Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Erster Brief des Johannes: Kap. 4: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar vom ersten Brief des Johannes – Kap. 4

Geist der Wahrheit und der Lüge (1. Joh 4,1-6)

1. Joh 4,1: ‭Ihr Lieben, glaubt nicht jedem, der behauptet, er sei mit Gottes Geist erfüllt, sondern prüft, was er sagt, ob es wirklich von Gott kommt. Denn viele falsche Propheten verbreiten ihre Lehren in der Welt.‭

Prüft: Johannes warnte davor, jedem Geist zu glauben; Das heißt, wir dürfen niemals annehmen, dass jede spirituelle Erfahrung oder jede Demonstration spiritueller Kraft von Gott ist. Wir müssen spirituelle Erfahrungen und spirituelle Phänomene testen, um zu sehen, ob sie tatsächlich von Gott stammen.

1. Joh 4,2: Ob jemand den Geist Gottes hat, könnt ihr an diesem Merkmal erkennen: Wer bekennt, dass Jesus Christus als wirklicher Mensch zu uns kam, hat den Geist Gottes.‭

Fleischwerdung des Wortes: Wahre Prophezeiungen und wahre Lehren werden einen wahren Jesus präsentieren. In den Tagen des Johannes ging es darum, ob Jesus wirklich in einem echten Körper aus Fleisch und Blut gekommen war. Viele gnostisch beeinflusste Lehrer sagten, dass Jesus als Gott nicht wirklich ein Mensch aus Fleisch und Blut werden konnte, weil Gott keine Partnerschaft mit unreinem materiellem Zeug haben konnte.

Gott wurde Mensch wie wir. Er kam ins verletzliche und vergängliche Fleisch. Er hatte Hunger und Durst wie wir, freute sich, lachte, litt unter Schmerzen wie wir und starb einen schändlichen Tod. Jesus hätte in seiner eigenen Herrlichkeit kommen können. Er kam aber im Fleisch, d.h. er wurde ganz Mensch, Bruder und Freund des Menschen. Ihm nun ist alle Macht gegeben. Halten wir uns an ihm fest, so wirkt er in uns und macht uns stark in dieser Welt, wo so vieles uns Kraft nimmt, uns in Beschlag nimmt, ausgesetzt allerlei Versuchungen und anderer Drangsale und Betrübungen. Weil er in uns lebt, können wir Anteil haben an seiner überwindenden Kraft, die in jede Finsternis Licht bringt.

1. Joh 4,3: ‭Wer sich nicht zu Jesus bekennt, gehört nicht zu Gott. Aus ihm spricht der Geist des Antichristus. Ihr habt ja gehört, dass dieser Geist in die Welt kommen soll, und er ist auch schon da.‭

1. Joh 4,4: ‭Ihr gehört zu Gott, liebe Kinder, und habt diese Lügenpropheten besiegt, weil der, der in euch lebt, stärker ist als der in der Welt.‭

Stärker als die Welt: Der Gläubige hat eine Ressource zum Sieg, die lebendige Gegenwart des innewohnenden Jesus, der den Sieg immer möglich macht – wenn wir uns auf den verlassen , der in dir ist, anstatt uns zu verlassen auf uns selbst.

1. Joh 4,5: ‭Jene gehören zur Welt, und was sie sagen, hat seinen Ursprung in der Welt, und deshalb hört alle Welt auf sie.‭

1. Joh 4,6: Wir sind aus Gott.

1. Joh 4,6: ‭Wir dagegen gehören zu Gott. Wer Gott kennt, hört auf uns. Wer nicht zu Gott gehört, hört nicht auf uns. So können wir den Geist der Wahrheit vom Geist der Verführung unterscheiden.‭

Aus Gott sein: Unser Sein und unser Tun sind zweierlei Dinge. Johannes schreibt vor allem über unser Sein. Das Sein dann bestimmt unser Tun. Unser Sein ist in Gott durch Christus, so dass wir seine Werke in dieser Welt tun, wenngleich wir in unserem Sein außerhalb dieser Welt stehen, weil wir Christus folgen und ihm vertrauen. Vertrauen wir nicht ihm, sondern auf allerlei anderes, so sind wir aus der Welt. Also: Wenden wir uns ihm zu und nicht der Welt. Zu ihm wenden wir uns, wenn wir in uns gehen, stille werden und hören. Immer neu wird er sich uns offenbaren in seiner Liebe und Wegweisung für uns, damit wir seinen Willen tun und in der Welt wirken und Spuren Gottes hinterlassen.

Einander lieben (1. Joh 4,7-21)

1. Joh 4,7: Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.

1. Joh 4,7: Lasst uns einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Wer liebt, ist ein Kind Gottes und kennt Gott.

Alles aus Liebe, nichts aus Zwang: Gerade in unserem Glaubensleben ist das wichtig. Viel zu häufig habe ich früher aus Zwang gebetet, weil ich dachte, dass Gott das von mir erwartet. Viel zu häufig habe ich überhaupt vieles getan aus Zwang. Ich war ein Gefangener meines „Ich muss und Ich soll“. Nein! Nichts aus Zwang, alles aus Liebe. Die kleinste Tat aus Liebe getan ist mehr wert als die größten Werke, die aus reiner Pflicht getan werden. Es lebe die Liebe!

Die Liebe ist die einzige Tugend, die maßlos sein darf. Wir können die Mitmenschen nie zu viel lieben und somit auch in der Liebe nie die Grenzen der Vernunft überschreiten, sofern die Liebe wirklich im Herzen wurzelt. Welch ein Glück, lieben zu dürfen, ohne ein Übermaß zu fürchten. Setze der Liebe keine Schranken, lasse sie ihre Äste breiten, so weit sie nur kann, gebe dich hin an Gott und denn Nächsten. „Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe.“ (Edith Stein) Wo kannst du diese Hingabe in Liebe heute konkret Wirklichkeit werden lassen?

Die Kraft der Liebe: Die Liebe ist die machtvolle Kraft in Gottes Wesen und so ist es auch die unentbehrliche Kraft im menschlichen Miteinander. Sie ist die Königin aller Tugenden. Es ist der wesentliche Teil unseres Glaubens, dass wir von der göttlichen Liebe geliebt werden und diese Liebe weiterlieben im Blick auf unsere Mitmenschen. Diese Ausübung der Liebe kann nicht von der Geburt aus Gott getrennt werden. Durch die Betätigung in der Liebe aber zeigen wir, dass wir Kinder Gottes sind, aus ihm geboren.

Aus Gott sein: Ob jemand „aus Gott“ ist (4,7), ob das Leben aus Gott bei ihm Wirklichkeit ist oder leeres Gerede, erkennt man an seiner Liebe. Aber was ist das für eine Liebe? Sie ist anders als das, was die Menschen gewöhnlich Liebe nennen, und sie ist vor aller rein menschlichen Liebe; sie gibt der menschlichen Liebe erst die Kraft der Hingabe und das Siegel der Absolutheit. Die Liebe, mit der Gott liebt, vollendet sich darin, dass wir einander lieben. Die göttliche Liebe will in uns eine gott-menschliche Liebe werden. Sie ist nicht eine Tugendübung, sie ist vielmehr das, was all unserem Tun vorausliegt und es erst zu einem wirklich menschlichen Tun macht. Ohne Liebe ist aller fromme Eifer und alle Tugendübung zutiefst unmenschlich und unchristlich. Die schenkende, helfende und verzeihende Liebe, mit der wir als Brüder und Schwestern einander lieben, ist Antwort auf die Liebe Gottes, und noch mehr: sie ist die Offenbarung der Liebe Gottes in dieser Welt. Das ist die erschreckende Größe christlicher Berufung. Erzabtei Beuron

1. Joh 4,8: Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.

Gott ist die Liebe: Natürlich wird diese Liebe im Leben eines Christen diesseits der Ewigkeit nicht vollendet. Auch wenn es nicht perfektioniert ist, muss es vorhanden sein – und es sollte wachsen. Ihr könnt in eurer Gotteserfahrung nicht wirklich wachsen, ohne auch die Liebe zueinander zu entwickeln. Johannes kann kühn sagen: Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Wenn es in Ihrem Leben keine wirkliche Liebe für Gottes Volk gibt, dann ist Ihr Anspruch, Gott zu kennen und Gott zu erfahren, nicht wahr. Gott ist Liebe: Das ist eine herrliche Wahrheit. Liebe beschreibt den Charakter und das Herz Gottes. Er ist so reich an Liebe und Mitgefühl, dass man damit sein ganzes Wesen beschreiben kann.

Worte von Anselm Grün: Lass dich in deinem Herzen von der Liebe berühren, die dir entgegenkommt oder die in dir aufflammt. Gott selbst berührt dich dabei und öffnet dich für das Geheimnis einer klaren und lauteren Liebe, die allen und allem gilt. In dieser Liebe bist du in Gott und in dieser Liebe wirst du erst ganz zum Menschen, so wie Gott ihn gedacht hat. In deiner Liebe, auch wenn sie noch so vermischt ist mit Besitzansprüchen und Habenwollen, leuchtet immer auch etwas auf von der spirituellen Liebe, die deine tiefste Sehnsucht nach Liebe erfüllt. Traue deiner Liebe, aber gehe deiner Liebe auch auf den Grund, damit du dort Gott findest als die eigentliche Quelle deiner Liebe. Und folge deiner Liebe bis zum Ende. Dann wird sie dich zu Gott führen, der die Liebe selber ist. Anselm Grün.

1. Joh 4,9: Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen.

Das ist die Liebe Gottes: Das Leben ist ihm Sohn. Er ist das Leben. Ihn hat Gott in Seiner Liebe in die Welt gesandt. Es war der Sohn, der gesandt wurde, um Mensch zu werden und mit dem Menschen Umgang zu haben. Gottes Gabe war Christus, der nicht nur hernieder kam, um uns Leben zu geben, sondern um als Sühnung für unsere Sünden zu sterben. Unser alter Mensch ist zwar noch vorhanden, doch wissen wir ihn mit Christus gekreuzigt, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen.

Das zeigt uns, was Liebe ist und was sie bedeutet. Liebe wird nicht nur durch das Opfer Jesu definiert (wie in 1. Johannes 3:16 angegeben); es wird auch durch das Geben des Vaters definiert. Die Liebe des Vaters lag nicht nur in der Sendung des Sohnes, sondern auch in dem, was diese Sendung für uns bewirkt. Es bringt Leben für alle, die auf Jesus und sein Werk für sie vertrauen, weil er die Sühnung für unsere Sünden ist.

1. Joh 4,10: Die Liebe hat ihren Grund nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat.‭

Diese Liebe ist Freundschaft mit Gott. Es ist keine Liebe, die etwas haben will. Denn durch die Gottesliebe lieben wir Gott um der Liebe seiner selbst willen in Anbetracht seiner Güte. Von Ewigkeit her liebte Gott jede Seele. Wir wissen um seine Liebe zu uns, da er sie laut verkündet hat. Er treibt er seine heilige liebevolle Beziehung zu uns auf die Spitze, indem er sich schenkt in Christus. Die Freundschaft ist echte Freundschaft, weil sie gegenseitig ist. Gott weiß doch, daß wir ihn lieben. Wir besprechen uns mit ihm jederzeit, so oft wir wollen, im heiligen Gebet, da wir all unser Leben, unsere Bewegung und unser Sein nicht nur mit ihm haben, sondern in ihm und durch ihn.

1. Joh 4,11: ‭Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.‭

Lieben und Geliebt werden: Niemand hat Gott jemals gesehen. Aber seine Liebe war in Christus vollkommen kundgemacht worden. Gott bleibt in uns. Wir ziehen uns von uns selbst und von allem, was uns hier umgibt, zurück und finden in Gott den Ruhepunkt für unsere Herzen, während wir uns noch auf der Erde befinden. Dieses Bleiben ist ein Akt Seiner Gnade uns gegenüber, die wir auf dem Erlösungswerk Christi ruhen. Es ist kein kurzfristiger Besuch, sondern ein ewiges liebendes Bleiben des Vaters bei seinen Kindern. Diese Liebe Gottes soll in dieser Welt von uns widergespiegelt werden. Wie ernst sollten wir diesen Auftrag nehmen. Wir sind berufen, insbesondere durch die Tätigkeit der göttlichen Liebe in unseren Herzen und in unseren Wegen, Zeugen Gottes in der Welt zu sein.

Der Himmel auf Erden ist überall, wo ein Mensch von Liebe zu Gott, zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst erfüllt ist. Hildegard von Bingen

1. Joh 4,12: ‭Ihn selbst hat nie jemand gesehen. Doch wenn wir einander lieben, lebt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns zum Ziel gekommen.‭

In der Liebe lebt Gott in uns: Zu wissen, dass Gott der Vater unsichtbar ist, sollte uns in unserer Beziehung zu Ihm demütiger machen. Gott der Vater ist für uns nicht vollständig erkennbar; Wir können Gott nicht vollständig verstehen oder alle Seine Geheimnisse kennen. Er ist über uns hinaus. Das ist der größte Beweis für Gottes Gegenwart und Wirken unter uns – Liebe . Da niemand Gott jemals gesehen hat , liefert dies einen Beweis für die Gegenwart Gottes.

1. ‭Joh 4,13: Dass wir in ihm leben und er in uns, erkennen wir daran, dass er uns Anteil an seinem Geist gegeben hat.‭

Anteil an seinem Geist: Johannes bringt das Wirken des Heiligen Geistes in uns an dieser Stelle für zwei wichtige Zusammenhänge zur Sprache. Erstens ist es der Geist Gottes in uns, der die beständige Gegenwart Jesu ist – die Gegenwart seines Geistes ist, wie er in uns wohnt. Zweitens ist es das Zeugnis des Heiligen Geistes in uns, das es uns ermöglicht zu wissen, dass wir in Ihm bleiben . Wie Paulus es in Römer 8,16 ausdrückt: Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind . Diese Gewissheit gibt uns der Heilige Geist.

1. Joh 4,14: Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt.

Zeuge sein: Wir sind Zeugen des Evangelium und treten mit unserer ganzen Existenz dafür ein, weil wir gesehen haben, d.h. wir haben Christus als den Retter erkannt und erfahren täglich neu seine liebende Gegenwart. Helfen wir uns gegenseitig zu diesem Sehen, damit wir auch für andere Menschen Jesus sichtbar, d.h. erlebbar machen. Gott wird es uns geben, wo wir Zeugnis geben durch das Wort. Täglich aber geben wir Zeugnis durch unser Verhalten im Tun der Liebe. Viel häufiger bekehrt und verändert die erfahrene Liebe als Worte vielerlei Art. So können uns die Worte Tertullian (2. Jh.) über die ersten Christen zur Leitung dienen: Seht wie sie einander lieben.

1. Joh 4,15: ‭Und wenn sich jemand zu Jesus als dem Sohn Gottes bekennt, dann lebt Gott in ihm und er in Gott.‭

1. Joh 4,16: Gott ist die Liebe.

1. Joh 4,16: Wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Gott ist die Liebe. Was für ein Satz! Gott ist keine abstraktes Wesen, sondern seine Liebe wird ganz konkret in Jesus Christus. Je mehr diese Liebe, die auf Frieden und Vertrauen zielt, unsere Herzen erreicht, desto mehr lebt Gott in uns. Wir wenden uns in allen Lagen an Ihn, dessen Liebe in uns eine Wohnung für Ihn bereitet hat. Wenn ich in seiner Liebe bleibe, dann kann ich nicht anders als mich bei Gott völlig daheim zu fühlen. Könnte es einen größeren Segen geben? Es drängt uns etwas von dieser Liebe heraus fließen zu lassen, um sie in der Welt sichtbar zu machen.

Botschaft der Liebe: Auch wenn es wohl kein Wort gibt, dass so missbraucht und verkitscht wird, besteht die eigentliche Revolution der Botschaft Jesu in der Liebe. Weil er uns liebt, können wir lieben. Liebe muss ständig gepflegt werden, sie braucht viel Geduld und Nachsicht, besonders in Beziehungen mit Problemen und Unstimmigkeiten. Leider: das Bedürfnis des Menschen, im Recht zu sein, ist so groß, dass er bereit ist, dafür sich selbst, seine Beziehungen und sogar die Liebe zu opfern. Dennoch: Jeder Tag ist eine Chance, die Liebe neu zu entdecken. Gott gibt uns das Herz, nicht um zu hassen, sondern um zu lieben. Gib jedem Geschehen seinen Sinn und iedem Tag seinen Tropfen Freude durch das Leben und Wirken in der Liebe.

Worte von Bonhoeffer: Das ist nicht eine allgemeine Lebensweisheit oder Phrase oder fromme Selbstverständlichkeit hält, sondern es ist der reale, einzige, unzerstörbare Grund, auf dem ein ganzes Leben aufgebaut wird. Das Ziel heißt: wir bleiben in Gott und Gott bleibt in uns. Es ist Wahrheit und es ist Wirklichkeit. Darum ist die Gegenwart die wichtigste Stunde! Die Gegenwart ist die verantwortungsvolle Stunde Gottes mit uns, die Gegenwart in ihrer ganzen Wirklichkeit und Vielgestaltigkeit. Wer aus der Gegenwart flieht, flieht Gott.

Gott lieben, dass heißt, sich an ihm freuen, gerne an ihn denken, gerne zu ihm beten. Bonhoeffer

Der eigentliche Gottesdienst der Christen ist die Liebe. Benedikt XVI

Gottes Liebe zu spüren ist sehr kostbar, aber daran zu glauben, wenn man sie nicht spürt, ist das Edelste. Spurgeon

1. ‭Joh 4,17: Auch darin ist die Liebe mit uns zum Ziel gekommen: Dem Tag des Gerichts können wir mit Zuversicht entgegensehen, denn so wie Jesus sind auch wir in dieser Welt.‭

Am Tag des Gerichts: Dies ist der Zeitpunkt , an dem die Vollständigkeit des Werkes der Liebe in uns demonstriert wird. So sehr wir die Vollständigkeit der Liebe Gottes jetzt erkennen können, werden wir sie am Tag des Gerichts umso mehr erkennen.

Worte von Benedikt XVI: Am Ende werden wir vor Jesus stehen und Rechenschaft ablegen. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt zum Eigentlichen unserer selbst. In dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Er ist im Leiden Christi letztlich schon verbrannt. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Benedikt XVI

1. Joh 4,17: Wir sind in dieser Welt schon ebenso mit dem Vater verbunden, wie Christus es ist.

1. Joh 4,18: In der Liebe gibt es keine Furcht, denn Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Wer noch Angst hat, rechnet mit Strafe. Bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht.

Furcht ist nicht in der Liebe: Das Gericht Gottes ist Hoffnung, weil es sowohl Gerechtigkeit wie auch Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Wir dürfen nun alle unsere Sorgen auf Ihn werfen, denn er ist besorgt um uns und hat uns lieb. Das Gericht versetzt uns daher nicht in Angst, so ernst es zweifellos auch sein wird. Denn er hat unser Gericht auf dem Kreuz bereits getragen, all unser großes und kleines Versagen. Die vollkommene Liebe zu Christus treibt daher die Furcht aus und schenkt uns durch den Glauben Frieden mit Gott. Wenn ich mich vor Gott noch fürchte, dann bin ich nicht vollendet in der Liebe.

1. Joh 4,19: Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.

Er hat uns zuerst geliebt: Das bedeutet, dass es wahr ist, dass Er uns jetzt liebt. Glaubst du es? „Oh, wenn du wirklich glaubst, dass er dich so geliebt hat, dann setze dich hin und drehe das Thema in Gedanken um und sage dir: ‚Jesus liebt mich; Jesus hat mich auserwählt; Jesus hat mich erlöst; Jesus hat mich gerufen; Jesus hat mir vergeben; Jesus hat mich in eine Einheit mit sich aufgenommen. Spurgeon

Als zuerst Geliebte lieben wir: Wie Gott uns so innig liebte, dass er alle als seine Kinder angenommen hat, so zeigt auch ihr, dass ihr wirklich seine Kinder seid, indem ihr einander von ganzem Herzen innig liebt. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht. Welche andere Antwort können wir auf eine so große Liebe geben, wenn nicht die eines offenen Herzens, das zu lieben bereit ist? Er hat uns nach seinem Bild geschaffen hat. Dieses Bild müssen wir in allen Menschen ehren und lieben. Wie liebevoll müssen wir den Nächsten aufnehmen, indem wir in ihm diese Gottähnlichkeit ehren.

Das Christentum besteht darauf, dass der Mensch seinen Wert in sich selbst trägt, weil er ein Kind Gottes und nach seinem Bild geschaffen ist. Martin Luther King

1. Joh 4,20: Sollte nun jemand behaupten: Ich liebe Gott und dabei seinen Bruder oder seine Schwester hassen, dann ist er ein Lügner. Wenn er schon seine Geschwister nicht liebt, die er sehen kann, wie will er dann Gott lieben, den er nicht sieht?

Liebe ohne Wenn und Aber: Wenn du diesen Vers in seiner Konsequenz für deinen Alltag durchdringst, wirst du mit allen Menschen in deiner Umgebung in Frieden leben, gerade auch mit denen, die dir Schwierigkeiten bereiten. Uns nahe Menschen zu lieben, ist nicht schwer. Die Nächstenliebe wird dort heraus gefordert, wo ich eine Abneigung empfinde. Der Nächste mag mir im Verhalten und Wort nicht gefallen. Gerade dann aber, wenn diese natürliche Gründe zur Abneigung vorhanden sind, strahlt die Liebe umso heller. Liebe ist hier eigentlich immer nicht leicht, sondern kostet Überwindung. Umso klarer erstrahlt sie dafür. Wichtig: Liebe kann sehr verschieden sein kann. Sie ist nicht immer überschwängliche Emotionalität, sondern kann bei für mich schwierigen Personen schlicht in einem respektvollen Umgang bestehen. Eines aber bleibt: Liebe ohne Wenn und Aber

1. Joh 4,21: Vergesst nicht, dass Gott selbst uns aufgetragen hat: Wer Gott liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.

Gottes- und Nächstenliebe: Es ist Gottes Auftrag an uns, die Gottes- und Nächstenliebe in der Einheit als eines einziges Gebot zu sehen und es nach bestem Bemühen umzusetzen. Dazu Benedikt XVI: Wenn ich die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur fromm sein möchte, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch korrekt, aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar: Es ist nur ein Gebot.

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste