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Johannes Evangelium – Kapitel 19

Joh 19,1-16: Übergabe zur Kreuzigung

Mt 27,15-26; Mk 15,6-15; Lk 23,13-25

Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Joh 19:1

Solche Bibelverse stehen in ihrer Kürze da, ohne dass sie gleich offensichtlich das große Ausmaß offenbaren. Die Geißelung war eine äußerst barbarische Strafe. Dass Simon von Kyrene Jesus auf dem Weg nach Golgota den Kreuzesbalken tragen muss und dass Jesus so schnell stirbt ist durchaus in Verbindung mit Tortur der Geißelung zu sehen, bei der andere häufig schon starben. Die Römer verwendeten eine Peitsche, die aus mehreren Lederbändern bestand, an denen kleine Knochen- und Metallstücke befestigt waren. Die Geißelung riss die Haut auf dem Rücken auf, so dass eine blutige Gewebe- und Knochenmasse heraustrat. Das Opfer verlor sehr viel Blut, wodurch oft der Tod oder mindestens Ohnmacht verursacht wurde. Der Sohn des Menschen muss viel leiden.

O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron. Paul Gerhardt

Die Kriegsknechte flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen Purpurmantel um. Joh 19:2

Sie sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden!, und schlugen ihn ins Gesicht. Joh 19:3

Sie legen dem brutalst verwundeten Jesus in karikierender Form die Zeichen kaiserlicher Majestät um: den purpurnen Mantel, die aus Dornen geflochtene Krone und das Zepter aus Schilf. Sie verhöhnen: Sei gegrüßt, König der Juden. Ohne es zu wissen, vollziehen die Soldaten das, was in Jesaja prophetisch über Jesus gesagt wird: Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm. Durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jes 53,5) Seit Jesus sich schlagen ließ, sind gerade die Verwundeten und Geschlagenen Bild des Gottes, der für uns leiden wollte. So ist Jesus mitten in seiner Passion Bild der Hoffnung: Gott steht auf Seiten der Leidenden.

Die Dornen sind ein Zeichen des Fluches, den die Sünde der Menschheit brachte. Hier haben wir das Bild des Herrn Jesus vor uns, wie er den Fluch unserer Sünden trägt, damit wir die Krone der Herrlichkeit empfangen können. Auch das Purpurgewand diente dem Spott. Purpur ist die Farbe der Könige. Doch wieder erinnert es uns daran, wie unsere Sünden auf den Herrn Jesus gelegt wurden, damit wir mit dem Gewand der Gerechtigkeit Gottes bekleidet werden können. Wie schrecklich ist es, sich vorzustellen, dass der ewige Sohn Gottes von seinen eigenen Geschöpfen geschlagen wird! Münder, die er erschaffen hat, öffnen sich nun, um ihn zu verspotten!

Nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich als Gottes Sohn ausgegeben. Als Pilatus das hörte, bekam er noch mehr Angst. Joh 19:7‭-‬8

Als antiker Mensch rechnet Pilatus damit, dass gottähnliche Wesen in Menschengestalt auftreten konnten. Die Haltung und Angst von Pilatus im Prozess ist gerade auch von diesen Vorstellungen her zu verstehen. Die Ankläger bemerken diese Angst und stellen dieser Angst nun eine andere Angst gegenüber. Gegen die Angst vor einer möglichen göttlichen Gegenwart setzen sie die ganz praktische Angst, das Wohlwollen des römischen Kaisers zu verlieren. Sie drohen Pilatus. Daraufhin fällt Pilatus das Todesurteil. Am Ende ist die Angst um die Karriere stärker als die Angst vor den göttlichen Mächten.

Wenn du diesen freilässt, so bist du kein Freund des Kaisers. Denn wer sich selbst zum König macht, der stellt sich gegen den Kaiser! Da gab Pilatus nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. Joh 19:12;16

Joh 18,17: Weg zur Kreuzigung

Mt 27,32-37; Mk 15,21-24; Lk 23,26-31

Joh 19,18-27: Jesus wird gekreuzigt

Mt 27,35-44; Mk 15,25-32; Lk 23,32-43

Dort kreuzigten sie ihn. Joh 19:18

Dass der Messias sterben sollte, war schon schwer anzunehmen, doch dass er solch eines Todes sterben sollte, ging über jedes Vorstellungsvermögen hinaus. Und doch war es so. Alles, was Christus einschließlich des Kreuzes berührte, schmückte und verwandelte er und versah es mit Schönheit und Glanz, doch wir sollten nie vergessen, aus welchen schrecklichen Tiefen er das Kreuz erhoben hat. MacDonald

Für mich hingst du am Kreuzesstamm, du hochgelobtes Gotteslamm; du warst gehorsam bis zum Tod, nahmst auf dich Schmerzen, Angst und Tod und hast dein Blut vergossen.

Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es stand geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden.  Joh 19:19

Diese Überschrift nun lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache geschrieben. Joh 19:20

Wir können die Bedeutung der Tatsache, dass die Aufschrift in drei Sprachen, nämlich Griechisch, Lateinisch und Hebräisch, geschrieben war, nicht missverstehen. Zweifellos geschah das, damit sicher war, dass jeder in der Volksmenge es lesen konnte, doch die Gemeinde Christi hat darin immer ein Symbol für die allumfassende Herrschaft Christi gesehen. Denn es waren die drei großen Weltsprachen. MacDonald

Siehe da, deine Mutter. Joh 19,27

Das Wort des Gekreuzigten an den Jünger, an Johannes und durch ihn hindurch an alle Jünger Jesu „Siehe da, deine Mutter“ wird durch alle Generationen hindurch immer neu wahr. Maria ist in der Tat zur Mutter aller Glaubenden geworden. Zu ihrer mütterlichen Güte wie zu ihrer jungfräulichen Reinheit und Schönheit kommen die Menschen aller Zeiten und aller Erdteile in ihren Nöten und ihren Hoffnungen, in ihren Freuden und Leiden, in ihren Einsamkeiten wie in der Gemeinschaft. Und immer erfahren sie das Geschenk ihrer Güte, erfahren sie die unerschöpfliche Liebe, die sie aus dem Grund ihres Herzens austeilt. Benedikt XVI

Joh 19,28-37: Jesus stirbt am Kreuz

(Mt 27,45-56; Mk 15,33-41; Lk 23,44-49

Mich dürstet. Joh 19,28

Dieser Ruf Jesu richtet sich an jeden Einzelnen von uns. Ja, Jesus dürstet nach dir. Dein ganzes Leben lang schaut er nach deiner Liebe aus. Er hört nie auf, dich zu lieben und er dürstet danach, von dir geliebt zu werden. Viele Dinge probieren wir auf unserer Suche nach Glück aus. Wir antworten viel zu häufig auf Gottes fürsorgende Liebe immer wieder mit Essig. Versuchen wir immer mehr auf den Durstruf Jesus mit Liebe zu antworten. Es kommt dabei nicht darauf an, wieviel wir tun, sondern immer wieder, dass wir wirklich Liebe in die Tat umsetzen.

Er rief: Es ist vollbracht! Dann ließ er den Kopf sinken und starb. Joh 19:30

Mit diesen Worten legt der sterbende Jesus alles in die Hände seines Vaters. Jesu Aufgabe auf dieser Erde ist erfüllt. Das Wort bezieht sich zunächst darauf, dass Jesus nun sein Leiden durchgestanden hat. Aber das Wort hat noch einen tieferen Sinn: Jesus hat mit seinem Tod den Tod überwunden. Er hat mit seinem Sterben für uns den Weg ins Leben eröffnet. Nun braucht Christus nichts mehr zu vollbringen, um deine Vergebung zu bewirken. Das Versöhnungswerk ist ganz vollbracht. Ja, in diesem Wort leuchtet das große Geheimnis des Kreuzes auf, in dem er uns seine Liebe schenkt und so uns zu sich hinaufzieht.

Hier schlagen von neuem Flammen der Liebe empor. Unser Herr litt unsagbar in seiner Seele und an seinem Leib. Für seine Leiden gibt es keinen Vergleich in dieser Welt. Seht die Bedrängnisse seines Herzens, seht die Schmerzen seines Leibes. Beachtet es und seht, ob es einen Schmerz gibt, der dem seinen gleicht. Dennoch vermochten ihn alle seine Schmerzen nicht zu töten, alle seine Bedrängnisse, alle Schläge mit der Hand, mit dem Rohr und den Dornen, mit der Geißel und dem Hammer, der Stich der Lanze. Der Tod hatte nicht Kraft genug, um Sieger über dieses Leben zu werden. Es war ihm unerreichbar. Wie starb er dann? Was der Tod nicht vermochte, unternimmt die Liebe und vollbringt es. Er ist aus Liebe gestorben, der Erlöser meiner Seele. Er wurde geopfert, weil er selbst es wollte. Es geschah aus eigenem Entschluß, daß er starb, nicht durch die Macht des Bösen: Ich setze mein Leben ein. Niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es hin. Franz von Sales

Als sie zu Jesus kamen, stellten sie fest, dass er bereits tot war. Deshalb brachen sie ihm nicht die Beine. Joh 19:33

Während die Römer bewusst zur Abschreckung die Gekreuzigten nach dem Tod am Marterpfahl hängen ließen, mussten sie nach jüdischem Recht noch am selben Tag abgenommen werden. Deshalb war es Aufgabe des Hinrichtungskommandos, durch Zerschlagen der Gebeine den Tod zu beschleunigen. So geschieht es auch im Fall der auf Golgotha Gekreuzigten. Jesus allerdings war schon tot. Hier leuchtet das Geheimnis des Pascha-Lamms Jesus auf. Es gab nämlich die Vorschrift, dass dem Pascha-Lamm bei der Schlachtung kein Knochen zerbrochen werden darf. Jesus ist das wahre Pascha-Lamm, das rein und vollkommen ist.

Einer der Soldaten stieß ihm eine Lanze in die Seite. Sofort flossen Blut und Wasser aus der Wunde. Joh 19:34

Sein offenes Herz wird die Quelle der Gnade. Aus der Todeshingabe Jesu strömen Blut und Wasser. Blut und Wasser stehen für Eucharistie und Taufe, für das, was alle Christen verbindet. Blut und Wasser stehen für die liebevolle Hingabe Jesu an alle Menschen. In diese Hingabe Jesu sind wir durch Taufe und Eucharistie eingebunden. Blut und Wasser stehen für die Einheit aller Menschen mit Gott und untereinander.

Die geöffneten Seite des gekreuzigten Jesus ist die Tür zum Heil. Das fließende Blut steht für die Eucharistie, das fließende Wasser für die Taufe. Durch seine Wunden sind wir geheilt. Am heutigen Hochfest des heiligsten Herzens steht ein Geheimnis im Mittelpunkt, das Geheimnis des Herzens eines Gottes, der Rührung empfindet und der die Menschheit mit all seiner Liebe überflutet. Vom Kreuze her fließen „Ströme lebendigen Wassers“ (Joh 7,37-38). Das lässt uns immer wieder in Ehrfurcht erstaunen. Immer wieder gilt es darüber meditativ zu staunen und dies nicht in die Schublade unserer Erlebnis-Gsellschaft zu stecken.

Joh 19,38-42: Jesus wird ins Grab gelegt

(Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Lk 23,50-56)

Auch Nikodemus, der Jesus einmal nachts aufgesucht hatte, kam und brachte etwa 30 Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe. Joh 19:39

Das Begräbnis Jesus ist ein ergreifender Moment. Es ist die Nacht des Todes. Doch auch hier erstrahlt die Würde, Hoheit und Herrlichkeit Jesus. Zum einen ist die Menge des Balsams außerordentlich und überschreitet jedes gewöhnliche Maß: Es ist ein königliches Begräbnis. Zum anderen ist es ein Grab, in dem noch keiner davor lag. Augustinus schreibt dazu: Wie in dem Schoße der Jungfrau Maria niemand vor ihm, niemand nach ihm empfangen wurde, so ist in diesem Grabe niemand vor ihm, niemand nach ihm begraben worden. Auch wir werden, wenn wir in die Nacht des Todes zum Leben hinschreiten unsere Würde als Kinder Gottes nicht verlieren. Das ist unser Glaube und unsere Zuversicht.

Sie nahmen nun den Leib Jesu und banden ihn samt den wohlriechenden Gewürzen in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben pflegen. Joh 19:40

Eingehüllt in das Leinentuch, das Grabtuch, gleitet der gekreuzigte und gequälte Leib Jesu langsam aus den barmherzigen und liebevollen Händen Josefs von Arimathäa in das Felsengrab. In den Stunden der Stille, die nun folgen, wird Christus wirklich wie alle anderen Menschen sein, die in den dunklen Schoß des Todes, der Leichenstarre, des Endes vordringen.

In dem Garten war ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war. Joh 19:41