Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Brief an die Galater: Kap. 2 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr einen Kommentar und eine Auslegung zum Brief an die Galater Kap. 2

Paulus, von den Aposteln anerkannt (Gal 2,1-10)

Auseinandersetzung: Paulus und Petrus (Gal 2,11-21)

Gal 2,16: Trotzdem wissen wir inzwischen sehr genau, dass wir nicht durch Taten, wie das Gesetz sie von uns fordert, vor Gott bestehen können, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus.

Gal 2,16: So sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Werken des Gesetzes, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch gerechtfertigt wird.

Befreiende Erkenntnis: Bin ich das, was ich leiste und vorweisen kann? Oder bin ich das, was andere von mir sagen? Oder bin ich etwa das, was ich an Defiziten an mir erkenne und möglichst verberge? Paulus gibt hier eine befreiende Antwort. Klar, bemühen wir uns ein Leben zu führen, wie es Gott entspricht. Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, dass Jesus Christus in mir lebt, der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahin gegeben hat. Dies ist eine befreiende Erkenntnis. Ich kann meinen Leistungswahn, meinen Perfektionismus, meinen Konkurrenzkampf u.v.m. kreuzigen. Denn es entsteht ein in Christus gegründetes Selbstbewusstsein. Ich bin geliebt, wertgeschätzt mit allem, trotz allem.

Im Wesentlichen sagte Paulus: Es ist mehr Sünde , wenn wir versuchen, durch unser Halten der Gesetze Akzeptanz vor Gott zu finden, als Sünde im täglichen Leben eines Christen.

Gal 2,19: Nun bin ich aber durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, um für Gott zu leben.

Wie starb Paulus für das Gesetz? Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben. Das Gesetz selbst „tötete“ Paulus. Es zeigte ihm, dass er niemals dem Gesetz gerecht werden und seinen heiligen Standard erfüllen konnte. Lange bevor Paulus Jesus kannte, dachte er, Gott würde ihn wegen seiner Gesetzestreue annehmen. Aber er kam an den Punkt, wo er das Gesetz wirklich verstand – es so zu verstehen, wie Jesus es in der Bergpredigt erklärte – und dann erkannte Paulus, dass das Gesetz ihn vor Gott schuldig machte. Dieses Schuldgefühl vor Gott „tötete“ Paulus und ließ ihn erkennen, dass es nicht die Lösung war, das Gesetz zu halten.

Worte von Anselm Grün: Dieses Wort gilt es immer tiefer in das eigene Herz hineinfallen zu lassen, damit Christus unsere innerste Wirklichkeit wird. Dann werden wir frei vom eigenen Ego, von den Illusionen, die wir uns vom Leben gemacht haben, aber auch frei von den Maßstäben dieser Welt, von dem Druck, von allen bestätigt und anerkannt zu werden. All diese Maßstäbe sind durch Christus gekreuzigt, durchgestrichen, damit nun Christus in uns lebt. Wenn Christus in uns lebt, dann sind wir heil und ganz, dann kommen wir in Berührung mit dem ursprünglichen Bild, das Gott sich von jedem von uns gemacht hat. Die Erfahrung der Freiheit ist für Paulus Ausdruck der mystischen Erfahrung des Einswerden mit Jesus Christus. Anselm Grün

Gal 2,20: Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hinge­geben hat.

Gal 2,20: Ich bin mit Christus gekreuzigt und nun lebe ich, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Mein vergängliches Leben auf dieser Erde lebe ich im Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sein Leben für mich gegeben hat.

Geliebt von Jesus: Früher basierte Pauls Beziehung zu Gott auf dem, was er für Gott tun konnte, sein Glaube war in sich selbst. Nun war die Grundlage das, was Jesus Christus für ihn getan hatte, sein Glaube war in Jesus. Und Paulus fand einen wunderbaren Menschen, an den er glauben konnte! Es war eine Person, die ihn liebte . Es war eine Person, die diese Liebe demonstrierte, als er sich für Paulus hingab. Paulus kann sich Jesus vertrauensvoll hingeben, aufgrund der Liebe, die Jesus in der Vergangenheit gezeigt hat. Es ist wahr, dass er uns jetzt liebt, aber Paulus schrieb auch wahrheitsgemäß: Der mich geliebt hat. Das Verb steht in der Vergangenheitsform. Jesus hat mich am Kreuz geliebt; liebte mich in der Krippe von Bethlehem; liebte mich, bevor die Erde war. Es gab nie eine Zeit, in der Jesus sein Volk nicht liebte.

Ich, doch nicht mehr ich: Das ist und bedeutet Jesu Auferstehung für unser Leben. Wer das Herz des Menschen gewonnen hat, besitzt den ganzen Menschen. Jesus hat unser Herz gewonnen. Wir verzichten auf das Selber-sein-Wollen. Am auferstandenen Herrn halten wir uns fest, und wir wissen: Er hält uns fest! Beachte: An ihm halten WIR uns fest, so halten wir auch einander fest, werden ein Leib in ihm. Im Glauben dehnt sich das Ich des Glaubenden aus, um von einem Anderen bewohnt zu sein, um in einem Anderen zu leben, und so weitet sich sein Leben in der Liebe. Wenn wir so leben, gestalten wir die Welt um in der Kraft der Auferstehung. Das Ich selber, die eigentliche Identität des Menschen ist verändert worden. Er existiert noch und er existiert nicht mehr. Er ist durch ein Nicht hindurchgegangen und steht immerfort in diesem Nicht. Ich, doch nicht mehr ich. Das eigene Ich wird mir genommen und eingefügt in ein größeres, den Leib Jesu Christi. In diesem neuen Existenz-Raum bin ich ein Verwandelter und Aufgebrochener. Wir sind in die Liebe Christi hinein genommen. Das sind nicht nur Worte. Jesus liebt uns!

Worte von Franz von Sales: Wir müssen sterben, damit Gott in uns lebe. Es ist unmöglich, die Vereinigung unserer Seele mit Gott auf einem anderen Weg als auf dem der Abtötung zu erreichen. Die Worte: „Man muß sterben,“ sind bitter; dieser Bitterkeit folgt aber eine große Süße auf dem Fuß, denn dieses Sterben vereint uns mit Gott. Franz von Sales

Man kann Gott nicht vollkommen lieben, wenn man die Zuneigungen zu den vergänglichen Dingen nicht aufgibt. Ach, Herr Jesus, wann werden wir, nachdem wir Dir alles geopfert, was wir haben, auch alles opfern, was wir sind? Wann werden wir Dir unseren freien Willen zum Brandopfer darbringen, dieses einzige Kind unseres Geistes? Wann werden wir diesen freien Willen binden und auf den Scheiterhaufen Deines Kreuzes, Deiner Dornen, Deiner Lanze legen, damit er wie ein Schäflein ein Deinem Wohlgefallen angenehmes Opfer sei, um durch das Feuer und das Schwert Deiner heiligen Liebe zu sterben und zu verbrennen? O Freiheit meines Herzens, wie gut wird es für dich sein, an das Kreuz des göttlichen Erlösers gebunden und ausgespannt zu sein! Wie wünschenswert ist es für dich, dir selbst zu sterben, um auf immer als Brandopfer des Herrn zu brennen! Franz von Sales

Gal 2,21: Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn durch das Gesetz Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Gnade Gottes nicht verwerfen: Die Gnade zunichte zu machen, hieße, nicht auf die Errettung als Gottes Geschenk, sondern auf die eigene Anstrengung zu vertrauen. Dies zu tun bedeutet, die Gnade insgesamt abzulehnen, und sich auf seine kümmerliche Anstrengung zu verlassen, bedeutet, dass man diese Gnade zunichte macht.

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste