Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Brief an die Galater (Gal) Kapitel 4:  Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Brief an die Galater (Gal) Kapitel 4

Gal 4,1-7: Kinder Gottes

Auslegung und Kommentar zu Gal 4,1-7

Gal 4,1: ‭Ich will Folgendes sagen: Solange der Erbe minderjährig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl ihm doch alles gehört.

Gal 4,2: ‭Bis zu dem Termin, den der Vater bestimmt hat, ist er von Vormündern und Vermögensverwaltern abhängig.

Gal 4,3: ‭Genauso ging es auch uns. Als Unmündige waren wir unter die Prinzipien der Welt versklavt.

Gal 4,4: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau.

Geboren von einer Frau: Nicht durch eine Frau geboren, sondern von einer Frau geboren. Wäre der Sohn Gottes nur durch eine Frau geboren worden, so hätte er unsere Menschlichkeit nicht wirklich angenommen, was er aber getan hat, indem er von Maria Fleisch annahm. Jesus als göttliche Person hat unsere menschliche Natur voll angenommen. Er ist der Sohn Gottes, von Ihm gezeugt, und gleichzeitig ist er Sohn einer Frau, Sohn Marias. Er kommt von ihr. Er ist von Gott und von Maria.

Gal 4,6: Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreit: Abba, lieber Vater!

Kinder Gottes: Alle, die glauben sind aus Gott geboren, haben teil am göttlichen Leben, als Söhne und Töchter im Sohn. Wir haben den Geist Jesu in unsere Herzen gesendet bekommen. Durch Ihn rufen wir Abba, Vater! Abba ist die vertrauensvolle Gottesanrede im Aramäischen, der Sprache Jesu. Durch den Heiligen Geist empfängt der Gläubige das Bewusstsein seiner Beziehung zu Gott als seinem Vater. Gott kommt uns nahe, und wir dürfen ihm nahe kommen.

Haben sie ihr Herz weit offen vor Gott. Gehen Sie Ihren Weg in seiner Gegenwart immer fröhlich weiter. Franz von Sales

Gal 4,7: So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.

Erbe Gottes: Das ist eine schöne Entwicklung. Zuerst werden wir von der Sklaverei befreit. Dann werden wir zu Söhnen erklärt und in Gottes Familie aufgenommen. Dann werden wir als Söhne zu Erben gemacht. Erben erben etwas, und Paulus machte deutlich, was wir erben: ein Erbe Gottes durch Christus . Wir erben Gott selbst. Für manche mag dies wie ein kleines Erbe erscheinen. Doch für diejenigen, die wirklich in Christus sind und die Gott wirklich lieben, ist es das reichste Erbe von allen , ein Erbe Gottes zu sein.

Gal 4,8-20: Sorge um die Gemeinden

Auslegung und Kommentar zu Gal 4,8-20

Gal 4,8: Früher, als ihr Gott nicht kanntet, habt ihr Göttern, die in Wirklichkeit gar keine sind, wie Sklaven gedient.

Gal 4,9: Aber jetzt kennt ihr Gott – besser gesagt: Gott kennt euch –, wie kann es da sein, dass ihr euch wieder diesen armseligen und schwachen Prinzipien zuwendet und ihnen erneut wie Sklaven dienen wollt?

Gal 4,10: Ihr fangt an, auf besondere Tage, Monate, Zeiträume und Jahre zu achten.

Gal 4,11: Ich fürchte, dass meine Arbeit an euch vergeblich gewesen ist.

Gal 4,12: Ich bitte euch, liebe Geschwister, werdet so wie ich, denn auch ich bin so wie ihr geworden. Nein, ihr habt mir kein Unrecht getan.

Gal 4,13: Ihr wisst doch, wie ich zum ersten Mal bei euch war und euch das Evangelium verkündigte. Ich war krank,

Gal 4,14: und mein Zustand war anstößig für euch. Dennoch habt ihr mich nicht verachtet oder verabscheut. Im Gegenteil, ihr habt mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, ja wie Jesus Christus selbst.

Gal 4,15: Wo ist die glückliche Freude von damals nur geblieben? Ich kann euch bezeugen: Wenn es möglich gewesen wäre, hättet ihr euch die Augen ausgerissen und mir gegeben.

Gal 4,16: Bin ich jetzt euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit vorhalte?

Gal 4,17: Diese Leute wollen euch nur gewinnen, und nicht für etwas Gutes. Sie wollen einen Keil zwischen uns treiben, damit ihr euch um sie bemüht.

Gal 4,18: Natürlich ist es immer gut, sich für einen guten Zweck zu bemühen, und das auch nicht nur, wenn ich bei euch bin.

Gal 4,19: Meine Kinder, um die ich noch einmal Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt.

Geburtswehen: Paulus vergleicht sich selbst mit einer Mutter, die den Galatern eine geistliche Geburt gab. Paulus wird weiter arbeiten, bis für die Galater Weihnachten ist und Jesus in ihnen Gestalt annimmt. Er vergleicht seinen Schmerz also mit den Wehen einer Geburt. Er hatte zuvor bei ihrer Bekehrung, als sie geboren wurden, mit ihnen gearbeitet; jetzt hat ihr Rückfall ihm eine weitere Entbindung verursacht. Er hat wieder Wehen. Das erste Mal hatte es eine Fehlgeburt gegeben. Dieses Mal sehnt er sich danach, dass Christus wirklich in ihnen geformt wird.

Bis Christus in euch Gestalt gewinnt: Wir haben Christus allein durch Glauben empfangen und deshalb müssen wir unser Leben auch ganz im Glauben leben. Wir sehen ein, dass wir Veränderung nötig haben und wir werden immer wieder von uns selbst enttäuscht, ja verurteilt, wenn sie nicht geschieht. Die Kraft, die wir einsetzen, um uns zu ändern, sollten wir noch mehr ins Beten stecken und ins Vertrauen darauf, dass Gott seinen Teil tut. Durch meinen Glauben wirkt Gott in mir und ich werde wunderbare Verwandlungen erleben. Lasse Gott in deinem Leben Gott sein! Statt zu sagen: Ich werde mich nie ändern, sage: Gott wirkt in mir, während ich ihm vertraue. Gott stärkt mich in meinen Schwächen und hilft mir, schlechte Gewohnheiten zu überwinden.

Daran liegt Paulus, dass die Galater das begreifen: Dass er Schmerzen hat um ihretwillen, nicht aus Trauer und Enttäuschung, sondern Geburts-schmerzen, wie er es nennt. Weil es darum geht, ihre Kindschaft zu erneuern, die sie verloren haben, indem sie sich einem anderen Evangelium geöffnet haben. Er hält inne. Mitten im Schreiben fällt ihm plötzlich ein, wie es war, damals, als er um die Galater warb, und wie es wäre, wenn er auch jetzt bei ihnen sein könnte. Er macht sich klar, in welcher Beziehung er zu ihnen steht, und nennt sie Kinder, seine Kinder. Das hat er den anderen voraus, die sich jetzt dort eingeschlichen haben: Dass sie seine Kinder sind und nicht ihre; seine Kinder sind sie, weil sie von ihm das Evangelium empfangen haben. Eigentlich müsste er ja von ihrem Neusein durch das Evangelium sprechen, aber er nennt sie seine Kinder, allein seine Kinder, weil sie von ihm und nur von ihm das Evangelium in seiner Ursprünglichkeit authentisch und in apostolischer Autorität empfangen haben. Diese Kindschaft ist nicht ungeschehen zu machen, ist nicht wegzuwischen. Zu erneuern ist sie, neu zur Geltung zu bringen. Das ist seine apostolische Mission. Friedrich Scharbau

Gestaltungwerdung: Was für eine Verschränkung von Gottheit und Menschheit, was für eine Entgrenzung menschlichen Denkens und Hoffens und Wartens, was für eine Beschreibung unseres Glaubens: Gestaltwerdung Christi in uns. In diesem erbärmlichen, hinfälligen menschlichen Leib, in dem ein verzagtes, ängstliches Herz seinen unregelmäßigen Takt schlägt, da soll Er Gestalt gewinnen und gegenwärtig sein. 

Gal 4,20: Gern wäre ich jetzt bei euch, um in anderem Ton zu euch zu sprechen, denn ich weiß nicht, woran ich mit euch bin.

Gal 4,21-31: Beispiel von Hagar und Sara

Auslegung und Kommentar zu Gal 4,21-31

Gal 4,21: Ihr wollt euch dem Gesetz unterwerfen? Sagt mir: Hört ihr denn das Gesetz nicht?

Gal 4,22: Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte. Einer war von seiner Sklavin und einer von seiner Frau.

Hagar und Sara: Hagar, die Sklavin Abrahams aus dem ersten Buch Mose, bekam einen Sohn. Dieser Sohn konnte nur ein Knecht sein, da er von einer Magd geboren wurde. Hagar ist ein Bild des Gesetzes und das Gesetz kann (auch) nur zur Knechtschaft führen. Sara, die Mutter Isaaks und die Frau Abrahams, war frei. Deshalb war auch ihr Sohn Isaak frei. Sara ist ein Bild von der freien Gnade Gottes, die bedingungslose Verheißungen gibt und zur Freiheit führt.

Der Unterschied zwischen einem Sohn und einem Sklaven verdeutlicht eindrucksvoll den Unterschied eines Lebens in der Gnade und eines Leben unter Gesetz. Der Sohn hat Gemeinschaft mit seinem Vater, kennt seine Gedanken, ist sich seiner Liebe bewusst und handelt aus Liebe, um dem Vater zu gefallen. Die Arbeit für den Vater bringt ihm Freude. Der Sklave aber kennt das Herz des Vaters nicht. Er versucht, einfach sein Programm abzuarbeiten.  Er wird motiviert, pflichtbewusst zu sein, weil er die Strafe fürchtet. So empfindet er die Arbeit oft als Zwang und Belastung. Gerrid Setzer

Gal 4,23: Der Sohn der Sklavin wurde auf die gewöhnliche Weise geboren. Der Sohn seiner Frau aber war die Folge einer Zusage Gottes.

Gal 4,24: Das muss im übertragenen Sinn verstanden werden: Die zwei Frauen bedeuten nämlich zwei Bundesschlüsse. Der eine ist der vom Berg Sinai, der Sklaven hervorbringt. Das ist Hagar.

Gal 4,25: Hagar steht für den Berg Sinai in Arabien, entspricht aber gleichzeitig dem jetzigen Jerusalem, weil das mit seinen Kindern in Sklaverei lebt.

Gal 4,26: Das Jerusalem droben im Himmel ist jedoch frei. Und das ist unsere Mutter.

Gal 4,27: Von ihr steht geschrieben: „Freue dich, du Unfruchtbare, obwohl du keine Kinder gebierst. Juble und jauchze, obwohl du keine Wehen bekommst. Denn die vereinsamte Ehefrau hat viel mehr Kinder als die von ihrem Mann vorgezogene.

Gal 4,28: Doch ihr, liebe Geschwister, seid wie Isaak Kinder der Zusage Gottes.

Gal 4,29: Allerdings verfolgte schon damals der auf normale Weise geborene Sohn den, der sein Leben dem Geist Gottes verdankte. So ist es auch heute.

Gal 4,30: Aber was sagt die Schrift dazu? Jage die Sklavin und ihren Sohn fort! Der Sohn der Sklavin soll nicht mit dem Sohn der freien Frau zusammen Erbe werden.

Gal 4,31: Deshalb sind wir, liebe Geschwister, nicht die Kinder einer Sklavin, sondern die einer freien Frau.

Sozusagen zwei Stammbäume sehen wir in dieser schwierigen Lesung: den Stammbaum der Knechtschaft und den Stammbaum der Freiheit. Die erste Reihe beginnt bei Abraham und Hagar; der Sohn der Sklavin Hagar erinnert an die Unfreiheit des Gesetzes; das Gesetz hat seinen Ursprung am Sinai und seinen gegenwärtigen Ort im irdischen Jerusalem. Die zweite Reihe beginnt ebenfalls bei Abraham; sie führt über Sara, die Freie, und über Isaak zum himmlischen Jerusalem, zur Freiheit. Das ist rabbinische Schriftauslegung, die dem heutigen Leser nicht ohne weiteres einleuchtet, aber was Paulus sachlich hier sagen will, ist klar. Die Galater stehen vor der Wah1 zwischen dem irdischen Jerusalem, dem Gesetz, der Unfreiheit und dem himmlischen Jerusalem, das die freie Mutter von freien Kindern ist. Die Wahl sollte nicht schwer fallen, wenn die Frage erst einmal klargestellt und gesehen ist. Sie stellt sich dem heutigen Christen in anderer Form, aber nicht weniger beunruhigend. ­Erzabtei Beuron


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Brief an die Galater (Gal) Kapitel 4.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste