertrauen, Geduld und Zeit benötigt. Wenn wir der Wahrheit ins Auge sehen, unsere Fehler zugeben und unser Vertrauen auf Gott setzen, dass er uns verändert, werden wir auch die Folgen sehen: dass wir in ihm und durch ihn, immer mehr dazu befähigt werden, Gutes zu tun. Aber wir müssen seinem Zeitplan dabei vertrauen. Veränderungen geschehen nicht immer dann, wenn wir meinen, dass sie stattfinden sollten.

Solange uns noch Zeit bleibt, wollen wir allen Menschen Gutes tun, vor allem aber denen, die mit uns an Jesus Christus glauben. Gal 6:10

Gal 6,14: Sich des Kreuzes rühmen 

Ich aber kenne nur einen Grund zum Rühmen: das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Weil er starb, starb auch diese Welt für mich, und ich bin tot für ihre Ansprüche und Forderungen. Gal 6:14

Wir suchen und rühmen allein das Kreuz. Hier findet Jesus, der groß war, weil er Gott ist, seine Erhöhung und Verherrlichung. Was bleibt dann anderes zu tun, als ihm auf diesem Weg zu folgen: dem Weg der liebenden Hingabe, der auch das Leiden mit einschliesst. Gott richtet durch seinen Sohn von der Höhe des Kreuzes herab seinen großen Appell der Liebe an uns, als neue Menschen zu leben. Es ist daher tausendmal mehr wert, mit unserem Herrn zu sterben, als ohne ihn zu leben. Leben wir also froh und tapfer für ihn.

Beim Kreuz hat der Mensch nichts zu sagen. Es ist nicht mein Kreuz, sondern das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Meine Sünde war das Einzige, womit ich an Christi Kreuz beteiligt war. Meine Sünde hat mit seinem Kreuz zu tun, denn sie brachte Ihn dorthin. Wenn ich erkenne, was das Kreuz ist, vernichtet es mein Eigenlob und bringt auch Wahrheit ins Innere. Danke, Jesus, für alles, was du am Kreuz vollbracht hast. Dank sei dir, von dem alles Gute kommt, sooft es mir wohlergeht! Ich aber bin vor dir eine Leere und ein Nichts, ein unbeständiger, schwacher Mensch. Wessen könnte ich mich rühmen? Lass mich mit dir gekreuzigt sein, dass die Selbstverliebtheit und der Ehrgeiz nicht mehr unter dem Kreuz hervorkriechen können.

Wir suchen keinen anderen Schatten als den des Kreuzes, kein anderes Mahl, als uns hier bereitet ist. Ihm gelten unsere Tränen und unser Rufen. Wir wollen keine andere Nahrung als die Früchte des Kreuzes. Es sei uns ferne, uns in irgendetwas anderem zu rühmen. Wenn Jesus, der groß war, weil er Gott ist, im Kreuz seine Erhöhung und Verherrlichung findet, was bleibt dann anderes zu tun,was bleibt anderes zu sagen als: Habt in euch die gleiche Gesinnung, wie sie auch in Jesus Christus war. Unser Heil ist, daß unser Herr uns im Kreuz erlöst hat. Denn obwohl alle Akte seines Lebens, selbst die geringsten, unendlich hinreichend waren, unser Heil zu wirken, war es dennoch der Wille seines göttlichen Vaters und sein eigener, daß es nicht anders vollendet werde als im Kreuz. Grund genug, uns seiner zu rühmen! Franz von Sales

Leben Sie ganz in Unserem Herrn. Er soll die See sein, auf der Ihr Herz sich bewegt. Und so wie die Seiltänzer in ihren Händen immer die Balancestange halten, um ihren Körper richtig im Gleichgewicht zu halten in den vielfachen Bewegungen, die sie auf einem so gefährlichen Stand auszuführen haben, so sollen auch Sie das heilige Kreuz Unseres Herrn festhalten, damit Sie sicher gehen in den Gefahren, welche die verschiedenartigen Begegnungen und Unterhaltungen für Ihre Gefühle bedeuten könnten. Auf diese Weise werden all Ihre Regungen ausgeglichen sein durch das Gegengewicht des einzigen und so liebenswerten Willens dessen, dem Sie Ihren ganzen Leib und Ihr ganzes Herz geweiht haben. Franz von Sales

Gal 6,15: Schluss

Wichtig ist allein, dass wir durch Christus zu neuen Menschen geworden sind. Gal 6:15

Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt Dein Auge mich an, und ich lebe aus Deinem Blick, Du mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich, in der Stille Deiner Gegenwart das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin. Und dass ich bin durch Dich und vor Dir und für Dich. Romano Guardini

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch, liebe Brüder und Schwestern. Amen! Gal 6:18

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste