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Brief an die Epheser (Eph) Kapitel 4:  Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zum Brief an die Epheser (Eph) Kapitel 4

Eph 4,1-6: Bewahrt die Einheit

Auslegung und Kommentar zu Eph 4,1-6

Eph 4,1: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging.

Eph 4,1: So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid.

Inhalt Kapitel 4 bis 6: Kapitel 1-3 beschreiben Gottes gnädiges Handeln an uns. Kapitel 4-6 beschreiben Konsequenzen, die sich daraus für unser Leben ergeben. Die Verbindung dieser zwei Briefteile ist wichtig, ansonsten wäre das Christentum eine reine Moral-Religion. Das aber ist das Christentum nicht: wir haben einen Gott, haben einen Leib, eine Hoffnung, einen Glauben und eine Taufe. Aufgrund dieser Gnade, in der Gott uns seine Kinder nennt, entscheiden wir uns immer wieder neu zur Umkehr zum Vater, betrachten kritisch unser Leben und streben nach einem tugendhaften Leben, das Paulus hier facettenreich darlegt: sich nicht über andere erheben, freundlich und geduldig sein, in Liebe aufeinander zugehen, sich um Einheit bemühen u.v.m.

Würdig wandeln: Ein würdiges Wandeln ist in vielen Dingen nicht immer eine einfache Sache. Der Widersacher möchte kein würdiges Wandeln unter Christen sehen, die eine Einheit sind und dazu noch durch das Band des Friedens verbunden sind! Möchten wir uns untereinander immer gegenseitig in Liebe ertragen. Bitten wir unseren Herrn, dass ER uns jeden Tag die Demut, die Sanftmut und die Langmut neu schenken möchte! Bemühen wir uns zu Seiner Ehre würdig zu wandeln und dadurch für unsere Mitmenschen zum Zeugnis zu werden! Karl-Heinz Bühnemann

Eph 4,2: Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig!

Eph 4,2: Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe.

Eph 4,2: Mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe.

Eph 4,2: Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.

Überhebt euch nicht über andere: Alle Menschen sind dir Brüder und Schwestern. Alle Menschen wurden von Gott in ihrer Einmaligkeit geschaffen. Alle Menschen sind es Wert geliebt zu werden. Alle Menschen machen Fehler. Kein Mensch ist gerecht. „Selig, wer die Schwäche und Mittelmäßigkeit seiner Seele entdeckt, sie eingesteht und sie bis zu seinem letzten Tag vor Gott bekennt“ (Matta Al-Maskin, ägyptischer Mönch). Demut wächst in dir, erstens, wenn du dich unter die Größe des Anlitz Gottes stellst, zweitens, wenn du deine eigenen Schwächen ansiehst und liebevoll annimmst und drittens, wenn du im anderen dein Bruder und deine Schwester erkennst. Amen

Nicht über andere Richten: Vermeiden Sie es auch, sich zum Richter über die Handlungen anderer aufzuspielen. Wenn Sie andere zurechtweisen, soll es immer mit dem Herzen und mit milden Worten geschehen. Achten Sie beim Tadeln der Fehler darauf, dass Sie in Ihrem Herzen den schwachen Menschen entschuldigen und den Fehler verkleinern. Denn so wirken die Mahnungen am nachhaltigsten. Und hüte dich vor dem Zorn. Ich bin nie in Zorn geraten, so berechtigt er auch gewesen sein mag, ohne dass ich nachher eingesehen hätte, es wäre besser gewesen, ich wäre nicht zornig geworden. Franz von Sales

In Liebe einander ertragen: Wir sind alle unterschiedlich. Und da ist es nur natürlich, dass es auch mal emotional knistert. Die Last des anderen tragen bedeutet hier: ihn zu ertragen in seinen Macken, Schwächen, seinem Charakter und seiner Art. Ihn wie er ist und redet und wirkt, lebt und fühlt, ihn, so wie er ist und nicht, wie ich ihn gerne haben würde! Den anderen Menschen so annehmen wie er ist, auch wenn mich manches nervt. „Die Last des Andern tragen heißt, die geschöpfliche Wirklichkeit des Andern ertragen, sie bejahen und in ihrem Erleiden zur Freude an ihr durchdringen.“ (Bonhoeffer) Und bedenke: auch du gehst anderen auf die Nerven. Was uns als Christen verbindet, ist nicht unbedingt, dass wir uns alle auf Anhieb so toll und sympathisch finden, sondern es ist Jesus Christus. Er ist das Haupt, das die Gemeinschaft stiftet.

Bleibe vor Gott und den Menschen immer demütig in der Liebe. Bemühe dich, stets die Demut und die Liebe beständig zu halten, denn sie sind die Säulen des geistlichen Baues, und alle anderen sind von ihnen abhängig. Sei stets in der Demut und der Liebe. Die eine ist die tiefste, die andere die höchste. Die Beständigkeit eines Hauses hängt vom Fundament und vom Dach ab. Wenn wir unser Herz immer auf die Ausübung dieser beiden Tugenden ausrichten, werden wir keine Schwierigkeiten in den andern haben. Diese beiden sind die Mütter aller Tugenden, sie folgen ihnen wie die kleinen Küken ihren Müttern folgen. Pater Pio

Habt Geduld: Wenn wir mit den anderen Geduld haben müssen, so müssen wir sie auch mit uns selbst und unserer Unvollkommenheit haben. Wir müssen unsere eigene Unvollkommenheit mit Geduld ertragen, nicht aber sie lieben. Wir müssen die Wahrheit bekennen, dass wir arme Menschen sind. Sollen wir deshalb nun in Unruhe oder Verwirrung geraten, hastig werden oder uns betrüben? Nein, gewiss nicht. Unsere Unvollkommenheit muss uns bis zum Grab begleiten. Wir können nicht gehen, ohne die Erde zu berühren. Wir dürfen uns nicht auf die Erde hinlegen oder uns dort wälzen, aber wir dürfen auch nicht ans Fliegen denken. Franz von Sales

Liebe denn anderen, besonders wenn’s schwer ist: Dazu eine eindrückliche biographische Beschreibung der Therese v. Lisieux: Eine Mitschwester missfiel mir in allem. Ich entdeckte so viel Unangenehmes an ihr, doch wollte ich der natürlichen Abneigung nicht nachgeben. Ich sagte mir: Die wahre Liebe besteht nicht in Gefühlen, sondern in Werken. Ich bemühte mich, ihr so viele Liebesdienste zu erweisen als nur möglich. Wenn ich in Versuchung war, ihr unfreundlich zu antworten, gab ich ihr schnell ein liebenswürdiges Lächeln. Eines Tages fragte sie mich strahlend: Theresia, was ist es, was Sie so sehr an mich zieht? Ich begegne Ihnen nie, ohne dass ich das reizendste Lächeln von Ihnen empfange. Oh, was mich anzog, war der verborgene Herr auf dem Grund ihrer Seele, der auch das Bitterste süß werden lässt.

Eph 4,3: Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren.

Eph 4,3: Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.

Bemühen um Einheit: Wir müssen bemühen, diese Einheit zu bewahren – wir schaffen sie nicht. Gott befiehlt uns niemals, Einheit unter den Gläubigen zu schaffen. Er hat es durch Seinen Geist erschaffen; unsere Pflicht ist es, es zu erkennen und zu bewahren.

Einheit: Weil die Kirche der eine Leib Christi ist und von dem einen Geist Christi lebt, ist die Einheit geradezu ihr Wesensgesetz. Die Einheit setzt den Frieden voraus und ist dessen Vollendung, Frieden aber kann es nur geben, wo die Menschen bereit sind, einander zu dienen und einander in Liebe zu ertragen.

Eph 4,4: Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.

Eph 4,5: Ihr habt nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe.

Eph 4,6: Und über allen ist der eine Gott, der Vater von allen, der durch alle und in allen wirkt.

Das Mysterium der Kirche ist das Mysterium des Leibs Christi: Ein einziger Glaube, eine einzige Taufe, ein einziger Gott Vater aller Menschen, der über allem steht, durch alle Menschen und ist in allen präsent: das ist die Einheit, die Jesus vom Vater für uns erbeten hat und zu deren Schaffung wir beitragen müssen, diese Einheit, mit dem Band des Friedens. Und das Band des Friedens wächst mit der Demut, mit der Friedfertigkeit, damit, dass man sich gegenseitig erträgt, und mit der Großmut. Papst Franziskus

Eph 4,7-16: Dient euch gegenseitig

Auslegung und Kommentar zu Eph 4,7-16

Eph 4,7: Jeder von uns hat den Anteil an der Gnade erhalten, so wie er ihm von Christus zugemessen wurde.

Anteil an der Gnade: Uns allen ist Gnade geschenkt worden nach dem Maß der Gabe Jesu . Dies ist die Grundlage für Gottes Verteilung der geistlichen Gaben durch Seine Gemeinde: Gnade , das freie, unverdiente Geben Gottes. Niemand verdient oder hat spirituelle Gaben verdient.

Eph 4,9: Das Wort aber: Er ist hinaufgestiegen, was bedeutet es anderes, als dass er auch zuvor hinabgestiegen ist zu den Niederungen der Erde?

Hinaufgestiegen und Hinabsteigen: Wer ist er? Die Liebe. Es ist tatsächlich die Liebe, die aus unseren Herzen zu dir hinaufsteigt, weil es auch die Liebe ist, die von dir zu uns herabgestiegen ist. Du bist zu uns herabgestiegen, weil du uns geliebt hast; wenn wir dich lieben, können wir zu dir hinaufsteigen. Du, der du gesagt hast: „Ich bin die Tür“: In deinem Namen bitte ich dich, öffne dich vor uns! Dann werden wir klarer sehen, zu welcher Wohnung du die Tür bist, und wann und wem du sie öffnest. Wilhelm von Saint-Thierry

Eph 4,9: Wenn er aber hinaufgestiegen ist, muss er ja zuerst auf die Niederungen der Erde herabgestiegen sein.

Eph 4,10: Der, der zu uns herabstieg, ist auch der, der hoch über alle Himmel aufgestiegen ist und alles Geschaffene mit seiner Macht erfüllt.

Eph 4,11-13: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten. Er gab Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit sie die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten und so der Leib des Christus aufgebaut wird. mit dem Ziel, dass wir alle die Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes erreichen; dass wir zu mündigen Christen heranreifen und in die ganze Fülle hineinwachsen, die Christus in sich trägt.

Einheit im Glauben: Bis wir alle zur Einheit des Glaubens kommen: Dies ist das erste Ziel von Gottes Wirken durch die begabten Ämter und ausgestatteten Heiligen. Dies steht sowohl im Einklang mit der endgültigen Absicht Gottes ( Epheser 1:10 ) als auch mit dem Geheimnis Gottes, das durch Paulus offenbart wurde.

Eph 4,14: Dann sind wir keine unmündigen Kinder mehr, die sich vom Wind aller möglichen Lehren umtreiben lassen und wie Wellen hin- und hergeworfen werden. Dann fallen wir nicht mehr auf das falsche Spiel von Menschen herein, die andere hinterlistig in die Irre führen.

Eph 4,15: Lasst uns deshalb fest zur Wahrheit und zur Liebe stehen und in jeder Hinsicht zu Christus, unserem Haupt, hinwachsen.

In Christus wachsen: Solange dein Leben dauert eile eifrig Jesus nach! Die Liebe schreitet immer voran. Die heilige Liebe kann in uns ohne Ende vervollkommnet werden, ohne jedoch je unendlich werden zu können, da ihr Gegenstand Gott ist. Sie kann mehr und mehr und immer mehr gesteigert werden, nie aber unbegrenzt. Gott selbst ist es dabei, der das Wachstum der Liebe in uns bewirkt, je nach dem Gebrauch, den wir von seiner Gnade machen. Nicht aus eigener Kraft treibt die Liebe einem Baum gleich ihre Äste. Gott ist es, der in einer Seele die Liebe vermehrt.

Wahrheit und Liebe: Wahrheit und Liebe zusammen ist oft eine Herausforderung z.B. beim Familienzwist: Soll ich Liebe zeigen und geduldig den Mund halten, schwierige Themen liebevoll bedecken oder alle Harmoniesucht überwinden und endlich mal ungeschminkt die Wahrheit sagen, Tacheles reden, was uns vielleicht Streit bringt, aber vielleicht auch einen Schritt weiter? Je mehr Liebe, desto weniger Wahrheit und umgekehrt? Ist dem so? Nein, es geht anders. Das zeigt uns Jesus. Er ist immer klar in der Sache (=Wahrheit), aber er fordert nicht und schimpft nicht, sondern bittet (=Liebe). Alles, was er von anderen erwartet, macht er selber vor. So wird aus dem Entweder-Oder von Liebe und Wahrheit ein Sowohl-als-Auch. So sei es auch in unserem Leben

Schicke mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Antoine de Saint-Exupery

Eph 4,16: Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten. Das geschieht in der Kraft, die jedem der einzelnen Teile zugemessen ist. So bewirkt Christus das Wachstum seines Leibes: Er baut sich auf durch Liebe.

Eph 4,17-32: Lebt als neue Menschen

Auslegung und Kommentar zu Eph 4,17-32

Eph 4,17-18: Ich muss euch nun Folgendes sagen und ermahne euch im Auftrag des Herrn: Ihr dürft nicht mehr so leben wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Ihr Leben und Denken ist von Nichtigkeiten bestimmt und in ihrem Verstand ist es finster, weil sie vom Leben mit Gott ausgeschlossen sind. Das kommt von der Unwissenheit, in der sie befangen sind, und von ihrem verstockten Herzen.

Eph 4,19: So sind sie in ihrem Gewissen abgestumpft und haben sich ungezügelten Lüsten hingegeben, sind unersättlich in sexueller Unmoral und Habgier.

Eph 4,20: Aber ihr habt gelernt, dass so etwas mit Christus nichts zu tun hat.

Eph 4,21-22: Ihr habt von ihm gehört und auch verstanden, was in Jesus Wirklichkeit ist, dass ihr in Hinsicht auf euer früheres Leben den alten Menschen abgelegt habt. Denn der richtet sich in Verblendung und Begierden zugrunde.

Ihr habt gelernt: Unser christliches Leben muss über das Kopfwissen hinausgehen, aber es muss unbedingt das Kopfwissen einschließen und unsere ganze Denkweise beeinflussen. Das bedeutet nicht nur, Fakten zu kennen, sondern die Fähigkeit, sich auf die richtigen Dinge zu konzentrieren. Das ist so grundlegend für das christliche Leben, dass man sogar als christliches Wachstum bezeichnen kann Erneuerung des Sinnes beschrieben werden kann (Röm 12,2). Wenn Sie also den Herrn Jesus Christus kennen lernen wollen, müssen Sie mit ihm leben. Zuerst muss er selbst zu dir sprechen, und danach musst du in ihm bleiben. Er muss der erlesene Begleiter deiner Morgenstunden sein, er muss den ganzen Tag über bei dir sein, und mit ihm musst du auch die Nacht beschließen; und so oft du in der Nacht aufwachst, musst du sagen: ‚Wenn ich erwache, bin ich immer noch bei dir. Spurgeon

Eph 4,23-24: Ihr dagegen werdet in Geist und Sinn erneuert, Epheser, da ihr ja den neuen Menschen angezogen habt, den Gott nach seinem Bild erschuf und der von wirklicher Gerechtigkeit und Heiligkeit bestimmt ist.

Christus anziehen: So wie das Anziehen anderer Kleidung die Art und Weise verändert, wie Sie über sich selbst denken und sich selbst sehen, so wird das Anziehen eines anderen Verhaltens beginnen, Ihre Einstellungen zu ändern. Das bedeutet, dass wir nicht warten sollten, bis wir uns wie der neue Mensch fühlen fühlen, bevor wir den neuen Mann anziehen. Wir dürfen nicht entblößt bleiben, wir müssen uns mit Gott bekleiden. Wir treten gleichsam einen Schritt zurück, um uns dann umso kräftiger durch einen Akt der Liebe und des Vertrauens in Gott hineinzustürzen. Unsere Beschämung über eigene Fehler darf weder trübselig noch aufgeregt sein. Die Eigenliebe führt zu solcher Unruhe. Man ärgert sich über seine Fehler aus Eigenliebe und nicht aus Liebe zu Gott.

Eph 4,25: Als Menschen, die das Lügen abgelegt haben, müsst ihr einander die Wahrheit sagen. Wir sind doch als Glieder miteinander verbunden.

Sich zum Guten verändern lassen: Auch in dieser Stelle geht es nicht in erster Linie darum, dass wir moralisch immer besser werden. Ganz ehrlich, wir wissen doch alle, dass wir uns immer wieder auch verfehlen und versagen werden. In erster Linie geht es hier darum Christus als neuen Menschen anzuziehen und sich erst dadurch in der Folge zum Guten verändern zu lassen. Er, der selbst rein war, hat das Gewand der Sünde angezogen, d.h. beladen mit der Schuld der Welt wurde er gekreuzigt. Durch ihn sind wir gerecht vor Gott. Den neuen Menschen anzuziehen bedeutet Christus anzuziehen, an seine Heilsbotschaft zu glauben. Menschen die Gott kennen, wissen, dass seine Barmherzigkeit groß ist, dass egal was passiert ist oder passieren möge, da diese Zusage dasteht: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. Ziehe dir heute und immerdar Christus an.

Eph 4,26: Versündigt euch nicht, wenn ihr zornig werdet! Die Sonne darf über eurem Zorn nicht untergehen!

Gegen den Zorn: Das Aufsteigen einer zornigen Regung und das Aufwallen des Blutes können wir nicht hindern. Aber auf eines müssen wir sorgfältig achten, dass sich, sobald der Aufruhr verebbt ist, keine bitteren Gedanken festsetzen, die es uns erschweren. Während des inneren Aufruhrs sollen wir nichts sagen und nichts unternehmen, so sehr wir uns auch dazu berechtigt glauben, sondern nur zäh an dem Vorsatz festhalten, uns ja nicht mitreißen zu lassen. Franz von Sales

Wort der Wüstenväter: Nicht zornig zu werden ist eine gute Sache. Sollte dich der Zorn aber einmal überfallen, dann darf dein Tag, der davon überschattet wurde, nicht in diesem Schatten enden. Denn es heisst: Lass die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Sonst könnte es sein, das der Schatten sich über dein Leben verbreitet. Weshalb einen Menschen verabscheuen, wenn er dir weh getan hat? Nicht dieser Mensch ist schuldig, sondern der Teufel. Verabscheue die Krankheit, doch nicht den kranken Menschen. Apophthegmata

Eph 4,27: Gebt dem Teufel keinen Raum in euch!

Eph 4,28: Wer ein Dieb war, soll nicht mehr stehlen, sondern hart arbeiten und mit eigenen Händen seinen Lebensunterhalt verdienen, damit er Notleidenden davon abgeben kann.

Eph 4,29: Lasst kein hässliches Wort über eure Lippen kommen, sondern habt da, wo es nötig ist, ein gutes Wort, das weiterhilft und allen wohl tut.

Gutes Wort haben: Mir fällt immer wieder auf, dass Gespräche „übereinander“ auch uns Christen oft leichter über die Lippen kommen, als das ermutigende und helfende Gespräch „miteinander“. So stelle ich fest, dass negative Aussagen über den Nächsten bedeutend schneller Verbreitung finden, als die Verbreitung von positiven, erfreulichen Erlebnissen. Das Gerede und das Geschwätz, das Verbreiten von Verfehlungen: „hast du gesehen, was der schon wieder getan hat“ fällt einem scheinbar leichter, als das Loben und Anerkennen eines Menschen. Wie leicht lässt es sich in der Gruppe doch über andere herziehen, wie schnell ist man mit Vorurteilen und Verurteilen zur Stelle. Ich bin mir sicher, dass hier der Gegenspieler Gottes, Satan, seine ganze Macht ausüben will. Rolf Aichelberger

Durch Worte den anderen aufbauen: Gott allein gebührt Lob und Ehre. Das gilt es zuerst fest zu halten. Zu viel Lob tut einem selbst und dem anderen nicht gut. Dennoch sind wir dazu berufen, andere Menschen durch anerkennende Worte aufzubauen und zu ermutigen, nicht um ihr Ego zu mehren, sondern ihr Geliebtes sein durch Gott als seine Kinder näher zu bringen. Echt gemeinte Komplimente sind wirkungsvolle Kommunikatoren der Liebe. Wenn wir unsere Sinne und unser Auge schulen, so werden wir stets am anderen Dinge finden, die es lohnenswert machen, ihn dafür Anerkennung entgegen zu bringen. In unserer Herzen wohnt immer noch das Kind in uns, dass sich nach bedingungsloser Liebe sehnt. Schau heute, wem du Wort der Anerkennung entgegen bringen kannst, die dein Gegenüber eben gerade heute und hier von dir braucht.

Worte von Anselm Grün: Wir geraten häufig in Situationen, in denen ein anderer über irgendjemand etwas erzählt. Wir wissen dann oft nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wir wollen nicht urteilen, aber auch den, der uns von anderen Menschen erzählt, nicht bloßstellen. Die Mönche raten, entweder zu schweigen oder aber auf sich selbst zu verweisen: Ich bin selbst schwach. Ich habe den gleichen Fehler wie der andere. Ich kann nicht über andere richten. Dann beschäme ich den anderen nicht. Aber ich ermutige ihn dennoch, vom Reden über andere zu lassen. Ich erweise mir, dem Erzähler und dem, über den gerade geredet wurde, etwas Gutes, etwas, was für heilsam ist. Anselm Grün

Eph 4,30: Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung!

Eph 4,30: Sonst kränkt ihr den Heiligen Geist, den Gott euch als Siegel aufgeprägt hat und der euch die volle Erlösung garantiert.

Den heiligen Geist macht alles traurig, was der Liebe widerspricht: Wut, Zorn, Bitterkeit, einander anschreien, über andere schlecht reden, jede Feindseligkeit. Den heiligen Geist macht alles froh, was aus der Liebe hervorgeht: Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Vergebung, liebevoller Umgang. In allem sollen wir als Gottes Kinder seinem Vorbild folgen. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden. Die beste Grundlage dafür ist das Lesen in der heiligen Schrift, vor allem in den Evangelien. So versuchen wir heute nichts zu tun, was den heiligen Geist traurig macht.

Worte von Columba Marmion: Die Gnade wirkt unabhängig und führt zum höchsten Grad der Heiligkeit, aber nur dort, wo sie auf keine Hindernisse für ihr Wirken stößt und wo man sie handeln lässt; der Geist Gottes wirkt mächtig, aber nur dort, wo er nicht behindert, betrübt wird – um in der Sprache des heiligen Paulus zu reden (vgl. Eph 4,30) –, und wo die geschaffenen Kräfte sich ihm ausliefern. Denn so unabhängig der Wille Gottes, so weitreichend seine Macht und so unendlich seine Liebe auch sein mag: Gott erwartet von uns, dass wir alles entfernen, was seine Gnade behindert, und dass die Seele in jener Haltung der Demut und des Vertrauens bleibt, in der sie alles von Gott erhoffen darf. Columba Marmion

Eph 4,31: Fort also mit aller Bitterkeit, mit Wut, Zorn und gehässigem Gerede. Schreit euch nicht gegenseitig an und verbannt jede Bosheit aus eurer Mitte.

Eph 4,32: Vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.‭

Eph 4,32: Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig.

Eph 4,32: Seid vielmehr umgänglich und hilfsbereit. Vergebt euch gegenseitig, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.

Seid gegeneinander freundlich: Der neue Mensch hat Kontrolle über seine Gefühle (Bitterkeit, Zorn, Wut und so weiter). Wenn solche Dinge auftauchen, ist er in der Lage, Gott zu verherrlichen. Der neue Mensch versucht, anderen die gleiche Freundlichkeit, Güte und Vergebung zu zeigen, die Gott ihm zeigt. Wenn wir andere so behandeln, wie Gott uns behandelt, erfüllen wir alles, was Paulus uns in diesem Kapitel aufgetragen hat.

Freundlich sein: Nicht jedem können wir in überschwänglicher Liebe zugetan sein. Freundlichkeit können wir aber jedem erweisen. Darum halte ich die Freundlichkeit für so unersetzlich wichtig in einem Alltag, wo wir so allerlei Menschen begegnen. Ein freundliches Wort oder eine freundliche Tat kostet nichts und kann doch alles verändern. Der freundliche Mensch macht in aller Einfachheit den Menschen durch sein Verhalten deutlich, dass sie für ihn eine besondere Würde besitzen. Der freundliche Mensch verhält sich deshalb so, weil ihm klar ist, dass sein Gegenüber, egal um wen es sich dabei handelt, ein Ebenbild Gottes ist und daher eine große Würde besitzt. Freundlichkeit macht deutlich: Du bist für mich wertvoll. Wie wirst du heute anderen freundlich begegnen? Dieses Leben ist ein Wandern zum ewigen Leben. Zürnen wir einander nicht auf dem Weg, gehen wir ruhig, friedlich und freundlich miteinander um. Freundlichkeit ist eine Eigenschaft, die sich in Wort und Tat ausdrückt. Durch sie spiegeln wir die Persönlichkeit unseres warmherzigen, großzügigen Gottes wider.

Vergebt einander: Unsere Vergebung anderen gegenüber ist der Vergebung Jesu uns gegenüber nachempfunden. Wenn wir an die erstaunliche Art und Weise denken, wie Gott uns vergibt, ist es für uns beschämend, denen, die uns Unrecht getan haben, die Vergebung vorzuenthalten. Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet. Denn: Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann.

Menschliches Miteinander kann nur aus der Vergebung heraus bestehen. Vergebung reinigt immer wieder die Atmosphäre und auch die Seele. So kann ich den andern wieder bedingungslos lieben, ohne inneren Vorwurf. Wenn Vergebung nicht geschieht, dann wächst die gegenseitige Aversion. Und irgendwann hat man den Eindruck, dass die Liebe in Hass umgeschlagen ist. Die Vergebung heißt zunächst, dass ich mich von der negativen Energie befreie, die durch die Verletzung in meiner eigenen Seele herumschwimmt und sie verunreinigt. Dann bedeutet Vergebung, dass ich die Verletzung beim andern lasse. Ich gebe sie weg. Ich kreise nicht mehr um sie. Ich benutze die Verletzung nicht als Vorwurf gegen den andern, sondern vergebe sie. Die Vergebung geschieht aber nicht aus einer Position des Stärkeren heraus. Immer vergebe ich zugleich mir selbst und dem andern. Nur dann geschieht die Vergebung so, dass der andere sie annehmen kann.

Wo ein Wille, da ein Weg: Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet.

Hildegard von Bingen: Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zum Brief an die Epheser (Eph) Kapitel 4.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste