Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Brief an die Römer: Kap. 11 – Auslegung und Kommentar

Hier findet ihr eine Auslegung und Kommentar über den Brief an die Römer Kap. 11

Hat Gott sein Volk aufgegeben? (Röm 11,1-10)

Röm 11,1: ‭Ich frage nun: Hat Gott sein Volk etwa verstoßen? Auf keinen Fall! Ich bin ja selbst ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams aus dem Stamm Benjamin.‭

Röm 11,2: ‭Nein, Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Er hat es doch von Anfang an erwählt. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift von Elija sagt, als er sich bei Gott über Israel beklagt?‭

Röm 11,3: ‭Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre niedergerissen. Ich allein bin übrig geblieben und nun wollen sie auch mich noch töten.

Röm 11,4: ‭Und was gab Gott ihm zur Antwort? Ich habe 7000 Männer für mich übrig gelassen, die sich nicht vor dem Götzen Baal auf die Knie geworfen haben.

Röm 11,5-6: So ist es auch jetzt: Gott hat einen Rest von seinem Volk übrig gelassen, einen Rest, den er aus Gnade ausgewählt hat ‭aus Gnade, also nicht aufgrund von Werken, sonst wäre die Gnade ja nicht mehr Gnade.‭

Aus Gnade: Aber Vorsicht! Das bedeutet nicht, dass der liebe Gott schon alles vergeben wird unabhängig von unserem Tun. Hüten wir uns vor solch einem billigen Verständnis von Gnade. Das wäre zuletzt eine Tolerierung der Sünde. Gott ist aber nicht tolerant! Er will nicht, dass wir sündigen. Gnade ist kein Freibrief für ein Leben nach eigenem Gutdünken: Mach was du willst, Gott vergibt alles. Nein! „Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße.“ (Bonhoeffer) Gottes Gnade aber ist teuer und kostbar und muss gepaart sein mit meiner Buße, d.h. der immer wieder neuen Ausrichtung an Gott und seinem Willen. Darum folgen ab dem Kapitel 12 Anweisungen für das praktische Leben. 

Als Prinzipien passen Gnade und Werke nicht zusammen. Wenn das Geben aus Gnade ist, kann es nicht aus Werken sein, und wenn es aus Werken ist, kann es nicht aus Gnade sein.

Röm 11,7-8: ‭Was heißt das nun? Was Israel erstrebt, hat nicht das ganze Volk, sondern nur der ausgewählte Rest erlangt. Die Übrigen sind starrsinnig geworden,‭ ‭wie die Schrift sagt: Gott hat einen Geist der Betäubung über sie kommen lassen. Sie haben Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, und so ist es bis zum heutigen Tag.

Geist der Betäubung: Die Idee ist, dass Männer gemütlich bei ihrem Bankett sitzen und schlemmen; und ihr Gefühl der Sicherheit ist zu ihrem Verderben geworden. Sie sind so sicher in der eingebildeten Sicherheit, dass der Feind sie unvorbereitet überfallen kann“ (Barclay). Die Juden zur Zeit des Paulus waren sich in ihrer Vorstellung, das auserwählte Volk zu sein, so sicher, dass die bloße Vorstellung zu dem wurde, was sie ruinierte.

Röm 11,9: ‭Und David sagt: Ihre Opfer sollen ihnen zur Schlinge und zum Fangnetz werden, zur Falle und zum Strafgericht.‭

Röm 11,10: ‭Ihre Augen sollen erblinden, dass sie nichts mehr sehen, und ihr Rücken sei ständig gebeugt.

Warnung vor Überheblichkeit (Röm 11,11-24)

Röm 11,11: ‭Nun frage ich: Sind sie etwa gestrauchelt, um nie wieder aufzustehen? Auf keinen Fall! Vielmehr hat ihr Fehltritt den anderen Völkern die Rettung gebracht, um die Juden wiederum eifersüchtig zu machen.‭

Rettung der anderen Völker: Wir sollten nicht vergessen, dass das Evangelium in vielen Fällen erst an die Heiden erging, nachdem das jüdische Volk es abgelehnt hatte (Apg 13:46 , 18:5-6 , 28:25-28). In diesem Sinne war die Ablehnung des Evangeliums durch die Juden ein Reichtum für die Heiden. Es war nicht so, dass die jüdische Ablehnung von Jesus als Messias dazu führte , dass Heiden gerettet wurden. Es gab dem Evangelium lediglich mehr Gelegenheit, zu den Heiden zu gelangen, und viele Heiden nutzten diese Gelegenheit.

Röm 11,12: ‭Wenn nun schon die Welt durch ihren Fehltritt reich gemacht wurde und ihr Verlust für die anderen Völker einen großen Gewinn brachte, was wird es dann erst sein, wenn Israel in voller Zahl umkehrt?‭

Röm 11,13: ‭Euch Nichtjuden aber sage ich: Als Apostel für die Völker bin ich froh über meinen Dienst.‭

‭Röm 11,14: Denn vielleicht kann ich dadurch mein eigenes Volk eifersüchtig machen und einige von ihnen retten.‭

Röm 11,15: ‭Denn wenn schon die Verstoßung Israels der Welt die Versöhnung mit Gott brachte, was wird dann erst Israels Wiederannahme bringen? Nicht weniger, als dass Tote lebendig werden.‭

Röm 11,16: ‭Wenn das erste Brot der neuen Ernte Gott geweiht ist, dann ist alles Korn dieser Ernte geheiligt. Wenn die Wurzel des Baumes Gott geweiht ist, dann sind es auch die Zweige.‭

Röm 11,17: ‭Nun sind einige Zweige ausgebrochen worden, und du wurdest als neuer Zweig unter die übrigen eingepfropft. Obwohl du von einem wilden Ölbaum stammst, hast du jetzt Anteil am Saft aus der Wurzel des edlen Ölbaums.‭

Röm 11,18: Nicht ihr tragt die Wurzel, sondern die Wurzel trägt euch.

Röm 11,18: ‭Du hast keinen Grund, verächtlich auf die anderen Zweige herabzusehen. Und wenn du es dennoch tust, sollte dir klar sein: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!‭

Die Wurzel trägt euch: Die Wurzel sind die Stammväter v.a. Abraham. Die Wurzel ernährt die Zweige. Die Zweige sind wir. Die Zweige sind gesegnet durch die Wurzel, die als Erstes die Verheißung empfangen hat. Darum: Die Wurzeln unseres Glaubens sind jüdisch. Diese Wurzeln nähren uns und haben uns den Segen beschert. Wir sollten dies demütig zur Kenntnis nehmen. Eine Haltung des Respekts und der Hochschätzung dem jüdischen Glauben gegenüber ist die einzige wirklich christliche Haltung. 

Röm 11,19: Vielleicht wirst du nun sagen: Die Zweige sind ja herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werden konnte.

Röm 11,20: ‭Das ist richtig. Aber dass sie ausgebrochen wurden, lag an ihrem Unglauben. Und du hast deinen Stand nur durch den Glauben. Sei also nicht überheblich, sondern pass auf, dass es dir nicht genauso geht.‭

Röm 11,21: ‭Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, warum sollte er dann dich verschonen?‭

Röm 11,22: ‭Du siehst hier also die Güte und die Strenge Gottes: Seine Strenge gilt denen, die sich von ihm abgewandt haben, aber seine Güte gilt dir, sofern du dich auf seine Güte verlässt; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden.‭

Auf Gottes Güte vertrauen: Paulus betont die Notwendigkeit, in Seiner Güte fortzufahren; nicht im Sinne einer Errettung durch Werke, sondern ein Fortbestehen in Gottes Gnade und Güte zu uns – eine Beziehung des beständigen Bleibens. Diese Idee eines beständigen Verweilens im Baum kommt auch in Johannes 15:1-8 zum Ausdruck.

Der Bedingungssatz in diesem Vers, wenn du in Seiner Güte bleibst , ist eine Erinnerung daran, dass es im Bund des Evangeliums keine Sicherheit gibt, außer Beharrlichkeit. Trotz Abfalls gibt es kein Fortbestehen in der Gunst Gottes; Gottes rettende Umarmung und Ausdauer sind korrelativ.

Röm 11,23: ‭Doch auch die anderen Zweige können wieder eingepfropft werden, vorausgesetzt, sie halten nicht an ihrem Unglauben fest. Gott hat sehr wohl die Macht dazu.‭

Röm 11,24: ‭Denn wenn du aus dem wilden Ölbaum, zu dem du von Natur aus gehörtest, ausgeschnitten und gegen die natürliche Ordnung in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel leichter wird es dann sein, die Zweige, die natürlicherweise zum edlen Ölbaum gehören, wieder an ihre Stelle einzupfropfen!‭

Gott hält seine Zusagen (Röm 11,25-32)

Röm 11,25: ‭Und damit ihr euch nichts auf eure Klugheit einbildet und falsche Schlüsse daraus zieht, will ich euch das folgende Geheimnis bekannt machen: Ein Teil von Israel hat sich verhärtet. Aber das gilt nur so lange, bis die volle Zahl von Menschen aus den anderen Völkern zum Glauben gekommen ist.‭

Röm 11,26: ‭Israel als Ganzes wird allerdings so gerettet werden, wie geschrieben steht: Aus Zion wird der Retter kommen, der alle Gottlosigkeit von Jakobs Nachkommen entfernt.‭

Röm 11,27: ‭Und der Bund, den ich mit ihnen schließen werde, besteht darin, dass ich sie von ihren Sünden befreie.

Röm 11,28: ‭Ihre Einstellung zum Evangelium macht sie zwar zu Feinden – was euch zugutekommt -, aber von der Erwählung her gesehen sind sie Geliebte – wegen ihrer Stammväter.‭

‭Röm 11,29: Denn Gott nimmt seine Gnadenerweise nicht zurück und bereut seine Berufungen nie.‭

Röm 11,30: ‭Früher hattet ihr Gott nicht gehorcht und habt jetzt doch – wegen Israels Ungehorsam – Gottes Erbarmen gefunden.‭

Röm 11,31: ‭So sind nun auch sie ungehorsam geworden, damit sie dadurch, dass ‭ihr‭ Gottes Erbarmen gefunden habt, jetzt ebenso Erbarmen finden.‭

Röm 11,32: ‭Denn Gott hat alle zusammen zu Gefangenen ihres Ungehorsams gemacht, weil er allen sein Erbarmen schenken will.‭

Gott ist unbegreiflich groß (Röm 11,33-36)

Röm 11,33: Wie groß ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken!

Röm 11,33: O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!

Röm 11,33: Wie unergründlich sind seine Entscheidungen , wie unerforschlich seine Wege!

Lob Gottes: Als Paulus über Gottes großen Plan der Zeitalter nachdenkt, bricht er in spontanes Lob aus. Paulus erkennt, dass Gottes Wege nicht mehr herauszufinden sind , und Gottes Weisheit und Wissen über ihm liegen.

Beweggründe des göttlichen Willens: ihn werden wir erst verstehen, wenn wir das Angesicht dessen sehen, der von einem Ende zum anderen mächtig wirkt. Kommt es nicht oft vor, daß wir nicht einmal bei Menschen verstehen, wie und warum sie dies und jenes tun? So erscheint auch uns die Welt wie ein großes Uhrwerk, ausgestattet mit einer solchen Fülle von Tätigkeiten und Bewegungen, daß wir uns des Staunens darüber nicht erwehren können. Wozu im besonderen jeder einzelne Teil da ist und auf welche Weise er dem allgemeinen Ziel dient oder warum er gerade so und nicht anders gemacht ist, das vermögen wir nicht zu begreifen, außer der göttliche Handwerker offenbart es uns.

Unergründbarkeit: Letztlich können wir Menschen diesen Reichtum Gottes, seine Weisheit und auch seine Erkenntnis nicht ergründen. Das alles hat eine Tiefe, die wir nicht ausloten können. Und die Wege, wie er die Geschichte lenkt, können wir nicht voll und ganz nachvollziehen. Sie sind uns letztendlich unbegreiflich. Eines wissen wir klar: Gott, der Herr ist der Schöpfer ist, von ihm kommt alles, Gott, der Herr ist der Erhalter ist, durch ihn lebt alles und Gott, der Herr ist das Ziel, in ihm vollendet sich alles.

Worte von Franz von Sales: Kommt es nicht oft vor, daß wir nicht einmal bei Menschen verstehen, wie und warum sie dies und jenes tun? So erscheint auch uns die Welt wie ein großes Uhrwerk, ausgestattet mit einer solchen Fülle von Tätigkeiten und Bewegungen, daß wir uns des Staunens darüber nicht erwehren können. Wozu im besonderen jeder einzelne Teil da ist und auf welche Weise er dem allgemeinen Ziel dient oder warum er gerade so und nicht anders gemacht ist, das vermögen wir nicht zu begreifen, außer der göttliche Handwerker offenbart es uns. Die Beweggründe des göttlichen Willens werden wir erst verstehen, wenn wir das Angesicht dessen sehen, der von einem Ende zum anderen mächtig wirkt: Christus! Franz von Sales

Röm 11,34: ‭Denn wer hat jemals die Gedanken des Herrn erkannt, wer ist je sein Berater gewesen?‭

Röm 11,35: ‭Wer hat ihm je etwas gegeben, das Gott ihm zurückgeben müsste?‭

Röm 11,36: Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit!

Von ihm, durch ihn und für ihn: möchten wir doch glauben, daß Gott Urheber und Vater aller Dinge ist, daß er daher durch seine Vorsehung alles Geschehen leitet und Sorge trägt! Ganz besonders sollten wir glauben, daß er sich um Angelegenheiten von uns allen kümmert, die ihn kennen, mag auch unser Leben durch noch so viel Widriges hin- und hergeworfen werden. Wir wissen nicht, warum das so ist. Vielleicht soll uns dies, da wir zu dieser Kenntnis nicht gelangen können, ein Ansporn sein, Gottes über alles erhabenes Wissen zu bewundern. Rufen wir also bei jedem Geschehnis, aber rufen wir mit einem Herzen voll Liebe gegen die unendlich weise, mächtige und gütige Vorsehung unseres ewigen Vaters aus: O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!

Es ist alles von Ihm: Dieser Plan kam von Gott. Es war nicht die Idee des Menschen. Wir sagten nicht: „Ich habe Gott beleidigt und muss einen Weg zurück zu Ihm finden. Lasst uns an einem Plan arbeiten, um zu Gott zurückzukehren.“ In unserer spirituellen Gleichgültigkeit und unserem Tod haben wir uns nicht um einen Plan gekümmert, und selbst wenn es uns wichtig wäre, sind wir nicht schlau genug oder weise genug, um einen zu machen. Es ist alles von Ihm .

Es ist alles durch Ihn: Selbst wenn wir den Plan hätten, könnten wir ihn nicht verwirklichen. Wir konnten uns nicht aus diesem Gefängnis der Sünde und des Selbst befreien. Es konnte nur durch Ihn geschehen , und das große Werk Jesu für uns ist das durch Ihn , das Erlösung bringt.

Das ist alles für Ihn: Es ist nicht für mich, es ist nicht für dich, es ist alles für Ihn . Es ist zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade (Eph 1:6). Es ist zu seinem Vergnügen, dass wir erschaffen wurden, und wir finden unsere Erfüllung darin, ihm Ruhm und Ehre zu bringen.

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste